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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

^ % II 









7 ^ t - ri r - 



THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 



THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 

BUILDING USE ONLY 

PA3 
.P6 
Bd. 16 
1886 





This book is due at the LOUIS R. WILSON LIBRARY on the 

last date stamped under "Date Due." If not on hold it may be 
renewed by bringing it to the library. 




DATE DFT 
DUE RET 


DATE 
DUE 
















































































































: ■ 


















: 










































Form No. 513 









Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/philologischeran16gtti 



PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 



ALS ERGÄNZUNG 






.11« 
PHILOLOGUS 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ERNST von LEUTSCH. 

SECHSZEHNTEE BAND. 



1886. 



GOTTINGEN 

VERLAG DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG. 

1886. 



V- 



J. 1. 1886. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutseh. 



1. Brugmann, Karl, griechische grammatik. 125 p. 
8. [Erster theil des ersten halbbandes von Iwan Müller, hand- 
buch der klassischen alterthumswissenschaft in systematischer 
darstellung. Nördlingen, Beck, 1885.] 

Brugmanns arbeit ist eine parteischrift, dergleichen die 
Sprachwissenschaft bisher nicht gekannt hatte. Diesen Charakter 
verleiht ihr nicht sowohl die energie, mit der hier die lehren ei- 
ner bestimmten schule verfochten werden , als vielmehr die un- 
gleiche art und wejse, mit der ihr aütor licht und schatten ver- 
theilt. Die freunde der junggrammatischep sache werden in den 
Vordergrund gerückt ; wer nicht tfu diesen' gehört , kommt ent- 
weder gar nicht oder nicht gebührend zum worte. Eine solche 
Ungleichheit hätte in der vorliegenden, sqhrift um so eher ver- 
mieden werden müssen, als dieselbe ein handbuch vorstellen soll, 
das für laien bestimmt ist. Der fachmann , der den bestrebun- 
gen der tage gefolgt ist , kann die angaben des compendiums 
auf ihre historische treue hin leicht aus seinem gedächtnisse 
heraus prüfen ; der laie muß sie voraussetzen. Nur weil Brug- 
mqnn diese Voraussetzung in so hervorragendem maaße nicht 
erfüllt, habe ich mich entschlossen sein buch anzuzeigen. 

Ich beweise zunächst, daß der Vorwurf der Parteilichkeit, 
den ich dieser neuen griechischen grammatik entgegengehalten 
habe, von mir mit recht erhoben worden ist. Auf den wissenschaft- 
lichen werth derselben komme ich in zweiter linie zu sprechen. 

P. 11 wird die litteratur aufgezählt, welche belehruug über 
sprachwissenschaftliche methode gewährt. Man findet hier den 
titel: „John, Ueber die methodischen principien der sogenannten 
Philol. Anz. XVI. 1 



2 1. Grammatik. Nr. 

Junggrammatiker, Correspondenz-blatt für die gel.- und realschulen 
1884, drittes und viertes heft" ; ferner die ,. junggrammatischen 
streifzüge" Ziemers, eines mannes der von Pischel (Gott. gel. anz. 
1884, 501 ff.) dahin charakterisiert worden war, daß ihm die 
„elementarsten Sprachkenntnisse fehlen". Dagegen wird nicht 
erwähnt, daß die junggrammatische methode von Bezzenberger 
ausführlich kritisiert worden ist (Gott. gel. anz. 1879, 641 ff.); 
eben so wenig, daß J. Schmidt (KZ. XXVI, 329 ff.) einen we- 
sentlichen mangel derselben hervorgehoben hat. — § 5, 1 anm 2 
wird der nachweis dafür, daß a, e, o ursprüngliche vocale seien, 
mit folgender litteratur belegt: „verf. C. St. 9, 367 ff., K. Z. 
24, 2, M. U. 3, 91 ff., K. Z. 27, 201 ff., Osthoff M. U. 1, 207 ff., 
Verner in M. U. 1, 116, Collitz Bezz. B. 3, 177 ff., J. Schmidt 
K. Z. 25, 1 ff. u. a.". Ich gehe hier ausführlich auf die frage 
um die „Umgestaltung der vocalismuslehre", ein ; meiner Unter- 
suchung voraus gehe die erklärung, daß ich Brugmann das ver- 
dienst den vocalismus der Ursprache von neuem zur discussion 
gebracht zu haben durchaus nicht zu schmälern beabsichtige. In 
der mitgetheilten litteraturangabe fehlen recht wichtige arbeiten. 
Einmal die Schriften Amelungs , besonders der KZ. XXII, 361 
abgedruckte aufsatz. Sodann Collitz's kritik des Brugmann'schen 
vocalsystems Beiträge II, 291. Amelung wird gar nicht, Col- 
litz nur mittelbar erwähnt, indem Brugmann auf die replik ver- 
weist, die er M. U. III, 91 ff. gegen Collitz und Schmidt hat 
drucken lassen, sowie auf eine anmerkung Osthoffs (M. U. I, 207), 
aus der sachlich gar nichts zu holen ist. Die ehre direct ge- 
nannt zu werden hätte Collitz's aufsatz schon darum verdient, 
weil er den ersten durch druck veröffentlichten hinweis auf das 
palatalgesetz gebracht hatte. Die entdeckung des palatalgesetzes 
spricht Brugmann freilich Verner zu ; es ist mir indes nicht be- 
kannt, daß die von Bezzenberger Gott. gel. anz. 1879, 822 ff. 
gegebene darstellung des Sachverhaltes eine berichtigung erfah- 
ren hätte. Im folgenden will ich nun das Verhältnis von Brug- 
mann zu seinem Vorgänger Amelung und zu seinem kritiker Col- 
litz untersuchen. 

KZ. XXII, 369 spricht Amelung seine meinung dahin aus, 
daß man zwei indogermanische o-laute anzunehmen habe. Der 
erste a-laut sei im europäischen durch e, im arischen durch a 
vertreten ; der zweite a-laut im europäischen durch a , im ari- 



Nr. , 1 . 1 . Grammatik. 3 

sehen durch a und ä. Unter europäischem a versteht Amelung 
einen laut , der im griechischen durch « und o , im deutschen 
durch a reflectiert wird (Bildung der tempusstämme p. 59). Die 
gleichsetzung von griechischem .o mit arischem ä stammt von 
Schleicher, der die vokale o und ä als „erste Steigerungen" von 
e, resp. a betrachtet hatte. Im jähre 1876 stellte Brugmann 
ein System des ursprachlichen vocalismus auf. (Curt. Stud. IX, 
366 ff.). Brugmann unterscheidet zunächst zwei a-laute: ein ai, 
als dessen regelrechte fortsetzung altindisches a, griechisches, la- 
teinisches, slavisches e anzusehen ist; und ein a%, welches in den 
arischen sprachen vor doppelconsonanz als a, vor einfachen con- 
sonanten als a, im griechischen als o, im deutschen als a erscheint: 
z. b. griechisch dedoyxs == altindisch dadärga , griechisch cpögog 
== altindisch bharas. Halten wir hier einmal inne, so liegt die 
nahe Verwandtschaft des Brugmann'schen mit dem Amelung'schen 
Systeme klar vor äugen. Amelung's erstes a ist Brugmann's a\\ 
Amelungs zweites a hat mit Brugmann's a% folgende punkte ge- 
meinsam: der genannte a-laut ist 1) im arischen bald durch «, 
bald durch ä vertreten : hat 2) im griechischen die gestalt o, 
im deutschen die gestalt a. In einem — wesentlichen — punkte 
unterscheidet sich Amelungs zweites a von Brugmann's a% : er- 
sterm entspricht neben griechischem o auch a , letzterm nur 
griechisches o. Dagegen besteht wieder darin eine berührung 
Brugmanns mit Amelung , daß Brugmann sein ü2 als „stärkern 
laut" bezeichnet (KZ. XXIV, 2), das zweite a Amelung's als 
„Steigerung" des ersten zu gelten hat. Da Amelung die vocale von 
griechisch ts7ovs, ÖedoQxs, altindisch tatana, dadärga als nachkom- 
men eines einheitlichen lautes , seines zweiten a, betrachtet hat, 
mußte er eine vertheilung von arischem ä und a annehmen, wie sie 
Brugmann's gesetz behauptet; in der that steht Tempusstämme 
p. 42 f. : „daher hat sich ä l ) in den perfectstämmen , die un- 
serer westarischen ersten ablautsclasse entsprechen, sasada, cakära, 
papäca, babhära, uväca erhalten , aber nur vor einfacher conso- 
nanz ; in allen positionslangen stammen ist es zu a geschwächt, 
wie in babandha". Wie Brugmann Stud. IX, 406 bemerkt, war 
ihm bei der abfassung seines aufsatzes entgangen, daß er in der an- 
nähme mehrerer ursprachlicher a-laute in Amelung einen vor- 

1) In der genannten arbeit gibt Amelung seinem spätem zweiten 
a den werth ö; bei Brugmann ist a 2 „mittelzeitig" (Stud. IX, 381). 

1* 



4 1. Grammatik. Nr. 1. 

ganger gehabt habe. Er hätte also alle Ursache gehabt diesem 
Vorgänger wenigstens jetzt gerecbtigkeit wiederfahren zu lassen. 
Wenn er denselben, wie niemand verkennen wird, überholt hat, 
so ist nicht außer acht zu lassen, daß er unter wesentlich gün- 
stigeren umständen geschrieben hat als Amelung : Verners glän- 
zende entdeckung half nicht allein die methode zu schärfen, sie 
lenkte auch das ganze interesse wieder ausschließlich den laut- 
lichen fragen zu. — Brugmann hat noch einen dritten indogerm. 
a-laut gefunden, den er mit a% bzeichnet. Curt. Stud. IX, 381 
wird derselbe mit folgenden worten eingeleitet : „ich deutete 
schon oben an, daß unsere a\ und «2 nicht die einzigen a-laute 
der indogermanischen grundsprache waren. Wie viele ihrer ge- 
wesen sind, wollen wir hier ununtersucht lassen. Nur einen fall 
erwähne ich beispielsweise, der uns deutlich einen a-laut erken- 
nen läßt, der in der Ursprache weder a\ noch as gewesen sein 
kann". Aus den gleicbungen altindisch pitä' = griechisch 
nattjQ = lateinisch pater t und altindisch sthitäs = griechisch ata- 
tög = lateinisch Status wird nun der dritte a-laut, 03, erschlossen. 
Im sanskrit ist er durch *, im griechischen und lateinischen 
durch a vertreten. Amelung hatte diesen a-laut noch nicht ge- 
kannt, da er griechisches a und noch nicht reinlich geschieden 
hatte. Es ist ein verdienst Brugmann's, daß er denselben nach- 
drücklich von den beiden andern a-lauten gesondert hat. Aus 
seinen oben ausgehobenen worten geht aber klar hervor, daß 
Brugmann mit der entdeckung des dritten a-lautes sein System 
noch nicht für abgeschlossen hielt : 03 ist ja nur „beispielsweise" 
ein weiterer „fall", der KZ. XXIV, 2, wo Brugmann die haupt- 
resultate seiner früheren Untersuchung mittheilt, nicht einmal er- 
wähnt wird. 

Brugmann's vocalsystem wurde von Collitz (Beiträge II, 291) 
einer eingehenden kritik unterzogen. Collitz hat zunächst ge- 
zeigt, daß Brugmann's annähme, 02 sei im arischen vor einfachen 
consonanten durch tf, vor doppelconsonanz durch a vertreten, 
an den thatsachen scheitere. 02 sei auch im arischen stets durch 
einen kurzen vocal dargestellt, durch a. Gegen diesen theil der 
Collitz'schen kritik, die in allem wesentlichen mit derjenigen J. 
Schmidt's (KZ. XXV 1 ff.) übereinkommt, hat sich Brugmann M. U. 
III, 102 ff. gewendet und zu zeigen gesucht, daß die gegen sein 
gesetz unternommenen angriffe „nicht als eine Widerlegung des- 



Nr. 1. 1. Grammatik. 5 

Beiben geltem" können (a.a.O. 1 29) 2 ). Im übrigen, meint Brugmann, 
sei sein vocalsystem mit dem von Collitz aufgestellten identisch. 
Ich kann das nicht finden. Qollitz's kritik gipfelt in dem satze, 
daß bei der reconstruction des ursprachlichen vocalismus nicht 
vom arischen sondern vom europäisch - griechischen vocalismus 
auszugehn sei. Die ursprachlichen kurzen vocale der sogenann- 
ten a-reihe sind nach Collitz a, e, o. Sie sind als solche vor- 
handen im griechischen; in den arischen sprachen sind sie in a 
zusammengefallen, doch erscheint ursprünglich a häufig geschwächt 
als i. Nun fallen die einzelsprachlichen Vertreter von Collitz's 
a und e , zu einem theile auch die von Collitz's o , zusammen 
mit den nachkommen der von Brugmann erschlossenen 03,01,02; 
und darum behauptet Brugmann, seine 03, 01, a% und Collitz's 
o, e, sei im gründe dasselbe , der unterschied bestehe nur in 
der transscription. Aber das ist eine Selbsttäuschung: der un- 
terschied besteht in der gesammtanschauung. Als Brugmann 
am ende seiner arbeit angekommen war, wußte er noch nicht 
oder gab wenigstens nicht an, wie viele o-laute er der Ursprache 
zuzuschreiben hätte : ein fertiges system bot er so wenig, daß er 
die frage nach der anzahl der ursprachlichen o-laute „ununter- 
sucht lassen wollte". Bei Collitz stehn o, e, o innerhalb eines 
Systems , in welchem neben o, c, o kein weiterer „o-laut" mehr 
zu denken ist; so wenig wie neben griechischem a, e, 0. Brug- 
mann liegt ferner noch ganz im banne der alten anschauung, 
welche e und o aus a hervorgehn läßt. Sein a\ ist „ein a-laut, 

2) Ich halte diesen beweis allerdings für mislungen und werde 
in diesem glauben durch die Verfasser der M. U. selber bestärkt. Col- 
litz und Schmidt hatten gegen Brugmann's gesetz die gleichung alt- 
indisch präti = griechisch ngon ins feld geführt. Brugmann bemerkt 
M. U. III, 111, die gleichung hätte entweder wegbleiben oder Osthoffs 
erklärung der besagten ausnähme „als unzulässig erwiesen werden 
müssen". Aber Osthoff steht der ausnähme selbst rathlos gegenüber. 
M. U. IV, 303, note heißt es: „ich könnte mir ... als eine denkbare 
beschränkung dieses . . . lautgesetzes vielleicht gefallen lassen : nur 
für hochbetontes indogermanisches 6 gilt die regel, daß es sich arisch 
vor einfacher consonanz zu ü entwickelt". Und p. 383 steht: „sskr. 
prdti ließ ich M. U. I, 210 anm., um das « in offener silbe = griech. 
zu erklären, unter dem einflusse von prä stehn. Jetzt scheint mir, da 
auch die oben p. 303 anm. zugelassene einschränkung des gesetzes über 
arisches ä und ä = indogerm. o dem präti nicht hilft, noch eher an- 
nehmbar zu sein, daß das lautgesetzlich kurze a der antesonantischen 
eeitenform präty = griech. ngös auf präti statt *prä'ti = griech. ngori 
übertragen worden sei". Ein gesetz, das seine Urheber in solche nöthe 
bringt, richtet sich selbst. v 



6 1. Grammatik. Nr. 1. 

der in der Ursprache von dem a in acker nicht viel abwich, - 
aber .... in der zeit des gemeinsamen europäischen sprachzu- 
standes .... schon eine entschiedenere nach e hinneigende aus- 
spräche bekam" (Stud. IX, 375). Man beachte: „schon . . . 
bekam" und halte hierzu die worte M. U. I, 32 : „wie nun das 
kurze e der europäischen sprachen in Wörtern wie europ. 
hMra „ich trage" .... schon in der indogermanischen Ursprache 
kein „reines a" mehr [NB. mehr!] war" — dann wird man 
sehen, daß hinter Brugmann's «i noch das alte ur-a sein wesen 
treibt. Collitz's e, welches von Brugmann's a\ sich nur durch 
die transscription unterscheiden soll, ist ein vocal, der nie etwas 
anderes als reines e gewesen ist; als e bewahren ihn die Euro- 
päer, die Arier wandeln ihn in a, pflanzen das andenken an ihn 
aber in den palatalen fort. Collitz hat also mit der alten an- 
schauung, an der Brugmann noch haftet, völlig gebrochen. 
Brugmann betrachtet ferner noch heute sein az als einen mittel- 
zeitigen vocal von dunklerer färbung ; er nennt ihn , im gegen- 
satz zu öj, den „stärkeren laut", und berührt sich in dieser an- 
schauung mit Schleicher, bei dem die laute, welche Brugmann 
als nachkommen seines a% definiert, steigerungslaute heißen. In 
Collitz's Systeme hat ein mittelzeitiger vocal keinen platz : mit 
der kürze e lautet die kürze o ab ; von einem „stärkeren" oder 
„schwächeren" vocale ist nirgends die rede, der Schleicher'sche 
begriff der Steigerung ist überwunden. Ich denke das alles be- 
weist, daß Brugmann von seinem kritiker nicht einfach die trans- 
scription herüberzunehmen hatte, um ihm gleich zu werden. Wenn 
er ihm jetzt gleich geworden ist, so hat sich mit der transscrip- 
tion seine anschauung geändert: zweifellos ist er im jähre 1876 
von ganz andern Voraussetzungen ausgegangen als sein gegner 
zwei jähre später. Und darum ist es unrecht, daß Brugmann 
die arbeit desselben unerwähnt läßt. 

Im § 11 wiederholt Brugmann seine M. U. III, 77 ff. auf- 
gestellte bebauptung, daß die vor den suffixen erscheinenden 
vocale «, e, o {Gvyä-rrjQ, yste-ri'iQ, *o/w'-qj*«t) mit sankritischem i 
(duhi-tdr-, jani-tdr-, vgl. jani-syäti) identisch seien. In seiner an- 
zeige des genannten buches (Gott. gel. anz. 1881 1418 ff.) war Fick 
auf die hier beregte frage eingegangen und hatte versucht Ord- 
nung in den Wirrwarr zu bringen. Brugmann brauchte diesen 
versuch nicht für gelungen zu erachten , aber er mußte ihn er- 



Nr. 1. 1. Grammatik. 7 

wähnen. — § 17 heißt es : „kein hiatus im wortinnern stammt 
als solcher aus der indogermanischen Ursprache". In KZ. XXIV, 
304 anm. schreibt J. Schmidt: „wichtig ist dabei, .... daß 
das älteste griechisch nirgend hiatus zeigt", und führt diesen 
wichtigen satz KZ. XXVII, 294 ff. weiter aus. Schmidts name 
fehlt. — § 35 adoptiert Brugmann die Collitz'sche Umschreibung 
derjenigen gutturale, welche bei den Südeuropäeru und Germauen 
als q- laute auftreten; er theilt auch die von Collitz Beiträge 
III, 190 mit unrecht verfochtene anschauung, welche in den ge- 
nannten ^-lauten ursprachliche g-laute erblickt ; er spricht ferner 
davon, daß diese g-laute im griechischen vor palatalen vocalen zu 
dentalen werden — gleichwohl sucht man Collitz's arbeit ver- 
geblich unter der am Schlüsse des § verzeichneten litteratur. — 
§ 23 fehlt hinter korkyräisch ßuyvafttroi,' Bezzenbergers name 
(Beiträge III, 136). Desgleichen § 38, wo Brugmann über den 
werth des durch ti und aa dargestellten lautes gerade so urtheilt 
wie Bezzenberger (Beiträge VII, 62 note 4); und § 54 unter 
der litteratur über epenthese (Beiträge III, 160 note). — § 71 
ist von den alten m-stämmen die rede , die im griechischen zu 
«-stammen geworden sind. Man vergleiche mit Brugmann's aus- 
führungen diejenigen Bezzenbergers Gott. gel. anz. 1879, 229, 
und entscheide, ob letztre nicht hätten erwähnt werden sollen. — 
Zwei zuerst vielfach bekämpfte, jetzt allgemein adoptierte an- 
schauungen werden Scherer entlehnt, jedesmal ohne citat Sche- 
rer war der erste , der in der dehnuug des stammauslautenden 
vocals eine bezeichnungsweise des nominativs erkannte (Zur ge- 
schichte der deutschen spräche 1 316). Brugmann schreibt § 75, 2 
kurz: „dehnungsbildung (die vocaldehnung ist indogerma- 
nisch, ihr Ursprung unklar)". Scherer theilte ferner zuerst sämmt- 
liche verba ein in verba auf -« (jetzt -ö) und verba auf -mi 
(a. a. o. 173). Bei Brugmann § 107 fehlt jeder hinweis dar- 
auf; der leser erfährt bloß, daß das ö von qt(jo3 „wohl aus o 
mit einem a-vocale, der personalendung, contrahiert" sei, und er- 
hält zu seiner belehrung die citate M. TL I, 146 ff., II, 121 f. In 
den beiden zuletzt angeführten fällen kann man vielleicht ein- 
wenden, daß diese entdeckungen gemeingut der Wissenschaft ge- 
worden sind. Allein wo Brugmann's eigene arbeiten gemeingut der 
Wissenschaft geworden 6ind, wie die über nasalis sonans, werden 
sie gewissenhaft erwähnt: vgl. § 5, 1 anm. 1. — Auch in einer 



8 1 . Grammatik. Nr. 1 . 

reihe etwas anders gearteter fälle mißt Brugmann mit zweierlei 
maaß. Brugmann hat zuerst ausgesprochen, daß das ß von att. 
ßovlonai auf g zurückführe (bei de Saussure, Mein. 265 note 2). 
Seine ansieht hat sich nur darin eine modification gefallen las- 
sen müssen, daß die vergleichung mit altindisch guräte, lateinisch 
grätus aufzugehen sei (Fick , Beiträge VI, 212), Nichts desto 
weniger citiert sich Brugmann im § 35 , wo er auf att. ßoi'Xo- 
fiai zu sprechen kommt •, und mit vollem rechte : wer eine neue 
idee auf die bahn bringt, dessen name ist auch dann zu erwäh- 
nen, wenn dieselbe besser , als er es vermochte, begründet wer- 
den kann. Aber wenn ein andrer in den fall kommt , in dem 
wir Brugmann eben gesehen haben , verfährt Brugmann gegen 
ihn nicht immer so gerecht wie gegen sich selber : er nennt da 
den autor nicht direct sondern nur mittelbar, indem er auf ei- 
gene oder auf arbeiten seiner gesinnungsgenossen verweist, in de- 
nen von dem jeweiligen ersten entdecker die rede ist. Der stärkste 
derartige fall ist mir im § 68 aufgestoßen. In einer seiner 
letzten arbeiten hat Benfey den gedanken ausgeführt , daß der 
ursprüngliche accent der griechischen präpositionen in der ana- 
strophe erhalten sei (Nachrichten von der Göttinger gesellschaft 
der Wissenschaften 1878, 1 65 ff.). Unter der bei Brugmann p. 50 ver- 
zeichneten litteratur ist Benfey's name nicht zu finden ; dafür ist 
auf Bloomfield, Amer. Journ. of Philol. IV, 21 ff. verwiesen, wo 
Benfey gewürdigt wird. Wie viele leute sind in der läge Bloom- 
fields abhandlung zu lesen und sich daraus zu belehren, wem 
sie die erkenntnis der wahren betonung der griechischen präpo- 
sitionen verdanken? 3 ) — § 72 heißt es: „wenn in 0^//-/xe?, 

3) Im hin blicke auf G. Meyer Zeitschrift für österr. gymn. 1884, 
p. 27 f. bemerke ich folgendes. Der grundgedanke der Benfey'schen 
arbeit ist allerdings bereits 1876 von Scholl (Acta Soc. Lips. VI, 65) 
publiciert, so daß man, wenn als autor einer idee derjenige zu gelten 
hat, der sie zuerst durch den druck bekannt macht, Scholl die ehre 
zusprechen muß, die ich Benfey zugesprochen habe. Benfey's schüler 
freilich haben durch Scholl nichts neues erfahren : im dezember 1875 
habe ich in Benfey's Vorlesung genau das gehört, was Benfey im fe- 
bruar 1878 hat drucken lassen. Auf keinen füll aber ist G. Meyer 
mit der publication des gleichen gedankens (KZ. XXIV, 3. heft, p. 238) 
Benfey zuvorgekommen, wie er meint. Meyers aufsatz ist datiert vom 
juni 1877; Benfey's artikel ist einem hefte entnommen, das im winter 
1875/76 zum letzten male benutzt wurde. Das oben erwähnte heft 
der Kuhnschen Zeitschrift ist am 8. august 1878 auf die hiesige biblio- 
thek gekommen; die nummer der Nacbricbten, die Benfey's aufsatz 
brachte, ist am 27. februar 1878 ausgegeben. 



Nr. 1. 1. Grammatik. 9 

TQ)%ci-t}i£g ein schwacher stamm pm = ai. vig-, abaktr. via ... . 
steckt (Osthoff, M. U. IV, 209 f.)". Diese annähme stammt nicht 
von Osthofij sondern von Fick (Beiträge III, 168 f.); gleichzei- 
tig mit Fick hat Saussure über zot^dixBg das gleiche gelehrt 
(Mem. 69). Aber Osthoff hat a. a. o., wenigstens für rp^a'^fff» 
sich auf Fick berufen. — § 108 (p. 74) steht: „in einem theil 
der tempora hat -fini älteres *«* (ai. -e) verdrängt, z. b. im ind. 
perf. wie riTvy/jni, vgl. ai. tutude = latein. tutudt, abulg. vede 
(Osthoff Zur gesch. des perf. 191)". Hinter der gleichung alt- 
ind. tutude = latein. tutudt ist jedenfalls Ficks name übergan- 
gen. Fick hat ein jähr vor Osthoff, Gott. gel. anz. 1883, 589 ff., 
die genannte gleichung ausgesprochen, und Osthoff hat in einem 
polemischen excurse seines buches auf Ficks Vorgang hingewie- 
sen. Ich habe zur zeit keine gelegenheit zu constatieren , ob 
Brugmann's citat auf eben jenen excurs hindeutet, so daß Fick 
mit citiert wäre, oder ob an der stelle des Osthoff'schen buches 
von Fick nicht' die rede, Ficks name von Brugmann also ganz 
hintangestellt worden ist. 

Es mag sein , daß in einigen der namhaft gemachten fälle 
ein einfaches versehen Brugmann's vorliegt, über das kein ver- 
ständiger sich aufhalten wird. Für alle reicht indes diese ent- 
schuldigung nicht aus. Ich kann mich des eindrucks nicht er- 
wehren, daß Brugmann in der begeisterung für die sache , die 
er verficht, schon so einseitig geworden ist, daß er sich der 
quelle, aus der eine neue Wahrheit geflossen ist, nur dann ganz 
deutlich erinnert, wenn sie einen junggrammatischen namen führt: 
fortschritt und junggrammatische arbeit fällt für ihn fast schon 
ganz zusammen. 

Seine einseitigkeit verräth Brugmann auch dadurch, daß er 
den aufstellungen der gegner gegenüber sich skeptischer verhält, 
als seinen eigenen und den hypothesen seiner freunde gegenüber. 
Man beachte folgendes. Drei gelehrte sind unabhängig von ein- 
ander auf den gedanken gekommen, daß indogermanisches o vo- 
cal des nachtons sei', nachdem G. Meyer in e richtig den vocal 
des haupttons erkannt hatte: Mahlow (Die langen vocalep. 161; 
erschienen 1879); Fick (Gott. gel. anz. 1880, 421 ff.) 4 ); Möller 



4) Seine ansieht über die Stellung des o hatte mir Fick übrigens 
schon im herbste 1878 mitgetheilt. 



10 1. Grammatik. Nr. 1. 

(Paul -Braune VIT, 492 ff; april 1880). Man wird hierin eine 
gewähr für die richtigkeit der beobachtung erblicken dürfen. 
Brugmann aber urtheilt anders (p. 20) : „wie sich die e- und die 
o- stufe zu einander verhalten, darüber sind zur zeit erst unsi- 
chere vermuthungen möglich". Diese reserve in einem hand- 
buche würde zu loben sein, wenn sie überall gleich geübt wäre. 
Aber dem ist nicht so. P. 16 wird die hypothese aufgestellt, 
der spiritus asper in ino, vneg, vögoq deute auf Übergang von 
anlautendem u in zu- im urgriechischen. P. 27 ist von Osthoff's 
„glaubhafter ermittelung" der „nebentonigen und der tonlosen 
tiefstufenform" und damit von einem buche die rede (M. U. IV), 
welches zwar reichhaltige, freilich nur mit vorsieht zu benutzende, 
Sammlungen , in der hauptsache aber lediglich eine durch ver- 
muthungen gestützte vermuthung über das Verhältnis von i, ü 
zu deren kürzen gebracht hat, die Saussure's bekannte theorie 
umstoßen soll. § 43 wird Osthoffs erklärung von griechischem 
fiiiinuai wiederholt, iakw^ui soll ein denominativum von einem 
nomen *^i« (aus*^i«) sein und eigentlich bedeuten: „suche mir 
ein weib". Das adjeetivum verbale zu (uraiftai heißt ^»j/oro'i'-, 
es müßte *^»^7o's' lauten, wenn fivuafAai ein verbum wie zt- 
fxäa wäre. 

Hiermit meine ich den Vorwurf der Parteilichkeit, den ich 
gegen Brugmann's buch erhoben, begründet zu haben, und trete 
nun dem inhalte desselben näher. 

Die junggrammatische schule 5 ) läßt sich bei ihren arbeiten 
von dem grundsatze leiten, daß die lautgesetze an sich ausnahms- 
los sind. Was hiermit gemeint ist, formuliert Brugmann p. 7 
dahin : „wenn innerhalb eines einheitlichen dialektes in einem 
gewissen Zeitpunkte eine lautbewegung aufkommt, so werden alle 
Wörter, in denen der laut unter gleichen bedingungen vorliegt, 
gleichmäßig von der lautbewegung berührt". Stellt sich eine 
ausnähme ein und ergibt die Untersuchung , daß die ausnähme 
keine scheinbare ist, d. h. daß in dem betreffenden worte wirk- 
lich der gleiche laut unter den gleichen bedingungen vorgelegen 

5) Wenn im folgenden von fehlem innerhalb der junggrammatischen 
methode die rede ist, 80 sind unter „Junggrammatikern" die heraus- 
geber der Morphologischen Untersuchungen zu verstehn. Daß ich von 
einem manne wie Paul noch immer gelernt und gerne gelernt habe, 
wird aus meinen anderweitigen arbeiten zu entnehmen sein. 



Nr. 1. 1. Grammatik. 11 

hat, so muß man die ausnähme — dies ist der zweite grund- 
satz — als analogiebildung zu begreifen suchen. 

Man kann das ohne weiteres als richtig zugeben ; dennoch 
wird man damit noch kein Junggrammatiker. Was den unter- 
schied ausmacht, sind nicht die principien sondern die anwen- 
dung der principien. Vortrefflich bemerkt J. Schmidt : „der 
Sprachforscher hat überall zuerst das gesetz festzustellen und erst 
in zweiter linie zu ermitteln, wie dessen Wirkungen von falschen 
analogieen durchkreuzt werden. Theoretisch sind hiermit auch 
die Junggrammatiker einverstanden . . . . Inder praxis aber gehen 
unsere wege vielfach aus einander" (KZ. XXVI, 330). Ich will 
nun an einigen beispielen zeigen , wie Brugmann lediglich da- 
durch, daß er nicbt bemübt war „das gesetz festzustellen' 1 , resp. 
vorschnell gesetze festgestellt bat, zu der annähme falscher ana- 
logiebildung verleitet worden ist. 

1. Brugmann stellt § 6 die regel auf: indogermanisches i = 
griechisches l. Er belegt dieselbe u. a. mit „hom. m'll^, ßXo- 
öVQwniti, vgl. ai. nadi's a 6 ) Es hat seine fruchte getragen, daß 
Brugmann das l dieser indischen kategorie mit einem griechischen 
langen i gleich gesetzt hat. Denn nun ist erstens die gleichung 
sanskr. pdtni, pätnim = griech. nnrvta, nörvtav nicht mehr mög- 
lich; dies griechische paradigma muß durch eine analogische er- 
klärung verdeutlicht werden, die alle paar jähre wechselt. Vor sechs 
jahren (M. U. II, 209) hatte Brugmann folgendes gelehrt. Anden 
stamm *k$iti- = sanskr. pdtni- trat zunächst im vocativ sg. 
nach der analogie von vvfixjia. ein a an. So entstand nörvia, 
ein vocativ. Da vocativ und nomin ativ der form nach häufig 
zusammenfielen, wurde ncnna auch als nominativ gebraucht. Das 
•führte dann zur bildung des accusativs nörridr. Heute ist es 
nun Brugmann wahrscheinlich (§ 70), daß umgekehrt noivmv 
das muster für nun ta abgegeben habe. Die accusativendung 
-tut vergleiche sich der indischen endung -tarn in vedisch sta- 
riam. Der nom. sg. von stariam heißt im veda stari'-s, während 
griech. nötna durch sanskr. pdtni, nicht *pätni-s, reflectiert wird. 
Also ist nÖTnat selbst wieder eine analogiebildung, da indischem 

6) Woher Brugmann diesen nominativ sg. hat , gibt er nicht an. 
Was die Schreibungen nadls, svädus, bharBs, acvais, yäus anlangt, so 
hätte eine erläuterung derselben gegeben werden sollen. Man kann 
von studenten, die ein handbuch benutzen, nicbt voraussetzen, daß sie 
mit allen modernen entdeckungen schon bekannt geworden sind. 



12 1. Grammatik. Nr. 1. 

patnim nach Brugmann ja *nöiti-v zu entsprechen hätte. Die- 
sen übergriff in die andere kategorie motiviert Brugmann mit 
keinem worte ; er deutet nicht einmal an, daß ein übergriff statt 
gefunden. — Zweitens, wenn nöllg langes i hat, sind die formen 
nom. nn)u<>', gen., nöXtog , noXtjog, dativ nöX?]^ noXet, nom. plur. 
nöletg aualogiebildungen. In der that schreckt Brugmann vor 
dieser annähme nicht zurück. Vgl. § 70: „die ursprüngliche 
declinationsverschiedenheit der l- und ei-stämme ist vielfach durch 
formübertragungen verwischt worden, so z. b. nollt;, n6Xti$ (statt 
noXli;, 77('i/.ie^) nach ßüolg, ßäasii;, umgekehrt ßäaiog nach aoXiog", 
§ 79: „altatt. noXsog ist neubildung nach yvöEog". § 82 wird 
no).jji als analogiebildung bezeichnet; § 86 nöXsit,'. 

Ehe man Brugmann in all diesen behauptungen recht gibt, 
hat man zu fragen : ist es denn bewiesen, daß das indische l in 
nadi u. s. f. im griechischen durch l reflectiert wird? 

Das einzige griechische wort mit angeblich langem i, wel- 
chem ein entsprechendes sanskritwort zur seite steht, ist noXig- 
Die vergleichung desselben mit sanskr. puri ist zwar nicht ohne 
bedenken, da man wegen des o und wegen nrtXtö* * to ovXXiytadai 
bei Hesych. auch daran denken kann Verwandtschaft mit latein. 
colere, inguülnus zu vermuthen (vgl. TiöXi-fiog, nTcXsfxos zu latein. 
percellere?). Indes sie soll gelten. M. U. II, 196 war Brug- 
mann noch so vorsichtig gewesen wegen altindisch puri- neben 
puri- einen stamm noXl- neben nöii- anzuerkennen; heute läßt 
er nur noch nöll- gelten. Um so schärfer werden wir die zeu- 
gen zu prüfen haben, die Brugmann für sein nöll- sprechen 
läßt. Es sind deren zwei : erstens die homerischen gedichte, durch 
welche die länge metrisch gesichert werde ; zweitens die ablei- 
tung nolirti^. Beide sind werthlos. Die länge des i von a6Xis f 
nöXiv folgt aus Homer nur für den, der die resultate des ersten 
heftes von Harteis Homerischen Studien kritiklos acceptiert und 
vor einem satze nicht zurückschreckt, wie ihn G. Meyer (Griech. 
gramm. p. 274) gewagt hat: „Homer hat, immer in der arsis, 
noXig nöXlv nt/ilv n^tlv cir &oi(tir tf&Qit, vocativ Qt'ii, wovon 
z. b. nöXiq n(j7j^m unzweifelhaft ursprüngliches l hatten". An- 
dere werden daraus, daß Homer in der Senkung nur nöXlv, fii\- 
t[v , ol* , dagegen iffv* mißt, den schluß ziehen, daß die länge 
von noXiq u. s. f. keine grammatische sondern eine durch die 
hebung bedingte metrische länge sei. Zu diesen andern bekennt 



Nr. 1. 1. Grammatik. 13 

sich halb und halb auch Brugmann , der § 82 schreibt : „wenn 
das l in homer. nartpi, vneopsyii u. s. w. (Hartel, Homer, stud. 
I 2 , 56 ff.) nicht bloß metrische lärigung ist". Man hat daber 
ein recht hinter „homer. noXi'-g" einzuschalten: „wenn das l nicht 
bloß metrische längung ist", somit diesem Zeugnisse den glau- 
ben zu versagen. — Zweites zeugnis: noXt'-rrjg. Folgt aus der 
länge des t von nolinjg irgend etwas für die länge des t in nö- 
Xig, so ergibt sich aus I8ic6rqg mit Sicherheit ein nominativ *l8icog. 
Woher die dehnung in den abgeleiteten nominibus auf -tag 
kommt , weiß ich nicht. Wäre ich Junggrammatiker , so würde 
ich folgende hypothese für plausibel halten. Als - rüg an 
eine reihe von stammen auf langen vocal getreten war (ai^itjti^g^ 
xoQwiJTrjg), bildete sich das gefühl heraus, dem -rüg müßte stets 
ein langer vocal vorausgehn ; „die verleiblichung dieser psychi- 
schen bewegung" (Brugmann, M. U. III, 72) ergab dann dyooiw- 
Ttjg neben Innörijg und noll itjg für altes *noliTrig. So aber 
steht für mich nur fest, daß das i von noll'ttjg die gleiche be- 
gründung fordert wie das eo von Idimzrjg und daß noXl'trjg nur 
in dem sinne einen stamm m'.Xl- gewährt, in welchem wir aus 
ldico77]g einen stamm I8C03- erschließen. 

Ein griechisches ncXl-g ist also durch Brugmann nicht be- 
wiesen. Das ist aber das einzige wort, dessen * man mit einem 
indischen l in gleicher läge zusammenbringen kann. Mit den son- 
stigen beispielen, die Brugmann M. U. II, 196 und in dem vor- 
liegenden buche für seine gleichung anführt, ist gar nichts an- 
zufangen. Mit ßXoavQcönig nichts, weil diese messung von -conig 
singulär dasteht (A 36 ßXoavuünlg tOTtyävmio). Mit i'jvir nichts, 
weil das wort etymologisch dunkel und vielleicht nach dem bei Theo- 
krit XXVIII, 13 hergestellten avioemt mit Fick hviv zu lesen ist. 
Mit oQiid-, xtrjftiö- nichts, weil die dehnung des 1 mit der ab- 
leitung zusammenhängen kann. Das 1 von bong mißt bei Ho- 
mer kurz Sl 219 ogvig iri nsyäooioi, ferner M 218 Tocaoiv od' 
ontig intjX&s nach den besten handschriften (Aristarch: ogng 
qXde). Daraus geht doch wohl hervor, daß dem ^-stamme die 
kürze zukommt, die länge erst in der erweiterung entsteht , der 
nominativ bong also *ögtld g vertritt. Daß die länge des i in die- 
sen Wörtern über das griechische hinausreiche, läßt sich in kei- 
nem falle erweisen. 

Mit der gleichung altindisch puri'- = griechisch nokl- stürzt 



14 1. Grammatik. Nr. 1. 

zusammen, was Brugmann über die declination von noXtg wie 
über die entstehung des paradigmas n&ivta, nöiviav gelehrt hat. 
Was dies letztere anlangt, so ist zuzugeben, daß die gleichset- 
zung der lautgruppe griech. i& mit sanskr. I wegen der übrigen 
sprachen Schwierigkeiten macht. Ich halte es aber für ersprieß- 
licher hier vor der hand mein nichtwissen zu bekennen, als auf 
grund verfehlter lautvergleichungen unbeweisbare analogiebildun- 
gen zu statuieren. 

2. Im § 13 7 ) stellt Brugmann den satz auf, sv werde im 
griechischen im anlaute zu h, im inlaute zu ao, o. Nun wider- 
sprechen dem ersten theile des satzes die angeblich mit ahd. 
suuellan, suuinan, sanskr. svdr verwandten Wörter oü\o±', oi'iofjat, 
2t tg Brugmann glaubt den Widerspruch dadurch beseitigen zu 
können, daß er das o mit Osthoff als aus dem satzinlaute über- 
tragen betrachtet: ßäXoi;, al'tcpiai, Zsio wurden aus Verbindun- 
gen wie h-aalog , ix-JZaoöi; , s-atvöftrjv , in denen das alte sv ja 
inlautend war, entnommen. Darüber ließe sich erst dann reden, 
wenn es sicher wäre , daß altes sv im griechischen inlaute zu 
ao, o würde. Brugmann hat den fehler begangen diese her- 
kömmliche lehre in sein buch herüber zu nehmen: mit ihr fällt 
auch das, was man auf sie gebaut hat 8 ). Ich stelle ihr die lehre 
entgegen : vorgriech. sv wird im griechischen inlaute nicht ao, o, 
sondern fällt aus. Wir haben hierfür ein ganz sicheres beispiel : 
nicht die gleichung sanskr. dhisvä = griech. dto , der Wacker- 
nagel KZ. XXV, 273 die attische contraction &ov entgegenhält; 
sondern das wort ins pfeil , welches Brugmann früher (Curtius 
Stud. IV, 170) richtig aus *j0po$ (sanskr. isu-) gedeutet hat. 
Vermuthlich hat Brugmann sich durch Osthoff M. U. IV, 186 

7) Beiläufig bemerke ich, daß die in diesem § gegebene verglei- 
cbung von griech. tkxw mit lit. welkt), falsch ist. Griech. tkxio gehört 
zu den vonFröhde (KZ. XXII, 268) zusammengebrachten latein. sulcits, 
ags. sulh. 

8) Der an laut a im griech. ist die schwierigste ecke des griechi- 
schen consonantismus. Die oben mitgetheilten etymologien halte ich 
alle für unzutreffend. Für cälog, oivo/uca weiß ich vorerst keinen rath; 
2ti(j führe ich auf tvesr- zurück und finde tves in lit. twiskii (glänze) 
wieder. Daß das i von üciskü zur e- reihe gehört, beweist das a von 
twasku , das nach Nesselmann bei Szyrwid vorkommt. Das vor dem 
Sibilanten erscheinende k des ebenfalls bei Szyrwid gebrauchten twak- 
styti (Bezzenberger, Lit. forsch. 191) kann nach Bezzenberger, Zur ge- 
schichte der litauischen spräche 82 note beurtheilt werden. Aus tv ist 
vielleicht auch das a in adog awg entstanden : Kögel vergleicht an- 
sprechend goth. pwastifia festigkeit (Paul-Braune VII, 191). 



Nr. 1. 1. Grammatik. > ^ 15 

dazu bewegen lassen seine alte ansieht aufzugeben. Allein Ost- 
hoff ist a. a. o. von der Voraussetzung ausgegangen, inlautendes 
sv werde zu aa, a — und diese ist nur mangelhaft begründet. 
Man beruft sich für sie — auch Brugmann — auf "aßitg , 'taog 
aus ^ic-ng und arkadisch rjuiaam. neben rjpttavg. Prüfen wir 
diese bausteine! Die vergleichung von griech. ptapn^ mit sanskr. 
visu ist keine zwingende, da die bedeutung des adverbs visu 9 ) 
(„nach beiden — nach verschiedenen seiten") mit der des grie- 
chischen adjeetivs sich nur gezwungen deckt. Bei Homer steht 
rftdtrai, fpeiaaro im lebendigen gebrauche; desgleichen gibt es 
viele nomina auf -po, die hinsichtlich des suffixes bei einer neu- 
bildung zum muster dienen konnten. Wie üsa^öi;, nafArj zu fteü- y 
68-, so pCapog zu pid- 10 ). Das <7 von jjfjiiavg soll aus den casus 
stammen , in welchen a unmittelbar vor p zu stehn kam , und 
aus aa vereinfacht sein ; für die doppelconsonanz soll arkad. 
rjulnaoi zeugen, das nach Osthoff M. U. IV, 187 mit avest. 
thrisva , catrusva ganz suffixgleich ist (s. Ascoli, Krit. stud. 339). 
Allein wenn >]/jiavg für *iqfMaav^ steht, warum ist auf dem münz- 
vertrage Sammlung no. 213, auf dem doppelconsonanz abgesehen 
von dem einen fiqvvsm peinlich genau geschrieben wird, zweimal 
alfiiaecor geschrieben ? Auch bei Homer — was im zusammen- 
hange mit der zuerst erwähnten thatsache von bedeutung ist — 
niemals die länge der zweiten silbe bezeugt ? Der gleiche ein- 
wand trifft die erklärung des a aus np, die noch A. Müller, De 
2 Litera in lingua graeca inter vocales posita p. 68 für mög- 
lich gehalten hat. Doppeltes a steht allerdings in riptlaaoi ; aber 
mit diesem aa kann es die gleiche bewandtnis haben wie mit 
dem xx von nelsxxcoi (TV 612) etc. ntltxvg = sanskr. paragusist 
in einem einzelnen dialekte, nicht urgriechisch wie das wort für 
„pfeil", in die o-declination hinübergeführt, wobei v zum consonanten 

9) Mit sanskr. visu will Ostboff M. U. IV, 186 auch griech. log, 
ein, zusammenbringen. Gegen J. Schmidts gleichsetzung von homer. 
ia mit goth. si wendet er ein, Schmidt vernachlässige ,,die digamma- 
spuren an den zwei stellen I 319, * 569, in einer formelhaften Wen- 
dung", wozu leicht noch A 174 durch änderung in ?ä$ dt Ijj komme. 
Aber sieben homerische stellen (| 435, J 437 , Z 422, N 354, n 173, 
X 477, Sl 496) zeugen gegen digamma : will man ändern (vgl. aber 
La Roche zu «f» 569), so müssen gerade jene zwei ersten stellen fallen. 

10) Böotisch xo/tUTTa/utvoi Sammlung 712 beweist nicht, daß urgr. 
*pidafos böot. *fijTo$ ergeben hätte. In der folge dental + ff + con- 
sonant assimiliert sich der dental schon urgriechisch, da die folge 
von drei consonanten, deren mittlerer a ist, verpönt war.; 



16 1. Grammatik. Nr. 1. 

und der neue consonant an» = altindisch g assimiliert wurde. 
Wurde Sjutavg zum o- stamme, so mußte sein -ov- das gleiche 
Schicksal hahen , wie das -xi>- von nfkixvg. Aus dem «x von 
ntlixxcoi , TieXexMjöe etc. hat noch niemand den Schluß gezogen, 
daß ursprachliches k*v im griechischen zu xx werde; eben-darum 
kann auch das aa von ijfiiaaot für das Schicksal von ursprach- 
lichem sv nichts entscheiden. Woher das a von rifiiavg stammt, 
läßt sich nicht eher sagen , als wir eine anzahl alter dorischer 
inschriften haben, die uns über das geschick von ursprachlichem 
tu im dorischen aufklären. Vorläufig bleibt die herkunft des a 
dunkel ; sicher ist aber, daß es keine alte doppelconsonanz ver- 
treten, also auch nicht für sv stehn kann. 

3. Brugmann entscheidet sich nach dem vorgange Osthoffs 
dafür, daß die von ihm entdeckte „nasalis sonans" unter dem 
hochtone eine andere gestalt habe als in anderer läge. Ich 
.will nicht fragen, warum der sonant n zwei gestalten haben soll, 
die mit ihm auf gleicher stufe liegenden sonanten r und l nur 
eine : alle aprioristischen erwägungen sollen unterdrückt, nur die 
thatsachen sollen gehört werden. Brugmann bringt § 21 drei 
thatsachen bei ; gewiß die besten , die er bei der hand hatte. 
Erstens hom. ion. saat aus ^saarzi; indogermanische urform 
*s-nti, daraus sanskr. sdnti, osk. set, umbr. sent, goth. sind. Das 
ivil der Nordgriechen und Dorer, das dal Homers und der At- 
tiker räumt Brugmann §112 ohne mühe hinweg: sie stehn „für 
uvti mit e nach den übrigen formen des indicativ, vielleicht zu- 
gleich nach Tt'öiiTi". Daß es glaubhaft sei, daß zwischen osk. 
set, umbr. sent, goth. sind und urgriech. iv7i nur scheinbar ein 
Zusammenhang bestehe, wie man annehmen muß, wenn £vt) erst 
für *ävu eingetreten sein soll, wird niemand finden. Viel ein- 
facher wäre es urgriech. ivtl als die lautgesetzliche , eaai als 
analogiebildung zu betrachten, welche zu ?/a , Hag, sa vollzogen 
wäre ; als griechische form der „nasalis sonans im hochtone" 
hätte dann tv, nicht «;, zu gelten. Es muß ein triftiger grund 
gewesen sein, der Brugmann abgehalten hat diese einfachere 
auffassung zu empfehlen : offenbar muß derselbe bei erörterung 
der übrigen beispiele zu tage kommen. Diese sind elisch avrtav 
= att. civrehv , und griech. emä = sanskr. saptö. Ich werde 
hernach unter 5. zeigen, daß elisch -uv nach Brugmann's eigener 
lehre als Umwandlung von -sv angesehen werden darf, mithin 



Nr 1. 1. Grammatik. 17 

eher gegen als für Brugmann zeugt. Bleibt also noch mtä. = 
sanskr. saptd. Warum nicht *sntuv , warum nicht sanskr. *sap- 
täm? Antwort (§ 101): „enzü entweder für *enta = ai. säpta 
d.i. *septm nach der analogie von Imä (Osthoff M. U. I, 97 ff.) 
oder für smäv — *septm in anlehnung an den auslaut von 
svvia, fig'x« ; die letztere auffassung verdient den vorzug". Brug- 
mann's drittes beispiel gründet sich also lediglich auf den glau- 
ben des lesers ; ohne spur eines beweises wird angenommen 
,1) daß griech. hmä eine Veränderung von *i>nräi> sei; 2) daß 
den anlaß zu dieser Veränderung und das muster für die neu- 
bildung die gestalt nicht etwa der benachbarten Zahlwörter sechs 
und acht (vgl. etwa elisch onim Röhl no. 121 nach imä), son- 
dern der benennungen von neun und zehn abgegeben habe. 
Die erste annähme involviert die weitere , daß auch sanskr. 
saptd für *saptäm stehe ; woraus folgt, daß zwischen sanskr. saptd 
und griech. inrä so wenig wie zwischen sanskr. sdnti und griech. 
evtl ein directer Zusammenhang walten kann. Ich hofie Brug- 
mann nicht zu nahe zu treten, wenn ich behaupte, daß das bei 
dieser gelegenheit von ihm eingeschlagene verfahren das umkehrt, 
was bisher als wissenschaftliche methode gegolten hat : die Laut- 
gesetze werden nicht mehr durch möglichst vollständige induction 
aus den sprachlichen thatsachen gewonnen, sondern die lautgesetze 
stehn a priori fest und die thatsachen, so viele ihrer man gerade 
bei der band hat , müssen sich beugen. Wer die gleichung 
sanskr. saptd = griech. smü ohne Voreingenommenheit betrachtet, 
den lehrt sie, daß „nasalis sonans" im hochtone genau so re- 
flectiert wird , wie unbetonte „nasalis sonans" (sanskr. nä'ma, 
griech. inofA.a, latein. nömen) , also im griechischen durch a ver- 
treten ist. Diese erfahrung deckt sich mit der, welche wir an 
den mit n gleichstehenden sonanten r und l machen: sanskr. 
vfJcas = goth. wulfs so gut wie sanskr. vavrtus = waurfiun. 
Steht nun fest, daß sanskr. saptd, griech. e/izä die lautgesetzlichen 
nachkommen von indogerman. septni sind , so können sanskr. 
sdnti, homer. ion. säai ebenfalls nicht so aufgefaßt werden , wie 
Brugmann thut : indogerman. s-nti hätte sanskr. *sdti , urgriech. 
*uti ergeben. Die indogermanische Urform folgt mit nothwen- 
digkeit aus der Übereinstimmung von sanskr. sdnti, nordgriech. 
dorisch in), goth. sind: daß sie se-nti zu lauten habe, ist von 
Fick (Gott. gel. anz. 1880, 421) und ohne rücksicht hierauf 
Philol. Anz. XVI. 2 



18 1. Grammatik. Nr. 1. 

von Kögel (Paul - Braune VIII, 105) ausgesprochen worden. 
Brugmann wird mit der trennung se-nti nicht einverstanden sein. 
Allerdings setzt dieselbe voraus, daß man neben es und s noch 
einen stamm s4, wie neben ei und i noch einen stamm je (er- 
halten in sanskr. ydnti) anerkennt. Ich sehe aber nicht, wie 
man sich , ohne den thatsachen gewalt anzuthun ? dieser forde- 
rung entziehen will. 

4. Brugmann erkennt gelegentlich — so § 6 durch die 
Schreibung fjttrsi (= sanskr. mänasi) — selbst an, daß bei Ho- 
mer die vorgriechischen Verbindungen am, eai, qoi zu a'i, ei, ol\ 
noch nicht zu diphthongen geworden sind. An andern stellen 
misachtet er dieses wichtige gesetz. Schon M. U. I, 173 ff. hat 
er die vermuthung aufgestellt, cf toste sei aus indogermani- 
schem bheresi so entstanden, daß an das lautgesetzlich entwickelte 
*cps'(jüi ein analogisches g getreten sei. Von Collitz (Anz. f. d. 
alt. V, 342) ist bereits darauf hingewiesen worden, daß man 
dann bei Homer noch *cpt>Qe'ig antreffen müsse. Dieser einwand 
wird von Brugmann ignoriert: § 107 wird die alte hypothese 
wieder vorgetragen, allerdings mit einem „vielleicht" eingeführt. 
Daß Brugmann bei Homer slg gelten läßt, obwohl es längst von 
Nauck überall durch «W ersetzt worden ist, zeigt ebenfalls, wie 
wenig er jenem gesetze rechnung getragen hat. Wer ferner 
bei Homer (iriti schreibt, der darf von «ni unmöglich annehmen, 
daß die form dativ-locativ eines o-stammes sei. Denn nach M. U. 
III, 98 haben wir „kein recht zu der annähme , derselbe laut 
könne unter ganz denselben bedingungen in verschiedenen Wör- 
tern verschiedene lautmechanische behandlung erfahren", alptt 
ist, wie schon der accent lehrt, ein locativ wie nurdij/itC, dfut^i 
osk. terei. Auch das ist nicht richtig, daß tl/jsi aus *tc>-i-fitv 
entstanden ist, wie § 6 und sonst angegeben wird. Aus welcher 
homerischen stelle ergibt sich die dreisylbigkeit der 3. pl. eht ? Der 
gegensatz zwischen dreisylbigem (te-rei und zweisylbigem eh* lehrt, 
daß in der letzteren form ein inlautendes o nie vorhanden gewesen 
ist. Aus *Hi/m = latein, slwus istf?//^», mit herübernahme des i 
aus den starken formen, entstanden, nicht aus *ia-i*psr. 

5. Ich bespreche noch, was § 107 über die entstehung 
von thr und von epsgotev gelehrt wird. Auch hier hat Brugmann 
zu der analogischen erklärung seine Zuflucht genommen , ohne 
darnach gefragt zu haben , ob nicht eine „organische" möglich 



Nr. 1. 1. Grammatik. 19 

sei. Als ursprüngliche endung der dritten plur. optat. betrachtet 
Brugmann in der ww'-conjugation -nt, in der ö-conjugation -#i. 
Nachkomme von -y,t ist, wie oben gezeigt, nach Brugmann griech. 
-«*t ; nachkomme von -y,t griech. -nr. Im griechischen auslaute 
fällt r ab : folglich sind die urgriechischen formen der dritten 
plur. optativi *elui und *q<£goi<t. Die form *el,ai> erkennt Brug- 
mann, ganz wie G. Meyer § 584, in elisch avtiav (Röhl no. 110) 
wieder ; sie eben ist Brugmann's zweiter beleg für die gestaltung der 
hochtonigen nasalis sonans im griechischen (siehe oben p. 16). Nach 
*tlav sei dann, vermuthet Brugmann weiter, *q£ooia zu *cpp(>oiav 
umgestaltet. Auch diese form gewähre das elische: anoTiPoiav 
auf der gleichen inschrift. Endlich sei in folge „qualitativer an- 
lehnung an das // von tu/r oder .... assimilation an das s 
der schlußsilbe von el-usi, f/-7*" das alte ztar zu shv ge- 
wandelt und nach thv auch jenes qJgoiav umgestaltet worden. 
— Die Junggrammatiker rühmen sich gerne der strenge 
ihrer methode. Nicht immer mit recht. Abgesehen davon, daß 
es überhaupt ein fragwürdiges unternehmen ist in Sachen des 
urgriechischen vocalismus etwas mit einem dialekte entscheiden 
zu wollen , dessen vocale sich in andern fällen von denen des 
urgriechischen anerkanntermaßen recht weit entfernt haben, be- 
richtet Brugmann § 8 noch ausdrücklich, im elischen sei s „sehr 
offen" gesprochen worden, indem er sich auf inschriftliches evaa- 
ßsoi, (xctnf.yas , yvcöftav = yv&fj'sv (von Blaß Samml. no. 1150 
jetzt anders erklärt), unter andern beispielen also auf ein wort beruft, 
in welchem £ vor auslautendem * als a erscheint — ; nichts desto 
weniger hält er § 107 elisch sav , zCvoiav für älter als nei> , tt- 
toisr. Das £ von ?hv soll möglicher weise auf „qualitativer 
anlehnung an das // von ürjt" beruhen; da auf der elischen 
inschrift fit für sttj steht, warum soll nicht das a von mv, ritotav 
auf „qualitativer anlehnung" an das a von elisch sav, 'iag , sa 
beruhen? So lassen sich Brugmanns aufstellungen aus dem glei- 
chen handbuche widerlegen , welches sie vorträgt. Der Wahr- 
heit über utr und tfegoiev war Brugmann früher M. U. III, 65 
ganz nahe gekommen; er hätte sich nicht von Osthoff M.U.IV, 
291 ff. dazu verleiten lassen sollen die dortigen ausführungen 
zurückzunehmen. Richtig hatte er a. a. o. geschrieben : „Osj£v(t)zvl 
&eCt]i> wie fqaier^r) zu kfürtjr, ueioi d. i. *asvri zu ürj/xt". Mit 
dem einzigen unterschiede , daß ich als indogermanische Urform 

2* 



20 1. Grammatik. Nr. 1. 

nicht 8-ie-nt sondern si-e'-nt ansetze, weil mir eben diese aceen- 
tuation begreiflich werden läßt , warum hier ie als ie (griech. 
eltr, latein. sient) erhalten , in den formen aber , welche unzwei- 
deutig das personalsufnx betonen, zu i reduciert ist 11 ), pflichte 
ich den dort gegebenen ausführungen bei. 

Nicht die principien, die anwendung der principien scheidet 
die Junggrammatiker von den grammatikern ohne weitern zusatz. 
Die beigebrachten beispiele haben gezeigt, daß Brugmann laut- 
gesetze aufstellt , die sich nicht bewähren ; daß er lautgesetze 
nicht beachtet, die andere , ja er selber , aufgestellt haben ; daß 
er außer acht läßt, daß es möglicher weise viele lautgesetze gibt, 
die wir noch nicht kennen. Er ist darum fortwährend in der 
läge analogiebildungen zu statuieren, wo andere die Wirkung 
von lautgesetzen erweisen können oder sich vorläufig damit be- 
gnügen sie zu vermuthen. Wer sich bemühen wollte die geschichte 
der griechischen formen, wie sie Brugmann vorträgt, in den köpf 
zu bringen, der würde, wenn es ihm gelänge, eben so viele un- 
beweisbare oder unrichtige hypotheseu als erkannte Wahrheiten 
bei sich beherbergen ; wahrscheinlich aber würde er das loos 
des Strepsiades zu tragen haben , von dem Sokrates in den 
Wolken klagt: fntXiXi^tui kq\v itadsiv. 

Die quelle einer reihe unrichtiger angaben wäre hiermit in 
der junggrammatischen methode aufgedeckt. Ich gedachte an 
diesen nachweis noch eine kritik der §§ 6 — 13 zu fügen. Die 
meisten ausführungen muß ich für eine andere gelegenheit zu- 
rücklegen. Zwei punkte will ich aber noch zur spräche bringen, 
weil auch sie zeigen , wie schnellfertig Brugmann mit der auf- 
stellung von lautgesetzen ist. 

Im § 10 kommt die brennende frage um das lange a zur 

spräche. Brugmann schreibt hier folgenden satz : „ob das bei 

Homer in der Verbindung mit einem andern vocale auftretende ä 

(z. b. ■Oea, 'Egpistäe, * jtfrgtCdäo , Floaetfiaöav), das für unionisch 

zu halten (Fick) kein triftiger grund vorliegt, und das ä in att. 

lä aojuar, xagdlä, yevta , otxvü\ ^^«'77«, %o>(jä u. dgl. (ion. ii]<io- 

l*ai , xnudhj u. s. w.) unveränderte urgriech. ä sind oder ob 

rückverwandlung von offenem e in ä stattgefunden hat, ist noch 

unklar". Wir wollen diesen satz einmal genauer prüfen ! 

11) Folgte der accent, so wurde wohl e zu schwa gekürzt und 
dieses mit dem vorausgehenden i zu dessen länge contrainert. 



Nr. 1. 1. Grammatik 21 

Brugmann ist genöthigt bei Homer zweierlei ä zu statuieren. 
Das eine ist urgriechisch-äolisch und ist überall da anzunehmen, 
wo nicht ein vokal folgt oder vorhergeht. Das andere tritt in 
der „Verbindung mit einem andern vocale auf" ; dieses für un- 
ionisch zu halten ,,Hegt kein triftiger grund vor". Bloß um 
dieses letztere ä fragt es sich hier. Nach Brugmann ist noch 
„unentschieden", ob dasselbe aus dem urgriechischen ererbt oder 
aus ionisch-attischem >j zurückverwandelt ist ; in jedem falle 
ist das ä dem nächst benachbarten vocale zu danken, der, wie 
das beispiel Iloßtidi'tcov zeigt, urgriechisch sogar durch digamma 
von ä geschieden gewesen sein kann. Brugmann räumt hier 
dem auf ä folgenden vocale eine macht ein, wie sie im attischen 
dem vorhergehenden sicher zukommt; er berührt sich hierin, ohne 
es freilich zu sagen, mit Dietrich (KZ. X, 430) und J. Schmidt 
(Voc. II, 329). Wir wollen nun sehen, ob in der that dieses zweite 
ä als ein ionisches gerechtfertigt werden kann; nach Brugmann 
ist es entweder unverändert aus dem urgriechischen überkom- 
menes «; oder es ist resultat einer rückverwanrllung. 

, Trifft die erste möglichkeit das wahre, so gilt die regel : ur- 
griechisches ä ist im ionischen des Homer als ä erhalten, wenn 
ein vocal folgt oder vorausgeht. Ich behaupte, daß es eine 
derartige regel nicht gibt , daß weder der folgende noch der 
vorausgehende vocal im ionischen die kraft hat ein ä unver- 
sehrt zu erhalten, daß mithin entweder die zweite möglichkeit 
zutrifft oder ä überhaupt nicht ionisch ist. Um meine behaup- 
tung zu beweisen , mache ich mir eine lehre Brugmaun's zu 
nutzen, welche K.Z. XXIV, 5 f. ausgesprochen ist : „wir haben 
hier mutter- und tochterform neben einander. In solchen fällen 
verliert sich die mutterform nach kurzer zeit in der lebendigen 
Sprache völlig". Noch eine zweite bemerkung Brugmaun's ist 
wichtig: ,,wenn innerhalb eines einheitlichen dialekts in einem 
gewissen Zeitpunkte eine lautbewegung aufkommt, so werden 
alle Wörter, in denen der laut unter gleichen bedingungen vorliegt, 
gleichmäßig von der lautbewegung berührt" (Handbuch p. 7). 
Nach dem ersten satze steht es fest, daß eine zeit, die^/rpaöfto 
und vvuqticot gesprochen hat, '^rgudän und vviufdmv nicht mehr 
im lebendigen gebrauch gehabt haben kann. Man muß daher, 
um das vorkommen der doppelform bei dem Ionier Homer be- 
greiflich zu machen, annehmen, die genetive auf -cco, -ämv seien 



22 1. Grammatik. Nr. 1. 

einer älteren periode der poesie entnommen, und sich auf deren 
formelhaften Charakter und -ihre Vorliebe für bestimmte_stellen 
des verses berufen. Aus dem zweiten satze aber ergibt sich, 
daß, wenn die Unmöglichkeit dargethan ist das ä der genetive 
auf -äo , -äcor als ein unverändert vom urgriechischen in das 
ionische übergeführtes zu betrachten, dann auch über das ä von 
Xäog, Floßeidäwv u. s. f. das urtheil gesprochen ist. 

Nun aber decken sich die ionischen genetive auf -t'mv 
mit den attischen auf -<ü/, die genitive auf -jm wahrscheinlich, 
wie ich an anderem orte zeigen will, mit den attischen genetiven 
auf -ov (ov aus so, dies aus fco). Die endungen -sav und -so? 
setzen -i'jojv und -ijo voraus. Sind homerisch '<4tQsi8äo , iv/icjdcov 
ionische formen, welche sich in formein erhalten haben, so fragt 
man, warum nicht auch die zwischen '^iroetSäo, tv/nyitcuv und 
'AjQttÖtcü , rvfiqimv nothwendig vorauszusetzenden mittelglieder 
*'s47Q£i8ijo, *vviA.cptjmi> in formein sich erhalten haben. Hat man 
zu der zeit, wo -äo, -a'co» in -?;o, -//an sich gewandelt hatte, 
keine epischen lieder gesungen, hat man erst wieder gesungen 
und gesagt, als -i/o, -/jwv zu -ea> und -itav geworden waren? 
Nirgends auf dem gebiete der Ionier treffen wir gesprochenes 
-i\o, -rjwv mehr an. Die ältesten lyriker messen -c« und -eW 
beharrlich einsylbig: bei Archilochos ri'yeco, [Avxtco , " Aqsco, 
Asmittto, Movat'cor, TtQTtwltKr, rvotcor, ßios'coi. Die Inselioiiier 
haben das andenken an die einstigen -?/o, -t'/mv ebenfalls nicht in 
der ausspräche sondern nur in der Schrift gewahrt. Ich kann das 
fehlen dieser mittelglieder bei Homer einerseits, das zusammentreffen 
der homerischen genetive auf -*W und -foj mit den attischen auf -öS»' 
und -ov andrerseits nur bei folgender Sachlage verstehn. Zu der 
zeit, wo Attiker und Ionier noch nachbarn waren, hatte die ionisch- 
attische tonerhöhung, die überall außer nach vocalen und nach 
q sich geltend gemacht hatte, die endungen -aar und -äo be- 
reits in -t'joaf und -?/o umgewandelt; bei den Attikeru und den- 
jenigen Ioniern , welche hernach zu trägern des epischen ge- 
sanges wurden, war ?/ in -/,'&)»• sogar schon gekürzt und -tjo in -sco 
umgesprungen. Wer dies läugnet, der muß die Übereinstimmung 
der gen. plur. der ä- stamme bei Attikern und Ioniern für zu- 
fällig halten, der muß ferner läugnen, daß zwischen der attischen 
und ionischen quantitätsvertauschung , die der intensivität der 
Verbreitung nach zu schliessen bei dem aus äo entstandenen yo, 



Nr. 1. 1. Grammatik. 23 

und zwar in den flectionssylben, begonnen hat, ein historischer Zu- 
sammenhang walte. 

Ist diese entwickelung richtig, so kann kein urgriechisches 
«, welches in der gleichen läge wie das in ' jftQeiSüo und 
rv^qacor erscheint, unverändert in den ionischen dialekt hinein- 
ragen : alle diese ä sind vor der zeit unserer denkmäler hin- 
weggeräumt gewesen. Folglich sind die bei Homer vor vocal 
stehenden ä entweder überhaupt nicht ionisch , oder die zweite 
der von Brugmann aufgestellten möglichkeiten muß sich erhärten 
lassen, ä muß resultat einer rückverwandluug von ij sein. 

Es wäre noch zu zeigen, daß auch das hinter einem vocale 
stehende homerische « kein, unverändert aus dem urgriechischen 
in das ionische übernommenes « sein kann. Ich begnüge mich 
mit der andeutung , daß der beweis durch die existenz von 
doppelformen wie &sa - Aev/.ottiij, Navcny.ua - xQavayt, Eg/tstag- 
tlEQasqtorsCijg geliefert wird, und wende mich sofort dazu darzu- 
thun, daß auch der zweite von Brugmann unternommene ver- 
such das bei Homer in der Verbindung mit einem vocal auf- 
tretende ä als ionischen laut zu begreifen nicht zum ziele führt. 

Brugmann hält es für denkbar, daß das mehrerwähnte ho- 
merische ä und das attische ä- purum durch einen rückläufigen 
proceß aus offenem e entstanden sei. Die hypothese , attisches 
ü^ purum beruhe auf rückverwandlung aus gemeinionischem e, 
ist nicht neu : schon Bergk hat sie vorgetragen, Cauer (Curtius Stud. 
VIII, 224 ff.) alsbald zu widerlegen versucht. Völlig neu dagegen 
ist die einer rückverwandlung im ionischen ; daß sie haltbarer 
sei als die erstere, bezweifle ich. Sie statuiert folgende ent- 
wickelungsgeschichte des ä im ionischen. Gemeinsam mit den 
Attikern haben die Ionier « zu ij erhöht in jeder läge. Im 
attischen ist tj nach vocal und nach q zu ä zurückgedrängt. 
Die Ionier haben rj nach y gehalten , vor und hinter vocal zu 
ä verwandelt. Dieser älteste zustand des ionischen ist durch 
die älteste sprachschicht des homerischen epos repräsentiert. 
Noch während der epischen production wurde dieses aus ?j ent- 
standene ä wieder zu tj erhöht. Beweis : ntjög neben Xäög bei 
Homer. Also haben wir zwei aus urgriechischem ä entstandene 
tj bei Homer zu scheiden: 

1) das tj in ari^ttai und in x c H Ji l- Stammt aus der ionisch- 
attischen periode. 



24 1. Grammatik. Nr. 1. 

2) das 7] in nr/i'g und in svgvoÖFiijg. Entsteht vor unsern 
äugen aus ä, welches urionisch aus ?] zurückgedrängt ist , und 
zwar aus einem /;, welches gleichzeitig mit dem in 1) genannten, 
also ionisch-attisch , aus ä verschoben war. Demnach hat der 
genetiv '^rgnüeco folgende geschichte hinter sich : urgriech. 
*'j4Tott8äo : ionisch- attisch ^Arfinidijo : urionisch *ATQudäo: 
ionisch 'AroHdijo (vgl. naxischJetvodixHO, Röhl no.407): " ATotidtm. 

Ich werde diese theorie für discutabel halten , wenn mir 
gesagt wird : 

1) welch anderer laut in einem dialekte solche Wanderungen 
von oben nach unten und von unten nach oben zurückgelegt habe 5 

2) wie es komme, daß die beiden zu so verschiedenen zeiten 
aus ü erwachsenen »; im klänge so sehr zusammengetroffen sind, 
daß sie auf der uralten ionischen inschrift, der Bustrophedonin- 
schrift von Naxos , deren autor ja sinn für die Unterscheidung 
der langen e-laute an den tag gelegt hat , gleichmäßig mit H 
dargestellt werden konnten : AEINOAIKHO , AAHON so gut 
wie HEKHBOAOl, NJKANJPH u. s. f. Dabei ist zu erwägen, 
daß die Schreibungen /JEJNO/JJKHO , JAHON auf eine zeit 
weisen, die hinter der aufzeichnung der inschrift zurückliegt. 

Es ist also Brugmann nicht gelungen das bei Homer in 
Verbindung mit einem vocale auftretende ä als ionisch zu recht- 
fertigen. Bis er eine besser begründete rechtfertigung vorbringt, 
namentlich aber, bis einmal eine inschrift gefunden wird, die ä 
in einem ionischen worte belegt, hat das homerische ä für nicht- 
ionisch zu gelten. 

Der andere punkt, den ich herausgreife, ist die § 13 ge- 
gebene regel, daß rg im lesbischen und böotischen anlautend zu 
ßg werde. Im eingange des § hatte Brugmann el. ßdixiag 
selbst als zeugnis dafür erwähnt, daß B als graphischer Ver- 
treter von p erscheine. Aber, erfahren wir jetzt, lesbisch 
ßp?//o)(> (handschriftlich) und böotisch Bgctfidag (inschriftlich) 
haben kein bloß graphisches ß ; sondern pn wird im lesbi- 
schen und im böotischen zu ßg. Einen beweis erwarte man 
nicht : Brugmann schreibt Meister nach , der Griech. dial. I, 
108 gesagt hatte: „dem gegenüber behaupte ich, daß im aeo- 
lischen ebenso ein lautübergang von pg zu ßg statt gefunden 
hat wie im böotischen in den namen Bg&ttftas , stamm p<tgr-. 



Nr 1. 2. Metrik. 25 

Bgetxldag und Bgsifiadag^ stamm pgrj*". P. 255 stellt Meister 
Bonri8<(^ zu Q/jv in noliQQijr. Man traut seinen äugen nicht, 
wenn man Brugmann die letztere etymologie wiederholen sieht : 
hat denn gi t v nicht ein urgriechisches e, müßte man höotisch 
nicht wenigstens *Bgtivi.8a<; erwarten? Der name BgaviSag ist 
das einzige zeugnis für böotisch po = $g , das Brugmann bei- 
bringt ; Bger/Jda*; und BgsicsuSn^ übergeht er, vermuthlich in 
der richtigen erkenntnis. daß mit diesen namen so lange nichts aus- 
zurichten ist, als man nicht weiß, ob sie überhaupt griechisch sind. 
Also ist für das böotische der fragliche Übergang nicht bewiesen ; 
und wie steht es mit dem lesbischen? Daß Alkaios pu ge- 
schrieben hat, ist ausdrücklich bezeugt (Bergk 3 fr. 149). Daß 
zur zeit Alexanders pg zu n geworden ist , wissen wir aus in- 
schriften, die gi^rcag und f}ij{HvT(av gewähren. Wo reiht sich also 
ßgrjtcoQ historisch ein ? 

Junggrammatisch ist zum theile auch die terminologie des 
buches. Brugmann redet von „indogermanist" (p. 18), von 
„rhtersonantisch", „antekonsonantisch", „postvokalisch". Bequem 
mögen diese bildungen sein ; aber ein philologe, der sein leben 
der grammatik geweiht hat, sollte, namentlich wenn er ein hand- 
buch des griechischen schreibt , weniger auf bequemlichkeit als 
auf Sauberkeit des sprachlichen ausdrucks sehen. Schleicher 
hat das wort „linguistik" als eine ,, etwas barbarische bildung" 
bezeichnet ; daß er über die ausdrücke „indogermanist", „ante- 
konsonantisch" milder geurtheilt hätte , ist schwer zu glauben. 

Fritz Bechtel. 

2. R. Thurneysen, der saturnier und sein verhältniß 
zum späteren römischen volksverse. Halle 1885. 63 p. 8. 

3. Lucian Müller, der saturnische vers und seine denk- 
mäler. Leipzig 1885. 176 p. 8. 

Thurneysen , der sich durch seine grammatischen arbeiten 
als scharfsinniger linguist bewährt hat, hat offenbar anstoß daran 
genommen , daß einige gelehrte auf grund der saturnischen me- 
trik sprachliche thatsachen zu erschließen gesucht haben, die er 
von seinem linguistischen Standpunkt aus nicht glaubt annehmen 
zu dürfen. Daher ist ihm Keller 's die bisher übliche messung 
des Saturniers bekämpfende hypothese sympathisch gewesen, doch 



26 2. Metrik. - Nr. 1. 

hat er sich auch Keller nicht ganz anschließen können und ist 
dadurch veranlaßt worden, selbst auf einem ihm bisher fremden 
gebiet zu debutiren. Dieser versuch kann aber nicht als glück- 
lich bezeichnet werden. Thurneysen's resultat ist nämlich (p. 47): 
,,der Saturnier ist nach dem wortaccent gebaut. Jeder vers ent- 
hält fünf hauptaccente. Die stelle des ersten accents ist fest, 
die des dritten und fünften geregelt, die des zweiten und vierten 
frei". Außerdem sieht er sich gezwungen, eine concession an 
das quautitätsprincip zu machen, indem er zugiebt, daß bisweilen 
eine doppelkürze die stelle einer silbe vertritt. Ich kann nicht 
finden , daß dies schema sich gegenüber dem für die quantiti- 
rende messung des saturniers aufgestellten durch größere be- 
stimmtheit auszeichnet. Zudem lassen sich die überlieferten Sa- 
turnier auch dieser unbestimmten form nur in gewaltsamer weise 
anpassen. Betrachten wir z. b., wie es um Thurneysen's ersten 
hauptaccent steht, der sich an fester stelle, nämlich auf der er- 
sten silbe des verses, finden soll. Der saturnier beginnt in der 
mehrzahl der fälle, aber durchaus nicht immer, mit einer accen- 
tuirten silbe. Es wäre nun zu untersuchen gewesen , ob sich 
die häufige accentuirung der anfangssilbe aus den regeln über 
die verscäsuren oder aus den quantitätsgesetzen erklären läßt, 
oder ob wir darin eine neigung zu einer regelung der 
vertheilung der wortaccente , die sich ja auch in quantitirenden 
versen finden kann , zu sehen haben. Auf solche difficilitäten 
läßt sich aber Thurneysen nicht ein , sondern beseitigt wohlge- 
muth die ausnahmen , indem er ihnen einen „nebenaccent" auf 
der ersten silbe giebt , er liest also Cornelius Lucius, ja sogar 

Bfcörpores Gigäntes ( u u u — J) und ist der meinung , auf 

diesem wege den beweis geliefert zu haben, daß „der erste der 
fünf versaccente die erste silbe des verses trifft". Es ist, wie 
mir scheint, wenig aussieht vorhanden, daß ihm die classische 
philologie auf diesen bahnen folgt. Ich meinestheils habe in 
Thurneysen's ausführungen keine beobachtungen über den accent 
im Saturnier gefunden, die sich nicht aus den bekannten regeln 
über cäsuren und quantität hinreichend erklären ließen. 

Eine weit nützlichere publikation ist Luciau Müller's arbeit. 
Wenngleich die schrift keine epochemachenden oder abschließen- 
den resultate bringt und auch nach der läge der sache nicht 
bringen kann, so ist sie doch ein mit gründlicher kenntniß der 



Nr. 1. 3. Metrik. 27 

römischen metrik und besonnenem urtheil bearbeitetes bandbuch, 
welches ausreichend über den heutigen stand der forschung hin- 
sichtlich des Saturniers unterrichtet. In den meisten fällen kann 
referent den metrischen anschauungen Lucian Müller's ohne be- 
denken beitreten. Besonders sympathisch ist ihm u. a. sein (von 
Havet schon vorbereitetes) urtheil über den gebrauch des aus- 
drucks „rhythmisch" bei den römischen metrikern. Rhythmisch 
heißt bei denselben jedes metrum , das sie nicht zu scandiren 
verstehen ; man sollte daher in unserer modernen metrischen lit- 
teratur aufhören, accentuirende verse als rhythmische zu bezeich- 
nen , und darf vor allen dingen nicht , wenn der saturnier in 
der antiken metrik rhythmisch genannt wird, darin ein zeugniß 
für seine qualification als accentvers sehen. Ferner schließe ich 
mich der Müllerschen ansieht (die in anderen arbeiten desselben 
gelehrten schon mehrfach, aber leider nicht mit dem gebühren- 
den erfolg verfochten ist) über die verlängernde Wirkung des 
versictus auf kurze endsilben unbedingt an, ja ich möchte sogar 
der älteren römischen metrik jegliche beweiskraft für die ur- 
sprüngliche länge später als kurz erscheinender endsilben ab- 
sprechen. 

In einzelheiten sind natürlich Lucian Müller's ansichten viel- 
fach angreifbar, da sich wohl nicht leicht zwei gelehrte finden 
werden, die über einen so problematischen gegenständ , wie das 
saturnische metrum ist, durchweg einer meinung sind. Ich will 
mich an dieser stelle auf einige bemerkungen über die Scipio- 
neninschriften beschränken. Es ist zu billigen, daß Lucian Müller 
am Schluß der grabschrift des L. Cornelius Cn. f. Scipio Lach- 
mann's conjeetur quei minus sit mäctus (statt mandatus) aufnimmt 
und so den anstößigen daktylus am anfang des zweiten hemi- 
stichs beseitigt. Weniger kann ich mich mit der vermuthung 
ti iitier vita in der grabschrift des P. Cornelius P. f. Scipio be- 
freunden, ich würde , wie Havet thut, tibe utier vita beibehalten 
und die verkürzende Wirkung einer betonten kürze auf eine fol- 
gende länge zur erklärung heranziehen, welche sich in der la- 
teinischen spräche in zweisilbigen jambischen wortformen und 
in gleicher weise in der archaischen metrik in zwei zusammen- 
gehörigen scheinbar einen Jambus bildenden silben hethätigt. 
In der grabschrift des L. Cornelius L. f. Scipio hält Müller nur die 
erste und vierte zeile für unvollständig, ich glaube mit recht, 



28 3. Metrik. Nr. 1. 

denn die übrigen sind dem sinne nach intact und keine der ver- 
suchten ergänzungen liefert einen metrisch unanstößigen vers- 
Aber ich kann ihm nicht beistimmen , wenn er die inschrift ei- 
nem so unfähigen versifex zuschreibt , daß er in der hälfte der 
verse an der messung verzweifelt. Ich würde lesen: 
Hone oino ploirume" J cosentiönt E[6mai] 

dvonöro öptumö | fuise viro: 

Luciom Scipiöne | filiö Barbäti. 

consöl censdr aidilis | hie fu^t a[püd vos.] 
Hec cepit Cörsicä | Aleriäque ürbe, 

dedet Te'mpestätebus j aide mereto 
Im zweiten vers ist der hiatus auffallend und die zweite hälfte 
ist auch für mich unscandirbar, doch wird ihre richtigkeit durch 
den zweiten vers der grabschrift des Calatinus (populi primäritim j 
fuisse virum) sichergestellt. Im fünften vers hat der dichter im 
fremdwort Aleria einen prosodischen fehler gemacht. Die mes- 
sung dedet Tempestätebüs im sechsten vers rechnet Müller aller- 
dings zu den prosodischen cruditäten, die er Havet vorwirft, 
aber ich halte sie für richtig ; weshalb sollte dedet Tempestätebüs 
im Saturnier weniger möglich sein als, um ein beliebiges beispiel 
herauszugreifen, negat Phäniüm am anfang eines senars bei Te- 
renz Phorm. 352? Die zweite hälfte kann ich ebensowenig scan- 
diren wie oben die worte fuise viro. Wie ich durch die Schrei- 
bung angedeutet habe, theile ich das epigramm in drei Strophen 
zu zwei versen, ich glaube nämlich in den Scipioneninschriften 
strophische composition zu erkennen. Alle vier bestehen aus 
sechs versen 2 ) , von denen je zwei dem sinne nach zusammen- 
gehören, und zwar wechselt in der dritten inschrift regelmäßig 
ein vers mit unterdrückter vorletzter Senkung mit einem solchen, 
dessen vorletzte Senkung erhalten ist, wir haben also die stro- 
phische gliederung a b -\- a b -j- a b , dagegen haben wir in 
der zweiten die Ordnung bb-\-ab-\-ab, und in der vierten 
ab-\-bb-\-ab. Die form b b finden wir in der mittleren 
Strophe der ersten inschrift wieder; die erste und dritte Strophe 
derselben inschrift unterscheiden sich von dieser mittleren durch 
die männlichen cäsuren , unter sich sind sie insofern im baue 
gleich, als sie aus einem verse von der form a und einem solchen, 

1) Daß der erste vers der dritten inschrift spätere zuthat ist, ist 
allgemein anerkannt. 



Nr. 1. 4. Palaeographie. 29 

der in der zweiten hälfte für mich unverständliche Variationen 
(fuise viro und aide mereto) zeigt, bestehen. Demnach können 
wir die Strophenordnung der ersten Scipioneninschrift durch 
ac-\-bb-\-ac bezeichnen. 

Friedrich Haussen, 



4. Oskar Lehmann, das Tironische psalterium der 
Wolfenbütteler bibliothek. Herausgegeben vom königl. steno- 
graphischen institut zu Dresden. Leipzig , druck und verlag 
B. G-. Teubner 1885. gr. 8. p. IV u. 208 dazu 122 bl. auto- 
graphiert. 10 mk. 

Die lateinische noteuschrift, deren erfindung die Überliefe- 
rung dem freigelassenen des M. Tullius Cicero zuschreibt, war 
bisher in der weise behandelt, daß entweder die notenverzeich- 
nisse einer behandlung unterzogen wurden, oder daß aus Handschrif- 
ten, in deren text einzelne notenzeichen eingestreut waren, diese 
stellen mitgetheilt wurden. Im laufe der zeit stellte sich aber 
immer mehr die nothwendigkeit heraus eine handschrift, die aus- 
schließlich in notenschrift geschrieben , in extenso zu veröffent- 
lichen. Wenn Kopp bei der abfassung seiner Pcdaegraphica critica 
deren nur zwei kannte, so hatte der in den bibliotheken herum- 
stöbernde fleiß der gelehrten bald weitere entdeckt, so in Paris, 
Bern und London, deren genaue beschreibung Lehmann p. 3 ff. 
giebt. Das kgl. sächs. stenographische institut in Dresden be- 
schloß schon im jähre 1859 die publikation des Wolfenbütteler 
psalteriums, aber der frühe tod Krauses, der mit dieser arbeit 
betraut war, verhinderte die realisierung des planes. Zeitweise 
fehlte auch eine der arbeit gewachsene kraft, bis sie in Lehmann 
erstand, dem die tachygraphie schon manches treffliche resultat 
verdankt. Er verglich die handschrift von neuem und verbesserte 
die einst von Krause gefertigte copie derselben, die dann auf auto- 
graphischem wege vervielfältigt wurde 1 ). So liegt denn für das 
tachygraphische Studium ein höchst brauchbares hülfsmittel vor. 

1) In dem vorwort wird gesagt, daß das institut an eine andere 
als autographische reproduktion wegen der kosten nicht denken kounte. 
Gegenwärtig ist zwischen v. Sybel und v. Pflugk - Baittung ein litte- 
rarischer streit entbrannt, ob autographie oder photolitographie 
zweckmäßiger sei, vgl. Historische Zeitschrift 1885 und die bei 
Kohlhammer in Stuttgart 1885 erschienene broschüre von Pflugk- 
Harttung. 



30 4. Palaeographie. Nr. 1. 

Es wird nun ein leichtes sein , dieses mit den gleichartigen 
psalterien zu vergleichen. 

Die vorliegende handschrift, der Guelferbytanus, umfaßt 
außer den psalmen noch andere gleichartige stücke aus den bib- 
lischen büchern. Von zwei händen geschrieben, weist sie hinter 
bl. 119 eine lücke auf, über die sich an der hand der Berner und 
Londoner handschrift eine vermuthung aufstellen läßt. Bezüglich 
des alters ist Lehmann wenig geneigt, den ansätzen Krauses zu fol- 
gen, der den codex für älter als das 9. Jahrhundert erklärt. Gegen- 
wärtig sind uns noch nicht zur genüge hülfsmittel an die hand gege- 
ben, um diese frage endgültig zu entscheiden Daß die handschrift 
zum gebrauch beim gottesdienst bestimmt war, ist richtig, ebenso 
daß die Tironischen psalterien gewissermaßen meisterstücke 
waren, durch deren anfertigung notenkundige kleriker ihre be- 
fähigung nachwiesen , um als notare im öffentlichen dienste 
verwendet zu werden. Daß auch die Wolfenbütteler handschrift 
nach diktat geschrieben ist, dafür spricht u. a. die Verwechselung 
des perfekts und futurs. 

Der zweite abschnitt der einleitung erstattet bericht über 
die graphik des Wolfenbütteler psalteriums. Hier wäre zu be- 
merken, daß der Schreiber ängstlich bestrebt war, die endungen 
möglichst deutlich zu bezeichnen, jedenfalls zu dem zweck , um 
sich das wiederlesen möglichst zu erleichtern. Es werden dann 
von Lehmann die einzelnen noten 2 ) behandelt und dabei ge- 
zeigt , wie unser Schreiber vielfach selbständig operirend vor- 
ging. Ereilich ist er dabei oft auch etwas willkürlich verfahren, 
indem er klangverwandte worte neu gebildeten noten zu gründe 
legte. Wenn ihn aber sein schöpferischer geist im stiebe ließ, 
nahm er seine Zuflucht zur silbentaehygraphie, und derartig ge- 
geschriebene worte machte er durch einen über die zeichen ge- 
setzten horizontalen strich kenntlich. 

Im dritten abschnitt wird dann die bedeutung des Wolfen- 
bütteler psalteriums für die kenntniß der Tironischen noten er- 
örtert. Hier ergiebt sich klar die bedeutung einer völlig be- 
kannt gemachten handschrift für die kritik. Viele von Kopp 
in der Palaeographica critica aufgestellte vermuthungen finden 
durch den vorliegenden codex ihre bestätigung , andere 

2) Nach dem Vorgang von W. Schmitz bezeichnet Lebmann mit 
nota den eigentlichen kern der note, mit litula dagegen die endung. 



Nr. 1 5. Palaeographie. 31 

ihre berichtigung. Um aber die benutzung der einleitung für 
den mitforschenden zu erleichtern , hat Lehmann ein genaues 
verzeichniß der in derselben besprochenen noten hinzugefügt. 

Den haupttheil der einleitung bildet die Übertragung des 
textes. Hier ist in der weise verfahren, daß wo nur irgend 
möglich die lesarten des Tironischen textes im Guelferbytanus 
beibehalten , wo aber offenbare fehler oder versehen vorlagen, 
die lesarten der Vulgata nach der ausgäbe von V. Loch 3 
Regensburg 1872 substituiert sind. 

Es kann dieser bedeutsamen erscheinung auf dem gebiete 
der lateinischen palaeographie die kritik nur volle anerkennung 
zollen, und es wäre kleinlich , sich an geringfügigkeiten zu 
klammern. Zum schluß sei noch bemerkt, daß kürzlich W. Schmitz 
einen neuen beitrag zur künde tachygraphischer noten aus der 
Kölnischen bibliothek im ,, Neuen archiv der gesellschaft für äl- 
tere geschichtskunde, band X, 1885, lieft 1" gegeben hat. 

Hugo Landwehr. 

• 5. Paul Mitzschke, eine griechische kurzschrift aus 
dem vierten vorchristlichen Jahrhundert. Leipzig, verlag von 
J. H. Robolsky 1885. 28 p. 8. 60 pf. 

Bei den arbeiten auf der akropolis wurde vor kurzer zeit 
eine inschrift an's tageslicht gefördert, welche Köhler als bruch- 
stück eines grammatischen lehrbuches in den Mittheil. d. d. a. 
j. VIII herausgab. Erst Gomperz's Scharfsinn erkannte darin 
ein griechisches kurzschriftsystem. Bei dem fragmentarischen 
charakter der inschrift wird es nicht unterbleiben, daß einzelne 
punkte seiner auseinandersetzung controvers sind. Mitzschke 
glaubt nun durch eine abermalige behandlung der sache neues 
licht zu bringen 1 ). Gomperz hatte für die vocale besondere 
zeichen in anspruch genommen , an welche dann die für die 
konsonanten angeheftet wurden. Die zeichen für die konsonanten 
zerfallen in zwei gruppen ä 7, indem die aspiraten ausgeschlossen 
werden. An stelle der letzteren will Mitzschke die doppelkonso- 
nanten £, £, \p ausscheiden , aber schwerlich mit recht. Schon 
der einwand p. 8 ist nichtig, daß die Griechen jener zeit kein 
schriftzeichen für die aspiration besaßen. Im attischen aipha- 
bet war dieselbe doch erst durch Eukleides' neuerung beseitigt. 
1) Zuerst veröffentlicht im Archiv für Stenographie Nro. 434 ff. 



32 6. Aischylos. Nr. 1. 

Daher honnte der nach größter präcision trachtende anonymus 
sehr wohl auf die bezeichnung der aspiration bedacht sein. 
Den ersten theil der inschrift hat Mitzschke in durchaus ab- 
weichender weise von Gomperz folgendermaßen reconstruiert : 

[~ Ev agioregcp 3' fjn' [axgov || too aztlX^ov^ iiWycoi'io^e 
1' rö 61 nipiTiTOi || xoiv (pootqivTWt T \\ [Sia^uti^n uvtol /7q6l; itjv 

71Q~\(>^lu^[ßÜlkl ZI/t' || «jJ«](T7£(;[«»', TU 8' H %(J),7UI || 7«?]*' M-QUIUI^ 

äpq)h[iB\\ gaeg~] t?^- 6(rdtj^ dn[ovö || yv t/}»] ov t <jpan[/}>' ph || 8ti 
ylgdqietv or[roo^.] 

Diese ergänzungen stürzen schon dadurch zusammen , daß 
für sie nicht der nöthige räum vorhanden ist, so 1. 3 fi^wiio],'. 
Dann ist 1. 6 viel zu lang , um platz zu finden. Gegen die 
anordnung in eine figur nach art der konsonantenvertheilung 
möchte die bezeichnung von qcüi/'tiTa und uqcoxt sprechen. Ge- 
rade weil die vocale im alterthum jene bezeichnung hatten, 
machte sie Gomperz richtig zum träger der konsonantzeichen. 
Dieser versuch Mitzschke's muß als verfehlt zurückgewiesen 
werden, in gleicher weise das, was er über die doppelconsonanten 
gesagt hat. Darin mag er vielleicht recht haben, daß die ver- 
doppelten konsonanten durch vergrößerte Schreibung der zeichen 
zum ausdruck gebracht wurden. — Auf das eine oder andere 
noch näher einzugehen will ich mir versagen, da ich selbst vor kur- 
zem über dies thema im Philologus XLIV, 193 ff gehandelt 
habe , woraus meine weiteren von Mitzschke abweichenden an- 
sichteu hervorgehen. Hugo Landwehr. 



6. W. Kotthoff, quaestiones Aeschyleae. Gymn.- 
programm von Paderborn 1885. 18 p. 4. 

Wenn der verf. auch an der einen oder anderen stelle die 
überlieferte lesart zu bessern sucht und z b. Cho. 622 a^vd^oo 
für äxuitjrx)^ schreiben will, so geht sein streben doch vorzugs- 
weise dahin, angefochtene stellen in schütz zu nehmen. An er- 
ster stelle behandelt er eine wichtige frage, die maskuline form 
des participiums in bezug auf ein femininum. Ein merkwürdiger 
fall der art findet sich Eur. Hipp. 1105 ff. , wo der weibliche 
chor von sich spricht und neben ti%a/Af'vqi, (JnzußaiXofiha die ma- 
sculina xtüdmr, Itvcacot vorkommen. Der scholiast will diese formen 
damit erklären, daß der dichter in eigener persou spreche. Aller- 



Nr. 1. 6. Aiscbylos. 33 

dings legt dort der dichter recht eigentlich seine besondern gedan- 
ken dar; aber die daneben gebrauchten feminina lassen diese er- 
klärung nicht gelten. Eben wegen dieser feminina bei der form 
Ofitid^ muß in der form des particips der grund gesucht und 
muß angenommen werden, daß die form nvaa dem hohen lyrischen 
tone minder entspricht. Bei Aeschylus stellt der verf. sechs fälle 
fest, in welchen das masculinum für das femininum gebraucht sein 
soll. Wir müssen davon gleich vier ausscheiden, welche eine 
andere erklärung gestatten. Hik. 210 nünQ, qsgofovvtwg nyog 
qiQovovvia^ tvv&nHig und 215 a> Ztt , xonoji> oixrsifjs (xi) unoloa- 
Xöjac beziehen sich die participia allerdings auf den weiblichen 
chor ; aber die maskuline form verallgemeinert die bedeutuug in 
einer dem sinne sehr entsprechenden weise: ,,du sprichst ver- 
ständig, wie du verständige leute vor dir hast", „schenke nicht 
erst solchen dein mitleid, die bereits todt sind". Die änderung 
von qc (>«»""'"•' T < 1 ^ in q-ytnnvcai ist also ebenso wenig gerechtfertigt als 
die änderung von anoXwXntai; möglich ist. Ebd. 277 ist nicht fyiw, 
sondern fynr überliefert, ein deutlicher fingerzeig, daß die Verbesse- 
rung von Ejjoi Ö' (1% in p.%ovau 8" richtig ist, zumal das doppelte äv 
bei" Aeschylus selten steht. Ebd. 914 ei fit) n^ hV vuuv rfaiv 
alt taug rä8t bezieht sich zwar tic wieder auf die frauen 
des chors , ist aber allgemein, so daß es gar nicht aivsaaaa 
heißen dürfte. Es bleiben demnach nur zwei stellen übrig, Hik. 
1030 yaiäont-^ (Med. yavaevrtg), Ag. 567 Sooaoi . . . ndintq. 
Für die erstere sucht Weil die rechtfertigung darin, daß auch 
Danaos und seine begleiter im zuge seien. Der verf. bemerkt 
dagegen, daß nur der chor die aufgäbe habe, die götter zu preisen. 
Wir können, wenn auch die lesart zweifelhaft ist, die form des 
masculinum in der melischen partie gelten lassen. Aus dem 
gleichen gründe ist auch ui.vepioev.imv alytdwi Cho. 590 für uns 
nicht unannehmbar, während der verf. die conjectur von Blom- 
field y.üi tfxötvi J ur .. ffQuaaiv billigt. Allerdings fehlt at, aber 
qntdaai^ ist ungerechtfertigt ; denn mavä ie xai nebn^äfxvta ist Sub- 
jekt zu yyaoui, folglich die besserung von Franz n.edoßuiAov'' <lv 
avtptohrcov vorzuziehen, welche sich auch dadurch bewährt, daß 
damit die für die melische partie unpassende krasis beseitigt 
wird. Vielleicht ist noch acdo^c^to» 1 u* uit^ot-n' lu zu schrei- 
ben-, aber, wie gesagt, läßt sich das masculinum rechtfer- 
tigen und das doppelte uv in nächster nähe ist bei Aeschylus 
Philo! Ana. XVI. 3 



34 7. Xenophon. Nr. 1. 

nicht ohne bedenken. Keine rechtfertigung dagegen gibt es für 
Tt&t'rrsg im jambischen trimeter Ag. 567. Da auch andere 
gründe für die mangelhaftigkeit des überlieferten textes sprechen, 
so muß zwar nicht ri&irte$ als corrupt , dagegen, wie ander- 
wärts gezeigt, angenommen werden, daß ein Substantiv, zu wel- 
chem rid.il/7e-ii gehört (etwa ndybi), vorher ausgefallen ist. — An 
zweiter stelle liefert Kotthoff den nachweis, daß die Strophe Cho. 
621 ff. nach der antistrophe 629 — 36 ihre richtige stelle hat. 
Ich pflichte um so mehr bei, als ich selbst früher diese ansieht 
vertreten habe. Zuerst aber hat dieselbe, wie ich nachträglich 
gefunden, Preuß ausgesprochen, dem sie deshalb in meiner aus- 
gäbe beigelegt ist. — Die behandlung von Ag. 104 f. führt zu 
dem resultate, daß avpcqvrog entweder verdorben sei oder einen 
dativ fordere, daß aber alxä den Widersinn aetas sive senectus 
cum robore coniuneta gebe. Wir erklären ulxü avficfvjoc „denn 
noch zum singen hat kraft mein alter". — Endlich wird fteol 
Sieben gegen Theben 758 in schütz genommen mit Ag. 1336-, 
aber etwas anderes ist es, wenn der chor den siegreich zurück- 
kehrenden Agamemnon diOTtfjqmi; nennt, etwas anderes, wenn 
es heißt: ,,die götter staunten den Oedipus an". Wie passend 
ist auch die Zusammenstellung von dtoi und §v*e'arfO(! 

N. Wecklein. 



7. A. Roquette, De Xenophontis vita. Königsberger 
dissertation. 1884. 112 p. 

Diese erstlingsschrift bietet hauptsächlich eine mit fleiß und 
kenntniß angefertigte Zusammenstellung des über Xenophons le- 
ben und die Chronologie seiner Schriften vorliegenden materials, 
wobei der Verfasser zugleich da , wo die meinungen der neuern 
auseinandergehen, seine eigene entscheidung näher zu begründen 
sucht. Es liegt in der natur und ausdehnung des gegenständes 
begründet, daß eine noch so umfangreiche dissertation darüber 
wenig neue und selbständige detailuntersuchungen biefen kann 
und daß sie sich vorzugsweise auf die verwerthung früherer for- 
schungen angewiesen sieht, daß ferner schwierigere und verwi- 
ckeitere fragen , ohne daß in das einzelne tiefer eingegangen 
wird , mehr summarisch abgethan werden. Einen vorwiegend 
selbständigen werth beansprucht die arbeit besonders in der Ver- 
wendung der nach Dittenbergers bekanntem vorgange aus dem 



Nr. 1. 7. Xenophon. 35 

gebrauch der Verbindungspartikeln entnommenen sprachlichen 
kriterien. Der Verfasser hat sich die mühe nicht verdrießen las- 
sen zur herstellung einer genauen statistischen übersieht die be- 
treffenden fälle aus allen einzelnen Schriften Xenophons zusam- 
menzuzählen , wobei sogar , wie oft in jeder derselben de vor- 
kommt, angegeben wird. Ich bezweifele indeß , ob die Sicher- 
heit der daraus für die chronologische folge der Xenophontischen 
schritten gezogenen Schlüsse der aufgewendeten mühe entspricht. 
Allen derartigen folgerungen liegt mehr oder weniger die un- 
bewiesene Voraussetzung zu gründe , daß die Verschiedenheit im 
gebrauche solcher ausdrucksformen lediglich das ergebniß einer 
stetigen stilistischen entwickelung sei , wobei nicht nur die ein- 
wirkung der Verschiedenheit der gegenstände und darstellungs- 
arten, sondern auch die möglichkeit wechselnder stilistischer an- 
gewöhnung außer betracht bleibt Daß sich nicht überall unbe- 
dingt sichere schlösse aus der einseitigen beobachtung solcher 
sprachlichen einzelheiten ziehen lassen, hat auch bereits A. Fre- 
derking in den Jahrbüchern für philologie 1882, p. 534 ff. ge- 
bührend hervorgehoben. Wenigstens können bloß annähernde 
Verschiedenheiten ohne einschneidende unterschiede hier wenig 
beweisen. Ich würde, was Xenophon betrifft, höchstens der fol- 
gerung eine gewisse berechtigung zuerkennen, daß wegen des 
mangelnden gebrauchs von iif/v der Kynegetikos und der erste 
theil der Hellenika (bis II, 3, 11) zuerst von Xenophon abgefaßt 
worden sind. Wie unsicher die übrigen aus dem gebrauch der 
Verbindungswörter von Roquette gezogenen Schlüsse sind , will 
ich an einem beispiele näher nachweisen. Im einklange mit 
den von ihm verwertheten sprachlichen kennzeichen setzt Ro- 
quette die Kyropädie nach dem jähre 364, die Anabasis ins 
jähr 371, den zweiten theil der Hellenika (II, 3, 11 — V, 2, 1) 
nach 371 und den letzten theil derselben zwischen 358—54, 
während er den ersten bis 393 zurückschiebt. Nun ist für Xe- 
nophons stil nichts charakteristischer als der verhältnismäßig 
häufige gebrauch des optativus futuri. Derselbe kommt bei ihm 
öfter vor als in der gesammten übrigen classischen litteratur von 
Pindar an, bei welchem sich das erste beispiel desselben findet, 
bis Deinarchos einschließlich , und zwar ungefähr im verhältniß 
von 14:11. Aber auch in denjenigen Schriften Xenophons selbst, 
welche diese verbalform haben, zeigen sich auffällige unterschiede. 

3* 



36 7. Xenophon. Nr. 1. 

Sie ordnen sich nach der zahl der einzelnen optativi futuri fol- 
gendermaßen: I. Memorabilien (== 114 p. der Sauppeschen text- 
ausgabe) 3, Gastmahl (= 29 p.) 1, Oekonomiko3 (= 56 p.) 2» 
II. Hellenika erster theil (— 35p.)3, Kyropädie (= 254 p.) 31, 
Anabasis (= 184 p.) 23-, III. Hellenika zweiter theil (= 90 p.) 
44, Hellenika dritter theil (= 97 p.) 40, Agesilaos (= 24 p.) 10. 
Innerhalb der unter I angeführten Schriften ist in dieser hin- 
sieht kein bemerkensweither unterschied; bei II ist ein gleiches 
verbältniß zwischen Kyropädie und Anabasis vorhanden, während 
im ersten theil der Hellenika die bezügliche form weniger häufig 
ist; doch ist der unterschied (ungefähr 3:4) nicht so erheblich, 
daß er berechtigte eine besondere zeitdifferenz zu erschließen ; 
bei III findet sich die merkwürdigste Übereinstimmung. Die aus- 
dehnung des gebrauchs innerhalb der drei gruppen verhält sich 
ungefähr wie 1:4:16. Nun kann aber für die Zeitbestimmung 
von I der in rede stehende gebrauch nicht von durchschlagender 
bedeutung sein, da die bezüglichen Schriften vorwiegend dialo- 
gisch sind und daher präteritale Zeitformen in ihnen nur in sehr 
beschränktem maße vorkommen können, der optativus obliquus 
aber (nur als solcher wird der optativus futuri gebraucht) die- 
selben bei dem die indirecte rede regierenden verbum erfordert 1 ). 
Um so bedeutungsvoller aber ist der unterschied zwischen den 
unter II und III aufgeführten Schriften (ungefähr 1 : 4), die sich 
sämmtlich in der historischen darstellungsform bewegen. Ordnen 
wir sie nach dem gebrauch des optativus futuri, der, wenn ir- 
gend eine ausdrucksform zur Zeitbestimmung verwende' werden 
kann, schon deswegen in ganz besonderin grade als maßgebend 
betrachtet werden muß, weil er niemals durch die gedankenform 
gefordert wird (denn in jedem falle ist ohne beeinfrächtigung 
des gedankeninhalts die directe form des indicativus futuri mög- 
lich), so würden unter den bezüglichen Schriften am frühsten ab- 
gefaßt sein der erste theil der Hellenika, Kyropädie und Ana- 
basis, um ein erhebliches später der zweite und dritte theil der 
Hellenika und der Agesilaos, und zwar ohne besoudern Zeitun- 
terschied zwischen diesen beiden tlieilen der Hellenika. Wir 
gewinnen also von diesem sprachlichen kriterium aus eine Zeit- 
folge , die von Roquettes aufstellung wesentlich abweicht. Be- 

1) Das ist auch wohl der grund, weshalb in einigen Schriften Xe- 
nophons der optativus futuri gar Licht vorkommt. 



Nr. 1. 7. Xeuophon. 37 

züglich der vorstehenden angaben über den gebrauch des opta- 
tivus futuri verweise ich auf Faßbaender , De optativo futuri 
(Lipsiae 1884), wo das bezügliche material vollständig gesam- 
melt, kritisch gesichtet und geordnet ist. Am meisten wird man 
Roquettes erörterungen, so weit sie speciell das leben Xeno- 
phons betreffen, beifall schenken müssen ; seine entscheidungen 
beruhen hier im allgemeinen auf verständigem und besonnenem 
urtheil. Abweichender ansieht bin ich hier zunächst in einem 
nebensächlichen punkte. Roquette macht mit recht darauf auf- 
merksam, daß in des Diogenes von Laerte bericht II, 53 unglaublich 
sei, daß Xenophon sich aus dem von den Eleern eroberten 
Skillus nach Elis geflüchtet habe, und bemerkt, daß an dieser 
stelle nicht > Hln Überlieferung der besten handschriften sei, son- 
dern qltjv oder ij/ir. Aber daraus ist eine andere brauchbare 
•namensform nicht zu gewinnen und r/lr]i rjhv sind offenbar nichts 
als leichteste verschreibungen für 1 Hln. Ich glaube, daß man 
an das freilich nur von Stephanos von Byzanz erwähnte arkadische 
Elis zu denken hat, womit jene unglaublichkeit fortfällt. Sodann 
muß ich auch Roquettes ansieht über die wichtige frage, wann 
Xenophon gestorben sei , bestreiten. Er folgt hier nämlich der 
gewöhnlichen meinung , daß wegen der Hellen. VI, 4, 35 — 37 
stehenden erwähnung der ermordung Alexanders von Pherä, 
welche Diodor XVI, 14, 1 unter dem jähre 357/56 berichtet, 
Xenophon nach diesem jähre gestorben sein müsse , und zwar 
wegen der schritt über die einkünfte , deren abfassung er mit 
Böckh und Gleiniger in das jähr 355 setzt, frühestens 354. 
Damit steht aber in directem Widerspruch die bekannte angäbe 
des Chronographen Stesikleides aus Athen bei Diog. Laert. II, 56, 
der in seiner rööv ag^övroop Kai Olvfintot mäv urayoaqirj berich- 
tete, er sei gestorben hfi ng^rq^ zijc nsunT^g v.al s-AaroaTtjg 
01v(AT7in8o<; , inl äg^orrng Kalliftrßnvg , sqr' ob x(u (PCXinnog n 
''Auvnov MaxeSnvcov ^pJf, also 360/59, ein zeugniß, das, wenn 
wir auch von der persönlichkeit des Stesikleides nichts näheres 
wissen doch wegen der genauen urkundlichen daten, die es ent- 
hält , von ganz besonderm gewichte sein muß Das verkennt 
auch Roquette nicht , aber er sucht sich mit demselben durch 
eine vermuthung seines lehrers A. von Gutschmid , so gut es 
geht, abzufinden. Dieser nämlich glaubt, da nach Eusebios ein 
gewisser Porös sowohl Ol. 105 als 106 gesiegt hat, Stesikleides 



3ö 7. Xeuophon. , Nr. 1. 

habe deshalb beide Olympiaden verwechselt und 105 statt 106 
gesetzt; da aber ol. 106, 1 als todesjahr 356/55 ergibt, was 
sich nicht mit der echtheit der schritt über die einkaufte ver- 
trägt, so muß ein theil der überlieferten urkundlichen daten, 
nämlich hei nQWJU) verworfen werden. Gerade dieser umstand 
aber spricht gegen diese vermuthung , so scharfsinnig sie auch 
sein mag ; es ist methodisch verkehrt, in einem zeugniß, dessen 
bedeutung gerade auf seinem urkundlichen charakter beruht, 
eine urkundliche angäbe einer bloßen vermuthung zu liebe zu 
verwerfen ; dann wäre es viel bequemer und ebenso berechtigt 
dem ganzen den glauben zu versagen. Auch controliert hier 
das eine urkundliche datum das andere, und man muß, um jene 
Verwerfung aufrecht zu erhalten, annehmen, daß Stesikleides das 
archontenjahr lediglich nach dem olympiadenjahr bestimmt habe, 
was wiederum eine bloße vermuthung ist , die durch den titel 
der schrift des Stesikleides , in welchem die aufführuug der ar- 
chonten an erster stelle erscheint, nicht besonders empfohlen 
wird. Wenn nun an dem urkundlichen zeugniß des Stesikleides, 
wie ich glaube, festgehalten werden muß , so ist der grund des 
Widerspruchs anderswo zu suchen , und dann kann er nur in 
Diodors angäbe über das todesjahr des Alexander von Pherä 
gefunden werden. Und daß hier ein fehler stecken muß, dafür 
liefert Plut. Pelop. 35 die bestätigung. Denn wenn hier be- 
richtet wird, Alexander von Pherä sei oXiyov vaitQo* , nachdem 
die Thebaner für Pelopidas' tod räche genommen (364/63 nach 
Diod. XV, 80, .6), ermordet worden, so würde, wenn seine er- 
mordung ins jähr 357/56 fiele, mit okiyov ein Zeitraum von sie- 
ben jahren bezeichnet, was nicht nur au sich wenig glaublich 
ist, sondern auch dadurch noch unglaublicher wird, daß so das 
bltyuv weit mehr als die hälfte der nach Diod. XV, 61, 2 elf- 
jährigen regierungszeit Alexanders beträgt und in Plutarchs be- 
richt seine ermordung als göttliche strafe für Pelopidas' tod dar- 
gestellt wird, wonach, damit das fostlioc als proptcr hoc erschei- 
nen könne, sich diese ereignisse näher beiühit haben müssen. 
Dazukommt, daß alles dasjeuige, was Diod. XVI, 14,1 — 3 in Ver- 
bindung mit Alexanders ermordung berichtet, kaum in den be- 
reich eines einzigen Jahres fallen kann. Alexauder wird von 
seinen Schwägern im einverständniß mit seiner frau ermordet; 
diese erfreuen sich anfangs einer großen beliebtheit, ändern aber 



Nr. 1. 7. Xenophon. 39 

später ihre gesinnung und. treten mit hülfe der söldner als 
tyrannen auf, tödten viele von denjenigen, die sich widersetzen, 
und behaupten mit gewalt die herrschaft ; die Aleuaden aber 
geben den widerstand nicht auf und, da sie sich selbst zu schwach 
fühlen, so rufen sie Philipp herbei ; dieser erscheint mit einem 
heere, bewältigt die tyrannen und stellt die freiheit Thessaliens 
wieder her. Man wird kaum umhin können anzunehmen, daß 
sieh in Wirklichkeit diese Vorgänge über einen längern Zeitraum 
erstreckt haben. Mit der einreihung derselben aber in das jähr 
357/56 stimmt die angäbe Diodors XV, Gl, 2, daß Alexander, 
nachdem er 369/68 zur gewalt gelangt, elf jähre geherrscht habe, 
wenn vorausgesetzt ist, daß er in einer frühern Jahreszeit er- 
mordet worden sei als er zur herrschaft gekommen und er also 
nicht zwölf volle jähre geherrscht habe. Hat Diodor so gerech- 
net (und das muß man annehmen , wenn er sich nicht selbst 
widersprechen soll), so hängt die angäbe der elfjährigen regie- 
rungszeit mit dem zusammendrängen jener ereignisse in das jähr 
357/56 zusammen und es beruhen also, wenn dieses irrthümlich 
ist, ! beide auf demselben fehler. Das letzte ereigniß aber, wel- 
ches Diodor sonst (XV, 95, 1 — 3) von Alexander von Pherä 
erwähnt, fällt in das jähr 361/60. Lassen wir nun seine er- 
mordung in demselben jähre stattfinden, so gewinnen wir für 
die bei Diodor XVI, 14, 1—3 berichteten ereignisse einen Zeit- 
raum von vier jahren, das IXiyov bei Plutarch reduciert sich auf 
drei jähre und die erwähnung des todes Alexanders und der 
nachfolge seines Schwagers Teisiphonos bei Xenophon (Hellen. 
VI, 4, 37) läßt sich vereinbaren mit der urkundlichen angäbe 
des Stesikleides, daß Xenophon selbst im folgenden jähre (360/59) 
gestorben sei. Da ähnliche irrthümer bei Diodor auch sonst 
vorkommen , so scheint mir diese lösung des Widerspruchs viel 
wahrscheinlicher als daß die urkundlichen daten des Stesikleides 
entweder ganz oder zum theil zu verwerfen seien. Dann aber 
freilich ist es mit der echtheit der schrift über die einkünfte, 
mag man sie ins jähr 355 oder 346 setzen, vorbei. Mir schei- 
nen indeß auch die gründe, welche Roquette für 355 geltend 
macht , so zuversichtlich er sich auch äußert , nicht stichhaltig 
zu sein. Freilich Hagens behauptung , daß zwei verschiedene 
frieden in der schrift erwähnt würden, 4, 40 der nach dem bun- 
desgenossenkriege (355), 5,12 der philokrateische (346), ist hin- 



40 7. Xenophon Nr. 1. 

fallig; aber daraus folgt doch nur, daß der friede von 355 ge- 
meint sein kann, nicht daß er gemeint sein muß; vielmehr spricht 
die entscheidende stelle 5, 9 ei dt /.tu nnata ri> h dtXq-oig le- 

(jnr aVTOVOflOV OOOJtfQ 7TQCT8QOV VFV0I70 Cfdll-aOI tir/l l niflt} OfAiVOI 
• . ., FJ'CO (ASV Ov8tl ((V IltUltl fluVf/(l(7TOr klllit, tl KO.I nuVTlti; T«t/4," 

E'XXtjvas Oftoyv(a(tnvai; Jt xttt Gvvogxovg Xaßoitt tn' ly.ttrovg «i- 
r/i'fs,' sxlmcvrcov (pooxicov to tegov xaraXa/jißuttH 1 fnngärrO) auch 
wenn man Nitsches vermuthung nageSt-ro annimmt, dagegen. 
Freilich würde diese vermuthuug auf schwachen fußen stehen, 
wenn sie sich bloß darauf stützte, daß es so möglich würde an 
jenen stellen den frieden von 355 zu verstehen (das hieße das 
zu beweisende als bewiesen annehmen) ; aber diese emendation 
wird durch den sinn der stelle an und für sich gefordert: man 
schreitet nicht ein gegen einen vergangenen versuch ; denn ent- 
weder ist er versuch geblieben und dann ist das einschreiten 
überflüssig, oder er ist zur ausführung gelangt und dann schrei- 
tet man nicht gegen den versuch, sondern gegen das geschehene 
ein. Aber die nothwendigkeit dieser emendation kann die con- 
dicionale auffassung von i*font;titov fUmxtmr , wodurch man der 
beziehung dieser worte auf das ende des phokischen kriegs zu 
entgehen sucht , nicht rechtfertigen. Wenn die Phoker noch 
wirklich im besitz des delphischen heiligthums warsn, so mußte 
jede Vereinigung , welche die herstellung der autonomie dessel- 
ben zum zwecke hatte , zunächst sich gegen sie richten , und 
nicht gegen solche , welche möglicherweise einmal nach ihnen 
den versuch machen würden sich desselben zu bemächtigen, um 
so mehr, da im jähre 355 gar nicht abzusehen war, ob und 
wann die Phoker aus dem besitz desselben gesetzt werden wür- 
den. Daher ist die temporale auffassung von ixXinnvTcoi (pojyJojr 
nothwendig und die stelle ist um die zeit niedergeschrieben, wo 
das delphische heiligthum zwar den besiegten Phokern entrissen, 
aber eine endgültige Verfügung darüber noch nicht getroffen war. 
Verhält sich das so, so kann in keinem falle mehr von der echt- 
heit dieser schrift die rede sein, die schon von vorn herein da- 
durch verdächtig ist, daß Xenophon, der vom beginnenden man- 
nesalter an bis an sein lebensende dem athenischen Staate ent- 
fremdet blieb und an der Verwaltung desselben niemals thätigen 
antheil genommen hatte , sich kaum für berufen halten konnte 
eine denkschrift über athenische finanzverwaltung zu veröffent- 



Nr. 1 7. Xenophon. 41 

liehen. — Bei der besprechung der Memorabilien wendet sich 
Roquette gegen Schenkls ansieht von dem zusammenhange der- 
selben mit dem Oekonomikos und dem Gastmahl. Ich kann die 
frage durch seine gegenbemerkungen nicht für entschieden hal- 
ten; durchaus mißbilligen, aber muß ich es, daß er de und 
aXXä im anfang selbständiger Schriften unter berufung auf den 
anfang der Schrift vom Staate der Lakedämonier, den von Diog. 
Laert. VIII, 85 angeführten anfang der schrift des Philolaos 
und den des werkes des Heraklit von Ephesos für möglich hält. 
Daß im anfang der letztgenannten schritt de wenig bewährt 
ist, hätte er aus Bjwaters fragmentensammlung ersehen können ; 
die schrift vom Staate der Laked ämonier ist uns zum theil in so lücken- 
haftem und verstümmeltem zustand überliefert, daß sie keinen beweis 
abgeben kann, und wegen des unzuverlässigen citates des Diogenes 
allein wird niemand eine an sich unmögliche ausdrucksform für mög- 
lich halten. — Bei der bestimmung der abfassungszeit der schrift 
vom Staate der Lakedämonier betrachtet Roquette das vierzehnte ca- 
pitel derselben als ursprünglich und bei der Kyropädie das schluß- 
capitel derselben als echt. Was er vorbringt , um die wider- 
spräche, die sich in diesen capiteln zu dem gesammten inhalt 
und der absieht der bezüglichen Schriften finden, wegzuläugnen, 
läßt ein genaueres und tieferes eingehen auf die sache gänzlich 
vermissen. Ich kann bezüglich dessen auf die gründlichem erör- 
terungen von Wulff, Quaestiones in Xenophontis de rep. Lac. li- 
bello institutae (Monasterii 1884) p. 54 ff. verweisen, die Ro- 
quette gar nicht beachtet hat. Vielleicht ist ihm diese abhandlung, 
die er p. 84 in der anmerkung citiert, zu spät bekannt geworden, 
um sie in der erforderlichen weise berücksichtigen zu können. 
— Schließlich kann ich auch die gründe, mit welchen Roquette 
die gewöhnlich angenommene unechtheit des Agesilaos behauptet, 
nicht für beweiskräftig erachten. Was zunächst die mit den 
Hellenika fast wörtlich übereinstimmenden stellen in dem ab- 
schnitt 1, 7 — 2, 31 betrifft, so ist nicht bewiesen und nicht zu 
beweisen , daß Xenophon sich über denselben gegenständ nicht 
selber habe ausschreiben können. Wundern aber muß man sich, 
wie zwischen Ag. 2,24 y.n) a< rchr ^nuoiiuTb-jv vi ^"aoicov ano- 
XcaloTcai iv ilj iv Aaiv.Tfjois |U«jf)j /} Atinofiexav und Hell. VI, 
4, 15 uvrä>i> ^naQTtuTmi', uvitav Toäv ixei cß$ stztuxogicov, Jtdvi]- 
norag negl TtTguxoaiovg ein Widerspruch hat gefunden werden - 



42 7. Xenophou. Nr. 1. 

können ; denn die stelle des Agesilaos kann bedeuten und be- 
deutet, daß in der scblacht bei Leuktra mehr Spartiaten um- 
kamen nicht als überhaupt , sondern in dieser scblacht am 
leben' blieben, was zu der stelle aus den Hellenika bestens 
paßt. Auch ist nicht einzusehen , warum Xeuophon nicht auch 
Agesil. 2, 9 von der scblacht bei Koronea ebenso wie Hellen. 
IV, 3, 16 habe schreiben können &yivbt,a otuntfj ovx uXlrj rüp 
icp' ijuajr, wenn dies auch nach der scblacht bei Mantinea noch 
in Wirklichkeit zutraf; den gegeubeweis hat Boquette nicht ge- 
liefert. Ferner braucht man in Agesil. 5, 1 difioigiuv }'« pljv 
AUfißut'Oüi/ sv TuJ b üotvaa: oi>% oaco^ äfACforf(juig i%(ir]io, dkXu 6ia- 
n^inwv ovtitTPQav avtcp xursXtiTie nicht den unsinn zu finden, 
daß Agesilaos auf die weise gar nichts für sich zu essen übrig 
gelassen habe, sondern man lese oud'' sisuut (vgl. piß' htoov 
Plat. Phil. 67a) und der sinn ist: er ließ nicht einmal eine der 
beiden portionen (nämlich ganz) für sich übrig, sondern theilte 
auch von dieser aus. So kann man hier höchstens eine rhetorische 
Steigerung des ausdrucks finden. Wenn sodann nach Hellen. IV, 
3, 1 in der schlacht am Nemeabach nu/Anfajdtic toii noXt/jCooi' ge- 
fallen sind, so steht das an und für sich in keinem Widerspruch 
zu der ganz bestimmten angäbe im Agesil. 7, 5, daß es nahezu 
10000 gewesen seien, und es ist gar nicht zu beweisen, daß Xe- 
nophon dort die von Diod. XIV, 83, 2 überlieferte geringere 
zahl 2800 vorgeschwebt habe. Dieser gibt eine verschiedene 
und wahrscheinlich glaublichere Überlieferung, wie denn ähnliche 
Verschiedenheiten in dergleichen verlustangaben nichts seltenes 
sind. Auch ist es an sich kein unmögliches verhältniß, daß von 
26000 mann beinahe 10000 gefallen seien. In der schlacht 
bei Mantinea vom jähre 418 betrug nach Thukyd. V, 68, 3 das 
lakedämonische heer 3584 mann ; das ihrer gegner war aber nicht 
so groß (V, 68, 1); wir können also etwa 3000 mann anneh- 
men. Davon fielen nach Thukyd. V, 74, 3 1100 mann, was 
ungefähr dasselbe verhältniß ergibt. Es bleibt nun nur noch 
ein von A. von Gutschmid gegen die echtheit des Agesilaos 
vorgebrachter grund übrig, den Roquette für den entscheidend- 
sten zu halten scheint. Im Agesilaos (1, 6) nämlich heißt es, 
derselbe sei Sri vtog dtv zur königswürde gelangt, obwohl er 
nach Plut. Ag. 40 damals 43 jähre alt war. Nun ist es aber von 
Homer an bis Aristoteles den Griechen geläufig via* mit ysywv 



Nr. 1. 7. Xenophou. 43 

(II. II, 789. IX, 36. Aristot. Rhet III, 2, p. 1405a) oder na- 
Xa,ög (Od. I, 395. Aesch. Sept. 3-27. Plat. Symp. 182b) gegen- 
sätzlich zu verbinden , und wenn hier derselbe gegensatz vor- 
schwebt, so heißt hi vios cor nichts weiter als daß er noch nicht 
yHQoav war. Dann aber ist auch noch die möglichkeit vorhanden 
vtog in relativem sinne zu fassen: im verhältniß dazu daß er 
könig wurde ; es braucht dann nur vorausgesetzt zu werden, 
was an sich nicht unwahrscheinlich ist , daß die spartanischen 
könige meist erst in höherm alter zur herrschaft gelangten. Da- 
mit sind die gründe erledigt, mit denen Roquette die unechtheit 
des Agesilaos bewiesen zu haben glaubt. Was man sonst noch 
zu demselben zwecke als abweichende eigenthümlichkeiten des- 
selben vorgebracht hat, erklärt sich aus dem specifisch rhetori- 
schen Charakter der schrift , die eine lobrede und keine le- 
bensbeschreibung ist. Ein entscheidendes gewicht aber legt mei- 
ner ansieht nach für die echtheit derselben der oben angeführte 
umstand in die wagschale , daß sie in einer so hervorragenden 
eigenthümlichkeit der Xenophontischen spräche, wie es der häu- 
fige gebrauch des optativus futuri ist, mit den beiden letzten 
theilen der Hellenika , in welchen derselbe in ganz besonderm 
maße hervortritt, auf das genaueste übereinstimmt. Diese sprach- 
liche erscheinuug steht auch im besten einklange mit der ab- 
fassungszeit der schrift, die gleich nach Agesilaos' tod geschrie- 
ben ist, welcher nach Diod. XV, 93, 6 nicht lange vor Xeno- 
phon gestorben sein kann, wie sich auch aus anderweitiger 
berechnung ergibt. Sein Vorgänger Agis nämlich comman- 
diert nach Thukyd. III, 89, 1 zuerst im frühjahr 426, dessen 
vater Archidamos nach Thukyd. III, 2, 1 zuletzt im frühjahr 
428. Möglicherweise ist also noch 428 Archidamos gestorbeu 
und Agis zur regieruug gelangt. Dieser ist dann , da er nach 
Diod. XII, 35, 4, welcher übrigens hier Archidamos' tod sechs 
jähre zu früh ansetzt, 27 jähre regiert hat, 401 gestorben und 
Agesilaos, der nach Plut Ages. 40 41 jähre könig war, 360. 
Jedenfalls ist keine nöthigung vorhanden Agesilaos' tod mit 
Böckh Maneth. p. 371 zwei jähre später anzusetzen. Vgl. 
Schäfer Demosth. I 2 p. 488 anm. 2. Xenophon wird also ge- 
gen ende des olympiadenjahrs 360/59 gestorben sein. 

J. M. Stahl. 



44 8. Piaton. Nr. 1. 

8. The Phaedo of Plato edited with introduction 
notes and appendices by R. D. A r ch er - H i n d, CMh. A. fellow 
of Trinity College, Cambridge. London 1883. 8. VI, 199 p 

Nach der vorrede ist der zweck der vorliegenden ausgäbe 
denjenigen eine hülfe zu bieten , welche das Studium der plato- 
nischen philosophie mit ernst beginnen und die weit genug vorge- 
schritten sind, um die eigenartige Schwierigkeit der platonischen 
Schriften zu würdigen. Diesem zwecke entsprechend geht die absieht 
des herausgebers vorzugsweise darauf hinaus den philosophischen ge- 
halt des dialogs zu erläutern, die aufeinanderfolge seiner gedanken 
möglichst klar anzugeben und seine Stellung innerhalb des platoni 
sehen Systems zu bestimmen. Sprachliche erläuterungen sind dem- 
nach nur gegeben, soweit sie für das richtige Verständnis des plato- 
nischen gedankens nothwendig erschienen , oder wo nach der 
ansieht des Verfassers eine ungenügende Behandlung von seiten 
früherer herausgeber vorlag. Ref. ist mit dieser absieht des 
herausgebers vollkommen einverstanden, indem er der Überzeu- 
gung ist, daß eine gründliche einführung in das Verständnis des 
Phädon die beste einführung in das Verständnis der platonischen 
philosophie überhaupt ist. 

Unter den bestehenden ausgaben verdankt Archer - Hind 
nach seiner eigenen angäbe am meisten den anmerkungen der 
admirable scholars Wyttenbach und Heindorf, auch aus dem ge- 
lehrten und klaren kommentar von Geddes , von dem er aller- 
dings recht häutig abweicht , hat er mannigfachen gewinn ge- 
zogen, vor allem aber gilt sein dank seiuem freunde, dem scharf- 
sinnigen Platoforscher H. Jackson: the references to him in the 
notes very imperfectly indicate how fully he carries out tbe 
principle ltotvot ra tcov qilujv. 

Die einleitung zerfällt in fünf paragraphen, deren erster 
von dem zwecke des dialogs handelt. 

Bei der feststellung des eigentlichen zieles des dialogs geht 
der Verfasser von dem satze aus, daß wir in den platonischen 
dialogen meistentheils nicht ein, sondern mehrere motive finden, 
die formell einem bestimmten ziele untergeordnet sind-, aber 
dieses ziel ist nicht immer, ja nicht einmal oft das wichtigste 
resultat des dialogs oder das was Plato bei seiner abfassung 
am meisten am herzen gelegen hat. Dieser satz wird durch 
eine analyse des Sophisten erhärtet, deren resultat folgendes ist: 



Nr. 1. 8. Piaton. 45 

Plato ist vor allem meta physiker ; ethik, politik , logik, physik 
sind ihm ebenso viele formen angewandter metaphysik. Wenn 
wir also in der rechten weise dem gange seines denkens folgen 
wollen, so müssen wir von einem metaphysischen ausgangspunkte 
aus ihm nachzugehen versuchen. Demnach sieht Archer -Hind 
den wahrhaften kern des Phädon in der bestimmung der ideen 
als des grundes des seins und des erkennens, also in der behauptung, 
daß diese die letzte realität konstituieren, auf welche alles ge- 
sunde denken basiert werden muß. Das ist nach ihm das 
bedeutsamste metaphysische resultat des Phädon und war ohne 
zweifei Piatos höchster zweck bei seiner abfassung. Die frage 
nach der Unsterblichkeit ist gerade soweit von interesse und 
von Wichtigkeit, als sie mit der erkenntnis der ideen verbunden 
ist. Während der dauer der Vereinigung mit dem körper hat 
die seele niemals freien Spielraum für ihre eigene thätigkeit. 
So ist die Unsterblichkeit eine unerläßliche bedingung der 
freien erkenntnis der ideen. Auf diese Unsterblichkeit zu hoffen 
hat sie ein recht wegen ihrer wahrhaften Verwandtschaft mit den 
ideen, welche sie in den stand setzt, die ideen zu erfassen , ja 
sie ist ihrer gewiß durch die ihr einwohnende idee des lebens, 
welche ihr wahres wesen bildet. So sind Unsterblichkeit und 
erkenntnis gegenseitig von einander abhängig. 

Die Unsterblichkeit der seele verwendet aber Plato noch 
zu einem andern nicht unwesentlichen, obwohl geringeren zwecke. 
In dem eigentlichen ethischen Systeme Piatos spielt die Unsterb- 
lichkeit keine rolle ; denn dieses gründet sich auf die wahren 
tiefen seiner ontologie , auf die idee des guten. Von hier ethi- 
sches wissen herzuleiten , erfordert aber einen vollkommenen 
philosophen ; für die große masse der menschen ist es das beste, 
eine ethische lehre von dem philosophen anzunehmen. Aber 
dazu bedarf es für das volk eines anreizes, und dieser läßt sich 
von der Unsterblichkeit hernehmen. Und so gebraucht Plato die 
Unsterblichkeitslehre, um ein wirksames gesetzbuch der moral 
für diejenigen zu schaffen, die nicht im stände sind sich zu der 
wahrhaften und vernünftigen fügend zu erheben. 

Aber während als das hauptresultat des Phädon die be- 
gründung der ideen als der wahren Ursachen und als der eigent- 
lichen objekte der erkenntnis zu betrachten ist , und während 
wir erkennen, daß der beweis der Unsterblichkeit einzig seinen^ 



46 8. Piaton. Nr. 1. 

werth herleitet von seiner Stellung zur erkenntnis der ideen, dürfen 
wir den ursprünglichen satz nicht außer acht lassen , daß der 
weise dem tode freudig entgegengeht. Dieser satz gieht dem dialoge 
seine künstlerische einheit. Als einen rahmen für seine wahrung 
der würde der ideen hätte Plato nichts besseres wählen können 
als die beschreibung des freudigen muthes im angesichte des 
todes dargelegt von einem manne . dessen leben der intellek- 
tuellen forschung geweiht war. Die lehre, welche Sokrates durch 
seine Vorschriften und beweise einschärft , verstärkt er noch 
weit mächtiger durch sein lebendiges beispiel. Wir sehen also 
in dem Phädon eine affirmation der ideen als ursächlicher und 
intelligibler existenzen , woraus auf grund der annähme der Un- 
sterblichkeit die ethische folgernng gezogen wird, daß der philo- 
soph, seines Wohlbefindens im reiche der abgeschiedenen sicher, 
mit ruhe und vertrauen dem tode entgegengeht; und der so 
hervorgerufene eindruck wird noch lebendiger gemacht durch 
eine beschreibung der erde und der unterweit und eine erzählung 
von den Schicksalen der des leibes entkleideten seele , und 
schließlich wird er noch ernstlich verstärkt durch das gemälde 
philosophischer stand haftigkeit hergenommen von der wirklichen 
geschichte. 

Ich erkenne das scharfsinnige und schöne dieser entwicke- 
lung gern an , möchte aber doch ein bedenken geltend machen. 
Nach dem gange des dialogs erscheint die Unsterblichkeit der 
seele als die Voraussetzung des Verhaltens des weisen und tugend- 
haften mannes und damit auch als der grund dafür, daß So- 
krates so ruhigen, ja freudigen muthes dem tode entgegengeht. 
Aber als Voraussetzung ist die Unsterblichkeit der seele ein 
problem, das des beweises bedarf. Diese beweisführung mußte 
Plato vor allem auf grund seiner ideenlehre versuchen, und 
dem entsprechend erscheinen die metaphysischen erörterungen 
in dem gange des dialogs durchaus als mittel zum zweck. Dieses 
Verhältnis umzukehren , dazu hätten wir doch wohl nur dann 
ein recht, wenn das formell als zweck hingestellte an innerem 
werte hinter den aufgewandten mittein zurückstände. Das ist 
aber hier nicht der fall. Die Unsterblichkeit der seele war für 
Plato ein problem von dem höchsten philosophischen interesse 
und demnach für ihn auch unbedingt werth der zweck der ein- 
gehendsten Untersuchung zu werden. • 



Nr. 1. 8. Piaton. 47 

Der zweite paragraph der einleitung (p 8 — 18) behandelt 
das gegenseitige Verhältnis der verschiedenen argumente für 
die Unsterblichkeit der seele. Hier erklärt sich Archer-Hind in 
der hauptsache vollkommen einverstanden mit der auffassung 
von Bonitz , „in Ms admirable Platonische Studien", glaubt aber 
eine etwas genauere bestimmung geben zu können. Seine auf- 
fassung ist folgende: das argument aus der ikvran'idoan; 70 C 
— 72 E und das aus der üi rqiDjnu 72 E — 77 A bilden zu- 
sammen einen beweis. Von der «rr«77o'<5ornc leiten wir den 
beweis her, daß die seele in demselben zustande vor der geburt 
und nach dem tode existiert, und von der avüurrjm^ haben wir 
die gewißheit, daß dies ein selbstbewußter und denkender zu- 
stand ist. In diesem beweise findet Archer-Hind eine schwäche 
insofern , als die Wirkung eines und desselben gesetzes unter 
verschiedenen bedingungen eine verschiedene sein kann. Diese 
schwäche des argumentes glaubt Archer-Hind von Plato selbst 
angezeigt in 77 D mit den Worten: /</) w> ulij{)6ö< o aveftog 
avrrjV iußacfrovaaf f'x rnfi aoo/)U7nc Smqvaa y.at 8taGxs8turvGiv 
äXXmc te xat orav Ttyq tig f«/} iv jjpsju/a , aiV tu /ueydlq) nvl 
nret'uari unoßi tjayai ■■. Meiner ansieht nach sind diese worte 
ironisch gemeint und wenden sich gegen die, welche auf das 
immaterielle übertragen , was nur von dem materiellen gilt. 
Auch möchte ich nicht in dem argumente von der avTctnodoaig, 
a simple deduetion from a natural law erblicken. Plato ope- 
riert auch hier mit begriffen. Es ist ihm ganz sicher eine be- 
griffliche nothwendigkeit, daß das was größer wird, vorher klei- 
ner war, und das was kleiner wird, vorher größer; es liegt 
ihm also in dem begriffe des werdens selbst, daß das was etwas 
wird, dieses aus dem entgegengesetzten zustande wird. So ruht 
dieses gesetz auf einer denknothwendigkeit und muß demnach 
unter allen umständen in derselben weise wirken. Die schwäche 
des beweises besteht meines erachtens darin, daß „werden" nicht 
durchgehend in derselben bedeutung gebraucht ist. Wenn ein 
kleiner knabe durch wachsen größer wird, so ist dies ein an- 
deres werden als wenn der mensch dadurch wird, daß die seele 
eine neue Verbindung mit der materie eingeht. 

Das nächste argument erstreckt sich nach Archer-Hind von 
78 B — 80 D. In diesem erblickt er mit recht einen versuch 
die sache wahrscheinlich zu machen. Dann folgt der schluss- 



48 8. Piaton. Nr. 1. 

beweis. So geht seine auffassung von dem Verhältnisse, in wel- 
chem die beweise zu einander stehen , dahin , daß im Phädon 
drei argumente enthalten sind , die in einem einzigen beweise 
gipfeln , aber so , daß sich durch alle ein fortlaufender Zusam- 
menhang verfolgen läßt. Das erste argument basiert die Un- 
sterblichkeit theils auf ein naturgesetz, theils auf den Zusammen- 
hang der seele mit den ideen. Das zweite argument, welches 
eine entwickelung des ersten ist , läßt das naturgesetz hei Seite 
und legt allen nachdruck auf den Zusammenhang mit den ideen, 
will aber nichts weiter sein als ein versuch die sache wahr- 
scheinlich zu machen. Das letzte argument nimmt dasselbe prin- 
cip auf, entwickelt aber daraus einen bestimmten beweis, der 
schließlich auf dem gesetze von der erhaltuug der kraft ruht, 
wie es in dem ersten argumente zu gründe gelegt ist. 

Diese auffassung von dem zusammenhange der einzelnen 
argumente ist gewiß schön und im wesentlichen auch richtig. Doch 
möchte ich rücksichtlich des letzten beweises auf ein bedenken 
aufmerksam machen. Der letzte beweis bedarf hiernach einer 
wesentlichen ergänzung, die aus dem ersten argumente herge- 
nommen wird. Hierfür vermisse ich in dem dialog selbst jeden 
anhält. „Giebst du mir die realität der allgemeinen begriffe 
zu, so will ich dir von hieraus die Unsterblichkeit der seele be- 
weisen", so beginnt der beweis, und er schließt, als ob er kei- 
ner ergänzung bedürfte. 

§3. Piatos auffassung von der Unsterblich- 
keit. (P. 18—26). Archer-Hind erklärt die form, in welcher 
Plato die Unsterblichkeit der seele aufrecht hält, für die wissen- 
schaftlichste und philosophischste. Plato legt der allgemeinen 
seele ewigkeit bei , den einzelseelen seelenwanderung. Der all- 
gemeine geist ist nicht gewesen und wird nicht sein , sondern 
ist in ewigkeit, die einzelnen seelen sind ohne anfang gewesen 
und werden immer sein. Und mag die einzelseele durch man- 
nigfaltige und ganz verschiedene inkarnationen hindurchgehen, 
indem sie sich bald zu höhereu Sphären der intelligenz erhebt, bald zu 
niederen herabsinkt, die Substanz, die bewußte persönlichkeit, bleibt 
unverändert und ungemindert bei allen diesen Wandlungen, und 
obwohl der stoß jeder folgenden Verbindung mit einem körper 
mehr oder weniger die erinnerung an die Vergangenheit zer- 
stört, so ist doch jegliches leben reich an erinueruugen an eine 



Nr. 1. 8. Piaton. 49 

frühere existenz, die leicht wachgerufen werden durch Wahrneh- 
mungen des gesichtes und gehörs , welche unser gegenwärtiges 
bewußtsein erfüllen. 

Diese theorie hat zugleich einen großen vorzug vom Stand- 
punkte der praktischen ethik aus. Das grundgesetz der platonischen 
ethik ist dg/ivaizi naQüv ; die folgen einer jeden handlung sind un- 
abänderlich, wie die gesetze des Universums. Wenn jemand sün- 
digt , so büßt er für seine sünde durch geistige degradation ; 
reue nützt nichts, besserung allein kann allmählich die verlorene 
Stellung wieder gewinnen. Eine bleibende existenz gewinnt die 
seele nur dann , wenn sie die höchste Vollkommenheit erreicht 
hat, deren sie fähig ist. Archer-Hind erklärt bestimmt, daß die 
einzelnen beweise nur darauf hinauskommen, daß das lebens- 
princip oder die seele als solche unzerstörbar ist, aber nicht, 
daß die persönlichkeit dauernd ist-, es fehlt jeder beweis dafür, 
daß die einzelseelen bei ihrem abscheiden von dem körper nicht 
wieder in den allgemeinen geist absorbiert werden, indem ihr 
eigenes bewußtsein in die allgemeine naturkraft eintaucht 
welche sich immer von neuem in den formen individuellen le 
bens manifestiert. 

Es wird nun die frage aufgeworfen, ob Plato wirklich und 
buchstäblich die persönliche Unsterblichkeit der einzelnen seelen 
aufrecht hielt. Hier setzt sich Archer-Hind mit zwei Vertretern 
der entgegengesetzten ansieht auseinander, mit Hegel und Teich- 
müller. Er erkennt bereitwillig an , daß Teichmüller mit viel 
Scharfsinn die entgegengesetzte ansieht vertreten hat, bekämpft sie 
aber in eingehender untersiichung mit schwerwiegenden gründen. 
Er kommt zu dem ergebnisse, daß Plato, wenigstens zu der zeit 
als er den Phädon schrieb , durchaus geneigt war zu glauben, 
daß die einzelne seele bei ihrer trennung von dem körper nicht 
absorbiert werde in das allgemeine, sondern weiter lebe als selbst- 
bewußte persönlichkeit. 

§ 4. Die lehre von der seele im Phädon. (P. 26 
— 35). Archer-Hind giebt zunächst die Widersprüche an, die 
sich bei der ersten betrachtung der verschiedenen angaben 
Piatos über die seele ergeben. Diese Widersprüche sind na- 
mentlich folgende zwei: 1) der Phädon lehrt eine einfache und 
ungetheilte seele, während der Phädrus, die Eepublik und der 
Timäus eine dreigetheilte seele lehren und der Timäus sogar 
Philol. Auz. XVI. 4 



50 8. Piaton. Nr. 1. 

von einem sterblichen theile der seele spricht. 2) die affekte 
werden in dem Phädon dem körper zugewiesen, während sie im 
Philebus der seele zugewiesen werden. 

Die erste discrepanz wird durch die erklärung gehoben, 
daß die drei siöq der seele nicht verschiedene theile oder arten 
sind , sondern lediglich verschiedene modi der seelenthätigkeit 
unter verschiedenen bedingungen. Die beiden niedrigeren arten 
ergeben sich aus der Verbindung der seele mit dem Stoffe, und 
ihre thätigkeit , oder genauer gesprochen , sie selber hören bei 
der trennung der seele von der materie auf. So ist die seele 
durchaus eine und einfach. Auf derselben grundlage wird denn auch 
die zweite frage gelöst. Der Phädon weist die affekte dem kör- 
per zu, weil sie sich aus der beziehung der seele auf den kör- 
per ergeben, der Philebus weist sie der seele zu, weil der körper 
als solcher kein bewußtsein hat. Die Verschiedenheit der dar- 
stellung in diesen beiden dialogen erklärt sich aus der Verschie- 
denheit des Standpunktes, von dem die betrachtung in dem ei- 
nen und in dem andern ausgeht. Auf jeden fall eine sehr scharf- 
sinnige und sehr beherzigenswerthe auffassung. 

§ 5. Die Stellung des Phädon innerhalb des 
platonischen Systems. (P. 31 — 38). Der Verfasser ge- 
winnt in umsichtiger betrachtung drei perioden für die platoni- 
schen Schriften : die sokratische , die mittlere und die spätere. 
Er acceptiert bei dieser erörterung im wesentlichen die resultate 
der scharfsinnigen Untersuchungen Jacksons im Journal of Phi- 
lologie bd. X und XI. In die sokratische periode verweist er 
den Eutbyphron, Charmides, Laches und andere, als ihren cul- 
minationspunkt betrachtet er den Protagoras. In diesen dialo- 
gen rinden wir Plato selbst noch nicht. In der mittleren phase 
des platonismus sind die ideen einfache hypostasierungen jeder 
logischen erfassung , also von begriffen jeglicher art, und die 
ideen existieren a) transcendent , sv rjj qvatt, b) immanent in 
den einzelwesen. Diese periode wird namentlich durch die Re- 
publik repräsentiert ; ebendahin gehören außer anderen der 
Phädrus und das Symposion. Die hauptsächlichsten merkmale 
der dialoge dieser periode sind die annähme einer idee für jede 
gruppe von einzelwesen und die immanenz der idee in den ein- 
zelwesen, auch ausgedrückt als theilnahme, (te&e%tf, der einzeldinge 



Nr. 1. 8. Platon. 51 

an der idee. In der dritten periode ist die zahl der ideen sehr 
herabgemindert, es giebt hier keine ideen für die von menschenhand 
bereiteten dinge , die relativen begriffe haben nicht mehr den 
rang von ideen , und die ideen für negative begriffe , wie z. b. 
böse, ungerecht, sind beseitigt. Die idee existiert nur noch tran- 
scendent , die individuen participieren nicht mehr an der idee, 
sondern werden als abbilder, [itpij/AaTu , des idealen typus, nu- 
QuÖttypu, betrachtet. Diese spätere metaphysik entfaltet sich im 
Parmenides, dem Sophisten und dem Philebus und vollendet sich 
im Timäus. Auf grund dieser bestimmungeu weist Archer-Hind 
den Phädo der mittleren periode, dem platonismus der republik, 
zu. Denn in diesem dialoge haben wir eine idee von i'aor (74 A), 
(jiiya (100 B), a/juagörrj^ (100 E) etc. Auch wird die idee be- 
schrieben als ii' ?},«// ebensowohl als h> rf, qsvaei (102) exi- 
stierend. Das heißt also : wir sehen im Phädon ideen von re- 
lativen begriffen, obschon ideen von oxtvaozu uns nicht begeg- 
nen, und zweitens die ideen sind den einzelwesen immanent. 

Eine eingehende besprechung dieser erörterungen muß ich 
mir leider versagen ; sie würde zu weit führen. Ich will daher 
nur auf einige punkte aufmerksam machen. Mit den Worten 
Also xoe have the idea described as tv i t fih as well as ?v 7ij (piati 
(102 D) ist offenbar folgende stelle gemeint: iptH yuo cpainzai 
ov fioroi' avtb to {iiyB&og vvö&noi' iiriXtiv äfia usya xai 
auiTtaov £?»«<(, aXXu %ai t o sv tjfilr (xiye&og ovötnors noocsSi- 
%£0&tti ro G[hixq.6v ovo' eOtleii v.7TSQe%EGdai xt).. Hierzu bemerkt 
Archer-Hind: ov (novo* uvto to f/iyeßog According to the earlier 
Platonism, the idea exists 1 ) absolutely apart from the sensible world, 
%cüQiatrj, 2) inherent in phenomena, to which it imparts their attri- 
butes. Die stelle giebt nach meiner ansieht zu dieser auffassung 
kein recht j io iv ijfth [nytüog braucht nicht die idee der große zu sein, 
ja die gegenüberstellung von a,»to to (iiysffqs; und to iilj/tii (Ahyt&og 
weist auf die entgegengesetzte ansieht hin. Wirkt die idee der große 
auch die große unseres körpers, so folgt daraus noch nicht, daß 
diese idee selber uuserm körper immanent ist. Unser dialog 
lehrt ein //isis^ejv oder [itTo.Xt'tißurtti der einzeldinge an den 
ideen , läßt es aber ganz ausdrücklich auf sich beruhen , wie 
dieses Verhältnis zu stände kommt Die berühmte stelle 100 D 
ort ovx aXXo ti noisi aito auXov // r\ ixeivov rov xaXoi/ stzs 
nagovaia f/re xowmvltt [«'?£] ony Srj x«J oncog ngoayevouspi] muß 

4* 



52 8. Piaton. Nr. 1. 

doch unter allen umständen dahin verstanden werden, daß Plato 
in diesem zusammenhange eine nähere bestimmung des 
Verhältnisses zwiscben der idee und den sinnendingen ablehnen 
will. Das bleibt gewiß , man mag die stelle konstituieren , wie 
man will. Mir scheint übrigens der Zusammenhang auf folgende 
lesart hinzuweisen: ort ovx liXln rt noisT avro xnXnr r\ v ?xtt- 
vov tov «aXov (i£de<;i<z sizs nagovaCa. sits noitxavia firs nni] 
drj xa) nno3<,- ngodytro^irrj. Sodann kennt bereits der Phädon 
jenes von Archer - Hind mit Jackson erst für den späteren pla- 
tonismus statuierte Verhältnis zwischen sinnendingen und idee, 
daß nämlich die idee das aagadtiffta, das sinnending das fiipqfia 
derselben ist- denn nach p. 73 E erinnern wir uns durch den 
anblick der sinnendinge der ideen gerade so wie wir uns beim 
anblick des gemalten Simmias (= des abbildes) des Simmias 
selbst (avrov üififiinv = des Urbildes) erinnern. Das weiß 
Archer-Hind selbst recht gut, aber der obigen theorie zu liebe 
schwächt er die sache ab, wenn er in der anmerkung zu jener 
stelle sagt : Also it is worth notieing that although the relation bet- 
ween ideas and particulars is in the Phaedo , as in the Republic, 
still undefined (see 100 D) , tliis passage d.istinctly foreshadows the 
doctrine of fiifjrjGig , which is evolved in the Philebus and Timaeus. 
Eine weitere ganz wesentliche Übereinstimmung des Phädon mit 
den dialogen , die von Archer-Hind der späteren periode zuge- 
wiesen werden, besteht darin, daß im Phädon die grundlage 
der erörterungen im wesentlichen die annähme von allgemeinen 
begriffen im menschlichen geiste bildet in einer weise, daß es 
gar nicht schwer fällt, von hier aus den hauptsächlichsten In- 
halt des ganzen dialogs zu konstruieren. Dieses Vorhandensein 
von begriffen im menschlichen geiste wird aber im Philebus als 
die grundlage jeder Spekulation hingestellt. Ferner erscheint im 
Phädon gerade so wie im Philebus ixnd im Timäus der ro~> g als 
das höchste princip. Damit ergiebt sich jenes von Archer-Hind 
mit Jackson für die spätere periode des platonismus angenom- 
mene Verhältnis zwischen der idee und den sinnendingen wie 
von selbst. Ist der rorc, also die göttliche Vernunft, das höchste 
princip, so können die ideen nur die gedanken gottes sein. Es 
hindert nun aber auch gar nichts den schöpferischen gedanken 
gottes, in welchem das ding seinem wahren wesen nach enthal- 
ten ist, als das urbild und die nach diesem geschaffenen dinge 



Nr. 1. 9. Römische altertliümer. 53 

als die abbilder zu bezeichnen, ebenso wie die geistige conception 
des bildhauers als das urbild und die nach diesem gefertigte 
statue als das abbild derselben bezeichnet werden kann. 

§ 6 handelt von den personen des dialogs. (P. 
36—42). 

Was die gestaltung des textes anlangt, so erhebt die aus- 
gäbe nicht den anspruch eine kritische ausgäbe zu sein. Der 
text ist basiert auf den text von M. Schanz, und die einleitung 
schließt mit dem ausdrucke des dankes für das unschätzbare 
werk, welches uns M. Schanz gegeben hat, und welches als eine 
wohlthat bezeichnet wird für alle , die sich mit Plato beschäfti- 
gen, die aber nur diejenigen vollkommen begreifen, welche sich 
damit befaßt haben einen der platonischen dialoge herauszugeben. 
Trotzdem weicht Archer - Hind nicht selten von dem texte des 
deutschen kritikers ab. Recht werthvoll sind die Inhaltsangaben 
zu den einzelnen kapiteln und kleineren abschnitten , in welche 
der dialog zerfällt. Dieselben zeichnen sich durch gründlich- 
keit des Verständnisses und klarheit der darstellung aus. 

Beigegeben sind zwei anhänge, von denen der eine (p. 180 
— 186) in einsichtsvoller weise von der 5>]f.ioiixi) xa« nolirixi] 
aiJhiri handelt, der zweite (p. 187 — 192) von dem 8tvzeQog nlovg. 
Ich weiche .in der auffassung dieser stelle von dem Verfasser ab, 
indem ich glaube, daß Plato hier mit feiner ironie spricht, doch 
darf ich des raumes wegen hier nicht weiter darauf eingehen. 

Unser gesammturtheil über das buch gebt dahin, daß das- 
selbe eine sehr dankenswerthe gäbe ist, durch welche sich der 
Verfasser um die förderung der erkenntnis der platonischen phi- 
losophie sehr verdient gemacht hat. Lobend hervorzuheben ist 
namentlich auch die durchgehende klarheit der darstellung. Die 
ausstattung ist eine vorzügliche. Gustav Schneider. 



9. J. Baron, geschichte des römischen rechts. 1. theil. 
Institutionen und civilproceß. Berlin, Leonh. Simion. 1884. 
471 p. 8. 

Bei der anzeige dieses werks in einer philologischen Zeit- 
schrift kann es sich nur um die frage handeln, ob dasselbe ge- 
eignet ist, philologen , welche mit den begriffen des römischen 
privatrechts und civilprozesses, die in der litteratur vorkommen, 
näher bekannt werden und sie in ihrem Zusammenhang erfassen^ 



54 10. Römische alterthümer. Nr. I. 

wollen, als leitladen zu dienen. Hiezu eignet sieh das buch iu 
der that recht wohl. Die fassung der paragraphen ist trotz ih- 
rer knappheit klar, der systematische Zusammenhang durch die 
anordnung wie die Verweisungen von einem paragraphen auf den 
andern leicht zu finden , und man wird nichts vermissen, was 
für den genannten zweck nöthig ist. Den einzelnen paragra- 
phen geht eine Orientierung über die litteratur voran , die man 
wohl zum theil vollständiger zum theil anders wünschen kann, 
die aber immerhin das wesentliche giebt. Das buch hat nicht 
die Originalität des Keller'schen Civilprozesses, aber es ist leich- 
ter verständlich ; wie Puchta und v. Bethmann-Hollweg auf dtn 
geschichtlichen gang näher einzugehen, liegt seiner anläge fern. 
Der zweite theil soll eine darstellung des Staatsrechts , des kri- 
minalwesens, der rechtsquellen und der rechtswissenschaft ent- 
halten, ist aber erst für 1887 angekündigt. 

E. H. 



10. Seim ar Peine, de ornamentis triumphalibus. Berlin, 
Calvary 1885. 85 p. 

Diese V. Gardthausen gewidmete Untersuchung behandelt 
die von Augustus aufgebrachte beschränkung des triumphalrechts, 
wornach außer mitgliedern des kaiserlichen hauses, später außer 
dem kaiser allein niemand zur wirklichen ehre des triumphs 
zugelassen wurde, sondern die heerführer, deren siege man be- 
lohnen wollte , nur die a u s z e i c h n u n g e n des triumphators, 
die ornamenta oder insignia triumphalia erhielten. In einem er- 
sten theil werden die einzelnen momente der einrichtung , Ur- 
sprung, bezeichnung, bestandtheile der auszeichnung, Verleihung, 
mögliche Verbindung mit der ovation , erster fall besprochen, 
wobei der verf. gegenüber den auseinandersetzungeu Mommsens 
im Staatsrecht theils nähere Untersuchung giebt theils zu andern 
resultaten kommt. In ersterer beziehnng wird namentlich p. 7 
— 11 erörtert, wie sich die statua laureata in foro Augusti und 
die statua triumphalis zu den ornamenta triumphalia verhalten. 
Der verf. ist der ansieht, daß die statua laureata ein integrie- 
render bestandtheil der ornamenta triumphalia gewesen, die sta- 
tua triumphalis dagegen, die nach material lind aufstellungsort von 
der laureata verschieden, eine besondere höhere ehre, die entwe- 
der zu den gewöhnlichen ornamenta triumphalia hinzukam oder 



Nr. 1. Bibliographie. 55 

bei einem zweiten entsprechenden verdienst bewilligt wurde. 
Mir scheint dies nicht richtig, sondern vielmehr aus den stellen 
bei Tacitus, aus den inschriften und schon aus dem namen sta- 
tua triumphalis hervorzugehen und auch mit Plin. n. h. 33,131 
vereinbar , daß es bloß eine art von statuen in Verbindung mit 
den ornamenta triumpliaüa gab, und daß nur fraglich sein kann, 
ob dieselbe regelmäßig ertheilt wurde oder eine besondere ehre 
war. Tac. Agric. 60 läßt sich in beiderlei sinn auslegen. Auch 
bei den andern punkten, die der verf. bespricht, läßt sich nicht 
immer evidenz herstellen. Der zweite theil ist sehr verdienst- 
lich ; er giebt aus litteratur und inschriften eine Zusammenstel- 
lung aller derjenigen, welche die ornamenta triumphalia erhielten, 
nach der folge der regierungen. Man sieht da nicht bloß , in 
welcher weise die einzelnen kaiser sie verliehen, wie weit die 
augusteische einrichtung blieb , sondern es erwächst auch aller- 
hand nutzen für die detailgeschichte. Mit ausnähme der fälle, 
in welchen gewisse kaiser diese ehre an günstlinge verschleu- 
derten, kam sie der natur der sache nach an die ausgezeichne- 
ten "heerführer •, ein verzeichniß der so geehrten enthält also zu- 
gleich die hervorragendsten männer der kaiserzeit , deren lauf- 
bahn hier gegeben wird. Den Schluß bildet (p. 82 — 85) eine 
chronologische namensliste der im vorhergehenden besprochenen. 
Ob in diesem zweiten theil das einzelne richtig ist , mögen die 
sehen, welche in die läge kommen, über die einzelnen männer 
Untersuchungen anzustellen; hier genügt es, auf diese nützliche 
Zusammenstellung hinzuweisen. Von nicht die personen betref- 
fenden geschichtlichen Untersuchungen , die sich gelegentlich er- 
geben, hebe ich die über das jähr der Varusschlacht hervor p. 
24 — 33. Der verf. stellt die argumente zusammen , welche da- 
für sprechen, daß sie nicht in das jähr 10 n. Ch. zu setzen sei, 
sondern daß es bei dem jähre 9 sein bewenden habe. 

E. H. 



Bibliographie. 

Angekündigt wird ein Dizonario epigraphico di antichita 
Romane e Manuale di epigraphia Latin a di Ettore de Ruggero, 
professore di antichita classiche della R. universita di Roma •, 
wer zu abonniren wünscht , hat sich an Loreto Pasqualici . Via 
della carrozee 3 Roma zu wenden. 



56 Bibliographie. Nr. 1. 

Albert Unflad iu Leipzig versendet: „der deutsche professor 
der gegenwart" von Johannes Flach. 

Versandt und uns zugesendet sind: Verzeichniß von reise- 
werken aus dem verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig : dabei 
Illustrationen und am ende ein verzeichniß der werke von Hein- 
rich Schliemann ; — Grote'scher weihnachts - almanach : ebenfalls 
illustrirt, meist neuere classiker •, — Verlag von Breithopf u. Härtel 
in Leipzig; — Julius Moser, lithographisches institut, verschie- 
dene Sachen ; — Katalog von A. Pichler's wittwe und söhn zu 
Wien und Leipzig, sehr gut geordnet. 

Kataloge von antiqiiaren : S. Glogau, katalog 29, buchhand- 
lung und antiquariat in Leipzig; — W. Koch u. Reimer, katalog 
nr. 18, antiquariat in Königsberg i. P. ; — Simmel u. co. anti 
quariats-katalog nr. 104 in Leipzig; — Verzeichniß von neuen 
büchern zu bedeutend ermäßigten preisen von L. Steyer in Cann- 
stadt bei Stuttgart. 

Catalogue mensuel des livres ancieus et modernes en vente 
äla librairie F. A. Münster k Verone et Leipzig, nr. 72, philologie 
classique. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thmuswissenschaft 1886. I. 

England. 

1. Aeschylus Eumenides by John F. Davies , a critical edition 
with metrical english translation. London, Longmans 1885. 8. 7 sb. 

2. Anducides de inysteriis. Edited with critical and explanatory 
notes by W. J. Hickie. London, Macinillan 1885. 12. 2 sh. 6 d. 

3. Gaius , the commentaries of, and rules of Ulpian translated 
with notes by /. F. Abdy and Bryan Walker. 3rd ed. London, Frowde 
1885. 8. 526 p. 16 sb. 

4. Sophocles Oedipus Tyrannus by ß. C. Jebb. Cambridge, Uni- 
versity Press 1885. 12. 204 p. 4 «h. 6 d. (Pitt Press Series). 

5. Sophocles Oedipus Tyrannus. By Benjamin Hall Kennedy. 
With a commentary containing a large number of notes selected frorn 
the Ms. of tbe late T. H. Steel. London, Bell 1885. 8. 318 p. 8sn. 

Vereinigte Staaten von Amerika. 

6. Cicero , the Offices of. With introduction and notes critical 
and explanatory from various sources by Austin Stickney. New York 
1885. 12. 7 sh. 6 d. 

7. Harrison, J. A. , the story of Greece. Illustrated with maps 
and indices. New York 1885. 12. 7 sh. 6 d. 

8. Hass, F. S. de, buried cities recovered or explorations in 
Bible lands. üiving the results of recent res.earches in the East and 
recovery of many places in sacred and profane history long considered 
lost. 5th ed. Maps and illustrations. Philadelphia 1885. 8. 21 sh. 

Belgien. 

9. Collard, F., introduction ä l'ätude de la tragedie grecque. 
Louvain, Peeters 1885. 8. 31 p. 1 plan. 75 ct. 

Frankreich. 

10. Babelon, Erneut, deecription historique et chronologique des 



Nr. 1. Bibliographie. 57 

monnaies de la republique roruaine vulgairement appelees nionnaies 
consulaires. Tome I. Paris, Rollin et Fenardent 1885. 8. LXVIII, 562 p. 

11. Bazin, EL, de Lycurgo. Paris, Leroux 1885. 8. VIII, 146 p. 
(These). 

12. Bazin, Hippolyte , la republique des Lacedeinoniens de Xe- 
nophon : etude sur la Situation interieure de Sparte au comnienceuieut 
du 4e siecle avant Jesus-Christ. Paris, Leroux 1885. 8. XIV, 291p. 

13. Bopp, Francois , grammaire comparee des langues indoeuro- 
peennes comprenant le Sanskrit, le Zend, l'Armenien, le Grec, le La- 
tin , le Lithuanien , l'ancien Slave , le Gothique et l'Alleruand. Tra- 
duite sur la deuxieme edition et precedee d'introductions par Michel 
Breal. 3. ed. , t. 2. Paris, Hachette 1885. 8. XXXVIII, 433 p. 
(L'ouvrage renferme 5 voluines 38 frcs.). 

14. Borelly, Emile, de l'etude de la langue latine et des avanta- 
ges qu'on en peut retirer. Discours. Versailles, Cerf 1885. 8. 15 p. 

15. Burnouf, Emile, Histoire de la litterature grecque. 2e ed., 
tome 1. 2. Paris, Delagrave 1885. 8. XV, 394 u. 450 p. 7 fr. 

16. Cagnat, R., explorations epigraphiques et archeologiques en 
Tunisie. Paris, Thorin 1886. 8. 170 p. 5 cartes. (Extrait des Ar- 
chives des missions scientifiques et litteraires. III. Serie, t. XII). 

17. Catalogue des manuscrits de la bibliotheque Mazarine par 
Auguste Molinier. Tome I. Paris, Plön 1885. 8. XXVII, 534 p. 
(Catalogue general des manuscrits des bibliotheques publiques de 
France). 

18. /Du Chatenet, E., l'obelisque de Louqsor et les decouvertes 
de Champollion. Edition revue. Limoges, Ardant 1885. 12. 120 p. 

19. Du Chatenet, E. , Pompei et Herculanum decouverte et de- 
scription de cea deux vüles romaines. Limoges, Ardant 1885. 12. 
120 p. 

20. Epictete , manuel d'. Texte grec et traduction fran^aise en 
regard. Edition precedee d'une introduction et d'une analyse et ac- 
compagnee d'appre'ciations philoKophiques par Henry Joly. Paris, De- 
lalain 1885. 12. XXIV, 56 p. 1 fr. 

21. Euripide , Iphigenie ä Aulis. Texte grec accompagne d'une 
notice d'un argument analytique et de notes en fran9ais et conforme 
a la 2e ed. des sept tragedies d'Euripide par H. Weil. Paris , Ha- 
chette 1885. 16. 123 p. 1 fr. 

22. Euripide , Iphigenie a Aulis. Nouvelle edition avec une 
notice sur Euripide et un conimentaire philologique et litteraire par 
J. B. Voisin. 2e e'd. revue et corrigee. Paris, Garnier freres 1885. 
12. XVI, 96 p. 

23. Everat, Eduard, de D. Magni Ausonii operibus et genere di- 
cendi. Paris, Thorin 1885. 8. 125 p. (These de Clermont). 

24. Flouest, Ed., Etude d'archeologie et de mythologie gauloises. 
Deux steles de Laraire suivie d'un appendice inedit et d'une note sur 
le signe symbolique en avec 19 planches. Paris, Leroux 1885. 8. 
VI, 95 p. 

25. Guyan, la morale d'Epicure et ses rapports avec les doctri- 
nes contemporaines. 3e ed. revue et augmentee. Paris, Alcan 1885. 
8. 296 p. 7 fr. 50 ct. 

26. Hirschfeld . Otto , la diffusion du droit latin dans l'empire 
romain. Traduit de l'allemand par Henri Thedenat. Paris, Champion 
1885. 8. 12 p. (Extr. du Bulletin epigraphique 1885 mars-avril). 

27. Martha, Constant, le poeme de Lucrece: morale religion 
science. 4. ed. Paris, Hachette 1885. 18. XIX, 403 p. 3 fr. 50 ct. 

28. Nariz, Barthelemy, archöologie textile: la soie de l'ile de Cos. 
Lyon 1885. 8. 5 p. 



5$ Bibliographie. Nr. 1. 

29. Ogereau, F., essai sur le Systeme philosophique des sto'iciens. 
Paris, Alcan 1885. 8. XII, 304 p. 5 fr. 

30. Omont, Henri, Georges Herraonyme de Sparte maitre de grec 
a Paris et copiste de manuscrits suivie d'une notice sur les collections 
de manuscrits de Jean et Guillaume Bude et de notes sur leur famille. 
Paris 1885. 8. 57 p. (Extrait du Bulletin de la societe de l'histoire 
de Paris t. 12). 

31. Sagnier, A., Stele epigraphique trouvee ä Saint Esteve (ter- 
roir du Thor). Avignon, Se'guin 1885. 8. 16 p. 

32. Savary , G., les noms romains dans le pays des Cenomans. 
Laval 1885. 8. 20 p. (Proces verbaux et documents de la commis- 
sion histor. et archeol. de la Mayenne III). 

33. Stelia?i, Thomas, la plebe a Rome jusqu'au Ille siecle avant 
Jesus-Christ. Paris, Larose et Forcel. 1885. 8. 111 p. 

34. Taciti, Cornelii, de vita et moribus Julii Agricolae. Texte 
latin publie avec une notice un argument analytique des notes en 
francais et une carte par Emile Jacob. 2ed. rev. et corr. Paris, Ha- 
chette 1885. 16. 96 p. 75 ct. 

35. Taciti Historiarum libri I et II. Edition revue sur les rneil- 
leurs textes et accompagnee de notes grammaticales philologiques et 
historiques par E. Dupay. Paris, Delalain 1885. 12. VI, 148 p. 90 c. 

36. Taciti Annalium libri XIII. XIV. XV. Edition revue sur les 
meilleurs textes et accompagnee de notes grammaticales philologiques 
et historiques par E. Dupay. Paris, Delalain 1885. 12. VI, 160p. 90c. 

37. Terquem, A., la science romaine a l'epoque d'Auguste. Etüde 
historique d'apres Vitruve. Paris, Alcan 1885. 8. 174 p. et planche. 

38. Virgile , l'Eneide de. Nouvelle edition contenant des notes 
litteraires grammaticales, mythologiques et geographiques precedee 
d'une notice sur l'epopee et les poetes epiques avant et apres Virgile 
par Ch. Aubertin. Paris, Belin 1885. 12. IV, 584 p. 

Italien. 

39. Beltrami, A., il grecismo nella sintassi latina. Dissertazione 
di laurea. Torino, Bona 1885. 8. 91 p. 

40. Bigonzo , G. , le Sibille e i libri sibillini di Roma. 2a ediz. 
rived. Genova 1885. 8. 32 p. 

41. Cicerone, M. Tullio , dell' oratore : libro primo commentato 
da A. Cima. Torino, Loescher 1885. 8. XXIII, 120 p. 2 lire. 

42. Clerici, G. P. , il prologo di A. Persio Flacco interpretato ; 
con un' appendice. Parma, Ferräti e Pellegrini 1885. 16. 75p. Iure. 

43. Coglitore,, J., Mozia: studi storici-archeologici. Palermo, Lau- 
riel 1884. 8. XV, 180 p. 5 lire. 

44. Farabulini , David , archeologia ed arte : rispetto a un raro 
monumento greco conservato nella Badia di Grottaferrata. Roma 
1883. 8. 240 p. 2,50 1. 

45. Lattanzio , Firmiano, la Fenice tradotto da Paolo Zacchia 
con il testo latino al fronte per cura del prof. Angiolo Filippi. Fi- 
renze 1885. 16. 49 p. 

46. Leoni, N., Studii storici su la Magna Graecia e su la Brezia 
dalle origini italiche fino ai tempi nostri. 3a ediz. Vol. I. Napoli, 
Tornese 1885. 4. 287 p. 

47. Marini, Gaetano, iscrizioni antiche doliari pubblicate del 
comm. G. B. de Rossi con annotazioni del dottore Enrico Dressel. 
Roma, Salviucci 1884. 4. 544 p. (Biblioteca dell' accademia storico 
guiridica vol. III). 

48. Pasdera, Arctnnis, de interest vei-bi imi»crsonali9 stmctura 
et origine quaestio grammatica. Sutrii 1885. 8. 35 p. 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung 59 

49. Pepoli, A. , antichi bolli figulini e graffiti delle sacerdotesse 
di Venere Ericina rinvenute in Monte Giuliano. Firenze 1885. 4. 
57 p. 17 tavv. 

50. Plauto , M. Accio , i Captivi commentati da E. Cocchia. To- 
riuo, Loescher 1885. 8. XLVIII, 118 p. 2 1. 50 c. 

51. Rubeis, Bernardo Maria de, dell'origine , ingrandimuuti ed 
eccidio della cittä d'Aquileia. Dissertazione inedita volgarizzata per 
don D. Puncini. Udine, Gambierasi edit. 1885. 8. 112 p. 2 lire. 

52. Tacito la vita di Giulio Agricola coramentata da G. Dezia. 
Torino, Loescher 1885. 8. XXIV, 108 p. 2 lire. 

53. Terenzio , le commedie volgarizzate da Antonio Cesari con 
note di Giuseppe Rigutini. Milano, Trevisini 1885. 16. XII, 355 p. 
1,90 lire. 

54. Vaccaro, V., Catullo e la poesia latina. Studio critico-filo- 
logico. Palermo 1885. 8. 124 p. 

55. Vannucci , Atto, Studii storici e morali sulla letteratura la- 
tina. 3a ediz. stereotipa con rnolle correzioni ed aggiuuti Ristampe. 
Torino, Loescher 1885. 8. IV, 651 p. 5 lire. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Hei sing fors. 56. Heikel, J. A., de participiornm apud Hero- 
dotum usu. Hels. 1884. 8. 144 p. 

57. Streng, Adolf von, de Ciceronis ad Brutum epistolarum libro 
qui secundus inscribitur. ib. 1885. 8. 119 p. 

58. Ursin, Nie. af, de Lusitania provincia Romana. ib. 1884. 
8. 150 p. 

Upsala. 59. Laiin, Esaias , de praepositionnm usu apud Ae- 
schylum. Ups. 1885. 4. 57 p. 



Sileino philologische zcilmig. 

München. Es liegt uns ein exemplar der kürzlich zu Phi- 
ladelphia erschienenen publication über das Cleopatra- por- 
trait vor , welches sich im besitze des barons v. Benneval zu 
Piano di Sorrento befindet. Der amerikanische kupferstecher 
John Sartain , hat in der broschüre mehrere das Cleopatra-por- 
trait betreffende Veröffentlichungen , daranter die von ihm sehr 
günstig beurtheilten artikel in no. 227, 228, 229, 230, der bei- 
lage zur Allg. ztg. von 1882 , von dr. Keinhold Schöner in 
Rom , reproducirt und das elegant ausgestattete buch mit zahl- 
reichen Illustrationen versehen. Für die englischen und ameri- 
kanischen reisenden ist durch diese publication die versteckte 
villa Benneval in Piano di Sorrento zu einem vielbesuchten 
reiseziel geworden. Die artikel der „Allg. ztg." und diese publi- 
cation Sartains haben , wie die nummer der Pariser „Illustra- 
tion" vom 10. october dieses jahres zeigt, auch in Frankreich 
und bei autoritäten wie Jules Comte anerkennung gefunden und 
der Überzeugung von der antiken herkunft des portraits weitere 
bahn gebrochen , wie die Münch. allg. ztg. no. 308 berichtet : 
aber in Deutschland traut man der sache nicht recht: die vom 
besitzer für das bild geforderte summe von 600000 mk. hat 
das Berliner museum , dem das bild zum kauf angeboten , zu 



60 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

zahlen anstand genommen , da zweifei über das alter des bildes 
entstanden sind. Vrgl. Berl. tagebl. zu nr. 492. 498. 

Christiania, 2. sept. Bei den restaurationsarbeiten an der 
alten holzkirche zu Hopperstad in der bardesvoigtei Sogn ist 
in einer verdeckten niscbe ein aus sechs wachstafeln be- 
stehendes buch gefunden. Die tafeln sind aus buchenholz 
gefertigt und mit wachs überzogen ; dünne erhabene ränder an 
den Seiten verhindern , daß sich dieselben beim zumachen des 
buches berühren , wodurch die mit einem feinen stift gemachten 
anzeichnungen in dem buche vollkommen erhalten geblieben sind. 
Am rücken sind die tafeln zusammengeheftet-, als Verzierung 
sind auswendig und am schnitt kleine Stückchen verschiedenfar- 
bigen holzes, geordnet in geometrischen mustern , aufgeleimt ge- 
wesen. Das buch war eingelegt in ein aus holz und leder ge- 
fertigtes etui. Der inhalt besteht aus aufzeichnungen über land- 
besitz und dorfbegebenheiten , außerdem folgt eine lange reihe 
von thiernamen in lateinischer spräche mit altnorwegischer Über- 
setzung. Man nimmt an, daß der größere theil des inhalts ge- 
gen das ende des 13. Jahrhunderts geschrieben ist, dagegen zei- 
gen einige Seiten eine weit ältere handschrift. 

Kempten. Einige Privatpersonen und beamte dieser Stadt 
haben neuerdings ausgrabungen in der nähe veranstaltet und 
sind dabei auf der s. g. Bleicherösche, zwischen dem Steilufer 
des flusses und den weilern Ober- und Unterlindenhof, in der nähe 
der stelle , wo die Römerstraßen von Augsburg und Salzburg 
zusammentreffen , die grundmauern eines großen gebäude - com- 
plexes aufgedeckt worden. In weniger als fußtiefe laufen die 
mauern unter der Oberfläche des bodens hin , meist bruchstein- 
mauern aus handgroßen kalksteinplatten mit jenem vorzüglichen 
mörtel verbunden, der alle Römerbauten characterisirt. An ver- 
schiedenen stellen sind sandsteiuquader verwendet. Sie sind je- 
doch durchgängig stark verwittert. Erstaunlicherweise ist sämmt- 
liches mauerwerk bis auf das pflaster abrasirt, ja oft noch tiefer 
abgebrochen , so daß läge und große der eingänge schwer zu 
bestimmen sind. Gleichwohl bedecken nur geringe schuttmassen 
den antiken boden. Obwohl die ausgrabung zur zeit noch un- 
vollendet ist, läßt sich doch die anordnung dieser anläge im 
ganzen klar erkennen : rings um einen großen oblongen , von 
hallen umschlossenen platz ordnen sich auf allen vier seiten 
reihen von räumen verschiedener große. Der platz ist 38 meter 
breit und 70 meter lang Die halle hat an der nördlichen 
Schmalseite eine tiefe von 7,3 meter , an den langseiten eine 
solche von 5 meter. Die tiefe der gemacher an der nordseite 
beträgt 10 meter. In der mitte dieser seite , die man als front 
betrachten kann, springt ein saal von 1 2 meter breite nach außen 
vor. Er war mit einer prostylen halle geechmückt und muß 
entweder ein tempel oder das vestibül der ganzen anläge ge- 



Nr. 1. Kleine philologische zeitnng. 61 

wesen sein. Auf der gegenüberliegenden seite des platzes, je- 
doch abweichend von der mittellinie, öffnet sich ein geräumiger 
saal von 17 meter breite und 24 meter tiefe. Er schließt hinten 
mit einer weiten segmentnische ab, wie die drei curven am ende 
des forums von Pompeji. Zur seite dieses Versammlungsraumes 
liegen mehrere quadratische zimmer , hinter denselben , jedoch 
durch einen gang getrennt, große magazine. Die übrigen den 
platz umgebenden räume sind von verschiedener große. Ihre 
Zwischenmauern enden meist in hausteinpfeiler, sie müssen des- 
halb gegen die halle weit offen gestanden sein und dürften als 
kaufläden gedient haben. An den ecken der nordfronte befan- 
den sich eingänge, die direct in die hallen der langseite führten. 
Der boden derselben liegt etwa 90 centimeter über dem niveau 
des platzes, so daß mehrere treppen zu diesem hinunterführten. 
Von dem pflaster der halle und der anschließenden räume ist 
nur noch die mörtellage übrig. Proben von wandputz zeigen 
dieselbe glätte und härte wie an den wänden in Pompeji , sie 
tragen einen lebhaften rothen , schwarzen und gelben anstrich, 
sowie aufgemaltes Ornament. Auch die Überreste architektoni- 
scher gliederung sind äußerst spärlich. Schon früher wurde 
ein ionisches capitäl gefunden. Jetzt sind noch zwei friesstücke 
mit palmetten aus marmor und mehrere sockelgesimsstücke aus 
Sandstein gefunden worden. Ein prachtvoll ausgeführtes mar- 
morrelief, einen reiher, der eine eidechse verschlingt, darstellend, 
scheint als bekleidung eines monumentsockels gedient zu haben. 
Hieraus ergiebt sich , daß man es hier mit einem öffentlichen 
gebäude , und zwar mit einem markt zu thun hat. Dazu ver- 
gleiche man z. b das forum in Pompeji : es ist zwar nicht von 
verkaufsläden , sondern von größeren öffentlichen gebäuden um- 
ringt, es hat jedoch dieselbe breite, und es findet sich bei ihm 
dieselbe gegenüberstelluug von tempel und curia. In Eom selbst 
gab es mehrere markte für die verschiedenen gattungen des han- 
deis. Von dem forum boarium und dem forum olitorium gibt ein 
antikes Wandgemälde deutliche ansichten , welche , ziemlich gut 
auf den Kemptener markt passen würden. Am meisten ähnlich- 
keit zeigt aber das forum der verschütteten stadt Valeia bei Pia- 
cenza. In dieser kleinen landstadt genügte ein einziges foi'um 
sowohl für den marktverkehr, als für das gerichts- und verwal- 
tungswesen. Der markt, welcher etwas kleiner ist als in Kempten, 
hat an den langseiten hinter den hallen verkaufsbögen , in der 
mitte der nordseite einen kleinen tempel oder ein propyläon, ge- 
genüber am südende eine basilica , welche die ganze breite ein- 
nimmt. Auch das forum von Gabii in der nähe Eoms kann hier 
zum vergleich angezogen werden. Es ist ebenfalls kleiner, hat 
nur auf drei seifen hallen und ist nach außen mit einem ana- 
logen tempelartigen vestibul geschmückt. Es ist ein merkwür- 
diger zufall , daß die ausgrabungen , welche seit einigen jähren 



62 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

in Bregenz veranstaltet wurden, ebenfalls ein forum ans licht 
gebracht haben, s. PhAnz. XV, 12, p. 649. Wenigstens stim- 
men die veröffentlichten beschreibungen und die berichte von 
augenzeugen mit dem in Kempten gefundenen auffallend überein. 
— Münch. allg. ztg. 1885, no. 308, 2. beilage. 

Berlin, lieber die k ost b ar e Bacchusstatue, die kürz- 
lich beim baggern im Tiber bei Rom aufgefunden , liegt nun- 
mehr eine detaillirte beschreibung vor. Sie ist 1,75 meter hoch 
und überaus gut konservirt. Aus bronze gegossen , repräsentirt 
sie den jungen Bacchus, der in der linken den Thyrsus-stab und 
in der rechten ein trinkgefäß hält ; genau in der positur, welche 
man bei allen pompejanischen Bacchusstatuen beobachten kann. 
Anfangs wußte man in Born nicht recht, was der kostbare fund 
eigentlich vorstellen sollte. Man hielt ihn, den dortigen blättern 
zufolge, für einen sklaven, der im begriff steht, einen dolchstoß 
zu pariren. Zu dieser annähme gab nämlich die haltung der 
linken band anlaß. Der Thyrsusstab , den sie ursprünglich ge- 
halten, ist erst nachträglich nebst dem trinkgefäß ausgebaggert 
worden. Die statue ist von vollendeter formenschönheit. Den 
herrlichen köpf schmückt eine üppige epheu-krone. Ueber den 
frauenhaften rücken ergießt sich eine prächtige lockenfülle, welche 
an die modellirung der sogenannten apollinischen locken erin- 
nert, die in der blüthezeit der altrömischen plastik üblich waren. 
Sämmtliche italienische sachverständige, welche das bildwerk be- 
sichtigt, sind der ansieht, daß es aus dem ersten Jahrhundert 
n. Chr. stammt. Der einfluß der griechischen kunst ist dabei 
nicht zu verkennen. Merkwürdig ist der umstand, daß die statue 
jetzt, da sie vom schlämm befreit ist, wie ganz neu aussieht. 
Die italienische regierung, durch diesen fund angefeuert, beab- 
sichtigt nunmehr im Tiber größere archäologische nachforschun- 
gen vorzunehmen. — National-ztg. sonntagsbeil. nr. 41. 



Auszüge aus zeitschrifteil. 

Philologische abband lungen in Zeitschriften. 

Annuuire de la faculte des lettres de Lyon. 3. anne'e 1885, fasc. 1. 
Bistoire et geographie. I. Renseignements generaux. II. G. Bloch, 
Remarques a piopos de la carriere d'Afranins Burrus prefet du pre- 
toire d'apres une inscription decouverte. III. JE. Helot, de la revolu- 
tion e'conomique et nionetaire qui eut Heu ä Rome au milieu du Ille 
siede avant l'ere chretienne et de la Classification generale de la so- 
eidte romaine avant et apres la premiere guerre punique. 

Archivio storico per le provincie neapolitane. Anno X. 1885. 
fasc. 1. — 2.— 3. G. JRaeioppi, per la storia del nome d'Italia. 

Archivio storico italiano 1885, disp. 5. C. Paoli , Miscellanea di 
paleografia e diplomatica. 

Archivio Veneto t. 28, 2 (fasc. 56). C. Cipotta, ricerche sulle an- 
tiche immigrazione nella laguna (contin.). — T. 29, fasc. 57—58: I). 
Bertolini, le scoperte arebeologiche nelle provincie venete durante 



Nr. I. Auszüge ans Zeitschriften. 63 

l'anno 1884. — Ders. , epigrafii recentemente scoperte nel sepolcreto 
concordieso. fasc. 59. 

Atti della R. Accademia dei Lincei 1883—1884. Serie III. Me- 
morie della classe di scienze morali storiche e filologiche vol. XIII: 
G. Fiorelli, notizie degli scavi di antichitä con una tav. (nov. e die. 
1883). — Ed. Le Blant , des voies d'exceptions employees contre les 
martjrs. — G. Fiorelli, Notizie degli scavi d'antichita (genn. — agosto 
1884). — L. Pigorini, i Liguri nelle tonibe della prima eta del ferro 
di Golasecca (prov. di Milauo). — P. Tominasini, la vita e de opere 
di A. Vannucci. — L. Borsari, il foro d'Augusto ed il teinpio di 
Marte Ultore. — G. Fusinato, dei Feziali e del diritto feziale: contri- 
buto alla storia del diritto publico esterno di Roma. — Ersilia Lo- 
vatelli Caetani, intorno ad un balsaruario vitreo con figure in rilievo 
rappresentanti una scena relativa al eulto dionisiaco. — J. Cqßci, 
nuove indagini paleoetnologiche nella tomba neolitica di Calaforno 
(prov. di Siracusa) c considerazioni sui tempi preistorici in Sicilia. 

Berichte über die Verhandlungen der sächs. gesellsch. d. wiss. zu 
Leipzig. Philolog.-histor. classe 1885. III. K. Wessely, die griechi- 
schen papyri Sachsens. 

Bullettino dell' Instituto di corrispondenza archeologica 1885, no. 10. 
W. Heibig, antica tomba a cupola scoperto presso Quinto Fiorentino. 
— W. Heibig, scavi di Chiusi. — A. Mau, Scavi di Ponipei. — A. 
Klitsche de la Grange , antica fonderia e ripostiglio di bronzi arcaici 
del territorio delle Allumiere. 

'Eyy /ztglg äg^ai,oloyrxr t 1885, Tti)%.y.': Xg. J. Tgovvtk g, iniyga- 
ifid 11; axgonöfoutg. — J. 4>ikiog, ImyQctycti ££ 'Ekivcivog. — B. I. 
A iov dg cTo g , 'AfuytaQiiov iniygit(fai. — 2. N. J QCty o v /utj g, intyoacfal 
ix Mtyctgidog. — Et. A. Kov q ttv o v dt] g , äiTixal iniyQctrjixi. — J. 
t Pl).i,og s ri(>yatoXoyixtt tiigy/uccta tujv iv 'Ektvcivi üvuGxaqiüv. — 2. N. 
Jgayoi ptjg, naoctTtjQijcug ix o*t)/uonxov uvog xptjcfiafxarog. — A&. 2. 
Ko v/liccp ov dt) g, JtxäkiTQOv hakixov, 

Gazette arche'ologique X. 1885, no. 9. 10. Edmond Pottier , lecy- 
tbes ä fond blanc et ä fond bistre du Cabinet des medailles. — A. 
Obodesco, coupe d'argent de la deesse Nana-Anat. — L. de Laigue, 
genie funebre, marbre decouvert a Rome. — H. Thedenat et A. Heron 
de Vitlefosse, les tresors de vaisselle d'argent trouves en Gaule. 

Giornale storico della letteratura italiana. Vol. V, fasc. 3. — 
Vol. VI, fasc. 1. 2. Rem. Sabbadini , notizie sulla vita e gli sritti di 
aleuni dotti umanisti del secolo XV. raecolte da codici italiani. V. 
Isotto Nogarola. VI. Aristonio da Rho. VII. Gia Aurispa. VIII. Gui- 
niforte Barzizza. 

Hermes 1885, heft 4. G. Kaibel, Dionysios von Halicarnass und 
die sophistik. — R Reiizenstein, die geographischen bücher Varro's. 
— A. Otto, die reihenfolge der gedichte des Properz. — W. Ditten- 
berger, zum gesetz von Gortyn. — G. Kaibel, antike windrosen. — 
Br. Keil, ad epigramniata Eleusinia, i<f>. ixqx- 1883, p. 143 u. 39. — 
Miscellen: Br. Keil, aqgtict, äff gia. — U. v. Wilamowitz-Möllendorff, 
Kleanthes u. Aristarch. — Ders., die herkunft des Philochoros. — G. 
Faltin u. Th. Mommsen, berichtigung u. erwiderung. 

Jahrbücher, neue, für philologie hrsg. von A. Fleckeisen 1885. 
Heft 9 : H. Liers, zur geschickte der rhetorischen ideenlehre. — R. 
Arno/dt, zu Athenaios. — E>ers., zur chronolog. bestiinmung von Eu- 
ripides Ion. — R. Peppmüller, homerisches. — Ch. Ziegler , zu den 
Theokritosscholien. — J. Sommerbrodt, zu Lukianos. — S. Brandt, 
zur Chronologie des gedichtes des Lucretius und zur frage nach der 
Stellung des Memmius in demselben. — F. Luterbacher , zur dritten 
dekade des Livius. — A. Eussner, zu Quintilianus. — G. Faltin, der 



64 Literatur. Nr. 1. 

neunte epodus des Horatius. — F. Weiß, zu Gellius XVI, 5, 3. — K. 
P. Schulze, zu Gellius XIX, 9, 11. — F. Knoke, zu dem feldzug des 
Germanicus im jähre 16 n. Chr. — J. W. Beck, zu den Differentiae 
Sermonum. — A. Heuerling, zu einigen Placidusglossen. 

Jahrbücher f. protestant. theologie 1886. Heft 1. R. A. Lipsius, 
Passiones Petri u. Pauli u. nachträgliches dazu. 

Mnemosyne XIII, pars IV. C. G. Cobet, ad Galenum. — -S. A. 
Naber, observationes criticae in Flavium losephura. — J. van Leeuwen, 
disquisitiones de pronominum personalium formis Homericis. — K. G. 
P. Schwartz, ad Lucianum. — K. G. P. Schivartz, ad Dionysii Hali- 
carnassensis antiquitatum Romanarum librum primum. — U. Ph. 
Boissevain, Additamentum ad p. 345. — T. P. Postt/ate, Sallustiana. 

Revue archeologique 1885. Sept./oct. P. Batifful , Carones Ni- 
caeni pseudepigraphi. — //. Gaidoz, le dieu gaulois du soleil et le 
syrnbolisme de la roue (contin.). — Rene Brian, introdaction de la 
medecine dans le Latium et a Rorne. — Ch. Normmid, l'architecture 
metallique äntique ou röle du metal dans les construetions antiques. 
— Dieulafoy , mission de Susiane. Note relative a la decouverte sur 
le tombeau de Darius de sept inscriptions nouvelles. — H. Gaidoz, 
l'art de l'empire gaulois. 

Revue de l'histoire des religions XII, 2. G. Maspero, la religion 
egyptienne d'apres les pyramides de la V. et VI. dynastie. — Jean 
Reville, le mithriacisme au III. siecle de l'ere chretienne. — Paul 
Reynaud , la methode en mythologie comparee. Reponse a quelques 
objeetions. — Gablet d'Alviella, Maurice Vernes et la methode com- 
parative dans l'histoire des religions. 

Revue numismatique 1885. Trim.4: C. Casuti, epigraphie de la 
numismatique etrusque. — E. Babelon, monnaies de la Cyrenaique. 

Romania t. XIV, 2: P. Meyer, inventaire des livres de Henri II. 

Sitzungsberichte der Berliner academie 1885, no. 40—50: Lolliny, 
archaische inschriften in Boeotien. No. 46—48. — 

Studien, Berliner, für class. philologie u. alterthumswiss. bd. III. 
Heft I. Ludw. Stein, die psychologie der Stoa, bd. I, metaphys. -an- 
thropolog. theil. 216 p. Heft 2. Guil. Kaempf , de pronominum 
personalium usu et collocatione apud poetas scaenicos Romanorum. 
48 p. Berlin, Calvary 1886. 

Zeitschrift für ethnologie 1885. Heft 1 — 3. — Heft 4. W. Schwär tz, 
die Vermählung der himmlischen im gewitter. Ein indogermanischer 
mythos. 

Zeitschrift für allgem. geschichte, kultur-, litteratur- und kunstge- 
schichte 1885. Heft 8—10. — Heft 11. J. G. Schultheiß, die Ger- 
manen im dienst der römischen reichsidee. 

Zeitschrift der deutschen morgenländ gesellschaft bd. 39. Heft 3: 
77t. Nüldeke, über Mommsens darstellung der römischen herrschaft u. 
römischen politik im Orient. 

Zeitschrift f. d. gymnasialwesen 1885. Nov. Jahresbericht über 
Vergil von P. Deuticke, über griechische lyriker von O. Schroeder. 

Zeitschrift für mathematik u. physik hrsg. von Schloemilch, Kahl, 
Cantor, histor.-literar. abtheilg. Jahrg. 30. Heft 1. 2 — Heft 3. W, 
Schoenbom, die von Diophant überlieferten methoden der berechnung 
irrationaler quadratwurzeln. - Heft 4—6. - 



Literatur 1880, 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 
Fr. Wunia , das praesens historicum in Caesars Bellum Gallicum 



8. Wien. 



Nr. 2. 1886. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



11. K. Meisterhans, grammatik der attischen inschriften. 
Berlin, Weidmann 1885. 119 p. 8. 

12. Max Hecht, orthographisch-dialektische forschungen 
auf grund attischer inschriften. Königsberg, Hartungsche dru- 
ckerei (Leipzig, Gustav Fock) [1885.] 37 p. 4. 

Seitdem zuerst Wecklein in seinen bekannten Curae epigra- 
phicae den werth der attischen inschriften für die grammatik 
dargethan hat, ist in Zusammenhang mit der vorschreitenden 
publication des Corpus inscriptionum Atticarum eine lange reihe 
die inschriften ausbeutender abhandlungen erschienen , deren 
titel Meisterhans p. VII — IX aufführt. Meisterhans' eigene ar- 
beit stellt eine Zusammenfassung alles bisher erforschten, ein 
vollständiges repertorium aller sprachthatsachen der bis jetzt 
bekannten inschriften dar. Wenigstens scheint dies die absieht 
des verf.'s zu sein. Und in der that ist die epigraphische lit— 
teratur mit bewundernswerter Vollständigkeit ausgebeutet, wenn 
auch die principielle beschränkung auf die in Attika selbst ge- 
fundenen inschriften sich kaum rechtfertigen läßt. Immerhin 
thut einiges dieser bedeutung des Werkes abbruch. Nicht so 
sehr die fort und fort neu zu tage tretenden inschriften, so- 
wie die bezüglichen Untersuchungen anderer gelehrten, wie ge- 
rade die von Hecht und wie Eiemanns neueste abhandlung 
(Revue de phil. 9, 49 — 99, im folgenden mit R(iemann) citiert). 
Aber einmal hat der verf. den fehler gemacht gelegentlich zu 
vergessen, daß alles substanzielle früherer arbeiten von ihm auf- 
zunehmen war , und er seinem leser einen schlechten dienst lei- 
stet, wenn er sich da und dort mit bloßem citieren anderer ge- 
Philol. Anz. XVI. 5 



66 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

lehrten begnügt (so z. h. anm. 695 für co in üto^co mit hinweis 
auf Eiemann und v. Bamberg). Ferner sollte sich eine attische 
grammatik möglichst eng an das C. I. A. anschließen. Wieder- 
holt aber citiert Meisterhans die früheste publication einer in- 
schrift statt der nummer des Corpus, so z. b. anm. 162 Mitth. 
4, 79 stattC. I.A. 2, 804, 5, anm. 192a (p. 24) Ditt. Syll. 440 statt 
C. I. A. 2, 1058 (wo allerdings Dittenberger als Urheber einer 
ergänzung zu nennen war), anm. 192a (p. 25) Mitth. 7, 41 st. 
C.I.A. 2, 962, 1, anm. 445 Mitth. 5, 348, II, 6 st. C.I.A. 2, 
1020. Ein weiterer in diesem Zusammenhang zu erwähnender 
mangel entspringt dem sonst löblichen grundsatz nur das wirk- 
lich überlieferte zu berücksichtigen , welcher grundsatz übrigens 
p. 50 bei dem citat toTv aus 2, 742 A 14 nicht zur geltung 
gekommen ist. Wenn es p. 62 heißt, daß xsgag „in der guten 
zeit" (siel) seine formen vom stamme xsom-: nfgars (410a.Ch.), 
später vom stamme xzquo-: xiQn (nom. pluralis 320 — 317 a. Ch.) 
bilde, muß man glauben, daß die flexion xsnctT- im vierten Jahrhun- 
dert nicht mehr vorhanden sei. Aber Riemann (p. 80) erinnert pas- 
send an 728 B 4 [xe]e«r[«], 778 A 2 xeear[a], 835 Ad 20 
jeffßöTft] , an welchen stellen allen (mit einschluß der letzten) 
die ergänzung über jeden zweifei erhaben ist. — Aehnlich ist 
737 B 28 (p. 509) [ß8tx>x~\ctfjt£v ganz sicher, demnach in note 
662 a) bei Meisterhans nachzutragen. Endlich kann man fra- 
gen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine zusammenfassende 
darstellung und es nicht richtiger war, bis zur Vollendung des 
Corpus sich auf einzelforschungen und nachtrage zu beschränken. 
Immerhin wollen wir das mit fleiß und urtheil gearbeitete buch 
als werthvolle gäbe mit dank entgegennehmen. 

Das hauptverdienst der arbeit liegt in der streng durchge- 
führten Chronologie. Nie ist eine inschrift angeführt ohne daß 
(natürlich im anschluß an die herausgeber des Corpus) die zeit 
angegeben wäre : dabei kommen die paar kleinen irrthümer (daß 
z. b. p. 55 anm. 519 und p. 71 anm. 607 C.I.A. 2, 167 ge- 
gen Add. p. 411 in 334/26 gesetzt wird, anderwärts 2, 836 
mit 835 gleich alt gemacht wird) nicht in betracht, wie auch 
nicht die bewußte ungenauigkeit die attischen jähre durch die- 
jenigen jähre unserer Zeitrechnung wiederzugeben , in welche je 
die erste hälfte von jenen fällt. Wichtige resultate werden so 
gewonnen. So ergibt sich aus der auf p. 78 zu findenden (obwohl 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 67 

eigentlich nach p. 32 f. gehörigen) erörterung üher 7iqos-tiqov, 
daß in der ersten hälfte des vierten Jahrhunderts nur ngov-, 
ngos- dagegen erst seit 329 gefunden wird ; ebenso aus p. 89, 
daß erst nach 350 cpnd^ai statt cp'xg^ai eintrat; aus beiden nach- 
weisen also, daß Riemann voreilig urtheilt, wenn er p. 58. 61 
sich durch die inschriften berechtigt glaubt, über die köpfe der 
atticisten und der neuern kritiker hinweg den altern attischen 
autoren ngos- und icfga^a zu vindicieren. 

Ueberhaupt erhält man durch Meisterhans' arbeit einen wirk- 
lichen einblick in die attische Sprachgeschichte. Zwar die glie- 
derung in altattisch , mittelattisch und neuattisch , die von p. 7 
an oft begegnet , aber nirgends ausdrücklich erklärt wird , ge- 
stehe ich nicht recht zu verstehen , zumal unter altattisch bald 
die ganz alte zeit des sechsten und siebten Jahrhunderts (p. 7), 
bald die zeit des voreuklidischen alphabets (p. 86. 88) begriffen 
ist : aber instructiv ist etwa folgendes 

a) für die Unterscheidung des fünften Jahrhunderts von den 
folgenden: 460 — 410 a. Chr. verhalten sich die belege von %vvi 
aiv wie 71:19, 410—403 a. Chr. wie 9:50; 403 — 372 a. Chr. 
findet sich %vv nur noch in juridisch - publicistischen ausdrücken 
(was übrigens im ganzen auch schon für 410 — 403 gilt), von 
da an begegnet es , um freilich darin bis ins erste Jahrhundert 
a. Chr. zu bleiben , nur noch in der formel yvmfxtjv 8s %vfjtßdX- 
Uo&ai, 420 und 409 a. Chr. heißt es (pap|-, 347 qiQa%; 408 
«xsa, 329 tKitvaa; 439 — 403 wird der aorist von cpsgco stamm- 
vocalisch ('stamm sreyxe-), seit 362 mit« flectiert (doch unter fest- 
haltung des infinitivs gy&yxü*). 

b) einen einschnitt bildet wiederum die wende des vierten 
und dritten Jahrhunderts. Die sprachliche tradition erhält in 
dieser zeit so gut wie andere traditionen z. b. die der schrift 
einen starken stoß. So kommen die formen wie i&s/isv, die bis 
um 370 a. Ch. allein geherrscht, 370 — 300 überwogen hatten, 
nun außer gebrauch. Aehnlich ovöeig (tqdeis, die bis 379 allein 
gebraucht, dann acht Jahrzehnte hindurch mit ov&slg pij&eig 
kämpften, um 300 verschwinden. Mit recht hat sich Meister- 
hans für Buttmanns und Curtius herleitung des & aus der aspi- 
rierten ausspräche ovo' fig, ^ö' ijg entschieden (p. 37). Er 
hätte auf C.I.A. 2, 789, 24 (373/2 a. Ch.) attsvog i X sl ovBsv 
ovO" 1 ol bff&al(Ao\ tvsiair verweisen können, wo OY0OI klärlich 

5* 



68 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

aus udhoi entstanden ist, da an ovts nicht gedacht werden kann 
Aehnlich ferner der genetiv der nomina auf qg, in welchem um 
350 a. Ch. -nv statt -ovg aufzukommen beginnt, und nach ver- 
lauf eines halben Jahrhunderts so siegt, daß die folgenden drei- 
hundert jähre nur fünfmal noch -ovg als endung aufweisen. 
Trefflich paßt hiezu , daß im nom. plur der nomina auf evg-tjg 
bis 350 vorherrscht und vereinzelt noch sich bis 325 findet, 
-slg von 378 a. Ch. an nachweisbar, von 350 an häufig ist und 
seit 324 ausschließlich gebraucht wird ; daß , nachdem schon in 
früher zeit der nominativ und accusativ vivg , vivv durch vlng, 
vlöv verdrängt worden war, in den andern casus der alte stamm 
auf -s sich sicher bis 350 behauptete, formen wie vlnv u. s. w. 
aber erst 320 auftauchen, also damals vielleicht erst der wandel 
eintrat; daß im imperativ bis 320 (vielleicht bis 300) a. Ch. 
-vrmi, von 300 an -rmaav gesprochen wurde, wobei nur zwei 
beispiele entgegenstehen; daß endlich der gebrauch von vneg 
schlechtweg statt ney! zuerst für 290 a. Ch. bezeugt ist. Etwas 
später (270 a. Ch.) fällt der ersatz von vemg durch vaig. Um 
265 a. Ch. tritt indv statt instöäv auf, offenbar eine nachbil- 
dung des letztern, da lautgesetzlich inttdij av zu sneiddv werden 
mußte, inst av aber nur int'jv ergeben konnte. Ich meinerseits 
möchte den eintritt von av für sdv aus der gleichung intt: 
indv = sl'.dv erklären: doch findet sich dieses av schon auf 
der undatierten inschrift 2,841, 7.9. 14, die nach Köhler nicht 
viel später als 300 a. Ch. aufgezeichnet ist, nach demselben 
übrigens mancherlei vulgärsprachliches enthält. Meisterhans p. 
109 findet solches av sogar schon um 390 a. Ch. in C. I. A. 2, 
11,6: tolg (jPaGrjliTaig jo xpi^iGua avayQa\pat f 6?t (Köhler o 7t) 
«ju (ilv 'AdifirjGt ovfjßo).atov yevqzai nyog (haatjlirä.v iiva, Adtj- 
vt]öi rag 8i'xug yiyvsodut u. s. w. Ich sehe nicht ein , warum 
man nicht mit Köhler av im gewöhnlichen sinne nehmen sollte. 
c) der kaiserzeit eigenthü'mlich ist, daß sie vielfach wieder 
auf das alte zurückgreift, natürlich nur aus künstlichem archai- 
sierungstrieb. Jetzt kommen wieder, um die oben beobachtete 
reihenfolge inne zu halten, formen auf wie tdtfAst u. s. w. (unter 
Hadrian) ; oideig /AijÖeig zuerst wieder C. I. A. 2, 479, 30, also 
noch in der ersten hälfte des ersten Jahrhunderts a. Ch., von da 
an die -formen ziemlich bei seite schiebend ; analog stellt im 
genetiv derer auf ?/<,' „die kaiserzeit, die periode der allgemeinen 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 69 

reaction , die ursprüngliche endung -ovg wieder her" (Meister- 
hans p. 60); ,,Herodes Atticus zeit" bringt wieder rsmg neben 
vaög (p. 53). Hätte Meisterhans sich um außerhalb Atticas 
aufgestellte attische inschriften gekümmert, so hätte er über das 
archaisieren des Atticus etwas mehr berichten und auf dessen 
versuch in altattischer schrift zu schreiben hinweisen können, 
für welchen versuch das an der spitze stehende OJENJ (statt 
OTdE.Nl) ebenso charakteristisch ist, wie für Atticus stilistische 
bestrebungen yiyvcw und riing (statt tjarttog) C. I. Gr. 6184 (Keil 
PE. P, 2100). Es sei hier beigefügt, daß nach Meisterhans p. 
56 f. die contrahierten genetive und accusative auf -mg, -cor, 
-ä, -äg von nomina auf -tevg bis 400 a. Ch. ausnahmslos herr- 
schen (denn 'Outwg 1, 318, 8 hat eben kein i), hierauf all- 
mählich abnehmen, um 200 a. Chr. verschwinden, dann aber 
„in der kaiserzeit mit vielen andern klassischen formen" (Mei- 
sterhans, anmerkung 530) wieder aufkommen. — Archaistisch 
ist weiterhin v'uig C. I. A. 3, 167, 5 (143 p. Ch.) und der dual 
XQvaii <>hüi[öa~] C. I. A. 3, 238a, 11 (p. 494) aus der zweiten 
hälfte des ersten Jahrhunderts p. Ch. (vgl. Anzeiger 1885, p. 191). 
Für die Chronologie der eigentlichen lautwandlungen ver- 
weise ich auf Meisterhans selbst und betone hier nur die be- 
kannte thatsache , daß allmählich und besonders in der auch 
hierin archaisierenden kaiserzeit historische Orthographie an stelle 
der phonetischen trat, z. b. in bezug auf yiyvofxat, yiyvmaxco und 
auf die diphthonge. Wenn übrigens Meisterhans p. 24 be- 
hauptet, daß seit 50 p. Ch. st für l geschrieben zu werden be- 
gann , so stützt er sich auf das falsche beispiel i]Q(aein] C. I. A. 
3, 889, 6, wo es sich ja um l handelt. Das älteste richtige bei- 
spiel ist MähifAnv C. I. A. 3, 691,4 (nicht 14!) aus traianischer 
oder nachtraianischer zeit Bei dem Verhältnis von y und ei 
spielen nicht bloß phonetische gründe mit. Meisterhans weist 
hübsch nach, daß der Übergang von y in ti im dativ der ersten 
declination, in der dritten sg. conj. und im temporalen augment 
anfänglich rasch zunahm und im vierten Jahrhundert auf 391 y 
118 dafür eingetretene si kommen, dagegen im dritten Jahrhun- 
dert auf 86 ij 200 si , daß aber seit 200 a. Ch. dieses ei ab- 
nahm und mit dem jähre 30 gänzlich aufhörte. Dieses stocken 
erklärt er aus dem Übergang von ei in t und daraus , daß das 
i von iß stumm zu werden anfing. Allein nachdem einmal ?/ zu a 



70 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

geworden war, hätte es doch auch weiterhin zu / werden sollen ; 
jedenfalls konnte es nicht plötzlich wieder als ei empfunden werden 
und mit äi } öi genossenschaft eingehen. Vielmehr ist klar, daß 
das ßovXrj der kaiserzeit sein ij den übrigen casus, Xi'ij das seine 
der zweiten person verdankt, und in ij»id>] die analogie von 
ijyov wirksam gewesen ist; rj mit i subscr. beruht natürlich auf 
archaisierender Schreibung. Den sichern beweis für diese auf- 
fassung liefern die außerhalb analogetischer einflüsse stehenden 
Wörter, xlf t g , lyzovgyslv, sätyrjg, in welchen der einmal vollzo- 
gene Übergang in si niemals wieder stockt, (daher denn für die 
beiden ersten ti Vulgärschreibung geworden ist) und sogar viel- 
fach als letzte stufe der entwicklung bloßes / vorliegt. Man 
könnte freilich hienach verlangen, daß bei ijfttog und X^otifs 
sich dasselbe ei zeige : aber keines der beiden Wörter hat die zeit 
erlebt, wo at für rj allein herrschend war. Ihr vereinzeltes da- 
sein in der kaiserzeit A^erdanken sie künstlicher auffrischung. 

Neben den chronologischen unterschieden hebt Meisterhans 
noch andere hervor: insbesondere p. 57 und 60 den gegensatz 
zwischen C. I. A. II, 1 und 11,2 d. h. zwischen den psephismen 
einer- und den rechnungen , katalogen und privaturkunden an- 
dererseits , von denen jene nach ihm mehr die litteräre , diese 
(besonders die seeurkunden) die vulgäre spräche aufweisen, jene 
demgemäß z. b. /Jrnjoodt'iovg, üsigaiiiog, diese Jr^ooßtvov, Tlsi- 
Qaicög setzen. Sonach wäre im ersteren fall die höhere , im 
zweiten die niedere spräche conservativer gewesen. 

Diesem vorzug des werkes thut eine nicht verschweigbare 
schwäche abbruch. Wer wie Wecklein im gründe nur darauf 
ausgeht sich die kritik der schriftstellertexte zu erleichtern , hat 
das recht nur die für diese in betracht kommenden puncte her- 
auszugreifen. In einer förmlichen grammatik soll alles bespro- 
chen werden. Man weiß heutzutage, wie nothwendig es ist auch 
alltägliche und scheinbar selbstverständliche Schreibungen, for- 
men , constructionen u. s. w. statistisch aufzunehmen , da die 
vnlgärtradition oft einfach irrthümlich ist und auch, wenn nicht, 
das gebrauchsverhältnis zwischen regelmäßigem und ausnahmen 
festgestellt werden muß, überhaupt nicht abzusehen ist, warum 
das ungewöhnliche und fehlerhafte durchaus auf unsere beach- 
tung ein Vorrecht haben sollte. Indem Meisterhans im ganzen 
nur das auffallende verzeichnet oder das, worüber schon irgend 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 71 

einmal discutiert worden ist, entsteht der nachtheil, daß sobald 
irgend ein neues problem auftaucht, seine Sammlungen im Stiche 
lassen. — In dieser weise sind viele stellen lückenhaft. So z. b. 
erfahrt man p. 41, daß gelegentlich xÜTQonrov vorkommt; daß 
dies aber sechzehnmal geschieht und diesen sechzehn stellen 
nur das eine beispiel 2, 721 B 5 y.äromQop entgegensteht, lernt 
man erst von Eiemann. P. 32 wird angegeben, wo krasis ein- 
tritt, p. 44 — 46, wo schließendes v assimiliert wird; wie oft das 
eine und das andere nicht eintritt , wird gar nicht in rechnung 
gezogen; so muß man sich für ersteres bei Eiemann p. 57 f., 
für letzteres bei Hecht raths erholen. Selbst die verhältniß- 
mäßig nicht so massenhaft belegten formkategorien des duals, 
der attischen declination , der conjugation auf fii , des perfects 
der liquida kommen wesentlich nur wegen einiger darin sich 
findenden Seltsamkeiten zur erwähnung , obwohl es z. b. sehr 
erwünscht wäre zu wissen , was für beispiele der bekanntlich 
erst bei den Attikern aufgekommenen präsentia auf -dvvvfjii in 
den inschriften vorliegen. 

Auch sieht man nicht ganz klar, wo für den verf. die gren- 
zen der grammatik liegen. Die wortbildungslehre ist bei seite 
gelassen, ebenso Wörter wie ^rpa^to»', oVos, pixös, obwohl für 
letztere sich in der lautlehre gewiß unterkixnft gefunden hätte, 
ferner das durch seinen compositionsvocal merkwürdige ä{ia<zy- 
tioÖss- 2, 834c 42, (E) durch welchen beleg Pollux (1, 253) 
Schreibung bestätigt und zugleich erwiesen wird , daß das t in 
Hesychs ufia^Cnodsg in ij zu ändern ist, was ohne gefährdung 
der alphabetischen reihenfolge geschehen kann. 

Ich gehe auf das einzelne über. Meisterhans beginnt mit 
einer besprechung des alphabets, zuerst der buchstabennamen, 
für welche sich in der bekannten merkwürdigen inschrift (Mit- 
theil. 8 (nicht 9!), 359 ff. eine höchst werthvolle quelle geöffnet 
hat , dann der schriftformen. Die buchstabennamen bieten ein 
treffendes analogon zu den numeralien , indem sie zeigen , wie 
reihenweis gesprochene Wörter eine neigung haben in gegensei- 
tigen einfluß zu treten, vgl. £ijtu (statt ?), imra (statt *(o5da), 
nach ^7«, &JjTa, ebenso pv (statt fAtj^u?) nach vi, wonach dann %v. 
Uebrigens möchte ich Meisterhans fragen , warum v als buch- 
stabenname bei ihm einen lenis erhält, warum er ferner nicht 
hervorhebt, daß der diphthong von nti (hebr. pe) mit dem 



72 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

von i? (hebr. he) gleichartig , also als unechter zu betrachten 
ist, der betreffende buchstabenname also altattisch muß [JE ge- 
schrieben worden sein. Dasselbe gilt natürlich von dessen nach- 
bildungen qin, jfff. 

Unter den nachweisen über das eindringen der litteratura 
ionica vor Euclid hätte C.I.A. 1,338, weil durchgeführt ionisch, 
besonders genannt, nicht, wie bei Meisterhans geschehen ist, die 
einzelnen worte unter die verschiedenen rubriken zerpflückt wer- 
den sollen. Auch ist anmerk. I2d 1, 13, 7 urayuuxpar- mit xp 
nachzutragen, unter 12ef bei den beispielen der Jüngern formen 
von y und 1 4, 51ef, 19 zveyyücti*, 24 nöliji 1, 274, 20 (Suppl. 4, 
p. 36) xeqp«?L«to»', vgl. Kirchhoff zu letzterer stelle. — Ein fehler 
nicht nur dieses abschnittes , sondern der ganzen schrift ist die 
wiedergäbe altattischer beispiele in moderner schrift Solches 
verfahren paßt schlecht zu dem grundsatz nur wirklich auf dem 
stein bezeugtes anzuführen. — P. 4 ist über die interpunction auf 
den altern inschriften kurz und klar gehandelt. Es verdiente 
hervorgehoben zu werden , daß die interpunction wort für wort 
wesentlich nur in auf- und Überschriften, kaum in fortlaufenden 
texten sich findet. 

P. 5 — 47 folgt die lautlehre, in anmerk. 27 mit einer 
schiefen gegenbemerkung gegen die allerdings unerwiesene be- 
hauptung G. Meyers, daß attisches ä (= ionisches if) auf e zu- 
rückgehe , eröffnet. Ueberhaupt läßt das linguistische urtheil 
des verf.'s zu wünschen übrig. So erklärt er p. 8 die vocal- 
verschiedenheit zwischen Nea noXig und NeonoliiTje aus einem 
schwanken zwischen a und o, während doch offenbar dem o von 
NnonoliTrjt; ein bestimmtes bildungsprincip zu gründe liegt, das die 
macedonische zeit mit ihrem Neanolirijg wieder aufgab. Es ist 
nur logisch, wenn Meisterhans das ethnikon der eretrischen ko- 
lonie Jixaia dixaionollTye in derselben rubrik unterbringt; ge- 
rade dies beispiel zeigt, wohin Meisterhans' auffassung führt. — 
Ein ähnlicher irrthum ist es, wenn p. 16 formverkürzungen der 
kaiserzeit, wie tleiQevg, als contraction gefaßt werden. 

Sehr sorgfältig hat Meisterhans die reduction der /-diph- 
thonge vor folgendem vocal und die damit parallele Schreibung 
si, oi statt t, o vor vocalen behandelt. Nachzutragen wäre etwa: 
für a statt ai [ü]fra>^« C.I.A. 2, 613, 6 (298/7 a. Gh.?) vgl. 
Bruno Keil Hermes 20, 162 anmerk., donavbnov 2,946,14, &tj- 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 73 

yaevg C. I. A. 2, 66, 7 von Dittenberger Syll. 90 aus .H.A.. 2 
sicher hergestellt. Ferner hat Meisterhans die behandlung von 
aii unerörtert gelassen; ich verweise hierfür auf Eiemann, Revue 
de philol. 5, 159. 9, 51. An letzterer stelle weist Riemann das 
nach Meisterhans seit 360 nicht mehr gebrauchte aieC aus Ephem. 
arch. 1884, p. 45/6 z. 6 für die macedonische zeit nach. 

Betreffend s, ei vor vocalen füge ich (meist nach Riemann) 
einerseits tavg?av C. I. A. 2, 834b II, 25, andererseits Qoaatiag 
2, 943, 29, KoJLeio|V|j 2 add. 729b A 6, -onleiov« 2, 1060, 5, 
*A\jaQvf\iwt 2, 1060, 6 bei; vgl. auch das bekanntlich anders zu 
beurtheilende dwgeiä Ditt. Syll. 101, 20. 23 (347/6 a. Ch.) ; eil' 
statt tt fehlt bei Meisterhans ganz: ntslstivog C. I. A. 2, 834b, 
II, 15. 16. 18. 20. 

Ganz verunglückt, dazu lückenhaft und von druckfehlern 
wimmelnd, ist p. 21 die ausführung über die mit Isqsoo- an- 
lautenden formen Der thatbestand ist folgender. Während die 
litterarischen denkmäler bloß isgmaivij, Isgoöawa , sowie formen 
von Ifgäo/Liai und Isgooa bieten , zeigen die inschriften zwar ie- 
Qwavvrj C. I. A. 2, 613, 13, legmawa 631, 12, daneben aber is- 
Qtmoivq 628, 42 (von Keil, Schedae epigraph p. 54 f. auch 
nachgewiesen aus inschriften von Patmos (Ditt. Syll. 402, 22), 
Thyateira und Nubien), ag^iegemaivrj (nach Keil auf nubischen 
inschriften), hgtcöavva 631, 10. 20. 841b, 4 und wohl auch 
631, 5, und an verbalen formen iegsmaarö C. I. A. 2, 613, 14 
und das particip legewpivog 2, 578, 32 und Mitth. 4, 335. Es 
fragt sich , woher das f co stammt. Nach Meisterhans aus steo, 
sodaß also eine ableitung aus einem thema ligsio- anzunehmen 
wäre. Die spielform -eico die sich C. I. A. 2, 578,32 für iegeoo- 
findet (die andere von Meisterhans angeführte stelle bietet iegsco-), 
wird natürlich niemand hiefür geltend machen. An sich ist eine 
solche herleitung von der größten unwahrscheinlichkeit. da weder 
ein adjectiv itgeiat; oder is'gsiog existiert hat noch es möglich 
ist, so das oo zu erklären. Ich meinestheils sehe nicht ein, was 
uns hindern sollte isgicoavvov, legtcoavvt] als correcte ableitungen 
aus isgsvg auf iegrjfo-, zurückzuführen; wenn vor -avvog, -avti] 
andere stamme ihren ausgang in o ändern, nXsnroavrTj für *x).e- 
Tiri»avvr], fxavzoavffj für */4aviiovvq, fjit](ioai'rrj für *(xry(jiaavvt] ein- 
tritt , warum sollte da nicht wie ■&e(Aia7-o-ovt>i] so auch *legrip-o- 
avvtj möglich sein? Ein vollständiges analogon bietet ogtmKOfjiog 



74 11. Griechische gramrnatik. Nr. 2. 

(CIA. 2, 834c, 18. 20. Ar. Thesm. 491: .. . ÖovXort rs xco- 
gemxofiwv) aus *oQ?jp-o-x('ifxoi;, wo nicht der «»-stamm selbst, son- 
dern eine erweiterung desselben durch o als erstes compositions- 
glied fungiert. Ferner ^(umwmv , von welchem Meisterhans 
p. 53 n. 509 eine wunderliche mit den lautgesetzen unverein- 
bare erklärung giebt. Obige form, die einzige inschriftlich er- 
haltene (Meisterhans a. a. o.; Dittenb. Syll. 13, anm. 3) und 
gewiß auch den Schriftstellern für i'jiurAteor zurückzugebende, 
beruht auf dem gesetz, wonach dimidiativa von sachbezeichnun- 
gen durchaus neutra sind und dabei entweder die endung -iov 
oder -ov führen, letzteres überaus oft, z. b. v[At8<*.Q£txov, i/pioj- 
ßolov, rjftiwa&or, i l( ji X ow (C.I. A. 2, 682c, 12. 841b, 8), i^i- 
Öiiani (Riemann 9, 63). Stämme auf consonanten und auf dünne 
vocale knüpfen in diesem falle an ihren auslaut noch -ov an : 
?j^i0T,l7ijQ0f (C. I.A. 2, 834c, 29. Poll. 9, 62) wofür ijpaarat^Q 
bloß Hesych in der erklärung einer glosse giebt (?), /}^/xoa>oj', 
ijliiniliMov aus -ntlmp-ov W 851. 858. 883. Ganz analog sind 
numeralcomposita wie ihga^ov und besonders Tfji^odixov , asvr 
zuftoiviHov. Ausnahmen wie rnxi%oivi% , rjiJii%ovg , IjfitööeXog sind 
der klassischen spräche fremd. Hienach mußte zu sxtsi'u; *!j[xi- 
ixnjpov — yititxTtwr gebildet werden. Allerdings war nicht 
unmöglich auch etwa *r i nity.7r]piov — tjfiiexreiot zu bilden. Aber 
tifAiHKTina in zwei inschriften des Jahres 329 kann eine solche 
form nicht erweisen, da offenbar ijiAitxrea zu lesen ist. Das bei 
Krates Aäyua fr. 20 K. belegte und dann wieder nachattische 
/][iCt;y.7oi> gehört nicht zu £xrtv<;, sondern zu s'y.zor. — Ein fer- 
nerer fall von erweiterung eines -ei/-stammes durch o liegt in 
«p^ifxjscüt,' Hdt. 2, 37. PI. Legg. 12, 947a vor; in anlehnung 
daran kam dann isgecoc; statt ieqsiü auf: vgl. über diese unklas- 
sische form Dittenberger Syll. 376 anm. 4. Unter welchem 
einfluß^dem von uQ^isgsooa oder dem von itgecoavii], das sw in 
die oben angeführten verbalformen gekommen ist, wie sich fer- 
ner das durch Ameipsias im Konnos fr. 7 K. auch metrisch ge- 
sicherte 'uqcüouvov nebst hgcuoinij zu den inschriftlichen formen 
verhält, bleibe vorerst dahin gestellt. 

Bleibt oi , o. Für aroü ist das zeugnis der athenischen 
weihinschrift in Delphi I. G. A. 3a (p. 169) beizufügen. Die 
behandlung des oi vor i ist unerörtert geblieben; vgl. ööonotiav 
C.I.A. 2, 834c, 28, r^gonommv 803c, 131. 807c, 5. 812a, 15, 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 75 

-noiiumv 808d, 77. 91. Gut ist beobachtet, daß oi vor o-lauten 
stets bleibt , womit zusammenhängt , daß auch unorganisches ot 
für o sich vor o-lauten nicht findet. 

Ueber sonstige vocalübergänge habe ich wenig nachzutra- 
gen; betreffend i—v vergl. ZCßilXa C.I. A. 2, 835, 54. Das o 
statt v in ngoiaveia C. I. A. 2 add. , 834b, I, 6. 8. 11. II, 6, 
(ibid. I, 37. II , 1 nov-) , ebenso in fragmenten derselben in- 
schrift , auf die Riemann verweist , ist wohl weniger einer laut- 
lichen neigung als einer volksetymologischen anlehnung an ttqo 
zuzuschreiben. Ueber st und / und die Wörter, deren Schrei- 
bung in dieser hiusicht der erwägung bedarf, ergänzen Riemann's 
sehr reiche materialien Meisterhans wesentlich ; jedenfalls war p. 26 
anm. 211 für das ei von (bheiovg, (plsidaiog auf Sauppe, Gott, 
nachr. 1883, p. 299 anm., zu verweisen. Bei der krasis p. 33 
ist insbesondere ijTe\Qa) C. I. A. 2, 797, al4. cl8 und oxiwßal<x>v 
2, 834b, II, 70 (p. 527) beizufügen; letzteres ist bei den ko- 
mikern vielfach belegt. 

Ich wende mich zur lehre von den consonanten, wo das 
auffällige mit aiv statt %vi> vielleicht zu parallelisierende avXiiog 
C.I.A. 2, 745 B 3. 778 C 18. 804 Bb 87 (Riemann) nirgend 
platz gefunden hat, wie auch p. 41 unter qq die von Riemann 
registrierten utuQtjdsrTeg 2, 719, 12, l4rjl(ji]Tog 2, 864, 32, ns- 
QiQui'itjQioi- 2, 744 B 5. 778 C 5. 818, 26 nicht erwähnt sind 
(ßoQQÜdst' auch noch C. I.A. 2, 781, 6. 15 (Riemann)). — 
P. 36 sind formen wie ucpsiXqtyOTeg , (Ihgatqionj , 0£f.iiodoxlrjg 
richtig aus dem trieb in einem worte mit aspiration alle tenues 
zu aspirieren erklärt. Als gegenstück waren die fälle aufzu- 
führen, wo der ausgleichungstrieb ursprüngliche aspiration dem 
einfluß einer benachbarten tenuis geopfert hat : Riemann bringt 
Kuoovela 2, 778 A 16, von Köhler als Sacra Diana XiTWDjg 
gedeutet, xaXxovv 722 B 13, nnoxoCdtor 778 C 11, während 
x^o^jU^i'ot,'] 826, 11 der ratio entbehrt. 

P. 41 heißt es, daß im neuattischen in vertragen mit aus- 
wärtigen mächten vereinzelt auch aa eintreten könne. Aber die 
belege sind außer dem ersten (Adr^ator 7, 93), den ich nicht 
einsehen kann, ungenügend. Denn 2, 184, 2 ist gar kein ver- 
trag; 2, 160 bietet einen, der sicher nicht in Athen und nicht 
bloß für die Athener redigiert wurde, und gar 2, 49b, 29 steht 
■dälaaoa in einem den Korkyräern auferlegten schwur, wo «■/, 



76 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

/JiifxuTQa, dreimal xn geschrieben, also offenbar ein gewisser 
grad von dorismus beabsichtigt ist. 

In den belegen der p. 46 besprochenen in der kaiserzeit 
aufgekommenen nebenform von Mvonnovna (Meisterhans „Mvg- 
Qivovttrj"\\) in Ix MvQ(j>)irovvtqi; ist das citat 3, 1023, V, 3 
in IV, 3 zu berichtigen, 3, 1238, 2 zu streichen, weil zwar die 
Umschrift bei Dittenberger rr bietet, aber das facsimile [/Wt>] 
PINO TT O] , und endlich 3, 1882 — 1885. 2148, 5, welche 
stellen im index des corpus sämmtlich aufgeführt sind, beizufügen. 

P. 48 — 74 beschlagen die deklination. Da finden wir 
gleich p. 49 die werthvolle thatsache gewonnen, daß die endung 
ALZl sich in ganz gleicher weise mit H1ZI in den gebrauch 
theilt, wie aai mit tjm, daß also -am zu lesen ist. Gut werden 
p. 51 unter Zuhilfenahme anderer dialekte die namen auf 
-ivqg der ersten declination vindiciert. Wenn es aber p. 51 
heißt, daß das epische ayxnCvq attisch ayuoiva laute , so sind 
erstens zu den belegen für die attische form noch 2, 794b, 20. 
795f, 10. 807c, 45 beizufügen, und ist zweitens hervorzuheben, 
daß das angebliche epische ayxoivq nichts als eine gelehrte er- 
findung ist, zuerst sicher bei Herodian belegt (1, 334, 16 ff., 
ausdrücklich von Theognost citiert). Homer selbst und die ibm 
folgenden dichter kennen nur die Wendung iv üyxoipißoi. Daß 
der nominativ dazu ayxowa lauten mußte, zeigt Stanoira ; -mit] 
kommt nur in (juvontj, einer alexandrinischen rückbildung aus ho- 
merischem fAsvoiTua, vor. — Aehnliches gilt übrigens von öf/q»}, das 
als femininum von dpata zu erklären schwer hält. Homer hat bloß 
dficoaC , 8(i(pt'*g , dfitpdoav , dpcpäv, dfAw^ßt , also lauter formen, die, 
wenn man ju/a-ptjyc ; *daju£ia-du[A£tu£, öafAtuH'; *za.Q<ftia-iaQ- 
q>£taC, jvtQcpfut^ (Joh, Schmidt KZ. 25, 36) vergleicht, leicht auf 
das reguläre *d(A(ta zurückgeführt werden können. Der nomi- 
nativ Sficat'j findet sich erst auf metrischen inschriften der kaiser- 
zeit (Kaibel 1046, 84. 313, 1?). 

Zu der zweiten declination möchte ich als beleg von con- 
traction xQ vao X ( '' 1 '' Mitth. 4, 33 (baurechnung aus der zweiten 
hälfte des fünften Jahrhunderts) nachtragen, sowie in anm. 502 die 
Zeitangabe zu C. I. A. 2, 836 in 267/6 a. Ch. und das folgende 
citat, das auch anm. 504c wiederkehrt, in 332, 44 verbessern. 

In dem abschnitt über die dritte declination wird p. 54 
anm. 517 mit recht die auffassung verworfen, wonach die formen 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 77 

wie rioXrji aus Verwechslung von tji und et zu erklären wären. 
Allerdings hätte Meisterhans wohl gethan auch die helege der 
dative auf -et zu zählen, damit die häufigkeit des gehrauchs er- 
kennbar wäre. Die form noXy erklärt sich aus dem was Job. 
Schmidt KZ. 27, 298 f. ausgeführt hat; sie verhält sich zu der 
von diesem statuierten idealform des dativs nö).?j ähnlich wie 
im dativ plur. der ersten declination -rjai , -«ff; zu -qoi , -aai. 
Allerdings hat man sich noch mit dem nom. plur. [VjjptJtfgfy] 
2, 572, 3 auseinanderzusetzen. 

Vermißt wird eine besprechung derer auf cog, wie ygcog, xriloog 
(vgl. Riemann 9, 79), und unter den beispielen des gen. plur. von 
nomina auf og (Meisterhans p. 61) als belege zu Te/xeräv 2, 814a A 
28. b24. zu axsvmv 2, 804 B a61. b56. add. 834c, 72. — Beim 
comparativ (p. 67) fehlt iXurzovs(?) 2, 678B 50 (400/350 a. Ch.) 
und der hinweis auf das offenbar auf der analogie der comparative 
beruhende ysttco (neutr. pl.) 2, 814a B 36. 39 (374/3 a. Ch.). Auch 
ist nicht strict erwiesen, daß der sacrale ausdruck /jeiov, wovon C.I.A. 
2, add. 841b 5 den genetiv /Asinv bietet, wirklich zu /bisicov „minder" 
gehört. Immerhin hätte diese anomalie nichts auffallendes. Das 
von seinem masculinum isolierte wort assimilierte sich dem 
ihm in der bedeutung correlaten xovqsiov. Zudem kann Meister- 
hans aus dem beginn des dritten jal.rhunderts f'# OdzTov (2, 
add. 302b 11) nachweisen. Man vergleiche auch die geschichte 
des privativen adjectivs zu rreCgag, att. ne'gag, das bei Homer cor- 
rect untCücov , aneigov lautet, ebenso noch bei Aeschylus (fr. 
407 D. ff Xo%q> «77J-70OI/) , und das in daxrvXiog äneigcov , mit 
ionischer länge der zweiten silbe , den Attikern bis ins vierte 
Jahrhundert geblieben ist: Ar. Java'idsg fr. 250 K. <x«<> 8ax- 
ivlmv %a\xovv qttfjmv anetgova. C.I.A. 2, 652a, 39: daxrvXiog 
ATIEPSLN 752, 2 : -v antlg\ova\. Hier hat das neutrum zum nomin. 
ämigov formen der zweiten declination gebildet: um Ibyc. fr. 2 
und die beispiele bei Pindar zu übergehen , weise ich auf Eur. 
Or. 25: ?} noatv unetgcp nsgißa\uva^ vqüanaii hin (zwei andere 
euripideische stellen ermangeln voller beweiskraft) , auf das ma- 
sculinische antigog in Sophokles Polyxena (Oros in E. M. 120, 
47) fr. 481 N. und die häufige Verwendung des Wortes bei Plato, 
für den ich bemerke , daß das a auf entlehnung aus der dich- 
tung oder aus der philosophischen prosa früherer hinweist. Auf 



78 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

dieser Umsetzung von uaei'omr in aneigne beruht es offenbar, 
wenn umgekehrt bei Sophokles (OK. 1088. Thyestes fr. 245 N.) 
statt aasigog „imperitus" ilnttQmr, eine aus sich selbst nicht er- 
klärbare form, vorkommt. 

Pronomen (p. 68 — 70) : beim reflexivum fehlt einerseits 
aqmv C. I. A. 1, 40, 44: ort S'a* xonor xfttjtpiOfta \])-rjqi£covrai 
^i&rjvatoi — /; \ß*{! 1 ffqp]™»' '/ fzsgi nolfcor, andererseits savrovg 
987 A 2 (um 350 a. Ch.) , [a^vräv sicher eigänzt 807b 108 
(330 a. Ch.); der hinweis auf Möris p 310 beruht auf einer 
gedankenlosigkeit. Warum die behauptung, daß mvrov nur sel- 
ten in avTov contrahierl" werde (p. 69), bloß durch pluralische 
formen gestützt wird, stellen wie 2 add. 834b IT, 51 uvrag av- 
70) übergangen werden, verstehe ich nicht. 

Zahlwort (p. 70 — 74): der verf. weist nach, daß, entspre- 
chend den lehren der atticisten , nfiiza- und verwandtes eigent- 
lich unattisch ist, wenigstens bis zum jähre 329 a. Ch. alle be- 
lege ntvtt-, s|- (resp. ex-, ej-), <)x7co- bieten. Allerdings müssen 
die formen mit « alt und auch attisch gewesen sein , wie , um 
mich auf metrisch sichere stellen zu beschränken , z. b. Hes. 
Opp. 425 6x7u7io8>]r, Ar. Eq. 70 o-ntanläaia zur genüge zeigen. 
Auch die formen der hunderte kommen in betracht; der verf. 
hat es nicht für nöthig gehalten sich darum zu bemühen, obwohl 
doch gegenüber anderwärts bezeugtem cy.7cox/>otoi das attische 
oxTuxäatoi 2, 803c 139 und ebenso die andern formen (z. b. 
nepzay.öaioi 1, 273g 6. 2, 585, 9. add. 841b 49; i&xcoioi 1, 
55c, 15) registriert zu werden verdienten. — Für die bei den zah- 
len von 13 — 19 sich zeigende Verschiedenheit in der gruppie- 
rung der beiden bestandtheile gibt Meisterhans die belege fast 
vollständig, aber nicht die ratio. Und doch liegt diese klar zu 
tage. Die aus früherer zeit ererbte voranstellung des einers 
mittelst y.ai wird, wenn das zahlwort seinem Substantiv voraus- 
geht, unverbrüchlich festgehalten (C.I.A. 1, 179, 11. 322a, 87. 
2, 794c, 80. add. 834b I, 61. II, 57. 834c, 7). Wo aber das 
zahlwort folgt, also nach Delbrücks ausdruck (Synt. forsch. 4, 
151 f.) isolierende Wortstellung gilt, werden die einzelnen zahlen 
in begrifflicher anordnung unvermittelt an einander gereiht. 
Also C.I.A. 1, 324c II, 16 nddtg i*ait,v dexa rgstg, 2,476,31 
8f)u)(uug öt'xu 8io, add. 834b II, 5 atÖgdiai dkxu emü, 836, 73 
8qu^(aui bixu oxt(x) , 1054, 47 dgiüfio* 8ixa Ixiä ; das letzte 



Nr. 2. 11. Griechische grammatik. 79 

heispiel kommt allerdings weniger in hetracht. Die von Rie- 
mann angeführte stelle Ephem. arch. 1883 p. 119/120 zeile 40 
mit dexa srrrd ist mir nicht zugänglich. — Die außerhalb At- 
ticas vorkommenden beispiele , die mir gerade zur hand sind, 
stimmen völlig. Auch hier ist voranstellung des einers das äl- 
tere: I. G. A. 121,4 nle&Qar otttco x«J df-'xa (eleisch). Die del- 
phische Urkunde I.G. A. 319 hat zeile 1 [?]oJ nsi'Tsxalötxa, da- 
gegen zeile 6 piväg 8iy.it rhogtg ? befolgt also genau die oben 
gegebene regel. Ditt. Syll 137, 1 (295/287 a. Ch.) ra>v tqs- 
\jgxa!~\8ty.u TTi'Xswr (Smyrna) ; 353, 134 "ki&cov räv 7Qtigy.aC8sy.ci 
(Lebadea); 170 (246 a. Ch.), zeile 37 Squ^/ah) sxarbv dexa zg^Tg, 
zeile 40 Öga%[iai rgiaxömat ftgxu nxzco (syrische könige); inschrift 
von Delphi (Annali 1866, p. 12) ftväg dexa [ilav , \ßvug 8ix\a 
TiftTe. Auch die herakleischen tafeln zeigen noch spuren der 
ursprünglichen Unterscheidung , insofern die ältere weise sich 
nur bei vorausschickung des zahlworts findet: 2, 15 rgslg xal 
S^xa yvai, 1, 141. 140 rtsvTt y.ai Swct nodmr 3 oxtca ;<ai 8£y.a no8mi>^ 
die jüngere weise aber überwiegend (achtmal) bei nachstellung 
des zahlworts: 2, 34 ootyiunn 8ixa «V, 2, 53 OQfj^ara 8txa. 
8vo, 2, 68 ogtyiAUTa St'xa ryta, 2, 61. 104 OQey^ara dexa hmä, 
2, 86 x(x88i)(03r 8iv.u 7S7('qcov, 2, 99. 106 yaSSC^cov 8iy.a nwzt, 
dagegen bloß dreimal bei voranstellung: 1, 29 7QiaxarCai dexa 
8io (syniroi , 2, 69 8ey.<c tiivts n^nitcog, 2, 40 Sexct pe<; a^oivoi. 
In der litteratur findet sich die nachstellung des einers zuerst 
bei dem verf. der pseudodemosthenischen rede 47, 64. 77: %i- 
Xiag 7oiuy.noiag 8ixa 7Qf?g (ohne ganz unmittelbar damit verbun- 
denes Substantiv), sonst nur in nachklassischer zeit. Aristoteles, 
Hist. an. p. 596a 8 ßt7gt]7og .... 8£xa xul zi77agag } wozu 
Bonitz im index : rara apud Aristotelem cardinalium coniunctorum 
cöllocatio. Doch vgl., falls excerpta in solchen fragen in betracht 
kommen , den index zu dem von Lambros herausgegebenen 
Supplem. Aristotel. Bei Polyb ist die sache ganz gewöhn- 
lich; beispiele wie 1, 42, 5 8sxu Ovo azäSict \ 4, 56, 2 8txa 
7(TT(tQag pvgiaSmg zeigen, daß er den Jüngern typus nicht mehr 
auf das posjponierte zahlwort beschränkt , so wenig als Strabo, 
Diodor, Iosephus u. s. w. 

Die conjugation wird p. 74 — 89 behandelt. Ich hebe p. 78 f. 
(augment) hervor, daß anm. 646 zu den belegen über diafaoyco 
C.I.A. 2, 613, 11 ngogun'^aatv. 834c, 24 artjXooaaiAtf, 814a A 32^ 



80 11. Griechische grammatik. Nr. 2. 

uv7]Xc6&7], 834b II, 4 avTJIatat, sowie dasjenige zuzufügen ist, 
was Riemann 9, 86 aus Ephem. arch. 1883 beibringt. 837, 12 
(olv?])cü(a£vov) ist in 834, 12 zu bessern. — Vergessen sind ol- 
xodo[Ai]fi£voi 2, 808d, 95. 811c, 6, qpxo- 809e, 55 und sonst, coxo- 
to(xi]nivo3v 836^> 7 (vgl. Riemann). — Wenn man p. 79 anm. 
649, 2, 758 B 40 \v.ats\iQya\a']fx£va nachträgt, so ergiebt sich, 
daß im vierten Jahrhundert das präteritum von sgyä^opat sie- 
benmal mi*; 7], einmal (2, 809b, 117: 325 a. Ch.) mit tt augmen- 
tiert, im perfectum dagegen nur u und zwar viermal sich findet. 
Es ist klar, daß hier ein organischer unterschied zwischen aug- 
ment und reduplication , analog dem von sojqwv, edloov — jfa- 
quxu, iuXwxa vorliegt, und das bezügliche „vielleicht" des verf.'s 
allzu vorsichtig ist. Vgl. KZ. 27, 272 ff. — Die bomerkung p. 79 
anm. 651 über schmarotzierendes temporales augment kann ich 
nicht für richtig halten. Wenn schon im dritten Jahrhundert 
auf der smyrnäischen inscbrift C. I. G. 3137, 58 drrjlcofxa , im 
zweiten C. I. A. 2, 594, 16 drrjXmaag neben dvalaaug zeile 8, 
595, 4 dvrjlmomoiv , 12 dtrjkco^a gelesen wird, so sieht jeder, 
daß in den aoristischen beispielen das r\ des indicativs, in dvt L - 
lo3fia das etwa von dvrjXoofAtrog fortgewuchert hat, weil der 
flexivische Charakter des ?; nicht mehr empfunden ward. Aehn- 
lich sind üadfxfvog, rjQyuaäfAtvog in inschriften des ersten Jahr- 
hunderts, ersteres übrigens vielfach in texten älterer Schriftsteller 
überliefert und zum theil, nicht zur ehre der betreffenden her- 
ausgeber , noch in den neuesten ausgaben festgehalten. Ganz 
anders die übrigen beispiele. q)io%6i] 2, 403, 20 (ausgang des 
dritten Jahrhunderts) neben ofoo%6t] 2, 403, 47. 85 wird man 
um so eher geneigt sein mit Köhler für einen bloßen Schreib- 
fehler zu halten, als oivo^oito , aus dessen präteritum nach Mei- 
sterhans jenes oo stammen soll, attisch doch wohl fcoro^dnvv, im- 
vo^oijaa wird gebildet haben. Dagegen tlXia7)jgi:g 2, 698 II 23, 
dem kein inschriftliches «Aom/y gegenüber steht , ist wie ich 
glaube schon der alten komödie eigen; in fr. 320 K. der zwei- 
ten Thesmophoriazusen des Aristophanes wird v. 14 '< nodtyCÖag, 
iXiazi^ag, dlla nolld i)'d>v durch die ehisetzung von tiXixitjQag 
jedenfalls wesenllich verbessert; es liegt so der gleiche versein- 
gang vor, wie Ar. Lys. 1148: dÖatCofieg- dlX ö ^(jwxrotf 
dqjajov äg xalög. Wenn aber Lys. 12, 19 und bei den lexico- 
graphen der anlaut i- überliefert ist, so ist damit höchstens 



Nr. 2. 12. Griechische grainmatik. 81 

das dasein einer nebenform erwiesen. Es ist undenkbar, daß 
altattisch SIwzijq seinen anlaut irgend einem präteritum zu lieb 
verändert habe. Vielmehr sei erinnert , daß das zu grund lie- 
gende verbum trotz des platonischen gebrauchs als ein für die 
Attiker poetisches anzusehen ist , bei den nachhomerischen dich- 
tem aber und bei Herodot sein anlaut vielfach et auch außer- 
halb von präteritum und perfect hat. Wir haben in eiIixttjq 
einen ionismus anzuerkennen. — Was endlich uGtr^xüia 1, 324, 
cl9 statt sa7t]xora betrifft, so findet sich gleiches ei statt s im 
perfect auch in att. s'icoüa, s'iQijxa (für iQQtjxa), sowie in dem 
weit verbreiteten ti'opjxa, e'iopiTai (vgl. G. Meyer, Griech. gram- 
matik p. 108). 

Zu dem letzten abschnitt p. 89 — 109, der von der syntax 
mit einschluß der conjunctionen und präpositionen handelt, habe 
ich hier keine wesentlichen bemerkungen zu geben. Nur sei 
nachgetragen, daß über die ersetzung des accusativs durch den 
nominativ (p. 96) Dittenberger anm. 49 zu no. 388 seiner Syl- 
loge handelt, und daß was Meisterhans über ig sagt (p. 101 f.), 
nach Brugmann, Berichte der sächs. gesellsch. der Wissenschaften 
1883, p. 185 f., sowie nach Eiemann Revue de phil. 9, 85 zu 
berichtigen ist, und daß endlich fälle wie e| Zeug (Meisterhans p. 
102 f.), von Blaß, Aussprache p. 96 längst aus der eigenthüm- 
lichen natur des £ als eines aus 08 zusammengesetzten lautes 
erklärt worden sind. 

Die oben an zweiter stelle neben Meisterhans genannte 
schrift Hechts beginnt mit dem nachweis der bedeutung, welche 
die inschriftliche Überlieferung für die richtige Würdigung der 
handschriftlichen hat, insbesondere in rücksicht auf die Ortho- 
graphie , deren Verhältnis zur ausspräche von Blaß in seinem 
vom verf. mit recht sehr hoch gestellten obgenannten werk noch 
nicht genügend festgestellt sei. Hecht selbst hat eine reihe von 
ersch einungen, nämlich die der assimilation des Schluß - ny , die 
der vertauschung von iji und a, die der Schreibungen ytfOfiai 
yuwaxoo wie auch das Verhältnis von aa zu zt durch die atti- 
schen inschriften verfolgt und gibt p. 6 — 27 aus den jähren ca. 
490 — 283 a. Ch., eine chronologische Übersicht sämmtlicher fälle, 
wo schließendes v assimiliert oder nicht assimiliert ist, dann p. 
27 — 29 für avv , iv und näv in der composition nachweise bis 
in das III. Jahrhundert p. Ch. hinab. Der eigentlichen erörterung 
Philo!. Anz. XVI. 6 



82 12. Griechische grammatik. Nr. 2. 

der einschlägigen fragen sind die übrig bleibenden acht seiten 
gewidmet. Der verf. bestreitet die vulgäre anschauung, wonach 
inconsequenzen der Schreibung aus nachlässigkeit der Steinmetzen 
erklärt werden, und meint, das schwanken der Orthographie be- 
ruhe auf deren phonetischem charakter, mit andern worten auf 
schwankender ausspräche. Auf p. 36 wird noch ein weiterer 
grund angedeutet, nämlich daß ein Schreiber, wenn schon ein 
laut sich verändert hatte, doch mitunter trotz seines phonetischen 
princips in die gewohnheit der alten Schreibweise zurückfallen 
konnte. Ich glaube, dieser gesichtspunct hätte insbesondere für 
die kaiserzeit von dem verf. etwas stärker betont werden dürfen •, 
umgekehrt betont er ihn zu stark, wenn er, für die assimilation 
des v die Schlußfolgerungen ziehend, p. 34 fälle wie 7cu»> ßag- 
ßagtav neben rijfi ßovhjr daraus erklärt, daß der Schreiber, wel- 
cher assimiliert sprach , zwar bemüht war phonetisch zu schrei- 
ben, jedoch unwillkürlich in die gewohnte Schreibweise zurück- 
fiel und inconsequent wurde. Der verf. verwechselt hier isolie- 
rende Schreibweise und historische ; der Schreiber schrieb rä* 
ßagßägotr , weil der artikel, wenn er ihn für sich allein sich 
vorsprach, räv lautete. — Im übrigen kann man dem verf. in 
der meinung , ein vers wie Soph. Ai. 851 sei im alten Athen 
fiasi niycty xwavtov ? \i ndarj izoXet gesprochen worden, mir recht 
geben, wie auch in den postulaten an die künftige orthographische 
forschung , mit denen er seine lebendig geschriebene schrift 
abschließt. 

Meisterhans und Hecht haben unabhängig von einander ge- 
arbeitet. Vergleicht man beide auf dem beschränkten gebiet, 
das letzterer sich ausersehen hat, so hat Meisterhans unbedingt 
den Vorzug vollständigerer Übersicht über die ganze frage, 
schärferer sonderung der verschiedenen kategorien. Auch ist 
er insofern zuverlässiger , als Hecht seltsamerweise die assimila- 
tion mit 286/5 a. Ch. aufhören läßt, während Meisterhans die- 
selbe noch für viel später nachweisen kann und die correcten 
data des aufhörens der assimilation vor den einzelnen anlauten 
zu geben vermag. Hecht bildet immerhin eine werthvolle er- 
gänzung , nicht bloß weil er für den wichtigsten Zeitraum die 
beispiele in extenso bietet, sondern insbesondere weil er die ge- 
genbeispiele nicht verschweigt und so erst einen vollen überblick 



Nr. 2. 13. Homeros. 83 

gewährt. Ueber den bezüglichen mangel von Meisterhans habe 
ich mich schon eingangs meiner besprechung geäußert. 

Ich erwähne zum Schluß zwei versehen Hechts. P. 30 wird 
der locativ 'A^ovtjciv (sie!) C.I. A. 2, 585, 15.21 als bloß laut- 
lich verschiedene nebenform des dativs 'd^mvevaiv Ibid. 2. 3. ge- 
faßt, und p. 31 anmerkung als beweis für die ausspräche des i 
subscriptum auch noch in der frühern alexandrinischen zeit der 
hexameteranfang miaä^qv ARh. 1, 291 unter vergleichung des 
homerischen a>i%a angeführt. 

Jacob Wachernagel. 

13. J. M. Hoogvliet, studia Homerica. Lugduni Ba- 
tavorum 1885. 84 p. 

Ein schüler Cobets bietet hier lexikalische Untersuchungen 
zu Homer, vermischt mit kritischen bemerkungen, nämlich de verbis 
videndi p. 1 — 44, avzög Homericum p. 45 — 69, de ig^atöcovro 
mira forma p. 70 — 74. Die resultate des haupttheiles faßt 
Hoogvliet in einem pathetischen satze zusammen , der zugleich 
meiner eigenen kritik vorgreift (p. 28): Iam videor mihi exaudire 
quempiam adversantem: „dtgxsadat pertineatne ad solos oculost — 
argviiae\ — Xevöanv ad oculos et meutern? — somnia ! — öaat- 
a&ai ad meutern et animum? — ineptiael Nunquam scilicet argu- 
mentis probari poterunt ista". Der Verfasser macht sich den be- 
weis recht leicht, indem er blos darauf sieht, ob oy&alfxolai, 
qtgsaC oder dvpm zum verbum gesetzt werden. Zuvörderst mußte 
er die stamme nach der etymologie scheiden : Ogäw war von 
oxpopai, ü7jwna und sidov zu trennen, jenes gehört ja zu oaaopai, 
dieses zu s'i'do^ai , olöa. Es genügt auch nicht, die gleichen 
Stämme aus den verwandten sprachen aufzuzählen, man sollte 
in jeder die frühesten gebrauchsweisen nachweisen. So aber 
sind die angeblichen Urbedeutungen von Hoogvliet nur willkür- 
lich aufgestellt; Ssgno[xai soll z. b. ursprünglich fulgere, lucere 
bedeuten und eine spur davon in der glosse des Hesychios 86g- 
xuva, axgtßwg (was natürlich „scharfsichtig" heißt) zu finden 
sein. Im übrigen genügt mihi videtur. Es scheint mir, daß die 
verba der Wahrnehmung , (unter denen ich rosco und (fqät,onai 
vermisse) nach drei stufen der bedeutung zu behandeln sind: 
Wahrnehmung durch das äuge , durch irgendwelchen sinn (z. b. 
oQav vom hören qp 545 wie umgekehrt Sophocl. Oed. Col. 181 

6* 



84 13. Homeros. Nr. 2. 

aisig), endlich durch verstand oder gefühl (zuerst durch &v(aw 
oder q>QSßl gestützt, dann für sich). Das schwierigste wort ist 
oaaofjai, mit dem Hoogvliet gar nicht zurecht kommt; seine 
Übersetzung lautet (p. 29): occupat animum praesens imago (vel 
repraesentatio) alicuius rei. Ich möchte folgende bedeutungsskala 
aufstellen: I. a) sehen, blicken v 81; mit ttqoti- X 356. r\ 31 
= \p 365 oder im- P381; x«x' oaanfAtvng böse blickend A 105 ; 
b) = ala&ärouai £ 17; c) übertragen, nur mit dem erläutern- 
den zusatz 9vftM oder Qvfxög 2 224. v. 374. ff 153 (mit noori- 
£ 219), KQa8h] e 389 (fzport-), in <j.qsg£ a 115; II. kausativ 
„sehen, ahnen, machen", nur in jungen partien 42 172. ß 152. 
Hesiod. Theog. 551. 

Bei diesem worte wendet Hoogvliet sofort die ultima ratio 
an, er korrigiert. Dasselbe thut er an allen stellen, die seinen 
sonderbaren ansichten über syntax widersprechen. Zu deren 
Charakteristik will ich die schöne erklärung p. 44 anführen, der 
akkusativ in naniafvcav A'iavia sei nicht ein simples objekt, 
sondern final , d. h. tamdiu circumspicere donec videas. Ebenso 
soll ötQuofAdt keinen accusativ bei sich haben, obgleich das im 
sanskrit entsprechende wort transitiv zu sein pflegt ; lieber kor- 
rigiert Hoogvliet vier homerische stellen (p. 14 f. 19 f.), wobei 
er dadurch etwas zu gewinnen meint, daß er ig entweder zum 
verbum (k 196 iad(janni) oder zum object setzt (X 15 ig zoig), 
als ob der akkusativ von der präposition abhinge. Zu gunsten 
einer änderung hingegen, die er !S 141 (p. 19) für nothwendig 
hält, sollen wir ihm glauben, yt]&to3 regiere den akkusativ, weil 
es / 77 ein pronominales neutrum bei sich hat. Uebrigens 
muß die änderung 1 15 ig roig (für avioig) jedes normale ohr 
beleidigen ; unter den von Koch , De articulo Homerico p. 22 
verzeichneten stellen ist keine, wo eine einsilbige artikelform mit 
einer präposition am ende des verses stände. 

lieber den zweiten theil kann ich mich kurz fassen ; Hoog- 
vliet behandelt nämlich die bedeutungen von avtög flüchtig, 
sein interesse ist vielmehr darauf gerichtet, die zahlreichen stellen, 
wo casus von ulnng ohne präposition als pronomen der dritten 
person erscheinen, sammt und sonders auszurotten, wobei er sich 
und den leser damit quält, daß er an gesunden stellen seiner 
theorie zu liebe etwas auszusetzen hat; oft genügen kernsprüche 
wie nihili est, inepte, zitique requiritur u. s. w. Besonders schön 



Nr. 2. 14. Pindaros. 85 

ist aber was er von 8 710 sagt: versus eiusmodi est ut tonsoris 
mei potius quam Homeri esse crediderim. 

Daß endlich EQiaiömvto nicht von £(j%aTO abgeleitet ist, 
kann man dem verf. zugeben ; aber was hat er gegen das hesy- 
chianische sqxuto^ als Stammwort einzuwenden? Ich nehme doch 
lieber Vernachlässigung des digammas an, als daß ich mit Hoog- 
vliet schreibe : pig^azo n(iri l y,ovzu ai'eg %a[Aai?.vv(xdsg itrog. 

Die thesen enthalten noch fünfzehn unbrauchbare konjek- 
turen zu Homer; das poetische gefühl des Verfassers wird wohl 
dadurch genügeud illustriert, daß er ß 156 schreibt: ovdei fot- 
gy.i]tiiov xtq.u\ui,- , taaovTo 8" 1 oIbOqov, die Ithakesier ließen die 
köpfe bis zum boden hängen, wie die pferde des Achilleus in 
der Ilias (P 437)! 

Karl Sittl. 

14. De Aristarchi studiis Pindaricis. Scr. Eugenius 
Hörn. (Diss. Gryph.). 1883 '). 

Die arbeit zerfällt in drei theile. Im ersten handelt verf. 
über Aristarchs Pindarausgabe — gewissermaßen eine verbes- 
serte aufläge der des Aristophanes (den Hörn wunderbarer weise 
Byzantinus (sie) nennt), die kurz characterisiert wird, wie verf. 
sich dieselbe denkt. Aristarchus corruptelas quae iam in antiquis- 
sima mscripta irrepserant sanare conatus est, ubi partim erravit, 
partim vera et sagaciter perspexit et facili ratione reposuit. Dann 
handelt er kurz über die quellen unserer kenntnis der aristar- 
chischen lehre, über Didymus und seine Stellung zu Aristarch. 
Hörn ist objeetiv genug, bei der beurtheilung der thätigkeit 
Aristarchs den umstand in rechnung zu ziehen, daß uns 
derselbe wesentlich durch die polemik , die Didymus gegen 
ihn ausübt, bekannt geworden ist, und daß daher bei dem 
Verluste unendlich vieler höchst wahrscheinlich gelungener cor- 
rekturen und erklärungen das urtheil über Aristarch nur zu 
leicht ein einseitiges wird. Daher findet er es angezeigt, den 
weg anzudeuten auf dem die aristarchischen notizen in die uns 
vorliegende scholienmasse gelangt sind. Aristarchs bemerkungen 
sind mit den ihnen gegenüberstehenden des Didymus von dem 
scholiasten, der, was wohl zu beachten ist, nicht Aristarchs ori- 
ginalhypomnemata vor sich hatte, zu einem corpus von zetematen 
1) Die citate sind mit dem verf. nach Bergk gegeben. 



86 14. Pindaros. Nr. 2. 

verarbeitet worden. Didymus aus dem sie geflossen sind hatte 
auch die homerischen arbeiten Aristarchs dabei berücksichtigt. 
Das ist gewiß richtig und es werden auf diese weise noch 
manche notizen dem Aristarch vindiciert werden können, die 
seinen namen jetzt nicht mehr tragen , oder besser , Aristarchs 
Pindarerklärung wird durch seine Homererklärungen licht und 
Zuwachs erhalten : einige stellen hat Hörn auf p. 7 nebenein- 
andergestellt ; wobei ich nur bemerke, daß in dem Schol. Hom. 
II 717 (nicht 17) nännov zwischen fi7j7QÖg und [Atjroojg ausge- 
fallen ist. Ebenda scheint mir die parallelstellung von Schol. 
Ol. VII, 31 mit schol. B (nicht II oder 77, welches beides bei 
Hörn p. 7 zu lesen ist) 506 nicht zutreffend zu sein. Denn 
das ist doch wohl ein Widerspruch, wenn es an der einen stelle 
heißt 'iXsyov nuv xcagCwr äqiEQCO/Ahov ■Osm xai> xpiXliv cpvTÖSv 
rj aXaog und an der andern näg ronog a v v 8 sv 8 qö g vöcoq 
exrnv aal acpisgoD/Airoi; alaog aalshui. Der an beiden stellen vor- 
kommende ausdruck a^tEQOjfitvog kann doch in solcher sache 
unmöglich allein ausschlaggebend sein. Allerdings wird wohl 
zugestanden werden können, daß das Pindarscholion möglicher- 
weise, allenfalls auch wahrscheinlich, auf Aristarch zurückgeht. 
Was das resultat betrifft, zu dem Hörn bei seiner Untersuchung 
gelangt, so ist es zwar zum theil auch nur negativ, wie das von Feine 
(s. Phil Anz. XV, p. 568 ff.), so die erklärung der historischen momente 
ab Aristarcho admodum tractatam ex fragmentis intellegi potest, verum in- 
terpretationem quod in poeta tarn difficili par est — aber bei genauem 
nachsehen finde man Aristarchum fere in plerisque errasse. Wenn 
Hörn aber behauptet : in primis Aristarchus tarn procul habet quod- 
vis veritatis ac fidei historicae Studium, ut ad absurdissima commenta 
delapsus sit, so ist das urtheil in der allgemeinheit entschieden 
übertrieben und durch die wenigen beispiele die Hörn dafür 
beibringt, nicht gerechtfertigt. Die positiven resultate der Un- 
tersuchung lassen sich mit des Verfassers worten folgendermaßen 
ausdrücken : primum quidem confiteri debemus ab Aristarclio primo 
Pindari carmina coepta esse accuratius explicari (p. 11) und prae- 
ter haec omnia Aristarchi vocabidorum interpretatio laude indigna 
non videtur (soll wohl heißen non indigna videtur?), diligentem ob- 
servationem in usu cum Pindari tum poetici sermonis collocaverat: 
inquisivit in patronymicorum formationem , impersonalem verborum 
U8um, enallagen, pleonasmum, alias figuras (worüber Hörn im dritten 



Nr. 2. 14. Pindaros. 87 

capitel handelt). Dlalectum Pindari non videtur accuratius tractasse ; 
negue rem metricam curavit, qui Py. III, 43 vitium adeo inferret 
Pindaro (p. 12). In bezug auf den letztern punct habe ich 
meine ansieht in der anzeige von Feine's abhandlung de Ari- 
starchi Pindari interprete Phil. anz. XV, 1 1, p. 570 ff. ausgesprochen. 

Der zweite theil bringt die Sammlung der Aristarchischen 
fragmente aus den Pindarscholien (85 nummern. Dabei bemerke 
ich, die nummer 16 erscheint zweimal, 19 ist im drucke abge- 
fallen, no. 20 fehlt ganz und endlich fragm. 52 hat mit fragm. 
53 den platz getauscht). Mit recht hat verf. sich nicht auf die 
stellen beschränkt, die mit namensnennung sich als Aristarchs 
eigenthum verrathen , sondern auch, was sich durch vergleich 
mit entsprechenden stellen aus den homerischen erklärungen un- 
sers grammatikers als aristarchischer lehre entsprechend erweist, 
herangezogen. 

Betrachten wir einzelnes daraus. In dem Schol. Ol. II, 32 
wo es am ende im cod. Vaticanus heißt otö' bnöze zsXavz^aofiev t-qv 
ia^aTTji> Tjfxtguv ' oti uOoQi>ßoog iv zq> zov £rjv %(jovq>. ovico de 
aal 'AgiataQ^oii uxovsi schlägt Hörn vor, das ozi in onözs zu 
ändern, nachdem er mit Böckh : tj davor eingesetzt, und vermißt 
im folgenden ein verbum finitum etwa iaöfÄt&a. — Das ist nur 
zum theil zu billigen. Denn iaojxt&a paßt nicht mit u&oovßwg 
zusammen, es ist ztXsvzt'jooixev aus dem vorhergehenden zu er- 
gänzen, wie das auch bisher von allen verstanden ist. Die än- 
derung bnöze ist gut, aber statt Böckhs /} möcht' ich lieber 
ovSe lesen. Der sinn der Pindarstelle ist, wie ihn ja auch Hörn 
auffaßt, der : „das zwischen dir (Theron) und Hieron vorgefallene 
kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber du kannst es ver- 
gessen im glücke, weil Verdruß erstirbt im hochgefühl der freude 
über gottgesendetes glück : dafür sind beispiele die Kadmostochter 
Semele , Ino, deren Unglück sich auch zuletzt in glück wandte. 
So ist auch in den menschlichen dingen alles ungewiß : nicht 
den tag des todes kennen wir". Und nun muß doch , um die 
Ungewißheit recht deutlich zu machen, wohl der gedanke folgen 
„ja, nicht einmal, wann wir einen glücklich begonnenen tag 
(Ü6i>%t[*ov afiSQav) in ungetrübtem glück (uzsiqsi avv aya&cp) be- 
enden werden". Das kann aber nur ausgedrückt sein durch ovo' 
07io7e uüoQvßmg iv zw zov ^v XQOvm (sc. rj^igav zilevr!]Oonsv). 
Böckhs r t steht mit seiner abweichenden auffassung der stelle 



88 14. Piudaros. Nr. 2. 

im zusammenhange. Er verstellt auch diese verse vom lebens- 
ende und tibersetzt demgemäß nee tranquillam quando diem, solis 
filiam, illibata cum felicitate obituri simus. 

In dem Schol. Ol. III, 1 setzt verf. das von Böckh in dem 
satze FXi'V'' Y^Q ei7ts &Q a 'Hoaxlia rbv 8ia&ivra tbv dymva xa- 
zctxaleiöftai getilgte si'nsQ wieder in seine rechte ein. — Nicht 
zu billigen aber ist , wenn er hier dem Aristarch unhistorische 
fiction vorwirft nescio an rem, quae non fuit, commentus sit und 
dann fortfährt Didymus enim male doctum (Aristarch) ut solet re- 
futans (lö7ontx<X)7£Qov Xeyei) aliam causam certis testimoniis nisam 
circumspexit; denn in dem Vratisl. A steht ausdrücklich t\j \4qi- 
aTuo%ei(p anoöoösi 6 <Jt'8vfAog fiälXov rronaiCüeTui r , und das läßt 
sich sehr wohl mit jener ersten notiz im cod. Vat. B vereinigen. 
Aristarch hatte nur im allgemeinen auf den Dioskurenkult in 
Agrigent hingewiesen und Didymos sucht dazu noch nach einer 
eigenen beziehung zwischen Theron und jenem kulte , indem ei- 
serne herkunft aus Argos zu hilfe nimmt. Wenn Hörn diese 
auskunft als eine certis nisam testimoniis bezeichnet , so müssen 
wir bedauern , daß von den testimonia in unsern scholien auch 
keine spur mehr vorhanden ist. Gleichwohl glauben wir dem 
braven scholiasten sein iaTOQtxMteQor 7jyti (obwohl er selbst 
darüber wohl herzlich wenig zu urtheilen vermochte) , weil wir 
bei Didymus eine günstige meinung wegen seiner sonstigen lei- 
stungen haben. Aber finden wir uns nicht Aristarch gegenüber 
in der gleichen läge? Ehe also der beweis, daß diese seine er- 
klärung auf reiner erfindung beruht, nicht erbracht ist , müssen 
wir eine beschuldigung wie sie mit den Worten rem quae non 
fuit commentus est liegt, entschieden zurückweisen. 

Gut emendiert Hörn das scholion zu Ol. III, 23 (worüber 
wir in der anzeige von Feine p. 573 gehandelt) rivsq dt Kqo- 
vi'nv ritlonnq , uti. TlXovrM üvyitTijn Koovov sys'vezOj r, avyxotftij- 
&t)g b <CZsvg iysrrijoa Tcnrnlnr, b 8f^> Tüv7u7.oc sn^e Tltlona. 
Eine sehr glückliche korrektur der fälschlich yß im Vat. B über- 
lieferten olympiadenzahl zu Ol. V, 19 hat Hörn gewonnen durch 
benutzung des scholions zu vers 16: er schreibt nß (82); Böckh 
hatte ziemlich gewaltsam o& gemacht. Sie kommt auch der 
lücke im Vratisl. A zu gute. 

Zu Ol. VI, 15 (no. 19 bei Hörn, wo indeß die zahl abge- 
fallen ist) möchte ich mir die bemerkung erlauben : Aristarch 



Nr. 2. 14. Pindaros. 89 

sucht die Schwierigkeit- betreffs der zahl der sieben nvqal , da 
ja nur vier gefallene helden bestattet werden sollen, dadurch zu 
heben, daß er meint, nüdagog idid^ei. Aristodemos dagegen 
bezieht die trieben nvgai, nach meiner ansieht mit recht, auf die 
sieben Scheiterhaufen der sieben heeresabtheilungen. Das genügt 
Hörn nicht, und er findet die lösung in dem schol. Vrat. A zu 
no&ico v. 25 ö ' Afjxl^ntddtjg cpqrsl tavra silqqn-vai fx Tijg kv- 
xXixrjg Qijßatöoc. Abgesehen davon daß wir nicht wissen, was 
in betreff des fraglichen punktes in der cycl. Thebais stand, 
glaube ich daß rnvra vielmehr auf die erzählung im ganzen 
geht. Wenn aber Hörn meint, daß Asclepiades die zahl in der 
Thebais abweichend von der tradition gefunden habe, was hin- 
dert dann anzunehmen daß Aristarch mit seinem idiä^ei 6 Tllv- 
bagog dasselbe sagt, und daß Asclepiades nur die quelle hin- 
zufügte? Beiläufig möchte ich die lücke, die Böckh ergänzt 
Tag inict nvgdg <Cuvai rmv argariajäv to5»> annXoftzvcov , so 
ergänzen, daß ich vor anolofAeicov noch iv sy.ä.07iß nvlrj ein- 
schiebe, vgl. die voraufgehende fassung des scholions. 

Auch das scholion zu VI, 92 verdient eine etwas genauere 
betrachtung, wenn mich nicht alles täuscht ist Midagog, wie in 
der handschrift steht, an der ersten stelle die richtige lesart und 
nur an der zweiten stelle mit Böckh /llbypiog zu schreiben. 
Dem abschreiber lag das erste TlliSugog noch im sinne. So er- 
klärt sich jedenfalls die vorliegende vertauschung der namen 
am einfachsten. Was nun den inhalt des scholions betrifft, so 
ist Aristarchs erklärung sehr verkürzt überliefert, wir haben 
nur noch eine art paraphrase der Pindarstelle Tolg ward tov 
%ogov eineiv inr/slevet, (sc. TllvSagog) täv re Cvgayovaäv ;u6- 
[irtjddai xal TTJg 'ÖQTvyi'ag. Dazu die dürftige erklärung — 
dürftig in ihrer jetzigen form — atTt] de iari itgoas^rjg Talg Cv- 
gaaovaaig i?]aog 8iä %co \naT o g [die gesperrten worte sind tref- 
fende emendationen von Hörn für ygnvov und x«J ä%m[AaTog'] 
dann fährt Didymos , aus dessen commentar die ganze notiz 
stammt, fort: 6 de TlivSagog Sid 7ov 'legava , d. h. nicht bloß 
wegen der räumlichen nähe von Ortygia und Syracus, wie Ari- 
starch wollte, sondern wegen des Hieron, der seinen Wohnsitz 
auf Ortygia hatte und vor allem das priesterthum „der göttin- 
nen" besaß, inst ävoo&sv in ngoyötav tegocpdvTqg ratv Ütalv dno- 
SföeiXTai , und nun folgt die angäbe des scholiasten , der diese 



90 14. Pindaros. Nr. 2. 

ganze benierkung aus Didymos entlehnt hat: zu 8s ttgoxelftend 
qirjaip 6 JiövfAog xai nagaiidsTai tu 0i).i<stov xai rd Tipalov. — 
iatxelsvsi schreibe ich mit Hörn in der aristarchischeu para- 
phrase für iniiteXsvGor. elneh inixeXsisi ist Umschreibung für 
dnov imperativ. Also mag die aristarchische note etwa voll- 
ständiger so gelautet haben: einov avt\ tov tlni' ToTg xuzu 

7. %. 'AtX. 

Im dritten theile handelt Horu von Aristarchs annahmen 
von pleonasmus, ellipse und enallage zur erklärung homerischer 
stellen und überträgt diese auch auf Piudar. Nicht mit unrecht. 
Doch ist dabei auch große Zurückhaltung und vorsieht nötiig, 
damit man nicht zu weit geht. Wenn z. b. Hörn aus Schol. 
Hom. B 107 QviöTU : bzi xXqrtxtj avrl zqg orjdijg, Qvt'oza avt) 
7ov Qveartjg heranzieht und damit vergleicht schol. Pind. VIII, 48 
Ogaoigiaipa : xXtjTixtj <xvt\ Tqg evdet'ug mg xat nag OfxfjQm 'ln- 
nöza rbjltvg , so hat das ja allerdings einen gewissen schein 
für sich: aber es ist doch zu bedenken, daß in den stellen wo 
innota bei Homer vorkommt, wunderbarer weise niemals bemerkt 
ist, daß der vocativ für den nominativ stehe, und doch haben 
wir zu £ 117 eine note von Aristonicus, die sich auf dies wort 
bezieht. Sie lautet: i) SitiXij ort sXiy^ovTui ol tov InnoTtjv änoöi- 
8öv7sg cpvyüSa . . . . o 8s \nnört\g aga ov cpvyug uXX' tnatxog. 
Keine spur von einer enallage casuuml Und wenn Et. M. 474, 6 
Innoxu ovopä iaziv unh tov lnnoTi]g hutu ^iSTun).u6fxöv innoia 
dies wort in dieser form als nominativ anerkennt, ebenso wie 
Hesych Innoiw. \nnötr\g, innixog . ol de vscoregot qivydg . ovx 
ev . xuXXiov yun iniGtrjfioav innixijg, ihitixwiatog . uXX<ag (mit 
Lehrs) inntjXaTtje so dürfen wir ohne sichern beweis nicht 
dem Aristarch die ansieht zuschreiben Innözu sei vocativ und 
stehe in Vertretung des nominativs. Anders liegt die sache beim 
Thyest. Der kommt bei Homer in der Odyssee 8 517 o&i Sco- 
fjtaTa vuh 0viaT?jg to ngif in der nominativform auf yg vor. 
Hier war Aristarch berechtigt von seinem Standpunkte aus die 
form auf « für einen vocativ zu halten, also in der Iliasstelle 
enallage anzunehmen, während InnÖTa so wenig wie iaatjXdia 
bei Homer mit andrer nominativform erscheinen. Die hat Ari- 
starch also sicher auch als nominative anerkannt. Somit ist 
das Schol. Pind. ol. VIII, 48 (64) durch das Homerbeispiel In- 
nöxa n?]levg verdächtig, und ich möchte nicht das urtheil un- 



Nr. 2. 15. 16. Sophokles. 91 

terschreibeu das Hörn fällt : guocirca hie et illic erravit Ari- 
starchus. 

Dies möge genügen um auf die interessante und auch an 
schönen emendationen (einige haben wir hervorzuheben gele- 
genheit gehabt) reiche abhandlung aufmerksam zu machen. 

Die corrigenda p. 86. 87 bilden eine stattliche reihe und 
dennoch sind noch manche fehler stehen geblieben, die allerdings 
nicht eben von belang sind wie ovx p. 86 für olv und die Ver- 
stellung des Schob Nem. V, 10 p. 85 vor Schob IV, 95 p. 86. 
Ebenso finden sich noch fehler im index locorum z.b. das letzte 
citat aus Apollon. Synt. , das 213, 24 heißen muß. Auch hat 
Strabo sich wohl nimmer gedacht, daß sein name dereinst barba- 
risch zu Strabow werden würde, ebenso ist Tzetzes' name zu 
einem unaussprechlichen Ttetzes geworden. Die citate alle 
nachzuprüfen habe ich für überflüssig gehalten. 

Georg Schoemann, 

15. Günther, kritische miscellen. Osterprogramm des 
Friedrich - Wilhelms - gymnasiums zu Greifenberg in Pommern. 
1885. 10 p. 4. 

Es nimmt sich nicht gerade gut aus ,- wenn unter etlichen 

30 „Verbesserungen", welche der verf. zu den Trachinierinnen 
und der Elektra des Sophokles gibt , sich gleich zwei metrische 
fehler finden. Sophokles soll trimeter geschrieben haben wie 
die da: 

■i] tovxov uv ibv a&Xov avazXag xaXäg. 

og xä[xe top * j$%sXcpov fjvtxa cpvywv. 
Erwähnung verdient vielleicht die conjeetur zu Trach. 117 ßg(- 
%si (für 7Qsq.et) und zu El. 565 — 7 5/ 'jco qtodaoo' naztjg notf 
ovpög , wg xXvco , &täg xuz' äXaog i^sxivrjaev nodoir. Alles an- 
dere gehört zu der masse jener einfalle, deren man zweihundert 
stans pede in uno zum besten geben kann. 

16. M. H. Vetter, über die schuldfragen im könig Oe- 
dipus des Sophocles. Gymnasialprogramm von Freiberg 1885. 

31 p. 4. 

Dem alten und vielbehandelten thema sucht der verf. eine 
neue seite abzugewinnen, indem er gleichsam einen historischen 
nachweis dafür liefert, daß Sophokles im Oedipus keine schick- 



92 16. Sophokles. Nr. 2. 

salstragödie schaffen konnte. Er geht die verschiedenen bear- 
beitungen der Oedipussage bis auf Aeschylus durch und knüpft 
daran die frage : ist es denkbar , daß , während Aeschylus die 
geschicke des Labdakidenhauses in seinen drei abstufungen 
(Laios, Oedipus, Enkel) sittlich motivierte, nach ihm Sophokles 
aus jenem complex eine einzelne persönlichkeit herausgenommen 
und sie als schuldloses opfer blinder zufallslaune und schicksals- 
tücke oder unmotivierten götterhasses dargestellt hätte? Günther 
beantwortet in seinem buche „Grundzüge der tragischen kunst" 
wie schon früher Dronke diese frage mit ja und behauptet, daß 
Sophokles den von Aeschylus gewonnenen richtigen Standpunkt 
wieder verlassen habe. Es ist also gut , daß der verf. seinen 
ersten beweis durch einen zweiten stützt und darzuthun sucht, 
daß der freie wille der handelnden bei Sophokles überall gewahrt 
und das leiden nur die sühne für eine schuld sei. Am schwer- 
sten wird dieser nachweis bei Philoktet; denn daß Philoktets 
eindringen in das heiligthum als eine Verletzung desselben und 
der biß des hütenden drachen als strafe dafür erscheine , wird 
nirgends gesagt; dagegen wird ausdrücklich 192 ff. angegeben, 
daß diese leiden über Philoktet von der gottheit verhängt seien 
zur erfüllung des schicksalsbeschlusses , also ohne schuld des 
Philoktet. Aber eine nachträgliche Vergütung der leiden stellt 
ihm Herakles 1419 ff. in aussieht: „wie ich durch leiden zur 
herrlichkeit einging, so soll der lohn für deine leiden hoher 
rühm sein" und das muß genügen. Denn richtig ist die weitere 
bemerkung, die der verf. macht: „wie dem aber auch sei, So- 
phokles stellt in seinem drama diese schuld, wenn es eine war, 
gar nicht in den Vordergrund , gibt vielmehr dem tragischen 
proceß einen ganz anderen ausgangspunkt". Diese bemerkung 
aber nehmen wir auch für den Oedipus in ansprach und ver- 
langen, daß man zwischen der handlung selbst und dem, was 
außerhalb der handlung liegt und von der Überlieferung geboten 
ist, wohl unterscheide. Dieser Überlieferung stehen wir freilich 
anders gegenüber als die Griechen , welche darin historische 
thatsachen sahen. Etwas anderes ist es auch , wenn über je- 
manden das leid anderswoher kommt und wenn er es sich selber 
zufügt. Oedipus blendet sich selbst. Der dichter hat also nur 
psychologisch zu motivieren , wie die entdeckung der durch die 
sage gegebenen greuel auf Oedipus den eindruck macht, daß 



Nr. 2. 17. Herodotos. 93 

er hand an sich legt. Darnach hat er den charakter zu ge- 
stalten und diesen in solche kollisionen zu bringen , daß man 
die erregung und wuth, in welcher Oedipus sich die äugen aus- 
sticht, begreift. Wenn wir also nach einer sittlichen schuld des 
Oedipus forschen, stellen wir uns auf einen Standpunkt, der nicht 
antik ist. Allerdings aber mußte die Charakteristik auch den 
früheren thaten des Oedipus entsprechen und der dichter hat 
jedenfalls wohl daran gethan, daß er die gleiche Charaktereigen- 
schaft zu der katastrophe der handlung und zu den vorauslie- 
genden greueln führen läßt. In der that gewährt es eine befrie- 
digung , wenn wir sehen-, wie Oedipus an den greueln, deren 
entdeckung zu dem entsetzlichen ende führt , nicht ohne schuld 
ist. In dieser beziehung geben wir dem verf. recht, wenn er mit 
den Juristen zwischen culpa und dolus unterscheidet, wenn er 
die bloße schuld der Unvorsichtigkeit (Deianira) und der Unbe- 
sonnenheit (Oedipus) als besonders geeignet mitleid zu erwecken 
ansieht, wie das ja der forderung des Aristoteles , daß der cha- 
rakter möglichst gut sei, am besten entspricht, und wenn er an 
einen ausspruch des ästhetikers Vischer erinnert : „Oedipus hatte 
bereits winke erhalten , daß es mit ihm etwas besonderes auf 
sich habe , er hatte bereits Ursache , gegen den zufall argwöh- 
nisch zu sein , und im Widerspruche mit dieser von ihm bereits 
vorher gemachten erfahrung ist sein Jähzorn allerdings eine sehr 
imputable Unvorsichtigkeit: er hat diese sammt ihren nicht be- 
absichtigten folgen zu verantworten , wie jeder andre auch die 
nicht gewollten folgen seiner that zu verantworten hat". Nur 
sollte nicht auch noch rücksichtslosigkeit und Undankbarkeit ge- 
gen die langjährig genossene liebe der vermeintlichen eitern auf 
Oedipus geladen werden : daran hat Sophokles gewiß nicht ge- 
dacht. N. Wecklein. 

17. Schaeffer, über den gebrauch des accusativs bei 
Herodot. Progr. Groß-Strehlitz 1884. 18 p. 

18. Böttcher, der gebrauch der casus bei Herodot. 
Progr. Halberstadt 1885. 24 p. 

In beiden programmschriften — Böttchers arbeit beschränkt 
sich auf den accusativ — ist derselbe gegenständ behandelt, 
und doch macht die eine die andere nicht überflüssig. Die 
zweite, obgleich ein volles jähr nach der ersten erschienen, ist 



94 17. Herodotos. Nr. 2. 

wie man leicht sehen kann, ohne kenntnis dieser abgefaßt, so 
daß der benutzer in diesem umstände eine bequeme controlle 
für die Vollständigkeit der Sammlungen hat. Denn daß trotz 
der größten aufmerksamkeit , die beide verf. bewiesen haben, 
hier und da eine stelle übersehen ist, wird jeder billige beur- 
theiler verzeihlich finden (z. b. bei £xöt8Q>'j<yxeiv sind beide un- 
vollständig). In zwei punkten dagegen steht Schaeffers arbeit 
hinter der Böttchers zurück. Erstens nämlich hat er sich im 
wesentlichen auf die sieben ersten bücher beschränkt, in der 
meinung, die gefundenen resultate dürften in den beiden letzten 
büchern nur bestätigung, keine änderung erfahren. Diese Vor- 
aussetzung war, wie ein blick in Böttchers Sammlung lehrt, eine 
irrige. Falsch ist z. b. p. 3 zu tbv ^stvov — dijaas Ivfiaitono 
(V, 33) bemerkt : „in dieser einzigen stelle mit dem accusativ 
ließe sich auch der accusativ auf das folgende drjaag beziehen. 
Sonst braucht Herodot bei diesem nur den dativ". Denn VIII, 28 
ist der accusativ sicher überliefert. Erheblicher noch ist ein 
zweiter mangel ; ohne jede berücksichtigung der handschriftlichen 
Überlieferung citiert verf. nur nach der Steinschen ausgäbe von 
1866. Die folge davon ist, daß seine angaben nicht überall 
zuverlässig sind ; ein beispiel möge genügen. P. 5 bemerkt er 
zu qevysiv „VI, 40 aus dem Chersones". Aus dem Zusammenhang 
muß man annehmen, daß er die konstruktion mit dem accusativ 
im äuge hat. Dieser ist aber nur in PRsz überliefert; AB 
haben an 6 XeQCovi'jOov und in Cd fehlt nach sysvyov jeder Zu- 
satz. Letzteres wird , wie schon Schweighäuser vermuthet hat, 
das richtige sein. Ich erwähne gerade dieses beispiel, weil merk- 
würdiger weise Böttcher die stelle entgangen ist. Im einzelnen 
möchte ich in Schaeffers arbeit nur folgendes noch kurz berüh- 
ren. Verf. zählt p. 6 einige verba auf, die bei Herodot abwei- 
chend vom sonstigen gebrauch mit dem accusativ verbiinden 
sind, und darunter auch "kay%av£iv, ne/AVTJoOai und fAtT^Eiv (fioi- 
Qav). Diese drei verba haben auch sonst gar nicht selten den 
accusativ bei sich , wie man bei Krüger nachlesen kann ; und 
was das an letzter stelle genannte betrifft, so denke man nur 
an das konstante ro ni\xntov fjigog rwv xprjqxav ftij xaralaßth. 
P. 7 ist bei nagußahsiv mit dem räum etwas zu haushälterisch 
verfahren: „nagußuhsiv I, 65, 24 — VI, 12, 11 (mit dem dativ 
VII, 40, 20)". Kurze zusatze hätten auf den unterschied der 



Nr. 2. 18. Herodotos. 95 

bedeutung aufmerksam machen sollen ; nur in der ersten stelle 
hat das verbum die gewöhnliche konstruktion mit dem accusativ 
der sache, in der zweiten ist es mit dem accusativ der person 
verbunden und in der dritten (mit dem dativ) ist es = tjv na- 
QaßazTjg (Stein). Im übrigen ist hier Schaeffer wieder vollstän- 
diger als Böttcher. Drittens endlich ist p. 5 zu n?nq>eöf)ai an- 
geführt „mit dem accusativ der person III, 1, 6". Es haben 
zwar alle Codices og fi£^q>6^evog * ' Anaaiv eng^s ravra und dies 
hat auch Stein aufgenommen, aber er verbindet " Aftaaiv mit 
etTQT]<;e ; die meisten herausgeber haben 'Afiäoi geschrieben. 

Der vorzug von Böttchers arbeit besteht, wie schon er- 
wähnt ist, besonders darin, daß er überall die Varianten berück- 
sichtigt und damit nicht unwesentlich zur emendation des he- 
rodoteischen textes beiträgt. In der beurtheilung der lesarten 
zeigt er meist ein richtiges , unbefangenes urtheil. Ganz ver- 
fehlt möchte ich nur seine bemerkungen p. 3 zu I, 90 tw Osm 
7ovto (so ~Py7ovrcor dz , 7ov7coi oder iov7G> ABCRs) bezeichnen. 
,, (Indessen) Defriedigen weder 7ovicov noch roiro, jenes nicht, 
weil es abweicht von dem herodoteischen Sprachgebrauch und 
die autorität von d und z nicht genügend erscheint; letzteres 
nicht, weil die Verderbnis in den manuscripten gar nicht erklär- 
lich wäre, wenn man 701J70 als die ursprüngliche lesart annimmt. 
Das co, v und i in den manuscripten scheint darauf hinzuweisen, 
daß auf 7oi/7o noch ein wort folgte, und dies war vielleicht die 
partikel ye. Sie würde nicht allein vortrefflich in den Zusam- 
menhang passen , sondern sie findet sich auch ganz ähnlich ge- 
braucht VIII, 143, 4 tovtÖ ys 6vei8i£eii> u . Es liegt doch wohl 
auf der hand , daß 7nvrcp ein alter, aber ganz gewöhnlicher 
Schreibfehler ist, hervorgerufen durch das vorhergehende t<w dsw. P 
hat das richtige aus zufall bewahrt oder durch korrektur gefunden. 
Ich nehme hier gleich gelegenheit an zwei stellen meinen 
text Herodots nach Böttchers Untersuchungen zu korrigieren. 
VII, 86 ist nach PRsz 7ajy7r^i für t«^vt^t« zu schreiben (so 
verlangt auch Cobet) und II, 147 ig vor SvcäSsxa ptoigag nach 
Rsv zu tilgen , wie auch sonst die meisten herausgeber gethan 
haben. Richtig führt verf. an, daß die praeposition nur in der 
Verbindung ig dioägv^ag Stalaßsiv oder na7a7ifxvsiv gebraucht 
ist. Hier ist der grund auch ersichtlich; die praeposition be- 
zeichnet zugleich die richtung, die dem wasser gegeben wird. 



9G 19. Äiliänos. Nr. 2. 

Etwas anders steht es II, 4. Eichtig wird wohl auch V, 41 
70 duvTSQov snsX&ovaa als ein glossein, das dann durch xai später 
in den text eingefügt ist, erklärt. Verf. stimmt hierin, ohne es 
zu wissen — und dieser umstand ist nicht bedeutungslos — 
mit Cobet überein, der nur auch noch das folgende yvvi\ tilgt. 

H. Kallenberg. 

19. Felix Rudolph, de fontibus quibus Aelianus in 
varia historia componenda usus sit. (Aus Leipziger Studien VII 
[1884] p. 1 — 137). 8. 

Quellenuntersuchungen in den compilatorischen werken der 
kaiserzeit gehören zu den unabweisbaren aber schwersten auf- 
gaben der alterthumswissenschaft. Es braucht nur an Diogenes 
Laertios erinnert zu werden: es ist bekannt, welchen Schwierigkeiten 
die forschung bei ihm begegnet, trotzdem er durch eine fülle von ci- 
taten uns vielfachen anhält zur bestimmung seiner quellen bietet. 
Um wie viel mehr ist vorsieht geboten bei einem schriftsteiler 
wie Aelian , der in der Varia historia seine gewährsmänner mit 
sehr wenigen ausnahmen gar nicht nennt. Will man nicht ein 
gebäude von luftigen hypothesen aufführen , so muß man eine 
sichere grundlage haben, von der aus man weiter bauen kann. Die 
hier zu besprechende abhandlung entbehrt einer solchen grund- 
lage. Der Verfasser selbst ist zwar von der richtigkeit dessen, 
was er gefunden zu haben glaubt, so fest überzeugt, daß man 
ihn um die Zuversicht und gewißheit , mit der er von seinen 
resultaten spricht, beinahe beneiden möchte. Referent kann in- 
des diese Zuversicht weder theilen noch irgendwie gerechtfertigt 
finden. Der Verfasser geht von einer vorgefaßten meinung und 
unbewiesenen Voraussetzungen aus, und da er mit gewalt etwas 
beweisen will , was sich schlechterdings nicht beweisen läßt , so 
ist er bemüht, durch einen schwall von allgemeinen redensarten 
und durch beständige betonung der zweiffellosigkeit seiner an- 
nahmen die schwäche seiner argumentation zu verdecken. Eine 
darlegung des inhalts wird zeigen , daß dieses urtheil berech- 
tigt ist. 

Nach einigen einleitenden bemerkungen über lebenszeit des 
Aelian und abfassungszeit seiner Schriften bespricht der Ver- 
fasser zuerst das Verhältnis der Varia historia zu Athcnaeos. 
Daß dieser von Aelian benutzt ist, war bekannt. Nach den 



Nr. 2. 19. Ailianos. 97 

ausführungen des Verfassers sind im ganzen 28 capitel der 
Varia Historia aus Athenaeos compiliert. Merkwürdig ist, daß 
Aelian, wie es scheint, nur die bücher IX X XII des Athenaeos 
ausschreibt. Aus dem umstände nun, daß Aelian den Athenaeos 
benutzt, schließt der Verfasser ohne weiteres, daß derselbe 
auch sonst auf ältere quellen nicht zurückging , sondern nur 
spätere compilationen und Sammelwerke benutzte. Rudolph ist 
der ansieht, daß Aelian außer Athenaeos keinen einzigen der 
erhaltenen Schriftsteller als quelle benutzt hat. Der beweis für 
diese behauptung wird uns vorenthalten : fidem postulo (p. 26). 
Auch die bekanntesten und zu jeder zeit viel gelesenen Schrift- 
steller , die von Aelian selbst bisweilen citiert werden , sollen 
nicht von ihm direkt benutzt sein, Herodot Thukydides Isokrates 
Piaton so wenig wie Aristoteles. Seine gewährsmänner seien 
vielmehr griechische schriftsteiler, welche nach Augustus oder noch 
genauer, wie Rudolph aus gewissen anzeichen schließt, die aber 
für das ganze werk nichts beweisen, unter Hadrian geschrieben 
haben. Auf dieser prämisse baut sich die ganze folgende Unter- 
suchung auf. Der inhalt der Varia Historia zerfällt nach dem 
Verfasser in zwei gruppen : die eine besteht aus einzelnen er- 
zählungen , insbesondere über leben Charakter und ausspräche 
der philosophen, nachrichten über lehren der philosophen, erzäh- 
lungen aus der griechischen persischen ägyptischen geschichte 
und drgl. : alle diese geschichten sind nicht von Aelian selbst 
aus verschiedenen quellen geschöpft , er verdankt sie vielmehr 
sämmtlich einigen Schriftstellern icommentariorum auetores , qui 
quaeeunque digna memoria aequaliumque sensibus apta et aecommo- 
data cum alibi tum in historiis de vitis philosophorum conditis legis- 
sent, sine via et ratione consarcinaverint : p. 38). Die andere 
gruppe bilden anekdoten und notizen ähnlichen inhalts, die Ae- 
lian in einem oder in mehreren aufeinanderfolgenden capiteln zu- 
sammenstellt. Alle diese stücke stammen aus dem Sammelwerk 
eines Schriftstellers, qui haec exempla . . . in usum rhelorum de- 
clamatorumque collegerit. Dieses Sammelwerk war alphabetisch an- 
gelegt: illa vero miscellanea ad ordinem litter arum disposita fuisse 
in suspici onem venit. Illustriert wird diese vermuthung 
durch eine inhaltsübersicht über einen großen theil der Varia 
Historia mit angäbe der lemmata, unter welchen die betreffenden 
erzählungen in einem reallexikon etwa gestanden haben könnten. 
Philo!. Anz. XVI. 7 



98 19. Ailianos. Nr. 2. 

Hier einige proben. V. H. I, 1 — 13 in quodam verum lexico ex- 
stare potuerunt — s. v. f(jm. V. H. II, 22. 23 s. V. evfnfACOJuroi, 
weil in II, 22 das erste wort eiiioueordiovs ist. V. H. II, 25 
s. v. e§, weil das capitel mit den Worten beginnt r/)i mtt\v tov 
Qaoyijlimoi; . . . . V. H. II, 34 — 36 (ausspräche über das alter) 
s. v. yi/Qug. V. H. III, 2 — 7 s. v. /.leyaXaq'poovri], weil in III, 6 
das wort ftsyal^q^cov vorkommt. V. H. XII, 16 s.v. ^r/loTvnia, 
weil dort das wort ^tjXnTv.iait.tTn vorkommt. V. H. XII, 29 — 32 
s.v. Tovq //, weil in XII, 30. 31 das wort TQvq-ij vorkommt u. s.w. 
Man sieht, daß dies alles rein willkürliche vermuthungen sind, 
die jeder thatsächlichen grundlage entbehren. Dem Verfasser 
aberscheint diese entdeckung völlig sicher: c onfir m at a est ea 
quam supra monuimus suspicio (p. 45). Und wiewohl Aelian ge- 
flissentlich die spuren der benutzung eines derartigen Wörter- 
buches verwischt habe , so glaubt der Verfasser doch noch viel- 
fach solche zu erkennen, er weiß uns anzugeben, wo Aelian 
sich an die alphabetische Ordnung seiner vorläge hielt und wo 
er von ihr abwich, er weiß auch, warum der anfang der Varia 
Historia (I, 1—13) unter das lemma £<jö« fällt, warum Aelian 
nicht mit dem buchstaben « begann : scilicet simulatque hunc li- 
brum (das reallexikon) nactus est, pro studio suo animalium , quae 
ipse ante singillatim tractaverat, nihil antiquius habuisse videtur, quam 
ut tu £ 07ot)[H(>v evolveret. — Aus dem umstände, daß manche 
dinge von Aelian zweimal an verschiedenen stellen erwähnt wer- 
den , schließt Rudolph, daß die beiden quellen, die er für die 
beiden gruppen annimmt, mit einander zusammenhängen: „also 
hat eine quelle die andere ausgeschrieben und es ist kein zwei- 
fei , daß der lexikograph (die zweite quelle) die commentarien 
(die erste quelle) benutzt hat: Aelian hat also, da er einige er- 
zählungen doppelt hat, die commentarien in zweifacher weise 
benutzt, sowohl direkt als indirekt durch das lexikon". So fast 
wörtlich die argumentation des Verfassers (p. 47). Ueber die 
art dieser Schlüsse braucht ref. wohl kein wort zu verlieren. 
— Der kreis der Schriftsteller, die nach dem vorausgegangenen 
in frage kommen können, ist eng begrenzt: die quellen der V. H. 
sind Schriften vermischten inhalts aus der zeit nach Augustus 
bis Hadrian. Es gehören hierher der XnifAOor des Pamphilos, 
die iaioQ/na vnofivijfiata der Pamphile , die xi ) V (,Tn f l '^ e,a ^ es 
Philon von Byblos , die noixihj qitlo/H/üeiu des Telephos , die 



Nr. 2. 19. Ailianos. 99 

ano^vrifxorsvfiata und die narrodan?] icsTopia des Favoriuus , die 
navTodan)} vir} des Alexander von Kotyaeion und einige andere. 
Von diesen können aber nach dem Verfasser nur diejenigen in 
betracht kommen, die sich auch mit dem leben der philosophen 
beschäftigen — , also nur Pampbile und Favorinus. Die 
beiden folgenden capitel , der mittelpunkt der ganzen schrift, 
handeln von Favorinus und dessen benutzung durch Aelian. 
Den inhalt der naviodum) iaroglit bestimmt der verf. nach der stelle 
des Gellius XIV, 6, die er mit Nietzsche auf Favorinus bezieht. Mit 
Maaß u. a. ist er der meinung, daß das werk lexikalische form 
hatte und alphabetisch geordnet war. Den gegen diese annähme 
erhobenen einwand, daß Diogenes Laertios über denselben Piaton 
einmal (III, 7) das zweite buch , ein andermal das achte buch 
der navTodanrj larogta des Favorin citiert, sucht der Verfasser 
durch die erklärung zu beseitigen, daß das erste citat aus dem 
lemma Ötdloyoi, das zweite aus dem lemma wpcörot,' stamme: 
jedes buch nämlich soll zwei buchstaben umfaßt haben, also z. b. 
das achte buch 77 und 77. Diese erklärung stützt sich aber auf 
unbewiesene annahmen des Verfassers und wäre auch nur dann 
statthaft, wenn bereits bewiesen wäre, daß die nurtodu/it) larogCa 
ein lexikon war. Ref. bestreitet diese lexikalische form des 
werkes und hält an der von Photios (Bibl. p. 103b) bezeugten 
eintheilung in 24 bücher fest : die einzelnen bücher waren nach 
dem aiphabet benannt, ä — 57 (vgl. Wilamowitz , Philol. unters. 
III, 145). Die beiden quellen also, von denen oben die rede 
war, aus welchen hauptsächlich die V. H. compiliert sein soll, 
glaubt der verf. in den änoui'ij/xovsvfiaTa und der navtitbanr^ 
loTOQt'a des Favorin gefunden zu haben. Ein wichtiges beweis- 
moment scheint ihm die mehrfache Übereinstimmung zwischen 
Diogenes Laertios und Aelian. Er stimmt Maaß darin bei, daß 
Diogenes einen großen theil seines Werkes dem Favorin verdanke. 
Die einsichtigen bemerkungen , welche Wilamowitz an Maaß' 
ausführungen geknüpft hat, wodurch dessen theorie in der haupt- 
sache zu falle gebracht ist, haben auf Rudolph keinen eindruck 
gemacht. Da Diogenes die beiden Schriften des Favorin sicher 
benutzt habe, so sei es wahrscheinlich, daß er ihn auch an stel- 
len, wo er ihn nicht nennt, excerpierte : itaqueilla Aeliani cum Dio- 
gene congruentia ad Favorinum referri potest (p. 58). Die all- 
gemeinen Voraussetzungen sind also sehr problematisch. Man 

7 * 



100 19. Ailianos. Nr. 2. 

sollte nun wenigstens erwarten, daß der Verfasser im stände ist, 
eine möglichst große Übereinstimmung zwischen Aelian und den 
ziemlich zahlreichen fragmenten des Favorin oder stellen des 
Diogenes, die auf Favorin zurückgehen, nachzuweisen. Das ist 
aber keineswegs der fall. Weshalb V. H. IV, 9 aus Fa- 
vorin sein soll , vermag ref. nicht einzusehen : Diog. La. HL, 
25 gibt aus Neanthes eine kurze notiz über Platon's aufent- 
halt in Olympia, auf den sich auch die ausführliche erzäh- 
lung des Aelian bezieht. Aelian soll hier aus Favorin ge- 
schöpft haben , — weil Diogenes kurz vorher und nachher den 
Favorin nennt (aber für ganz andere dinge). Selbst wenn Dio- 
genes das citat aus Neanthes dem Favorin verdankte, so folgt 
doch daraus für Aelian nichts, denn die notiz des Neanthes hat 
mit der erzählung des Aelian nichts zu schaffen. Aelian V. H. 

IV, 13 citiert einen ausspruch des Epikur m ölCyor ovi Ixa- 
ii()v, äXXa 7ov7q> ys ovdsv ixaror: seine quelle soll Favorin sein, 
weil Gell. IX, 8, 4 und Stob. Flor. 49, 8 eine ähnliche äuße- 
rung des Favorin anführen. V. H. II, 13, wo von Aristo- 
phanes' Wolken die rede ist, hat nicht die geringste ähnlichkeit 
mit Diog. II, 38. 39 (anklage des Sokrates): nichtsdestoweniger 
wird das capitel auf Favorin zurückgeführt, weil Diogenes mehr- 
mals den Favorin nennt (natürlich für andere dinge) und weil 
— man staune! — bei Aelian hier das wort a tu vXqv vorkommt, 
das sich auch in irgend einem fragment des Favorin (bei Stob. 
Flor. 65, 8) findet. V. H. XII, 17 wird auf Favorin zurück- 
geführt, obwohl dort augenscheinlich von Demetrios Poliorketes 
die rede ist, während Favorin bei Diog. V, 76 von dem Pha- 
lereer spricht. Zum beweise, daß V. H. III, 2 — 7 (beispiele 
von usyalocfQonvviq) aus Favorin stammen , wird Diog. IX, 20 
und II, 54 citiert: Diog. 11,54 stimmt allerdings mit Ael. III, 3, 
aber es wird keine quelle genannt; IX, 20 aber, wo Favorin 
citiert wird, berichtet Diogenes etwas ganz anderes als Ael. III, 2. 

V. H. IV, 8 (beispiele von /tsTaßo}al rijg tv^ijs) soll aus Fa- 
vorin sein, weil in einem fragment des Favorin (fragm. 113 
Marres) die worte vorkommen : . . . t««,' [ASTaßoXag rrjg t^?/<? 
yevvafmg Inlmaao cptgetr. V. H. XII, 22 (Ursprung des Sprich- 
worts äkXoc; ovtoii 'Hgaxlrj*:) soll aus Favorin stammen, weil in 
einem fragment desselben (bei Phryn. p. 37 Lobeck) die worte 
allng ovrng 'HgaxXtjg vorkommen; letzteres ist aber auch ein 



Nr. 2. 19. Ailianos. 101 

mißverständnis j Phrynichos citiert aus Favorin nur die form 
int^tltvaöftatng, die worte aXXog ovrog 'Hga-ulrjg gehören dem 
Phrynichos. Diese beispiele genügen wohl, um zu zeigen, wel- 
cher art die beweise des Verfassers sind. Die möglichkeit , daß 
Aelian auch die Schriften des Favorin benutzt hat , soll nicht 
durchaus in abrede gestellt werden. Nur daß Favorin seine 
hauptquelle gewesen sei, daß Aelian, wie der verf. behauptet 
(p. 81), etwa die hälfte des inhalts der V. H. aus Favorin ent- 
lehnt habe , kann ref. nach diesen beweisen nicht zugeben. — 
Dafür, daß Aelian die compilationen der Pamphile benutzte, 
führt Rudolph zunächst einige allgemeine gründe an. Mehrere 
capitel der V. H. , in denen persische geschichten erzählt wer- 
den , scheinen auf Ktesias zurückzugehen : unter den Schriften 
der Pamphile wird auch eine epitome des Ktesias angeführt. 
In der V. H. finden sich eine menge ägyptischer geschichten : 
Pamphile war Aegypterin oder lebte in Aegypten. Beweisend 
ist aber nur die Übereinstimmung von Ael. V. H. II, 42 mit 
dem fragment der Pamphile bei Diog. La. III, 23. Auch V. H. 
XII, 35 erinnert an Pamphile bei Diog. I, 98. Unsicher ist 
die vermuthung , daß Aelian die Schriften der Pamphile durch 
Vermittlung des Favorin benutzte. Daß Favorin die Pamphile 
ausschrieb , ist an sich möglich , folgt aber nicht aus Diog. La. 
I, 98 und 68. Steph. Byz. s. v. 'Pontig ist heillos corrupt. 

Es folgen zwei excurse de aliis quibusdam quaestionibus Ae- 
lianeis. 1. nsQi Cww»' und jtomCi-ij iarogla sind von demselben 
Verfasser ; letztere ist nach Rudolph später verfaßt (die entge- 
gengesetzte ansieht äußert R. Schöner, de Claudio Aeliano, Bres- 
lau 1873, p. 13: diese schrift scheint dem verf. unbekannt ge- 
blieben zu sein). 2. Aus dem fragmentarischen zustand der 
V. H. hat man geschlossen , daß uns die schrift nicht vollstän- 
dig, sondern nur auszugsweise erhalten ist : der verf. sucht diese 
ansieht zu widerlegen und schließt sich der Gesner'schen ver- 
muthung an, wonach wir in der V. H. nicht ein vollendetes 
werk, sond3rn nur eine materialien - Sammlung zu erblicken ha- 
ben (ähnlich R. Schöner p. 6). — Nach dieser absebweifung, die 
der verf. zweckmäßiger in der einleitung angebracht hätte, kommt 
er am Schlüsse nochmals auf Favorin zurück. Er will die entdeckung, 
daß Aelian's V. H. gleichsam eine epitome der natToSanrj iozo- 
Qia des Favorin sei, weiter verwerthen. Das werk des Favorin, 



102 19. Ailianos. Nr. 2. 

„wie das Brockhaus'sche conversationslexikon ein thesaurus aller 
wissenswerthen dinge", müsse auch von andern compilatoren 
stark benutzt sein. Rudolph denkt zuerst an Athenaeos: tan- 
dem verus eins et geminus fons detectus est: sunt ötini oauqtmui . .. 
excerpta lexici Favoriniani in formam sermonum convivalium redacta 
(p. 109). Und die gründe für diese behnuptung? Sehen wir 
uns einige der beweise an. Athen. I, cap. 15 — 23 sollen aus 
Favorin sein; denn 1) Favor. b. Diog. V, 9 berichtet, Aristo- 
teles habe, als er Athen verließ, auf die Sykophanten anspielend 
den homerischen vers citiert '(>)i vr i f;7 ' '''TX''V y>iQÜaxti, gvxov ß' 
in) at'yq> : denselben vers citiert Athen. I, p. 9e und 24 f. — 
aber in einer ausführung über das leben der beiden bei Homer! 
2) bei Ael. V. H. XII, 31 (wo angeblich Favorin zu gründe 
liegen soll) wird unter den verschiedenen weinarten auch der 
Tlgdfintiog erwähnt: Athen. I, 10a macht über den TJgäftvftog 
ohoc eine beiläufige bemerkung. — Steph. Byz. s. v. XtlidUim 
erwähnt die Chelidonischen felseninseln und citiert dabei 
Favorin : damit sollen wir Athen. IX, 401a vergleichen, — wo 
von Chelidonischen hasen die rede ist! Wenn eben dort von 
Athen, für dieselbe notiz Theopomp citiert wird , für welche 
Steph. Byz. s. v. Binulria Theopomp und Favorin nennt , so 
braucht doch Athen, die notiz nicht gerade aus Favorin zu 
haben. Rudolph behauptet es und schließt aus dieser stelle ohne 
weiteres, daß Athenaeos alle thiergeschichten, also buch 
VII, VIII, IX, aus Favorin habe. Athen. XI, cap. 112-120 
werden, obwohl eine derartige polemik gegen Piaton dem Pla- 
toniker Favorin keinesfalls zuzutrauen ist, trotzdem auf Fa- 
vorin zurückgeführt, — weil im anfang von der fy'koTvnict zwi- 
schen Xenophon und Piaton die rede ist und weil Ael. V. H. 
XII, 16 (CrjloTvnia Alexander's gegen seine freunde) nach 
ansieht des Verfassers aus Favorin stammt. Diese beispiele 
mögen genügen, mit den andern beweisen steht es nicht viel besser. 
Das ,,dogma" von der benutzung des Pamphilos durch Athenaeos ist 
durch Rudolph nicht erschüttert, wir werden vorläufig noch davon 
absehen, Favorin an die stelle des Pamphilos zu setzen. — Von 
Athenaeos wendet sich der verf. zu Diogenes Laertios, und ob- 
wohl eigentlich seine ganze Untersuchung auf der Maaß'schen 
theorie über Favorin basiert, so will er doch in seinen resultaten 
über Aelian eine bestätigung der Maaß'schen resultate über die 



Nr. 2. 20. Strabo. 103 

quellen des Diogenes erblicken. Daß so die Diogenes-frage nicht 
gefördert wird, ist klar. 

Ref. glaubt gezeigt zu haben , daß des Verfassers theorie 
über Favorinus als haupt quelle des Aeliau nicht als bewiesen 
gelten kann. Gesetzt aber auch , die resultate wären richtig, 
was wäre damit gewonnen? wir würden an stelle des compila- 
tors Aelian den compilator Favorin haben. Um zu wissen, wel- 
cher werth den nachrichten Aelian's zukommt , müssen wir die 
primärquellen kennen. Der verf. hätte ein verdienstliches werk 
gethan, wenn er die erforschung der primärquellen der Varia hi- 
storia in angriff genommen hätte. Bei einer solchen Untersuchung 
dürfte sich auch herausstellen, daß Aelian nicht blos zwei oder 
drei Sammelwerke geplündert, sondern viele bücher gelesen und 
fleißig excerpiert und die excerpte vielfach selbständig verar- 
beitet hat. Aelian ist nicht der purus putus compilator und ex- 
scriptor iners, als welchen ihn der verf. hinstellt. 

Leopold Colin. 

20. G. Cozza Luzi, della geografia di Strabone fram- 
menti scoperti in membrane palimseste. Pars prima. Roma 1884. 
89 p. Estratto dal periodico Gli studi in Italia. 

Man erinnert sich wohl des großen aufsehens, welches im 
jähre 1874 durch die nachricht hervorgerufen wurde , es sei in 
der bibliothek der Basilianer - abtei Grottaferrata bei Rom ein 
sehr alter codex rescriptus des Strabon aufgefunden worden. 
Freilich wurden dann die an diese meidung geknüpften erwar- 
tungen durch die erste Veröffentlichung über den fund (Dell' 
antico codice di Strabone scoperto nei palimsesti della badia di 
Grottaferrata, memoria di G. Cozza, Roma, Spithoever 1875) 
nicht wenig getäuscht (vgl. Cobet, Miscell. crit. 1876, p. 86 ff. 
Kramer im Hermes bd. X; Philol. 39, heft 2, p. 331). Denn 
die darin mitgetheilten proben bewiesen , daß man es zwar mit 
einer in der that sehr alten, in unzialen geschriebenen handschrift 
zu thun hatte, daß dieselbe aber bereits durch viele lücken und 
fehler entstellt war. Als sich nun gar herausstellte, was aus 
jener Veröffentlichung noch nicht ersichtlich war, daß der ganze 
fund nur drei, zum theil sehr schlecht erhaltene blätter umfaßte 
(s. Philol. 42, p. 539), da schien jede hoffnung aufzugeben, daß 
derselbe einen irgendwie in's gewicht fallenden gewinn bringen 



104 20. Strabo. Nr. 2. 

würde. Da ist es denn immerhin erfreulich, aus der obigen schrift 
zu erfahren , daß Cozza , der inzwischen zum vice - bibliothekar 
an der Vaticana befördert worden ist, in dieser bibliothek eine 
reiche anzahl (copioso numero) von bruchstücken desselben codex 
aufgefunden hat. Dieser nämlich war — allerdings, wie die blätter 
in Grottaferrata darthun, nicht vollständig — im jähre 1840 aus 
der abtei nach Rom geschickt worden, um daselbst eingebunden 
zu werden, kehrte aber nicht wieder zurück. Dagegen tauchten 
einige jähre später zahlreiche lose blätter aus demselben bei 
dem antiquar Agazzi in Rom auf. Hier erstand sie 1844 der 
bekannte cardinal Mai, und mit seiner bibliothek wanderten sie 
dann in die Vaticana, wo sie jetzt Cozza der Vergessenheit ent- 
rissen hat. 

Leider werden wir aber betreffs dieser bruchstücke auf ei- 
nen zweiten theil verwiesen, während der uns vorliegende erste 
nur eine vollständige wiedergäbe dessen bietet, was auf den drei 
blättern von Grottaferrata noch lesbar ist. In anbetracht des 
hohen alters der handschrift — über welche Cozza's gewähi's- 
mann, der Mailänder bibliothekar Ceriani urtheilt, daß sie dem 
siebenten, wenn nicht gar dem sechsten Jahrhundert angehört — , 
könnte der herausgeber auch für diese gäbe unseres dankes ge- 
wiß sein, wenn nicht mancherlei Wahrnehmungen uns mißtrauen 
gegen seine Sorgfalt und Zuverlässigkeit einflößten. Dahin ge- 
hört, um mit etwas äußerlichem zu beginnen , die beobachtung, 
daß bei der Zählung der fragmente sowohl im text als im index 
große Verwirrung herrscht, so daß 23 gezählt werden, während 
es in Wirklichkeit 24 sind. Vergleichen wir ferner die hier aus 
dem oben angeführten saggio wiederholten partien mit dem da- 
mals gegebenen texte, so nehmen wir wahr, daß zwar erhebliche 
unterschiede zwischen ihnen nicht bestehen, aber doch einzelne 
buchstaben jetzt als gelesen verzeichnet werden , welche damals 
ergänzt wurden , und umgekehrt jetzt ergänzungen angedeutet 
sind , wo damals die buchstaben als in der handschrift lesbar 
aufgeführt wurden. Diese abweichungen können doch nur zum 
theil dem an manchen stellen freilich in der that verzweifelten 
zustande der blätter schuld gegeben werden. Das schlimmste 
aber ist , daß der herausgeber uns jede aufklärung darüber 
schuldig bleibt, wie es kommt, daß ein in der schrift von 1875 an 
erster stelle veröffentlichtes bruchstück sich iu der jetzigen samm- 



Nr. 2. 20. Strabo. 105 

lung gar nicht wieder vorfindet. Der herausgeber spricht nur 
von drei blättern — auch mir sind im herbst 1882 nicht mehr 
zu gesicht gekommen — , auf einem von diesen dreien aber 
kann das fehlende stück nach seiner beschreibung derselben 
nicht gestanden haben, woher kam es also damals? und wohin 
ist es jetzt gerathen? 

Gereichen schon diese mängel dem schriftchen nicht zur 
empfehlung , so sind die noten und excurse , die den einzelnen 
stücken beigegeben sind , als nahezu werthlos zu bezeichnen. 
Vor allem verrathen dieselben eine erstaunliche unkenntniß des 
griechischen , wie unten an beispielen gezeigt werden wird , au- 
ßerdem aber werden zwar die abweichungen von dem Kramer'- 
schen beziehungsweise Müller'schen texte angemerkt , verglei- 
chungen mit den übrigen handschriften aber nirgends angestellt. 

Ehe wir nun an die betrachtung des einzelnen gehen , sei 
noch die bemerkung vorausgeschickt, daß jedes blatt ursprüng- 
lich auf beiden seiten mit je drei columnen von 38 zeilen — 
die zeile zu 12 — 16 buchstaben — beschrieben war. In folge 
verschiedener einwirkungen, namentlich der nässe, sind aber da- 
von nur 24 mehr oder weniger umfangreiche bruchstücke übrig 
geblieben. 

Das erste blatt enthält deren sechs, von denen das erste 
mit den Worten beginnt: nonbv dt) tovto b. 10, cap. 3, §9 und 
das letzte mit ßtotav in § 13 desselben capitels schließt. 

In fragm. 1 ist bemerkenswerth , daß während die übrigen 
handschriften hinter 7<kg fxsv (Atzä jtovGutijg fortfahren: rag de 
fit] • xai tag [asi' (Avatixaig, rag ö' 8» qiavtow, hier gleich darauf 
folgt: tag ö' gjuqp« vmg , also offenbar eine von Cozza freilich 
nicht eingeräumte Kicke vorhanden ist. In der schwierigen und 
viel erörterten stelle tj tu yug artatg tbv vovv anäyn ano tcöv 
av{)()C077t,-Awv äa/oXij(idT(ar , tbv öl ovtcoq vovv rosaei ngbg ro 
dtlov hat der codex dnttyovoa, aber gerade die wichtigen worte 
hinter tbv sind ausgefallen bis nti. Trotzdem hält Cozza in 
seiner begeisterung für seinen codex durch die lesart änäyovaa 
alle Schwierigkeiten für gelöst, indem er ds('>v7cog liest und so- 
dann übersetzt : nam remissio abstrahens mentem ab humanis oc- 
cupationibus conv enienter convertit animum etc. ! 

Aus fragm. 2 ist hervorzuheben , daß zwischen toiovtov 8s 
und Tb xatQtiv ein gut passendes x<n steht. Weiterhin ist hinter 



106 20. Strabo. Nr. 2. 

eooTii^ii' die lesung sehr unsicher, jedoch scheint soviel gewiß, 
daß der text kürzer war als in den anderen handschriften, und 
wenn die folgende zeile wirklich mit Xta&cti anfängt, so muß 
auch der Wortlaut ein anderer gewesen sein. 

Fragm. 3 und 4 sind ganz kümmerliche reste ; fragm. 5 
fehlen hinter nai8a die worte: rrj 8' avT\] fnifis'kirCa — naga- 
dtSooüat (Medic. 28, 19 und Madvig Advers. crit. I, p. 557 
7zaga8(86aai). Auch ist im folgenden zwischen den erkennbaren 
buchstaben weder für den ganzen satz r/rot. — xovgoTgoqiiv 
noch für liytrni yag anyrntgag genügend platz. Es hat daher 
ganz den anschein, als ob die in den Worten 7/7 8 1 at'r/7 — na- 
Q(i8i'8on&ai und ?} 5/« to xovgorgnqtiv ausgesprochene zweite 
erklärung des namens Kovgqrec sowie die dazu in beziehung 
stehenden worte ijToi und Xf'yfrni yäg dj-Kiorsgooi; nicht in der 
Cozza'schen handschrift gestanden haben. Ist diese vermuthung 
richtig, so fragt es sich : haben wir es hier mit einer lücke im 
codex rescriptus oder aber mit einer interpolation in den ande- 
ren handschriften zu thun? Zur beantwortung dieser frage 
dürfte es sich empfehlen eine stelle von ganz ähnlicher beschaf- 
fenheit in fragm. 6 zur besprechung mit heranzuziehen. In den 
übrigen handschriften nämlich beginnt § 13 fjtlgrvgeg ö"' 01. noi- 
tjtai reo»' toioitcov vfiovnimt' • rs yag üivSagog und darauf 
folgt ein längeres citat aus diesem dichter, in welches einzelne 
bemerkungen eingestreut sind. Dann heißt es weiter : E'vgmi- 
drjg Tf sv zaig B<txx<ttg zw nnganlipia notri rofc (Jtgvyiniq aua 
etc. In unserer handschrift dagegen folgt auf vnovoimv (sie 
schreibt i n iimiSv) unmittelbar EvglJ^(8}]l,• 7s und 7a naganli'/Oia 
notsi fehlt. Cozza neigt nun zu der annähme , daß das ganze 
citat aus Pindar eine bei den späteren handschriften in den 
text gerathene randbemerkung ist, mithin sein codex allein das 
ursprüngliche bietet. Diese erklärung ist an und für sich an- 
sprechend genug, er übersieht aber dabei, daß vorher von noi- 
i]Ta I. die rede ist und daß Euripides als einziges beispiel für 
die vorher aufgestellte behauptung unmöglich durch ein einfaches 
te eingeführt werden kann. Ich halte es deshalb für wahrschein- 
licher, so auffällig diese erscheinung auch sein mag, daß hier 
wie an der vorher erwähnten stelle eine mit bedacht vorgenom- 
mene auslassung vorliegt. Dagegen finden sich in demselben 
fragment am ende noch einige worte, welche in keiner andern 



Nr. 2. 20. Strabo. 107 

handschrift stehen : xata öuyxonrjv 8s Kvyßavrag , aber bei dem 
ausgesprochen grammatisch-antiquarischen gepräge dieser ganzen 
partie sehr wohl echt sein können. Im übrigen wimmelt gerade 
dieses bruckstück von Schreibfehlern ; zur probe nur ein stück : 
EvQirtlötjg TS sv TS Ba y %aig tolg (pqvytoig apa xal tu Av8ia 
avficfSQov 8ia rh o/i r\ qov etc. ofujQov geben allerdings auch 
die anderen Codices , und während Meineke dasselbe in npwQov 
geändert hat, vertheidigt es Cozza, da es sowohl blind als ver- 
wandt bezeichne, und hebt dabei hervor, daß die in seiner hand- 
schrift fehlenden worte tu naunnXriaia noisi auch um deswillen 
nicht erträglich seien, weil 8iä to o/jyQov lediglich eine Wieder- 
holung des durch jene ausgedrückten gedankens sein würde! 

Auf dem zweiten blatte unterscheidet der herausgeber acht 
bruchstücke , deren inhalt dem achten buche , und zwar dem 
zehnten und elften paragraphen des vierten und dem ersten 
und zweiten des fünften kapitels angehört. Das erste derselben, 
welches mit den Worten nksnvdxtg 8s beginnt, ist bereits aus 
der ersten Veröffentlichung bekannt und von Kramer und Cobet 
a. a. o. besprochen worden. Erwähnung verdient hier nur, daß 
lin. 7, wo damals wie in den anderen handschriften m(r«ri|- 
aiv gelesen wurde, jetzt xaTäarrjaiv steht, wobei es jedoch zwei- 
felhaft bleibt, ob n ergänzt oder wirklich gelesen ist. Sehr un- 
glücklich ist Cozza's versuch , das hinter noirjfiaaiü stehende of- 
fenbar falsche avtmv zu verwerthen. Er legt nämlich die worte: 
Trjv nQOOTijv xaraaTijaiv avzäv qnjaiv Tvqtuioq iv Tolg nonmaaiv 
avtäii xuTa tobe rwv naTSQtav narsgag ysvsa&at folgendermaaßen 
aus : Tyrtaeos sagt, daß nach ihren d. i. der Messenier gedien- 
ten die erste erhebung (sollevazione) derselben zur zeit der groß- 
väter erfolgt sei. Außerdem bekämpft er in derselben weise 
wie in seiner früheren schrift , nur noch viel breiter Kramer's 
conjeetur nal AgxdSug für xul 'Hlsiovg lin. 14, welches seine 
handschrift gleich den anderen bietet. Nur zur kennzeichnung 
seiner akribie bemerken wir , daß er in seiner polemik bestän- 
dig, und zwar das erste mal sogar mit einem sie dahinter , von 
der conjeetur xa) 'Aoxadsg spricht. 

Auch das folgende fragment (acht) ist schon bekannt. In 
dem texte desselben ist hinter '/.aTslv&ijnav ein n so gedruckt, 
daß man annehmen muß, dasselbe sei noch erkennbar, während 
aus der weiterhin folgenden besprechung das gegentheil hervor- 



108 20. Strabo. Nr. 2. 

geht. Es ist daher gegenüber der ergänzung des herausgebers 
navTsläg an relemg festzuhalten. 

Fragm. 9 — 11 bieten nichts neues von belang. 

In fragm. 12 hat v. 37 — 38 unsere handschrift allein die 
richtige Wortstellung. Die anderen schreiben hier nämlich : i]>v- 
yiovvia axga%> dCag/nü iari rijg KvQijvaiag , ngog votop, jene da- 
gegen richtig rtjg Kvgtjtttiag diagpa eanv. 

Ebenso giebt sie in fragm. 13 au einer stelle allein das 
richtige (abgesehen von dem Schreibfehler im verbum) nonxeiv- 
tai de 7ovtov xa\ ra Kv&rjQa. Die übrigen lesen : noöxetiai 
xara tovtov Kidtiga , woraus Koraes xa) tovtov und weniger 
gut Madvig Adv. crit I, p. 553 x«t« tovto gemacht hatte. 
Auch ist nicht zu übersehen, daß Cozza lin. 36 hinter orndimv 
svi, zu erkennen glaubt. Im cod. A (Paris. 1397) ist nämlich 
hier die zahl ausgefallen ; einige andere haben mehr oder min- 
der deutlich Siaxoßioov , was aber der Wirklichkeit so sehr wi- 
derspricht, daß Großkurd emaxonimv und Müller (nicht Meineke, 
wie Cozza angiebt) ivvaxootav vorschlug. Da nun, was Cozza 
als i liest, recht wohl der erste strich eines v oder « sein kann, 
findet Müller's vermuthung hier eine gewisse bestätigung. 

In fragm. 14 finden wir wie in allen anderen Codices 'Apa- 
&ovg , in Übereinstimmung mit A den fehler rvdiov statt des 
genetivs hinter fAStn^v (Cozza freilich liest und interpretirt ohne 
jedes bedenken ^btu^v ridiot), aber auch gegen alle anderen 
das richtige 'Ax g aCoov (ai übergeschrieben). Das dritte blatt 
endlich enthält zehn zum theil sehr geringfügige bruchstücke, 
welche zu dem ersten capitel des 17. buches gehören, und von 
denen das erste anfängt mit e<m» in 1 dxga> iatm\v ejovaa § 15, 
das letzte mit den Worten aus §18 schließt: ^evSoarofiara • fyei 
(xsv ovv. Das erste, verhältnißmäßig umfangreiche stück weist keine 
nennenswerthe abweichung von Paris. 1393 (C bei Kramer) auf. 
Zu bemerken ist hier nur, daß Cozza enirrjSeta für ein substan- 
tivum hält. Fragm. 16 enthält die Schreibfehler legauxlt] und 
xagdvoiTov , die aber von Cozza aus lauter Verehrung für seine 
handschrift als nebenformen von ieguTixrj und xuqvwzov behan- 
delt werden. In dem sehr kurzen fragm. 17 heißt es im anfang 
von § 16 x«i to* fisyav notafior statt 8 77/ ton (Atyav noiafior. 

In fragm. 18 ist am Schluß lin. 37 hinter /tera de rt]v 8im- 
Qvya ausgefallen. — § 19 besteht aus wenigen buchstaben ; 



Nr. 2. 21. Aristoteles. 109 

fragm. 20 hat vor dem citat aus Homer am ende von §16 statt 
des olr der übrigen handschriften ein yovv. 

Fragm. 21 ist am anfang folgendes erkennbar: iov tixo . . . 
öTudCott,' x . ., während die übrigen tixoai x«J Sy.cnor ataÖioig 
dno — haben. 

Fragm. 22 — 23 bieten nichts der erwähnung werthes; in 
24 endlich nimmt der herausgeber, wie es scheint, mit recht an, 
daß lin. 36 hinter Wtv^oüiö^aza das in den anderen hand- 
schriften stehende aarnuÖTfoa gefehlt hat. 

So viel über den inhalt der drei blätter. Aus dem mitge- 
theilten dürfte ersichtlich geworden sein, daß das nach der er- 
sten Veröffentlichung von Cobet und Kramer über den werth 
dieser handschrift gefällte urtheil bis jetzt keine wesentliche än- 
derung erfahren kann. Aber da andrerseits hier eine offenbar 
sehr alte , von den übrigen handschriften vielfach abweichende 
und zwar an einzelnen stellen auch zu ihrem vortheil abwei- 
chende Überlieferung vorliegt , so erscheint eine recht baldige 
Veröffentlichung der nach Cozza's Versicherung ungleich zahlrei- 
cheren Vaticanischen bruchstücke in hohem grade wünschens- 
wert!). "Was wir von derselben erwarten und hoffen , ist eine 
genaue wiedergäbe der lesbaren buchstaben mit sorgfältiger 
Scheidung zwischen dem, was sicher, und dem, was zweifelhaft 
ist, sowie eine deutliche bezeichnung des umfanges der zwischen 
den lesbaren buchstaben sich findenden lücken ; auf Cozza'sche 
commentare wollen wir dann bereitwillig verzichten. 

A. V. 

21. Aristotelis de anima libri III, recognovit Guilelmus 
Biehl. (Bibliotheca Script. Graec. et Rom. Teubneriana). 
Leipzig, Teubner 1884. VI und 136 p. 8. 1 mk. 20 pf. 

Zwei Vorzüge hat die Biehl'sche ausgäbe der aristotelischen 
schrift ney) xpvx^S vor ihren Vorgängerinnen voraus : 1) der text 
wird noch mehr als es bisher geschehen auf die Pariser hand- 
schrift E gegründet; 2) die commentatoren dieser schrift, welche 
uns durch die treffliche Berliner akademieausgabe (ed. Hayduck) 
zugänglicher wurden , sind wenn auch nicht in vollständiger, 
doch ergiebiger weise benutzt. 

Im ersten punkte hätte Biehl noch weit mehr bieten kön- 
nen , hätte er die haupthandschrift E noch einmal verglichen. 



110 21. Aristoteles. Nr. 2. 

Die notbwendigkeit einer solchen vergleichung erhellt schon 
daraus, daß wir bei mehreren, keineswegs korrupten stellen nicht 
bestimmt wußten v was in der handschrift E steht. 409b 7 z. b. 
finden wir im kritischen apparat avfAfiaivq E (Bck.), avpßiqlpet E 
(Bus.); 422a 11 vXij E (Trend.), vh]i E (Bck. Bus.); frag. II, 5 
Toliom v.u.) diäiota E (Bus.); fragm. III, 20 ij aüy^ E (Bus.), jj 
om. E (Trend.). Durch die gütige Vermittlung meines lehrers, 
prof. Christ konnte ich die handschrift nochmals einsehen und 
theile darnach mit: 409b 7 steht in der handschrift au/A^uln-t; 
422a 11 vkiji. fragm. II 5 lovzoig Öidvoiu-, fragm. III, 20 // <iuq±. 
Außerdem aber hätte eine nochmalige vergleichung der hand- 
schrift an manchen stellen eine andere gestaltung des kritischen 
apparates hervorgerufen; z. b. 403a 8 idiov E, sed „ov u in ra- 
sura; subfuit i6Cot\ co supra ov a manu secunda insertum. 404b 4 d- 
tirfiOTSQOig E. 405a 7 In dt] xal E, sed in rasura. 405a 11 Itnio- 
[isytiai E, sed „Xtnio u inrasura; subfuit [iixyo. ro (Aixyo-iAtysiar. 
405a 16 ndtzcöv E. 408a 11 fitoüi] moXXmn E. 408b 16 nsv om. E. 
sed insertum ab antiqua manu. 409a 15 fAiAounjri E. 416b 14 sag 
av TQtquji. aal E. 422a 10 /} «<?>/] rji oupt'i E. 427a 12 diuiytrov 
vnäoisi ö/fe,- Tftj E; ov% sv ante vnuy%et, yuo ante iw a manu al- 
tera insertum. 434a 5 tov/zoig E pr., zavta E corr., i^ rasura del. 
Diesem dutzend änderungen ließe sich ein weiteres beifügen, 
ganz abgesehen von den zahlreichen fällen , wo die handschrift 
den hiatus beibehält, Biehl aber nicht, und umgekehrt. 

Bedauern müssen wir, daß der kritische apparat nicht ähn- 
lich wie es bereits in der Poetik und Rhetorik und in der eben 
noch im drucke befindlichen ausgäbe der Metaphysik des Ari- 
stoteles von Christ geschehen ist, durch zurückführung mehrerer 
handschriften auf einen gemeinsamen archetypus vereinfacht 
wurde. Biehls eigene worte p. III Sed si cui mirum esse videa- 
tur, quod eos [sc. Codices praeter E) non in familias, ut ita dicam, 
distinctos communi aliqua littera comprehendi, sed singulos separatim 
produxi, hanc ob causam id faciendum putavi, quod in dies magis 
intellexi, quamvis omnes Codices praeter E et L ad unum archetypum 
revocandi atque exemplarium ex communi illo fönte derivatorum duae 
vel tres familiae distinguendae essent , hanc tarnen affinitatem non 
eam esse , quae sine maxima obscuritate compendiis litterarum deno- 
tari posset geben uns den grund hievon an. Daß es trotzdem 
nicht unmöglich ist, eine Vereinfachung de3 kritischen apparates 



Nr. 2. 21. Aristoteles. 111 

ohne der genauigkeit eintrag zu thun vorzunehmen , werde ich 
in einer speciell diesen punkt behandelnden Untersuchung nach- 
weisen. 

Was die benutzung der einschlägigen commentatoren be- 
trifft , so läßt besonders die des Sophonias an genauigkeit zu 
wünschen übrig. Um nur eines anzuführen : 404a 2ü giebt der 
kritische apparat: verba ntQi 8s zovzcop siqijzui, Ök'iti avis^dö^ (pai- 
vtzui Kiro'ftsva, xav rj vijvsfiia navztltji; mihi suspecta videntur ; 
legit quidem ea Philoponus, sed Them. et Soph. non legisse videntur. 
Nun steht aber bei Sophonias (ed. Hayduck) p. 11, 22 — 23: 
nprjTcti 8s avzoiy zovzo , snst awe^wv cpairszat xaovfisvu , xap y 
vtjte/jiCu noXXij. ♦ 

An corrigendis und addendis sind außer den bereits von 
Susemihl in der Deutschen litteraturzeitung, V. Jahrgang, no. 42 
angegebenen noch einige weitere kleinigkeiten zu erwähnen ; so ist 
es 404b 6 anmerkung, da zwei ndaiv in der gleichen zeile stehen, 
zweifelhaft, welches nüan in den bezeichneten handschriften fehlt; 
es muß heißen ufdgconoi^ nc/<ii*] näaiv om. STWX (cf. 409b 9 
anmerkung); 410a 1 fehlt im texte zd azor^sia vor s%i>nzu. 413b 5 
anmerkung gehört auf die andere seite. 414a 1 anmerkung gehört 
eine zeile oberhalb vor diacpogui,", 417a 22 anmerkung fehlt 22 
vor i\iyo(Atv. 420a 31 anmerkung ist das zweite 31 überflüssig. 
425b 30 muß es heißen zozs — 31 xia o incl. om. E. Im index 
fehlt bei xijqÖ^ das citat 412b 7 ; bei xivtiaftut-öixäx; zo 416b 27 ; 
bei ffpco 7 oh- gehört 41 3b 2 vor 414a 13 ; bei qiuvzaaCa fehlt x«t« 
tlqv quzzaotuv ann8i8öiui 402b 23 ; bei x^'Q das citat 416b 26 . 

Das verdienst des neuesten herausgebers beruht aber nicht 
blos in der erweiterung und berichtigung des kritischen appa- 
rates. Er hat sich außer anderem besonders auch dadurch um 
Aristoteles verdient gemacht, daß er das Verständnis der schritt 
nsQi Wv%t]i;, indem er die langen, oft gleich acht seifen umfas- 
senden capitel in mehrere abschnitte theilte , wesentlich erleich- 
terte und förderte. Aber weit öfter noch hätten solche abschnitte 
gemacht werden dürfen ! Ueberall , wo Biehl einen neuen ab- 
schnitt beginnt, ist es, einige formelle bedenken abgerechnet, 
zu billigen. Die bedenken bestehen darin , daß sätze wie 
404a 29-30 ort (asp ovv old uq/aopiup o'iop t' eirui zi t v \pv%tjp ovts 
xvxlq> ntQKps'ytödai, 8tji.ov ix zöov tlyijtAf'vcot eher als schluß der 
geführten Untersuchung oder noch als Übergang zu einer neuen 



112 21. Aristoteles. Nr. 2. 

Untersuchung denn als anfang einer neuen Untersuchung zu be- 
trachten sind; demgemäß wären sie dann an den Schluß der 
geführten Untersuchung oder mit einer neuen zeile zwischen der 
früheren und der wiederum mit einer neuen zeile zu beginnen- 
den folgenden Untersuchung, nicht aber zu beginn der folgenden 
Untersuchung zu setzen. Auch ist sich Biehl mit dem beginne 
von neuen abschnitten nicht konsequent geblieben. Aristoteles 
legt im zweiten kapitel des ersten buches die von ihm über das 
wesen der seele aufgestellten ansichten klar; er theilt sämmt- 
liche lehren in drei theile , indem die einen philosophen die 
seele als ein xiiijtixÖv (cf. 404b 27-29 ) erklären, die anderen als 
ein yi myiGTinöv, die dritten als ein aus diesen beiden zusammen 
bestehendes. Warum bei dieser offenbaren dreitheilung der 
zweite theil vor dem dritten durch beginn eines neuen abschnit- 
tes bevorzugt wird , ist nicht recht klar. Wenn 404b 7 ein ab- 
schnitt gesetzt wird, so muß konsequenterweise auch 404b 27 ein 
solcher gesetzt werden — entweder überall oder nirgends. 

Am besten hätte Biehl gethan, die jetzige, oft ganz wider- 
sinnige capiteleintheilung (s. Biehls eigene bemerkung zu 409a 31 ) 
über bord zu werfen und dafür eine neue, soweit als möglich 
dem sinn entsprechende und das Verständnis fördernde zu treffen. 
Zugleich mit einer neuen capiteleintheilung müßte dann auch 
in der abtheilung der bücher eine änderung eintreten. Christ, 
dem auch diese aristotelische schrift so manche hübsche heilungs- 
versuche korrupter stellen verdankt, weist in seinen „Platoni- 
schen Studien" München 1885 — aus den abhandlungen der 
königl. bayer. akademie der Wissenschaften — p. 23 mit recht 
darauf hin , daß das dritte buch unserer schrift an unrichtiger 
stelle beginnt; er will die beiden ersten capitel des dritten bu- 
ches als zur Untersuchung über die atadqoig gehörig noch zum 
zweiten buche gesetzt wissen; mit dem kapitel drei beginnt dann 
ein neues buch, das von der denkenden seele handelt. 

Zum Schlüsse möchte ich noch erwähnen, daß die von Biehl 
in seiner ausgäbe durchgeführten änderungen des bisherigen 
textes — mag er nun eine bisher unbeachtet gelassene lesart 
einer handschrift oder eines commentators (z. b. des Sophonias 
408a 13 ) in den text aufnehmen oder unpassendes einklammern 
u. dgl. — durchschnittlich gut zu heißen sind. Freilich finden 
sich immer noch stellen , die trotz der Bieul'schen änderung an 



Nr. 2. 22. Hippokrates. 113 

klarheit nicht gewonnen haben. So lobenswerth es an und für 
sich ist, den text der Pariser handschrift soviel als möglich zu 
gründe zu legen , so bin ich doch der ansieht , daß an stellen 
wie 407a 10 die lesart dieser handschrift ihren richtigen platz 
im kritischen apparate hätte. Verständlicher und mit der nach- 
folgenden deduktion stimmender ist unbedingt — wenn man 
nicht die auf Sophonias zurückgehenden conjekturen von Tren- 
delenburg und Torstrik benutzen will — der text der übrigen 
handschriften. A. Stapfer. 



22. Hermannus Uthoff, Quaestiones Hippocraticae. 
Dissertatio inauguralis. Marburgi 1884. 8. 42 p. 

Die dissertation handelt über die drei chirurgischen Schriften 

718QI TtttV tV XS(fal\i TQCOflUTCOV , 7Ztgt uyfAWV Und TlSQt OIQÖQMV. 

Zuerst wird die handschriftenfrage erörtert und die klassifikation 
von Petrequin, Chirurgie d'Hippocrate , Paris 1877 und 1878 
näher begründet. Nach diesem und Uthoff bilden für ntyl üy- 
[xäv der Marcianus 269 (A), der Medic. 74, 7 (B) und die bei- 
den Paris. M und N die erste, der Par. J und der Monacensis 
U die zweite klasse , für neg} uodgav ABMN die erste, der 
Paris. H, welcher für ntg'i ayfAÖov werthlos ist, die zweite, die 
Paris. EK die dritte, der Mon. U und die Paris. FGIJ die 
vierte klasse, für 77£(>/ räi> iv xequlf t igm/nurojv BMN die erste, 
der Paris. C und der Monac. U, welche auf eine quelle zurück- 
gehen, die zweite klat.se. Ich bedauere, daß Uthoff meine mit- 
theilungen über den Med. B zu der letztgenannten schrift, welche 
kurz nach seiner dissertation im Hermes bd. XX, p. 181 flgd. 
erschienen sind , nicht benutzen konnte. Er geht von einer ir- 
rigen Vorstellung aus, wenn er p. 5 sagt: Cum autem MN ex- 
tremam partern libri , qui est de capitis vulnerihus , non exhibeant, 
quam B exhibere videtur, in eam abeo sententiam, ut credam Nicetam 
et auetorem B vel eius prototypi Ms in libris exarandis ex uno fönte 
hausisse. — B schließt heute mit cap. 16 ßeXeog iv reo und hat 
wahrscheinlich die letzten sieben zeilen ebensowenig gehabt wie 
MN, die doch wohl aus B entstammen. 

Hierauf wird über die alten commentatoren gehandelt. 

Diese bemerkungen sind ohne belang, bis auf den nachweis, daß 

der Alexandriner Apollonius von Kittium (saec. I a. Chr.) bei 

der bearbeitung seiner drei commentare zu Trugt agOgoor zwar 

Philol. Anz. XVI. 8 



114 23. Lucretius. Nr. 2. 

ein exemplar des Hippokrates vor sich hatte, aber keineswegs 
immer wörtlich aus demselben citierte. Seinen Varianten ist dem- 
nach kein gewicht beizulegen , während diejenigen handschrift- 
lichen lesarten , mit denen er stimmt , um so besser beglaubigt 
erscheinen. 

Es folgt von p. 14 — 42 die hauptuntersuchung über den 
gebrauch der partikeln und modi. Dieselbe empfiehlt sich durch 
genauigkeit der Statistik und große vorsieht in der Schlußfolge- 
rung. Frühere arbeiten auf demselben gebiete , wie des refe- 
renten Observationes de usu particularum (Göttingen 1870), die 
sich freilich auf ein viel weiteres gebiet und auf die schritten 
tisqI ayfjiäv und n?o) agß'g'mt erst in zweiter linie erstrecken, so- 
wie die Greifswalder dissertation von Kaute über die modi 
(a. 1876) werden im einzelnen mehrfach berichtigt. 

Das resultat der Uthoff'schen Untersuchung ist 1. für die 
modi: der substantivierte imfinitivus, der imperativ und das ad- 
jeet. verb., die in TTfß! uy/twr und nfg) uq&qmv sehr häufig er- 
scheinen, fehlen in atqi 7Öu tv xpqiaXrj jocotaxTcor ganz, 2. für 
die partikeln: ftümi f pi'v, azag verschmäht der Schreiber von 
nfo) roiv iv y-Kpali] ijQtafJitttoov überhaupt, ovi braucht er ganz 
vereinzelt, alles partikeln , die in den beiden anderen traktaten 
sehr häufig vorkommen. Dagegen macht der Schreiber von 
nsg) reo* iv y.ecfnlr tqw^u70)v von der einfachen Verbindung 
rs — xui einen ungleich ausgiebigeren gebrauch. 

Auf grund dieser unterschiede , welche bei der Verwandt- 
schaft des inhalts noch mehr auffallen müssen, theilt Uthoff das 
buch über die kopfwunden dem Hippokrates selbst, die beiden 
anderen Schriften einem andern Verfasser zu, ein resultat, das 
zwar nicht ganz neu (v. Ermerins I, p. 367, III, 1), aber jetzt 
erst durch Uthoff's zuverlässige Untersuchungen gesichert ist. 

Druckfehler enthält die arbeit nicht wenige , auch in den 
citaten z. b. p. 5 de fractis 544, 82, 2 anstatt 544, 38, 2. 

H. Kühlewein. 

23. Lu er ez-s t u d ie n von dr. Ivo Bruns, a. o. pro- 
fessor der cl. philol. in Göttingen. Freiburg i. E. und Tübin- 
bingen 1884. 80 p. 

Ein wesentliches verdienst dieses recht feinen schriftchens 
ist es, für wen Lucrez dichtete, scharf hervorgehoben und von 



Nr. 2. 23. Lucretius. 115 

diesem gesichtspunkte aus widerspräche entdeckt und beleuchtet 
zu haben. Darüber läßt sich Bruns seinem nächsten zwecke 
gemäß nicht weiter aus , welches die allgemeinen oder indivi- 
duellen Ursachen waren, welche Lucrez für Epikur und dessen 
Schöpfung so innig begeisterten ; Bruns will ja nicht Lucrez als 
menschen und dichter würdigen, er will, so scheint es uns, ein- 
mal die frage beantworten, wiefern Lucrez selbständig geschaffen, 
wiefern er sich an epikureische Schriften angelehnt habe und 
sich bei seinem zwecke anlehnen konnte und durfte , wie diese 
schritten beschaffen sein mochten. 

Er will dann besonders aus dem allgemeinen charakter 
der Lucrezdichtung nachweisen, daß auch das erste buch nicht 
fertig, wir möchten sagen, nicht fertiger als die übrigen bücher 
gewesen sei , wie auch hier arbeit verschiedener art und ver- 
schiedener zeiten neben einander liegen. 

Lucrez, sagt Bruns, schrieb für ein großes, zwar nicht über- 
haupt ungebildetes, aber nicht philosophisch gebildetes, also auch 
nicht in den epikureismus eingeweihtes, ihm eher feindselig oder 
wenigstens gleichgiltig gegenüberstehendes publikum , zunächst 
aber wendet er sich an einen einzelnen vornehmen freund aus 
diesem publikum. Es sei ein technischer fehler, daß Lucrez 
seine adresse so gewechselt habe, eine änderung, die er selbst 
dadurch ausgesprochen, daß er I, 921 ein neues proömium ein- 
schiebe. Diese Me mm ius frage ist von verschiedenen verschie- 
den beantwortet worden. Recht gewaltsam wurde jüngst von 
Kannengießer der knoten zerschnitten, der meint, Lucrez habe 
erst in sein im übrigen vollendetes gedieht nachträglich die stel- 
len an Memmius eingeschoben. Auch wir fragen nicht , wie es 
gekommen sei, daß Memmius allmählich zurücktritt, nehmen aber 
ein plötzliches hervortreten desselben, wie es Kannengießer auf- 
stellt, aus vielen gründen nicht an. Bruns verfolgt diesen punkt 
nicht weiter, fährt aber fort, das publikum, an welches sich Lu- 
crez wendet, aus dessen eigener darstellung klar und scharf 
zu zeichnen. Die constatierung der thatsache , daß Lucrez für 
laien und zwar eher für widerstrebende als solche belehrung 
suchende laien schreibt, muß natürlich für die ganze anläge des 
Werkes sehr wesentlich sein. Vorerst schreibt ihr Bruns den 
werth zu, daß sie das verhältniß von Lucrez zu Epikurs brief 
an Herodot wenigstens negativ näher bestimme. Soviel steht 

8* 



116 23. Lucretius. Nr. 2. 

wohl fest, wie man auch über Bruns' diese epitome betreffenden 
erklärungen urtheilen mag (wir wundern uns übrigens, daß Bruns 
der bezüglichen vortrefflichen programmabhandlung des so 
tüchtigen Lucrezforschers Brieger mit keinem worte gedenkt), 
daß sie einen ganz andern zweck verfolgt. Sie wendet sich an 
wirkliche, befreundete epikureer und will den weiter vorgerück- 
ten eine knappe darstellung in rnemoriam geben, denjenigen aber 
die zwar mit dem epikureismus im allgemeinen bekannt sind, 
aber ihm nicht alle zeit zuwenden können, eine grundlage, von 
welcher aus ihnen weiter ins einzelne zu dringen möglich wird. 
Der verf. führt die Verschiedenheit beider werke mit großer 
feinheit und schärfe aus und prüft dann , wie Lucrez den po- 
stulaten, die daraus sich ergeben, gerecht geworden sei. Wenn 
nun schon im allgemeinen etwas auffällig ist, daß Lucrez sich 
möglichster kürze befleißigen will, so ist besonders das dritte 
für diese kürze angeführte motiv auffallend, das motiv nämlich 
bloßer anregung statt ausführlicher belehrung : es soll der leser, 
der ja erst für die sache gewonnen werden muß , auf den ge- 
gebenen grundlagen weiterforschen. Anläßlich der besprechung 
dieses motives läßt sich Bruns auf die erklärung von I, 1114 
ein und scheint uns mit glück die Überlieferung gegen Lachmann 
zu vertheidigen. Lucrez schwankt in der beurtheilung seines 
publikums , schwankt darum auch in der anläge seines Werkes. 
Er bekennt sich als durchaus abhängig von chartae Epicureae. 
Ein theil dieser arbeiten, die aber an strickte mehr oder minder 
gebildete epikureer gerichtet sind, zeigt das system der anregung, 
so die epitome an Herodotus. Mit dieser zeigt Lucrez Verwandt- 
schaft , aber auch viel von ihr abweichendes. Daraus schließt 
Bruns, und darin stimmt ihm Susemihl bei, es müsse dem Lu- 
crez eine andere epikureische schrift als die epitome an Herodot, 
eine damit nahe verwandte, vorgelegen haben. Jedenfalls lag 
hier dem Lucrez eine speziell für epikureer bestimmte schrift vor, 
er selbst schrieb für ein nicht philosophisch gebildetes publicum. 
Aber Bruns hebt auch noch andere mißverhältnisse in Lu- 
crez hervor. Die frage, wie sich Lucrez mit den wissenschaftlichen 
postulaten der epikureischen kanonik abgefunden habe, trifft 
einen wicLtigen punkt. Lucrez mußte sich bei seinem zwecke 
einer erkenntnißtheoretischen einleitung völlig enthalten, er durfte 
eine kenntniß der bestimmten begriffe nicht voraussetzen, durfte 



Nr. 2. 24. Aetna. 117 

nicht citieren. Lucrezens darstellung muß populär gehalten 
sein, und eine förmliche Übersetzung epikureischer kunstausdrücke 
muß von ihm ferne gehalten werden. Bruns bestreitet wohl 
mit recht gegen Munro u. a. , daß Lucrez imßoXIj durch iactus 
oder iniectus, ny/lXrjipiij durch notitia, notities bestimmt habe wie- 
dergeben wollen. Aber den fundamentalsatz der epikureischen 
philosophie kann Lucrez nicht ignorieren, er muß Stellung zu 
ihm nehmen , und wie er das thut , wirft ein interessantes licht 
auf seine arbeitsweise. In der behandlung dieses theiles der 
epikureischen erkenntnißtheorie meint Bruns einen bedeutenden Wi- 
derspruch zu entdecken, indem er die worte I, 426 dahin inter- 
pretiert, als wiesen sie auf voraufgegangenen beweis hin-, sie 
sollen einer griechischen vorläge entnommen und müßten dann 
jedenfalls in einem momente geschrieben sein , wo Lucrez plan, 
zweck und methode seiner eigenen schrift nicht im äuge hatte. 
Außerdem führt Bruns theils schon von andern gelehrten nam- 
haft gemachte stellen , theils von ihm selbst scheinbar eruierte 
Widersprüche in der behandlung des ersten buches von Lucrez 
an, welche beweisen sollen, daß eben auch dieses erste buch 
nicht , wie Lachmann meinte , ein leidlich geordnetes ganze sei, 
sondern in bestimmte verschiedene partien, die zu verschiedener 
zeit gearbeitet wurden, zerfalle. Wir dürfen es unterlassen, auf 
diesen letzten theil der, wie scbon bemerkt wurde, durchweg fein 
gehaltenen schrift von Bruns näher einzugehen , da wir im ab- 
lehnenden urtheile über denselben mit Susemihl (Philol. XLIV, 
bd. I, p. 84 ff.) übereinstimmen. H. Schweizer- Sidler. 

24. De Aetna poemate quaestiones criticae, scripsit Pau- 
lus Reinholdus Wagler. Berolini 1884, apud S. Calvary 
eiusque socium. 8. 107 p. — 4 mk. 1 ). 

Die vorliegende dissertation zerfällt in zwei capitel. In dem 
ersten „De Aetnae re critica , imprimis de praestantia codicis 
Gyraldini" weist der verf. die jetzt allgemein anerkannten Vor- 
züge des Gyraldinus, aus dem wir leider nur die lesarten zu den 
versen 138 — 207 kennen, eingehend nach. Die übrigen hand- 
schriften gehen auf einen archetypus zurück , der aus einem 
schwer lesbaren codex in langobardischer schrift stammte Dies 

1) Vgl. Deutsche litteraturzeitung 1885, 223 f., Lit. centralblatt 
1884, 1640 f., Berliner phil. Wochenschrift 1884, 872 ff., Archiv für 
lexicographie I, 453, Academy XXVI, 96. 



118 24. Aetna. Nr. 2. 

zeigen solche fehler , welche deutlich auf das langohardische a 
hinweisen, wie v. 68 uictos statt natos , 292 delecta statt delata, 
ferner die häufige Verwechslung von r und s. Da nun der ab- 
schreiber dieses codex offenbar ein unwissender mensch war, 
so hat er vieles schlecht gelesen , namentlich buchstaben und 
silben übersehen, was dann zur folge hatte , daß bei einer spä- 
teren abschrift der text freilich ungeschickt genug ergänzt und 
überarbeitet wurde. So vortrefflich nun auch der Gyraldinus ist, 
so ist er doch nicht frei von fehlem und man muß daher in 
dem oben bezeichneten stücke neben ihm doch immer die zweite 
classe zu rathe ziehen. In dem zweiten capitel „De Aetnae poe- 
tae cum Seneca conspiratione" weist der verf. gegen Bährens, 
der das gedieht in die zeit des Augustus setzt, überzeugend nach, 
daß, wie schon längst gelehrte angenommen hatten, der dichter 
des Aetna als hauptquelle die Naturales quaestiones des Seneca 
benutzt hat und somit, da dieses werk um 65 n. Chr. abge- 
schlossen wurde und der dichter den feuerherd in Campanien 
als erloschen ansieht, also den ausbruch des Vesuvs im jähre 79 
n. Chr. nicht kannte, der Aetna zwischen 65 bis 79 entstanden 
ist. Mit recht stellt er es als eine offene frage hin, ob der 
freund des Seneca, Lucilius, wie Wernsdorf meinte, das gedieht 
verfaßt hat; denn wenn auch vieles für diese ansieht spreche, 
so fehle es doch an einem sicheren beweise. In beiden capiteln 
wird eine größere anzahl von stellen des Aetna besprochen, 
welche theils erklärt und gegen die änderungen , die man in 
ihnen vornehmen wollte, geschützt, theils weil verderbt emendiert 
werden. Den beschluß bildet ein „Plenus index Aetnaeus" in 
welchem alle Wörter aufgezählt sind , und zwar auf grundlage 
eines textes, den sich der verf. selbst construiert hat, wobei zu- 
gleich auch einige stellen kurz erklärt werden. Wir wünschten, 
daß der verf. diesen text vor dem index hätte abdrucken lassen, 
da hiedurch der gebrauch desselben ungemein erleichtert worden 
wäre. Den text von Bährens konnte er nicht zu gründe legen, 
da dieser mit einer unzahl unnöthiger und verfehlter conjeeturen 
überladen ist. Wie jetzt die sache steht, muß man sich den 
text, welchem der verf. folgte, oft aus mehreren artikeln zusam- 
mensuchen, was doch sehr störend ist. Auch sind trotz aller 
Sorgfalt einige Wörter übersehen worden. Wie es scheint , hat 
den verf. der gedanke abgeschreckt , daß trotz der bemühungen 



Nr. 2. 24. Aetna. 119 

der gelehrten so vieles noch unsicher oder geradezu räthselhaft 
bleibt. Aber dieses bedenken wiegt doch nicht so schwer. Daß 
die emendation des gedichtes nur langsam fortschreiten wird, 
unterliegt wohl keinem zweifei ; aber es wäre doch sehr verdienst- 
lich gewesen das gute , was bisher erzielt worden ist , zur gel- 
tung zu bringen und darnach einen einigermaßen lesbaren text 
herzustellen. Wenn sich die emendation sicher fortbewegen soll, 
so wird es nothwendig sein einen guten commentar zu schreiben 
und in demselben besonders die terminologie mit rücksicht auf 
Seneca gründlich zu behandeln ; weiter wäre eine sorgfältige 
darlegung der theorie des dichters wünschenswerth , wofür der 
verf. im zweiten capitel einiges vorgearbeitet hat-, endlich wäre 
eine Untersuchung über die nachahmung des Lucretius und Ver- 
gilius anzustellen. Dann würde die Verbesserung des textes auf 
grund solcher vorarbeiten gewiß erfreuliche resultate erzielen. 

Unter den conjecturen, die der verf. vorschlägt, sind fol- 
gende sehr beachtenswerth : v. 232 (p. 35) [Haec . . . pervolat 
. . . meat), 252 (p. 16) hanc nomini, 318 (p. 58) infra, 386 (p. 
59) creant , 426 (p. 42) Locris, eine wahre emendatio palmaris 
593 (p. 28) atque unctus, 595 (p. 29) manantes rore\ denn auch 
mir dünkt Haupt's r'orantes patre nicht erträglich. Zweifelhaft 
oder nicht entsprechend scheinen mir: v. 64 (p. 28) atque ictos; 
denn uicto ist nur das wegen des langobardischen a falsch gele- 
sene iacto. — V. 168 (p. 90) opus est turbans, kaum verständ- 
lich, während Haupt's turbent doch einen angemessenen gedan- 
ken gibt. — V. 171 (p. 50) Hinc venis, dem zusammenhange 
entspricht mehr Haupt's monti, das dem venti paläographisch min- 
destens ebenso nahe liegt. — V. 206 (p. 30) in occulto, clam 
tum tremit; ich möchte v. 203 miratus (vgl. 413, 462) und dann 
vertat, in occulto iam tum tremit schreiben. — V. 213 f. (p. 20) 
languentibus ; ardet nam prope nequiquam per se violentia flammae. 
Aber die Stellung von ardet ist kaum denkbar. Vielleicht steckt 
in aer nichts als ante ; im folgenden dürfte nichts zu ändern 
sein. — V. 395 (p. 30) infectae ecce piantur; eher könnte man 
an excipiuntur denken. — V 462 (p. 27) movent (gleich moventse) 
vires turbamque minantur. Kann nicht flamma das subject sein? 
~ V. 470 (p. 26) facies omnesque figurae. Allerdings liegt om- 
nesque dem hominumque paläographisch nahe ; man erwartet aber 
doch einen anderen ausdruck , wie etwa variaeque. — V. 568 



120 24. Aetna. Nr. 2. 

(p. 23) incendi vis vincit maxima saxa. Munro's vis it entspricht 
dem überlieferten vivit am meisten. — V. 569 (p. 27) Magni- 
ficos lapides\ aber die operosaque templa sind doch auch stein- 
bauten; aedes in der Aldina von 1534 scheint doch das rich- 
tige. — V. 610 (p. 27) caligine turguet ist ein keineswegs pas- 
sender ausdruck; wenn torpet nicht angeht, wüßte ich keine an- 
dere hilfe als turpe est gleich turpatur. — V. 612 (p. 25) iugera, 
circum ornnis ist keineswegs besser als Heinsius' iugera cum domibus. 
Zum Schlüsse möchte ich noch einige stellen des gedichtes 
kurz besprechen. Die vorschlage, welche ich hier bringe, be- 
trachte ich natürlich nur als versuche , da bei der großen ver- 
derbtheit des textes sich nur selten eine sichere herstellung er- 
hoffen läßt. V. 6 ist mit dem überlieferten Dodona nichts zu 
machen. Da der dichter Xantbos und Delos erwähnt, so ist es 
geradezu unglaublich , daß er Delphi übergangen haben sollte. 
Daher ist Bährens Sive tibi Rhodos est ebenso wenig wahrschein- 
lich als das allerdings noch weit mehr abliegende Seu tibi La- 
donis Munro's. Da nun auch des Gorallus Seu tibi Python est 
paläographisch ferne steht , so möchte ich wenigstens die frage 
anregen, ob man nicht an einen ausdruck, wie Delphon a<^rx^> 
denken könnte. — V. 53 admotisque tertia nimmt Wagler 
die conjectur Wassenbergh's admotis ad territa an. Vielleicht 
entspricht der Überlieferung mehr admotisque tremunt iam; in 
tremunt liegt eine Steigerung gegen metuentia, das durch Iuppiter 
et caelo metuit wieder aufgenommen wird. — V. 69 tunc imber 
cessat nitet et per . . . mundi tunc ... ist nitet allerdings ganz 
passend und paläographisch gegenüber venu sehr wahrscheinlich ; 
doch muß man et einschieben , um den vers herzustellen. Des- 
halb wäre zu erwägen, ob nicht etwa ridet (an vernat wage ich 
nicht zu denken) mehr entspricht. — V. 77 ist viderunt wohl 
nicht zu halten. Bährens' luserunt liegt zu weit ab ; schreibt 
man aber dixerunt, so könnte man begreifen, wie durch Verset- 
zung der silben daraus viderunt entstand. — V. 79 schreibe 
ich Mentitique rates Stygias undasque calentes, wodurch alle Schwie- 
rigkeiten beseitigt sind. Daß hier nur an den kahn des Charon 
zu denken ist, hat schon Scaliger erkannt, der dem sinne nach 
entsprechend naves vorschlug (vgl. Verg. Georg. IV, 506), wäh- 
rend sein fast allgemein aufgenommenes canesque ganz verun- 
glückt ist. — V. 84 hat wohl Mnnro recht, wenn er eine lücke 



Nr. 2. 25. Anonymus Valesii. 121 

annimmt. Nach Quidquid et ulterius (vgl. 142) ist das ende die- 
ses und der anfang des folgenden verses ausgefallen. — V. 98 
scheint animantum passender als animantis, das in alten ausgaben 
steht, und liegt dem überlieferten animanti eben so nahe. — 
V. 129 ist hospitium fluvium apposition zu canales. Da nun des 
Gorallus fluviorum (so die Itali) haud semita nulla nicht zulässig 
ist, so denke ich an fluvium aut semita<Cs , iam> nulla. — Die 
verse 302 und 303 möchte ich mit Jacob vor 283 stellen und 
dann schreiben: Conscrescunt animae penitus , seu porta . . . ser- 
vant, seu . . . abstrahlt auras (Plenius . . . qua vertice surgens II- 
linc infestis atque . . . ventis Undique . . . vires), Sive introrsus 
agunt nubes (darnach dürfte das ende dieses und der anfang des 
folgenden verses ausgefallen sein) et nubilus auster , si forte hae 
(sc. nubes) flexere . . . ■ — V. 315 f. könnten so gelautet haben: 
Flamina parva serunt ; auras (vis proxima vento est) Eminus; fortis 
ist proleptisches prädicat. — V. 343 vielleicht inritet flamma. 
Die Verlängerung des a vor st darf man wohl einem dichter 
jener zeit zutrauen (vgl. L. Müller de re metr. 320). Oder soll 
man inritent . . . flammae schreiben? — V. 377 führt prestat 
auf perstat. Das folgende schreibe ich so: Haec simulac tenuit 
cursus, tum und weiter tutoque licet ti<b£> scandere (vgl. 50) 
molem (mit A. de Rooy, da es nicht glaublich ist, daß der dich- 
ter hier mons wiederholt hat). — V. 472 hie <j,am^> defessus 
anhelat. Dies scheint mir leichter als lapis vor hie zu ergänzen 
oder gar mit Munro hie, hie zu schreiben. — V. 496 ulterius 
set. Man vergleiche 273, wo mir das von Wagler (p. 19) vor- 
geschlagene , aber dann gegenüber der conjeetur Bährens' quae- 
vis res aufgegebene quidvis est carius sehr annehmbar scheint. 
— Die verse 527 f. sind schwer herzustellen. Ich vermuthe 
Quin etiam externum multus calor ipse resolvat Vel mador (resolvat 
Aut mador Haupt) aut aetate putris. — V. 534 liegt liquescant 
näher als Haupt's liquescent. — V. 621 incolumis dominum. Ich 
denke incolumis dominos, was der änderung incolumem dominum we- 
gen der folgenden plurale vorzuziehen ist. 

Karl Schenkt. 



25. Wilhelm Ohnesorge, der Anonymus Valesii de 
Constantino. Inaugural - dissertation. Kiel , Lipsius u. Tischer 
1885. 108 p. 8. 



122 25. Anonymus Valesii. Nr. 2. 

Der verf. behandelt im ersten abschnitte „das gegenseitige 
Verhältnis der beiden Valesianischen bruchstücke" und sucht 
zunächst aus der handschriftlichen Überlieferung beider den be- 
weis zu führen, daß dieselben nicht zusammengehören d. h. nicht 
bruchstücke einer und derselben quelle sind ; man wird dem verf. 
zustimmen müssen, daß die Überlieferung letztere annähme ziem- 
lich unwahrscheinlich macht. Wenn er sich hier mehr an mit- 
theilungen anderer, namentlich Rühl's halten muß, so ist der 
zweite beweis gegen die annähme einer gemeinsamen abstammung 
beider fragmente, die sprachliche Verschiedenheit derselben, völlig 
sein verdienst; die thatsache war ja längst schon bekannt und 
auch wiederholt ausgesprochen; aber eine so eingehende und 
überzeugende analyse, wie sie hier gegeben ist, fehlte bis jetzt. 
Freilich geht es, wie bei allen diesen Untersuchungen, manchmal 
wird gar zu fein gespalten und wichtige sprachliche dinge gefunden, 
die eigentlich nichts bedeuten, weil sie in einer bestimmten zeit von 
allen gebraucht werden ; hieher gehören zum theil die präposi- 
tionen, einzelne conjunctionen, auch ein theil der stilistischen 
dinge, die man ziemlich lange zeit als im gebrauche befindlich 
nachweisen kann , und aus deren Verwendung sich so gut wie 
nichts deducieren läßt. Für noch erheblicher hält der verf. die 
an dritter stelle untersuchte innere Verschiedenheit beider stücke. 
Er wird wohl auch hier recht haben , aber doch mehr , wenn 
man das ensemble seiner gründe ins äuge faßt; die einzelheiten 
sind manchmal von fragwürdiger beweiskraft, so z. b. die beto- 
nung , daß II. allen bedeutenderen Persönlichkeiten charakteri- 
stische beiwörter beilege; wenn Augustulus ein schöner knabe, 
Odowakar mitleidig und wohlwollend heißt, oder insbesondere 
wenn die religiösen eigenschaften hervorgehoben werden , so ist 
das erstere so wenig signifikant, daß daraus nichts zu entnehmen 
ist, und die letzteren erklären sich ebenso wie die in I seltene, 
in II regelmäßige erwähnung kirchlicher fragen aus den gänz- 
lich verschiedenen religiösen Verhältnissen zur genüge, immer 
würde aber hier der einwand bestehen können, daß die beiden 
stücke aus verschiedenen quellen in engem anschlusse an die- 
selben entnommen seien. 

Abschnitt 2 beschäftigt sich eingehender mit dem ersten 
Valesischen stücke und kommt in abschließender untej suchung 
zu dem resultate , daß sich quellen für dasselbe nicht finden 



Nr. 2. 25. Anonymus Valesii. 123 

lassen. Die bisherigen annahmen solcher werden sämmtlich als 
haltlos erwiesen, aber auch gezeigt, daß allerdings die nachrkhten 
desselben sich vielfach mit anderen berichten ähneln, berühren und 
kreuzen; zugleich beweist diese analysierende vergleichung, daß 
das stück durchaus zuverlässig und eine der besten quellen für die 
Constantinische geschichte ist , ja für manche partieen derselben 
die hauptquelle. 

Am meisten umstritten ist das verhältniß des Anonymus zu 
Orosius ; die Übereinstimmungen beider sind längst bemerkt, und 
gewöhnlich wurden dieselben in der weise erklärt, daß der er- 
stere letzteren vor sich gehabt habe ; seltener war die annähme 
des umgekehrten Verhältnisses ; nur eine einzige stimme hat sich 
dafür erhoben, daß beide autoren aus derselben dritten quelle 
geschöpft haben könnten. Die sehr eingehenden und scharfsin- 
nigen Untersuchungen Ohnesorge's scheinen mir den beweis er- 
bracht zu haben, daß der Anonymus die quelle des Orosius ist; 
wahrscheinlich hat auch Polemius Silvius dieselbe quelle vor 
sich gehabt. 

Das verhältniß des Anonymus I zu Orosius ist auch für 
die frage nach der zeit der abfassung wichtig. Da noch Iulian 
demselben bekannt ist und Orosius ihn benutzt hat , der sein 
werk 417 schrieb, so muß die abfassung zwischen 363 — 417 
gesetzt werden , und mehr läßt sich auch mit einiger Sicherheit 
nicht sagen. Aber der verf. ist nicht abgeneigt, die abfassung 
früher anzusetzen, wogegen § 33 spricht, in dem eben Iuliaus tod 
erwähnt wird. Er sieht also vier stellen, in denen das christen- 
thum erwähnt wird , als spätere zuthaten an , die zwischen 363 
— 417 erfolgten. Doch traut er diesem beweise selbst keine 
zu große kraft zu und gibt zu, daß beweisbar nur die entste- 
hung zwischen 363 — 417 ist. Und in der that hat die annähme 
einer christlichen interpolation bloß dieser vier stellen wenig 
Wahrscheinlichkeit; ein fanatischer geistlicher, wie ihn der 
verf. voraussetzt , hätte jedenfalls sich nicht mit diesen an 
und für sich harmlosen Zusätzen begnügt, wahrscheinlich 
aber überhaupt es nicht unternommen , einen heidnischen autor 
für den öffentlichen oder privatgebrauch durch solche zuthaten 
zurechtzumachen. Eher könnte der Anonymus ein christ von 
ähnlicher sorte gewesen sein, wie Ammian ein heide war; daß 
er bei der erwähnung der Verfolgungen die stehenden termini 



124 25. Anonymus Valesii. Nr. 2. 

brauchte (persecutio iniquissima und nefaria, praeceptum sceleratum, 
impia machinantem) und die bestrafung der Verfolger einfügte, 
war der einzige tribut, den er dem kirchenthum brachte. Wenn 
der verf. in dem Anonymus einen römischen Senator entdecken 
will, so scheinen die gründe, welche dafür vorgebracht werden, 
doch etwas weit hergeholt, wenn auch nicht unbedingt verwerf- 
lich zu sein ; man kann nur sagen, daß es wahrscheinlicher ist, 
der Anonymus oder seine quelle habe im westen geschrieben 
als im osten, jeuer ist ihm bekannt, dieser nicht. Seine quelle 
sage ich — denn immerhin bleibt die möglichkeit nicht ausge- 
schlossen, daß der nach 363 schreibende Anonymus eine fast 
zeitgenössische quelle benutzt hat, welche über die Verhältnisse 
sehr genau orientiert war, weil der verf. derselben als augen- 
zeuge geschrieben hatte. An seinem werthe verlöre dadurch der 
Anonymus durchaus nicht. Der verf. kommt selbst zum theil 
zu einer solchen folgerung , indem er gefunden hat , daß der 
ganze kern der erzählung, ferner gewisse Wendungen und Zwi- 
schenbemerkungen den zeitgenössischen berichterstatter zu verra- 
then scheinen, ja er glaubt sogar, „daß an einigen stellen der 
augenzeuge durchblicke". Wenn aber ein augenzeuge und Zeitge- 
nosse die schrift abgefaßt hätte, so wäre es schwerlich denkbar, 
daß er das in solcher kürze gethan haben würde, noch weniger, 
daß er nie die authenticität seiner Wahrnehmungen hervorgehoben 
haben sollte , wie dies die Verfasser der Historia Augusta bewei- 
sen. Für die benutzung einer reicheren quelle spricht auch die 
einförmigkeit der anfange in den fünf abschnitten und die an- 
flickung einiger notizen, die, wie der erste satz, für die geschichte 
Constantins entbehrlich waren. 

Doch wenn auch die frage nicht entschieden ist , vielleicht 
auch nie entschieden werden wird , ob wir in dem Anonymus 
eine originale oder nur eine abgeleitete arbeit vor uns haben, 
so bleibt doch der schrift noch verdienst genug; sie hat die 
nicht-zusammengehörigkeit von Anonymus I und II erwiesen und 
nicht minder den werth des ersteren stückes ; alle combinationen 
sind vorsichtig und mit ausreichenden beweisen gestützt, und aus 
diesen gründen kann man die schrift als einen willkommenen 
beitrag zur quellenforschung der kaisergeschichte bezeichnen. 

Hermann Schiller. 



Nr. 2. 26. Quintilianus. 125 

26. M. Fabii Quintiliani declamationes quae supersunt 
CXLV. Recensuit Constantinus Ritter. Lipsiae in aedi- 
bus B. G. Teubneri MDCCCLXXXIV. 

Gerade 100 jähre sind verflossen, seitdem in Deutschland 
die letzte ausgäbe der Declamationen erschien. Es ist darum 
nur zu loben , daß sich Ritter der mühe unterzogen , eine neue 
ausgäbe zu besorgen und dies mit unermüdlichem fleiß und voll- 
ster hingäbe an seine aufgäbe ausgeführt hat ; denn eine unend- 
liche geduld gehört dazu, sich jähre laug mit einem so spröden 
stoff auf das eingehendste zu beschäftigen, jedes wort auf grund 
der neu untersuchten handschriften und der früheren ausgaben 
sorgfältig zu prüfen , ja an sehr vielen stellen , wo die hand- 
schriften uns im stiebe lassen, einzelne Wörter oder auch ganze 
satze im sinne und geiste des autors hinzuzufügen. 

Der titel ist, wie wir aus der vorrede ersehn, vorsichtig 
und absichtlich so gewählt , wie wir oben geschrieben haben : 
was übrigens auch in einigen früheren ausgaben geschehen ist, 
es sollte durch denselben der Standpunkt des herausgebers klar und 
bestimmt gekennzeichnet werden , welcher die sogenannten klei- 
neren Declamationen dem Quintilian zuschreibt, die größeren 
dagegen nicht. Der titel Declamationes ist allerdings insofern 
nicht zutreffend , als wir nicht ausgeführte Declamationen vor 
uns haben , sondern nur dispositionen , mehr oder weniger aus- 
führliche entwürfe , anweisungen , die für den schüler bestimmt 
waren, in der weise, wie es Quintilian im zweiten buche cap. 6 
seiner Institutio auseinandersetzt. Da dieser abschnitt in den 
handschriften die Überschrift trägt: de divisione et parenhiresi, so 
könnte allerdings ein herausgeber auf den gedanken kommen, 
etwa Divisiones et parerihireses zum titel des vorliegenden Werkes zu 
machen, aber die erwägung, daß die Überschriften in der Institutio 
sicherlich nicht von Quintilian herrühren , muß unbedingt von 
solcher neuerung abhalten. Von seinem individuellen Standpunkt 
aus konnte Ritter daran denken, den titel über artis rhetoricae 
zu wählen , mit beziehung auf Inst. I prooem. 7. 8 : denn auf 
diese stelle gründet Ritter seine ansieht, daß wir in dem uns 
vorliegenden buche eine schrift Quintilians haben, die zwar nicht 
von ihm selbst verfaßt und redigirt, wohl aber von seinen Zu- 
hörern nach seinen schulvorträgen nachgeschrieben sei. So sehr 
sich auch Ritter bemüht, diese seine ansieht, die er schon frü- 



126 26. Quintilianus. Nr. 2. 

her in seinem buche „Die Quintilianischen declamationen" Frei- 
burg i. Br. und Tübingen 1H81 aufgestellt hat, zu begründen, 
so kann ich mich von der richtigkeit derselben doch nicht über- 
zeugen und bleibe bei dem urtheile, welches ich bei besprechung 
genannter schrift (in dieser Zeitschrift XII, p. 531) ausgespro- 
chen habe: die beiden von Quintilian a. a. o. erwähnten bücher 
artis rhetoricae, welche von schülern nachgeschrieben waren, das 
eine sermonem per biduum habitum, das andere pluribus sane diebus, 
quantum notando consequi potuerant , interceptum dürfen wir uns 
mit größerem rechte vorstellen als kurze theoretische anweisun- 
gen zur rhetorik , in denen ähnlich wie in der Institutio , nur 
in der knappsten form, dem schüler, der sich für seinen redne- 
rischen beruf vorbereitete, gezeigt war, wie er sein ziel am besten 
erreichen könne. Diese Schriften , und zwar nicht nur die erst- 
genannte , sondern auch die zweite, waren von verhältnismäßig 
geringem umfang-, damit vergleiche man das uns vorliegende 
buch: es füllt nicht weniger als 441 druckseiten und ist doch 
nur ein theil eines größeren ganzen, es enthält 145 declamatio- 
nen, während das ganze werk 388 enthielt: nehmen wir also 
an, und dieser annähme steht, soviel ich sehe, nichts im wege, 
daß die verloren gegangenen declamationen in derselben weise 
ausgeführt waren, wie die erhaltenen, so würden mehr als 1000 
Seiten oder 25000 — 30000 zeilen für das ganze werk heraus- 
kommen: ist es wohl denkbar, daß Quintilian eine anleitung 
von solchem umfang seinen schülern innerhalb einiger tage vor- 
getragen habe? welchen zweck könnte er dabei im äuge gehabt 
haben? Doch ich will diese frage nicht weiter verfolgen, auch 
die bedenken Ritter's nicht bestärken , welche ihm selbst aus 
darstellung und ausdruck der declamationen erwuchsen und die 
er schließlich erledigt mit der annähme, daß es eben schüler 
waren , welche die vortrage ihres lehrers mangelhaft nachge- 
schrieben haben. 

Wenden wir uns nun zu der neuen ausgäbe selbst. Es 
gibt überhaupt nur drei handschriften der declamationen und 
diese bat Ritter von neuem verglichen , ob sorgfältig , das läßt 
sich so ohne weiteres schwer entscheiden. Die vorzüglichste A 
befindet sich in Montpellier und gehört dem X. Jahrhundert an, 
von Ritter verglichen im september 1880: diese beruht auf ei- 
ner guten quelle, ihr Schreiber hat freilich oft gedankenlos und 



Nr. 2. 26. Quintilianus. 127 

nachlässig abgeschrieben , nicht selten Wörter ausgelassen und 
hinterher am rande nachgetragen. Die zweite B in München, 
verglichen von Ritter 1880, ist viel jünger, sie ist 1494 oder 
wenigstens nicht viel früher, schön und sorgfältig geschrieben; 
sie fängt mitten in der 252. declamation an und reicht genau 
so weit wie die erstgenannte. Aus diesem umstände könnte 
man zu der annähme versucht sein, daß uns hier eine abschrift 
von A vorliege, um so mehr, als sogar einige randbemerkungen 
aus A in den text derselben eingedrungen sind : eine solche 
vermuthung aber stößt, nach den uns vorliegenden collationeu 
beider handschriften , auf erhebliche bedenken: Ritter glaubt 
eine directe entlehnung nicht annehmen zu dürfen, da auch ei- 
niges, was in B nicht steht, sich in A finde. Die dritte hand- 
schrift C = Chigianus, aus dem XV. Jahrhundert ist von Ritter, 
da sie mit B übereinstimmt und deshalb für die kritik entbehr- 
lich ist, nicht vollständig verglichen. 

Außer diesen handschriften hat Ritter die früheren ausga- 
ben , die des Ugoletus , des Aerodius, des Pithoeus, welcher A 
bereits sorgfältig benutzt hat, die von Obrecht, Burman u. a. 
zu rathe gezogen : aber mehr als all den genannten ausgaben 
zusammen verdankt er seinem lehrer , dem er auch seine erst- 
lingsschrift gewidmet hat , dem professor Rohde in Tübingen, 
welcher hunderte von fehlem in dem texte aufgefunden und 
verbessert hat. 

Am schluß der einleitung hebt Ritter die mannichfachen 
Schwierigkeiten der conjecturalkritik hervor und macht besonders 
darauf aufmerksam , daß bei der unfertigkeit des Werkes die 
grenze zwischen nachlässigkeit und Verkehrtheit sich schwer zie- 
hen lasse, sowie darauf, daß die declamationen auch in sachli- 
cher beziehung manche Schwierigkeiten verursachen, insofern be- 
sonders die gesetze , auf welche häufig bezug genommen wird, 
anderweitig nicht bekannt sind. 

Die grundsätze, welche für die Orthographie maaßgebend 
sind, können wir nur billigen , besonders aber stimmen wir mit 
dem herausgeber darin überein , daß auf grund des cod. A in 
Zusammensetzungen nicht s nach x zu schreiben ist. 

Auf p. XXVIII sind die zeichen , welche im texte und 
hauptsächlich im kritischen apparat angewendet werden, zusam- 
mengestellt : von diesen empfiehlt sich nicht sonderlich der ge- 



128 26. Quintilianus. Nr. 2. 

brauch des Sternchens zur Bezeichnung eigner conjecturen, noch 
weniger aber die anwenduug der unschönen und störenden < > 
zur bezeichnung von sätzen, Wörtern oder auch buchstaben, welche 
gegen die handschriften in den text aufgenommen sind, z. b. 
formabit<Ss> , <.K>ac, si<Cc^> u. a. Dieselben tragen jedenfalls 
nicht zur leichteren orientirung oder zur bequemlichkeit des 
lesers bei. 

Es folgt p. XXIX ein Verzeichnis der declamationen, welches, 
wie es scheint, aus einer älteren ausgäbe abgedruckt ist: wün- 
schenswerth wäre es gewesen, daß hinter jeder declamatio die seite, 
auf der sie steht, angegeben wäre. 

Kommen wir nun zu dem texte selbst , so haben wir vor 
allem zu bedauern, daß sich so sehr viele druckfehler eingeschlichen 
haben : wir fühlen dem heruusgeber den ärger und schmerz nach, 
den er p 515 in der anmerkung ausspricht und können es nur 
lobend anerkennen, daß er das ganze buch revidirt hat und die 
lange liste der fehler, die er gefunden, auf p. 515 — 522 offen 
mittheilt, allerdings aber auch nicht verhehlen, daß es ihm auch 
so noch nicht gelungen ist , vollständig mit ihnen aufzuräumen. 

Was nun die neugestaltung des textes anbelangt, so ist 
anzuerkennen , daß demselben eine sichere grundlage gegeben 
ist, auf welcher, sofern nicht andere und bessere handschriften 
entdeckt werden, weiter zu bauen sein wird. Von den früheren 
herausgebern ist zwar manche glückliche Verbesserung einzelner 
worte vorgenommen und in den text aufgenommen, aber eine so 
gründliche revision , wie sie uns hier vorliegt, ist von keinem 
der früheren herausgeber auch nur annähernd versucht worden. 
Eine große menge von stellen ist sehr glücklich geheilt, in den 
27 declamationen, 248—254 293—306 347 348, mit denen ich 
mich eingehend beschäftigt habe, mehr als hundert. 

Weniger überzeugend sind folgende änderungen: 2, 2 con- 
trahit ut neget Ritter, contrahit. negat Pithoeus : 4, 1 9 negabatur Rohde, 
negatur A: 7, 15 aclieceras Rohde, adiceres A: 8, 4 finitione Rohde, 
scientia A: 15, 3 examini , lege Rohde, exanimae legi A: 19, 26 
coniunctioncm Ritter, coniecturam A: 21, 27 quisquis agere coepit 
agit, quia semel contigit rem Rohde, quid qui agere coepit, quia se- 
mel contigit num A: 23, 4 oportere Rohde, oportet A: 25, 12 
hunc enim tu vicisti Rohde, haec enim tu fecinti A: 28, 7 tarnen 
et ipsam Ritter, et tarnen illa A: 42, 13 tantum Rohde, tarnen 



Nr. 2. 26. Quin tili anus. 129 

AB: 43,28 habebimus — , Urheber der conjectur ist nicht angege- 
ben, habemu8 A: 44, 1 inquiret Rohde, inquirit AB: 159, 23 
dissimiles Rohde, similes A: 160, 21 duc duc Rohde, die die AB: 
168, 6 moderatio Rohde, ante ratio AB: 173, 13 illum esse eae- 
candum Ritter, illam esse cecatam B: 27 nocebit Rohde, noeuit 
AB: 174, 1 quondam Rohde, quoniam B: 14 putatis Rohde, pu- 
tas A: 176,23 ac Rohde, oc cum A: 188,21 en Rohde, et AB : 
198, 7 dbsolveret Rohde, absolvet A: 202, 8 optaras Rohde, op- 
tares AB; 203, 10 aut tu Rohde, ac tu AB: 205, 7 agnoscet 
Rohde, agnoscit AB. 

An anderen stellen verdient die handschriftliche Überliefe- 
rung entschieden den vorzug , so 4, 19 habuerit A, abnuerit 
Rohde: 8, 11 enim A, eram Rohde: 10, 23 non possumus 
enim A, nam possumus uxorem Rohde : 11,15 hoc A, haec Rohde: 
16, 9 liceat A, licuerit Schulting: 16, 12 an int er est A, et 
interesse Ritter: 18, 28 cum — abisset A, tum — abire Rohde: 
22, 14 contra A, contraria Rohde: 23, 15 ut A, sed Rohde: 
26, 16 tum AB, tu Ritter: 31, 11 quod A, gm'Rohde: 36, 21 
civium AB, virium Ritter: 42, 7 voluntatem eius retinuit AB, 
voluntate eius qui detulit Rohde: 157, 28 sanitat em A, suam 
rem Rohde: 159, 3 nee AB, haec Rohde: 160, 29 quod AB, 
qui Rohde: 161, 23 iuvenis, dum ohne filius A: 169, 16 
h oc AB, hinc Rohde: 25 quod AB, ut Rohde: 171, 7 qu od AB, ut 
Rohde: 186,13 parte curavi AB, cura paravi Ritter : 188,22 
hie] hinc Rohde : 196, 19 temporis AB, contentionis Rohde: 
202, 23 suspirat] suspiravit Rohde: 203, 11 b enedict am 
AB, bene dictum die ausgaben, streicht Ritter : 204,17 inde AB, 
videte Rohde: 368,14 memoriam abieceratB, memoria obierat 
Rohde, memoria abier at A. 

Conjecturen von früheren gelehrten verdienen besondere 
beachtung an folgenden stellen: 26, 11 ist mit Pithoeus zu 
schreiben: de eo (deo A) : 31, 19 de ipsa leg um natura mit 
Burman, (de ipsa rerum natura A): 32, 16 ut ex parte fecerit mit 
Gronov, (ut ea parte fecerit A): 40, 19 ubi lex est mit Schulting, 
(ubi lex non est AB): 177, 11 placeat mit Gronov, (placet A). 
Dagegen verdient 40, 15 die handschriftliche Überlieferung non 
den vorzug, wofür Schulting nullam vermuthet hat und 189,16 
und 18 8 ollicitasti und petisti, was Gronov in sollicitasses 
und petisses umänderte. 

Piniol. Adz. XVI. 9 



130 26. Quintilianus. Nr. 2. 

Außerdem ist vielleicht zu schreiben: 11, 13 sed non erit 
necessarium (sed adicit necessarium A): 22, 4 negaveris sevisse 
(necessarium possedisse A) : 29, 13 et an maleßcium? sed ohne sit. 
sed fügte Rohde hinzu: 37, 14 perpetua posteritatis immortalilate, 
(perpetuae posteritatis irnmortalitate A): 188, 30 neque enim poterat 
non dubitari, wo non in den handschriften fehlt: 197,28 prae- 
sente te ac spectante, vgl. 198, 18 und 27 (praestantis AB, 
praesente te Rohde): 204, 14 unde nobis tanta f elicitas est 
(unde nobis tantam felicitatem AB). 

Am wenigsten sind wir mit dem herausgeber da einverstan- 
den, wo er durch Umstellung , Streichung oder hinzufügung ein- 
zelner Wörter oder ganzer sätze zu heilen sucht, als ansprechend 
möchte ich aber in dieser beziehung änderungen bezeichnen, wie 
2, 28 die Streichung von quomodo vor quantum (Ritter) : 5, 7 
hoc vor eo (Rohde): 18, 22 paene vor poenam (Rohde): 38, 19 
et nach zweimaligem et (Ritter), ergänzungen wie 9, 24 Bona, 
24, 23 iniuriarum, 25, 19 an, 25, 26 non, 30, 30 sed ei, 32,19 duae 
37, 17 vixi, 157, 6 si, 181, 13 iura, 195, 8 quam, 198,22 fla- 
gella, 201, 27 cuius, welche ohne ausnähme von Rohde herrühren, 
endlich die ebenfalls von Rohde vorgeschlagene Umstellung des 
satzes 367, 10—14. 

Eine werthvolle beigäbe bildet Index I rerum, verborum 
et locutionum, sowie Index II legum et Romani, Graeci, schola- 
stici iuris constitutionum ; in Index III declamationum et insti- 
tutionis oratoriae similes locos conponens ist nicht immer das 
rechte maaß eingehalten, sondern auch manches unwesentliche 
aufgenommen. 

Nach dem oben schon erwähnten druckfehlerverzeichnis folgt 
p 522 — 524 unter der Überschrift Ad den da eine nachlese zu 
dem kritischen apparat , hauptsächlich zu A : wir werden über 
diesen nachtrag nicht weiter aufgeklärt — jedenfalls verdient 
keine einzige der angegebenen Varianten in den text aufgenom- 
men zu werden; denn eontrahi p. 40, 17, was hier allein in frage 
kommen kann, steht bereits in dem text und zwar, wie man an- 
nehmen muß , da eine abweichende lesart nicht vermerkt ist, 
auf grund der handschriften. 

Ferdinand Meister. 



Nr. 2. 27. Römische geschichte. 131 

27. Theodor Mommsen, römische geschichte. Fünfter 
band. Die provinzen von Cäsar bis Diocletian. Mit zehn karten 
von H. Kiepert. Zweite aufläge. Berlin, Weidmann 1885. 
659 p. 

Jakob Bernays hat einmal in seinen geistvollen aphorismen 
über Gibbon mit recht hervorgehoben, welch' eine fülle von Vor- 
bedingungen und Vorbereitungen nöthig ist, welche leistungen 
vorangegangen sein müssen , ehe ein wirklich gutes werk über 
alte geschichte möglich wird : auf einem gebiete , wo dem ge- 
schichtsschreiber die peinliche abhängigkeit von der zufälligen 
beschaffenheit des quellenmateriales auf schritt und tritt die freie 
gestaltung des Stoffes verkümmert und nur ausnahmsweise das 
zu voller erzählung nöthige detail mit Sicherheit gewonnen wer- 
den kann. Gilt das für die alte geschichte überhaupt, so ganz 
besonders für die geschichte der römischen kaiserzeit, deren 
„verwüstete" Überlieferung dem darsteiler von vorne herein je- 
nes gefühl der entsagung aufdrängt, in dem auch Mommsen sein 
buch geschrieben zu haben bekennt. Auf grund der literari- 
schen Überlieferung mit ihrem einseitigen interesse für die Stadt 
Rom und das spiel um den thron der Cäsaren war eine reichs- 
gescbichte überhaupt nicht zu schreiben. Um die lösung dieses 
problems auch nur mit einiger aussieht auf erfolg in angriff 
zu nehmen, bedurfte es erst der Sammlung und sichtung eines 
gewaltigen über den ungeheuren räum von mehr als 100000 □ 
meilen verstreuten denkmälermateriales, durch welches uns über- 
haupt erst eine einigermaßen zusammenhängende kenntniß der 
wehr-, provinzial- und gemeindeverfassung, sowie des öffentlichen 
und privaten lebens in den kleineren kreisen erschlossen ward, 
auf welche sich das politische interesse der zeit zurückgezogen 
hat. Ein material freilich, das , so tiefe einblicke es in das in- 
nere leben des großen reichsorganismus und seiner theile thun 
läßt, bei seinem naturgemäß durch und durch fragmentarischen 
Charakter nur gar zu oft der ,,mutter wie aller poesie, so aller 
historie", der phantasie, in hohem grade bedarf. Selbst jetzt, 
wo das große inschriftenwerk, — zum guten theil Mommsens 
eigenste that, — seiner Vollendung entgegen geht, vermag, wie 
Mommsen resignirt zugibt, selbst die genialste combination des 
urkundlichen und historiographischen materiales „nicht eigentlich 
ein ganzes, sondern nur das Surrogat eines solchen" zu schaffen. 

9* 



132 27. Römische gesehichte. Nr. 2. 

Und doch ! welch ein fortschritt der erkenntm'ß und auffas- 
sung ist in dieser neuesten Schöpfung verkörpert, wie sie eben 
nur Mommsens unwiderstehliche gelehrsamkeit und unerschöpf- 
liche arbeitskraft dem in unzähligen oft sehr entlegenen Publi- 
kationen verstreuten und in die verschiedensten Wissensgebiete 
sich verzweigenden Stoffe abzuringen vermochte. Während man 
noch vor kaum zwei Jahrzehnten mit Tacitus römische kaiserge- 
schichte eben nur als gesehichte der römischen aristokraiie und 
ihrer Unterdrückung durch die Cäsaren schrieb und von den 
provinzen nur um der dort geführten grenzkriege willen zu er- 
zählen wußte, während noch im jähre 1868 ein kenner der kai- 
sergeschichte nur soviel zu constatiren vermochte, daß diese ein- 
seitige auffassung damals anfieng , allgemach eine schwankende 
zu werden '), ist jetzt dem düsteren taciteischen bilde ein ande- 
res ungleich erfreulicheres an die seife gestellt , ein bild , dem 
zwar in zahlreichen einzelheiten eine Umgestaltung durch die fort- 
schreitende forschung nicht erspart bleiben wird , das aber in 
seinen wesentlichen grundzügen als ein gesicherter besitz der 
Wissenschaft betrachtet werden darf. 

In Mommsens fünften bände hat zum ersten male die durch 
die denkmälerforschung so unendlich vertiefte einsieht in die 
Verschiebung der lebendigen entwicklung vom centrum des rei- 
ches nach der peripherie ihren vollen adäquaten ausdruck erhalten. 
Das große, das die kaiserzeit geschaffen, wird uns hier zum er- 
sten male in seinem ganzen umfange durch eine großartig kon- 
cipirte nachschöpfung vor äugen gestellt: der aufbau der neuen 
universalen weltkultur, deren träger das römische imperium war, 
die durchführung der lateinisch-griechischen civilisirung , insbe- 
sondere in der form der ausbildung der städtischen gemeinde- 
verfassung, und die allmälige einziehung der barbarischen oder 
doch fremdartigen elemente in diesen kulturkreis ; ein werk jahr- 
hundertelanger arbeit, durch welche die grundlagen unserer gan- 
zen neueren europäischen civilisation geschaffen worden sind. 
Diese speeifische arbeitsleistung der denkwürdigen epoche ist es, 
die den Vorwurf des Werkes bildet, in wirthschaft und gesell- 
schaft, in recht und staat, in literatur und kunst, im philosophi- 
schen und religiösen ideenleben. Mommsen geht dieser „arbeit" 
der kaiserzeit nach da „wo sie zu suchen und auch zu finden 

1) Nissen, Hist. zeitechr. 19. bd., p. 241. 



Nr. 2. 27. Komische geschichte. 133 

ist", in den centren großstädtischer civilisation, wie in den acker- 
städten Afrikas, in den winzerheimstätten an der Mosel, wie in 
den blühenden Ortschaften der lykischen gebirge und des syri- 
schen wüstenrandes. Provinz für provinz wird in ihrer sonder- 
entwicklung allseitig und tief ins einzelne eindringend geschil- 
dert, am glänzendsten wohl das hellenische Europa und die land- 
schaften des Ostens, welche an dieser stelle zum ersten male eine 
darstellung gefunden haben, die auf einer vollkommenen beherr- 
schung des in der neuzeit gerade hier so reich vermehrten nia- 
teriales beruht. 

Ein bedenken freilich drängt sich uns bei diesem einzigar- 
tigen rundgang um den gesammten länderkreis der mittelmeer- 
welt auf, eine frage, die uns auch da, wo die meisterschaft der 
darstellung ihre höchsten triumphe feiert , angesichts der herr- 
lichen Schilderung der großen centralplätze dieser reichen kultur- 
welt, Alexandrias und Aiitiochias , keineswegs verläßt. Im ge- 
gentheil! gerade im hinblick auf solche statten, wo alle fäden 
der neuen universellen kultur wie in einem brennpunkte zu- 
sammenlaufen , und deren bedeutung daher eben nur auf der 
grundlage der gesammtkultur des universalreiches vollkommen 
erfaßt und gewürdigt werden kann, vermögen wir uns des zwei- 
feis nicht zu erwehren , ob bei dem von Mommsen befolgten 
plane, die einzelnen provinzen sowohl isolirt von einander, als 
auch losgetrennt von dem beherrschenden mittelpunkte des rei- 
ches zu behandeln , die höchste aufgäbe einer darstellung der 
reichsgeschichte lösbar war, d. h. das gesammtniveau der kultur- 
leistungen der epoche , der intensitätsgrad ihrer kultur mit der 
durch die quellen ermöglichten genauigkeit und klarheit festge- 
stellt und veranschaulicht werden konnte. 

Mommsen macht selbst einmal die bemerkung, daß der platz, 
den z. b. Alexandria in der geistesentwicklung der occidentali- 
schen kultur einnimmt, nicht in einer Schilderung der örtlichen 
zustände Aegyptens , sondern nur in derjenigen dieser entwick- 
lung selbst entsprechend gewürdigt werden kann. Wir gehen 
weiter und sagen: die Stellung, welche die einzelnen provinzen 
überhaupt hinsichtlich ihrer materiellen und ideellen entwicklung 
innerhalb des ganzen einnahmen, kann nur im rahmen der ge- 
s a m m t entwicklung der kaiserzeit vollkommen gewürdigt wer- 
den •, ja selbst eine betrachtung, welche sich eben nur die örtliche 



134 27. Römische geschichte. Nr. 2. 

entfaltung der provinzialen knltnr zum gegenstände macht, kann 
nicht darauf verzichten, die allgemeinen eben durch das impe- 
rium geschaffenen Voraussetzungen klar zu legen, auf denen sich 
diese Sonderkultur aufbaut. Erst wenn wir mit den grundsätzen 
und errungenschaften der monarchie auf dem gesammtgebiete 
der inneren politik genauer bekannt sind und dadurch eine wirk- 
liche anschauung von der weite des Spielraumes gewonnen haben, 
welcher der entfaltung der wirtschaftlichen und socialen kräfte 
innerhalb des großen reichsorganismus gegönnt war, erst dann 
können wir voll und ganz beurtheilen , welche höhe für die lo- 
kale kulturentwicklung erreichbar war und thatsächlich erreicht 
worden ist. 

Nun ist allerdings Mommsens feinsinnige und geistvolle 
analyse der provinciellen zustände, soweit es sein plan irgend, 
gestattete, sorgfältig bemüht, die zahlreichen fäden darzulegen, 
die aus der provincialgeschichte in das gesammtleben der Mit- 
telmeerwelt hinüberleiten : ich erinnere nur an die schöne Schil- 
derung der ökonomischen entwicklung Syriens und Aegyptens, 
die Mommsen mit recht als die glänzendste seite an den zustän- 
den insbesondere des ersteren landes bezeichnet. Allein gerade 
dieses beispiel zeigt, daß sein verfahren nicht ausreicht. Um 
den gewaltigen aufschwung, den der osten in Industrie und han- 
del dem kaiserreich verdankt, vollkommen ermessen zu können, 
genügen weder die angaben über die Verbreitung syrischer kauf- 
leute und faktoreien, sowie über den waarenexport und -import, 
noch auch so gelegentliche bemerkungen, wie jene über „die im 
ganzen mäßigen grenz- und binnenzölle und das ausgedehnte 
handelsgebiet, welches den großhändlern offen stand". Wir ver- 
langen vielmehr eine allseitige darlegung der sämmtlichen grund- 
bedingungen, welche durch die römische kaiserzeit für die aus- 
bildung der stadtwirthschaft überhaupt geschaffen worden sind ; 
eine forderung , die um so näher liegt, als ja gerade die ent- 
wicklung städtischer knltur recht eigentlich für diese periode 
charakteristisch ist. Es tritt in der Mommsen'schen darstellung 
keineswegs anschaulich und klar genug hervor , was es für die 
merkantile Spekulation, wie die industrielle produktion städti- 
scher wirthschaft zu bedeuten hatte , über einen weitmarkt von 
der ausdehnung und der consumfähigkeit des in gewissem sinne 
ein ungeheures freihandelsgebiet darstellenden länderkreises ver- 



Nr. 2. 27. Komische geschiente. 135 

fügen zu können, welchen die römische Universalherrschaft durch 
die einheit von Verwaltung und rechtspflege, von münze, maß und ge- 
wicht, bis zu einem gewissen grade auch von spräche und kultur zu 
einem einzigen großen Organismus zusammengefügt hatte. Wir ler- 
nen weder die Verkehrs- und Zollpolitik der regierung in beziehung 
auf den allgemeinen verkehr innerhalb der reichsgrenzen eini- 
germaßen kennen , noch erhalten wir — trotz der ausgezeich- 
neten erörterung der auswärtigen handelsbeziehungen — ein 
zusammenhängendes bild von der bewunderungswürdigen ent- 
wicklung des communikationswesens in der kaiserzeit, weshalb 
auch von einer geschichtlichen Würdigung der eminenten social- 
ökonomischen bedeutung dieser momente von vorneherein keine 
rede sein kann. Und doch wäre es für das tiefere verständniß 
der kaiserzeit als eines klassischen Zeitalters intensivster städti- 
scher, insbesondere großstädtischer kultur unbedingt nothwendig 
gewesen , dem leser eine lebendige Vorstellung von dem organi- 
schen zusammenhange zu geben, welcher zwischen den fort- 
schritten auf dem gebiete des gesammten Verkehrswesens einer- 
seits und der phänomenalen städtebildenden kraft der epoche 
andererseits besteht. 

Um das großartige wachsthum und die blüthe der städte 
in der römischen kaiserzeit zu begreifen , müssen wir vor allem 
fragen, wie groß einerseits der rayon war, welchem sie als pro- 
duktionsplätze ihre erzeugnisse anzubieten in der läge waren, 
andererseits derjenige , von welchem sie als consumtionsplätze 
mit lebens- und arbeitsmitteln versorgt werden konnten. Um 
aber darauf eine antwort zu erhalten, müssen wir weiter fragen : 
in welchem maße war durch die Sicherheit , verbilligung und 
Vervollkommnung des communicationswesens die transportfähig- 
keit der guter, d. h. die wirtschaftliche möglichkeit , dieselben 
auf eine gewisse entfernung zum absatz zu bringen, damals ge- 
steigert worden? In welchem grade hatte sich insbesondere das 
absatzgebiet der guter von geringerem tauschwerth , d. h. der 
guter des massenconsumes erweitert? Eine frage, ohne deren 
beantwortung nicht zu erkennen ist, wie breit die basis war, 
auf der sich das Versorgungssystem der städte aufbauen konnte, 
wie groß demnach der Spielraum für die städtische concentri- 
rung der in den beiden ersten Jahrhunderten der kaiserzeit so 



136 27. Römische geschichte. Nr. '2. 

unverkennbar in der zunähme begriffenen bevölkerung gewe- 
sen ist. 

Vor allem sollte man endlich von einer geschichtschreibung 
wie der Mommsenschen , für welche die historie „nichts ist , als 
die entwicklung der civilisation" (Römische geschichte I, 15) 
eine etwas genauere Charakteristik der typischen eigenschaften 
höchster städtischer cultur erwarten, wie sie eben die kaiserzeit 
entwickelt hat; der äußerst verfeinerten kulturbedürfnisse und 
ihrer befriedigungsmittel , besonders der hochvervollkommneten 
gewerblichen technik, der sehr entwickelten geldwirthschaft und 
des zu vollendeter feinheit durchgearbeiteten wirthschaftsreohtes. 
Es ist zu verwundern , daß derselbe forscher , der mit so 
feinem blick die civilisirende und städte-bildende Wirkung eines 
doch nur lokal bedeutsamen militärischen momentes — der le- 
gionslager im gegensatz zu den standlagern der alen und co- 
horten — hervorhebt, nicht zu einer erörterung der allgemei- 
nen grundlagen des städtewesens der kaiserzeit gekommen ist, 
ja mehrere der wichtigsten entwicklungsfaktoren desselben über- 
haupt unberührt läßt. Wohl bietet die bewundernswerthe Schil- 
derung der reichen kultur der provinzen eine fülle von einzelnen 
zügen auch für unsere frage, allein sie genügen nicht, das ei- 
gentümlichste und glänzendste produkt der kaiserzeit in seinem 
wachsthum und wesen so zu begreifen , wie es von dem heuti- 
gen Standpunkte staatswirthschaftlicher erkenntniß aus begriffen 
werden kann und muß. 

Freilich müßte man , um der angedeuteten forderung ge- 
recht zu werden , diesem Standpunkt doch noch näher stehen, 
als es bei Mommsen unverkennbar der fall ist. Der große ge- 
schichtsschreiber besitzt ja allerdings die lebendigste intuition 
von der einwirkung geographischer Verhältnisse und wirtschaft- 
licher prozesse auf die politischen und socialen Verhältnisse im 
allgemeinen ; allein nicht auf gleicher höhe steht die positive 
einsieht in die feineren verschlingungen dieses gewebes geschicht- 
licher erscheinungen , wie sie nur aus einem eindringenden Stu- 
dium der modernen wirthschaftstheoretischen und socialgeschicht- 
, liehen forschung geschöpft werden kann. Wie hätten sonst von 
seifen einer geschichtsforschung , für welche die alte geschichte 
eben nur „die kulturgeschichte der anwohner des Mittelmeeres" 
ist (Rom. gesch. I, 3) und in einer darstellung von „1 an dem 



Nr. 2. 27. Römische geschichte. 137 

und leuten" einer epoche von dem Charakter der römischen 
kaiserzeit fundamentale culturpolitische Untersuchungen, wie z. b. 
die von Sax über die bedeutung der Verkehrsmittel in volks- 
und staatswirthschaft so gänzlich unverwerthet bleiben können? 
Untersuchungen, an deren hand den antiken quellennachrichten 
nach verschiedenen seiten hin ungleich mehr abzugewinnen ge- 
wesen wäre , als sie dem in dieser hinsieht weniger geschärften 
äuge darzubieten scheinen. 

Nun wissen wir freilich, mit welcher Schroffheit sich Momm- 
sen früher einmal — gelegentlich der erörterung einer grund- 
frage der socialen geschichte der kaiserzeit, der entstehung des 
colonates — gegen alle diejenigen ausgesprochen hat, die, wie 
er meint, „von den realen römischen Verhältnissen zu wenig 
und von nationalökonomischen theorieen zu viel wissen" 2 ). Allein 
gerade jene erörterung über das colonat, deren Unzulänglichkeit 
Heisterbergk schlagend dargethan 3 ), hat auf das deutlichste ge- 
zeigt , wie wenig die allgemeine auffassung Mommsens zu dem 
dort erhobenen anspruch berechtigt, die „correkte fragestellung" 
derartiger probleme gewissermaßen zu diktiren. Zu einer sol- 
chen correkten fragestellung reichen eben die quellen an sich 
nicht aus, auch die nicht, welche Mommsen a. a o mit emphase 
gewissermaßen als die einzigen ,,bronnen der künde wirklichen 
römischen lebens" preist, die pandekten und die inschriften. Die 
arbeiten von Nitzsch , Hildebrand, Rodbertus , Bücher und an- 
deren dürften zur genüge bewiesen haben , welch' ergiebigen 
born wirklichen lebens wir doch daneben auch in den erfährun- 
gen und ergebnissen der neueren socialökonomie und Wirtschaftsge- 
schichte besitzen Mit dem durch diese erkenntnißquellen geschärften 
blick stellen wir fragen an die schriftzeugen vergangenen lebens, 
wie sie andere überhaupt nicht aufzuwerfen in die läge kommen, 
und zwingen sie auch da rede zu stehen, wo sie für die ge- 
nialste einbildungskraft stumm bleiben. Wir werden zwar mit 
unserer methode nicht dazu kommen, in der weise Mommsens 
aus drei bis vier vereinzelten inschriften ohne weiteres die um- 
fassendsten Schlüsse auf die socialökonomischen Verhältnisse des 

2) Ein dekret des Commodus für den Saltus Burunitanus. Hermes 
XV (1880), p. 408. 

3) Tübinger Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft bd, 
XXXVII, p. 581 ff. 



138 27. Römische geschickte. Nr. 2. 

römischen reiches überhaupt zu ziehen ; allein was diese methode 
aus dem boru der inschriften uud pandekten uud sonstigen 
quellen an wahrhaft lebendiger erkenntuiß der Wirklichkeit 
mehr zu schöpfen vermag, wird für den verzieht auf solche 
resultate reichlich schadlos halten. 

Mommsen bemerkt in der einleitung im hinblick auf die höhe der 
gesittung, welche die kaiserzeit erreichte: „wenn wir finden, daß die- 
ses also war, so fragen wir die bücher, die uns geblieben sind, mei- 
stens umsonst, wie dieses also geworden ist. Sie geben darauf so we- 
nig eine antwort, wie die Überlieferung der früheren republik die ge- 
waltige erscheinung des Korn erklärt, welches in Alexanders spuren 
die weit unterwarf und civilisirte". Sehr richtig ! allein zeigt nicht 
gerade die geschichte der römischen republik, daß selbst einer 
elenden Überlieferung gegenüber für eine korrekte fragestellung 
immerhin beträchtliches erreichbar ist, ja daß es gerade auf sie 
in erster linie ankommt, wenn es gilt, die durch die Kicken der 
tradition geschaffenen räthsel zu enthüllen. Beruht nicht die 

— von dem unvergeßlichen Nitzsch für den ref. wenigstens zur 
genüge erwiesene — thatsache , das Mommsens darstellung der 
republikanischen geschichte bei aller großartigkeit der auffas- 
sung die eminenten leistungen der älteren republik bis zu einem 
gewissen grade doch unerklärt läßt, im letzten gründe auf einer 
uncorrekten fragestellung, auf einem einseitigen Standpunkte der 
beurtheilung der das staatsieben der älteren republik beherr- 
schenden kräfte , einer beurtheilung bei der die arbeitsleistung 
dieser kräfte ein ungelöstes räthsel bleiben muß? Ebensowenig 
kann für den, der dem gange neuerer socialgeschichtlicher for- 
schung aufmerksam gefolgt ist , ein zweifei darüber bestehen, 
daß auf dem glänzendsten gebiete der kaiserzeit, dem der städ- 
tischen civilisation, die ,, bücher" auf die frage, wie diese civili- 
sation geworden ist und sich gestaltet hat, wenigstens mittelbar 
doch noch tiefere und umfassendere aufschlüsse zu geben ver- 
mögen , als es nach Mommsen's — an sich ja bewundernswer- 
then — darstellung den anschein hat. 

Dazu kommt noch ein anderes. Nach unserer ansieht ist 
eine geschichtliche Würdigung der wirtschaftlichen und socialen 
kultur des römischen reiches gar nicht möglich ohne eine stetige 
berücksichtigung der zustände Korns und Italiens, über welche 

— zumal für die anfange der kaiserzeit — die „bücher" noch 



Nr. 2. 27. Kömische geschichte. 139 

am ergiebigsten aufschloß gewähren. Wo wäre z. b. in dem 
gesammten umfang des mittelmeerreiches ein so eindringendes 
verständniß der großstädtischen entwicklung in der kaiserzeit 
mit ihren glänzenden kulturleistungen, wie mit ihren schlimmen 
socialen krankheitserscheinungen zu gewinnen , als es uns die 
Überlieferung an dem beispiele Roms ermöglicht? Und wird 
nicht die besondere entwicklung der großen kulturcentren von 
dem ränge Alexandrias, Antiochias , Karthagos erst recht deut- 
lich durch die vergleichende gegenüberstellung der zustände der 
capitale, die trotz einzelner für Rom ausschließlich oder wenig- 
stens hervorragend charakteristischen züge im allgemeinen doch 
eine gewisse typische bedeutung besitzen ? Die vortreffliche und 
geistvolle parallele der capitalen am Nil und Orontes , durch 
welche uns Mommsen das leben der Antiochener und Alexan- 
driner in seiner eigenart zu veranschaulichen sucht, bedarf noth- 
wendig der ergänzung durch jene tieferen einblicke in die das 
Städtewesen der epoche überhaupt beherrschenden allgemeinen 
entwicklungsmomente , wie sie uns eben nur die unvergleichlich 
genauere kenntniß der Verhältnisse Roms zu eröffnen vermag. 

Dazu kommt ferner in betracht , daß das reich nicht blos 
politisch , sondern auch wirthschaftlich einen großen Organismus 
darstellte, daß provinzialverwaltung und provinzialwirthschaft 
von Rom und Italien her fortwährend die stärksten impulse em- 
pfieng und umgekehrt das centralland Italien selbst in ein un- 
lösliches abhängigkeitsverhältniß zu den provinzen getreten war, 
seitdem unter dem einflusse des in von Thünens concentrischen 
kreisen der produktion enthaltenen entwicklungsgesetzes, des rie- 
sigen wachsthumes Roms, der wirthscbaftspolitik der regierung 
und der gesammtsituation der italischen Ökonomie der agra- 
rische Schwerpunkt des Staates gänzlich in die provinzen verlegt 
war. Angesichts dieses innigen Zusammenhanges zwischen reichs- 
hauptstadt, ihrer „vorstadt" Italien und den provinzen können 
wir es nicht billigen, daß Mommsen Italien und seine inseln 
von der darstellung des fünften bandes ausgeschlossen hat, weil 
die geschichte Italiens „von der des allgemeinen reichsregimen- 
tes nicht getrennt werden könne". Wir sind der ansieht, daß 
dieselbe auch nicht von der „geschichte der einzelnen landes- 
theile" zu trennen ist, welche den gegenständ eben dieses ban* 
des bildet. 



14<> 27. Römische geschickte. Nr. 2. 

Nach alle dem kommen wir in beziehung auf die anläge 
des werkes ganz zu demselben resultate , zu welchem schon 
Otto Hirschfeld von einem ganz anderen ausgangspunkte gelangt 
ist 4 ). Hirschfeld betont, daß die von Mommseu durchgeführte 
ablösung der peripherie vom centrum und die isolirung der pro- 
vinzen unter einander einen überblick über die gesammte reichs- 
politik, die doch in gewissen zeiten wenigstens eine einheitliche und 
zielbewußte war, von vorne herein ausschließt; und er bezweifelt 
daher schon aus diesem gründe ganz mit recht, daß spätere dar- 
steller der kaiserzeit es wagen werden, Mommsen auf dem ein- 
geschlagenen wege zu folgen. Wir glauben, daß das, was sich 
von unserem Standpunkte aus gegen Mommsens anordnung des 
Stoffes sagen ließ, diesen zweifei erheblich bestärken dürfte. Es 
läßt sich ja allerdings nicht leugnen, daß jeder andere plan 
ebenfalls seine großen Schwierigkeiten haben und jedenfalls an 
einfachheit dem Mommsenschen nachstehen wird. Allein er wird 
gefunden werden müssen, etwa auf dem wege, den gleichfalls 
schon Hirschfeld angedeutet hat. Es wird sich , wie letzterer 
mit recht bemerkt , mit der darstellung der definitiven consti- 
tuirung des reiches unter Augustus eine Schilderung seiner theile 
verbinden lassen ; und die weiteren etappeu der reichsentwick- 
lung, die etwa durch die namen Vespasian , Hadrian, Severus, 
Diocletian bezeichnet sind, dürften eine passende stelle zu rück- 
und überblicken auf die in den reichslanden sich vollziehenden 
Wandlungen bieten. Jedenfalls würden sich bei einer derartigen 
anordnung die forderungen, die wir an eine geschichte der kai- 
serzeit stellen mußten, in höherem grade befriedigen lassen, als 
es bei dem Mommsenschen plane möglich war, der selbst der 
genialen gestaltungskraft eines solchen meisters von vorne herein 
unüberwindliche schranken setzen mußte. 

Wir haben angesichts der bahnbrechenden bedeutung des 
vorliegenden werkes , welches ohne zweifei die forschung der 
nächsten zeit bestimmen und ihr die wege weisen wird, mit den 
obigen erörterungen nicht zurückhalten können, zumal die hier 
betonten gesichtspunkte unseres wissens von der bisherigen kri- 
tik des buches noch nicht geltend gemacht sind. Um eine um- 
fassende und erschöpfende Würdigung ist es uns hier nicht zu 
thun , da das , was in diesem bände wirklich großes geleistet 

4) In der Zeitschrift Die Nation 1885. 



Nr 2. 27. Römische geschichte. 141 

ward, von der krijtik bereits nach allen Seiten hin beleuchtet und 
klargestellt ist, und wir in dankbarer bewunderung der groß- 
artigen — in beziehung auf die gebiete der politik, der kriegs- 
und friedensverwaltuug, sowie der geistigen kultur unübertroffe- 
nen — darstellung nur all' das wiederholen müßten, was bereits 
von anderen zur genüge gesagt und gepriesen ist. 

Aus ähnlichem motiv verzichten wir auf eine polemik gegen 
die zahlreichen einzelheiten der darstellung und auffassung , für 
welche sich bei der lückenhaftigkeit der quellen und ihrer oft 
sehr subjektiven ausnutzung von Seiten Mommsens abweichende 
ansichten von selbst ergeben. Die kritik hat bereits eine reihe 
von wichtigeren bedenken geltend gemacht, welche sich zum 
theil auch uns aufgedrängt haben , und wir müßten auch hier 
großentheils nur wiederholen, was schon von anderer seite (z. b. 
von Schiller in der Berliner philol. Wochenschrift 1885 p. 739 ff.) 
bemerkt worden ist. Nur ein , wie es scheint , noch nicht be- 
rührtes moment sei hier hervorgehoben, weil es zugleich die all- 
gemeine auffassung angeht. 

Wir meinen, daß das bild, welches wir von dem politischen 
leben der provinzen aus Mommsens darstellung gewinnen , hie 
und da doch wohl ein allzu günstiges ist. Der historiker , der 
die geschichte der älteren repubiik , der kraftvollsten zeiten des 
Staates, mit solcher leidenschaftlichen rücksichtslosigkeit in her- 
vorkehrung der schwächen des volks- und Staatslebens, mit sol- 
chem Scharfblick für jedes wirkliche oder vermeidliche Symptom 
von verfall und entartung dargestellt, er schreibt die geschichte 
der monarchie mit solch' ruhigmildem urtheil , mit solch' liebe- 
vollem bemühen, das große, das die zeit geschaffen, möglichst 
rein hervortreten zu lassen, den noch vorhandenen gesunden 
kräften und den Vorzügen des regimentes voll und ganz gerecht 
zu werden, daß hier unwillkürlich nach der anderen richtung 
hin zu viel geschieht, und die schwachen seiten der dargestellten 
entwicklung nicht so k ai hervortreten, wie es bei einer schärferen 
vertheilung von licht und schatten ohne zweifei der fall gewesen 
wäre. Wenn man sich z. b. der unerbittlichen strenge, der 
beißenden ironie erinnert, mit welcher der geschichtsschreiber 
der republik über die souveränen comitien zu gericht gesessen, 
so wird man mit Verwunderung das freundliche bild aufnehmen, 
welches von der „nationalen Verfassung und organisirten ge- 



142 27. Römische geschichte. Nr. 2. 

saramtvertretung" Galliens entworfen wird. Diese „landesver- 
tretung", die durch Mommsens bcmerkung , daß sie bei Kelten 
und Griechen ,,in der epoche der freiheit und Zerfahrenheit wohl 
erstrebt, aber niemals erreicht worden war", von vorne herein 
eine glänzende folie erhält, wird eigentlich nur nach ihren gün- 
stigen momenten dargestellt , sogar die verhältnißmäßige Unab- 
hängigkeit und ,, stärke" des gallischen landtages gerühmt. Wie 
problematisch thatsächlich die Wirksamkeit selbst dieser bedeu- 
tendsten provinzialvertretung war, davon erhält man keine ge- 
nügende Vorstellung, obwohl so bedeutsame momente , wie die 
berüchtigte Steuerverwaltung des Licinus und die durch die in- 
schrift von Torigny bezeugten Vorgänge im schoße des landtages 
die schwächen des instituts drastisch genug beleuchten und da- 
her z. b. von 0. Hirschfeld mit recht in diesem sinne ausge- 
nützt worden sind 5 ). Indem Mommsen gerade diese beiden mo- 
mente — unbegreiflicher weise — mit stillschweigen übergeht, 
muß das bild, welches wir von der sache gewinnen, nothwendig ein 
unvollständiges und einseitiges werden. Wie könnte ferner, — 
um nur noch eines zu nennen — die kühle art, mit welcher der 
wirthschaft der kaiserlichen procuratoren in Iudäa 6 ) gedacht 
wird, eine zutreffende Vorstellung von der leideusgeschichte des 
jüdischen Volkes erwecken , die um Hirschfelds worte (a. a. o.) 
zu gebrauchen, selbst einem Tacitus eine unwillkürliche äuße- 
rung des mitgefühls abgepreßt? — In der that, es ist, als ob 
unter dem einfluß jenes „geheimen zuges cäsarischer anschauun- 
gen", wie er durch die ganze Mommsensche geschichtschreibung 
hindurchgeht, mit dem Wechsel der dargestellten epochen auch der 
maßstab für menschen und dinge ein anderer geworden wäre ! 
Zum Schlüsse noch ein wort über das reiche kartenmaterial, 
das dem buche beigegeben ist. Zu so großem dank diese bei- 
gäbe den leser verpflichtet, so störend ist es doch andererseits, 
daß die angaben Kieperts auf den karten den annahmen Momm- 
sens im text mitunter durchaus nicht entsprechen. So liegt z. b. 
auf karte III (Gallia) C. Vetera fast gegenüber der Kuhrmiin- 

5) In dem aufsatz über Lyon in der Römerzeit. 

0) Bei dieser gelegenheit können wir nicht umhin , einem irr- 
thnm Mommsens betreffs der jüdischen diaspora zu widersprechen. 
Er erklärt nämlich die ansied hingen der luden im auslände als eine 
,, unfreie und verhältnismäßig späte bildung, eine Schöpfung Alexanders 
oder seiner marschälle". Vgl. dagegen die auslührungen des ref. in 
den Jahrb. f. nationalök. u. Statistik 1880, p. 488 ff. 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 143 

düng, obgleich auf karte V (Germania) in Übereinstimmung mit 
Mommsens ausführungen der ort in die nähe der Lippemündung 
gerückt ist. — Nach Mommsen (p. 43) liegt es am nächsten, 
unter dem Teutoburger wald den Osning zu verstehen, und die 
erörterung über den zug des Germanicus im jähre 16 (p. 48) 
beruht geradezu auf dieser annähme — , während auf der karte 
das Wiehengebirge als Teutoburger wald bezeichnet wird. — 
P. 67 läßt Mommsen die Via Augusta, die „durchgehende reichs- 
straße , die Rom mit dem Ocean verbindet", von Tarraco über 
Valentia ungefähr die küste entlang gehen, während auf der 
karte II (Hispania und Africa) die von Ilerda zum Bätis durch 
das binnen land führende straße als Via Augusta erscheint 
und andererseits vom Iucar quer durch das innere , wo nach 
Mommsen die reichsstraße führen soll , überhaupt keine straße 
angegeben ist. Robert Pöhlmann. 



28. Römische Chronologie von Ludwig Holzapfel. 
Leipzig, Teubner. IV, 364 p. 8. 

Das buch behandelt drei schwierige und verwickelte fragen 
der römischen Chronologie : in erster linie die reduction der 
stadtjahre auf christliche aera, sodann die bestimmung und er- 
klärung der verschiedenen im alterthum gebräuchlichen aeren, 
endlich die geschichte des kalenders. Um für die römischen 
jähre vom beginn des freistaates bis zum ersten punischen krieg 
die der wahren zeit entsprechenden jähre vor Christi geburt zu 
ermitteln, sucht verf. einerseits die älteste officielle jahrzählung, 
andrerseits den betrag der durch die Verkürzung vieler amts- 
jahre in wegfall kommenden zeit festzustellen. Indem er von 
den sogenannten dictatorjahren varr. 421 430 445 453 die drei 
ersten für interpolirt erklärt und bei der Untersuchung der vor- 
zeitig abgebrochenen Jahresregierungen einen fehlbetrag von im 
ganzen vier jähren erhält , fällt ihm die Alliaschlacht (varr. 
364/390) in 383 v. Chr. und das abweichende datum derselben 
bei Polybios u. a. (387 v Chr.) erklärt er aus vollzählung aller späte- 
ren amtsjahre mit ausschluß der drei obengenannten. Für die frü- 
here zeit ergiebt seine prüfung der Zeugnisse, daß unsre consulnlisten 
an mehreren stellen lückenhaft sind ; der anfang der republik 
wird in 502 v. Chr. gesetzt, woraus die ursprüngliche liste, 
sammtliche amtsjahre voll nehmend, 507 gemacht und mit 244 



144 28. Kömische geschichte. Nr. 2. 

königsjahren die gründung Roms in ol. 7, 2. 751 gebracht habe ; 
dies, uicht wie gewöhnlich angenommen wird, ol. 7, 2. 750 ist 
nach der auslegung, welche Holzapfel von Dionys. Hai. Ant. I, 74 
gibt, das in der stadtchronik aufgestellte gründungsjahr. Der 
von Cäsar abgeschaffte schaltcyklus, welcher den in je vier jäh- 
ren ebenso viele tage zu viel zählenden kalender durch aus- 
merzung von 24 tagen in jedem 24. jähre auf den ursprüng- 
lichen stand im sonnenjahre zurückbrachte, ist nach Holzapfel 
eine Schöpfung der decemvirn ; die wichtige aufgäbe, die antangs- 
epoche desselben zu bestimmen, löst verf. mittelst einer fein er- 
dachten combination. Der antrag des Curio , 704 50 einen 
schaltmonat einzulegen , wurde nach Dio Cassius deswegen ab- 
gewiesen , weil diesem jähre ordnungsmäßig nur zwölf monate 
gebührten ; man sollte nun, weil auf jedes zweite jähr ein schalt- 
monat traf, annehmen, auch das jähr 708/46 habe der alten 
Ordnung nach zwölf , nicht dreizehn monate gehabt ; aber Sue- 
tonius behauptet das gegen theil. Diesen Widerspruch hebt verf. 
indem er 51 — 50 v. Ch. für das 24. cyklusjahr erklärt, welches 
den ihm eigentlich zukommenden schaltmonat verlieren mußte. 
Der vorletzte cyklus hätte demnach mit den märzkalenden von 
74 v. Ch. und der nächst dem decemvirat anhebende 1 6mal 
24 jähre früher, also mit den märzkalenden von 434 v. Chr. 
begonnen. Weiter findet er (siehe unten), daß diese kaienden 
dem julianischen 2. märz entsprechen mußten , woraus sich für 
das 20. cyklusjahr 415, 391, 367 u. s w. der 12. juni als 
julianisches datum der juniusnonen ergibt. An dem 12. juni 
391 v. Ch. abends trat nun eine sonnenfinsterniß ein, welche 
in Rom sichtbar war : diese erklärt verf. für die vielbesprochene 
des Ennius, welche der textüberlieferung von Cic. de rep. I, 25 
zufolge um das jähr 350 Roms an den juniusnonen stattge 
funden hat. Der schaltcyklus selbst ist nach Holzapfe 
seit den Samnitenkriegen , obgleich bis auf Cäsar als norm an 
erkannt, nicht mehr eingehalten worden; die abweichungen be 
stehen meist in verfrühungen , welche lange zeit hindurch ei 
bis zwei monate betragen. 

Mit der ausführung dieser hauptgedanken verbinden sie 
viele nebenuntersuchnngen , welche dem buch einen reichen in 
halt verleihen ; durch Scharfsinn und beobachtungsgabe gelang 
der verf. oft zu ansprechenden oder beachtenswerthen aufstel- 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 145 

lungen ; die unvermeidliche polemik, sachlich gehalten, weiß nicht 
selten eine wirkliche oder scheinbare bloße der Vorgänger aus- 
findig zu machen. Freilich die haltbarkeit derjenigen neuen ge- 
danken, welche auf allgemeine, principielle bedeutung anspruch 
erheben, muß referent wenigstens zu einem großen theil in zwei- 
fei ziehen. Anzuerkennen ist, daß Holzapfel wichtige fragen, 
wie z. b. die nach dem verhältniß der interregenzeit zum amts- 
jahr, nach der geschichtlichkeit der solitudo magistratuum und 
der möglichkeit eigener sogenannter dictatorjahre , nicht bloß 
richtig im conservativen, der besten Überlieferung entsprechenden 
sinn behandelt, sondern diese auffassung auch durch neue argu- 
mente unterstützt • die Untersuchung über den kalendergang von 
199 bis 66 v. Ch. und über die gründungsepochen fördert 
viel gutes von bleibendem werth ; hoch anzuschlagen ist , daß 
hie und da die chronologischen mittel durch neue erhebungen 
vermehrt werden. Aber die oben mitgetheilten leitenden ge- 
danken treffen, wie uns scheint, das richtige nicht und aus der 
befangenheit in diesen vorgefaßten ansichten erklärt es sich, 
daß in den mit. ihnen zusammenhängenden ausführungen sich 
nicht selten geschraubte texterklärungen, haltlose zahlentheorien, 
Verlegenheitshypothesen und andere scheingründe vorfinden. Wir 
gehen, um dies urtheil zu rechtfertigen, so weit es in der kürze 
möglich ist, auf die zwei wichtigsten ausführungen ein. 

Um die epoche des schaltcyklus zu gewinnen , fragt sich 
verf . , auf welches julianische datum die januarkalenden um die 
zeit der decemvirn , also in 16- oder 17mal 24 jähren vor 
Cäsars reform fallen mußten. Er antwortet: auf den 4. Januar 
julianisch: denn der unterschied zwischen den 365 tagen 6 stun- 
den des julianischen jahrs und den 365 tagen 5 stunden 48 
minuten 48 secunden des wahren sonnenjahrs wächst in 4 Jahr- 
hunderten auf drei tage an. Und da der alte Januar nur 29 
tage hält, so entfallen die märzkalenden , der anfang des alten 
kalenderjahrs auf den julianischen 2. märz. Auffallend ist hie- 
bei, daß verf. vom 1. Januar ausgeht, indem er neben dem amts- 
neujahr noch zwei neujahre unterscheidet, ein sacrales (1. jan.) 
und ein bürgerliches (1. märz), da doch das bürgerliche kein 
andres ist als das amtsneujahr und für das sacrale nur das 
kalenderneujahr , der 1. märz gelten kann: denn der kalender 
war ein sacrales institut, dazu bestimmt die festzeiten zu regeln, 
Philol. Anz. XVI. 10 



146 28. Römische geschichte. Nr. 2. 

Ebenso grundlos ist die hereinziehung des wahren sonnenjahrs : 
dem 24jährigen cyklus liegt genau dasselbe jähr von 365 tagen 
6 stunden zu gründe wie dem 4jährigen Cäsars, denn 13 ge- 
meinjahre zu 355 tagen, 7 Schaltjahre zu 377 und 4 zu 378 
ergeben zusammen dieselbe tagsumme 8766 wie 24 julianische. 
Also müssen die märzkalenden jedes 1. cyklusjakres auf den 
julianischen 1. märz gefallen sein. Der verf. braucht freilich 
den julianischen 2. märz , weil sonst die sonnenfiusterniß des 
12. juni 391 nicht auf die juniusnonen gebracht werden kann. 
Er hätte, nachdem einmal darauf aufmerksam gemacht war, ein- 
sehen sollen, daß bei Cicero a. a. o. die jahrzahl 350 gefälscht 
und 550 dafür zu lesen ist, s. Philol. anz. XV, 351. Davon 
abgesehen läßt sich in 334 v. Ch. ein cyklusanfang schon des- 
wegen nicht setzen, weil der alte, dem februar angehängte schalt- 
monat und die ihm folgenden, ein gemeinjahr (mit welchem der 
cyklus anfängt) einleitenden märzkalenden in die vorchristlichen 
jähre ungerader zahl fallen, s. Jahrbücher 1884, p. 748 ff. 
Hier ist in dieser beziehung bloß von dinem beweise zu reden, 
welchen verf. anficht. Die den abgeschafften alten kalender 
nachahmende datirung des hauptfesttags der Arvalenbruderschaft: 
in den varronischen (also auch vorchristlichen) jähren ungerader 
zahl 29. mai julianisch, in den geraden 19. mai, will offenbar 
die Verschiedenheit der alten gemein- und Schaltjahre zum aus- 
druck bringen. Ich habe es ein versehen genannt, daß Momm- 
sen Rom. chron. p. 71 umgekehrt den hier vorausgesetzten schalt- 
monat in den geradzahligen varronischen jähren finden will, und 
Holzapfel wirft mir vor, den gedankengang desselben verkannt 
zu haben. Mommsen verweist indeß zur begründung auf p. 19 
wo dieselbe mittelst hinweises auf die bezeugten Schaltjahre der 
regelrechten Schaltung von varr. 494/260 und 518/236 gelie- 
fert, jedoch übersehen wird, daß diese stadtjahre nicht, wie die 
späteren, mit dem Januar, sondern mit dem mai annengen ; der 
sehaltmouat schloß sich also dem (alten) februar der ungeraden 
jähre 259 und 235 vor Christus an. Eine bemerkung, welche 
verf. macht, trifft den nagel auf den köpf, nur als einwand, wie 
sie gemeint ist, kann dieselbe nicht gelten. Bei meiner auffas- 
sung, erklärt er, müßte jener Arvalenfesttag im Schaltjahr des 
alten kalenders dasselbe datum gehabt haben wie im gemein- 
jahr. Gewiß, aber der aus den Aivalenuikunden bekannte so- 



Nr. 2. 28. Komische geschichte. 147 

dalitätscultus ist , wie Momrasen wahrscheinlich macht , erst von 
Augustus gestiftet worden und wenn er auch älter wäre, so sind 
doch keine älteren festdata überliefert; daß aber die datirung je- 
nes hauptfestes dem erwähnten postulat entsprochen haben 
würde, geht daraus hervor , daß das Volksfest Ambarvalia , aus 
welchem jener cultus abgezweigt ist und das sich neben diesem 
forterhalten hat , in jedem jähr das gleiche datum gehabt hat, 
eben den 29. mai, s. Marquardt Staatsv. III 2 , 200 ff. 

Hängt von der ermittlung des alten schaltcyklus die re- 
duction der tagdata republikanischer zeit ab, so muß andrerseits 
die Wiederherstellung der alten jahrzählung sich in erster linie 
an die griechischen Synchronismen , vor allen an den der galli- 
schen invasion (varr. 864/390) halten. Um diese statt 381 v. Chr. 
in 383 setzen zu können, muß Holzapfel die von allen bearbei- 
tern der geschichte Siciliens bewährt gefundene Chronologie der 
hier einschlagenden abschnitte Diodors verwerfen und eine neue 
ohne Überlieferungsanhalt erfinden ; daß Diodor von der Olym- 
pienfeier des jahres 388 unter 386 spricht, beweist nichts gegen 
ihn: denn dies . ist nur eine gelegentliche erwähnuug, welche 
um so weniger gegen ihn ausgebeutet werden darf, als er unter 
388 384 und überhaupt alle vier jähre die Olympien rechtzeitig 
anführt. Ferner muß Holzapfel, der hier in den fußtapfen 
Matzats wandelt, mit diesem die von Iustinus gemeldete erobe- 
rung Locri's durch den tyrannen Dionysios für einen irrthum, 
da Locri mit diesem zur zeit verbündet gewesen sei , und das 
fehlen der eroberung Krotons bei Diodor für eine irrige überge- 
hung erklären ; als ob Diodor, wenn er erzählt, wie der tyrann 
mit den andern Italiotenstädten frieden macht , Ehegion aber 
und Kaulonia erobert, die lange dauernde und schwierige bela- 
gerung der volkreichsten und mächtigsten Stadt, welche an der 
spitze des bundes gestanden war, hätte einfach übersehen können. 
Daß Dionysios Rhegion zweimal: 387 und 380, erobert hat, ist 
für eine ungereimte aufstellung erklärt worden : mit recht, wenn 
es 387 zerstört und nicht wieder aufgebaut worden war; aber 
aus Diodor ersehen wir, daß jener 387 die Stadt weder geplün- 
dert noch geschleift oder gar zerstört , vielmehr nur den anfüh- 
rer grausam behandelt und 6000 männer in gefangenschaft ge- 
führt hat ; unter diesen aber durften alle zahlungsfähigen sich 
freikaufen, haben also ihr vermögen behalten und in die heimath 

10* 



148 28. Römische geschiente. Nr. 2. 

zu ihren familien zurückkehren dürfen. Die zweimalige erobe- 
rung selbst bezeugt Dionysios v. Hai. ant. XX, 7, nach welchem 
der tyrann in seinem ersten krieg zwei Städte (Rhegion und 
Kaulonia), im zweiten 1 ) aber Kroton und Rhegion eroberte. 
Weiter nennt es Holzapfel mit Matzat einen irrthum , wenn 
a. a. o. K(iOT03iiurag i^silf x«? P/jyirovg xcu SisteXecsev v.rr\ 
dwdexa zovrcoi rvQarvmv räv nölecav . e««id' ol [*?v toi- ti- 
Quvtov Ösdinng Tofg ßagfiriooig avTovg frtxeiQitor oi <T xn fxei- 
vo3v nole/iov/Af-rot jÖ> ivQarvqj rag nt'leig naQsdiSoGav die partikel 
sm-ira auf ereile bezogen wird, so daß das weiterfolgende in 
den anfang der 12 jähre fällt. Welcher Widersinn bei beziehung 
des 'in situ auf das ende der 12 jähre entsteht, hätte von selbst 
einleuchten können: 12 jähre lang würde demzufolge Dionysios, 
nachdem die zwei stärksten städte gebrochen waren, diesen erfolg 
nicht ausgenutzt und den geschwächten rest des bundes un- 
geschoren gelassen haben , dann aber , gerade als er die herr- 
schaft über die zwei städte nicht mehr behaupten konnte , ein 
theil der andern in solche furcht vor ihm gerathen sein, daß sie 
sich den Lucanern in die arme warfen. Ebenso wäre nicht zu 
ersehen , was den verlust der herrschaft über Kroton und Rhe- 
gion herbeigeführt haben soll, während bei unserer erklärung, 
welche die 12 jähre von 380/79 bis zum tod des Dionysios 
368/7 erstreckt, rvnavimv SistsXias zu seiner eigentlichen auf- 
fassung gelangt (er beherrschte sie bis ans ende) und die ge- 
schiehte zu ihrem rechte kommt: denn die herrschaft über die 
Italiotenstädte , soweit sie nicht lucanisch geworden waren , ist 
von Dionysios auf seinen söhn übergegangen. 

Die folge des irrthums über die zeit der Alliaschlacht ist, 
daß Holzapfel die reduetion der stadtjahre bis fast zum Pyrrhos- 
krieg um durchschnittlich 2 jähre zu früh nimmt. So muß er 
die landung des Molossers Alexander in Italien (varr. 413/341) 
in das jähr 336/5 v. Chr. setzen, während von den zwei zeugen, 
welche hierüber befragt werden können, der eine, Gellius XVII, 21 
sie erst nach Alexander des großen auszug gegen die Perser geschehen 

1) Die eroberung von Locri (381 oder 382) fehlt bei Dionysios, 
welcher nur die persönliche kriegführung des tyrannen ins äuge faßt 
[öiißr] und dtvTtQuv dicißaaiv inoirjCuro) , weil sie vermuthlich gleich 
dem krieg des jahres 383 von seinen Strategen geleitet worden ist. 
Daß Hipponion, dessen einwohnerschaft 387 nach Syrakus verpflanzt 
wurde, 380 wieder bewohnt erscheint, läßt sich leicht erklären. 



Nr. 2. 28. Römische geschichte. 149 

läßt, IustinusXIf, 2 aber frühestens gleichzeitigkeit mit dieser Unter- 
nehmung voraussetzt. Von der schlacht bei Sentinum (varr. 
459/295) bis zum Senonenkrieg (varr. 471/283) zählt der be- 
richt des Polybios II, 18 ff. über die kriege mit den Galliern 
nur 10 jähre; hieraus und aus anderen gründen habe ich ge- 
folgert, daß derselbe nicht aunalistischen quellen (welche sämmt- 
lich nach römischen amtsjahren zählen), sondern griechischen 
nacherzählt ist ; alle sachlichen abweichungen von der römischen 
Überlieferung erklären sich dabei in einfachster weise. Der verf. 
bleibt bei der ableitung aus Fabius und gewinnt im anschluß 
an Mommsen das eine fehlende jähr, indem er öiaytvofiticop tzäv 
dexa im sinn von 11 jähren nimmt (im Widerspruch mit Poly- 
bios, welcher die 10 jähre zwischen den zwei Vorgängen, nicht 
aber zwischen dem ende des früheren und dem anfang des spä- 
teren kriegsjahres verfließen läßt) , das andere aber , indem er 
die Überlieferung der annalen für fälschung erklärt und den 
L. Caecilius, welcher nach diesen 471 varr. als praetor im kämpfe 
fiel und Curius Dentatus zum nachfolger erhielt, für den consul 
von 470 L. Caecilius Denter hält. Diese hypothese scheitert 
an den capitolinischen fasten, welche weder vom tod des Denter 
im amte noch von einem nachgewählten consul (Curius) sprechen; 
wie auch der Chronograph von 354 den Curius für 479 und 480 
als cos. II und cos. III (nicht III und IV) bezeichnet ; der verf. 
vermuthet zwar, jene fasten hätten hie und da einen consul suf- 
fectus übergangen , aber seine zwei belege beweisen das nicht : 
405 und 459 wurde kein consul nachgewählt (Liv. VII, 25. X, 28). 
Die niederwerfung der Boier , nach Polybius im nächsten 
jähr (282 v. Chr.) geschehen, setzt Holzapfel folgerecht in das 
jähr 283 v. Chr. ; daß unsre römischen quellen sie in der that 
dem jähre 472/282 zuweisen, soll mit der angeblichen fälschung 
zusammenhängen. Was verf. durch diese athetese gewinnt , ist 
die scheinbare Übereinstimmung zwischen Polybios , der bis 
zum nächsten feindseligen auftreten der Gallier 45 jähre verfließen 
läßt, und den annalen, welche dieses 516/238 setzen. Aber 
nach Polybios besteht dasselbe in der bedrohung von Ariminum, 
welche nach den annalen erst in das dritte jähr 518/236 fällt: 
Holzapfel meint, Polybius habe bloß das resultat der dreijähri- 
gen kämpfe angeben wollen und zu diesem behuf die ereignisse 
zweier jähre übergangen (!), muß aber im Widerspruch damit, um 



150 29. Römische geschickte. 1 

mit dem fünften jähr darnach in 521/233 zu gelangen, für das 
von Polybios erzählte , also für die bedrohung von Ariminum 
doch wieder das falsche jähr 516/238 annehmen. In Wahrheit 
hat der Grieche des Polybios dieselbe in das attische jähr 237/6 
gesetzt und nur sie erwähnt, weil er nicht alle römischen kriegs- 
ereignisse, sondern bloß die hervorragendsten verzeichnet. In 
das fünfte jähr darnach und in das achte vor dem Gaesaten- 
krieg des Jahres 529/225 setzt Polybios die ackervertheilung 
des Flaminius, geschehen Mdguov Äentdnv argartjynvrrog, d. i. 
wie Mommsen und ref. erklärt, unter dem consulat des M. Le- 
pidus 522/232 (bei Polybios attisch 232/1). Mit Niese be- 
hauptet Holzapfel, atQarijyoe bezeichne bei Polybios den consul 
nur, wenn er als feldherr thätig sei •, den gegenbeweis liefert die 
von Mommsen angeführte stelle III, 114, 6, ferner I, 7, 12. 
11, 2. III, 106, 1. XXIV, 1, 8. 2, 9. Hier macht verf. eine 
gute Observation : die auffallende abweichung bei Cicero de se- 
nect. 11, wo die Rogatio Flaminia in das zweite consulat des 
Fabius Maximus 526/228 gesetzt wird, erklärt er aus Verwechs- 
lung mit dem ersten consulat desselben 521/233. Nur wird da- 
durch seine ansieht über Lepidus nicht erwiesen. Am 1. mai 
232 v. Chr. gieng das consulat von Fabius auf Lepidus über, 
dagegen das tribunat hatte am 10. december gewechselt und 
Flaminius den voraussichtlich schwere und lange kämpfe her 
vorrufenden antrag sicher nicht erst in der zweiten hälfte seiner 
amtszeit gestellt: dieser ist 521 varr. eingebracht, 522 durch 
gesetzt worden und damit hängt es zusammen , daß Cicero von 
Fabius schreibt : consul iterum Flaminio tribuno plebis quo ad po- 
tuit restitit agrum Picenum et Gallicum contra senatus auetoritatem 
dividenti; am 29. april hörte seine macht auf und die neuen 
consuln traten nicht in seine fußtapfen U. 



29. Otto Seeck, die kalendertafel der Pontifices. Berlin 
Weidmann 1885. 192 p. 8.-6 mk. 

Seeck's buch ist Matzat gewidmet und preist dessen römische 
Chronologie als ein werk „das eine ganze diseiplin von grund 
auf neu zu gestalten zwinge". Eben diese bedeutung seines 
buches habe den einmüthigen zorn der kritiker erregt. 

Schon in diesem urtheile zeigt sich eine bedenkliche uu 
kenntniß der probleme der römischen Chronologie und der trag 



Nr. 2. 29. Römische geschichte. 151 

weite der von den verschiedensten Seiten gegen Matzat vorge- 
brachten gründe. 

Der dilettantismns, mit der jeder indnctiven forschung zum 
trotz von Matzat vorgegangen ward , die nichtbeachtung alles 
dessen, was nicht in „das System" paßt, und die art wie über an- 
dere abgesprochen wird: das sind die Ursachen „jenes einmüthigen 
zorns", welcher die kritiker bei Matzat's leistungen ergriffen hat. 

Und daraus hätte jeder nicht voreingenommene schließen 
sollen, daß nicht die Wissenschaft, sondern Matzat umzukehren 
und bei sich einkehr zu halten habe. 

Seeck ist der entgegengesetzten ansieht und hat damit zu- 
gleich der wissenschaftlichkeit seines buches ein schlechtes zeug- 
niß ausgestellt. 

Und in welcher weise wird hier wieder Matzat's System ver- 
treten? Sind etwa die zahlreichen gegengründe gegen Matzat's 
kalendarisches hauptprineip gewürdigt? 

Ist von Seeck ein versuch gemacht worden, die altrömischen 
daten mit den divergirenden Matzat'schen daten in einklang zu 
bringen? Oder 'ist etwa der satz widerlegt worden, daß aus 
dem schaltsystem von 22 -J- 23 -f 22 -f 23 = 90 tagen in acht 
jahren die bekanntschaft der Römer mit der Oktaeteris folge? 
Oder hat Seeck widerlegen können, daß die sogenannte Ennius- 
finsterniß (Cic. de republ. 1, 16) schon nach Cicero's Worten nicht 
in die zeit vor dem gallischen brande gehören können ? Von 
alle dem keine spur! 

Die hanptirrthümer Matzat's werden kurz und apodictisch 
wiederholt, die grundlagen seines Systems sind ja so sicher „wie 
das einmal eins" oder „wie der pythagoräische lehrsatz" „trotz- 
dem noch keiner sie . . anzuerkennen gewagt hat" (155)! 

Solchem verfahren gegenüber schien es referent anfänglich 
überflüssig zu sein, noch gegen die einzelnen ansätze Seeck's zu 
polemisiren. 

Seeck sagt es ja ausdrücklich an einer anderen stelle Sybel 
Histor. Zeitschrift 1885, p. 294: „auch wenn Polybius nicht zwei- 
mal, sondern siebenmal mit Matzat's theorie im Widerspruch stände, 
so zeigte dieses nur, daß Polybius siebenmal geirrt habe. Denn 
die Zahlenreihen Matzat's sind ein zwingender beweis!" 

Nur einige der neuen mittel Seeck's, um Matzat's system 
zu stützen, verlohnt es sich einmal etwas näher zu prüfen. 



152 29. Komische geschichte. Nr. 2. 

Seeck erkennt die berechtigung des einwandes, welchen re- 
ferent gegen die grundlegende finsterniß vom 21. juni 400 v. Chr. 
erhob, an, daß nur die finsterniß den Worten Cicero's entspreche, 
von der mau auf Non. Quinct. eines todesjahrs des Romulus zu- 
rückrechnen könne. Seeck erkennt weiter au, daß die alten die 
methode , finsternisse zurückzurechnen besessen hätten. Und 
trotz alledem hält er daran fest, daß die finsterniß vom 21. juni 
400 v. Chr. die von Ennius bezeichnete sein müsse ! — 

Tarutius soll nämlich von den Non. Quinct. bis Kai. Mart. im 

„Romulischen" jähre gerechnet haben 175 tage 

dann 6 jähre zu 304 tagen 1824 „ 

24 jähre zu 354 tagen 8496 „ 

236 jähre zu 355 tagen 33780 „ 

12 schaltcyklen zu 1465 tagen 17580 „ 

endlich von den Kai. Mart. bis zu den nonaeluniae 96 „ 

zusammen 111,951 tage gerechnet haben: „das sind genau 17 
chaldäische cyclen". „Das verwunderlichste", fügt Seeck 123 
hinzu, bei diesen rechnungen, ist, daß sie so genau auskommen". 
Wenn diese rechnung etwas erweisen kann , so ist es das : mit 
zahlen , die keinen verständigen Zusammenhang repräsentiren, 
kann man alles beweisen , und wenn die zahl der 304tägigen, 
der 354- und 355tägigen jähre nach belieben ausgewählt wer- 
den kann, so müßte es doch noch „verwunderlicher" sein, wenn 
man damit nicht noch ganz andere dinge zum (vgl. p. 123) 
stimmen bringen könnte. 

Außerdem aber kommt doch noch in frage, wie Tarutius in 
Wirklichkeit finsternisse aus Romulus' zeit berechnet hat. Plu- 
tarch Romul. 12 setzt Tarutius eine finsterniß am 23. choiak an. 
Plutarch rechnet , wie Boeckh Sonnenkreise 203 gezeigt hat, 
nach daten des festen alexandrinischen Jahres. Die finsterniß 
soll also am 19. december jul. (772) stattgefunden haben und wenn 
dieselbe auch bei Pingre fehlt, so ist sie doch in der that richtig 
mit 40 cyclen zurückberechnet worden von derjenigen am 24. 
februar 50 v. Chr. Romulus' conception, seine ttqm71] ysvepiß 
sollte wie die des Augustus im Steinbock sein (so ist Sueton 
Aug. 94 zu erklären), seine geburt wie die des Augustus beim 
eintritt der sonne in die prega 18. sept. jul. 63 v. Chr. = IX 
Kai. Oct. 691 vgl. Manilius astron. IV, 776 und Philologus XLV, 3. 
Ja aus den weitem angaben (9. piiaramuth = 5. april 



Nr. 2. 29. Römische geschichte. 153 

julianisch = palilia 753 v. Chr.) geht hervor, daß Tarutius vor 
dem kalender des Numa einfach ein mondjahr mit oktaeteris 
angenommen hat. Im fünften jähre der oktaeteris (354 -(-354 
_j_ 383-|-354 = 1445 statt 1461 tage = —16) waren die pa- 
lilia am 5. april julianisch. 

Seeck's rechnung ist also nicht nur im Widerspruch mit 
der Vernunft, sondern auch mit Tarutius, und das genügt wohl, 
um sie zu beseitigen. 

Diesen resultaten reiht sich würdig an die seite die bewun- 
derung des berüchtigten extraschalttages. Wer glaubt's wohl, 
wenn er begeistert ausruft : „es ist das unvergängliche verdienst 
Matzat's durch die entdeckung des extraschalttages zuerst diese 
Schwierigkeit überwunden zu haben. So heftig seine hypothese 
von allen Seiten angegriffen ist , bleibt sie doch nicht minder 
unerschütterlich, als ihre grundlage, das einmaleins. Wenn eine 
so complicirte rechnung bis auf den tag auskommt , so ist dies 
beweis genug !" 

Auch hier wieder eine fast pythagoreische bewunderung 
von zahlen, hinter denen kein vernünftiger inhalt steckt. Kein 
mensch hat vor Matzat einen extraschalttag gekannt , nichts ist 
über ihn überliefert. Ein solcher konnte auch dem überlieferten 
aberglauben nicht abhelfen , (die collision von Nonae und Nun- 
dinae ist ja durch ihn nicht vermieden worden) und Macrobius 
spricht nur von dem 355sten tag, nicht von einem weiteren 
einschiebtag. 

Doch das allerschlimmste ist die behandlung der magi- 
stratsliste. 

Während der ganzen zeit der republik bis in die zeit der 
punischen kriege, sollen die pontifices die marotte gehabt haben, 
immer am Schluß von 96 sonnenjahren mindestens vier jähre 
zu fälschen und dem fromm erstaunten publicum auf dem forum 
gemeldet haben, daß. schon nach 96 jähren ein saeculum zu 
ende sei. 

Bei der zweiten capitolinischen nagelschlagung 391 varr. 
wollte, nach Seeck 165, der pontifex maximus , daß, was in 
sacralem sinne ein Jahrhundert war, es auch in kalendarischem 
werde; fdem publicum sollte ad oculos demonstrirt werden, daß 
seit der letzten nagelschlagung wirklich ein volles säculum ver- 
flossen sei , und deshalb wurde in der numerirung der jährlich 



154 29. Römische geschichte. Nr. 2. 

wechselnden kalendertafelu, nachdem man sie zuerst richtig von 
1 bis 96 durchgezählt hatte, plötzlich auf 101 übergesprungen. 
Die lücke in den fasten, welche sich dadurch ergab, wurde dann 
durch entsprechende Verlängerung der anarchie ausgefüllt. Aehn- 
lich verfuhr man im jähr 491 varr., hier interpolirte man „dic- 
tatorenjahre". 

Ich frage dagegen : welchen Römer würde nicht bei einem 
solchen trug der pontifices Unwillen ergriffen haben ? Derartigen 
Schwindel sollten sich römische pontifices in den zeiten, da noch 
glauben und frömmigkeit herrschte, erlaubt haben? 

Kaum ein Jahrzehnt nach der anarchie, also zu einer zeit, da 
noch die mehrzahl derer, welche die anarchie erlebt hatten, am 
leben waren, sollte man es geduldet haben, daß mit einmal vier 
interpolirt worden seien ! 

Der gedanke ist so absonderlich, daß man sich billig wun- 
dern muß, wie überhaupt ein verständiger mensch auf so etwas 
verfallen konnte, noch mehr aber , wie alle einzelnen theile der 
hypothese in der luft schweben. 

Sind denn jemals 24 schaltcyclen oder hundertmal 12 mo- 
nate „in sacralem sinne ein Jahrhundert" (165) gewesen? Wer 
vier 24jährigen schaltcyclen eine sacrale bedeutung beilegen 
wollte, von der ja nichts verlautet, müßte schon nach 99 . 12 
mondmonaten den abschnitt machen. Die capitolinische nagel- 
schlagung begann mit der gründung des tempels, aber nicht 292 
varr. Die 2*/2 mondsäcula, welche dabei auf die königszeit kom- 
men sollen , könnten erst in der zeit nach Cato aufgekommen 
sein. Zu anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. war man kaum 
über das princip einig , wie die königsherrschaft zu berechnen 
sei. (Vgl. Das Catonische gründungsdatum, jahrb. 1385, p. 552 f.). 

Kurz: das ganze ist ein schlechter einfall , (vgl. Niese, 
Piniol, anz. 1884, p. 561), der nie hätte gedruckt werden sollen 
Sollte ein solcher die räthsel der römischen Chronologie lösen können? 

Günstiger als über diese fundamentalen abschnitte muß 
über diejenigen geurtheilt werden, in denen Seeck Matzat's auf- 
stellungen zu widerlegen versucht. 

Die Matzat'schen Synchronismen hatten zwar (natürlich ab 
gesehen von dem polybianischen ansatz der Alliaschlacht 387) 
bisher noch von keiner seite billigung erfahren (vgl. Soltau 
Deutsche Literaturzeitung 1880, no. 48, p. 1700. Holzapfel, 



Nr. 2. 29. Römische geschiente. 155 

Berliner philologische Wochenschrift 1884, nr. 33 — 34, Niese, 
Philol. anzeiger 1884, 560 f.), p. 115 — 118 werden sie treffend 
auch von Seeck insgesammt als unhaltbar nachgewiesen. — 
Matzat hatte die bei Diodor fehlenden fünf eponymencollegien 
von 331 — 335, welche sieben namen aus 326 — 330 wiederholen, 
als eine spätere interpolation aller fasten hinzustellen gesucht, 
von der allein Diodor freigeblieben sei. Seeck zeigt, daß 
die fastentafel noch mehrfach analoge interpolatiouen erfahren 
habe und schließt sicherlich mit recht p. 81 : „fand also Diodor 
zwei von jenen interpolationen in seinen quellen, so kann auch 
die dritte hier nicht gefehlt haben , und ihre tilgung ist nur 
eine eigenmächtige correctur der Überlieferung, die zufällig viel- 
leicht das richtige getroffen hat". 

Die weiteren Schlüsse , die Seeck hieraus zieht , sind aller- 
dings unhaltbar. 25 jähre vor der Alliaschlacht sollten 8 oder 
gar 13 eponyinen gefälscht sein '? ! Wer glaubt das, der noch die an- 
gaben des censorenprotokolls und die Flaviusinschrift (vgl. aufsätze 
des referenten in Philol. Wochenschrift 1885, no. 40. 50) festhält. 

Seeck verwechselt hier, wie das leider schon so oft gesche- 
hen ist, die interpolation ganzer jähre mit derjenigen einzelner 
namen in die tribunencollegien. Daß letztere mehrfach erfolgt 
ist, ist eine bekannte thatsache. Ersteres ist , nach ansieht des 
referenten , unerhört und eben deshalb ist über die combinatio- 
nen Matzat's, Seeck's u. a , welche diese beiden dinge confun- 
diren, ein strich zu ziehen. 

Die obige entdeckung Seeck's ist nichtsdestoweniger das 
beste seines buches. Sie gibt uns eine feste handhabe zur lö- 
sung der Diodorischen Chronologie und zur ergründung der Ur- 
sachen der fasteninterpolationen. Darüber mehr in des referen- 
ten „Prolegomena zu einer römischen Chronologie" (Berlin 1886). 

Von den außerdem noch in demselben enthaltenen glück- 
lichen einzelbeoachtungen, erwähne ich vor allem noch den nach- 
weis, daß allem anschein nach die pontificalchronik, wie sie um 
130 v. Chr. überarbeitet worden ist, trotz ihres einflusses auf 
die annalistik in späterer zeit wenig gelesen , ja wenig zugäng- 
lich gewesen sein muß (p. 88). Noch wichtiger ist die angäbe 
p. 176, daß Cato's origines die quelle von Polybius' bericht 
über die tumultus Gallici II, 14 f. gewesen ist. Diese behaup- 
tung läßt sich , was Seeck merkwürdigerweise entgangen ist, 



156 29. Römische geschichte. Nr. 2. 

durch einen vergleich der fragmente über jeden zweifei erheben. 
Erfreulich ist auch das zugeständniß (141), „daß das römische 
amtsjahr sich stets rückwärts , nie vorwärts bewegt hat". Da- 
mit ist denn die theorie der fülljahre, welche die durch Inter- 
regna entstandenen Überschüsse repräsentiren sollen, wohl defi- 
nitiv zu grabe getragen. Im übrigen ist Seeck's weitere aus- 
führung daselbst unbrauchbar. V. 433 — 460 waren Kai. De- 
cembres antrittstermin , zur zeit der leges Liciniae Sextiae ein 
dalum zu anfang des jahres (Idus Martiae), v. 425 Kai. Quinct. 
Kurz die zahl der amtsjahre seit dem decemvirat bis zu den 
punischen kriegen war um mindestens drei, wahrscheinlich um 
vier größer, als die der kalenderjahre. 

Endlich sind noch die resultate des ersten abschnittes kurz 
zu berühren. Derselbe enthält eine analyse der quellen, welche 
von Cn. Flavius' bedeutung handeln. 

Diese Untersuchung wird schon durch ihre sorgfältige Samm- 
lung und die scharfsinnige trennung der einzelnen Versionen ih- 
ren werth behalten , auch wenn es Seeck nicht gelingen sollte, 
seine leser von der richtigkeit seiner resultate zu überzeugen. 

Nach Seeck's ansieht (11 f.) geht der bericht des Plinius 
in seinen einzelnen theilen 1) auf die Flaviusinschrift an der 
aedicula Concordiae in area Vulcani , 2) auf Ennius' annales, 
3) theils auf einen unbekannten jüngeren annalisten , theils auf 
Varro zurück. 

Der beweis für die wichtigen beiden ersten thesen ist Seeck 
nicht geglückt , bringt aber im einzelnen manches interessante 
detail. 

Gegen die herleitung des ersten passus aus der inschrift 
des Flavius sprechen gewichtige gründe. Es ist gewiß richtig, 
daß Flavius eine zeit lang zugleich Curulaedil und volkstribun 
war. (Philol. wochenschr. 1885, no. 40). Aber als er die in- 
schrift setzte, war er noch nicht der tribun , wenn auch wohl 
schon zum tribun gewählt. Konnte er damals sich schon in ei- 
ner officiellen inschrift tribun nennen? Eine cumulirung meh- 
rerer kleinerer gemeindeämter ist aber nicht zulässig und 
auch nicht durch Seeck glaubhaft gemacht. 

Vor allem aber ist es auch verkehrt, den zweiten abschnitt 
auf Ennius zurückzuführen. Gerade die bei Plinius und Livius 



Nr. 2. 29. Römische geschiente. 157 

wiederkehrenden, der gemeinsamen quelle angehörigen worte 
armlös und sed et phaleras positas passen ebensowenig zu En- 
nius' versen , wie die indirecte rede für Ennius' diction. Und 
gerade die letztgenannten worte sind doch allem anschein nach 
^wörtlich dem annalenwerk entnommen. Dazu kommt, daß an- 
tiquissimi annales gewiß nicht auf Ennius' annales, die stets 
ohne diesen zusatz so genannt werden, bezogen werden darf, 
sondern ungefähr das bezeichnet, was wir unter „älterer anna- 
listischer tradition" verstehen. 

Diese hypothesen Seeck's werden ebensowenig vor der kri- 

tik stand halten, wie die vermuthung des 2. kapitels (63), daß 

die annalistik der pontifices mit ihrer kalendarischen wirksam- 

i keit nicht nur zusammenhänge, sondern vollkommen iden- 

| tisch sei. Und ebenso unglücklich ist der versuch (56) den 

i von Ihering in seinem geist des römischen rechts so mustergül- 

j tig entwickelten einfluß der pontifices auf die rechtswissenschaft 

zu verleugnen und zu beseitigen. 

Aber mag in diesen wie in den gegen Matzat gerichteten 
abschnitten neben dem richtigen manches fehlerhaft sein ; es 
bleibt immerhin neben dem fehlerhaften des lehrreichen und an- 
regenden noch genug, wogegen die von Matzat's theorie beein- 
flußten abschnitte nur lehren , wie man es nicht machen soll. 
Sie sprechen jeder inductiven methode höhn und zeigen, wie es 
isich rächt, wenn man auf einem gebiete, das mehr als alles an- 
dere einem wüsten umherconjiciren widerstreben sollte, den , ge- 
wohnten langsamen fortschritt der Wissenschaft" ignorirt. 

Referent ist keineswegs der ansieht, daß Unger, über den 
(Matzat und Seeck oft genug schnöde aburtheilen, in seinen chro- 
nologischen forschungen überall einen glücklichen weg ein- 
geschlagen hat. Unger's Synchronismen werden ebensowenig wie 
seine erklärung der tumulius Gallici oder seine theorie der dic- 
catorenjahre sich allgemeiner anerkennung zu erfreuen haben. 
Iber seinen zum theil sehr mühsamen und sorgsamen Studien 
Vird man wenigstens dreierlei verdanken: 

1) die richtige theorie des Interregnums , womit dann die 

fülljahre beseitigt sind und der satz gewonnen ist, daß die zahl 

der amtsjahre größer ist als die der kalenderjahre; sodann sind 

2) die wichtigsten amtsjahrverkürzungen durch ihn 

sichergestellt und 



158 30. Aegypten. Nr. 2. 

3) wird das verhältniß vou altrömischer und julianischer 
datirung im wesentlichen durch seine for schlingen klargestellt 
sein. 

Damit ist immerhin ein grund gelegt, auf dem sich weiter - 
arheiten läßt. 

Luftschlösser nach art von Matzat/Seeck passen allerdings 
auf einen solchen soliden grund nicht und es wird wohl auch 
hier wieder bei dem gewohnten langsamen fortschreiten der Wis- 
senschaft sein bewenden haben müssen, wenn bleibende wissen- 
schaftliche errungenschaften gewonnen werden sollen. 

Wilhelm Soltau. 



30. A. Ermann, Aegypten und ägyptisches leben im 
alterthum. 1. bd. VIII mit 236 abbildungen im text und 7 
Vollbildern. XVI und 350 p. Tübingen, Laupp. geb. 10 mk. 

Das vorliegende werk, dessen zweiter band bis ostern 1886 
in aussieht gestellt ist , unterscheidet sich von den zahlreichen 
anderen illustrierten und nichtillustrierten büchern über Aegypten, 
die sich an das große publikum wenden, schon durch die be- 
schränkung seines inkaltes. Es behandelt denjenigen theil der 
ägyptischen alterthumskunde , der auf das allgemeinste interesse 
ansprach erheben darf : dasjenige was man kulturgeschichte 
zu nennen sich gewöhnt hat. Bei der menge der über Aegypten 
existierenden populären darstellungen muß hervorgehoben werden, 
daß seit Wilkinsons längst veralteten manners and customs dieser 
gegenständ nicht mehr erörtert worden ist. 

Als die moderne forschung sich zuerst der fülle ägyptischer 
denkmäler gegenüber gestellt sah , überwog das charakteristische 
allgemeine so sehr , daß man die besonderheiten übersehend, die 
hinterlassenschaft der alten Aegypter als ein einheitliches ganze 
betrachtete, ja sogar zu der ansieht sich bereebtigt hielt, die 
entwickelung dieses volkes sei von einer ganz besonderen Stabi- 
lität gewesen. Ist auch letzteres in gewissem sinne, soweit es 
die allgemeinsten Voraussetzungen und grundlagen betrifft richtig, 
so mußte doch ein wissenschaftliches verfahren, welches durch 
Jahrtausende getrennte denkmale ohne weiteres als gleichwertig 
behandelte, zu argen misgriften führen. 

Seit Lepsius mit hilfe der historischen denkmale, die Schei- 
dung der drei großen perioden des alten, mittleren und neuen 






Nr. 2. 30. Aegypten. 159 

reiches aufgestellt hatte, waren der künftigen forschung auch 
hier die grundzüge für ein historisches verfahren gegeben , so 
konnte die erkenntnis nicht ausbleiben, daß auch in Aegypten 
nicht stillstand sondern mannigfache entwickelung und Verän- 
derung den inhalt einer Jahrtausende alten Vergangenheit bilde. 

Trotz des unermeßlichen nutzens, der der ägyptischen philo- 
logie aus der erhaltung des koptischen erwachsen war, mußte sich 
auch hier die Überzeugung immer mehr bahn brechen, daß schrift 
und spräche der pyramidenzeit, der papyrus und denkmäler der 
späteren perioden unter einander und von dem koptischen nicht 
geringer seien, als sonst in gleich langen Zeiträumen sprachlicher 
entwickelung. A. Ermann hat diesbezüglich für die ägyptische 
philologie die größten, von allen fachgenossen anerkannten Ver- 
dienste, zu denen das weitere nicht geringere kommt, daß er 
überall in seinen .philologischen arbeiten auf das nachdrücklichste 
blos „errathenes" von methodisch gesicherten ergebnissen son- 
dert. Diesen grundsätzen ist der verf. auch in dem vorliegen- 
den werke treu geblieben, das eben deshalb den ersten platz 
unter den populären darstellungen über Aegypten einnimmt. 
Wie es Eduard Meyer in seiner jüngst erschienenen geschichte 
!des alterthums (Cotta 1884) auf derselben grundlage gelungen 
ist, zum ersten male das chaos von religiösen und sogenann- 
ten historischen texten der denkmäler zur religions- und staats- 
: geschichte Aegyptens zu gestalten, so schöpft Ermann aus den 
ünschriften und abbildungen in den gräbern der Würdenträger 
und privatleute, wie aus den papyrushandschriften der museen 
die kultur geschichte des landes, er hat zum ersten male in 
diesen denkmälerclassen das zusammengehörige zusammengefaßt, 
das verschiedene getrennt und so ein bild historischer entwicke- 
lung gezeichnet. 

In einer einleitung wird das Verhältnis der Griechen und 
iRömer zu dem ägyptischen volke und seinen denkmalen sowie 
; das interesse unserer eigenen zeit an der Vergangenheit des 
landes , die eigenart seiner monumentalen reste und die entziffe- 
rung der hieroglyphenschrift dargestellt. Das erste capitel schil- 
dert Aegypten nach seinen landschaftlichen und klimatischen be- 
i Sonderheiten, dessen allmählige kultivirung und die geographische 
eintheilung in alter zeit. Die folgenden betrachten das volk in 
ethnologischer, seine spräche in philologischer hinsieht und geben 



160 30. Aegypten. Nr. 2 

eine kurze übersieht seiner geschiente. Wenn schon diese ersten 
abschnitte, die oft behandelten dingen gewidmet sind, gleichwohl 
eine fülle neuer und wie mir scheint, richtiger gedanken, sei es 
zum ersten male ausgesprochen, sei es schärfer und entsprechen- 
der gefasst enthalten, so bieten vollends die aus umfassendster 
detailkenntnis geschöpften , in's einzelne gehenden späteren ab 
schnitte ein dem fachmann wie dem nichtägyptologen gleich neues 
lind interessantes bild dieses merkwürdigen Staatswesens. Der 
könig und seine Umgebung , der staat der älteren und neueren 
zeit , polizei und gerichtsverfahren , die familie , das haus , die 
tracht und Vergnügungen werden mit gewissenhafter Scheidung 
der verschiedenen Zeiträume geschildert unter steter berufung 
auf die belegsteilen in schrift und bild, die dem leser die ur 
kundlichkeit der darstellung gewährleisten, dem forscher die 
nachprüfung ermöglichen. Archäologen sei besonders der auch 
nach Perrot und Chipiez durchaus neues bietende abschnitt übe 
männer- und frauen- , haar- und barttracht handelnde abschnitt 
empfohlen , sowie jener über die einrichtungen des Wohnhauses, 
das bisher soviel man auch vom tempelbau aus den ruinen 
wußte, so gut wie unbekannt war, da es nur aus den abbildun- 
gen sich reconstruieren läßt. 

Besonders schwierig war es eine darstellung der überaus 
reich und mannigfach gegliederten beamtenhierarchie zu geben, 
was der verf. diesbezüglich in drei capiteln mittheilt, ist alles 
von ihm zum ersten male aus einer mühsamen vergleichung der 
verschiedensten denkmale ermittelt. Hoffentlich erfüllt derselbe 
bald das versprechen einige abschnitte dieses buches in streng 
wissenschaftlicher gestalt auszuarbeiten. 

Der vorzug dieser im guten sinne des wortes populären 
darstellung liegt darin, daß ihr Verfasser diese arbeit bereits ge- 
than hat, und es muß schließlich hervorgehoben werden, daß 
dieselbe einige Wiederholungen von einzelheiten abgerechnet, sich 
sehr gut liest. Sie hält sich von aller künstelei des Stiles frei, 
durch welche andere darstellet", um den ton der inschriften nach- 
zuahmen oder um ägyptischen dingen eine unbegründete, abson- 
derliche feierlichkeit zu verleihen , ihre leistungen verunziert ha- 
ben. Auf p. 40 ist ein leicht zu bessernder fehler stehen 
geblieben. 

Die ausstattung ist an sich und besonders im Verhältnis zu 



Nr. 2. Bibliographie. 161 

dem preise reich zu nennen; allen, die über Aegypten nicht 
nur zu lesen und bilder zu schauen, sondern zu lernen wünschen, 
sei das buch bestens empfohlen, es ist „keines der beliebten 
bilderbücher für große kinder", darum aber nicht minder ein 
prachtwerk. Adolf Bauer. 

Bibliographie. 

Ausgegeben ist : Bibliotheca philologica, oder geordnete Über- 
sicht aller auf dem gebiete der classischen alterthumswissen- 
schaft wie der altern und neuern Sprachwissenschaft in Deutsch- 
land und im ausländ neu erschienenen schritten. Herausgege- 
ben von August Blau, dr. ph. 28. Jahrgang, 1. heft, januar bis 
juni 1885. Verlag von Vandenhoeck u. Ruprecht in Göttingen. 

Mittheilungen der Verlagshandlung B. G. Teubner in Leipzig, 
1885, nr. 6. Erste abtheilung, anzeigen über künftig erschei- 
nende werke : Valeri Maximi factorum et dictorum memorabilium 
libri novem adiecta Iulii Paridis epitome recensuit C. Kempe. 8. 
: geh. (Bibliotheca Teubneriana) ; — Handbuch des homerischen 
dialektes. Von dr. J. van Leeuwen jr. und M. B. Mendes da 
Costa. Aus dem Holländischen übersetzt von dr. E. Melder, di- 
rekter des gymnasiums in Zwolle. gr. 8. geh. ; — Encyklo- 
pädie und methodologie der philologischen Wissenschaften von 
August BoecTch. Herausgegeben von Ernst Bratuschech. Zweite 
aufläge besorgt von Rudolf Klussmann. gr. 8. geh.; — Por- 
phyrii philosophi Platonici opuscula selecta. Iterum recognovit 
A. Nauck. 8. geh. (Bibliotheca Teubneriana); Babrii fabulae. 
-Recognovit Otto Crusius. 8. geh. (Bibliotheca Teubneriana). 

Verzeichniß ausgewählter werke aus dem verlag der Weid- 
mann 'sehen buchhandlung in Berlin, welche zu bedeutend 
ermäßigten preisen durch alle buchhandlungen zu bezie- 
hen sind. Januar 1886. 

Eingesandt sind : G. Eichler in Berlin, katalog der antiken 
portraitbüsten und statuen ; — Verzeichniß des Verlags von Gu- 
stav Gräber in Leipzig ; — des Verlags der buchhandlung Styria 
iin Graz. 

Ankündigung der philologischen handbibliothek der Weid- 
»wmnschen buchhandlung; — des ebendaselbst erscheinenden 
Jahrbuchs der königlich preußischen kunstsammlungen ; — des 
bei Julius Springer in Berlin erscheinenden werks : Olympia, das 
fest und seine statte, nach den berichten der alten und den er- 
gebnissen der deutschen ausgrabungen von Adolph Bötticher. 
Zweite durchgesehene und erweiterte aufläge. 

Kataloge von antiquaren : G. Detlejfs antiquariat in Basel, 
katalog nr. 51 ; — antiquarisches buchlager von Gilhofer und 
auschburg in Wien ; K. F. Köhlers antiquariat in Leipzig , ka- 

Philol. Anz. XVI. 11 



162 Bibliographie. Nr. 2. 

talog nr. 435; — J. A. Stargardt, buchhandluug und antiqua- 
riat in Berlin, katalog nr. 151. 

Verzeichnis von dissertationen , programme, gelegenheits- 
schriften aus dem gebiete der classischen philologie und alter- 
thumswissenschaft, vorräthig bei Simmel u. co. in Leipzig. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1886. II. 

Holland. 

60. Hecher, W. , klassisch woerdenboek van eigennamen uit de 
grieksche en romeinsche mythologie geschiedenis letter-en aardrijks- 
kunde. 3. verm. drnk. Amsterdam, van Kampen 1885. 8. IV, 
467 p. 3,50 fl. 

61. 'HqoJötov IgtoqIki praesertim in usura scholarnm recogn. 
et brevi annotatione instrnxit Henr. van Herwerden. Vol. II cont. 
libros III— V. Utrecht, Kemink 1885. 8. X, 347 p. 2,25 fl. 

62. Naber, J. C, de vormende kracht van het. romeinsche recht. 
Rede . . . Utrecht, Beijer 1885. 8. 48 p. 0,80 fl. 

63. Was, H., Plato's Politeia. Een kritisch-esthetisch onderzoek. 
Arabern, Gonda 1885. 8. 72 p. 0,90 fl. 

64. Whitney, William Dwight, taal en taalstudie. Voorlezingen 
over de gronden der wetenschappelijke taalbeoefening. Volgens de 
derde uitgave voor Nederlanders bewerkt, door J. Beckering Vinchcrs. 
I. Serie. 2e herziene , met een regisfer vermerd. druk. Haarlem, 
Bohn 1885. 8. XXX, 488 p. 5,50 fl. 

Skandinavien. 

65. Berg, C. , graesk-dansk Ordbog til Skolebrug. 2n forkort. 
Udgave. Kjobenhavn, Gyldendal 1885. 8. 932 p. 12 kr. 

66. Brunn, S., graesk Grammatik. Anden omarb. Udg. KJ0- 
benh., Gyldendal 1885. 8. 306 p. 5 kr. 

67. Cavallin, C. , latinskt skol-lexikon i alfabetisk uppställning 
utarb. Stereotyp, uppl. Stockholm, Beijer 1885. 8. 712 sp. 8 kr. 

68. Dahl , J. , Omrids af Indernes Religioner i deres historiske 
Udvikling og Sammenhaeng fremstillet after deres religiöse Kilde- 
skrifter. Christiania, Mailing 1885. 8. 77 p. 1 kr. 

69. Demosthenes' olynthiske Taler samt Talen imod Konon. Til 
Skolebrug udgivne og fortolkede af Ä'. Hude. Kjabenh. , Gyldendal 
1885. 8. 92 p. 1 kr. 50 0re. 

70. Dietrichson, L. , fra Kunstens Verden. Foredrag og Studier. 
Kj0benh., Gyldendal 1885. 8. 314 p. 4 kr. 50 0re. 

71. Koch, J. B., Gloser og Anmaerkninger til Cicero's katilina- 
riske Taler. KJ0benh., Prior 1885. 8. 50 p. 65 0re. 

72. Platon's Menon oversat og oplyst ved Anmaerkninger af F. 
C. B. Dahl. Kjebenh., Reitzel 1885. 8. 120 p. 1 kr. 50 0re. 

73. Piaton udvalgte Dialoger bearb. til Skolebrug af F. W. 
Wiehe. le Hefte. Apologien Kriton. Fjerde Udgaven ved E. l'rojel. 
Kj0benh., Reitzel 1885. 8. 112 p. 1 kr. 60 0re. 

74. Saloman, G., der Sandalenbinder. Eine archäologische Ab- 
handlung. Stockholm, Beijer 1885. 4. 41 p. 3 pl. 2 kr. 

75. Stenersen, L. B., om Kolonos Agoraios. Christiania, Dybwad 
1885. 8. 25 p. 50 0re. 

76. Weiße, J. P., Romernes off'entlige og private Liv tilligemed 
et kort Omrits af den romerske Litteraturhistorie. Fremstillet til 
Brug i Gymnasiernes 0verste Klasse. Christiania , Steensbala 1885. 
8. 123 p. 2 kr. 25 «rre. 



Nr. 2. Bibliographie. 163 

77. Zander, C. M. , de relatione pronominali ea quae est per 
quod et id quod. Lund, Gleerup 1885. 4. 54 p. 1 kr. 50 ore. 

Rußland. 

78. Einhorn, J. , geschiente der weiblichen ärzte. Theil I : das 
altertbum. Moskau 1881. 8. (In russ. spräche). 

79. Goroshanskij , N. , materialien zur archaeologie Rußlands 
nach gouvernements und bezirken. „Liefg. 1. Moskau 1884. (Russisch). 

80. Stassow , W. , denkinäler alter kunst und litteratur. Bilder 
und compositionen in initialen alter russischer handschriften. Peters- 
burg 1884. (Russisch). 

Ungarn. 

81. Burany, Gerg., die religion der Griechen und Bötner aus dem 
gesichtspunkte des christenthums betrachtet. Stein am Anger, Seiler 
1885. 8. 67 p. (Ungarisch). 

82. Csiky, Gergely, griechisch-römische mythologie mit illustr. 
im Text. Budapest, Franklin 1885. 8. 156 p. (Ungarisch). 

83. Finäly , Henr. , Wörterbuch der latein. spräche. Aus den 
quellen mit berücksichtigung der neusten forschungen und hülfsmittel. 
Budapest, Kilian'1884. 8. 2134 p. (Ungarisch). 

84. Koni, Ingn., die tragödien des Seneca. Budapest, akademie 
1884 8. 112 p. (Ungarisch). 

84a. — — die griechische tragödie nach Euripides. Budapest, 
I Kilian 1884. 8. 107 p. (Ungarisch). 

85. Ortvay, Tivadar, ein angeblich römischer Mediterranweg in 
Pannonien. Budapest 1884. 8. 77 p. (Ungarisch). 

86. Plautus , die lustspiele des, im auftrage der Kisfaludy ge. 
Seilschaft übers, von Gregor Csiky. Bd. I— IV. Budapest, Pfeiffer 
1884. 1885. 8. (Ungarisch). 

87. Schvarcz, Gyulai, die staatsformen bei Sällust und die po- 
'' litische litteratur der Griechen. Budapest, akademie 1885. 8. 27 p. 

(Ungarisch). 

88. Spitko, Lajos, das griechische theater. Vortrag. Arad, 
! Gyulai 1884. 22 p. 

89. Telfy , Ivan , sprachwissenschaftliche bewegungen bei den 
1 heutigen Griechen. Budapest, akademie 1885. 8. 29 p. (Ungarisch). 
rj 90. Vecsey, Tämas, das leben und die werke des Aemilius Papi- 
«nianus. Budapest, akademie 1884. 8. 143 p. 

91. Virgils Aeneis. Epos in 12 gesängen ins Ungar, übers, u. 
ierläut. v. Josef Markt. Budapest, Nagel 1884. 8. VIII, 461 p. 

Beilage A. Schulprogramme. 

92. Adamek , 0. , die darstellung des todes in der griechischen 
kunst und Lessings schrift „wie die Alten den tod gebildet". Graz, 
(zweites staatsgymn.) 1885. 8. p. 17—28. 8. 

93. Altemöller, Wilh. , der prozeß des Cn. Calpurnius Piso. Kri- 
• tik der taciteischen behauptung, daß Piso den Germanicus auf an- 
stiften des kaisers Tiberius vergiftet habe. Straßburg, (kath. schule 
an St. Stephan) 1885. 4. 44 p. (Teubner no. 467). 

94. Altinger , Fridericus, de rhetoricis in orationes Thucydideas 
„scholiis. München, (Wilhelmsgymn.) 1885. 8. 66 p. 

95. Baumann, H., zum ersten buche der commentarien Caesars 
über den gallischen krieg. Wien, (Franz-Jos. -gymn.) 1885. 8. p.29 — 38. 

96. Benedetti, G. , Istriani e Romani nell' anno 178 a. Chr. 
iStudio. Mitterburg 1885. 8. 32 p. 

97. Brunco, W., zwei lateinische Spruchsammlungen kritisch be- 
bandelt, Bayreuth 1885. 8. 44 p. 

11* 



164 Bibliographie. Nr. 2 

98. Bürchner , Ludwig, die besiedelung der küsten des Ponto: 
Euxeinos durch die Milesier. Historisch-philologische skizze. I. theil 
Kempten 1885. 8. 75 p. 

99. Deecke,W., die etruskische bleiplatte von Magliano. Colmar 
1885. 4. (Progr. v. Buchsweiler). 34 p. (no. 455). 

100. Denecke, W. , de vi atque usu dativi localis et temporalis 
in Homeri carminibus. Braunschweig 1885. 4. p. 14 — 42. (no. 625' 

101. Duive, Adolf, Quatenus Procopius Thucydidem imitatus sii 
Iever 1885. 4. 37 p. 

102. Fleischer, Curt , Quaestionum de bello Hispaniensi critica- 
rum pars altera. Meißen 1885. 4. 23 p. 

103. Furtner, Joseph, textkritische bernerkungen zu Sulpicius 
Severus. Landshut 1885 ; 8. 42 p. 

104. Galetschky , die Urgeschichte der Langobarden. Eine hi- 
storische studie. Weißenfels 1885. 4. 22 p. 

105. Gallenmüller , Joseph, der fixsternhimniel jetzt und zu Ho- 
mers zeiten. Stadtamhof 1885. 8. 61 p. und tafel. 

106. Gratzy, Oskar, über den Sensualismus des philosophen Pro- 
tagoras und dessen darstellung bei Plato. Laibach 1885. 8. 48 p. 

107. Hahenicht , Hans , die allitteration bei Horaz. Eger 1885. 
8. 27 p. 

108. Hanna, F., zur prosopographia Horatiana. Theil I. Krems 
1885. 8. 24 p. 

109. Heigl, G. , die quellen des Plinius im XI. buche seiner na- 
turgeschichte. Theil I. Marburg 1885. 8. 45 p. 

110. Heinrich, Alfred, Lukian und Horaz. Graz 1885. 8. (Er- 
stes staatsgymn.). 20 p. 

111. Jurenka, Hugo, Quaestiones criticae. I. De Callimacho 
Apollonii Rhodii inimico. II. Coniecturae ad Heroides Ovidianas. 
Wiener Neustadt 1885. 8. 20 p. 

112. Kieser, Fr. , Thucydidea. Mainz (gymn.) 1885. 4. 30 p. 
(no. 574). 

113. Knoegel, Wilh., de retractatione Fastorum ab Ovidio To- 
mis instituta. Montaborini 1885. 8. 35 p. (no. 359). 

114. Krebs, Franz, zur rection der casus in der späteren histo- 
rischen Graecität. Regensbjirg 1885. 8. 35 p. 

115. Kubicki, das Schaltjahr in der großen rechnungsurkunde 
Corp. Inscr. Attic. I, no. 273. Ratibor 1885. 4. 

116. Kuntze, F., beitrage zur geschichte des Otho-Vitelliuskrieges. 
Karlsruhe 1885. 4. 16 p. 

117. Kurtz, Matthäus, die Synonyma des Johannes von Garlandia. 
Wien 1885. 

118. Landgraf, Gust., die Vita Alexandri Magni des Archipres- 
byters Leo. (Historia de preliis). Theil I : die Nektanebussage I, 
1—14. Schweinfurt 1885. 8. 43 p. 

119. La Roche, Jakob, die comparation in der griechischen 
spräche. Linz 1885. 8. 24 p. 

120. Lederer, Siegfried, eine neue handschrift von Arrians Ana- 
basis. Prag, (Neustädter staats-obergymn.) 1885. 8. 28 p. 

121. Liefert, J. , beitrage zu Horaz. Straubing 1885. 8. 47 p. 

122. Lupus, B. , die stadt Syrakus im alterthum. Straßburg 
1885. 4. 26 p. u. karte, (no. 466). 

123. Maionica, Heinr. , epigraphisches aus Aquileia. Görz 1885. 
8. 31 p. 

124. Mair , Georg , das land der Skythen bei Herodot und der 
feldzug des Dareios in demselben. Theil U. Saaz 1885. 8. 64 p. 
und karte. 



II 



Nr. 2. Bibliographie. 165 

125. Meier, Paul Jonas, kritische bemerkungen zu Euripides. 
Braunschweig, (Martino-Katharineum) 1885. 4. p. 1 — 13. (no. 625). 

126. Mertens , Hesiodische studien. Diedenhofen 1885. 4. 
20 p. (no. 458). 

127. Miller, J. M. , die beleuchtung iui alterthum. Beiträge. 
Würzburg 1885. 8. (Progr. von Aschaffenburg). 37 p. 

128. — Max, Oppian's des Jüngern gedieht von der jagd in vier 
büchern. Buch I metrisch übers, und mit erklärenden bemerkungen 
versehen. Amberg 1885. 8. 61 p. 

129. Müller, Jos., zur Würdigung des Thukydides vom ethischen 
Standpunkte aus. Feldkirch 1885. 8. 27 p. 

130. Muhl, Job., Plutarchische studien. Augsburg (studienanst. 
St. Anna) 1885. 8. 93 p. 

131. Neumeyer, Andreas, Aratus aus Sikyon. Ein Charakterbild 
aus der zeit des achäischen bundes nach den quellen entworfen. 
Theil I. Neustadt a. d. Hardt 1885. 8. 38 p. 

132. Niejahr, Jon., de Pollucis loco qui ad rem scenicam spectat. 
Greifswald 1885. 4. 22 p. 

133. Palm, .Aug., Qohelet und die nacharistotelische philosophie. 
Mannheim 1885. 4. 27 p. (no. 556). 

134. Patin, Alois, Heraklit's einheitslehre die grundlage seines 
Systems und der anfang seines buches. München , (Ludwigsgymn.) 
1885. 8. 100 p. 

135. Petris , Stefano, cenni storici sulle Absirtidi da Augusto 
fino alla caduta dell' imperio romano d'oeeidente. Capodistria 1885. 
8. 53 p. 

136. Petschenig, Mich., zur kritik -der Scriptores historiae Au- 
gustae. Graz, 2. staatsgymn. 1885. 8. 16 p. 

137. Plattner, Job., private und politische bedeutuug des götter- 
kultus bei den Römern. Fortsetzung. Hermannstadt 1885. 47 p. 4. 

138. Plew , J. , kritische beitrage zu den Scriptores historiae 
Augustae. Straßburg 1885. 4. 32 p. 

139. Pokorny, J., die Amphibolie bei Aeschylos und Sophokles 
(schluß). Ung.-Hradisch 1885. 8. 46 p. 

140. Praun, Jos. , bemerkungen zur syntax des Vitruv mit ein- 
gehender darstellung der substantivsätze. Bamberg 1885. 8. 108 p. 

141. Reich, Heinr. Wilh., die beweisführung des Aeschines in 
seiner rede gegen Ktesiphon. 2. hälfte. Nürnberg 1885. 8. 68 p. 

142. Rohde, Ferd., de falsa quadam ratione qua in aestimandis 
Horatii carminibus vulgo utuntur interpretes. Reichenbach i. Schi. 
1885. 4. (no. 200). 

143. Rihl, Fr., das urtheil des Horaz über Lucilius. Villach 
1885. 8. 18 p. 

144. Ritter, Georg, Untersuchungen zu dem allobrogischen krieg. 
Hof 1885. 8. 17 p. 

145. Richter, J. J., Oidipus und Lear. Eine studie zur verglei- 
chung Shakespears mit Sophokles. Lörrach 1885. 4. 25 p. 

146. Schaefers, über ein fragment aus dem kommentar des Por- 
phyrius zu Plato's Timäus. Theil IL Sigmaringen 1885. 4. 18 p. 

147. Schiel, Albert, Demosthenes (2. hälfte). Kronstadt 1885. 4. 
37 p. (n. 667). 

148. Schmidt, O., kommentar zu Xenophons Hieron. 1. hälfte. 
Eisenach 1885. 4. 15 p. 

149. Schreiner, Rupert, zur Würdigung der Trachiniai des So- 
phokles. Znaim 1885. 8. 42 p. 

150. Schubert, Friedr., textkritische und exegetische erörterungen 



166 Bibliographie. Nr. 2. 

zu den Trachinierinnen des Sophokles. Prag, (obergymn. d. Klein- 
seite) 1885. 8. 26 p. 

151. Schivarz , Anton, die Sinyrna -reden des Aelius Aristides. 
Hörn 1885. 8. 24 p. 

152. Scotland , A., die Odyssee in der schule. Neumark 1885. 
4. 28 p. 

153. Sepp, .Beruhard, Incerti auctoris über de origine gentis 
Ronianae L. fraginentuin I ad fidein codicis Bruxell. qui extat unicus 
denuo rec. Eichstädt 1885. 8. 48 p. 

154. Sitzler, J. , studien zum elegiker Theognis. Theil I. Tau- 
berbischofsheim 1885. 4. (no. 560). 

155. Slameczka , Franz, Untersuchungen über die rede des De- 
mosthenes von der gesandtschaft. Wien 1885. 8. 48 p. (Progr. des 
gymn. in Heruals). 

156. Specht, Thomas, die einheit der kirche nach dem heiligen 
Augustinus. Neuburg a. D. 1885. 8. 76 p. 

157. Stanger , Gustav, die Platonische Anamnesis. Rudolfswert 
1885. 8. 35 p. 

158. Stei?iacher, Jos., die syntax des Hesiodischen infinitivs mit 
stetem vergleichenden rückblick auf Homer. Landskron 1885. 8. 55 p. 

159. Strimmer , Herrn., das gesellige leben der Römer zur zeit 
des Horaz. Meran 1885. 8. 31 p. 

160. Tumlirz, K., die tragischen affekte mitleid und furcht nach 
Aristoteles. Wien, (IL bezirk) 1885. 8. 40 p. 

161. Weber, Philipp, die absichtssätze bei Aristoteles. Speier 
1885. 8. 45 p. 

162. Wessely, K., die griechischen papyri der kaiserl. Sammlungen 
Wiens. Wien, (Franz-Joseph-gymn.) 1885. 8. 28 p. 

163. Wismeyer, Joseph., die durch schoben nicht erklärten kri- 
tischen zeichen der Iliashandschrift Venetus A. 

164. Jf'itrzens, J., ein beitrag zur griechischen accentlehre. Te- 
schen 1885. 8. 25 p. 

165. Wurzer, Romuald , de Cicerone tragoediae Romanae iudice. 
Czernowitz 1885. 8. 35 p. 

166. Zeiss, J. G. , verzeichniß der programme und gelegenheits- 
schriften, welche an den bayr. lyceen, gymnasien u. lateinischen schu- 
len vom jähre 1823/24 an erschienen siud. Ein beitrag zur schul- u. 
literaturgeschichte Bayerns v. J. Gutenäcker, fortgesetzt von — . III. 
abtb.: die Schuljahre 1873—74—1883-84. Landshut 1885. 8. 55 p. 

167. Zelina , Joh., Anstösse in Ilias J v. 600 bis anfang n mit 
rücksicht auf das was Patroklos betrifft. Mährisch-Weißkirchen 1885. 
8. 33 p. 

168. Zwanziger , Karl Hermann, der Chattenkrieg des kaisers 
Domitian. Würzburg 1885. 8. 32 p. 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Bonn. 169. Luebbert , Ed., de Pindaro Nomorum Terpandri 
imitatore. Bonn 1885. 4. 23 p. 

170. — — , commentatio de poesis Pindaricae in archa et sphra- 
gide componendis arte. ib. 1885. 4. 26 p. 

171. — — , commentatio de priscae cuiusdam epiniciorum formae 
apud Pindarum vestigiis. ib. 1885. 4. 22 p. 

172. Fowler , Harold N. , Panaetii et Hecatonis librornm frag- 
menta collegit praefationibus illustravit. ib. 1885. 8. 63 p. 

173. Gercke, Alfredus, Chrysippea particula prior. Lipsiae 1885. 
8. 26 p. 

174. Müllenbach, Ernestus, Comoediae olegiacae. Bonn 1885. 
8. 36 p. 



Nr. 2. Bibliographie. 167 

175. Richter, Ernst., de Aristotelis problematis. Bonn 1885. 
8. 47 p. 

176. Schneider. Eduard, Quaestionuui Hippocratearum specialen. 
Bonn 1885. 8. 31 p. 

177. Tietzel, Heinr., de conitinctionum temporalium usu Euripideo. 
Boun 1885. 72 p. 

178. Winter, Franc, de Plauti fabularum deperditarum frag- 
mientis. Bonn 1885. 8. 25 p. 

Gießen. 179. Eger, Theod., de infinitivo Curtiano. Darmstadt 
1885. 8. 49 p. 

Halle. 180. Dittenberger, W., observationes epigraphicae. Halis 
1885. 4. 16 p. 

181. Keil, Heinr., de Petri de Crescentiis ruralium commodorum 
libris commentatio. ib. 1885. 4. 12 p. 

182. — , Atilii Fortunatiani liber de metris ad fideni codicis 
Neapolitani rec. ib. 1885. 4. 28 p. 

133. Bangert, Adolph, de Fabula Phaetontea. Halis 1885. 8. 41p. 

184. Berg, Gualt. , testiuionia scriptorum antiquorum quid con- 
ferant ad priorem partem Hesiodi operum et dieruni recensendum 
quaeritur. ib. 1885. 8. 32 p. 

185. Biereye, Joh. , res Numidarum et Maurorum annis inde ab 
a. DCXLVI1I usque ad a. DCCV1II ab u. c. perscribantur. ib. 1885. 
8. 45 p. 

186. Brandes, Carl, de editione utriusque libri satiraruui Ho- 
iiratii. Halis 1885. 8. 34 p. 

187. Brinch, Ad., inscriptiones graecae ad choregiam pertinentes. 
ib. 1885. 8. 36 p. 

188. Dietrich, Gottwalt, de enuntiationum temporalium Homeri- 
carum ex antiquissima structura paratactica transitu in bypotacticam. 
iib. 1885. 8. 49 p. 

189. Graetzel, Paul, de pactionum inter Graecas civitates facta- 
ruin ad bellum pacemque pertinentium appellationibus formulis ra- 
tione. ib. 1885. 8. 69 p. 

190. Gutsche, Willibald Otto, de interrogationibus obliquis apud 
Diceronem observationes selectae. ib. 1885. 8. 112 p. 

191. Heümann , Carl, quibus auctoribus Strabo usus sit in de- 
scribenda ora maris Pontici e Byzautio usque ad Tanaim. ib. 1885. 
8. 30 p. 

192. Joffe, Siegfr. , de personis Horatianis capita tria. ib. 1885. 
8. 51 p. 

193. Leite, Gust. , quo tempore et quo consilio oratio quae in- 
ieribitur ntgl jvSp ngog 'dli%av$Qov avv^xwv composita sit. ib. 1885. 
3. 52 p. 

194. Hauschild, Oscar , de sermonis proprietatibus quae in Phi- 
pippicis Ciceronis orationibus inveniuntur. ib. 1885. 8. 34 p. 

195. Krauth, Carl, de versibus de interpolatione suspectis in 
Oedipo Coloneo Sopboclis. Halis 1885. 8. 61 p. 

196. Laeger , Otto, de veterum epicorum studio in Archilochi 
; iimonidis Solonis Hipponactis reliquiis conspicuo. ib. 1885. 8. 

197. Leers. Rud., de nominum quibus tempora significantur usu 
^lautino. ib. 1885. 8. 39 p. 

198. Loeffler, Ed., der Comes Theodosius. Halle 1885. 8. 40 p. 

199. Nagel, Ludov. , quaestiones ad participiorum usum Thucy- 
lidium pertinentes. Halle 1885. 8. 50 p. 

200. Nenz, Paul, quaestiones Deliacae. Halle 1885. 8. 41 p. 

201. Pomtow , Max, über den einfluß der altrömischen vorstel- 



168 Bibliographie. Nr. 2. 

lungen vom staat auf die politik kaiser Friedrich I. und die an- 
schauungen seiner zeit. ib. 1885. 97 p. 

202. Mitschi, Otto, de epistolis Cyprianicis. ib. 1885. 54 p. 

203. Rudernde, Georg, lateinisches er/o im altfranzösischen. Halle 
1885. 8. 44 p. 

204. Sachs, Arminius, de quattuor panegyricis qui ab Eumenio 
scripti esse dieuntur. Halis 1885. 8. 33 p. 

205. Scheuert, Maximil., de Apollonii Rhodii comparationibus. ib. 
1885. 8. 46 p. 

206. Sebastian, Aemil., de patronis coloniarum atque munieipio- 
rum Romanorum quaestio epigraphica. Halis 1884. 8. 55 p. 

207. Siaeker, Otto, de litis instrumentis quae exstant in Demo- 
sthenis quae feruntur posteriore adversus Stephanum et adversus Neae- 
ram orationibus. Halis 1884. 8. 57 p. 

208. Stai, V., de variis gigantum formis in fabula et arte Grae- 
corum. ib. 1884. 8. 25 p. 

209. Teetz, Ferd. , de verborum compositorum apud Horatium 
struetura. Halis 1885. 8. 62 p. 

210. Tuerk, Moritz, de Propertii carminum quae pertinent ad 
antiquitatem Romanam auetoribus. ib. 1885. 8. 64 p. 

211. Vieze , Herrn., de Demosthenis in Androtionem et Timo- 
cratem orationibus. ib. 1885. 8. 44 p. 

212. Voigt, Theod., de Atrei et Thyestae fabula. ib. 1885. 8. 31 p. 
Leiden. 213. Damste, Pieter Heibert, adversaria critica ad C. 

Valerii Flacci Argonautica. Lugd. Bat. 1885. 8. 55 p. 

214. Veen , Jacob Simon van, Quaestiones Silianae. ib. 1884. 
8. 93 p. 

Frankreich. Aix. 215. Garnot, Xavier, apercu sur la con- 
dition des etrangers ä Rome. Paris 1885. 8. (These de droit). 

Bordeaux. 216. Dubourdieu, la question de la providence au 
5e siecle. (Salvien). Bordeaux 1885. 8. 72 p. (These de theologie). 

217. Severin, Louis, etude sur le jus italicum. Bordeaux 1885. 
8. (These de droit romain). 

218. Lafaye, Auguste, histoire de l'organisation judiciaire ro- 
maine en matiere civile. Bordeaux 1885. 8. (These de droit). 

219. Jardon, Jacques Alfred, Etude historique sur les fonds pro- 
vinciaux. Bordeaux 1885. 8. (Droit romain). 

Clermont. 220. Gillet, Mathurin, Plutarchus quid senserit de 
pueris instituendis. Paris 1883. 8. 59 p. 

221. Everat, Eduardus, de M. Ausonii operibus et genere di- 
cendi. Lutetiae Paris. 1885. 8. 125 p. 

Dijon. 222. Saverot , Victor, les recuperateurs. Dijon 1885. 
8. (Droit romain). 

222a. Cothenet, Gustave, de la condition des peregrins. Dijon 
1885. 8. (Droit romain). 

Douai. 223. Gastier, Georges Alexandre, les socie"tes de publi- 
cains. Douai 1884. 8. (Droit romain). 

Paris. 224. 3Iassebieau, Eugene, examen des citations de l'an- 
cien testament dans l'evangele selon S. Matthieu. Memoire couronne - . 
Paris 1885. 8. 107 p. (Theologie protestante). 

225. Sabatier , Paul , la Didache ou l'enseignement des douze 
apotres. Paris 1885. 8. 168 p. (Theo!, prot.). 

226. Delavaud, Louis Charles Marie, le cens et la censure. Paris 
1884. (Droit romain). 

227. Delasire, Edouard Jean Marie , de la Capitis diminutio mi- 
nima. Paris 1884. 8. (Droit romain). 

228. Thomas, Francois Auguste Henri, des requisitions militaires 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 169 

et du logement des gens de guerre chez les Romains sous la repu- 
blique et sous TErnpire. Paris 1884. 8. (Droit rouiain). 

229. Reinach , Theod. , de l'etat de siege et des institutions de 
salut public ä Ronie. Paris 1885. 8. (Droit rom.). 

230. Cordier, Prosper Octave, de l'adrogation. Paris 1885. 8. 
(Droit Rouiaiu). 

231. Audibert, Victor Bernard Eaoul, funerailles et sepultures 
de la Rome paienne. Paris 1885. 8. (Droit romain). 

232. Charreyron, Paul Adrien Pierre, etude sur les origines du 
conseil des empereurs roniains. Paris 1885. 8. (Droit rouiain). 

233. Rogier, Alex. Olivier , de l'edilite romaine et specialement 
de l'edit des ediles. Paris 1885. 8. (Droit romain). 

234. Beuf, Jeau Bapt. Marie Lucieu , les voies de communica- 
tion. Paris 1885. 8. 77 p. (Droit romain). 

235. Stelian, Thomas, la plebe a Rome jusqu'au troisieme siecle 
avant Jesus Christ. Paris 1885. 8. 111 p. (Droit romain). 

236. Holtzapffel, Paul Jules, des fontaines publiques. Paris 1885. 
8. (Droit romain). 

237. Dubois , Marcel, les ligues etolienne et acheenne leur hi- 
stoire et leurs institutions. Nature et duree de leur antagonisme. 
Paris 1884. 8. 239 p. 

238. de Co insula. Lutetiae 1884. 8. 69 p. 3 pl. 

239. L6oy - Brecht , Lucien , Quid de Deo Seneca senserit. Paris 
1884. 8. 68 p. 

240. Hauvette-Besnault , Amedee, les strateges atheniens. Paris 
1884. 8. X, 190 p. 

241. de archonte rege. Parisiis 1884. 8. V, 124 p. 

242. Monin, Hippolyte, de unitate religionis homericae in Iliade. 
Paris 1884. 8. 74 p. 

243. Bourchenin , Pierre Daniel, de Tanaquilli Fabri vita et 
scriptis. Lutetiae 1884. 8. X, 200 p. 

244. Thiaucourt, Camille, essai sur les traites philosophiques 
de Ciceron et leurs sources grecques. Paris 1885. 8. VIII, 360 p. 

245. de Johannis Stobaei eclogis earumque fontibus. Lu- 
tetiae 1885. 8. 94 p. 

246. Thirion, Maurice, de civitatibus quae a Graecis in Cherso- 
neso Taurica conditae fuerunt. Nancy 1884. 8. 122 p. 

247. Favre , Julius , de Ovidio novatore vocabulorum in Meta- 
morphoseon libris. Paris 1885. 8. 140 p. 

248. Bourgeois, Emile, Quoinodo provinciarum Romanarum qua- 
lem sub fine reipublicae Tullius effinxit conditio j>rincipatum pe- 
perisse videatur. Parisiis 1885. 8. 108 p. 

Toulouse-M ont auban. 249. Niel, Elie James, un esclave 
moraliste. Etude historique et critique sur l'enseignement d'Epictete. 
Lunel 1885. 8. 92 p. 

250. Lafon, Marc, Paulin de Nole 353 — 431. Essai sur sa'vie 
et sa pensee. Montauban 1885. 8. 50 p. (Theo!, protest.). 

251. Campagnole , Edouard, des comices dans un gouvernement 
direct. Toulouse 1885. 8. 176 p. 

Kleine philologische zeiluug. 

Eine vermeintliche tragödie des Euripides. Daß die in 
Fayyüm gemachten handschriftenfunde ganz dazu angethan sind, 
auf dem gebiete der klassischen alterthumswissenschaft großen 
Umschwung herbeizuführen, hat kürzlich wieder ein fund bewie- 



170 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

sen , welchen Theod. Gomperz in Wien in der Sammlung des 
erzherzogs Rainer (früherer besitzer Theod. Graf) gemacht hat. 
Unter den unzähligen kleinen resten ist es gelungen folgenden 
größeren zu entziffern: M«![1i<tt]« 8vvdu[srog] \ avTqv «*(;(*)«- 
ßa>i; j anoSiSövai /tri).[m~] tu dya&og notijTt'jC ' | na) diu 7olto 
OttijQog üyaOag y.ut £oqio\}il\jjg']' oiu }un uv ei not aal cög tj 
s4vdQo\puxi] , tdolou rot j av8(j[a sIk6"\usvop \ dvva[v&' ev'joih 
y-ut | P.f|t( [*]«[T] >'l^ £l * ta ' | ätavoia . tiaiv 8s | weg ol op (.ter j 
ngotC&svrai ov [*(e)i\iAoivrai [5f,J ullov de j xat tovtov xaA.cn?, j 
\_et t]vy%avotev iiijorreg hvoiav | x«« nagdSety/xa 77«V >;u(e)tv 
uvrotg , | ooßtJSQ nat Tföifxö&eng I fr 7ej} Oni^rcp rov | 'Oövaatoog 
ei (j£v\tira ft(e)i/.ieiTat v.u) to c/joiov iiv)\ol.8ev , «ÄA o<.l>^> rtji 
Odvaasl. Wenn nun hiermit verglichen wird , was Aristoteles 
Poet. c. 15 von einem ÖQ^rog 'Odvßot'me fv r\j Zyvlh] sagt, daß 
es ihm nicht an naturwahrheit , wohl aber an angemessenheit 
der Charakteristik fehle, so muß die annähme als gerechtfertigt 
erscheinen , daß der im päpyrus und der von Aristoteles er- 
wähnte Qqtjvpq identisch sind. Sind nun in der that keine ge- 
gründeten zweifei gegen eine derartige identificierung vorzubrin- 
gen , so kann durch diesen fund ein litterarischer irrthum be- 
richtigt werden. Die Skylla , welche von Aristoteles nochmals 
c. 26 erwähnt wird, wurde von der mehrzahl der litterarhisto- 
riker als eine tragödie des Euripides angesehen, und die mei- 
nung, es sei ein dithyrambus fand nur wenig beifall. Jetzt ist 
nun der dithyrambendichter Timotheos von Milet als Verfasser 
einer Skylla, Kyklops , Laertes und Elpenor in den litteratur- 
geschichten aufzuführen. (Vgl. Anzeiger der philos. bist, classe 
der Wiener akad. der wiss. Jahrgang 1884 nr. V). 

In der nähe von Hochmauern bei Rottweil ist ein altrömi- 
scher begräbnißplatz gefunden ; ausgrabungen stehen in aussieht. 

Ein senatusconsult aus Sulla's zeit. Folgende ausführung des pro- 
fessor dr. Benndorf entnehmen wir dem Anzeiger der philos -histo- 
rischen classe der Wiener acad. der Wissenschaften vom 9. decemb. 
1885 nr. 26: Die von der österreichischen regierung 1881 
nach Kleinasien entsandte archäologische expedition hatte sich 
den Hekatetempel von Lagina in Karien , welcher von L. Ross 
1844 entdeckt, seither von verschiedenenen besichtigt, aber nur 
einmal, von Ch. T. Newton, untersucht worden war, als ein 
hauptziel ihrer forschungen erwählt. — Vor beginn der reise 
traf ich auf einem Lloydschiffe im PiräilS mit dem director der 
französischen schule von Athen , herrn Paul Foucart , zusammen 
und gab ihm auf sein befragen auskunft über die expedition 
und ihre absichten auf Lagina insbesondere. — Die triimmer- 
hügel von Lagina fanden wir von einem urvvaldartigen dickicht 
überwachsen , das noch niemals beseitigt worden war. Auch 
zwei Zöglinge der französischen schule, welche vor uns dage- 
wesen waren, hatten dasselbe unberührt gelassen. Wir befreiten 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 171 

den tempelhügel von aller Vegetation und gewannen hierdurch 
zum ersten male einen vollständigen überblick über den zustand 
der ruine. Zu ausgrabungeu waren wir nicht berechtigt und 
ohne hilfsmittel. In achttägiger arbeit konnten wir jedoch alle 
bemerkenswerthen sichtbaren theile des bauwerkes aufnehmen, 
darunter eine größere zahl von friesreliefs und über vierzig noch 
unbekannte inschriftsteine. — Mit Unterstützung der regierung 
und der kaiserlichen marine wurde 1882 eine zweite expedition 
nach Kleinasien entsendet, welche ausgrabungen sowohl in Ly- 
kien wie in Lagina vorzunehmen hatte. Sie besaß hierzu einen 
auf zwei jähre lautenden ferman. In Lykien stieß sie indessen 
auf Schwierigkeiten, welche sie vorerst verhinderten, von dem rechte 
des ferman auch in Lagina gebrauch zu machen. — lieber 
beide expeditionen orientirte ein im VI. Jahrgang der „Archäo- 
log. - epigraph. mittheilungen aus Oesterreich" (1882) veröffent- 
lichter bericht, in welchem alles angeführte eingehend auseinan- 
dergesetzt ist. In eiuem Separatabdruck gelaugte dieser bericht 
auch an Paul Foucart in Athen — Zu Weihnachten 1884 er- 
schien im auftrage des k. k. ministeriums für cultus und Unter- 
richt ein von G. Niemann und mir verfaßtes reisewerk, das die 
ergebnisse der ersten expedition darzulegen hatte. Da für La- 
gina eine gelegentliche Verlängerung des fermans in aussieht 
stand, behielten wir uns hinsichtlich des Hekatetempels in die- 
ser publication „weitere mittheilungen für den hof- 
fentlich nicht allzu fernen Zeitpunkt vor, zu dem 
es möglich sein wird, die schätze dieser trümmer- 
stätte in planmäßiger ausgrabung zu heben". Nur 
das wichtigste unserer aufnahmen hielten wir uns verpflichtet 
im voraus zu veröffentlichen , vor allem zwei isolirte blocke ei- 
ner großen Urkunde , die einst an einer langwand des tem- 
pels eingehauen war, und in der ich ein senatuscon- 
sult der Sullanischen zeit erkannt hatte. Aus- 
drücklich behielt ich uns auch eine nähere be- 
handlung dieses historischen fundes vor. — In ei- 
nem vom 20. jänner d. j. aus Athen datirten dankschreiben, 
dessen Wortlaut mir abschriftlich vorliegt, bescheinigt Paul Fou- 
cart den empfang eines exemplars dieser reisepublication , wel- 
ches das k. k. ministerium für cultus und Unterricht der fran- 
zösischen schule in Athen als geschenk übersandt hatte. — Zu 
unserer vollkommenen Überraschung veröffentlichte vor kurzem 
die von Paul Foucart redigirte Zeitschrift der französischen 
schule von Athen bedeutende zusammenhängende theile, stellen- 
weise den ganzen ursprünglichen Wortlaut des senatusconsultes, 
das wir in Lagina auszugraben wünschten. In dem unlängst 
ausgegebenen mai — novemberhefte des „Bulletin de correspon- 
dance helldnique" theilen zwei Zöglinge der anstalt, Charles 
Diehl und Georges Cousin , neun neue blocke der inschrift mit. 



172 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

Sie verschweigen in ihrer darlegung, wodurch sie wissenschaft- 
lich zu derselben veranlasst und in den stand gesetzt worden 
sind. Sie berichten auch nicht, daß sie auagrabungen veran- 
stalteten, noch weniger, in welcher ausdehnung und zu welcher 
zeit sie dieselben veranstalteten. In einer anmerkung (p. 458, 2) 
sprechen sie es jedoch gelegentlich aus, daß sie meine copien 
mit den originalen in Lagina verglichen, mithin nach erscheinen 
unseres reisewerkes im vergangenen frühjahr ihre nachgrabung 
in Lagina vorgenommen haben. — Ich glaubte es den Veran- 
staltern und forderern der österreichischen expeditionen schuldig 
zu sein, den Zusammenhang der aufgezählten thatsachen der öf- 
fentlichen beurtheilung anheimzustellen. 

Dr. Alb. Jahn hat eine replik gegen eine beurtheilung 
seiner ausgäbe der schrift des Gregorius Palames in der Revue 
criticpue 1885, nr. 46, p. 388 veröffentlicht, in der er die ihm 
gemachten vorwürfe zurückweist. 

Der hauptmann von Donath in Beuthen hat der italieni- 
schen regierung einen entwurf zur austrocknung der Pontinischen 
sümpfe vorgelegt , auf dessen ausführuug man hofft. Näheres 
s. Berl. tagebl. 1885 vom 13. decemb. nr. 631a. 

Berlin. In der Sitzung der archäologischen gesellschaft vom 
20. februar 1886 wurden vorgelegt: Studniczka, Beiträge zur 
geschichte der altgriechischen tracht ; Forchhammer, Kunstbestre- 
bungen, rückgang der höheren geistesbildung; Holwerda, Tod 
des Pkeidias ; derselbe, De pecuniis sacris in Parthenonis opi- 
stjiodomo ; Klein, Bathykles ; Dressel, Chronologie der ziegelstem- 
pel der gens Domitia; Dümichen , Geographische iuschriften alt- 
ägyptischer denkmäler; Christ, Chemische analyseu antiker 
bronze ; Zeitschrift für museologie 23; Journal of hellenic Stu- 
dies VI 2 ; Bericht der athenischen archäologischen gesellschaft; 
Ephemeris III. 4. Engelmann fügte den vorlagen unter erläu- 
ternden bemerkungen hinzu : Weizsäcker , Pausanias und die 
bildwerke in den Propyläen; Menge, Einführung in die antike 
kunst; Schreiber, Kulturhistorischer bilderatlas; Seemann-Engel- 
mann, Mythologie der Griechen und Kömer. Conze gab einen 
kurzen bericht über seine letzte reise nach Pergamon, wo 
die ausgrabungen auf der höhe des stadtberges im bereich der 
vermuthlichen königsburg der Attaliden und zweier tempel der 
römischen kaiserzeit letzthin fortgesetzt seien und bis zum näch- 
sten sommer zw einem abschluß geführt werden sollen. Hierbei 
wurde auch nicht ganz unterlassen, der Umgebung von Pergamon 
einige aufmerksamkeit zu schenken ; namentlich hätten Bohn 
und Fabricius die schon von Baltazzi und Keinach besprochenen 
ruinen von Nemrud Kalassi (Aigai) zu untersuchen begonnen, 
eine Untersuchung welche als integrirender theil der pergame- 
nischen arbeiten weiter zu führen sei. Auf eine andere stadt 
im pergamenischen gebiete habe Fabricius zuerst aufmerksam 






Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 173 

gemacht und eine darauf bezügliche mittheilung von ihm und 
Bohn werde alsbald in den athenischen mittheilungen des ar- 
chäologischen instituts erscheinen. — E. Fabricius berichtete 
über seine Untersuchung der schlangensäule auf dem 
Atmeidan, dem alten Hippodrom, in Konstantinopel. Nach kur- 
zem überblick über die geschichte 'dieses denkmals , das mit 
recht für einen Überrest des durch Konstantin von Delphi nach 
Konstantinopel gebrachten platäischen weihgeschenkes gilt, wurde 
eingehender die inschrift (Röhl 70) besprochen, bei deren nach- 
vergleichung sich eine anzahl abweichungen von der früheren 
lesung ergeben hat. Die Überschrift über der liste der theil- 
nehmer am Perserkrieg ist in der bisher angenommenen form : 
' ytnoXXavi &i(Jo Giacavo uvddrifi *unb Miqdwv ganz unmöglich, 
die erhaltenen buchstabenreste lassen vielmehr mit Sicherheit so 
viel erkennen, daß dieselbe ro\jdi xbv~\ n6X(f.ioy[avis^ nol[_f\ [xtov 
oder ähnlich ergänzt gelautet haben muß , eine fassung , die 
durchaus zu dem stimmt, was Thukydides III 57 über den in- 
halt der inschrift angiebt. Die eigentliche weihinschrift hat auf 
der basis des denkmals gestanden und ist bei Diodor XI 33 
erhalten. In der frage nach der ursprünglichen form des weih- 
geschenks tritt der vortragende für die von Strack vorgeschla- 
gene rekonstruktion ein, nach welcher man sich die schlangen- 
säule in der mitte zwischen den drei beinen des dreifußes ste- 
hend zu denken hat. Als beleg für diese anordnung wird u. a. 
auf eine anzahl griechischer weihgeschenkbasen hingewiesen, auf 
denen noch heute die Standspuren gleichartiger dreifüße mit mittel- 
stütze erkennbar sind. — Furtwängler legte zuerst einen neuen 
bericht des herrn Ohnefalsch-Richter über ausgrabungen in einer der 
ältesten nekr opolen auf Cy per n vor. Er betonte, daß auch 
dieser bericht gleich den früheren jenes forschers sehr werthvoll 
sei und hob besonders die Photographie mehrerer becher hervor, 
die an den berühmten becher des Nestor bei Homer erinnern. 
Darauf ging der vortragende über zu dem alten problem der 
rekonstruktion des amykläischen thrones. Er legte die 
hauptfehler der bisherigen versuche dar und begründete dann 
ausführlicher seine eigene Wiederherstellung, von welcher er eine 
Zeichnung vorlegte , deren Veröffentlichung in dem diesjährigen 
Winkelmannsprogramm in aussieht genommen ist. 

Rom. Eine außerordentlich interessante archäo- 
logische entd eckung ist in diesen tagen in Rom in näch- 
ster nähe des Lateran (wo früher das haus Marc Aureis ge- 
standen haben soll) gemacht worden. Man stieß auf eine an- 
tike Straße mit zahlreichen ehrensäulen, welche auf drei seiten 
sehr werthvolle inschriften tragen. Im ganzen handelt es sich 
bis jetzt um circa zwanzig solcher epigraphe. Es sind Wid- 
mungen, welche die Equites singulares, die „garde du corps" 
der imperatoren, betreffen. Die meisten rühren aus der zeit des 



174 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

Trajan , Hadrian und Antonin her. Nachdem die betreffenden 
krieger fünfundzwanzig jähre redlich gedient hatten, ehrenvoll 
verabschiedet waren (missi honesta missione) und die übliche gra- 
tifikation von dreitausend silberlingen erhalten hatten, pflegten 
sie den göttern ein abschied sepigraph zu widmen, bevor sie die 
rückreise in die ferne meist nordische heimath antraten. Es be- 
finden sich darunter tribunen , centurionen , exerziermeister, 
trompeter, kuriere etc. Alle haben ihre ursprünglichen namen 
der staatsomnipotenz zu liebe romanisirt und noch obenein die 
vornamen des regierenden kaisers adoptirt. Trotzdem ist zu 
merken , daß sie nicht aus Deutschland stammten. Die einzel- 
nen iuschriften enthalten genaue daten über eintritt und eutlas- 
sungstermin der gardeu. Wie verlautet, wäre bis jetzt erst ein 
kleiner theil dieser inschriften blosgelegt. Es ständen also noch 
weitere ausgrabungen bevor. 

Der buchhändler Emil Behrend zu Jena hat ein „wissen- 
schaftliches leseinstitut und antiquariat gegründet, dessen zweck 
er folgendermaßen angiebt : 1. den mitgliedern desselben j ed e s 
von ihnen gewünschte werk fachwissenschaftlicher 
richtung der deutschen sowie ausländischen litteratur in sau- 
beren in der regel völlig neuen exemplaren leihweise ge- 
gen eine lesegebühr, welche dem Ladenpreise und der Zeitdauer 
der benutzung des betreffenden werkes entspricht, sofort zu 
verschaffen; — 2. den mitgliedern desselben den an kauf der 
zum lesen in benutzung genommenen werke zu einem billi- 
gen preise zu ermöglichen. Die beitritts- und lesebedingun- 
gen sind in einem programme von ihm angegeben. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Philologische ab h and Hingen ans Zeitschriften 188 6. 

No. 2. 

Almanach der kais. akad. der wiss. zu Wien. 35. jahrg. 1885: 
Otto Benndorf, über die jüngsten geschichtlichen Wirkungen der 
antike. — 

Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Heft 44. 
II. Nagelschmidt, Zülpich unter römischer herrschaft. 

Antologia, Nuova 1885, fasc. 20. 21.— 22. Val. Giachi, il cristia- 
nesimo nella societii romaua secondo Eusebio di Cesarea. — 23. Ora- 
zio Marucrhi, le recenti scoperte del Naville nel Basso Egitto. — 

Archiv für lexikographie und grammatik hrsg. von Ed. WUlfßin. 
Jahrg. II. Heft 3: G. Goetz, lexikalisch -kritische beincrkungen. — 
Adam Miodnnski, exomico. — G. Helmreich, porcaster. — S. Brandt, 
infinitivus fut. passiv, auf •utn, — W, Brandes, omnipar omnipater, 
omniparus. — E. Wölfßin , die Verba desuperlativa. — mediastrinus. 
— E. Wvdfßin, genetiv mit ellipse des regierenden Substantivs. — 
Phil. Thielmann, habere, mit dem particip perf. pass. I. — G. Helm- 
reich, reimender heilsprucb. — G. Gröber, vulgärlateinische Substrate 
romanischer Wörter. — 23dm. Hau/er, Thesauri latini specimen V 
[abbatia-abdecet). — Abiudicattones, adfabricari. — abducere, abductio, — 



N r . 2. Auszüge aus Zeitschriften. 175 

Addenda Lexicis latinis von J. N. Ott und anderen. — j Miscellen: 
Em. Baehrens , vermischte bemerkungen zu Ennius. Zu Lucilius, zu 
Caesar und Mernmius. — Fr. Vogel, balteanus. — K. Sittl, Calandra, 
culandrum, charadrius. — L. Havet, filia. 

Archivio giuridico XXXV, fasc. 3. 4. Gandolfo , la reversio ad 
dominum delle cose furtive (studj sulla lex Atinia). 

Archivio storico italiano 1885, disp. 6. G. Rosa, anzeige von 
Mommsen, römische geschichte V. 

Blätter für das bayer. gymnasialwesen, bd. XXI, lieft 10. J. Nasser, 
kritische erörterungen zu Plato's Politeia. — Otto Harnecker, zum 
36. gedichte des Catullus. — Anzeigen. 

Bulletin de correspondance hellenique. 1885. VI. E. Poltier et 
E. Bemach, fouilles dans la necropole de Myrina: e'le'phante foulant 
aux pieds un Galate. — J. Martha, inscriptions de Naxos. — 31. Clerc, 
fouilles a l'Heraion de Samos. — F. Durrbach, inscriptions du Pelo- 
ponnese. — M. Holleaux, fouilles du temple d'Apollon Ptoos. 

Bullettino deli' Istituto di Corrispondenza archeologica 1885, 
no. 11. W. Heibig. Scavi di Corneto. — A. Mau, Scavi di Pompei. 
■ Centralblatt für das bibliothekswesen. II. jahrgg. 1885. Heft 1—6. 
— Heft 7. Knod , zur bio - und bibliographie des Bealus Rhenanus. 
Heft 8-12. — III. Jahrg. 1886. Heft 1. 2. Aug. Blau, verzeichniß 
der handschriftenkataloge der deutschen bibliotheken. 

Forschungen, romanische, hrsg. von K. Vollmöller. Bd. II, heft 1 
— heft 2. J. Hümer, zur geschichte der mittellateinischen dichtung. 

— H. Rönsch , lexikalische excerpte aus weniger bekannten lateini- 
schen schritten. — Ders., lexikalisches aus Leidener lateinischen Iu- 
venalscholien der Karolingerzeit. — Ders., etymologisches. — Mis- 
cellen. — Ders., das Substantiv bolunda. — Ders., das adjectiv pro- 
nostontis. — Ders., das adjectiv cererosus. 

Jahrbücher für nationalökonomie, n. f. X, 1885, heft 1 — 3— heft 4: 
W. Sehr a der , anzeige von Paulsen's geschichte des gelehrten Unter- 
richts in Deutschland. — Heft 5 — lieft 6. B. Matthiass, die römische 
alimentarinstitution und agrarwirthschaft. — Bd. XL— Bd. XII, heft 1. 

Jahrbücher, neue, für philologie 1885. Heft 10/11. K. Brandt, 
zur geschichte und composition der Ilias I. IL — E. Hoffmann, zu 
Aeschylus Prometheus. — J. H. Lipsius, nochmals zu Thukydides 
II, 2. — A. Römer, zu Aristophanes Acharnern. — A. Schmidt, das 
Eleusinische steuerdekret aus der höhezeit des Perikles. Attischer 
kalender und attisches recht. — IV. Studemund, anzeige von Uhlig's 
Dionysius Thrax. — W. Soltau , das julianische datum von Syphax 
gefangennähme. — E. Bahrens, Acca Laurentia. Ein beitrag zur äl- 
testen geschichte Roms. — O. E. Schmidt , die vier Zeitalter des 
Florus. — L. Schwabe, Catullus in den glossarien. — G. Radtke, zu 
Cornelius Nepos Epamin. IV, 4. — //. Blümner, zu Terentius Heau- 
tontimorumenos. — F. Polle, zu Cicero's Cato maior. — K. Meiser, 
zu Tacitus Hist. II, 28. 

1886. Heft 1. P. Weizsäcker , Pausanias und die bildwerke in 
den Propyläen. — K. Jacoby, zu Dionys von Halicarnaß. — K. Cor- 
radi, zu Thukydides. — O. Keller, zur textkritik von Xenophons Hel- 
lenica. — H. Blümner, zu Lukianos nwg dfl Igt. ovyyQ. 45. — K. 
Kempf , zu Valerius Maximus. — L. Mendelssohn, zu Ciceros ver- 
mischten briefen. — Th. Vogel, anzeige von Gellius ed. Hertz vol. IL 

— F. Polle, kritische miscellen. 

Jahrbücher des Vereins von alterthumsfreunden im Rheinlande. 
Heft 80. v. Veith, die Römerstraße von Trier nach Cöln. 3. Die rö- 
mischen Wasserleitungen aus der Eifel zum Rhein. — E. Hübwr, 
neue Studien über den römischen grenzwall in Deutschland, — J, 



176 Auszüge aus Zeitschriften, Nr. 2. 

Klein, kleinere mittheilungen aus dem provinzialmuseum in Bonn. — 
J. Reuleaux , Remagen im Mittelalter und zur Römerzeit. — Mis- 
cellen: C. Mehlis , grabfeld bei Obrigsheim. — v. Veith, römische 
mauerreste in Bonn. — Römische funde in Bassenheim. — Römische 
niederlassung in Ettlingen. — C. Koenen, Römerwarte zu Liedberg ; 
römische gräberfunde und inschriften zu Neuß; vorrömische funde zu 
Neuß. — Maaßen, inschriftstein von Merten. — J. Klein, römischer 
begräbnißplatz zu Saffig. — Münzfund zu Thüngersheim. 

Journal of philology. Vol. XIV, no. 28. J. Frazer, the Pryta- 
neuin, the Temple of Vesta, the Vestals, perpetual fires. — Henry 
Jackson , Plato's later theory of ideas V. the Sophist. — W. Leaf, 
'insw and tnta&at. — J. Moivat, on three corrupt passages in Catullus. — 
A. H. Sayce , the season and extent of the travels of Herodotus. — 
F. Haverfield, lexicographical notes. — J. P. Postgate, Propertius I. XXI. 

Journal of the american oriental society. Vol. XI, number II: 
Isaac J. Hall, the Cypriote inscriptions of the Cesnola collection in 
New York. — Ders., the greek stamps on the handles of Rhodian 
amphorae found in Cyprus and now in the Metropolitan Museum of 
New York. 

Memoires de la societe de linguistique de Paris t. VI, fasc. 1. 
Michel Brial , de quelques mots latins tires du grec. — L. Havet, 
Melanges latins. — J. Pischari, doublets syntactiques (Brav ovzav). — 
V. Henry, quirquir. — M. Breal, une nouvelle inscription osque. — 
F. de Saussure, 'Adrjv. — H. D'Arbois de Jubainville, Celtica. — V. 
Henry, les infinitivs medio-passifs du latin. — J. Loth , Britannica. 

— Ponsinet, teuto-touto-novio-nevio. — V. Henry, kv6fii&tt kv6fito9a, 
femur. — F. de Saussure, lüdus, ukxvwv, schwalbe, yvaidCco, kv&goy, 
'ifißrjQig. — L. Havet, la lettre ui. 

Mind 1886, no. 1. J. M. Riyg, notes on Aristoteles psychology 
in relation to modern thought. — A. Goodioin, anzeige von Teich- 
müller, litterar. fehden. 

Mnemosyne XIV. 1886. Heft 1. C. G. Cobet, Thucydidea. — 
H. van Herwerden, ad poetas Graecos. — S. A. Naber, Thucydidea. 

— A. J. Holwerda, de pecuniis sacris in Parthenonis Opisthodomo. 

Monatshefte, philosophische, XXII, heft 1/2.— heft '6. M. Sarto- 
rius, die realität der materie bei Plato. 

Monumenti storici pubbl. dalla R. Deputazione Veneta di storia 
patria. Serie IV. Miscellanea. Vol. III. Bemardo Morsolin, l'aque 
dotto romano e il teatro Berga di Viceuza. — II Veronese all'epoca 
romana. — Giacomo Pictrogrande , lapidi lucerne anfore e bolli nel 
museo di Este e nel territorio atestino. — Relazione della Sub-Com- 
missione di S. Giorgio di Noyaro per la topografia della Venezia nell' 
eta romana (dall Ausa alla Zellina). 

Museum, Rheinisches, für philologie, bd. 41, heft 1. F. Bücheier, 
coniectanea. — A. Phüipin, Alkibiades Sokrates Isokrates. — F. 
Schoell, zum Vergil des Probus und Quintilian. — O. Herne, Nicolaus 
Schow und Stobaeus. — J. Overbeck, nochmals Dipoinos und Skyllis 
und die anfange der niarmorskulptur. — ./. von Pßugk-Harttung, 
über den feldzug des Germanicus im jähre 16. — Th. Kock, die Samm- 
lungen menandrischcr spruchversc. — F. Bächc/er und E. Zitelmann, 
bruchstücke eines zweiten gesetzes von Gortyn. — B. Wagner, ein 
excerpt aus Apollodors bibliothek. — Miscellen: E. Schulze, zu 
Homer Od. VII, 69. — E. Hoffmann , zu Menander. — M. Schanz, 
grammatische bemerkungen. — JB. Hirzel , zur bedeutung von über. 

— E. Wölfflin, zu Cato. — Th. Korsch, metrisches zu Martial. — 
Fr. Vogel, Maximianus als lyriker. — F. Bächeier, devotion aus 
Karthago. 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 177 

Quartalschrift, theologische, 1886, heft 1. Reck, Minucius Felix 
und Tertullian. 

Revue archeologique 1885 uov. dez.: E. Revillout, un fernläge du 
temps d'Amasis et l'etat de la propriete ä cette epoque. — Vercoutre, 
la me'decine sacerdotale dans l'antiquite grecque. — J. Menant, in- 
taille de l'Asie mineure. — II. Gaidoz, le dieu gaulois du soleil et 
le syrnbolisme de la roue. — P. Charles Robert, dissemination et cen- 
tralisation alternatives de la fabrication nionetaire en Gaule. — S. 
Reinach, chronique d'Orient: fouilles de Chypre. — P. Tannery, k'ovy- 
xnxofAvs vdccTos (ecole Heronienne). 

Revue internationale de l'enseignement. 1885, no. 8 — 11 u. 12: 
JB. Dreyfus-Brisac, la question du latin. — A. Croiset, E. Egger. — 
1886, no. 1.— 

Revue de l'histoire des religions publ. par Jean Reville. XII, 
heft 3. C. P. 'fiele, le raytbe de Kronos. A propos d'une nouvelle 
methode en niythologie comparee. 

Revue des deux mondes 1885. 15. nov. — 1. dez. — 15. dez. Ferd. 
Brünettere, la question du latin ä propos d'un livre recent. 

Rivista storica italiana. Anno 1885, fasc. 1 — 2. G. Tamassia, 
osculum interveniens (contribuito alla storia dei riti naziali). — C. Ca- 
lisse, il governo dei Bisantini in Italia. — fasc. 3. J. Gentile, il con- 
flitto di Giulio Cesare col senato. 

Sitzungsberichte der königl. preuß. akad. d. wiss. zu Berlin 1885. 
Stück 49. — 50. 51. A. Pernice, zum römischen sacralrechte I. — 52. 

Sitzimgsberichte der kais. akad. d. wiss. zu Wien. Philolog. - hi- 
stor. classe, bd. 107, heft 1. O. Hirschfeld, gallische studien. II. Gal- 
lische inschriftfälschungen. III. Der praefectus vigilum in Nemausus 
und die feuerwehr in den römischen landstädten. — Theod. Gomperz, 
über ein bisher unbekanntes griechisches schriftsystem aus der mitte 
des vierten vorchristlichen Jahrhunderts. Ein beitrag zur geschichte 
der kurzschrift und der rationellen alphabetik. — Heft 2. B. Dom- 
bart, Commodianstudien. — Bd. 108, heft 1. H. Hagen , Berner Pa- 
limpsestblätter aus dem 5.-6. jahrh. zur Passio Sancti Sebastiani. — 
Wilh. Klein, zur Kypsele der Kypseliden in Olympia. — S. Brandt, 
der St. Galler Palimpsest der Divinae institutiones des Lactantius. — 
Heft 2. Adulbert von Horawitz, Erasmiana 4. — Heft 3. P. Zingerle, 
studien zu Hilarius von Poitiers Psalmen cornmentar. — Bd. 109, heft 1 
— heft 2. Michael Petschenig, studien zu dem epiker Corippus. 

Studien, Leipziger, zur class. philologie hrsg. v. G. Curtius , L. 
Lange , O. Ribbeck , H. Lipsius. Bd. VIII. JB. Graf, ad aureae ae- 
tatis fabulam symbola. — C. A. Bapp, de fontibus quibus Athenaeus 
in rebus musicis lyricisque enarrandis usus sit. - — J. H. Lipsius, zu 
Thukydides. II, 2. — H. Heyden, Quaestiones de Aelio Dionysio et 
Pausania Atticistis etymologici Magni fontibus. — Otto Immisch, de 
glossis lexici Hesychiani italicis. — 0. Ribbeck , zu des Aristophanes 
Acharnern. — JDers., zu Sophokles u. Euripides Elektra. — Ders., die 
Medea des Neophron. 

Taschenbuch, historisches , hrsg. von W. Maurenbrecher. 6. folge. 
5. jahrg. Jul. Asbach, Cornelius Tacitus. 

Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft hrsg. v. JB. Weis. Bd. 85. 

— 86, 1. — 86, 2. C. E. Ulrichs, notizen zur betriebsamkeit und ge- 
werbthätigkeit bei den Römern. Nationalökonomische tempelinschrift. 

— Bd. 87. 88. — Bd. 89, 1. 

Zeit, unsere, hrsg. v. R. v. GottschaU. 1885. Heft 1. 2—3. Fr. 
Zarncke, die brüder Grimm. — Heft 4—9. — Heft 10. Heinr. Schlie- 
mann, die ringmauer von Tiryns. — Heft 11. 12. 

Zeitschrift für allgemeine geschichte hrsg. von H. v. Zwiedeneck- 

Philol. Anz. XVI. 12 






178 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

Südenhorst. 1885. Heft 12. — 1886. Heft 1. Ad. Bauer, die an- 
fange der kriegswissenschaft. — Wilh. Fischer, Trapezunt und seine 
bedeutung in der geschiente. 

Zeitschrift, westdeutsche, für geschieh te und kunst, hrsg. v. F. 
Hettner u. K. Lamprecht. Jahrg. IV. 1885. Heft 4. G. v. Rößler, 
das Römerbad in Rückingen bei Hanau. Ein reconstruetionsversuch. 
— K. Zangemeister , inschriften von Waldfischbach. — F. Hettner, 
Iuppitersäulen. — A. Hammer an , die inschriften der Saalburg bei 
Homburg. — 0. Robert, nachtrag. — A. Hammer an , anzeige von 
R. Suchier, weitere römische münzen und Stempel aus der gegend 
von Hanau. 

Zeitschrift für das gymnasialwesen. 1885. Heft 12: Jahresberichte. 
O. Schröder, griechische lyriker. — U. Zernial, Tacitus Germania. — 
1886. Januar : Jahresb. A. v. Bamberg, thatsachen der attischen for- 
menlehre. — F. Luterbacher, Cicero's reden. 

Zeitschrift für die Österreich, gymnasien 1885. Heft 10. P. v, 
Hofmann Wellenhof, Arminius und die Varusschlacht bei Hütten. — 
M. Manitins, zu Tacitus u. Julius Valerius. — A. Miodönski, zu Pro- 
pertius II, 3, 42. — Heft 11. H. Rönsch, lilium = monile. Das Sub- 
stantiv subitillus. — J. Golling, zu Horat. Od. I, 7, 8. Zu Tac. histor. 
IV, 83. Anzeigen. XXXVII, 1886. Heft 1. H Schenkt, anzeige der 
Aeschylusausgaben von Wecklein u. Weil. — J. Jung, anz. v. 0. Gil- 
bert, topographie von Rom. II. 

Zeitschrift für kirchengeschichte v. Th. Brieger. Bd. VIII, heft 1/2. 
Th. Zahn, studien zu Iustinus Martyr. — J. Dräseke, der briefwechsel 
des Basilios mit Apollinarios von Laodicea. — H. Reuter, augustini- 
sche studien V. 

Zeitschrift für bildende kunst. Jahrg. 20. Heft 8—9. C. O. 
F(abriczy) , ausgrabungen auf Delos. Heft 10 — 12. — Jahrg. 21. 
1885/86. Heft 1. H. Heydemann, der wachskopf des museuras zu 
Lille. — Heft 2. 3. — Heft 4. G. Schäfer, die Römerbrücke zwischen 
Klein- und Großkrotzenburg bei Seligenstadt am Main. — Die bronze- 
funde an der Via nazionale in Rom. 

Zeitschrift für mathematik und physik. Histor. - literar. abth. 
Bd. 31, heft 1. C. Demme , die berechnung irrationaler quadratwur- 
zeln bei Archimedes und Hero. 

Zeitschrift des deutschen Palaestina-vereins red. v. Herrn. Guthc. 
Bd. VIII. Heft 3. — Heft 4. H. Guthe, die zweite mauer Jerusa- 
lems und die bauten Constantins am heiligen grabe. 

Zeitschrift für deutsche philologie. Bd. 18. Heft 1. - Heft 2. 
G. Kettner, zu Tacitus Germania XIII. XIV. 

Zeitschrift der Savigny - Stiftung für rechtsgeschichte. Bd. 6. 
Heft 2: L. R. von Salis, Lex Romana Curiensis. 

Zeitschrift für vergleichende rechtswissenschaft. Bd. VI. 1885. 
Heft 2. Bernhöft, das gesetz von Gortyn. 

Zeitschrift, theologische, aus der Schweiz. Jahrg. III. 18&6. 
Heft 1. Volkmar, der Wiener evangelien-papyrus. 

Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und kirchl. leben, hrsg. 
v. E. Luthardt. 1885. Heft 10. 11. Th. Zahn, apokalyptische stu- 
dien. I. II. — E. Noeldechen, die Situation von Tertullians schrift über 
die geduld. — Heft 12. — 1886. Heft 1. Th. Zahn, apokalyptische 
studien. III. Ueber urRprung und religiösen Charakter der Sibyllini- 
schen bücher. IV. V. VIII. XH. XIII. — Ernst Noeldechen, die krisis 
im carthagischen schleierstreit. 

Zeitung, archaeologische. Jahrg. 43. 1885. Heft 3. F. Marx, 
ein neuer Aresmythus. — P. J. Meier, beitrage zu den griechischen 
vasen mit meistersignaturen. — F. Winter, über vasen mit umriß- 



Nr. 2. Literatur. 179 

Zeichnung. — W. M. Ramsay, basrelief of Ibriz. — K. Wernicke, 
Jebenslauf eines kindes in Sarkophagdarstellungen. — A. Furtivängler, 
Prometheus. — Miscellen: K. Wernicke, die kindheit des Zeus. — 
A. Michaelis, Theseus oder Iason, — C. Aldenhoven, zu der Cicero- 
büste in Madrid. — Erwerbungen des britischen museums 1884. 



Literatur 1886, 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Handbuch der classischen alterthums -Wissenschaft in systemati- 
scher darstellung mit besondrer rücksicht auf geschichte und metho- 
dik der einzelnen disciplinen. In Verbindung mit . . . herausgegeben 
von dr. Iivan Müller. 8. Nördlingen , Beck. (Dritter halbband: L. 
v. Urlichs, grundlegung und geschiebte der classischen alterthumswis- 
senschaft: Fr. Blaß, hermeneutik und kritik , Fr. Blaß, palaeogra- 
phie, buchwesen und handschriftenkunde; G. Hinrichs , die griechi- 
sche epigraphik). 

Max Hecht, orthographisch-dialektische forschungen auf grund at- 
tischer Inschriften. Zweiter theil. 4. Leipzig. Fock. 

Elemente der lateinischen syntax. Von H. Weber. 8. Gotha, 
A. Perthes. 

Adolf Müller, currus , uneus und composita. 4. Flensburg. 
(Programm). 

Beiträge zur vergleichenden tropik der poesie. Erster theil. Sy- 
stematische darstellung der tropen des Aeschylus , Sophokles, Euripi- 
des , mit einander verglichen und in poetischer und culturgeschicht- 
licher rücksicht behandelt von dr. Wilhelm Pecz. 8. Berlin, Calvary. 

Die homerische Ilias, nach ihrer entstehung betrachtet und in 
der ursprünglichen sprachform wiederhergestellt von August Fick. 
Hft. II. 8. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht. 

Meletemata Graeca. Scripsit S. Leo Sternbach. 8. P. I. Vin- 
dob., Geroldi filius. 

Die tragödien des Sophokles. Zum schulgebrauch mit erklären- 
den anmerkungen versehen von N. Wecklein. Hft. 7, die Trachinie- 
rinnen. 8. München, Lindauer. 

Inlustri gymnasio Zittaviensi summa litterarum laude et magna 
clarorum diseipulorum copia nobilitato seeundis et adversis temporum 
condicionibus felicissiroe perfuneto die X Martii mensis quo die abhinc 
trecentos annos felicissimis auspieiis institutum atque consecratum est 
laetantes congratulantur ac pro perpetua eius salute bona vota nun- 
cupant gymnasii Vitzthumiani Dresdensis rector et collegae. (Insunt 
Friderici Rolle , professoris gymnasii Vitzthumiani , de Sophoclis Oe- 
dipo Rege quaestiones criticae). Lipsiae, Teubner. 

Virorum doctorum de gymnasio Zittaviensi bene meritorum me- 
moriam die XXII mensis Decembris . . . oratione celebrandam . . . 
indicit Aemilius Mueller, gymnasii rector. 8. Zittav. 1885. (Enthält: 
Oedipi Regis Sophoclei vs. 326. 327 Dind. choro an Oedipo rectius 
tribuantur?) 12 p. 

Des Euripides Iphigenie bei den Tauriern zum schulgebrauch mit 
anmerkungen versehen von W. Bauer. Zweite aufläge durchgesehen 
von N. Wecklein. 8. München, Lindauer. 

QuaestionesPhaetonteae. Scripsit G. Knauer. 8. Berlin, Weid- 
mann. (Aus Philologische Untersuchungen, herausgegeben von A. 
Kie.ßiing und U. v. Wilamowitz- Mollen dor f. Heft. 8). 

Specimen lexici Euripidei contposuit Paulus Stoppel. 8. Wismar. 

Aristophanis comici quae supersunt opera, recensnit Fr. M. M. 



180 Literatur. Nr. 2. 

Blaydes , aedis Christ, in universitate Oxoniensi quondaui alumnus. 
Vol. I, undecim fabulas superstites continens. T. II: fragmenta an- 
notatione partim aliorum selecta instructa continens. 8. Hai. Saxo- 
Dum, in libraria Orphanotrophei. 

Ernestus Brandts, Observationes criticae de coinoediaruin aliquot 
atticarum tetnporibus. 8. Rostock. (Doctordiss.). 

Ignatii Diaconi tetrasticha iambica 53, versus in Adatnum 143 
recensuit et brevi adnotatione instruxit Carolus Fridericus Mueller, 
4. Kiel. (Programm). 

Tbucydidis de bello Peloponnesiaco libri octo. Ad . . . explana- 
vit E. Fr. Poppo. Editio tertia quam auxit J. M. Stahl. Vol. I: 
sectio I. 8. Lipsiae, Teubner. 

Tbukydides zweites bucb, cap. 1 — 65. Erklärende ausgäbe nebs 
eiuleitung in die Tbukydides -lectüre für den schul- und privatge- 
brauch von dr. Franz Müller. 8. Paderborn und München. Schö 
ningh. (Aus Schöninghs ausgaben lateinischer und griechischer klas- 
siker mit kommentar). 

Thukydideische studien von dr. J. Steup. Zweites beft. 8. Frei 
bürg i. Br. 

Flavii Iosephi Opera. Edidit et apparatu critico instruxit Bene- 
dictus Niese. Vol. II. Antiquitatum Iudaicarum 11. VI. 8. Berol. 
Weidmann. 

Plutarchs biographien. Deutsch von prof. dr. Eduard Eyth. 8 min 
Berlin, Langenscheidt. 

De Appiani elocutione Dissertatio philologica ad summos . . . 
scripta et . . . Heidelbergensi philosophorum ordini tradita a Godo 
fredo Kvalt. 8. Baden-Baden, Sommermeyer. 

Piatos werke. Gastmahl, deutsch von Fr. Prantl, 8 min. Berlin 
Langenscheidt. 

Platonische studien von II. Bonitz. Dritte aufläge. 8. Berlin 
Vahlen. 

Aristotelis Metaphysica recognovit W. Christ. 8 min. Lipsiae 
Teubner. 

Aristotelis ntgi tQ^itjviiag librum pro restituendo totius philoso 
phiae fundamento interpretatus est dr. Fr. Michelis. 8. Heidelberg 
Weiß. 

H. Bürmann, die handschriftliche Überlieferung des Isokrates. I 
Der Urbinas und seine Verwandtschaft. 4. Berlin. (Programm des 
Friedrichs-gymnasium). 

De Helia monacho, Isaaco monacho, Pseudo-Dracene , scriptoribus 
metricis Byzantinis. Ad summos . . . scripsit Ludov. Voltz. 8. Ar- 
gentorati. 

T. Macci Plauti Comoediae. Recensuit , instrumento critico et 
prolegomenis auxit Frid. Ritsclielius . . . sociis operis adsumptis G. 
Loewe, G. Goetz, Fr. Schoell. Vol. III, fasc. I : Bacchides continens. 
Editio altera a G. Goetz recognita. 8. Lipsiae, Teubner. 

De pronominum personalium usu et collocatione apud poetas scae- 
nicos Romanorum. Scripsit Guilelmus Kaenvpf. 8. Berol., Calvary. 

De ratione quam Plautus potissimum et Terentius in reciproca 
actione exprimenda inierint. Scripsit Zacharias Dembitzer. 8. Cracoviae. 

Bruno Baier, de Plauti fabularum recensionibus Ambrosiana et 
Palatina commentatio critica. 8. Vratislaviae. 

In ketten und banden. Ein plautinisches schönbarspiel übersetzt 
von dr. Rudolf Meyer. 4. Berlin. (Programm des Leibnitz - gym- 
nasiums). 



Nr. 3. 4. I8S8. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Lettisch. 



31. Bechtel, thasische inschriften ionischen dialekts im 
Louvre. Aus dem XXXII. bände der abhandlungen der königl. 
gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. 1884. 

Verfasser von dem wir in der unter Collitz leitung jetzt er- 
scheinenden Sammlung der griechischen dialektinschriften die be- 
arbeitung der ionischen zu erwarten haben, behandelt von den 
34 von Miller (Rev. arche'ol. XII und XIII) publicierten in- 
schriften diejenigen, welche mehr oder weniger ionischen dialekt 
aufweisen. Zu einer solchen besonderen behandlung sieht er 
sich veranlaßt, weil Millers lesungen nicht immer korrekt sind und 
seine ergänzungen zuweilen der begründung entbehren , beson- 
ders aber, weil über die Chronologie der inschriften fast gar 
nichts bestimmtes geäußert ist. Letztere bestimmt verf. im we- 
sentlichen nach dem epigraphischen Charakter der buchstaben; 
ergänzend treten hinzu das wiederholte vorkommen gleicher namen 
und die gestaltung der spräche. Nach der schrift werden fünf 
perioden unterschieden , die sich aber für den dialekt auf drei 
reducieren. Im allgemeinen ist ein beständiges fortschreiten des 
atticismus zu beobachten ; in der letzten periode sind nur noch 
geringe anklänge an den ionischen dialekt zu bemerken. Verf. 
setzt für die inschriften die jähre 300 — 175 v. Chr. an. 

Das verfahren des verf.'s ist, soweit ich es zu beurtheilen 
vermag, überall sehr umsichtig und gründlich ; hier und da fal- 
len für die grammatik kleine belehrungen ab. Nur eins ist mir 
aufgefallen. In der Übersicht über den dialekt der inschriften 
der zweiten periode wird gesagt, daß der genet. singularis der a- 
stämme außer auf -/?«, -s o g, -svg, auch auf -ov und auf -« endige 
Philol. Anz. XVI. 13 



182 32. Metrik. Nr. 3. 

und der gen. singularis ders-stamme nie auf -ovg oder -ov, sondern 
auf -cos,', avg ausgehe. Nun ist aber in den dieser periode zu- 
getheilten Inschriften überhaupt nur ein genetiv auf sog (/7o- 
Xväldtog no. 10, bei Miller no. 13) enthalten. Aus den namen 
dieser inschrift ist für ihr alter nichts zu entnehmen, dem dialekte 
nach könnte sie aber eben so gut zur ersten periode gerechnet 
werden. Nur nebenbei sei bemerkt , daß sämmtliche genetive 
der a-stämme auf -sco ausgehen. Erman , der die hier behan- 
delten inschriften in seiner abhandlung de titulorum ionicorum 
dialecto (Curtius' Studien V) nach Miller wieder abgedruckt hat, 
rechnet deshalb diese inschrift zu den ältesten in dieser Samm- 
lung. Die frage ist vielleicht nur eine orthographische , aber 
immerhin ist doch zu beachten , daß ein schwanken zwischen 
•sog und -ivg bei diesen genetiven sich sonst nur in den in- 
schriften der ersten periode findet. Eine entscheidung darüber, 
wer von beiden recht hat, vermag ich nicht zu fällen, da ich 
nicht beurtheilen kann, ob die schriftzüge unbedingt die Bechtelsche 
bestimmung verlangen. 

H. Kallenberg. 



32. 0. Keller, der saturnische vers. Zweite abhand- 
lung. Prag 1886. 42 p. 8. 

Kellers erste schrift über den saturnier (der saturnische 
vers als rhythmisch erwiesen. Leipzig - Prag 1883) hat einen 
erfolg gehabt, mit dem der autor wohl zufrieden sein kann. 
Ueber theilnahmslosigkeit des gelehrten publikums kann er je- 
denfalls nicht klagen , denn kaum um ein andres problem wogt 
augenblicklich in der klassischen philologie ein so heftiger streit, 
wie um die Kellersche hypothese. Auch steht er im kämpfe 
nicht allein : mit gerechtem stolz zählt er am anfang dieser neuen 
abhandlung die stattliche reihe von gelehrten auf, die ihm öf- 
fentlich zugestimmt haben , darunter einen mann von großem 
gewicht in metrischen fragen , nämlich Rudolf Westphal. Es 
kann daher nicht wunder nehmen, daß Keller mit großer Sie- 
geszuversicht auftritt. Die quantitirende messung des saturniers 
ist nach seiner meinung „eine Ungeheuerlichkeit, die vor einem 
nicht voreingenommenen richter unmöglich bestehen kann" und 
die neueste schrift , die den gegnerischen Standpunkt vertritt, 
wird mit den worten eingeführt : „Trotzdem wagt noch L. 



Nr. 3. 32. Metrik. 183 

Müller" u. s. w. Eeferent kann sich aber doch nicht davon 
überzeugen, daß die sache, welche 0. Müller, Ritschi, Bücheier 
verfochten haben, jetzt wirklich eine verlorene ist, er muß viel- 
mehr bekennen , daß er noch immer die quantitirende messung 
des Saturniers für eine thatsache halt , für welche sich der 
strikte beweis erbringen läßt. Die argumente, aus denen 
sich für ihn dieser beweis ergibt, sind folgende: 1. Einen ge- 
wissen einfluß räumt auch Keller der Quantität ein, indem er 
zugibt (p. 13 der vorliegenden schrift), daß „die normalsilbe 
des Saturnius" in zwei kürzen aufgelöst werden kann. — 2. Was 
die Senkungen (arsen nach Aristoxenischer terminologie) betrifft 
so zeigt sich, wenigstens im streng gebauten Saturnier (verschie- 
dene bauart des Saturniers nimmt ja auch Keller an) , an zwei 
stellen ein unzweifelhafter einfluß der Quantität, indem bekannt- 
lich ein reiner iambus stehen muß erstens vor der hauptcäsur, 
wenn dieselbe männlich ist (hone oino ploirüm^), und zweitens 
vor der nebencäsur (Caesura Korschiana) des zweiten hemistichs 
(Scfpiö | Barbätus). Es zeigt sich hierin eine ähnliche norm, 
wie die in den iamben und trochäen der komödie güllige, wo 
vor männlichen verschlussen und cäsuren der reine iambus ob- 
ligatorisch ist. Freilich herrscht dies gesetz nur im strengge- 
bauten Saturnier (besonders deutlich ist es in den Scipionenin- 
schriften), nicht in nachlässigen (vgl. Corinto deletö vor der haupt- 
cäsur im Titulus Mummianus) und archaischen compositionen 
(vergl. z. b. me^d fec^d vor der Caesura Korschiana des zweiten 
hemistichs in der Duenosinschrift). — 3 In den hebungen (the- 
sen nach Aristoxenischer terminologie) stehen , wenn wir von 
den endsilben absehen, fast durchweg lange silben oder doppel- 
kürzen ; die fälle, in welchen eine kurze silbe, welche nicht die 
endsilbe eines Wortes ist, eine hebung bildet 1 ), sind viel zu 
selten, als daß man aus ihrem vorkommen ein argument gegen 
die quantitirende messung des Saturniers entnehmen könnte 
(kürzen an stelle von längen erscheinen unter dem ictus bekannt- 
lich auch bei Homer), und an ihnen scheinen auch die verthei- 
diger der accentuirenden messung keinen ernstlichen anstoß ge- 
nommen zu haben. — 4. Der punkt, welcher die gegner der 
quantitirenden messung am meisten zum Widerspruch veranlaßt 

1) Die versuche, diese kürzen durch annähme archaischer formen 
zu beseitigen, sind zum theil wenig glücklich. 

13* 



184 32. Metrik. Nr. 3. 

hat, ist die prosodie der endsilben, und die hierauf bezüglichen 
bedenken sind auch nicht ohne berechtigung. Wenigstens muß 
ich Keller zugeben, daß sich der sprachwissenschaftliche beweis 
für die länge der im saturnier gelängten kurzen endsilben 
nicht nur nicht erbringen läßt , sondern daß für einen theil so- 
gar der gegenbeweis geliefert werden kann. Aber gerade aus 
diesem umstand, welcher Keller als die verwundbarste stelle des 
quantitätsprincips erschien, glaube ich ein gewichtiges argument 
für die quantitirende messung herleiten zu können. Fänden 
sich nämlich solche sprachhistorisch nicht zu rechtfertigende län- 
gungen der endsilben nur im Saturnier, so stände es allerdings 
um die quantitirende messung bedenklich , aber es erscheinen 
solche längungen auch bei Plautus , bei Terenz , ja sogar noch 
bei classischen dichtem, und um die sprachwissenschaftliche mo- 
tivirung derselben steht es dort keineswegs besser. Mit der re- 
gel „im altlateinischen waren manche endsilben noch lang , die 
später gekürzt wurden" kommen wir nach meiner meinung 
schlechterdings nicht durch , die regel muß vielmehr lauten : 
„im altlateinischen können beliebig kurze end- 
silben unter dem ictus als lang gebraucht werden, 
im Saturnier geschieht das sehr häufig, sparsamer in der grä 
cisirenden metrik ; ob diese im metrum gelängten sil 
ben ehemals lang waren oder nicht, hat gar kei 
nen einfluß, wohl aber ihre lautgestalt: silben auf t wer 
den häufiger lang gebraucht als silben auf s 2 ) , noch häufige 
silben auf r , silben mit dunklerem vokal häufiger als solche 
mit hellerem". Eine erklärung der erscheinung ist auf doppel- 
tem wege möglich. Entweder nämlich ist die längung nur me- 
trisch (längung der endsilben durch hinzutritt kleiner pausen 
am wortschluß, vergl. auch L. Müller, der saturnische vers § 45) 
oder die längung ist eine reminiscenz an ursprüngliche, später 
gekürzte längen in den endsilben. Dann stände die sache fol- 
gendermaßen : die längen waren aus der Umgangssprache zwar 
geschwunden, aber in der poesie, welche so häufig ältere sprach- 
formen bewahrt, lebte eine erinnerung an sie fort. Freilich wußte 

2) Gegen die dehnung der kurzen endsilben auf s wird sich wahr- 
scheinlich deshalb eine abneigung herausgebildet haben, weil es auch 
endsilben mit langem vokal vor s gibt, während einem auslautenden t 
und r stets kurzer vokal vorausgeht. 



Nr. 3. 33. Rhetorik. 185 

man nicht mehr im einzelnen , bei welchen endsilben die länge 
historisch berechtigt war, bei welchen nicht (dazu wären ge- 
lehrte forschungen nöthig gewesen), und so bildete sich die re- 
gel aus : ,, kurze endsilben können in der poesie nach bedürfniß 
als lang gebraucht werden 3 )". Welcher der beiden erklärungen 
wir auch beipflichten , in jedem falle müssen wir eine der grä- 
cisirenden metrik voraufliegende quantitirende poesie mit natio- 
nalen prosodiegesetzen annehmen , und das kann nur die satur- 
nische gewesen sein. 

Wie aus vorstehendem hervorgeht, ist referent auch durch 
diese zweite abhandlung Kellers, welche entgegnungen auf ein- 
würfe der kritik, einige modificationen des in der ersten abhand- 
lung aufgestellten Schemas und dann besonders einen versuch, 
die historische entwickeluug der Saturuischen metrik zu skiz- 
ziren, enthält, nicht von der richtigkeit seiner hypothese über- 
zeugt. Das hindert ihn jedoch nicht anzuerkennen , daß Keller 
seine sache mit umsieht und nachdruck verficht, und ebensowenig 
leugnet er (vergl. oben nr. 4), daß derselbe in gewisser hinsieht 
grund hatte, an der üblichen messung des saturniers anstoß zu 
nehmen. Freilich kann er alle von Keller gefundenen accent- 
gesetze nur als das nothwendige ergebniß der für quantität und 
cäsuren gültigen gesetze anerkennen. Doch stimmt er in man- 
chen einzelheiten mit Keller übereiu. So ist auch ihm nicht 
zweifelhaft, daß das epigramm des Naevius apokryph ist: der 
vers obliti sunt Romae loquier lingua latina ist unerträglich und 
ist durch keinen der bisher gemachten emendationsversuche ge- 
bessert worden. Auch die annähme einer historischen entwi- 
ckelung in der saturnischen poesie ist ihm durchaus sympa- 
thisch , und jedenfalls rechnet er es Keller als verdienst an, 
daß er von neuem das interesse der philologen für den Satur- 
nier geweckt hat. 

Friedrich Haussen. 

3) Ein analogen würde die Verdoppelung anlautender consonanten 
bei Homer bieten (z b. ivl n[A,tydQotoiv) , die ebenfalls nicht auf die 
fälle beschränkt ist, wo sie etymologisch berechtigt ist. 

33. Volk mann, die rhetorik der Griechen und Römer 
in systematischer Übersicht. Zweite vielfach vermehrte und ver- 
besserte aufläge. Teubner 1885. XVI und 595 p. 



186 33. Rhetorik. Nr. 3. 

34. Volkmann, rhetorik der Griechen und Römer in 
Iwau Müller, handbuch der klassischen alterthumswissenschaft. 
2. bd. Griechische und lateinische Sprachwissenschaft. 1885. 
p. 455—489. 

Unter den litterarischen denkmälern des klassischen alter- 
thums ist die kröne und Vollendung- des gedankenausdrucks die 
rede, wie sie sich nach dem gegenstände und dem orte in die 
einzelnen gattungen scheidet. Die hohe Vollendung in inhalt 
und form sowie der große werth des Studiums derselben für die 
geistige ausbildung der Jugend und für den späteren praktischen 
beruf ist allerseits anerkannt. Mit vollem rechte wird aber von 
einsichtsvollen männern die forderung aufgestellt , hiebei die 
grammatische und sprachliche erklärung mehr in den hinter- 
grund treten zu lassen und dafür besonders den künstlerisch- 
ästhetischen werth sowie den ethischen gehalt des Schriftwerks 
der jugend zum bewußtsein zu bringen , ihr einen einblick in 
die geistige werkstätte der alten redner und rhetoren zu gewäh- 
ren. Höher wird dann diese seite der alterthumswissenschaft 
in ihrer bewunderung steigen , da sich dem jugendlichen geiste 
die Überzeugung aufdrängt, ,,daß die beredsamkeit eine kunst, 
der redner ein künstler, jede gute rede endlich ein kunstwerk 
sei , das als solches betrachtet und gewürdigt werden müsse". 
Ein hauptmittel nun , die für eine solche erklärung und Würdi- 
gung nöthigen kenntnisse sich zu verschaffen, ohne die weit zer- 
streut liegenden, oft schwer verständlichen quellen studieren zu 
müssen , bietet dem gewissenhaften förderer einer gründlichen, 
nutzbringenden bildung Volkmanns Rhetorik der Griechen und 
Römer, die in zweiter bearbeitung uns vorliegt. 

Die darstellung beschränkt der Verfasser nach dem Vorwort 
auf die zeit von ungefähr 100 v. Chr. bis auf Syrianus um 
500 n. Chr. Man könnte über die berechtigung dieser ein- 
schränkung streiten , wenn man den praktischen werth für die 
erklärung der klassiker, nicht auch die entwicklung und die Übun- 
gen der rhetorenschulen berücksichtigte , und es hat auch in 
der that der Verfasser nicht darauf verzichten können, die ältere 
zeit eingehend zu behandeln und auch die späteren techniker 
und kommentatoren zu streifen. Läßt man diese anordnung des 
Stoffes als eines abgeschlossenen Systems gelten, so ist allerdings 
damit ein sicherer Standpunkt gewonnen, von dem aus man nach 



Nr. 3. 33. Ehetorik. 187 

allen Seiten die betrachtung schweifen lassen kann. Aber die 
genetische entwicklung der einzelnen theorien wird dadurch ver- 
kürzt. Eine systematische geschichte der alten rhetorik läßt 
leider immer noch auf sich warten , und was Volkmann in der 
i einleitung über die entwicklung des begriffs und der eintheilung 
derselben von Korax bis auf die Byzantiner bietet, kann nicht 
immer einer ernsten kritik stand halten. Die darstellung hätte 
wohl an klarheit und auch an Sicherheit gewonnen , wenn 
der unterschied der Isokratischen und der stoischen theorie, das 
Verhältnis der peripatetischen schule zu den Pergamenern, die 
abhängigkeit der späteren techniker von den einzelnen richtun- 
gen der oft unvermittelt neben einander stehenden theorien mehr 
verfolgt worden wäre. Die Schwierigkeit , ein richtiges urtheil 
hierüber zu fällen , ist freilich groß ; es fehlen ja die nöthigen 
vorarbeiten, so besonders über die quellen des Dionysius von 
Halikarnaß , dessen Schriften dem verf. als „summe der stoisch- 
pergamenischen rhetorik" oder als lehre der „grammatisch, d. h. 
kritisch-litterarisch gebildeten pergamenischen rhetoren" erschei- 
nen. — Besser ist die theorie der theile der rede in ihrer ent- 
wicklung besprochen. 

Nach diesen einleitenden bemerkungen, die in der zweiten 
aufläge völlig neu bearbeit sind , geht der verf. zu den einzel- 
nen theilen der rede über. Bei der inventio ist die statuslehre 
von besonderer bedeutung. Volkmann untersucht diesmal die 
theorie des Hermogoras in klarerer , wenn auch noch nicht ab- 
schließender weise und bespricht im anschlusse daran den ein- 
fluß derselben auf die lehren anderer rhetoren, unter denen be- 
sonders die allerdings oberflächliche statuslehre Cicero's verur- 
theilt wird. Etwas unklar scheint die beurtheilung des Hermo- 
genes p. 55 zu sein; denn wenn Hermogenes zur noiöitjq ngay- 
Harixi'] das genus deliberativum zieht , so spricht er doch eigent- 
lich dem sinne nach auch von noiottjg av/yßnvl?vTixrj. Ebenso 
kann nicht Hermogoras gleichzeitig mit den stoikern die status- 
lehre zum abschluß gebracht haben und doch dabei seine ab- 
hängigkeit von diesen keinem zweifei unterliegen. 

In der erörterung des status coniecturalis ist die berück- 
sichtigung der rhetoren nach Hermogenes zwar nach dem an- 
genommenen plane gerechtfertigt, aber doch sind derartige spitz- 
findige Unterscheidungen von zweifelhaftem werthe; dankenswer- 



188 33. Rhetorik. Nr. 3. 

ther wäre die besprechung einer hieher gehörigen rede Ciceros 
z. b. pro Cluentio ähnlich der des Deinosthenes de falsa legatione 
gewesen. Mehrere passende beispiele erörtert Volkmann für den 
Status definitivus und vertheidigt dort besonders die angäbe der 
hypothesis zu Isaeus de Cleonymi hereditate, wonach hier ein 
ogog 8mXolg x«r' Ufxqiaßij7t]aiv stattfinde , gegen Kayser und 
Bi'näk. Fast unverändert bleiben der qualitätsstatus und das 
asystaton, wo besonders Cicero wieder seine Unterlassungssünden 
scharf vorgehalten werden. Hat denn wohl Cicero hiebei keine 
vorläge benützt , die schon diese mängel enthielt , weil auch 
Quintilian es nicht besser weiß? 

Der abschnitt über die genera und figurae causarum sowie 
die lehre vom sermo figuratus (Xoj'ot iapjfiatiaiAsvniJ hat meist 
nur in den beispielen erweiterung gefunden. Mit recht nimmt 
der verf. hiefür ein höheres alter an als Diouysius von Hali- 
carnaß; er hätte auf des Theophrast zwei bücber ärqyiABrmv lü- 
ycov slg tu a^r/^ata verweisen können sowie auf Anaximenes 
cap. 21. Ebenso ist Apsines übergangen, von dem ein inter- 
essantes fragment (I, 407 sp.) vorbanden ist; vgl. Volkmann, 
Abriß p. 460. — Gleichfalls fast unverändert sind die theile 
der gerichtsrede geblieben : einleitung, erzählung, themastellung 
und eintbeilung desselben; doch hätte sich hier manches kürzen 
und zusammenfassen lassen, so § 15 a. e. des Hermogenes ngo- 
xataoxevij mit bezug auf p. 125. 

In der topik der Enthymeme wird die theorie des Aristo- 
teles Rhet. II, 23 eingehend kritisiert. Dieser theil sowie die 
weitere besprechung der topik der Enthymeme bei den stoikern 
und deren Umbildung bei anderen rhetoren gehören zu den be- 
sten Zusätzen und Umarbeitungen der neuen aufläge. Ueber 
einzelheiten kann man auch hier anderer ansieht sein ; so finde 
sich z. b. bei Aristosteles dno vov jioau%ä>g nichts in der topik, 
vgl. I, 15, II, 3, worauf bereits längst aufmerksam gemacht 
wurde. Auffallend ist überhaupt das urtheil über die bedeu- 
tung des Aristoteles für die rhetorik, das jetzt im schwunge zu 
sein scheint ; die art und weise , wie er die topik der Enthy- 
meme zuerst wissenschaftlich behandelt hat, soll „äußerst man- 
gelhaft" sein; „vieles naheliegende wird vermißt", und doch 
„ist auch hier der Scharfsinn und die findigkeit des Aristoteles 
zu bewundern". Er verweist ja in seiner rhetorik auf die topik, 






Nr. "3. 33. Ehetorik. 189 

wo über die sache genaueres zu finden sei; in der rhetorik giebt 
er nur eine allgemeine Übersicht , ohne Vollständigkeit oder er- 
schöpfende gründlichkeit beanspruchen zu wollen ; daraus erklärt 
sich vieles , ohne daß man einzelne kapitel des zweiten buches 
oder sogar das ganze dritte buch dem philosophen abzusprechen 
braucht. Auch bei Prantl, Geschichte der logik im Abend- 
lande, hat sich der verf. nach einer wirklichen, sachgemäßen 
belehrung über die rhetorischen topen vergebens umgesehen. 

Die kvoiq xurä utiaaiv ist wohl (p. 245) insofern mit der 
Xvaiti s£ aiaiQi-a sgh' verwandt, als beide widerlegen sollen; aber 
Apsines zieht letztere in der auch von Volkmann angeführten 
stelle zur direkten Widerlegung : oi y<t(j txtivo y' eativ tintlv^ 
d. h. der Vorschlag ist nicht nützlich , sondern im gegentheil 
schädlich. — Das unveränderte kapitel (§ 26) „anwendung und 
ausführung der beweismittel" berührt sich mit bereits vorge- 
brachtem, z. b. nXaa-ia fni^eiot'juuTa p. 260 und 232, ohne daß 
man neues hört, oder hätte besser früher untergebracht werden 
können, theils gehört es unter die dispositio § 38. In dem ab- 
schnitte über den schluß der rede werden p. 271 beispiele für 
loci communes angeführt, die nicht am Schlüsse der rede vorkom- 
men ; sie hätten passender zur egressio § 14 gezogen werden 
können. Ueber den unterschied des yelofov und i'vx a Q' unc ^ *^ re 
anwenduug giebt Demetrius III, 298 f. Sp. nicht uninteres- 
sante winke. 

Die zweite gattung der beredsamkeit , genus deliberativum, 
(p. 294 — 314) wird kurz behandelt; die bedeutung und anwen- 
düng der relma y.ecpdXaia wird nicht erschöpfend erörtert; be- 
sonders würde man eine darlegung der art des Demosthenes 
an stelle des Isokrates dankbar gesehen haben. Zu ausführlich 
(p. 315 — 363) ist dagegen das genus demonstrativum nach Me- 
nander besprochen. Die ermüdende, eingehende aufzählung der 
einzelnen formen dieser sophistischen kunst hätte man wohl dem 
verf. gerne erspart, zumal da jedem, der sich damit befassen 
will, dieses quellenmaterial leicht zugänglich ist. 

Die disposition der rede (p. 363 — 392) wird an passenden 
beispielen erläutert. Bei der ötuigtaig der einzelnen Status ist 
die theorie des Cornificius , Cicero und Quintilian jetzt an die 
spitze gestellt. Doch wäre für den konjekturalstatus eine Zerle- 
gung der rede Cicero's pro Roscio Amerino zweckdienlich ge- 



190 33. Rhetorik. Nr. 3. 

wesen, da diese zu den ältesten seiner reden gehört und streng 
nach den rhetorischen Vorschriften gebaut ist. 

Eine größere Umarbeitung hat der dritte theil der rhetorik, 
die elocutio erfahren. Auch dieser abschnitt kann zu einzelnen 
bemerkungen anlaß geben. So ist die notiz § 42 , die lehre 
vom ausdruck werde von den Griechen crgdoic, meist lehe, sel- 
tener ajtayy&lta oder SQfJirjrtCn genannt, ungenau; ioftqreia wird 
von den späteren rhetoren mit Vorliebe verwendet, weniger 
Xs^ig. Wenn ferner Fortunatian nach stoischer theorie die elo- 
cutio in quantitas verborum, d. h. bonitas verborum, und structurae 
qualitas, d. h. komposition theilt und nach Quintilian: ea spectatur 
verbis aut singulis {ut sint Latina, perspicua, ornata) aut coniunctis 
(ut emendata, ut apte collocata, ut figurata), so haben wir es doch 
nicht mit einer ganz verschiedenen eintheilung im allgemeinen 
zu thun. 

In dem vermehrten und verbesserten abschnitte über die 
tropen und figuren ist die geschichtliche entwicklung der theorie 
der tropen nicht genügend beleuchtet. Für die notiz p. 418, 
Cicero nenne den gebrauch der metaphern einen naturgemäßen 
und Demetrius die Umgangssprache die lehrmeisterin der me- 
taphern, ist Aristoteles Rhet. III, 2 die quelle. Ueberhaupt 
giebt Aristoteles über diesen und andere tropen feine bemer- 
kungen, die von späteren rhetoren nur wiederholt werden; Volk- 
mann bezeichnet die Aristotelische eintheilung der metaphern 
als unfruchtbar. — „Oft spricht Cicero von sich allein im plural" 
als Synekdoche (p. 422) bedarf der berichtigung. Von den hy- 
perbeln p. 439 und 440 werden einige zweimal angeführt. Die 
gelegentliche bemerkung des Philostratus v. p. 607 16 aavv8sroi\ 
o 8ij niilmra iniarolijv lapi7iQvt>£\ hätte nicht als kennzeichen 
der alten technik angesehen werden sollen ; Aristoteles verwirft 
das asyndeton für die ygaqun^ te$t^ (III, 12) und Demetrius 
§ 226 hält es für den briefstil für ungeeignet. 

Eine vollständige Umarbeitung erfuhren die stilarten. Doch 
kann die frage über den Ursprung und die eintheilung derselben 
noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Volkmann ver- 
mißt bei Aristoteles eine Unterscheidung der y(ia(pi*ij lf%ig, wäh- 
rend dort nur eine redegattung angenommen wird: 76 8e ngot,- 
dictiQtia&di t/;»' }^ir , ort tjdsTat 8e7 xai fityalonQtni], negiegyor. 
Dagegen zerfällt ! t aymvitiitxri )r$is (// inoy.giifXMrüiij) in 1)- 



Nr. 3. 33. Rhetorik. 191 

i dixtj und nadr]7tiirj, vrgl. die xpdnl Xoyni III, 2. Dem Theo- 
phrast legt Volkmann mit recht die aufstellung dreier stilarten 
bei; dagegen läßt er es dahingestellt, ob er sie zuerst gelehrt 
und wie er sie bezeichnet habe. Abar Dionysius Dem. cap 3 
behauptet, Theophrast habe den Sophisten Thrasymachus als be- 
gründer tijg nvicag (xtdor^mg bezeichnet; daraus darf man wohl 
folgern, daß Theophrast (»tarn- yevog jene stilart nannte, die aus 
der /f'|(? }irrj x.<u ayeliji; (cap. 2) und der ntyalnnQtnsta xca 
fopvoTijg (cap. 4) richtig gemischt ist. Daher ist die annähme 
Volkmanns kaum richtig, daß die „späterhin meistentheils üb- 
lichen ausdrücke ndgar ueaov la%rnv bereits auf ihn zurückge- 
hen". Bei Demetrius § 114 ist eine definition des Theophrast 
vom ipv/Qor , dem gegentheil des xccnaxTtjQ nsyalonQsnrjg ange- 
führt : also geht auf ihn sache und name zurück ; die übrigen 
bezeichnungen können nicht von Theophrast herrühren , da De- 
metrius sie als neuerungen bezeichnet, z. b. § 186, 239. — 
Dionysius führt in Dem. und C. V. gänzlich von einander ab- 
weichende theorien der stilarten und harmonien an. Unrichtig 
sieht Volkmann p. 536 das uv&t]q6v für synonym mit ui-'aov an; 
denn Dem. cap. 36 werden drei aQfioviat aufgestellt: avoiyga 

\ ylayvgct (== ni&rjga) /je arj ; vgl. Dem. 5 und C. V. 24, wo %a- 
quxttjq fiiaog und aouoria fjtnrj oder xoivr} gleiche erkläruug 
finden. Eine dtirnryg (p. 544 ff.), die in der rechten Verwen- 
dung aller drei stilarten besteht, kann nur von jenen rhetoren 
angenommen werden, bei denen nicht rb fte'aor yeiog richtig ge- 
mischt ist aus dem besten der erhabenen und schlichten rede- 
weise (Dion. C. V. cap. 24). Deshalb kann nicht nach Diony- 

\ sius Demosthenes das eigentümliche aller drei stilarten ver- 
mischt und sich zu eigen gemacht und so die Sfij-rm/s' geschaf- 
fen haben ; die mittlere stilgattung ist eben nicht mit der „blü- 
henden" gleichbedeutend , sondern die richtige verwerthung der 
beiden anderen. Doch kann diese Schwierigkeit hier nicht weiter 
verfolgt werden, zumal ja auch die texte der rhetorischen Schrif- 
ten des Dionysius noch sehr im argen liegen. — In der stillehre 
der späteren sophistischen zeit, die ebenfalls verbessert dargestellt 
ist, legt der verf. dem Hermogenes zu große bedeutung bei; 
der junge Vielschreiber ist zwar der tummelplatz der spätesten 
techniker und kommentatoren ; aber seine Vorgänger hat er red- 
lich geplündert, wenn er auch scheinbar auf sie keine rücksicht 



192 34. Rhetorik. Nr. 3. 

nimmt; vgl. auch Liers, zur geschichte der rhetorischen ideen- 
lehre, Jahrb. für phil. 1885, 577. 

Den Schluß bilden die zwei letzten theile der beredsamkeit, 
das gedächtnis und der Vortrag. Das wort- und Sachregister 
ist ebenfalls verbessert und nach deutsch-lateinischen und grie- 
chischen Vokabeln geordnet. 

In dem oben erwähnten ,, Handbuch der klassischen alter- 
thumswissenschaft" veröffentlicht Volkmann einen gut geschrie- 
beneu abriß seiner rhetorik der Griechen und Römer. Zuerst 
giebt er eine kurze geschichte und eintheilung der rhetorik ; 
u. a. werden dem Aristoteles auch hier nur zwei bücher der 
rhetorik zugeschrieben ; im dritten habe ein peripatetiker die 
lehre vom sprachlichen ausdruck und den theilen der rede in 
mehr empirischer weise behandelt. Von Apsines soll ein aus- 
zug aus einem original ähnlich wie Alexander aus Caecilius 
und anderen rhetoren über die figuren auf uns gekommen sein (?). 
Daran schließt sich die lehre von der auffindung des Stoffes, 
von der disposition, dem ausdruck, endlich vom gedächtnis und 
Vortrag. Es wird dabei häufig auf das größere werk verwiesen, 
wo man sich aufschluß über gewisse nur angedeutete fragen er- 
holen soll, wie denn der ganze abriß nur für solche leser be- 
rechnet zu sein scheint, die das größere werk im köpfe haben 
und einen bequemen auszug benutzen wollen. Denn einzelne 
partieen, wie über die statuslehre, werden den meisten in dieser 
fassung schwer verständlich bleiben; die propositio und partitio 
werden nach dem Schlüsse der rede als etwas nebensächliches 
erwähnt. Dagegen verdient die übersichtliche behandlung der 
tropen und figuren hervorgehoben zu werden. 

Die litteratur ist in beiden Schriften, soweit es sich über- 
sehen läßt, ziemlich vollständig verzeichnet. Auffallend führt 
Volkmann § 46 der größeren ausgäbe bei der erörterung über 
„bilder und gleichnisse", simüüudines, die den gegenständen un- 
serer darstellung licht und klarheit verschaffen, Stangls öpoiü- 
7// res' in Ciceros rhetorischen Schriften und den lateinischen rhe- 
toren, Blätter für bayer. gymnasialwesen 1883, bd. 19, h. 7 an. 
Nun aber steht in diesem heft nur der Schluß der bereits im 
vierten heft begonnenen Zusammenstellung der citate aus Ci- 
ceros rhetorischen Schriften bei lateinischen rhetoren (Halms 



Nr. 3. 35. Bibliographie. J 93 

Rhetores latini minores) mit rücksicht auf die textkritik ; es hat 
das also mit dem schmuck der rede gar nichts zu thun. 

Hammer. 

35. 0. Castellani, le biblioteche nell' antichita dai 
tempi piü remoti alla fine dell' impero Romano d'occidente ri- 
cerche storiche. Bologna, stablimento tipografico succ. Monti 
1884. (Mailand, U. Hoepli). 8. XXXIV u. 60 p. 2 lire. 

In drei abschnitten: biblioteche delV Oriente, biblioteche della 
Grecia e delV Egitto und biblioteche di Roma wird die geschichte 
der bibliothek von den ältesten Zeiten bis zum Untergang des 
weströmischen reiches behandelt. Die arbeit des Verfassers be- 
ruht hauptsächlich darauf, die Zeugnisse der klassiker aus den 
bekanntesten arbeiten deutscher gelehrter zusammenzustellen und 
kritiklos eins dem anderen anzureihen. Zu bedauern ist, daß 
Castellani Birt's arbeit über das antike buchwesen (Berlin 1882) 
I nicht kennt , dann hätte er auch p. 54 anders über die libri 
i lintei und elephantini geurtheilt. Ein lohnendes thema ist hier 
' leider dilettantisch und flüchtig behandelt. Es macht schon ei- 
nen üblen eindruck, daß der Verfasser nöthig hatte, zu dieser 
j kurzen arbeit zehn Seiten nachtrage hinzuzufügen, und diese be- 
richten weder alle fehler, unter denen sich ganz erschreckliche 
finden, noch vervollständigen sie ztir genüge das gebotene. Es 
r ist unbegreiflich, daß erst in den nachtragen der Verfasser dar- 
i auf kommt, daß das bekannte scholium Plautinum, welches eine 
: notiz über die bücherzahl der alexandrinischen bibliothek ent- 
ii hält, eine lateinische wiedergäbe derselben quelle ist, die Tzetzes 
prooem ad Aristoph. benutzte 1 ). Diese stelle mußte doch aus- 
■i führlich kritisiert werden , oder Castellani mußte zu erkennen 
): geben, welcher erklärung er beiträte. Auf welchem Standpunkt 
l der kritik Castellani steht, kann man daraus ersehen, daß er ohne 
•i weitere bemerkung den Apollonios Rhodios als alexandrinischen 
■) bibliothekar gelten läßt, während doch bereits Bernhardy, Griech. 
- litteratur II, 1, p. 304 diese nachricht sehr in zweifei gezogen 
hatte, und schon früher Tzetzes in den genannten prooemien 
c hierüber im unklaren war, vgl. Ritschi, Opusc. I, 200. 207. 
. Ueberhaupt leidet der abschnitt über die alexandrinische bib», 

1) Aus welchem gründe Castellani griechische belegstellen immer 
m lateinischer Übersetzung citiert, kann ich nicht ergründen. 



194 36. Bibliographie. Nr. 3. 

liothek trotz Ritschl's arbeit au mancherlei Unrichtigkeit. Es 
durfte des ferneren nicht ohne weiteres von einer öffentlichen 
bibliothek des Peisistratos geredet werden. Dieser begriff hat aller 
Wahrscheinlichkeit nach dem griechischen altorthum gefehlt, ers' 
in der zeit der Ptolemäer nahm der staat ein interesse an de 
Sammlung der litteraturschätze. Unbekannt ist Castellani , de 
nur auf 2 1 /2 seite von bibliotheken des klassischen Griechen- 
lands zu reden weiß, daß schon Piatons Schriften gegen eine leih- 
gebühr entlehnt wurden, vgl. Antigonos von Karystos bei Diog. 
Laert. 111,66, dazu Bergk, Griech. litter. I, 218 f. In gleicher 
weise ist in dem abschnitte über die bibliotheken Roms, welcher 
sonst noch der beste theil der arbeit ist, nicht untersucht, ob 
die benutzung der Staatsbibliotheken jedermann freistand. Wenn 
man Ovid Epist. I, 3, 64 liest , möchte man geneigt sein , es 
anzunehmen, aber Tac. Dial. 21 und 37 scheinen nicht für das 
gleiche zu sprechen. Mir ist es nicht möglich, hier diese und 
andere fragen , an denen Castellani ruhig vorübergegangen is 
zu erörtern. Jedenfalls wird der deutsche philologe sich nich 
in dieser scbrift rath über die geschichte der bibliotheken de, 
alterthums holen. Vielleicht war der leserkreis der patria letta 
raria , in der die arbeit veröffentlicht wurde , weniger auf neue 
wissenschaftliche resultate gespannt. 

Hugo Landwehr. 



36. Guil. Busch, de bibliothecariis Alexandrinis qui fe- 
runtur primis. Dissertatio inauguralis Rostochiensis. Leipzig, 
Gust. Fock 1884. 56 p. 8. 1 mk. 20 pf. 

Daß es vorwiegend chronologische fragen sind, welche zum 
gegenstände der erörterung gewählt werden , hätte vielleicht im 
titel kurz angedeutet werden können. Denn wenn über die bi- 
bliothekare gehandelt werden soll , so wäre doch auch die thä- 
tigkeit der betreffenden näher ins äuge zu fassen gewesen. Vor 
allem hätte ich bei Kallimachos eine Stellungnahme zu der ii 
neuster zeit von Birt (Antikes buchwesen p. 482 ff.) aufge- 
stellten hypothese , daß jener ein gegner des großrollensystems 
gewesen ist 1 ), gewünscht. Zwar wird der ausspruch des Kal- 

1) Eine ausführliche kritik dieser arbeit gab ich im Philo!, anz. 
XIV, p. 357 ff. Dagegen hat sich ferner ausgesprochen Haenny, 
Schriftsteller und buchhändler in Rom. Inauguraldiss. von Zürich 
1884, p. 89 ff. 



Nr. 3. 36. Bibliographie. 195 

limachos p. 41 erwähnt, aber in einer weise, die deutlich zeigt, 
daß Busch nicht über jene kontroverse unterrichtet ist. Natur- 
gemäß werden neben den biographischen notizen der gramma- 
tiker auch die Zeitereignisse berücksichtigt. Mit recht schließt 
Busch sich hier an Droysen an; denn das, was Koppe (Rhein, 
mus. 39) gegen diesen vorgebracht hat, ist nicht stichhaltig. 
Wo etwa vereinzelt Busch von Droysens darlegung abweicht, 
geschieht es ohne glück z. b. p. 20 f. Zur behandlung ge- 
langen Zenodot, Kallimachus, Eratosthenes, Apollonius Rhodius, 
Aristophanes v. Byzanz und Aristarch. Von diesen scheidet 
Busch den Kallimachus und Apollonius als solche aus , die das 
amt eines bibliothekars nicht verwaltet haben. Daß Kallima- 
chos , der als Verfasser der nivaxeg unter den alexandrinischen 
grammatikern eine so bedeutende Stellung einnimmt, nicht jenen 
posten bekleidet habe, muß wunderbar erscheinen, und in der 
that hat auch bis heute die wissenschaftliche forschung ihn nicht 
jenes amtes entkleidet. Aller zweifei an der richtigkeit der bis- 
herigen ansieht muß aber berechtigt erscheinen , wenn sich er- 
giebt , daß Kallimachos vor Zenodot gestorben ist , mithin für 
ihn, so lange Zenodot lebte , keine anwartschaft auf jene stelle 
vorhanden war. Busch setzt nun den tod des Kallimachos Ol. 
133, 4 und den des Zenodot er. ol. 136. Wenn man nun ge- 
nauer die von ihm hierfür ins feld geführten argumente betrach- 
tet, so ergiebt sich, daß diese angenommene priorität, welche 
durchaus Ritschis ansätzen widerstrebt, hauptsächlich von der 
interpretation einer stelle des Suidas s. v. ^(jtHTnyüvij^ ausgeht, 
wo gesagt wird ,ua#//?/}t,' KaXXifta^ov y.<u Zijiodozov , aXlu rot 
Mv Jt'oc, rov dt nuig i/Hovatv. Dies erklärt er nun dahin, daß 
Aristophanes erst den Kallimachos , dann den Zenodot gehört 
habe. Gegen die richtigkeit dieser erklärung will ich keinen 
zweifei erheben, aber es folgt doch nicht nothwendig aus dem 
übergange von dem einen lehrer zu dem andern, daß der er- 
stere gestorben sein muß, bevor Aristophanes zum zweiten über- 
ging ; vielmehr ist es doch viel natürlicher , daß er erst die 
schule des geringeren wählte, um dann in die des berühmtesten 
überzugehen. Mag es auch schon durch die Verhältnisse ge- 
boten sein, daß Zenodot sich nicht mit anfängern befaßte. Ein 
weiteres argument für diese hypothese glaubt Busch p. 1 7 in den 
Worten des Suidas s. v. KaXXl(ia%og zu finden. Aber abgese- 



196 36. Bibliographie. Nr. 3. 

heu davon, daß die lesung, auf welcher Busch fußt, eine durch 
konjektur hergestellte 2 ) ist, hat doch nagoweheiv , wie Busch 
p. 48 n. 9 selbst eingesteht, eine viel weitergehende bedeutung, 
als daß hier eine so bestimmte (,, lebte bis") angenommen wer- 
den könnte. Ich kann es daher als nicht begründet ansehen, daß 
Kallimachos nicht bibliothekar gewesen, wenn er auch nicht mit 
diesem amte bereits bekleidet war, als er seine nCvaxsg ver- 
faßte. Das durch Ritschi bekannt gewordene scholion Plautinum 
nennt ihn doch aulicus regius bibliothecarius. Allerdings hat der 
vielumstrittene bericht des Tzetzes in den prolegomenis zum Ari- 
stophanes die an sich schwer verständlichen worte: dag ö Kai- 
Xi'fxaj(ng vsavtGxhg mv rjjg nvXijg laTFQbig ptsrn rijv uvoQdwotv 
rovg nlvaxag avrmv ansynäxpato 3 ). Die erklärung dieser worte 
hat Busch durch den hinweis, daß rsaviaxot von Diog. Laert. 
häufig die schüler der philosophen genannt würden , nicht ge- 
fördert , vielmehr will Schneiders (Callim. II, 298) emendation 
doch ansprechender erscheinen. 

Daß Apollonios nicht bibliothekar gewesen , hat Busch da- 
durch am sichersten erwiesen , daß er die entstehung der vita 
II aus I, was vielleicht in der kaiserzeit geschah, dargelegt hat. 
Hiermit ist die romanhafte notiz über die vermeintliche rück- 
kehr des Apollonios ins reich der fabel verwiesen. 

Daß nun bereits im alterthum sich ein kanon der alexan- 
drinischen bibliotheken festgesetzt hat , scheinen mir die prooe- 
mien des Tzetzes zu zeigen. Hier wird in beiden übereinstim- 
mend Aristarch als der vierte oder fünfte bezeichnet, der nach 
Zenodot jenen posten bekleidet hat (Ritschi Op. I, 200. 207). 
Für mich ergiebt sich aus dieser notiz aber, daß es nicht, wie 
Busch meint, eine vereinzelt dastehende ansieht war, Kallimachos 
sei bibliothekar gewesen, sondern eben der gebrauch der zahl 

2) Suidas sagt xal nagimve ^^XQ 1, T °v Evtgyitov xlrjfttvTos Tlio- 
Xf/Lt«iov , okv/umädog dt qx£ , IS xata tu dtvTtyov trog v Evtgyhtjg llro- 
kifiaios rjQ$aro. Nun ist aber Euergetes Ol. 133, 2 könig geworden 
und nach Kaibels vorgange emenHirt Busch ijxfiaat dt tnl rrjg 6kv/u- 
niädog qx£ xal naginivt /uijf£t zov Evtgyirov xkrj^ipiog IlTokt/.iaiov, vkv/u- 
ninöos dt (jky, t)s Kik 

3) So ist die lesung des Ambrosianus. Daß der Parisinus etwas 
abweichendes bietet ist Busch entgangen, sonst hätte er es ohne Zwei- 
fel für seine argumentation verwerthet. In diesem ist nämlich nur 
zu lesen: iuv (sc. ßißkiav) lovg nivaxag v&rtQOV Kakklfxayog Int- 
yQÜiparo. 



Nr. 3. 37. Bibliographie. 197 

! weist darauf hin, daß jeder leicht im stände war, sich das feh- 
lende zu ergänzen, 
i Hugo Landwehr. 

37. Louis Haenny, schriftsteiler und buchhändler in 
Kom. Inauguraldissertation der Universität Zürich. Leipzig, Gu- 
stav Fock 1884. 8. 118 p. 2 mk. 40 pf. 

Theod. Birt hat durch sein „antikes buchwesen" ein neues 
bisher wenig beachtetes arbeitsfeld erschlossen ; daß aber nach 
ihm noch manches zu thun ist, dafür liefert die vorliegende ar- 
beit einen vollgültigen beweis. Dieselbe erörtert : 1. die Stellung 
des Schriftstellers, 2. die des buchhändlers , 3. das Verhältnis 
zwischen autor und editor. Hieran schließen sich in einem 
vierten abschnitte die darstellung ergänzende excurse über die 
anfertigung und den umfang der rollen, das autorrecht, das ver- 
i lagsrecht, die buchpreise und die dedikation. 

Der Schwerpunkt der arbeit liegt im dritten abschnitt, wel- 
i eher den beweis liefert , daß das Verhältnis zwischen autor und 
editor kein kontraktliches war , und der Schriftsteller kein ho- 
norar empfing. Um dies nun im einzelnen zu erweisen , prüft 
Haenny sämmtliche Zeugnisse , welche für diese frage etwa in 
betracht gezogen werden können. Denn bis auf Gölls auseinan- 
dersetzung im Gallus II, 450 war die ansieht herrschend , daß 
der Verleger im alterthum dem Schriftsteller das apographum 
abkaufte. Bei Cicero und Atticus hat die gelehrte weit nun 
sogar eine procentuelle abgäbe des Verlegers an den autor an- 
genommen. Doch kann dies sich allein auf Ep. ad Att. XIII, 12, 2 
stützen : Ligarianam praeclare vendidisti. Posthac quidquid scripsero, 
tibi praeconium deferam, aber das vendere wird von Haenny als 
synonym mit venditare „empfehlen" erklärt, und dadurch bekom- 
men die worte eine durchaus andere bedeutung , welche aber 
nicht zum nachtheile des sinnes ist. Denn auch aus einer an- 
dern stelle wissen wir, daß Atticus dem Caesar insbesondere 
die Ligariana empfohlen hatte. Auch was sich aus den bemer- 
kungen des Horaz, Ovid, Quinctilian, Plinius dem Jüngern, der 
nicht schlechtweg Plinius Secundus in der Überschrift zu nennen 
war, Iuvenal, Tacitus und namentlich Martial ergiebt, ist nicht 
derartig, daß eine honorierung nothwendig erschlossen werden 
muß. Namentlich bei Martial, von dem die forschung bis jetzt 
Philol. Anz. XVI. 14 



198 37. Bibliographie. Nr. I 

immer die entgegennähme eines buchhändlerhonorars fest be- 
hauptet hatte, wird genau erwiesen, daß dieser dichter nirgends 
auf eine entschädigung seitens des buchhändlers rechnet , viel- 
mehr betont, daß die poesie keine ars pecuniosa (V, 56, 8) sei. 
Wenn ich nun die richtigkeit dieses resultates anerkenne, so 
möchte ich doch daran die frage knüpfen , wie war es möglich, 
daß hier die Wissenschaft so lange einer fälschlichen ansieht hul- 
digte. Daß dieselbe überhaupt fortwährend vertheidiger fand, 
hat einmal darin seinen grund, daß die forscher von der ge- 
genwärtigen anschauung beherrscht wurden und dann darin, 
daß in der that die dichter und Schriftsteller des alterthums 
nicht um den rühm allein ihre feder schwangen , sondern daß 
ihnen auch ein nicht unbedeutender erdenlohn zu theil wurde. 
Die form der dedikation war es im wesentlichen , durch welche 
sie eine einnähme erzielten. Noch im siebenzehnten jahrhun 
dert herrschte ja bei uns die gewohnheit , daß gelehrte ihre 
abhandlungen fürsten widmeten und diese jenen dann eine be- 
stimmte summe dafür zahlen ließen. "Wenn Horaz sagt, daß 
ihn die paupertas audax angetrieben habe , verse zu machen, 
so fragt man doch hier schon nach dem cui bono. Hierzu kommt, 
daß ihm gerade später Maecenas in mehr als einer weise be- 
lohnungen zukommen ließ. Bei Martial ergiebt sich dies am 
deutlichsten, denn seine dedikationen sind immer von einem Sei- 
tenblick auf den geldbeutel des gefeierten begleitet. Freilich 
umgiebt er sich mit dem nimbus , als ob ihm wenig an einer 
belohnung seiner muse gelegen sei (X, 74), aber dann fordert 
er wieder sogar jeden leser auf , ihm für die genossene lektüre 
einen tribut zu zahlen (XI exit. und V, 16) 1 ). Freilich kann 
er dabei ruhig behaupten : Dieitvr et nostros cantare Britannia 
versus. Quid prodest? rieselt saccidus ista meus. Denn wenn seine 
gedichte auch noch so verbreitet waren, der buchhändler zog al- 



1) Der interpreta/tion des letzten epigramms des elften buches 
hat Haenny eine längere auseinandersetzung p. 71 ff. gewidmet. Die 
verschiedene lesart v. 4 lector, salve oder solve hat eine verschiedene 
auffassung gefunden. Ilaenny entscheidet sich für lector, solve und 
sieht darin „nichts als eine humoristische aufforderung an den leser, 
dem dichter für den geistigen genuß eine gratification darzureichen". 
Der leser thut, als ob er nicht angeredet, als ob er dem dichter nichts 
schuldig wäre. Martial giebt ihm sein vale — und ergreift die ge- 
legenheit, um sein buch zu schließen. 



Nr. 3. 37. Bibliographie. 199 

lein den vortheil davon. Jenes , was ich hier nur andeutete, 
mußte im excurse: dedikation weiter ausgeführt werden. 

An den excursen ist überhaupt zu tadeln , daß sie zu we- 
nig abschließend die fragen behandeln , zum theil aber auch 
bereits von Birt erledigte fragen , wie über die buchpreise 2 ) 
ohne neue resultate nochmals besprechen. Das bedeutendste 
bietet der über die anfertigung und den umfang der rollen. In dem- 
selben wird Birts ansieht bekämpft, daß es einen raumzwang 
gab, „dem die alten schon bei der koneeption ihrer werke selbt 
und während all ihres producierens gehorsamten". Sollte nun 
diese frage in einer wirklich abschließenden weise erledigt wer- 
den, so mußte dieselbe in viel ausführlicherer weise besprochen 
werden. Vor allem war der nachweis erforderlich, daß in der 
altern litteratur Griechenlands das von Birt angenommene groß- 
rollensystem keinen räum hat. In welcher weise ich diese Un- 
tersuchung geführt denke , brauche ich hier nicht auseinander- 
zusetzen , da ich bei einer ausführlichen besprechung von Birts 
buche gerade in dieser Zeitschrift (XIV, 357 ff.) meine ansieht 
dargelegt habe 3 ). 

Was Haenny über die edition vorgetragen, fordert in mehr 
als einem punkte den Widerspruch heraus. Verfolgen wir die 
entstehung eines litterarischen produktes von seinem Ursprung an. 
Die erste aufzeichnung geschah durch den dichter selbst fast aus- 
schließlich wohl auf der schreibtafel und dann , wenn der vol- 
lendete abschnitt ein größerer war, der auf ersterer nicht mehr 
genügend platz fand, auf pergament. Bei der behandlung dieser 
frage hat Haenny übersehen , was Ovid im beginn des ersten 
buches der Fasten sagt. Daß papyrus bei der ersten koneeption 
gebraucht sei, will mir nach Pers. III, 10 und selbst Hör. Ep. 
II, 1, 112 wenig wahrscheinlich vorkommen, und ich schließe 
mich hier Birts erklärung (Antikes buchwesen p. 60 f.) an. 
Denn die schreibtafel und das pergament 4 ) wurden deshalb ge- 
wählt, weil sie beide die gleichen vortheile benutzen : korrektu- 

2) Hierbei bätte auch die gleichzeitige griechische litteratur be- 
rücksichtigung finden müssen. Was Birt p. 82 ff. gegeben, ist weder 
vollständig wiedergegeben , noch bezüglich der römischen litteratur 
completiert. 

3) Haenny verweist p. 99 auf diese anzeige , doch scheint sie 
ihm erst nach Vollendung seiner Untersuchung bekannt geworden zu sein. 

4) „Papyrus und palimpseste dienten zu entwürfen" sagt Haenny 

14* 



200 37. Bibliographie. 

ren konnten leicht gemacht werden und ein abermaliger ge- 
brauch war nach erfolgter tilgung der eingetragenen schritt 
wieder möglich. War nun das werk beendet, so begann die Zu- 
sammenstellung und alsdann die anfertigung des autographums, 
was aber auch durch sklaven geschehen konnte. Die eigent- 
liche publikation d. h. die mittheilung an das publikum geschah 
durch den buchhändler. Daß die privatedition des dichters im 
freundeskreis von bedeutung gewesen sei, wie Haenny p. 18 
glaubt , ist schwerlich anzunehmen. Schriftsteller von ruf wer- 
den dies nicht gethan haben, und auch für weniger bedeutende 
konnte es dem buchhändler gegenüber nicht als empfehlender 
vortheil erscheinen , wenn bereits eine anzahl exemplare ver- 
breitet war. Dadurch war der buchhändlerischen Spekulation 
ein absatzgebiet vorweggenommen. 

Daß nun der stand der buchhändler in Rom bereits vor 
der kaiserzeit ein ausgebreiteter gewesen sei, wie Haenny p. 24 
Schmitz gegenüber behauptet, ist nicht zuzugeben. Denn er- 
stens ist es doch eine feststehende thatsache, daß erst der Römer 
der kaiserzeit den buchhändler librarius bezeichnet, während es 
früher nur Schreiber bedeutete 5 ). Zweitens ist es doch nicht 



p. 8 und will palimpseste ohne zweifei als gleichbedeutend mit per- 
gament verstanden wissen , wie die beigefügte anmerkung auch zu 
zeigen scheint. Dies ist aber falsch, denn auch papyrus wurde, wenn 
auch seltener, zum zweiten male beschrieben, vgl. Gardthausen, 
Griech. palaeographie p. 43. 

5) Diese bedeutungsverschiebung ist nicht unwichtig für die ent- 
stehung des buchhandels in Rom. Die litteratur war wohl verbreitet, 
aber wesentlich durch die privatabschrift. Erst als das bedürfnis nach 
litterari sehen produkten weitere kreise ergriff, und als auch eine po- 
pularisierende scbriftstellerei , wie sie Cicero betrieb, um sich griff, 
konnte das geschäft eines buchhändlers, wie es schon lange in Grie- 
chenland betrieben wurde, lukrativ erscheinen. Hiermit kam der 
stand der buchhändler empor, und der Römer, welcher kein wort 
bildete, nahm eins seiner spräche , welches ihm die thätigkeit dieser 
leutc treffend zu bezeichnen schien. Librarius war nicht mehr der, 
welcher selbst schrieb, sondern welcher schreiben ließ. — Hiermit 
hängt es wohl auch zusammen, daß Cicero gegen seinen bruder Quin- 
tus klage führt, es sei schwierig werke der älteren litteratur zu er- 
langen. Zur zeit eines Ennius nahm sich noch nicht der geistespro- 
dukte der spekulative sinn der buchhändler an. Daß nun auch äl- 
tere werke in späterer zeit hohe preise hatten , lag darin , daß eine 
Vervielfältigung, die in mehreren exemplaren dann billiger sein mußte, 
als im einzelnen, sich nicht lohnte. — Weiter muß unter diesem ge 
sichtspunkte der umstand in betracht gezogen werden, daß die ersten 
bibliotheken in Rom im wesentlichen auf einen anstoß von Griechen- 
land zurückzuführen sind, und daß dieselben in erster linie griechische 



n 



Nr. 3. 37. Bibliographie. 201 

dringend noth wendig, daß die von Cic. Phil. II, 9, 21 erwähnte 
taberna libraria, in welche der von Antonius verfolgte Clodius 
sich flüchtet, ein buchladen gewesen sein muß, vielmehr steht 
doch dem nichts im wege , daß es die stube eines professions- 
schreibers war. Ebenso wenig sind die librarii bei Cic. Ep. ad Att. 
XII, 6, 3 buchverkäufer 6 ), sondern Schreiber. Gar sortiments- 
buchhändler in die letzte stelle zu bringen, will doch etwas kühn 
erscheinen. Drittens kann Atticus nicht zum beweis dafür an- 
geführt werden, daß in Eom bereits ein buchhandel in flor war. 
Atticus' hauptgeschäft war in Athen, und hierfür muß der maßstab 
der griechischen Verhältnisse gelten. 

Die edition eines werkes erfolgte nun in der weise, daß 
der buchhändler eine größere anzahl von exemplaren herstellen 
ließ. Bezüglich der große der aufläge ist Haenny p. 39 f. zu 
keinen weiteren resultaten als Birt gelangt, ja er hat nicht ein- 
mal das gesammte material einer erneuten durchforschung unter- 
zogen. Denn Plin. Ep. IV, 7, 2 ist nicht die einzige stelle, 
welche über die große der aufläge nachricht giebt. Was Vo- 
piscus cap. 10 vom kaiser Tacitus erzählt, konnte nach Birts 
emendationsversuche (Antikes buchwesen 352) sehr wohl einer 
nochmaligen Untersuchung unterzogen werden. Zum Verständnis 
der stelle wäre dann Libanius I, p. 78 ed. Reisk. heranzuzie- 
hen und danach das decies zu erklären. Ich kann hier nicht 
im einzelnen die resultate meiner Untersuchungen vorlegen, da 
dies zu weit führen würde , sondern muß mich begnügen nur 
die hauptpunkte hervorzuheben. Daß nun die Vervielfältigung 
durch diktat geschah, wie Birt p. 362 noch annimmt, hat Haenny 
mit recht in abrede gestellt, aber daß um mehrere Schreiber zu 
beschäftigen die originalrolle in bogen 7 ) zerschnitten wurde, 



werke umfaßten. Erst nach der gründung derselben kam der rö- 
mische buchhandel in flor. 

6) Haenny sagt p. 24 zu dieser stelle : „sonderbar genug nimmt 
Th. Birt (p. 351) an, die librarii des Atticus müssen „nun zu allen 
privaten, die das buch schon gekauft haben, rennen und den „druck- 
fehler" exemplar für exemplar ausmerzen". Aber Birts worte sind 
mißverstanden. Der orator war erst in einigen exemplaren ver- 
kauft und soweit Atticus die besitzer ermitteln konnte, sollte er die 
korrektur mittheilen. 

7) Als bezeichnung hierfür erweist Haenny scapus. Aus Plin. 
XIII, 77 : plagulae inter se iunguntur — nunquam piures scapo quam 
vicenae darf nicht geschlossen werden , daß die Papierfabriken nur 



202 38. Pinclaros. Nr. 3. 

will mir wenig wahrscheinlich vorkommen. Denn wie war dann 
das aneinanderfügen der von den einzelnen gemachten abschrif- 
ten möglich ? Schrieben sie alle stets genau in derselben weise, 
wie die vorläge war? Dann wäre unbedingt nothwendig die 
annähme einer feststehenden normalzeile. Daß aber für diese 
in der Überlieferung kein fester anhält vorhanden ist , habe ich 
früher dargelegt. Nun muß aber die Vervielfältigungsart, welche 
gleichzeitig mehrere exemplare entstehen ließ , billiger gewesen 
sein, als die abschrift eines einzelnen exemplares. Um nun 
eine befriedigende lösung dieser frage zu erzielen , wird eine 
nochmalige prüfung der Zeugnisse nothwendig sein, die aber hier 
keinen räum hat. 

bogen liefern. Auch einzelne blätter waren käuflich. Das bezeugt 
Martianus Capella II, 219 f. und V exit. 

Hugo Landwehr. 



38. Studia Pindarica scripsit Aug. Heimer. Commen- 
tatio academica. Lundae 1885. 150 p. 4. 

Unter dem ein wenig unbestimmten titel Studia Pindarica 
behandelt der autor dieser mit großem fleiße bearbeiteten disser- 
tation, welche freilich die aufgewendete mühe durch neue resul- 
tate nicht allzureichlich lohnt, folgende fragen der Pindarischen 
metrik und spräche: I. De digammo Pindarico. IL De posi- 
tione apud Pindarum. III. De prosodia Pindarica annotationes. Ap- 
pendix I. Quo exitu utantur cola dactylica , quae aut in fronte 
versuum aut mediis in versibus leguntur. Appendix IL De 
v paragogico apud Pindarum. — Am umfangreichsten ist die 
Untersuchung über das digamma. Sie ist sehr gründlich mit ei- 
ner etwas ermüdenden ausführlichkeit durchgeführt , so werden 
z. b. bei jedem von Pindar mit digamma gebrauchten worte 
alle belege aus der vorpindarischen litteratur und aus den in- 
schriften aufgeführt. Vorausgeschickt ist eine erörterung über 
den hiatus. Dann bemerkt Heimer (Hartel folgend) , daß die 
kürzung der diphthonge mit kurzem ersten element am wort- 
schluß vor folgendem vokal auf die halbconsonantische natur 
des zweiten dementes zurückzuführen sei — also Übergang von 
«t und oi zu aj und oj *) — aber zu diesen diphthongen hätte 

1) Für den accent haben auslautendes «t und o* in ältester zeit 
regelmäßig als vokal mit consonant gegolten und gestatten daher 
proparoxytonining und properispomenirung; eine ausnähme macht nur 



Nr. 3. 38. Pindaros. 203 

er &v garnicht und 6« nur mit reserve rechnen sollen; ov ist in 
allen stellen , die Heimer beibringt , endung des genitiv singul. 
der o-declination , ist also ein unechter diphthong , der niemals 
wirklich diphthong gewesen ist. Hinsichtlich des digamma kön- 
nen wir Heimer im allgemeinen beipflichten : Pindar folgt in 
der anwendung des digamma dem epischen dialekt (referent 
zweifelt überhaupt nicht , daß dieser die grundlage der spräche 
Pindars bildet), doch zeigt der gebrauch des digamma einen 
erheblichen rückgang, indem es seine positionsbildende kraft im 
allgemeinen seltener bethätigt, und indem viele bei Homer di- 
gammirte worte bei Pindar keine spur von digamma zeigen, 
auch kommt es bei letzterem nie vor , daß digamma eine kurze 
silbe in der arsis (Heimer folgt im gebrauch dieses ausdrucks 
der Aristoxenischen terminologie) durch position längt. So be- 
reitwillig aber referent auch zugibt, daß das digamma von Pin- 
dar nicht aus dem böotischen , lesbischen oder einem dorischen 
dialekt entlehnt, sondern aus dem epischen übernommen ist (na- 
türlich haben dabei die älteren chorischen lyriker einen vermit- 
telnden einfluß geübt), so kann er doch die seite 4 gegebene 
begründung nicht ohne anstoß hinnehmen. Wenn Heimer sagt 
constat Pindarum sermone patriae prorsus abstinuisse, so hat dagegen 
referent von seinem Standpunkte aus zwar sachlich nichts einzu- 
wenden , aber es haben sich doch neuerdings stimmen erhoben, 
welche die entgegengesetzte meinung vertreten. Wenn ferner 
der autor geltend macht , im lesbischen sei das digamma früh 
geschwunden , so trifft das doch erst für eine jüngere stufe des 
dialekts als die hier in betracht kommende zu, bei Alkäus und 
Sappho wenigstens ist das digamma vorhanden und wird für 
sie ausdrücklich bezeugt. Unverständlich schließlich ist mir fol- 
gende auseinandersetzung : Ad doricam Pindari sermonis partem 
digamma referre eo ipso prohibemur , quod, unde hauserit doricas 
figuras (sie) Pindarus, ignari sumus. Wenn wir nicht genau ver- 
folgen können , woher die dorischen demente der spräche Pin- 
dars stammen (das will Heimer wahrscheinlich sagen) , so kann 
diese unsere unkenntniß doch für die entscheidung der frage 
nicht bestimmend sein. 

Das nicht ganz neue ergebniß der Untersuchung über die 

dasjenige at und o», welches, wenn der hauptton darauf Hegt, circum- 
flectirung fordert, vrgl. meinen aufsatz über den griechischen circum- 
flex in Kuhn's Zeitschrift 27, p. 612 tf. 



204 38. Pindaros. Nr. 3. 

position bei Pindar ist , daß muta cum liquida bei Pindar häu- 
figer position macht als bei Homer, jedoch nicht so häufig wie 
bei den Attikern. Sicher ist, daß Pindar von Homer abweicht, 
indem er nicht selten die silben auch vor muta mit nasal kurz 
mißt. Im übrigen ist ein vergleich mit Homer tmd den Atti- 
kern sehr mißlich wegen der Verschiedenheit der metra : so 
lange ich nicht weiß, wie viel ich dem zwang, den das metrum 
den dichtem auferlegte, beimessen muß, kann ich aus den ver- 
gleichungsweise aufgestellten zahlen keine schlösse ziehen. Sehr 
wünschenswerth wäre auch gewesen, zumal bei den äoliscben 
metren , daß die versstelle (anfang oder ende der cola u. drgl.) 
berücksichtigt worden wäre. Bemerkenswerth ist, daß es für 
die längung auslautender kürzen durch muta cum liquida am 
anfang des folgenden wortes bei Pindar einerlei ist , ob die 
worte dem sinne nach eng zusammen gehören oder nicht, ja so- 
gar dazwischentretende Interpunktion hat keinen einfluß. 

Aus dem dritten abschnitt hebe ich hervor, daß y.alö^ und 
iaog auffallender weise bei Pindar stets kurze Wurzelsilbe haben. 
"Was die beiden appendices betrifft, so hätte bei der ersten Hei- 
mer gut gethan, Felix Vogt's einschlägige Untersuchungen (De 
metris Pindari quaestiones tres , Argentorati 1880) zu rathe zu 
ziehen. Er würde daraus gesehen haben, daß im versinnern 
am Schluß der daktylischen kola und der epitrite eine kürze 
nur an denjenigen stellen eintreten darf, wo sich die kürze im 
ersten System findet, und daß es also keineswegs , Nachlässig- 
keit" ist, wenn im ersten system der trochäische ausgang dak- 
tylischer kola häufig ist. Zur zweiten appendix möchte ich hin- 
zufügen, daß Felix Vogt a. a. o. § 6, 7, aus dem metrum die 
form oTTorer glaubt für Pindar erschließen zu können, welche 
mir sprachwissenschaftlich betrachtet keineswegs unhaltbar er- 
scheint. Die partikel lautet bekanntlich in dorischer form 
önnua, und durch die form 07707 tr hätten wir die möglichkeit, 
das gegenseitige verhältniß der beiden formen zu erklären. Wir 
könnten nämlich -zei (= *-Kf») als volle form der endung und 
-na (=*-x»' mit nasalis sonans) als geschwächte form ansetzen; 
durch combination der beiden formen -rsr und -x« wären als- 
dann die gewöhnliche form -it und die äolische -tu entstanden. 
In demselben verhältniß stehen vielleicht die endungen der, • 
üs, Oa u. a. m. Friedrich Haussen. 



Nr. 3. 39. Sophokles. 205 

39. Sophokles' tragödien. Erklärt von C.Schmel- 
zer. Dritter band: Antigone. Vierter band: Elektra. 
Berlin 1885. Verlag von C. Habel. 8. 130 und 149 p. 

Der verf. läßt in rascher folge eine bearbeitung der stücke 
des Sophokles erscheinen , welche sich zur aufgäbe macht , der 
ästhetischen Würdigung und erklärung besonderes augenmerk 
zuzuwenden. Man könnte einem solchen plane vollen beifall 
spenden, wenn einerseits der ersten bedingung genügt wäre, der 
richtigen auffassung des sinnes, wenn andrerseits für die ästhe- 
tische beurth eilung etwas nennenswerthes herauskäme. Wenn 
aber die sogenannte ästhetische erklärung über eine schülerhafte 
paraphrase des inhalts kaum hinauskommt und wo sie darüber 
hinausgeht, gar zu häufig in geschmacklosigkeit und Unwahrheit 
verfällt, wenn die grammatische und kritische seite der behand- 
lung der art ist, daß ein direktor dem lehrer, der solche ver- 
stoße sich zu schulden kommen ließe , den Unterricht aus die- 
sem gegenständ entziehen müßte , so kann man diese ausgäbe 
nur als bemerkenswerthes zeichen der zeit betrachten und muß, 
da es auf dem Umschlag heißt , es habe der zweite band an 
maßgebender stelle denselben günstigen eindruck hervorgebracht 
wie der erste, vor solcher reklame nachdrücklich warnen. 

Um das gesagte zu beweisen, greifen wir aus der fülle von 
beispielen nur einige heraus. Ant. 393 fabriciert der verf. fol- 
genden trimeter : eoixev aXlos itie t ovder rjdovr^ Den hiatus scheint 
der verf. nicht zu kennen, denn auch 130 steht %qvc>ov xava%rj 
lntQ0n7or im text. V. 614 soll es heißen: draräv — ßiazdg 
nuunolig — ?xtoc "trag. Ob die responsion (mit ngnansi d 
aXiyoaror %q6vov 'ixrog arac) oder die prosodie außerhalb des 
ästhetischen gesichtskreises liegt, läßt sich nicht sicher bestim- 
men ; doch scheint mehr, die responsion ; denn diese kommt auch 
bei der conjectur innnv ^svytvrai 351 nicht in betracht. V. 681 
wird als unecht erklärt ; man lese die ästhetische bemerkung 
dazu und vergegenwärtige sich dann, welche achtung etwa schüler 
vor dem dichter haben müßten , wenn sie diese bemerkung be- 
herzigten und dann von ihrem lehrer erführen, daß der vers 
nicht fehlen kann, weil nach längeren reden der Chorführer im- 
mer zwei verse hat. Noch schlimmer wird die sache später, 
wo 817-22, 834—48, 853—56, 871—75 dem Sophokles ab- 
gesprochen werden als „geradezu taktlos" und „geradezu albern". 



206 39. Sophokles. Nr. 3. 

Wenn kein vernünftiger an der echtkeit jener verse zweifeln 
kann , dann möchten wir fragen , auf wessen conto die albern- 
heit zu schreiben ist ? Für die entscheidung dieser frage dürfte 
die vermuthung ins gewicht fallen, welche p. 84 geäußert wird, 
es seien die bisher dem chor zugewiesenen verse dem führer 
der wachen beizulegen. Oder soll man auch noch auf die köst- 
liche bemerkung zu 46 verweisen: ,,v. 46 mit einem alten er- 
klärer beseitigen, weil er die stichomythie unterbricht, heißt wohl 
den dichter hineinzwängen in die kunstregeln der poetik" oder 
auf conjecturen wie ovt' dzegneg et' 4, tig av 8qwv vnzoßuaia 
xuzäa^oi 603, zcötö' vn" 1 in yfaovg 1035, 77« xevdoo („wo ich mich 
verbergen soll") 1042, ivtav&a fiiv , iV ovx sz' onvelv xai-yög 
xts. El. 21, dynfiov 8s acoaag 686? Ant. 606 wird nävia 
yqodv gesetzt, worin „y^gum faktitive bedeutung, wie öfter 
bei Aeschylus haben" soll. Bei Aeschylus kommt ytj\)ä(o 
gar nicht vor, faktitiv steht ein einziges mal (Suppl. 894) der 
aorist iyr t {jaaa. Noch schwächer als mit der kritik steht es mit 
der grammatik des verf. Ant. 35 heißt es zu 16 ngäyi* aytiv 
ov% röt, 1 TiaQ -1 oiidsv „man soll die sache ja nicht so leicht neh- 
men": würde die grammatik nicht fitj-^dsv fordern? Ebd. 552 
wird dlXa für dXXd geschrieben: kann es ii ö/;t' av dXXa rvv 
ö 1 sz' oocpeXo!^ iym heißen oder müßte dXXo stehen? Ebd. 1096 
wird diziazdna atrj mit „an der Verblendung festhält" wieder- 
gegeben, 1213 soll in 7ÖLv naoelftovomv 68ä>v das passiv zu 
ödov noisladai zu suchen sein, zu 8ivtog 1217 wird aus dem 
vorhergehenden a&Qtjawte gar o/ifiaaiv ergänzt. In der erklä- 
rung ist dem verf. eben jede deutung möglich, auch daß xrijfiuza 
782 im Verhältnis zur zarten Jungfrau die starken jungen männer 
bedeutet und daß 1232 „sein antlitz auf den vater speit". V. 
1249 wird ngoß-ijaetv von a^tcöasw abhängig gemacht und damit 
man ja wisse, daß nicht ein versehen, sondern ein starker man- 
gel an Sprachgefühl obwalte, wird eigens bemerkt: „ngodijasit 
ist von dlzimasip und nicht von iXntaiv ßonxoftai abhängig". „In 
ßgäftioza yuo xquzigtu zav noGiv xuxd 1327 wird zu iv noa)v 
xuxä ausdrücklich als accus. (,,in bezug auf das vorliegende un 
heil") erklärt! Die einfachsten sätze werden mißverstanden, 
z. b. ro [lav&ävsiv 8' ?j8iazov ev Hyoprog, et xeydog Xiyoi 1032 
„es ist die höchste freude sich zu überzeugen , ob ein wohlmei- 
nender zum vortheil rathe". Was tl Xiyovrog bedeutet, zeigt 



Nr. 3. 39. Sophokles. 207 

hinlänglich das dabei stehende sl aot ygovrjaag sv hsfco. We- 
nigstens müßte es bei jener erklärung sv cpgovovviog heißen. 
Aber daß der gedanke: „es ist am angenehmsten, sich belehren 
zu lassen von einem der guten rath gibt, wenn der rath nutzen 
bringt" allein richtig ist, ergibt der Zusammenhang unwiderleg- 
lich. Der satz El. 335 rvv 8" 1 iv xaxoig fioi nXtiv vqisiftsviß So- 
Hei nal n>j öoy.uv (xlv 8gäv xi , n%]\iaivuv 8s fitj wird für jeden 
primaner klar sein. Was sich der verf. bei der erklärung nr\- 
f/gtfvMv di (Atj sc. South „und nicht den schein zu erwecken, als 
betreibe sie etwas und wolle schädigen" gedacht hat , können 
wir nicht recht sagen. V. 341 8siv6v yi a ovaav naigög , ob 
ab nalg eyvg, aeivov IsXrja&at soll ov nicht mit nargog, sondern 
mit xsitov verbunden werden. Elektra theilt also mit a' ovaav 
nuigög ihrer Schwester etwas neues mit, was die harmlose bis 
dahin nicht wußte, nämlich daß sie von einem vater abstammt. 
Gleich darauf (345) sagt Elektra: „du hast die wähl zwischen 
mangel an Verständnis oder mangel an kindlicher liebe ; der 
eine oder andere Vorwurf kann dir nicht erspart werden" [slov 
ye darso', r\ qigovsh xaxmg rj rar cpilcov qsgorovaa [itj ^ivijfiijv 
üfteiv). Der verf. bemerkt: „v. 346 ist das qoovolaa gleich ei- 
nem <7oo(jp()0)'or»r7« , das vorhergehende cpgovsh xax&g ein bitteres 
wort für u)j awqQoieiv : sie möge doch wählen zwischen der thor- 
beit der Elektra und ihrer Weisheit, welcher der Vorwurf pt] 
fivijfjrjv s%£tv rmv y-ikwr folge". So wird infolge arger miß- 
verständnisse eine feinheit gesucht , wo keine zu finden ist, und 
oft wird des verf. ästhetik an der grammatik zu schänden, 
Ant. 33 soll vtioüai für iX&sTv höhnisch sein: kann es etwa in 
dem sinne „man sagt, Kreon wolle hieherkommen" il&eiv heißen? 
El. 466 zv ydg Sixaiov ovx syei Xöyov 8volv igC&iv wird rb igi- 
|i £eiv övoit ovx syst Slxaiot löyov verbunden, also ro zu igi&it> 
gezogen! V. 557 bedeutet oly. dv ?ja&a Ivnijgd xlveiv dem 
verf. „so würdest du nie ein kränkendes wort von mir zu hören 
[ bekommen haben". Für was er eigentlich Xvnijgd hält oder 
wie er die worte konstruiert , kann man nicht ersehen. Der 
j stärkste nonsens kommt bei dem chorgesang 1058 ff. heraus, 
i wo z. b. Sagdv olx dnövritoi (1065) „dann werden wir bald 
; ohne otqaig sein" und 8i8v(jiav slova 1 'Eotrvr (1080) „sie hat 
i erfaßt die doppelte erinys" gedeutet wird. Wenn 1101 Avyt- 
• aOur, nd' cpxijxei, iarogcö ndlai bedeutet: „ich erkenne längst, 



208 40. Sophokles. Nr. 3. 

wo Aegisthos wohnt", so braucht Orestes nicht weiter zu fragen 
und die antwort des chors ist zwecklos. Doch wenn man von 
der grammatik des verf. ein volles bild haben will , lese man 
nur die bemerkung zu 914 p. 88. Es wird hiernach auch nicht 
zufallig sein, wenn zu 597 na*oa70(AoiTs als zweite person zu 
Kintoazopiovfisv auftritt, wie ja nebenbei auch die statue der Hera 
in Argos zu dem „ herrlichsten werke des Praxiteles " ge- 
macht wird. 

Wir hören auf ; denn die fehler sind endlos. Das gesagte 
dürfte genügend erkennen lassen , daß die umfangreiche Sopho- 
klesliteratur kaum ein zweites so trauriges machwerk aufzu- 
weisen hat. 

40. 2Q<l>OKAEOT2 ANTITONH MET A KPITIKttN 
TnOMNHMATfiN. EN AQHNA12 TTüOIZ ATT1KOT 
MOT ZEIGT. 1885. 

Diese von dem ungenannten herausgeber seinem bruder 
'draoraaioc gewidmete ausgäbe der Antigone ist ein beweis sehr 
ernster, sehr hingebender beschäftigung mit der sophokleischen 
dichtung und wird auch durch hinweisung auf einzelne , bisher 
weniger beachtete Schwierigkeiten so wie durch die beibringung 
vieler parallelstellen für kritik und erklärung der Antigone von 
nutzen sein können. Im allgemeinen aber ist sein kritisches 
verfahren durchaus abzulehnen. Der herausgeber ändert den 
text sehr oft, wo vor ihm kein kritiker an der überlieferten 
lesart anstoß genommen hatte , wie er selber oft genug wohlge- 
fällig hervorhebt, wenn er ndvrs^ ol ngf'.jeQOi Fxdörai sich ge- 
genüberstellt. Selten kommt ihm dabei ein bedenken über die 
nothwendigkeit der konjektur, und kommt es ihm wirklich ein- 
mal, so richtet er ein ermunterndes ygdqs {tagges* an sich und 
an den leser. In der regel aber ist der muth zur änderung 
auch da ohne weiteres vorhanden, wo die meisten leser es wohl 
für wagehalsig erklären würden ihm zu folgen. Und dennoch 
hat er sich in gewisser weise immer noch in schranken gehalten. 
Denn wenn er kühn genug gewesen wäre , auch die mit einem 
tacos yganjfor in den anmerkungen zweifelnd vorgeschlagenen 
änderungen alle in den text aufzunehmen, so würden die kenner 
der Antigone manchen vers und verscomplex, wenn er ihnen 
außerhalb des Zusammenhangs vor die äugen käme, als worte 



jj Nr. 3. 40. Sophokles. 209 

des Sophokles gar nicht wiedererkennen , gar nicht vermutheu, 
. daß die griechischen worte ein theil der Antigone sein sollen. 
. Durch die änderungen sind ja — das ist nicht zu leugnen — 
j manchmal leichter verständliche, auch dem zu erwartenden sinne 
j angemessene lesarten geschaffen ; aber wem diese eigenschaften 
„ einer konjektur genügen , um durch sie das wort des dichters 
, hergestellt zu sehen , wem alles schwerer verständliche , unge- 
wöhnliche gleich als ausreichendes kriterium für Verderbnis gilt, 
j dem fehlt es eben an einer unerläßlichen eigenschaft des kriti- 
( kers, an behutsamkeit und besonnenheit. Es gibt freilich auch 
; deutsche Sophoklesausgaben , deren werth bei aller gelehrsam- 
keit und beherrschung des Sprachgebrauchs gerade durch diesen 
- mangel leider sehr beeinträchtigt wird, aber schwerlich eine, in 
f der sich ein so gewaltsames verfahren zeigt wie in dieser. Dazu 
r kommt , daß der herausgeber gerade die verwegensten konjek- 
i turen deutscher (und englischer) ausgaben mit Vorliebe adoptiert, 
L während er sonderbarer weise manche verse , die entschieden 
. verderbt und schon längst durch einleuchtende einfache konjek- 
j turen geheilt sind, getreu nach dem Laurentianus abdrucken 
läßt und sie in den bemerkungen für unheilbar erklärt. 

Ich komme nun noch der pflicht nach , mein urtheil über 
j das im allgemeinen abzulehnende kritische verfahren des heraus- 
, gebers durch mittheilung einiger vermuthungen, die mir beson- 
3 ders unwahrscheinlich und größtenteils ganz unnöthig scheinen, 
j zu begründen. 

V. 10 £%0<O7a 77QOG6TU%nrTa zoig cpÜ.oig naxu. v. 144 

y Svoiv (einsilbig) für zolr. Nach v. 214 sollen zwei verse fehlen. 

I v. 323 o g Öoxii yt (sonst findet der herausgeber kein xo/iipivetv 

in der ausdrucksweise) statt w Soxei ye. 340 n Xut,o n z-vcov 

'ttckQpzQmv. 351 t/7770»; ^si'|«t' sv dfAq )iX('i(f,q> &yw. 354 cplsyfia 

und gleich darauf daTQovofxi-vg statt qdsyna und ixozvropovs. 

362 intaruTui. 368 zu rijgmr statt nagstgoar. 392 sixög statt 

I sxzog (vor zlxog soll dann nugä gedacht werden). 445 iXsvOi- 

L Q#s statt ilevdeQor. 448 txqurij. 452 oi 7ova8' 1 iv, 484 r\ Ötj 

v ai- statt r/ tvr. 586 noniug als neutrum. 595 nnpiat^ av&ig 

bvetitg. 605 vnt'gßtng at. 721 aavTtniarynqg als ein wort, ohne 

kritische bemerkung. 782 "Egcog og iv 8 igy pao iv i^sig (Bo- 

nitz behält recht mit seiner prophezeiung : „der zweisilbigen no- 

. mina auf -pu und der zweisilbigen verba auf -ten gibt es nicht 



210 43. Polyaiuos. Nr. 3. 

wenige, so werden dann die änderuugsversuehe au diesem versc 
noch lange nicht erschöpft sein". Ja, unser herausgeber zeigt, 
daß man es mit der verbalendung gar nicht einmal so genau 
zu nehmen braucht. Dadurch wird dann die bahn für künftige 
vermuthungen noch erheblich freier). 800 ii>aza£et. 856 ?x- 
aovslg. 859 7t nalatov statt TyinoXiöTOv. 877 rar vna) yäv 
6d6r. 906 sxeir 1 sTt statt iiijueto. 959 xtTto <5 1 sniyvoig fiarCatg 
ßd£cov (kaum noch die worte des Sophokles zu erkennen). 1146 
7z&(A7ivti(ov. 1219 ov xot&v/Aoi. 1224 «im statt xujco. 1236 ftiaauv 
statt fAsooor. 1248 ovx ä<~tovv %ilr. 1254 y.vXivdy. Im letzten 
verse netoa statt yijya. 

Franz Kern. 

41. J. Melber, über die quellen und den werth der stra- 
tegemensammlung Polyaens , ein beitrag zur griechischen histo- 
riograpbie. XIV. supplementbd. der Jahrbb. für class. philol. 
p. 419—688. Leipzig, Teubner 1885. 

Niebuhr hat von einem schätz von nachricbten gesprochen, 
der sich bei Polyaen auf Ordnung harrend erhalten habe, noch 
1860 konnte aber Wölffün in der vorrede seiner ausgäbe sa- 
gen : de fontiuus Polyaeni in animo fuit accuratius disserere, tum 
quia nemo adhuc fecit .... Seither ist nach Wölfflins andeu- 
tungen dies wiederholt geschehen ; allein eine das gesammte 
werk umfassende Untersuchung, die allein zu gesicherten und er- 
schöpfenden resultaten führen kann , hat bis auf die zu bespre- 
chende noch gefehlt. Die immer mehr mode werdende ansieht, 
daß die antiken schriftsteiler ausschließlich oder vorwiegend 
einer quelle gefolgt seien, hatte neuerlich auch zu der annähme 
geführt, daß für Polyaen, sei es Timagenes, sei es Nikolaos von 
Damaskos als hauptgewährsmann zu betrachten sei ; diese sonst 
gewiß falsche ansieht war gerade Polyaen gegenüber nicht so 
unberechtigt. 

Melber nun und Schirmer : über die quellen des Polyaen, 
progr. des gymn. Eisenberg, Altenburg 1884 sind darauf auf- 
merksam geworden , daß man bei diesem Schriftsteller zu unter- 
scheiden habe zwischen rein anekdotenhaften, sich inhaltlich wie- 
derholenden , allgemein gehaltenen stücken , die er Sammlungen 
oder taktischen handbüchern entlehnte, und solchen, deren indi- 
viduelle und charakteristische fassung auf historische quellen 



| Nr. 3. 41. Polyainos. 211 

hinweise. Dazu kommt noch die von Wölfflin bereits gemachte 
i beobachtung, daß die vorläge einer historischen quelle bei Po- 
'i lyaen auch durch die richtige chronologische reihenfolge der 
: einzelnen auf eine person bezüglichen abschnitte angezeigt 
i werde ; also Unregelmäßigkeiten in dieser hinsieht die benutzung 
mehrerer quellen für einen artikel anzeigen. Es scheint näm- 
i| lieh bei der geringen historischen bildung und den notorischen 
lj fehlem , die Polyaen begangen hat , nicht wahrscheinlich ihm 
selbst eine solche oft überaus genaue anordnung des materiales 
i: zuzuschreiben. 

Von diesen gesiebtspunkten ausgehend unter heranziehung 
der parallelstellen sucht nun Melber's Untersuchung die quellen 
Polyaens zu bestimmen, die werthlosen stücke auszuscheiden. 
i. Dabei ist er genöthigt auch die zahlreichen quellenuntersuchun- 
gen über die zum vergleich herangezogenen Schriftsteller zu be- 
ll nutzen, um, wenn diese nicht selbst Polyaen vorgelegen haben, 
idie muthmaßliche gemeinsame quelle zit ermitteln. Die dispo- 
i sition der Untersuchung ist naturgemäß gegeben, indem die sach- 
j lieh zusammengehörigen stücke, auch wenn sie jetzt in verschie- 
; dene bücher vertheilt und unter den namen verschiedener per- 
«sonen erzählt sind, doch zusammen betrachtet werden. So ge- 
! langt diese vorsichtig geführte, von großer kenntnis der antiken 
3 wie der modernen literatur zeugende und verständig angelegte 
'Untersuchung zu folgenden ergebnissen. Die behauptung, daß 
■ Polyaen für längere partien nur eine quelle benutzt habe , ist 
/unrichtig, die chronologisch geordnete Überlieferung geht im 1. 
(buche sicher, im 7. wahrscheinlich auf Ephoros zurück, die aus 
i dieser reihe fallenden abschnitte sind theilweise aus Herodot. Von 
1 hohem werthe sind die abschnitte, die sich auf sicilische ge- 
hl schichte beziehen, für die sowohl Philistos als Timaios benutzt 
?isind, ohne daß es im einzelnen immer möglich ist zu entschei- 
den , welcher von beiden autoren vorliegt , für eine anzahl von 
) abschnitten ist Thukydides quelle. Xenophon dagegen ist nicht 
"benutzt, sondern die guten berichte über die von Xenophon 
behandelte partie der griechischen geschichte sind großenteils 
Ephoros entnommen. Als Makedonier hatte Polyaen für die 
jDiadochen- und Alexandergeschichte besonderes interesse , für 
idie erstere hat er sowohl Hieronymos und Duris als Phylarchos 
i eingesehen. Nicht benutzt ist Plutarch ; für die auf Römer be- 



212 41! Polyainos. Nr. 3. 

züglichen kriegslisten des 3. buches folgte Polyaen verschiedeneu 
quellen, in dem artikel Cäsar scheint er die schrift des JNiko- 
laos (iCoi,' KaiaaQOi; vor sich gehabt zu haben. Die abschnitte 
VI und VIII dieser Untersuchung erörtern ferner die anläge 
des 2. 3. 6. und 8. buches im allgemeinen. 

Obschon es Melber vor allem um den nachweis der histo- 
rischen quellen zu thun ist, so hat er doch nicht verabsäumt 
bei der besprechung einiger „schlechten Sammlungen" entnom- 
menen stücke darauf hinzuweisen, daß diese zum theil aus tak- 
tischen lehrbüchern stammen — Polyaen wird ja selbst als Ver- 
fasser eines solchen buches genannt. (Suid. s. v. Polyaen.) 
Wenn man aber bedenkt , wie die beispiele aus der kriegsge- 
schichte schon bei Aeneas obwohl vielfach verallgemeinert, trotz- 
dem guten quellen entnommen sind, so wird man kaum geneigt 
sein, abgesehen von dem literargeschichtlichen interesse, das 
solche stücke haben, dieselben so ohne weiteres zu verurtheilen, 
wie dies Melber gethan hat ; freilich jene bald von diesem bald 
von jenem feldherrn erzählten, rein anekdotenhaften geschichten, 
deren auch Polyaen so viele bringt, verdienen kaum berücksich- 
tigung. Auch insofern bewegt sich Polyaen in seinen kriegs- 
listen in dem herkömmlichen rahmen der griechischen taktiken, 
daß er mit beispielen aus Homer den anfang macht , der schon 
im perikleischen Zeitalter als erster lehrer der taktik galt (Ari- 
stoph. Ran. 1034, auch des Thukydides Übersicht über die äl- 
tere griechische kriegsgeschichte suchte die angaben Homers 
(I, cap. 9 — 12) zu verwerthen, vgl. den ausspruch des Pamme- 
nes bei Plut. Pel. 18 und die drei Verfasser von taktiken aus 
Homer: Frontinus, Stratokies und Hermias bei Aelian tact. cap. 1). 
Es scheint mir daher wünschenswerth Polyaens buch auch nach 
seiner literarischen seite hin zu betrachten , es mit erhaltenen 
ähnlichen Schriften noch eingehender zu vergleichen , als dies 
bei Melber geschehen ist , der Frontin , die Sammlung des Ps. 
Aristoteles, die Schriften dieser art, die unter Plutarchs namen 
gehen, allerdings heranzieht, aber meist nur zu dem zwecke die 
so mehrfach bezeugten erzählungen als werthlose anekdoten zu 
kennzeichnen. Jede quellenuntersuchung läuft gefahr auf eine 
petitio principii hinauszukommen, ganz frei hat sich auch die vor- 
liegende davon nicht gehalten. Melber hat eine ganze reihe vonjj 
beispielen angeführt die Polyaens selbständige formulierung der 






Nr. 3. 42. Periplns. 213 

i einzelnen abschnitte erkennen lassen, hätte also auch nicht jede 
.kleine differenz zwischen uns erhaltenen autoren und den stra- 
j tegemen zur constatierung einer mittelquelle verwenden sollen. 
ilch erwähne diesen fehler, um nicht nur diese, die mehrzahl 
ähnlicher Untersuchungen weit übertreffende schrift zu tadeln, 
i.i sondern weil ich auch gegen die früher von mir als selbst- 
i verständlich behandelte identificirung Diodors mit Ephoros nun- 
i mehr gegründete bedenken zu haben glaube, ich wäre also ge- 
igen die ergebnisse meiner arbeit in Fleckeisens Jahrbb. X, 
: supplementband, was einzelheiten anlangt, mistrauischer gewesen 
tals Melber. 

() Ob bei aller anerkennung für die belesenheit des verf. ab- 

; solute Vollständigkeit — die vor allem für solche untersuebun- 
i gen wesentlich ist — der belegstellen erreicht ist, wird jeder 
dieser auf seinem besonderen forschungsgebiet zu bejahen oder 
»verneinen im stände sein. Ich finde nachzutragen zu p. 436 
j:Ael. Arist. in. i. t. p. 255, Panath. p. 228 und schob ad. loc. 
n sowie zu der stelle Ps. PI. apoph. reg. Arist. 3 dieselbe ge- 
.: schichte bei Suid. s. v. Aristides und Schob in Luc ed. Jak. 
;IV, 235, zu S. 453, Polyaen. VII, 6, 1 vgl. Iust. I, 6, 12, Plut. 
i de mul. virt. p. 196 ed. Tauchn. Alex. cap. 69, Nikol. fr. 66. 
jAnaxim. fr. 18. Strabon XV, 730 C. 

Jil Schließlich noch einen wünsch, dessen erfüllung ich Melber, 

L da er mit der neubearbeitung der Wölfflinschen Polyaenausgabe 
i beschäftigt ist, ans herz legen möchte. Er könnte des dankes 
s aller historiker und jener philologen, die sich mit realkritik be- 
: i fassen, sicher sein , wenn er in dieser neuen ausgäbe zu jedem 
;. paragraphen, sei es seitwärts, sei es unter dem texte alle stellen 
hangeben wollte, die für die kritische beurtheilung der betref- 
fenden geschichte heranzuziehen sind. 

Adolf Bauer. 

\ 

42. Der periplus des Erythräischen meeres von einem un- 
| bekannten. Griechisch und deutsch mit kritischen und erklä- 
l renden anmerkungen nebst vollständigem Wörterverzeichnisse von 
f-iiB. Fabricius. Leipzig, Veit & comp. 1883. IV u. 188p. 8. 
Das vorliegende buch macht zunächst keinen günstigen ein- 
; druck; seine breite ist vielfach unerträglich. Die einleitung 
:{ bietet auf 31 seiten eine litteraturübersicht von zweckloser um- 
Philol. Anz. XVI. 15 



214 42. Periplus. Nr. 8. 

ständlichkeit ; titelcopien , wie sie der verf. bietet, passen nur 
für bibliothekskataloge und bibliographische werke. Trotzdem 
ist absolute Vollständigkeit in den litteraturangaben nicht er- 
reicht; ich vermisse die kenntniß von Mc Crindle's commerce 
and navigation of the Erythraean sea , London 1879. Mit ei- 
nem sorgfältigen, alles wesentliche knapp zusammenfassenden ex- 
cerpte der vom verf. citirten abhandlungen wäre mehr geleistel 
worden. Geradezu kleinlich ist der anhang p. 32 — 35, der ei- 
nem gelehrten wie Karl Müller jeden druckfehler vorhält. Die 
kritischen anmerkungen unter dem texte und der Übersetzung 
könnten denselben inhalt auf dem vierten theile des rau- 
mes bieten. 

Trotzdem treten schon hier große Verdienste der neuen 
ausgäbe zu tage. Die Übersetzung zeigt , daß der herausgeber 
sich um das verständniß des Periplus ernstlich bemüht hat. Was 
seine Vorgänger geleistet haben, hat er sorgfältig benutzt. Wo 
seine eigene textesgestaltung nicht befriedigt, und das ist aller- 
dings häufig der fall, findet man meistens in den anmerkungen 
etwas besseres wenn auch in seinem werthe nicht erkannt, sc 
doch wenigstens angeführt. Die stärke der ausgäbe ist aber in 
den sachlichen erläuterungen zu suchen. Der erste band von 
Müllers geogr. Graeci min. ist 1855 erschienen; seitdem ka< 
die reiselitteratur über die in dem Periplus berührten gegenden 
einen erheblichen Zuwachs erfahren. Fabricius hat dieselbe mii 
großem fleiße durchgearbeitet und im ganzen gut verwerthct 
Von strabonischen Untersuchungen ausgehend habe ich einen 
theil derselben arbeit ausgeführt und dabei gelegenheit gefunden 
mich von der Sorgfalt des commentars zu überzeugen. Im fol- 
genden gedenke ich an einige stellen desselben anzuknüpfer 
und die Untersuchung weiter zu führen. 

Der Periplus giebt §25 die breite der straße Bab-el-Mandel 
auf 60 Stadien an. Der commentar beschränkt sich darauf 
p. 141 demgegenüber zu constatiren, daß neuere die breite au: 
3'/2 (geogr.) meile bestimmten: eine erklärung der differenz 
wird nicht versucht. Schon Eratosthenes (bei Berger p. 291 ff. 
hat die angäbe von 60 Stadien vorgefunden; sie geht, wie mar 
aus Plinius *) sieht, auf Timostbenes, den nauarchen des2.PtO' 

1) IV, 163. Daß die richtige lesart hier 7500 römische schrit 
d. i. 60 stadien bietet, bat Berger, Erat. p. 292 constatirt. 



Nr. 3. 42. Periplus. 215 

i lemäus zurück. In Wahrheit aber ist die Straße Bab-el-Mandeb 
zwischen Ras Sijan und Ras Bab-el-Mandeb l3'/2 seemeile 
breit 2 ). Wenn Eratosthenes die überfahrt auf 200 Stadien an- 

> giebt, so meint er ungefähr dieselbe stelle, da die sechs inseln, 
f die er hier erwähnt , nur die sogenannten brüder , auch Jezirat 
S Sab'ah genannt, sein können 3 ). Gewiß sind 200 Stadien zuviel, 
i aber eine Überschätzung in diesen grenzen ist in keiner weise 
5 zu beanstanden, wenn man bedenkt, daß es zweifelhaft ist, ob 
\{ die ausfahrt genau von Ras Sijan und ob sie nicht etwa von 
d einem etwas südwestlich gelegenen punkte stattfand. Dagegen 
ja sieht man keine möglichkeit für eine Unterschätzung auf nur 

60 Stadien. Allerdings zerlegt die kleine insel Perim die straße 
) Bab-el-Mandeb in zwei theile ; aber die straße westlich von Perim 

> ist immer noch 10 Seemeilen breit und auch auf die enge östliche 
, straße kann die entfernungsangabe des Timosthenes nicht he- 
il zogen werden , denn von der insel Perim bis zum kap Bab-el- 
ijiMandeb sind es nur l 1 /^ Seemeilen 4 ) oder 15 Stadien, die zu 
;i vierfachem betrage anzusetzen einem kundigen Schiffer nicht 

2 passiren konnte. Zur erklärung dieser angäbe werden wir da- 
: her andere wege einzuschlagen haben. 

ei Nach Plinius VI, 163 nannte Timosthenes als länge des 

; ganzen busens eine schifffahrt von vier tagen , für die breite 

3 gab er eine zweitägige fahrt an. Nun bedarf es keiner aus- 
ceinandersetzung darüber, daß kein mensch im stände war, das 
jrothe meer von norden nach süden in vier tagen zu durchfah- 
ren •, und ebensowenig ist es möglich, einen solchen irrthum bei 

«dem nauarchen des 2. Ptolemäus anzunehmen. Sprenger 5 ) hat 
(das richtig erkannt und eine abhilf e vorgeschlagen, indem er, 

2) Findlay, a directory for the navigation of the indian Ocean. 
third edit. London 1876 p. 674. 

3) Findlay 674. Es sind in Wirklichkeit sieben an zahl , wie 
3chon der name anzeigt. Bereits K. Niebuhr, beschreibung von Ara- 
bien , Kopenhagen 1772, tab. XX gab die zahl der inseln richtig an, 
t aicht so ihre genaue läge. Valentia, voyages and travels in India 
■II- .s. w., vol. IV. London 1811, chart of the Red Sea, part Ist nennt 
.rrig brothers, aber wenn bei ihm die zwei westlichen inseln etwas 

nbges8ndert erscheinen, so wird das durch die britische admiralitäts- 

iarte obestätigt. Auf jeden fall ergiebt sich deutlich , daß die zahl 

''3 bei Eratosthenes der identificirung mit den brothers nicht im wege 

:) steht, zumal man selbst bei klarem wetter in einer entfernung von 

20 bis 30 seemeilen nur 5 erblickt; Findlay 675. 

4) Findlay p. 674 mit genauer karte. 

5) Die alte geographie von Arabien, Bern 1875, p. 11. 

15* 



216 42. Periplus. Nr. 3. 

auf Herodot II, 11 verweisend, vorschlug, bei Plin. VI, 163 
für quadridui navigatione zu schreiben quadraginta dierum navi- 
gatione. Aber diese änderung, der Fabricius p. 114 beipflichtet, 
empfiehlt sich paläographisch und mit rücksicht auf das folgende 
bidui so wenig als nur möglich; und vor allem, bezieht man 
diese angäbe auf das ganze rothe meer , so sind die 60 oben 
besprochenen Stadien nur bei Bab - el - Mandeb zu suchen , was 
doch nicht angeht. Eine erklärung, die uns weder nöthigt, ir- 
gendwo den text zu ändern, noch dem Timosthenes einen groben 
irrthum zur last zu legen, muß unbedingt den Vorzug haben. 

Unter den quellen für Arabien „bevorzugt Theophrast die 
angaben der seeleute, welche von Heroonpolis aus die Westküste 
Arabiens befuhren" 6 ). "Wir erhalten dadurch künde von einer 
schifffahrt, die den busen von Suez durchfuhr und um die süd- 
spitze der Sinaihalbinsel herum nach der arabischen küste einbog. 
Die ausdehnung des busens von Suez beträgt in der richtung 
von nnw nach sso 172 seemeilen 7 ) oder etwa 1720 Stadien. 
Die tagfahrt beziehungsweis tag- und nachtfahrt wird im alter- 
thum verschieden gerechnet; die ansätze schwanken zwischen 
500 bis höchstens 1000 Stadien für tag- und nachtfahrt. Der bu- 
sen von Suez konnte sehr wohl als in vier tagen zu durchfahren 
bezeichnet werden. Der durchschnitt von 430 Stadien , wobei 
wohl lediglich tagfahrt gemeint ist, wird etwas erhöht, wenn 
wir annehmen, daß die fahrt sich der küstenlinie enger anschloß. 
Bei der Vereinigung des busens von Suez mit dem von Akabah 
hat das rothe meer in der geogr. breite des Eas Mohammed 
eine ostwestliche ausdehnung von ungefähr 90 seemeilen gleich 
900 Stadien. Wenn nach Timosthenes die breite des rothen 
meeres eine fahrt von zwei tagen , bidui navigatio, erforderte, so 
würde dies ungefähr dieselbe durchschnittssumme der tagfahrt 
ergeben, wie das beim busen von Suez der fall ist, wenn wir 
annehmen , daß auf ihn die vier tage des timosthenischen be- 
richtes sich bezogen. Nun findet sich auch eine möglichkeit, 
die 60 Studien für die enge des busens zu erklären. Die ein- 
mündung des busens von Akabah hat eine breite von sieben 
seemeilen 8 ) oder 70 Stadien, der angäbe des Timosthenes also 

6) Berger, Erat. p. 292 nach Theophr. b. p. IX, 4, 4 ff. 

7) Findlay p. 644 ; vgl. die karte der halbinsel Sinai bei Palnier, 
der Schauplatz der vierzigjährigen wüstenwanderung Israels. Gotha 1876, 

8) Findlay p. C79 vgl. mit Palmer a. a. o. 



,! Nr. 3. 42. Periplus. 217 

'i 

erheblich näher kommend als irgend eine andere stelle des 
rothen meeres. Ziehen wir ferner in betracht , was wir aus 
Theophrast über die fahrten von Heroonpolis durch den busen 

, von Suez um Ras Mohammed nach Arabien wissen, so kann es 
uns auch nicht befremden , daß gerade die drei besprochenen 
angaben uns begegnen. Mit einem wort : diese angaben des 
Timosthenes bezogen sich nicht auf das ganze rothe meer, son- 
dern lediglich auf den nördlichen theil desselben. Das mißver- 
ständniß hat Eratosthenes verschuldet, der die angäbe über die 
enge fälschlich auf die straße Bab-el-Mandeb bezogen hat. Auch 

, der Periplus des erythräischen meeres zeigt in § 25 die nach- 

t Wirkung des eratosthenischen irrthums. Gelegentlich eine schrift- 
liche quelle für den verf. des Periplus anzunehmen sieht auch 

, Fabricius p. 134 sich veranlaßt. 

Bei dieser gelegenheit möge es gestattet sein zu bemerken, 

i daß man dem Damastes von Sigeion (sie) wohl mit unrecht den 
glauben zuschreibt, der arabische busen sei ein landsee gewesen. 
Ein mann, dessen zeugniß Eratosthenes benutzte 9 ), ist auf jeden 
fall ernst zu nehmen. Hekataios der Milesier hat nun aber be- 
stimmt gewußt , daß das arabische meer ein busen des Oceans 
sei 10 ), Damastes also, wenn nicht anderswoher, so aus Hekataios 11 ). 
Aus Strabon I, 3, 1 C 47 geht mit Sicherheit nur das hervor, 
daß sich bei Damastes der ausdruck 'Agäßto^ iCpry gefunden 

, hat. Damit kann er nur das todte meer gemeint haben, auf 
das die bezeichnung sehr wohl paßte. Dies ist also meines 

erachtens die älteste spur von einer kenntniß des 

|ä r 

li todten meeres bei den Griechen. 

[a 

§ 1 und 19 p. m. Erythr. erwähnen Myoshormos. Fa- 
. bricius schließt sich p. 115 der auseinandersetzung von Spren- 

ger an, der a. a. o. p. 17 zwei verschiedene häfen dieses na- 
L mens annimmt, den einen an der stelle des heutigen Abu Scha'r, 
!■ den zweiten , südlichen gleich al - Qocayr. Indessen läßt sich 

wohl mit bestimmtheit sagen, daß für eine Unterscheidung von 
[ zwei Myoshormoi ein zureichender grund nicht besteht, und 
L daß Myoshormos weder mit Abu Scha'r noch mit Qocayr iden- 

tificirt werden kann. Entscheidend ist die angäbe des Aga- 

9) Strabon I, 3, 1 C 47. 

10) Berger, Erat. 48. 

11) Ägathem. I, 2 bei Müller, geogr. Gr. min. II, 471. 



218 42. Periplus. Nr. 3. 

tharchides l2 ) , wonach drei inseln vor dem hafen liegen. Daß 
hier nur die drei Jifatininseln gemeint sein können, ist allgemein 
zugestanden. Daraus folgte dann aber auch mit Sicherheit, daß 
Abu Scha'r, erheblich nördlich davon gelegen , mit Myoshormos 
nichts gemein hat. Dieser hafen ist vielmehr in der bucht süd- 
lich von Ras Salam zu suchen, vor der die Jifatininseln liegen 
und zu der auch wirklich , der angäbe des Agatharchides ent- 
sprechend , eine schiefe einfahrt führt. So hat die läge auch 
Letronne 13 ) bestimmt , mit dessen ansetzungen ich zu meiner 
freude nach vollendeter eigener Untersuchung mehr als einmal 
Übereinstimmung constatiren konnte. 

Der einzige grund für die annähme eines zweiten, südlichen 
Myoshormos ist eine entfernungsangabe unseres Periplus , der 
Berenike als 1800 Stadien von Myoshormos entfernt bezeichnet. 
Fäbrt man nun von dem im winkel des unreinen busens gele- 
genen Berenike um Ras Benass herum, so steht der stadiasmus 
allerdings einer ansetzung von Myoshormos bei Qocayr nicht 
im wege. Aber der Periplus bezeichnet § 1 ausdrücklich die 
häfen von Berenike und Myoshormos als xöXnoi. Nun sehe 
man sich die genaue skizze von Qocayr in Petermanns Mitthei- 
lungen 1860 tafel 15 an; die bezeichnung xölrtog paßt darauf 
wie die faust aufs äuge. Aber der stadiasmus kann überhaupt 
von der fahrt um Ras Benass absehen, denn aus Agatharchides 
bei Diodor III, 39, 3 erfahren wir , daß man die schiffe über 
die schmale halbinsel von Berenike hinübertransportierte, wobei 
man gegen 400 Stadien wegs ersparte. Von dort aus führt der 
stadiasmus etwa nach Ras Abvi Somer, wo Karl Müller in der 
that Myoshormos angesetzt hat. Damit ist man aber in eine 
solche nähe von Ras Salam gekommen , daß niemand wegen 
dieser differenz zwei Myoshormos , sondern lediglich eine unge- 
nauigkeit des stadiasmus annehmen wird. Handelt es sich aber 
nur um Ras Salam und Abu Somer, so muß man sich der drei 
inseln wegen nothwendig für Ras Salam entscheiden. Nur für 
den fall, daß der verf. des Periplus sich des gewöhnlichen Sta- 
diums und nicht, wie man vermuthet hat, eines etwas größeren 

12) Bei Photios, Diodor (g G m I, 167 sq.) und Strabon XVI, 
4, 5 C 769. Artemidor, dem Strabon folgt, schöpft hier lediglich aus 
Agatharchides; anders Sprenger p. 17. 

13) Recueil des inscriptions Grecques et Latines de l'Egypte, pl. I. 



; | Nr. 3. 42. Periplus. 219 



- bediente, läge dann eine kleine Unterschätzung der entfernung 
1 von Myoshormos und Berenike vor. Gewohnheitsmäßige über- 

• Schätzung ist dem verf. aber ohnehin nicht nachzuweisen ; man 
': vgl. die wahre entfernung von Berenike und Adulis mit den 

7000 Stadien, die sich aus den offenbar runden zahlen 4000 
1 für Berenike — Ptolemais und 3000 für Ptolemais — Adulis 

• zusammensetzen. 

Aber sollte man die vortreffliche hafenbucht von Abu Somer 
1 im alterthum ganz unbenutzt gelassen haben ? Keineswegs. 
'! Ptolemaeus IV, 5, p. 278, 11 Wilb. nennt zwischen Myoshormos 
und Leukos Limen einen einzigen hafen, tlhlmriQaa Xtfirjv. Dem 
D entspricht die Stellung der bucht von Ras Abu Somer zwischen 
1 Ras Salam und Qo^ayr, das mit vollem rechte dem Leukos 
1 Limen des Ptolemäus gleichgesetzt wird. Wir werden daher unbe- 
' denklich unmittelbar südlich von Ras Abu Somer den hafen der 
'" Philotera zu suchen haben. Von diesem ist, wie Letronne, Re- 
,! cueil I, 180 ff. gezeigt hat, die Stadt Philotera Artemidors bei 
\ Strabon XVI, 4, 5 C 769 bestimmt zu unterscheiden; dieselbe 

• lag am busen von Suez, wahrscheinlich etwas südlich vom Kap 
Zafarana. Es folgt Arsinoe, die &£Q[xä vdura und das oqoq 

\ txtl7<n8eg, der in allerjüngster zeit wieder mehrfach erwähnte 
1 „Djebel Zet mit seinen erdölquellen und schwefelbrüchen" u ). 
: Ein Philoteris erwähnt Mela III, 80 : inter promunturia Maeno- 
1 renon et Coloba Philoteris et Ptolemais, d. i, llrolsfAuig im &rj- 
\ (»«er, über dessen ansetzung etwas südlich von Ras Makdah 
1 ein zweifei meines erachtens nicht mehr statthaft ist. Hier 
I entstehen aus der handschriftlichen lesart Maenorenon noch 
; nicht gehobene Schwierigkeiten. Vossius 15 ) wollte den unmög- 
lichen namen in das plinianische Aennum (sie) verwandeln, wo- 
i bei er offenbar Plin. VI, 167 im sinne hatte; falls aber jemand 
i an das myoshormische Vorgebirge dächte, so wolle er dem nicht 
'i entgegen sein. Und in der that ist Mvog oq^lov seit Reinoldius 
die vulgata dieser stelle. Eine besonders gewaltsame änderung 
schlugen die notae criticae von Tzschucke vor: deinde muris 
'■ Hormos et ad Monoleum lacum Philoteris. Den Schlüssel dürfte 
in der that eine notiz des Plinius , wenn auch nicht die Vos- 

14) Heuglin, reise nach Abessinien, Jena 1868, p. 36 f. Karte 
bei Petermann 1860, taf. 15. 

15) Observ. in Pomp. Mel. 1658, p. 289. 



220 43. Autolykos. Nr. 3. 

sische bieten. Plin. VI, 168 Detl. heißt es: mox deserta ad 
Myos hormon, ubi fons est Ainos. Ich schlage demgemäß vor, 
Statt promunturia Maenorenon vielmehr promunturium Aeno- 
crenen zu schreiben. Plinius hätte wohl eigentlich von einem 
fons Aeni reden sollen, wie Ptolemäus eine A'lrov v7jtu>g im ara- 
bischen busen erwähnt. Mit Philoteris ist bei Mela dann na- 
türlich <Ihla>TSQag Xifirjv gemeint. K. J. Neumann. 

43. Autolyci de sphaera quae movetur liber , de ortibus 
et occasibus libri duo una cum scholiis antiquis e libris manu- 
scriptis edidit, latina interpretatione et commentariis instruxit 
Fridericus Hultsch. Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri. 
MDCCCLXXXV. 8. 3 mk. 60 pf. 

Es werden nicht gerade viele sein , denen auch nur der 
name des Autolycus , und noch wenigere , denen seine beiden 
Schriften neo] xivovfihqg ayuioug und ntgl fnno}äv xai dvai-av 
bekannt sind. Dies würde gewiß gegenwärtig noch der fall 
sein , wenn nicht Hultsch bei gelegenheit seiner ausgäbe des 
Pappus , welcher des Autolycus gedenkt , veranlassung gehabt 
hätte, auch diesem seine aufmerksamkeit zuzuwenden. Der be- 
reits früher gefaßte plan jedoch, die Schriften desselben heraus- 
zugeben, hat erst jetzt ausgeführt werden könneü. 

Es konnte nicht fehlen, daß , wie alle einigermaßen intelli- 
genten und cultivierten Völker, insbesondere solche, welche süd- 
liche gegenden bewohnen, die pracht des gestirnten himmels mit 
ehrfurchtsvoller scheu betrachtet haben , ein gleiches auch bei 
den Griechen stattfand. Während aber die meisten anderen 
sich damit begnügten , über die augenfälligsten und für das 
menschliche leben bedeutsamsten erscheinungen und die zeit ih- 
rer Wiederkehr beobachtungen anzustellen, machte sich bei letz- 
teren schon frühe das bestreben bemerkbar , diese Vorgänge am 
sternen-himmel zu erklären und ihre Ursache nachzuweisen. So 
entstanden bei den Griechen verschiedene astronomische Schrif- 
ten, von denen die vorliegenden zwar wahrscheinlich nicht die 
ältesten (denn man vermuthet, daß schon Eudoxus aus Knidos, 
408—355 v. Chr. eine astronomie geschrieben habe), wohl aber 
die ältesten auf uns gekommenen sind. Ihr Verfasser, Autolycus 
aus Pitane in Klein-Asien an der küste von Aeolis, war, wie 
in der praefatio berichtet wird , ein Zeitgenosse Alexanders des 



Nr. 3. 43. Autolykos. 221 

großen und lebte 30 — 40 jähre vor dem berühmten geometer 
Euklid. Von diesem letzteren besitzen wir, außer seinen ele- 
. menten, unter dem titel cf.atiofASva eine derjenigen seines Vorgän- 
gers ähnliche astronomische schritt, und beide wieder liegen der 
I sphärik des Theodosius Tripolita (aus Tripolis an der phönizi- 
schen küste) im ersten Jahrhundert v. Chr. zu gründe. Zwar 
wurden die Schriften des Autolycus von den Arabern übersetzt, 
im christlichen abendlande aber scheinen sie lange zeit unbe- 
kannt geblieben zu sein. Denn, abgesehen davon, daß sich ei- 
nige stücke derselben, in das lateinische übersetzt, in dem werke 
i Georg Valla's „De expetendis et fugiendis rebus. 1501" finden, 
| gab erst 1508 Maurolycus eine lateinische Übersetzung des oben 
genannten buches de sphaera heraus, jedoch ohne die beweise, 
, sodann 1572 Conrad Rauchfuß (Dasypodius) den wortlaixt beider 
abhandlungen , ebenfalls ohne die beweise, griechisch und latei- 
i nisch, und 1582 Joseph Auria eine die beweise mit enthaltende 
lateinische Übersetzung beider Schriften. Seitdem aber sind die- 
: selben fast 300 jähre völlig unbeachtet geblieben, und nur die 
propositionen sind 1872 von R. Hoche veröffentlicht worden, 
wieder ohne die beweise. Letztere nämlich hielt man längere 
i zeit für von Theodosius herrührend , ja , es schien, ähnlich wie 
man im mittelalter die beweise Euklids für einen ,,commentar" 
| zu dessen sätzen ansah (und welche Verwirrung diese anschauung 
. angestiftet, darauf hat ref. verschiedentlich hingewiesen), so in 
i bezug auf Autolycus die meinung platz greifen zu wollen, seine 
I beweise seien 'für „scholien" zu erachten. Beiden ansichten tritt 
i der herausgeber mit recht entgegen , denn bei den Griechen 
: ; würde , wo nicht wie bei Heron besondere Verhältnisse und 
i zwecke vorlagen , ein mathematisches buch ohne beweise eine 
• Unmöglichkeit sein. Dieselben sind daher mit aufgenommen, 
»und die vorliegende ist als die erste vollständige original -aus- 
"• gäbe zu bezeichnen. 

In der zwölf propositionen enthaltenden ersten der beiden 
Schriften des Autolycus, 7i?q*i y.nov^iiij^ arfatgu^, werden die von 
■- punkten der Oberfläche einer mit gleichmäßiger geschwindigkeit 
f um ihre axe rotierenden kugel (der himmelskugel) beschriebenen 
bahnen erörtert. Es wird zunächst gezeigt, daß alle punkte in 
i gleichen zeiten ähnliche bögen paralleler kreise durchlaufen, 
: wobei unter „ähnlichen bögen" solche verstanden werden, deren 



222 43. Autolykos. Nr. 3. | 

zugehörige centriwinkel gleich sind. Dann werden die bewe- 
gungen von punkten der kugeloberfläcbe behandelt in beziehung 
auf einen festen und unbeweglichen größten , die kugel in zwei 
hälften , eine sichtbare und eine unsichtbare, theilenden kreis, 
den horizont, und zwar für jeden der drei fälle, wenn derselbe 
senkrecht zur kugel-axe stellt , wenn er dieselbe in sich enthält 
und also durch die pole geht , und wenn er schief gegen die- 
selbe geneigt ist. Es wird gezeigt, daß im letzteren falle von 
zwei sternen, die zugleich aufgehen, derjenige, der dem sicht- 
baren pole näher ist , später untergeht , von zwei sternen aber, 
die zugleich untergehen, der dem sichtbaren pole nähere früher 
aufgeht, daß ein durch die pole gehender größter kreis während 
einer Umdrehung zweimal auf dem horizonte senkrecht steht, u. a. 
In der zweiten schrift, nst/t srnroldöv hui dvatcav , aus zwei bü- 
chern bestehend, deren erstes 13, deren zweites 18 propositionen 
enthält, behandelt Autolycus den auf- und Untergang der fix- 
sterne (die scheinbar verschlungenen bahnen der planeten ver- 
mochte er nicht zu erklären). Er unterscheidet hier sehr scharf 
die wahren und die scheinbaren auf- und Untergänge. Bei den 
wahren wieder werden die vier fälle behandelt, je nachdem ein 
fixstern mit aufgang der sonne oder mit Untergang derselben, 
und also beim einbruche der nacht , auf- oder untergeht , der 
verus ortus matutinus , cosmischer (morgen-)aufgang , verus occasus 
rnatutinus, cosmischer (morgen-)untergang , verus ortus vespertinus, 
akronychischer oder akronyktischer (abend-)aufgang , verus occa- 
sus vespertinus , akronychischer (abend-)untergang. Ebenso wer- 
den bei den scheinbaren, heliakischen, auf- und Untergängen, je 
nachdem ein stern beim beginne der morgen- oder zu ende der 
abend-dämmerung auf- oder untergeht , die vier möglichkeiten 
auseinandergehalten, der apparens ortus matutinus , heliakischer 
morgen-aufgang, apparens occasus matutinus, heliakischer morgen- 
untergang, apparens ortus vespertinus, heliakischer abend-aufgang, 
apparens occasus vespertinus, heliakischer abend-untergang. Nach- 
dem dies festgesetzt ist, werden die sätze bewiesen, daß bei al- 
len fixstornen der heliakische auf- und Untergang später er- 
folgt als der cosmische, aber früher als der akronychische, 
daß für jedes gestirn die zeit vom heliakischen morgen- bis zum 
heliakischen abend-aufgang, und ebenso vom heliakischen mor- 
gen- bis zum heliakischen abend-untergang kleiner ist als ein 



! Nr. 3. 43. Autolykos. 223 

I halbes jähr, daß die sterne im thierkreis vom heliakischen mor- 
gen-aufgang bis zum heliakischen morgen-untergang, uud ebenso 
■ vom heliakischen abend-aufgang bis zum heliakischen abend-un- 
. tergang ein halbes jähr , die weiter nördlich stehenden längere, 
die weiter südlich stehenden kürzere zeit gebrauchen , daß die 
[ sterne des thierkreises , nachdem sie in der abend - dämmerung 
i verschwunden , einige tage und nachte unsichtbar sind , bevor 
, sie in der morgen-dämmerung wieder erscheinen , daß bei süd- 
licher stehenden sternen diese Zwischenzeit etwas länger ist, daß 
, von den nördlicher stehenden manche jede nacht zu sehen, daß 
| in jeder nacht elf zeichen des thierkreises sichtbar sind, u. a. 
, Für das Verständnis beider Schriften ist vom herausgeber 

bestens gesorgt: nicht nur ist der griechische text von einer la- 
; teinischen Übersetzung begleitet, sondern es sind auch zahlreich 
i scholien aus alten griechischen handschriften mit aufgenommen, 
und andere, deren ur-text verloren gegangen, die sich aber, in 
- das lateinische übersetzt, in Auria's oben erwähnter ausgäbe fin- 
den , in einer appendix zugefügt worden. Dem ganzen endlich 
: ist ein „index" der vorkommenden worte beigegeben, der gleich- 
falls, z. b. bei den worten fiiifir, o/xoiog , Öqi'Qsiv, oq{£<ov, u. a. 
.zur förderung des Verständnisses wesentlich beiträgt. Denn zur 
klaren einsieht in die hier erörterten erscheiuungen , welche in 
i den neueren astronomischen büchern meistens weniger eingehend 
l behandelt werden, wird trotz der beistehenden figuren eine nicht 
(Unerhebliche Übung im auffassen räumlicher Verhältnisse erfor- 
i dert , und was hier rein geometrisch bewiesen wird , läßt sich 
weit leichter an einem himmelsglobtis anschaulich machen. Mit- 
telst eines solchen hat auch, wie der herausgeber in der vorrede 
annimmt, Autolycus seinen schülern das hier geometrisch behan- 
delte erklärt. So ist denn die vorliegende schrift die älteste 
auf uns gekommene vorläuferin der im früheren mittelalter, vom 
: 10. Jahrhundert an, nicht selten auftretenden abhandlungen de 
sphaera , in welchen anweisungen zur herstellung und zum ge- 
brauche eines solchen himmelsglobus gegeben werden. Verstand 
, doch Gerbert, wie wir aus seinen briefen ersehen, himmelsgloben 
, anzufertigen , gegen welche er handschriften oder copieen von 
, solchen , die er anfertigen ließ , eintauschte. 

! Alle freunde der astronomie und der geschichte der mathe-_ 

j.matik aber werden sich mit dem ref. dem herausgeber, welcher 



224 44. Bekker und Boeckk. Nr. 3. 

sich um die inathematik der alten so hohe Verdienste erworben, 
zum lebhaftesten danke verpflichtet fühlen, daß er diese Schriften, 
welche zeigen , aus welchen keimen unsere jetzige astronomie 
hervorgegangen ist, welche erkennen lassen, auf einer verhält- 
nismäßig wie hohen stufe diese Wissenschaft bereits vor mehr 
als 2000 jahren bei den Griechen stand, und aus denen her- 
vorgeht, wie ausgeprägt bei diesen das bestreben war, beobach- 
tungen auf mathematische, insbesondere geometrische, grundsätze 
zurückzuführen, der Vergessenheit entrissen und allen zugänglich 
gemacht hat. Möge das, wie man nach dem wenigen hier mit- 
getheilteu ermessen kann , gewiß mit großer mühe hergestellte 
büchlein nun auch recht viele leser finden ! 

H. Weißenlorn. 

44. August Böckh und Immanuel Bekker. Zum säkularge- 
dächtniß von Martin Hertz. (Aus der Deutschen rundschau 
nov. 1885). 

Wenn diese skizze aus einer Zeitschrift hier erwähnt wird, 
so geschieht das, um dem Verfasser zu danken, daß er durch 
sie die philologische bedeutung des 21. mai und 24. november 
des jahrs 1785 auch dem Studium der philologie ferner ste- 
henden kreisen zur kenntniß gebracht hat, dann aber um 
unsrerseits der jetzigen generation der philologen gelegenheit 
zu geben, einmal bei dem leben und wirken unserer meister zu 
eignem frommen länger zu verweilen, freilich auch nur durch eine 
kurze skizze; denn eine genaue darstellung der leistungen die- 
ser großen philologen würde ein buch erfordern. 

Einfach und würdig erzählt Hertz, wie Immanuel Bekker 
in seinen jungen jahren mit noth und entbehrungen zu kämpfen 
hatte : der vater , ein unbemittelter Schlossermeister in Berlin, 
unterstützte, unzufrieden mit der berufswahl des sohnes , diesen 
nicht, dagegen halfen Spalding auf dem gymuasium zum grauen 
kloster, später Fr. A. Wulf auf der Universität Halle, da beide 
die ungewöhnlichen anlagen des fleißigen schülers sofort er- 
kannten. Dies änderte sich , als Bekker durch Schleiermachers 
Vermittlung eine ihm zusagende hauslehrerstelle in der familie 
von Wülcknitz in Lanke bei Bernau erhielt: sie ließ ihm zu sei- 
nen Studien — ein griechisches etymologisches lexikon plante 
er vor allem — zeit so wie zu den schon in Halle begonnenen 



1 Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 225 



schriftstellerischen arbeiten, nämlich recensionen für die Jenaische 
literaturzeitung , darunter die über Heynes Ilias und die über 
den Homer von Fr. A. Wolf : er gab die stelle auf, als er durch Fr. 
A. Wolfs fürsorge 1810 zum außerordentlichen, 1811 zum or- 
dentlichen professor an der Universität zu Berlin ernannt ward 
und zu gleicher zeit (mai 1810) Urlaub zu einem längern auf- 
enthalt in Paris bekam , um die damals daselbst aufgehäuften 
philologischen und archäologischen Sammlungen für bestimmte 
von der academie , der Wissenschaften zu Berlin aufgegebene 
zwecke zu durchforschen. Aber bald nach der rückkehr (1812) 
von dieser an wissenschaftlicher ausbeute überaus reichen reise 
sandte man ihn 1815 wieder nach Paris, um bei der zurück- 
forderung der aus Deutschland von den Franzosen entführten 
handschriften und drucksachen thätig zu sein. Wie vollkommen 
er hiebei den erwartungen seiner auftraggeber entsprochen , er- 
giebt sich daraus, daß er von denselben schon 1817 mit ver- 
wandten auftragen betraut nach Italien, dann 1819. 1820 wie- 
der nach Paris und Italien , zuletzt zur durchforschung der bi- 
bliotheken nach England und Holland entsendet ward : nach 
einer längern zeit der ruhe geht er 1839 wegen der großen 
ausgäbe des Aristoteles und dessen commentatoren noch einmal 
nach Italien : dies seine letzte wissenschaftliche reise. Diese 
reisen dürfen als die bedeutendsten ereignisse im äußern leben 
Bekkers angesehen werden ; denn abgesehen von jener Unter- 
brechung 1839 verläuft dasselbe von 1821 an in Berlin ganz 
nach der bei fleißigen Stubengelehrten üblichen weise. Aber 
dieselben reisen haben auch auf die wissenschaftliche thätigkeit 
Bekkers den entscheidendsten einfluß ausgeübt; denn sie allein 
haben den von ihm in seiner philologischen arbeit eingeschla- 
genen weg ermöglicht. Schon in Lanke nämlich scheint Bekker, 
wie die dort begonnene, aber unterbrochene und erst 1814 vol- 
lendete ausgäbe der reden des Aischines und Demosthenes vom 
kränze erkennen läßt, die einsieht gewonnen zu haben , die zur 
zeit gebräuchlichen texte der griechischen classiker seien durch- 
aus unzuverlässig und nichts wünschenswerter als eine durch- 
greifende auf guten handschriften beruhende revision derselben; 
je tiefer er in die alten eindrang, je genauer er seit seinem aufenthalt 
in Paris das handschriftliche material kennen lernte, desto mehr 
überzeugte er sich von der richtigkeit seines allmählig gereiften 



226 44. Bekker und Boeckh. Nr. 8. 

Vorsatzes, selbst eine neugestaltung der texte der classiker in 
das leben zu rufen: daber die fast zebn jähre hindurch mit al- 
ler energie ununterbrochen fortgesetzten und auch später nicht 
aufgegebenen vergleichungen von handschriften ; denn diese 
mußten erst beschafft werden, ehe dieser sein vorsatz ausgeführt 
werden konnte. Und so hat er denn allmählig über vierhun- 
dert handschriften benutzt, manche davon abgeschrieben, die 
meisten ganz, andre theilweise verglichen, dabei immer bemüht 
mit jeder genügend in kurzer zeit fertig zu werden, wobei ihm 
außer großer sachkenutniß die scharfen äugen , das treue ge- 
dächtniß nicht wenig zu statten kamen: als er 1820 in Hei- t 
delberg auf der bibliothek , nachdem er einen codex des Piaton 
erbeten und erhalten , sofort aus ihm zu excerpiren begann 
und der bibliothekar verwundert fragte , ob er nicht eine aus- 
gäbe holen solle , antwortete Bekker kurz „ist nicht nöthig", 
fuhr mit seiner arbeit fort und gab ungefähr nach einer stunde 
die handschrift dankend zurück : er hatte eben den text mit 
Varianten so ziemlich im köpf und wußte auf welche stellen 
es bei bestimmung des werthes und der Verwandtschaft der 
handschrift vorzugsweise ankam; ein solches verfahren fiel da- 
mals auf, daß man es jetzt begreift ist auch Bekkers verdienst. 
Freilich übersah und versah diese weise manches und erwuchs 
aus ihr, da nachvergleichungen das mangelnde aufdeckten, man- 
cher nicht unbegründete tadel, s. meine anführungen in Zim- 
mermanns Allg. Schulzeit. 1833, abtheil. II, nr. 31 flg.; allein 
um gerecht zu sein, muß man wohl beachten, daß eine erste ver- 
gleichung eines manuscripts immer andern zu thun übrig läßt, 
daß ferner was zweiffellos von bedeutung war , immer Bekker 
gesehen und verzeichnet hat, anderes aber, was sich später als werth- 
voll herausstellte, absichtlich weggelassen worden, weil es damals 
für unwesentlich galt : die Wissenschaft schreitet bekanntlich vor- 
wärts, wovon ein für unsern fall sehr lehrreiches beispiel Zacher 
am codex Venetus des Aristophanes nachgewiesen , s. Piniol. 
XLI, p. 11 ; — endlich vor allem beachten, daß Bekker be- 
griffen hatte, wie in jener zeit das reisen nicht jedes philologen 
sache war, wie schwer es ferner in ihr hielt, von der regierung, 
auch von corporationen besonders für philologen die für einen 
längern aufenthalt auf auswärtigen bibliotheken nothwendigen 
mittel zu erwirken, zustände, welche jetzt erst bessern glück- 



) Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 227 

lieh gewichen sind ; — daß daher, da ihm ein günstiges geschick 

zu theil geworden, auch durch ihn diesem der möglichst größte 

, nutzen für die classische philologie abgerungen werden müsse: 

I nach seiner eignen äußerung ist dies viel sicherer dadurch erreicht, 

! daß durch möglichst viele collationen für viele schriftsteiler ein 

j fester boden geschaffen worden, als wenn eine geringe anzahl von 

handschriften mit ängstlichster Sorgfalt verglichen worden wäre. 

Und darin hatte er recht : es haben Bekkers collationen zu der 

glänzenden entwicklung der classischen philologie in neuerer 

zeit wesentlich beigetragen : es liegt überhaupt in diesem seinem ver- 

i fahren, meine ich, etwas großartiges : daher müssen die kleinen man 1 

i gel im einzelnen vor den großen erfolgen im ganzen verschwinden. 

i Aber nur vergleichen genügt nicht ; es galt die gewonnene 

i beute zu verwerthen: damit ward zwar schon während der er- 

' sten reise begonnen, aber erst von 1821 an widmete sich 

«< Bekker mit aller kraft und seltner ausdauer und hingäbe seinem 

oben erwähnten plane die texte der classiker, zumeist der grie- 

3 chischen , neu und besser zu gestalten : die von ihm besorgten 

texte füllen gegen einhundert und vierzig bände. Freilich ste- 

i hen sich diese nach des herausgebers eigner andeutung an werth 

; nicht alle gleich; es sind in ihnen recensionen und recognitionen 

„zu unterscheiden; aber immer bleibt das was Bekker geschaffen 

i eine von keinem bis jetzt übertroffene leistung. Denn auch 

■:■ die recognitiones leisten bedeutendes: in ihnen stand ihm zwar 

j kein eigner kritischer apparat zu geböte, sondern nur das von den 

• frühern meist ungenügend zusammengebrachte ; aber trotzdem be- 
; zeichnen sie durch die methodische benutzung der handschriften, 
i durch sorgfältiges Studium der spracheigenthümlichkeiten der 
i einzelnen autoren , durch sichere handhabung der interpunetion 
v und Orthographie , durch musterhafte correktheit einen entschie- 

• denen fortsch ritt: Polybios, Pausanias, Appianos gehören hierher 
: so wie viele andre. Aber seine volle eigenart entfaltete Bekkers ge- 
S nie in den epochemachenden recensionen, ausgaben entweder von 

ihm entdeckter Schriften griechischer grammatiker oder zu deren 
; textgestaltung die grundlage aus erst von ihm verglichenen manu- 

• Scripten geschöpft war, unter ihnen die schwierigsten, umfang- 
] reichsten, vernachlässigtsten prosaiker der verschiedensten gat- 
3 tungen und zeiten, wie Thukydides, Piaton, die attischen redner, 
; Photios , die scholien zu Homer — doch ward ihr werth nicht 



228 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

sofort anerkannt, da die im täglichen leben bei Bekker so cha- 
racteristisch bervortretende Schweigsamkeit — „was schweigt 
Bekker" fragte einst bei einem streit der freunde in seiner iro- 
nischen weise Schleiermacher ■ — sich aus den ausgaben nicht 
wegweisen ließ : daher fehlen gegen die gewohnheit der philo- 
logen vorreden mit bequemen ausführungen über die mittel und 
methode des herausgebers so wie gemiithliche erörterungen über 
werth and unwerth unbedeutender lesarten und dergleichen; die 
titel, die Varianten und höchstens kurze angaben am anfange 
oder am ende mußten dies alles ersetzen; man meinte, der her- 
ausgeber beabsichtige nur, seine meinungen , die er ohne selbst 
ein wort zu sagen , zum ausdruck bringe , vornehm vom leser 
mit mühe und arbeit errathen zu lassen. Das verstimmte : aber 
der gewichtige einfluß G. Hermanns , der die Jüngern , wie ich 
selbst zu erfahren das glück gehabt, stets auf die in Bekkers 
leistungen befolgten grundsätze hinwies , die nachfolge anderer 
und besonders die K. Lachmanns, endlich die macht der Wahr- 
heit erzwangen anerkennung und nicht lange , so war der wi- 
derstand gegen Bekkers verfahren und kritische grundsätze ver- 
schwunden. Unter diesen steht, wie man nun anerkannte, als 
der gewichtigste oben an die neue art der Würdigung und clas- 
sificirung der handschriften : Bekker suchte und fand mit wun- 
derbar sicherm blick den codex und dessen sippen , der die 
band des betreffenden classikers am treuesten wiedergab und 
darnach bestimmte er werth und folge der übrigen, welche, wenn 
auch seltner, doch auch wahres enthalten können, ordnete ferner 
darnach die Varianten , welche nun richtig aufgefaßt die hand- 
schriftlichen Schicksale der lesung darstellen und unter ihrer 
scheinbar so todten masse ein wirkliches leben verbergen. Die- 
ser besten familie — und dies war ein weiterer grundsatz — 
hatte der kritiker bei der constituirung des textes zu folgen 
und zwar je consequcnter desto besser, eine schwere aufgäbe: 
in dieser hinsieht darf als muster die stereotyp-ausgabe des Tliit- 
kydides (Berlin, Weidmann) betrachtet werden, was nicht genug 
anerkannt zu sein scheint. Aber oft genug lassen auch die be- 
sten handschriften im stiebe und dann muß die conjeetur belfen: 
gegen sie verhält sich Bekker ablehnend , bleibt vielmehr so 
lange es irgend geht bei der Überlieferung : ging es aber nicht 
anders und mußte diese verlassen werden , so versteht er mit 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 229 

' leichter änderung die schaden zu heilen, wie man, um doch ei- 
: nen beleg dafür anzuführen, an der in den Monatsbl. der Berl. 
'acad. 1847, p. 26 mitgetheilten reihe von conjecturen zu Dio 

- Cassius ersehen kann : dies eine kunst, zu der ihm wohl beson- 
f, ders seine große Vertrautheit mit den alten Schreibungen ver- 
Uiolfen : auch hierin schloß sich an Bekker mit schönstem erfolg 
8jK. Lachmann an, dagegen haben die neuern durch glänzende 
' beispiele verleitet zum schaden der Wissenschaft zu oft den ent- 
c gegengesetzten weg eingeschlagen. Diesen grundsätzen zumeist 
i verdanken die ausgaben ihre Vorzüge: nur bei zweien finden 
ä( sie sich durchweg zu wenig — wir wissen nicht durch welche 
5 umstände — zur geltung gebracht, bei Aristophaues und Livius : 
p in andern ist ihnen Bekker, wie er wohl wußte, nur in einzel- 
;■ nen fällen untreu geworden, so in angäbe von Varianten; denn 
ida er bei der durch stete Übung erlangten großen Sicherheit in 
ihandhabung der kritik rasch zu arbeiten sich gestattete, hat er 
i manches übersehen, manches falsch beurtheilt, daher seine nach- 
i träge zu Demosthenes in Monatsber. der Berl. acad. 1854 , p. 
i 252, zu Thukydides ebendas. 1855, p. 470, zu Isokrates, eben- 
fcdas. 1861, p. 1034, und die von Torstrick zu Aristoteles im 
i Philol. XII, p. 494. XIII, p. 204: anderes und wichtiges haben 
-andere forscher berichtigt, wie die wähl der für den text zu 
i gründe zu legenden handschriften im Lysias , im Aeschines, 
.auch wohl im Isokrates und einigen Schriften des Aristoteles, 
, auch nachgewiesen, wie bei der textgestaltung bei diesem oder 
i jenem consequenter hätte vei-fahren werden können, so im De- 

I mosthenes (cod. 2'), in Aristoteles negl r/>rp/s (cod. E); aber 
a dies und ähnliches thut den leistungen Bekkers im ganzen nicht 
j den geringsten abbruch : durch seine auf eisernem fleiß und selt- 

- nem Sprachtalent beruhende bis in das kleinste sicherstreckende 
■ kenntniß der griechischen spräche so wie durch die begründung 
« und einführung einer festen kritischen methode sind texte ge- 
schaffen, welche die erste zuverlässige grundlage für gedeihliche 

i forschung nicht allein in der grammatik , formenlehre wie syn- 

; tax, sondern überhaupt für das Studium des classischen alter- 

: thums gewährt haben, ein unvergängliches verdienst. Damit 

; jedoch noch nicht zufrieden hat Bekker seit seinem ersten auf- 

enthalt in Paris durch Uhland angeregt auch altfranzösische- 

und altitalienische dichtungen und romane mit gleichem eifer 

Philol. Anz. XV. 16 



230 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

und gleichem erfolge aufgesucht und bearbeitet : endlich hat er 
auch, wie sein amt verlangte, Vorlesungen gehalten, das einzige, 
worin er trotz der darauf verwandten gewissenhaften Sorgfalt 
und trotz seiner gelehrsamkeit keine hervorragenden erfolge er- 
zielt hat : die neigung zur kürze und ein allzugroßes vertrauen 
auf den fleiß und die fassungskraft der zuhörer ließen ihn, wie 
es scheint, die passende auswahl und form für das vorzutragende 
nicht finden , so daß nur sehr gut vorbereitete und charakter- 
feste studiosen sich von ihm angezogen und gefördert fühlten: 
vielleicht war jedoch die hauptsache, daß die stille und sichere 
erfolge verheißende Studierstube den zur mittheilung unlustigen 
stärker anzog, als ein immerhin zweifelhaftes publicum: ein ge- 
feierter docent ist demnach Bekker eben so wenig geworden als 
ein großer redner. 

So reihte sich in rascher folge werk an werk bis 1857, 
wo die fünf bände starke ausgäbe der biographieen Plutarchs 
beendet ward : obgleich nun ein siebziger und zum ausruhen 
berechtigt scheute der rastlos thätige doch vor der ausführung 
eines lange bedachten aber immer zurückgeschobenen schwieri- 
gen Unternehmens nicht zurück. Denn die in Halle gesteckten 
ziele hat Bekker nie ganz aufgegeben: so scheint er 1821 ge- 
willt gewesen die lexikalische arbeit wieder aufzunehmen, da er 
damals das kleine griechische Wörterbuch von Niz neu herausgab ; 
eine weitere spur davon finden wir indeß nicht. Dagegen bleibt 
Homer sein steter treuer begleiter , mit dem ihn immer wieder 
anderweitige arbeiten in berührung bringen: Theognis 18] 5, 
1827, Tzetzes 1816, die scholien zur Ilias 1825, die paraphrase 
der Ilias 1827, Aratos 1828, Apollonius der sophist 1833; aber 
erst 1841 fängt er wieder an sich über homerische fragen wirk- 
lich auszusprechen, wie über den anfang der Odyssee, eine noch 
immer umstrittene these, die homonymie bei Homer, und besorgt 
1843 eine recognitio der homerischen gedichte : aber erst in den 
nun folgenden, in den Monatsberichten der academie der Wissen- 
schaften zu Berlin in bald größern bald kleinern Zwischenräu- 
men zuerst veröffentlichten , dann in den Homerischen blättern 
(1863. 1872) vereinigten mittheilungen so wie in der 1858 er- 
schienenen mit vorrede und kritischem apparate ausgestatteten 
und mit einem von den bisherigen ganz abweichenden titel ver- 
sehenen zweiten bearbeitung der homerischen epen liegen die 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 231 

i schließlichen resultate von Bekkers forschungen vor: sein letzter 
? Vortrag, der Hom. II. B, 203 und Od. J, 20 flg. (Monatsber. 
im 75) behandelt, ist am 20. februar 1871 kurz vor seinem ab- 
' leben gehalten und somit schließt seine schriftstellerische lauf- 
B bahn mit voller geisteskraft im 86. lebensjahre mit der erklä- 
I rung des dichters, mit dem er sie im 21, begonnen, ebenfalls 
j epochemachend ab : ein beneidenswerth wunderbares geschick ! 
t Diese die letzten vierzehn lebensjahre ausschließlich betriebenen 
i Studien führten zu überraschenden ergebnissen : nicht die Über- 
lieferung soll im Homer bei der textgestaltung entscheiden, 
\ sondern im anschluß an Fr. A. Wolf lediglich die analogie, 
1 d. h. gleichmäßigkeit in spräche und metrum , aus deren stren- 
i ger und consequenter beobachtung sich dann auch die einfüh- 
rung des digamma ergab , was doch nie in einer alten hand- 
i schrift des Homer gestanden hat, und mit ihm viele weitere än- 
'-• derungen und conjecturen, von denen wie überhaupt von seinem 
3) verfahren er in einem in der vorrede zum zweiten Homer ver- 
i heißenen aber nie geschriebenen werke noch weitere rechenschaft 
r abzulegen gedachte. Viel schönes ist auf diesem wege gewon- 
s nen und wird noch, wie neuere forschungen darthun, auf ihm ge- 
t wonnen werden: aber wie viel als fest und unumstößlich gelten 
3 kann , dürfte von der endgültigen lösung der sogenannten He- 
il merfrage abhängen , die freilich in nächster zukunft kaum zu 
i erwarten steht; denn diese lösung erfordert noch außer vielem 
H andern eine auch auf verwerthung von Mykene , Tiryns und 
p verwandten funden beruhende klare erörterung des culturzustan- 
8 des in den homerischen zeiten, erfordert ferner eine Untersuchung 
R der Überlieferung der homerischen epen vom beginne der rhap- 
3 sodik (um ol. 1) bis auf Peisistratos und Piaton: aber wie die 
.1 entscheidung auch falle , immer wird die geisteskraft bewundert 
i werden müssen, mit welcher Bekker in hohem alter vorher mit 

- rühm geübte grundsätze verließ , um mittelst einer dem dichter 
seiner meinung nach allein entsprechenden wenn energisch durch- 

- geführten behandlungsart sichere erfolge zu erzielen, immer wer- 
den die aus großartiger gelehrsamkeit entsprungenen ansichten 

i und resultate Bekkers von den philologen freudig anerkannt und 
| dankbar zu neuen fortschritten benutzt werden , wenn anders 
j die philologen die ihrer Wissenschaft von den meistern gewiese- 
nen und von diesen erfolgreichst betretenen bahnen nicht ver- 

16* 



232 44. Bekker und Boeckh. Nr. 8. 

lassen , vielmehr diese auch fernerhin mit gewissenhaftem eifer 
und aufopfernder hingehung verfolgen. 

So viel von Immanuel Bekker als gelehrten , ganz anders 
sein altersgenosse und College August Böckh: von dem 
wortkargen und in sich gekehrten norddeutschen unterscheidet 
sich das ganze lehen hindurch der gern sich äußernde und gern 
am leben sich betheiligende süddeutsche. Geboren zu Karls- 
ruhe , wo die eitern wohnten, zeigte der knabe früh bedeutende 
anlagen; denn schon in seinem dritten jähre lernte er die 
buchstaben (Boeckh, Pindar. I, 2, p. 326) und vom sechsten an 
besuchte er das Gymnasium illustre seiner Vaterstadt, eine sehr 
wohl organisirte anstalt, an der grade damals ausgezeichnete 
lehrer wirkten. Leider starb der vater , secretair am hofrathe 
des markgrafen Karl Friedrich, unerwartet früh (1790) ohne 
vermögen zu hinterlassen , so daß die familie in eine sehr be- 
drängte läge gerieth : aber die tüchtige mutter wußte mittel 
und wege zu finden , die für eine höhere bildung ihrer kiuder, 
drei söhne und zwei töchter, nöthigen mittel herbeizuschaffen. 
August begriff seine läge, lernte und arbeitete auf dem gymna- 
sium unermüdlich und nicht lange , so gehörte er zu dessen be- 
sten Schülern, war bei den lehrern beliebt und sah sich von ih- 
nen nach möglichkeit gefördert. Der Unterricht umfaßte sehr 
viel: Böckh trieb lateinisch und griechisch — seit 1761 ward 
auf dem gymnasium auch Homer gelesen — , daneben hebräisch 
und arabisch , französisch und englisch , eine sprachenfülle , wie 
sie im siebzehnten und auch eine Zeitlang im achtzehnten Jahr- 
hundert oft, damals aber nur selten erscheint, ei trieb ferner 
geschichte und römische alterthümer, in denen professor Hugo, 
vater des göttinger Juristen unterrichtete, dann mathematik und 
physik, welchen er durch professors Böckmann weise angezogen 
mit besonderm fleiße oblag, naturgeschichte und botanik — dies 
alles ward gründlich erlernt ohne daß die gesundheit gelitten 
oder daß jemand eine überbürdung, das jetzige losungswort pä- 
dagogischer Weltverbesserer entdeckt hätte: daß aber wirklich 
nur gründliche kenntnisse erworben wurden, das beweist Böckhs 
folgendes leben , in welchem diese auf der schule errungene 
grundlage in ihrem ganzen umfang in schönster entwicklung sich 
kundgiebt: es liegt hier ein herrliches zeugniß dafür vor, daß 
was auf der schule von kundiger band auf empfänglichen boden 



•iNr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 233 

'gesäet wird, später die reichsten fruchte trägt, wird es nur wei- 
ter gepflegt und nicht der Versuchung des lebens aus schwäche 
geopfert. Nach Vorgang von verwandten sollte und wollte Böckh 
'idem geistlichen stände sich widmen und besuchte deshalb am 
J Schlüsse seiner Schulzeit das gymnasium theologicum , eine abthei- 
lung des gymnasium illustre, in dem er eine art academischen 
'Unterricht in der theologie erhielt und candidatus theologiae ward: 
j als solcher hat er vor seinem abgange auf die Universität in 
»der umgegend von Karlsruhe ein paarmal gepredigt, dann aber 
i nicht wieder. Mit glänzendem schulzeugniß entlassen und vom 
imarkgrafen Karl Friedrich durch ein Stipendium unterstützt be- 
izog Böckh ostern 1803 die Universität Halle, um sich in theo- 
tlogie und im lehrfach , eine damals übliche Verbindung, acade- 
i misch auszubilden; aber von Fr. A. Wolfs vortragen und Per- 
sönlichkeit ergriffen ergab er sich gar bald mit jugendlichem 
äfeuereifer dem Studium der classischen philologie: mit Pindar; 
den tragikern, Piaton beschäftigte er sich mit Vorliebe und wett- 
3 eiferte in ihrer erkenntniß mit Immanuel Bekker , Johannes 
B Schulze , Karl Schneider und andern gleichgesinnten freunden : 
3 diesen allen stand als sachkundigster berather Fr. A. Wolf treu- 
lich zur seite und verstand besonders durch das philologische 
[ seminar die als tüchtig erkannten zu dem Studium der ihren 
i talenten und neigungen entsprechenden classiker hinzuleiten. 
: So hat Fr. A. Wolf noch am ende seiner lehrthätigkeit in Halle 
'I. Bekker und A Böckh der philologie gewonnen, ein verdienst, 
i dessen Hertz mit warmen Worten gedenkt, grade jetzt recht 
5 zeitgemäß, wo jüngere philologen in ihrem hochmuth wähnen 
\ den gewaltigen mann und lehrer geringschätzig behandeln zu 
'dürfen. Im letzten jähre des triennium gewann auf Böckh auch 
"Schleiermacher durch die vortrage über kritik und hermeneuük 
3 wie durch die erklärung der platonischen dialoge und der in 
' diesen nachgewiesenen kunst einen einfluß , den der dankbare 
zuhörer nie verheimlicht hat, s. Boeckh Pind. II, 2, praef. p. 7; 
es bezeugt denselben auch die im januar 1806 erschienene erste 
' druckschrift Böckhs : in Piatonis qui vulgo fertur Minoem eiusdem- 
1 gue libros priores de Legibus ad virum illustrem Frid. Aug. Wol- 
■ fium . . . commentabatur Aug. Boeckh, Badensis, Seminarii philolog. 
1 reg. Halensis sodalis : sie zeigt sowohl in der bestimmung des- 
; Verfassers des Minos als auch in der kritischen und exegetischen 



234 44 Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

behandlung einer reihe von stellen aus dem schwierigen werke 
nsQi röpav eine bei einem einundzwanzigjährigen ungewöhnliche 
kenntniß sämmtlicher platonischer dialoge und trotz des einflus- 
ses der lehrer deutlich die keime der Selbstständigkeit, welche 
die folgenden Schriften Böckhs auszeichnet : sie erregte sofort 
die aufmerksamkeit der gelehrten. Bald darauf, ostern 1806, 
reiste ihr Verfasser, da ihm das badische Stipendium verlängert ward, 
nach Berlin, trat daselbst in das von Gedike geleitete pädago- 
gische seminar und unterrichtete in den untern classen des gym- 
nasiums zum Grauen kloster: doch weit wichtiger war, daß er 
mit Ph. Buttmann, L. Fr. Heindorf, den gebrüdern Delbrück 
und andern strebsamen philologen in enge, auch später gepflegte 
Verbindung trat , mit ihnen ein pindarisches kränzchen einrich- 
tete und sonstigen fördernden Umgang sich zu nutze machte. 
Er hatte gehofft, in Preußen eine anstellung zu erhalten; da 
jedoch bei den damaligen politischen Verhältnissen diese aussieht 
schwand, entschloß er sich Berlin zu verlassen und kehrte über 
Halle, wo er am 15. märz 1807 unter eigentümlichen Verhält- 
nissen von der trümmerhaften philosophischen facultät — Fr. 
A. Wolf war übrigens anwesend — auf grund einer abhand- 
lung de harmonice veterum , die aber ungedruckt geblieben , pro- 
moviert ward (s. Piniol. XI, p. 791), nach Karlsruhe zurück, 
und zwar mit der absieht, sich sobald als möglich in Heidel- 
berg zu habilitiren. Doch erreichte er dies erst nachdem einige 
Schwierigkeiten mit hülfe des großherzogs beseitigt waren , im 
october 1807, wo er dann seine Vorlesungen mit solchem er- 
folge begann , daß er noch vor ablauf dieses Jahres zum außer- 
ordentlichen professor ernannt wurde. Damals herrschte in 
Deutschland eine eigenartige rege Spannung : das joch der fremd- 
herrschaft erschien unerträglich ; die literatur strebte die alten 
fesseln zu sprengen und in freier forschung das höchste zu er- 
reichen , ein streben, dem die der philologie von Fr. A. Wolf 
und G. Hermann gegebene richtung entsprach : auf diesem bo- 
den nun bewegte sich Böckh mit jugendlicher kraft und begei- 
sterung: weder der neue Wohnort mit der neuen Stellung, weder 
die zahlreichen exegetischen Vorlesungen über Griechen und La- 
teiner so wie solche über reale fächer der philologie, darunter 
nach Wolfs Vorgang encyclopädie, noch auch die Verlobung mit 
ihrem unvermeidlichen hangen und bangen und die verheirathung 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 235 

f vermochten ihn von den ihm als das höchste erscheinenden schrift - 
W stelleilschen planen abzuziehen , führten ihm vielmehr immer 
l| neue ideen und plane zu, durch welche er die in Halle empfan- 
1 gene anregung selbständig weiter ausbilden zu können erhoffte. 
■Und so vollendete er schon im sommer 1808 das so ungemein 
-reichhaltige und obgleich ohne index ungemein viel benutzte, 

■ Gottfried Hermann scenicae rei veterum iudici longe peritissimo ge- 
' widmete buch über die griechischen tragiker, Graecae tragoediae 
^ principum , Aeschyli, Sophoclis , Euripidis , num ea quae supersunt 

I genuina omnia sint et forma primitiva servata , an eorum familiis 
Valiquid debeat ex iis tribui: dies buch, das in einem damals sehr 
f viel behandelten gebiete ganz unbeachtet gebliebene gesichts- 
i. punkte eröffnete, — ich nenne nur die Untersuchungen über die 
s Überarbeitung der tragödien durch die Verfasser selbst , dann 

■ durch mitglieder ihrer familien , die über den einfluß der komi- 

• ker, über die zahl der stücke u. s. w. — so wie kleinere pub- 
; licationen und der beifall, den er als docent hatte, brachten ihm 

• im frühjahr 1809 einen ruf an die Universität Königsberg und da 
- er ihn ablehnte , eine ordentliche professur in Heidelberg ein ; 
: diese also in demselben lebensjahre , in welchem sie sein ver- 
ehrter lehrer Fr. A. Wolf in Halle erhalten hatte. Dieser er- 

; folg spornte zu weitern leistungen an, welche sich nun mehr und 
mehr auf Pindar und Piaton und die über diese geplanten 
»| werke concentrirten : als ihre Vorläufer dürfen wir die schrift 
'über die versmaße des Pindar (1809) und programme über die- 
sen dichter ansehen, ferner ein specimen einer ausgäbe von Pla- 
'! tons Timaios, und eine reihe abhandlungen , wie über die bil- 
! dung der weltseele in Piatons Timaios , über das kosmische sy- 
i stem Piatons , über das philolaische Weltsystem und andre ver- 
1 wandten inhalts (Böckhs Kl. schrift. bd. II), alles schwer zu lö- 
sende aufgaben und probleme, entlehnt aus poetischen wie pro- 
\ saischen werken der Griechen : von beiden versteht er , auch 
darin Fr. A. Wolf verwandt, die eigenthümlichkeiten darzulegen 
und zu behandein , ein zeugniß großer geistiger begabung. In 
dieser zeit entstand auch der plan zu einem werke , das den 
titel Hellen erhalten so"te: es war bestimmt die einheit des gan- 
zen griechischen lebens in seiner realen erscheinung wie in den 
principien seiner kunst und Wissenschaft zur darstellung zu brin- 
gen : der plan ist nie ausgeführt, doch ist er interessant, weil 



236 44. Bekker und Boeckb. Nr. 3. 

sich aus ihm die entstehung des einen oder andern der spätem 
werke erklärt, ferner weil er zeigt, daß schon jetzt Böckh liebte, 
sehr verschiedenes neben einander zu treiben. Alles dieses läßt 
aber erkennen , wie die zeit in Heidelberg — vier jähre — 
eine ungemein schöpferische gewesen : alle größern werke Böckhs 
beruhen auf ihr und knüpfen an sie an. Auf dies so reiche, 
fruchtbare schaffen wirkte nicht wenig der kreis edler männer 
ein , mit denen Böckh innig verkehrte , die begeistert für ihre 
Wissenschaft und für das Vaterland sich in Heidelberg zusam- 
mengefunden: ich nenne nur de Wette, Marheineke , Neander 
Wilken, die später auch in Berlin wirkten: dann Creuzer, der 
damals auf der höhe seines ruhms stand und den jungen colle- 
gen förderte, wo er konnte, Brentano und andre romantiker: 
wie diese Böckh's werth hoch anschlugen — scherzhaft nannten 
sie ihn den Polyhistor — so auch die übrige gelehrtenweit, wie 
man jetzt auch aus dem briefwechsel der gebrüder Grimm er- 
sieht. So ward es denn Fr. A. Wolf nicht schwer , das preu- 
ßische ministerium dahin zu bestimmen , grade diesem seiner 
schüler die professur der beredsamkeit nebst der leitung des 
philologischen seminars an der zu gründenden Universität zu 
Berlin anzuvertrauen: im herbst 1810 erhielt Böckh den ruf: 
er nahm ihn an, da sich ihm in Berlin ein größerer Wirkungs- 
kreis zu eröffnen schien. Aber die zeit in Heidelberg vergaß er 
nicht, hat ihrer vielmehr stets mit liebe gedacht: noch in dem 
an die Heidelberger philosophische facultät wegen erneuerung 
des doctordiploms bei seinem Jubiläum gerichteten dankschreiben 
nennt er diese vier jähre „die schöne zeit jugendlicher frische"; 
das ist sie in jeder weise gewesen. 

Böckh trat zu ostern 1811 sein neues amt au, ein amt, das 
er sechsundfunfzig jähre hindurch ruhmvoll verwaltet hat. Noch 
in dem sommer desselben jahrs erschien die erste abtheiluug 
der großen ausgäbe des Pindaros in zwei quartbändeu , deren 
erster den neugestalteten text enthielt — er war nach neu ver- 
glichenen handschriften und andern hülfsmifteln berichtigt und 
gab die verse der strophen in neuer anordnung — , der andre 
die commentarii metrici und notae criticae; letztere gaben den kri- 
tischen apparat mit einer fülle zur begründuug der einzelnen 
lesarten dienenden sprachlichen und sachlichen bemerkungeu, 
welche auch das genaue Studium der Schriften G. Hermanus 



I Nr. 3. 44. Bekker und Boeckk. 237 

'. dartbaten : die ersteren aber, der glanzpunkt des ganzen und ein 
! in formeller wie sachlicher hinsieht auf das sorgfältigste ausge- 
' arbeitetes meisterwerk , rechtfertigten das metrische verfahren 
- und zwar so, daß die metrik zum ersten male — das alterthum 

• nicht ausgeschlossen — ; die ihr unentbehrliche rhythmische grund- 
E läge erhielt: diese grundlage, welche Böckh zum begriinder ei- 
! ner wissenschaftlichen metrik machte, war richtiger methode zu- 
■ folge aus den griechischen musikern und den alten dichtem, be- 
i sonders aus Pindar geschöpft. Und docdi blieb diese herrliche 
1 leistung lange ohne erfolg, das einzige von Böckh's werken, 
i welches dies Schicksal erfahren : denn haben auch einzelne an- 

• sichten und grundsätze aus ihm allmählich eingang gefunden, 
die hauptsache, die rhythmik, ist erst durch Westphals arbeiten 

iin fluß gekommen und dadurch erst jetzt auch für Böckh's ver- 
dienst anerkennung und einfluß erwachsen. Der grund dieser 
auffälligen erscheinung liegt an Pindar selbst, der nie zu den 
■gelesensten dichtem gehört hat, dann in den noch heute schwer 
»zugänglichen büchern der alten musiker, wenn auch für sie man- 
ches schöne neuerdings zu tage gekommen , auch in dem aber- 
glauben von der Schwierigkeit der metrik, deren gründliche 
kenntniß noch jetzt eine Seltenheit unter den philologen ist, vor 
-allem aber in der feindlichen haltung Gottfried Hermanns, der sich 
'nicht entschließen konnte, seinen unhaltbaren, weil außerhalb der 
tnovöixi'f liegenden Standpunkt aufzugeben: jetzt steht jeder selbst- 
iständig denkende metriker auf Böckhs seite : es geht eben in 
*der Wissenschaft wie im Staate, wo eine leidenschaftliche und des- 
halb einseitige Opposition die zweckdienstlichsten maßregeln lange 
zu hemmen vermag , bis endlich die macht der umstände der 
«einsieht zum siege verhilft. Diese Pindarbände waren bis auf 
'weniges noch in Heidelberg inmitten des friedens vollendet: in 
^'Berlin änderten sich die Zeiten : die freiheitskriege brechen aus 
mnd ziehen auch den nur zu gern an die stille Studierstube ge- 
kesselten in mitleidenschaft, nöthigen auch andre kreise zum still- 
stand in ihren gewohnten beschäftigungen : so gelangte denn 
auch von Böckh in den nächsten jähren nur wenig zum druck, 
lie berühmte abhandlung über die bergwerke in Laurion (Kl. 
>clmft. bd. V), die jedes semester nöthigen vorreden zu den 
ectionskatalogen (Kl. schrift. bd. IV) von geringem umfange, 
iber der schönsten miniatur vergleichbar sind zu nennen Dafür 



238 44. Bckker und Boeckli. Nr. 3. 

wurden hefte für Vorlesungen ausgearbeitet, so das für griechische 
literaturgeschichte , wie ich nach dem mir von des Verfassers 
gute gestatteten gebrauche sagen kann : solche hefte dienten als 
grundlage dem freien vortrage, nicht einem ablesen, waren sorg- 
fältig stilisirt und überhaupt wohl geschrieben, um über die Sachen 
sich selbst klar zu werden. Die Vorlesungen selbst erstreckten 
sich über Hellas und Rom, waren deshalb bis 1826 sehr zahl- 
reich, drei, vier, zuweilen gar fünf das semester, wie das nähere 
die lectionskataloge nachweisen , exegetische wie wissenschaft- 
liche ; von 1826 an, wo Lachmann nach Berlin berufen war, 
beschränkte sich Böckh auf zwei das semester , und fast aus- 
schließlich auf Hellas ; sie sind immer zahlreich besucht gewesen 
und auf die fortbildung der philologie von ganz ungemeinem 
einfluß : offen und ohne rücksicht entwickelte er in ihnen in 
schlichter aber wirksamer weise seine originellen ideen. Er- 
gänzt wurden diese vortrage auf eigne weise durch das philo- 
logische seminar: beides, Vorlesungen wie seminar, Verpflichtun- 
gen, welche vielen aufwand an zeit erforderten. Aber neben dem 
ausarbeiten von heften beschäftigt Böckh in dieser zeit noch viel 
andres: denn von 1817 an wird als wäre versäumtes nachzuholen 
eine ganze reihe von umfangreichen meisterwerken vollendet, 
deren jedes in die zeitgemäße neugestaltung der classischen phi- 
lologie mächtig eingreift: zuerst 1817 die Staatshaushaltung der 
Athener (zweite aufläge 1851): dies werk wurzelt in Fr. A. 
Wolfs ausgäbe der Leptinea und vor allem wie der Hellen, von 
dem es ein theil sein mag, in dessen auffassung der classischen 
philologie; es entwickelte, indem es der von Niebuhr, dem es 
gewidmet ist , scharfsinnig und lebensvoll durchgeführten erfor- 
schung des altrömischen Staatslebens volle rechnung trug, selbst- 
ständig unter sorgfältigster benutzung aller , den frühern zum 
theil unbekannt gebliebenen, quellen in lichtvoller darstellung 
die wirtschaftliche Organisation eines in voller kraft stehenden 
altgriechischen Staates nach allen ihren seiten hin, eine leistung, 
welche nur gelingen konnte mit einer bei dem Verfasser vor- 
handenen detaillirtesten kenntniß des gesammten griechischen 
lebens. Dadurch brachte es aber zunächst bei den philologen 
eine vollständige Umwälzung in der behandlung der hellenischen 
alterthümer hervor, wozu die von der erhebung des deutschen 
volks im jähr 1813 beeinflußte und für jede reform empfängliche 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckli. 239 



c Stimmung der zeit das ihrige beitrug; denn diese bis dabin 
•,„ein roher und unzusammenhängender wüst" erhielten jetzt den 
[Staat zu ihrem mittelpunkt, so daß sie sich zu einer darstellung 
<des entstehens und allmahligen wachsthums desselben gestalteten 
und zu einem wahrhaft nützlichen Hilfsmittel für die richtige 
erklärung und auffassung der schriftsteiler : — das werk be- 
; wirkte aber auch in andern lebenskreisen eine erfreuliche ände- 
rung in beurtheilung und Stellung der philologie ; denn es be- 
gehrte gelehrte andrer fächer so wie Staatsmänner, welcher nicht 
,zu unterschätzende nutzen aus den staatlichen einrichtungen des 
? alterthums für die Staaten der gegenwart gezogen werden könne. 
^Unerwartet wurde aber Böckh nach dieser so anziehenden ar- 
beit zu einer von ganz andrer art genöthigt, zu der herausgäbe 
der Pindarscholien oder dem ersten bände der zweiten abthei- 
Jung der ausgäbe Pindars ; sie erschien 1819: Ed. Gerhard 
nämlich hatte die herausgäbe übernommen, doch ein augenleiden 
zwang ihn zurückzutreten und so mußte Böckh sich dem müh- 
samen und unerfreulichen geschälte unterziehen. Trotz des un- 
igenügenden handschriftlichen materials gelang es seiner umsieht 
und ausdauer einen vielfach vermehrten und überall verbesser- 
fiten text herzustellen und somit ein noch heute für die erklä- 
rung Pindars unentbehrliches hülfsmittel zu schaffen. Freilich 
-jhaben neue funde und collationen so wie weitere forschungen 
^auf dem gebiete der scholienliteratur das mangelhafte der jetzi- 
gen Sammlung dargethan und wie wünschenswerth eine neue 
recension derselben sei klar erwiesen : doch bleibt Böckhs aus- 
gäbe eine äußerst dankenswerthe Vorarbeit und hat außerdem 
• t die diesem bände vorangestellte geschichte der erklärung und be- 
ühandlung der Pindarischen gedichte hervorgerufen: ist auch in 
jihr wegen der damals noch so gut wie gar nicht behandelten 
jgeschichte der altgriechischen grammatiker einzelnes zu verbes- 
sern , so muß doch das ganze als ein musterhaftes beispiel für 
^derartige Untersuchungen gelten und sehr bedauert werden, daß 
das glänzende beispiel so wenig nachfolge gefunden ; für jeden 
.der alten class'iker ist solche leistung eine nothwendigkeit. Gleich 
■ aach beendigung dieser ausgäbe ward die durch sie unterbro- 
chene ausarbeitung des erklärenden commentars zu den epini- 
vkien wieder aufgenommen , des zweiten bandes der zweiten ab- 
jtheilung der ausgäbe; doch ließ sie Böckh auf kurze zeit zu- 



240 44. Bekker uud Boeckh. Nr. 3. 

rücktreten, um durch die herausgäbe der fragmente des pytba- 
goreers Philolaos eine in Heidelberg begonnene Studie zu ende 
zu führen : es war das seine art einen zu bearbeitenden schwie- 
rigen stoff lange mit sich herumzutragen und zu durchdenken. 
Böckh sah nämlich die uns erhaltenen bruchstücke dieses deu- 
kers als den einzigen lichtpunkt in dem labytinthischen gewirre 
der nach richten über die pythagoreische schule an und meinte 
durch eingehende erklärung der fragmente das dunkel, das diese 
schule umgab, aufhellen zu können, jedenfalls ein origineller ge- 
danke, der auch eine Zeitlang allgemeinen beifall gefunden hat. 
Doch tieferes eindringen in die Satzungen der alten philosophen 
ließ allmählich zweifei an der richtigkeit der ausführungen 
Böckhs aufkommen ; man lernte die alte terminologie näher 
kennen und stieß sich nun an gar manchem ausdruck in den 
fragmenten : entscheidender wirkte genauere kenntniß des dori- 
schen dialekts; denn der in den fragmenten herrschende doris- 
mus ergab sich als gar keiner; auch hatte man, als Böckh sein 
büchlein schrieb , keine klare Vorstellung von der art und dem 
umfang der in Hellas in vorchristlicher zeit betriebenen fäl- 
schungen : also was von den bruchstücken echt, ob überhaupt 
etwas echt , steht noch zu untersuchen , als sicher dagegen darf 
gelten, daß der faden des Philolaos, an dem wir aus dem py- 
thagoraischen labyrinth haben herausgeführt werden sollen, sich 
als ein zu wenig dauerhafter erwiesen : Böckh hat hier einmal 
seiner zeit, der er sonst vorauszueilen pflegt, und ihrer schwäche 
seinen tribut wie jeder andre sterbliche entrichten müssen. Nach 
dieser abschweifung ward mit verdoppeltem eifer die arbeit am 
Pindar-commentar wieder aufgenommen: 1821 lag der ganze 
band im druck vollendet vor dem erstaunten publicum. Unter- 
stützt war Böckh dabei von Ludolph Dissen , vom anfang der 
ausgäbe an deren treuer begleiter : Dissen nämlich und Böckh 
hatten sich in Göttingen , wohin letzterer wegen der Verwandt- 
schaft seiner gattin sich öfter begab, in jungen jähren, um 1810, 
kennen gelernt und überrascht durch die Übereinstimmung ihrer 
auf verschiedenem wege erlangten ansichten über philologie so 
wie in der wähl ihrer lieblingsstudien , der griechischen poesie 
und vor allem Piatons, sich eng an einander geschlossen: daher 
also die Vertrautheit Dissens mit den ansichten Böckhs; da er 
nun , ebenfalls ein warmer verebrer Schleiermachers , auch die 



<Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 241 

5 ansichten Böckhs über exegese vollkommen billigte , so hatte er 
sich gern zur theilnahme an der Pindararbeit entschlossen und 
, die erklärung der Nemeen und Isthmien übernommen: daher 
also die im commentar so merkwürdige Übereinstimmung in den 
L die erklärung leitenden grundideen. Aber die hauptarbeit fiel 
darum doch Böckh zu : die für eine würdige erklärung der ge- 
: dichte unumgänglich nothwendigen historischen und chronologi- 
schen Untersuchungen hat dieser allein geführt und überhaupt 
cfußt Dissen schon auf Böckhs commentar und baut auf diesem 
j weiter, weshalb seine erklärung im einzelnen zusammenhängen- 
der, gefeilter, ich möchte sagen ruhiger erscheint, als die Böckhs, 
.dessen commentar mehr einem kühnen, großartigen ersten wurf 
^ähnelt, der jedoch fast immer wunderbar sicher das ziel trifft. Böckh 
.ist demnach der hauptbegründer dieses commentars und man über- 
treibt nicht mit der behauptung , daß seit den großen Alexan- 
drinern, Aristophanes und Aristarch , kein gelehrter an die er- 
.klärung Pindars mit solcher gelehrsamkeit , solchem congenialen 
jblick und solchem erfolg herangetreten ist als Böckh. Sonach 
{war es kein wunder, wenn jetzt eine völlige Umwälzung in der 
l( beurtheilung des dichters entstand : vorher sprach man von der 
.ärmlichkeit des Stoffes, der zu abschweifungen geführt habe, be- 
-klagte den mangel an Zusammenhang und fand lyrische spränge, 
[3ah überall schwulst und phantastischen taumel : jetzt mußte 
ijQian von alle diesem das gegentheil zugeben ; denn der stoff er- 
giebt sich als ein reicher, der sieger nämlich und sein geschlecht 
[.mit dessen geschichte und ahnen , welche mit den göttern und 
£ heroen verkehrten , der sieg selbst und die Vaterstadt des sie- 
igers , sie alle bilden das historische fundament des gedichts : 
[des dichters aufgäbe und pflicht ist es dies genau zu kennen, 
Üss dann von seiner ethischen seite aufzufassen und dadurch zu 
dem ethischen grundgedanken zu gelangen, der die einheit des 
gedichts bildet ; denn nach diesem ordnet und behandelt er den 
>toff und zwar nach den gesetzen der lyrik : als ein erstes ge- 
r>etz gilt , daß der sieger durch mythen verherrlicht und auch 
r lie grundidee, wenn nöthig , durch mythen zur anschauung ge- 
bracht werde: die mythen sind also nicht um ihrer selbst willen 
f la, sondern dienen der grundidee, so daß durch diese der engste 
Zusammenhang aller theile des epinikion entsteht, wodurch das 
gedieht statt eines gelegenheitsgedichtes zu einem freien, idealen 



242 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

gebilde einer geregelten phantasie sich erhebt. Diese theorie 
und ihre gesetze, auf welche Pindar in den gedienten selbst hin- 
weist, hat er aber nicht selbst erst erdacht, sondern sie hat er gelernt ; 
denn seit früher zeit sind in Hellas durch die musischen schu- 
len feste grundsätze für die (JovarAij geltend geworden, von de- 
nen besonders die des Terpandros und der lesbischen schule 
auf die chorische lyrik eiufluß gewonnen haben : sie hinderten 
ihrer beschaffenheit wegen nicht die freie entwicklung der In- 
dividualität des dichters , waren vielmehr wie das metrum eine 
wohlthätige fessel. So steht denn Pindar als der selbststän- 
digste Vertreter echt griechischer kunst da und der grundsatz : 
besonnenheit in der begeisterung , tritt in seinen Schöpfungen 
überall unverkennbar hervor. Diese hier skizzirte methode in 
jedem gedichte Pindars befriedigend durchzuführen ist noch 
nicht gelungen , die arbeit also noch nicht beendet , aber der 
weg zur Vollendung zu gelangen gewiesen. Gerade um diesen 
weg recht deutlich darzuthun , schrieb Böckh 1821 und 1822 
die berühmten abhandlungen über die kritische behandlung der 
pindarischen gedichte (Kl. schrift. bd. V), welche wenn gleich 
nach seiner art anspruchslos geschrieben, jetzt, wo die ausgäbe 
vollendet vorlag, jedwedem ihre großartige eigenart anschaulich 
machen mußten. Einen gleichen zweck verfolgten die 1824 
und 1828 geschriebenen, später (1843) in einer ausgäbe des 
Stücks wiederholten abhandlungen über die Antigone des So- 
phokles ; sie erwiesen, wie die aus den Untersuchungen über Pin- 
dars metrik, diction und composition gewonnenen resultate auch 
auf die griechischen tragiker Anwendung fänden, ein ziel, dem 
auch eine reihe von vorreden zu den lectionscatalogen dienten 
und dadurch den weg zu einer tiefern auffassung der griechi- 
schen tragödie bahnten. Indeß erschöpft das bisher gesagte 
Böckhs thätigkeit in den jähren 1811 — 1827 noch nicht: da er, 
wie schon bemerkt, neben dem vollenden des einen werkes Vor- 
bereitungen und theilweise ausführungen zu einem andern wo ! 
möglich großartigem zu betreiben pflegte, so gingen neben dem 
bisher besprochenen mancherlei Studien für die 1814 von der 
academie der Wissenschaften zu Berlin zur förderung der alter- 
thumsstudien beschlossene Sammlung der griechischen Inschriften 
her; denn die ausführung dieses so dankenswerthen Unterneh- 
mens war Böckh unter beistand von I. Bekker, Buttmann und 



•|Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 243 

Schleiermacher übertragen, ein wissenschaftlich sehr schwieriger 
jauftrag, welcher zugleich wegen der mit ihm verbundenen masse 
von arbeiten rein geschäftlicher natur eine ganz eigenartige ge- 
jwandtheit und arbeitskraft erforderte: alle diese Schwierigkeiten 
jhat Böckh in der that siegreich überwunden. Die aufgäbe äu- 
[ßerte sofort ihren einfluß auf seine wissenschaftliche thätigkeit; 
tdaher wohl die benutzung der inschriften in der Staatshaushal- 
-tung, ebenso die behandlung einiger derselben in den vorreden 
jzu den lectionscatalogen (Kl. schrift. IV); daher aber auch be- 
sonders von 1822 an die verhältuißmäßig geringe anzahl von 
^beitragen zu den abhandlungen der academie der Wissenschaften : 
^geschrieben ist außer dem schon angeführten 1817 die abhand- 
jilung über den unterschied der attischen lenäen , anthesterien 
Ha-, s. w. , 1818 die über die Zeitverhältnisse in der Midiana, 
i,1821 die erklärung einer ägyptischen Urkunde auf papyrus in 
^griechischer cursivschrift, der erste versuch dieser art : sie alle 
»Kl. schrift. V) beseitigten vielbestrittene probleme der alter- 
^thumswissenschaft glücklich und gründlich; dies also ungefähr 
itlas, was neben dem inschriftenwerk herging, von welchem schon 
11825 das erste heft, am ende von 1827 der erste folioband des 
'Üorpus inscriptionum graecarum vollendet vorlag, ein riesenwerk, 
blas unsre quellen durch bis dahin schwer zugängliche wie durch 
,;ieu aufgefundene und kritisch behandelte inschriften erheblich 
vermehrte, dadurch wissenschaftliche behandlung der griechischen 
tipigraphik ermöglichte und in Verbindung mit den ausführungen 
i;md bemerkungen des herausgebers fast jeden zweig der pkilo- 
ifogie in überraschender weise förderte und bereicherte. Jetzt frei- 
lich kann die ganze große der leistung leicht unterschätzt werden ; 
rfie methode für behandlung der inschriften ist bekannt, viel für 
wie nöthiges gemeingut durch Böckh geworden, sehr viel hat sich 
m der herbeischaffung und darstellung der inschriften glück- 
lich verändert, ich denke an die abklatsche und ähnliches, wor- 
über Hübner ein besonderes büchlein geschrieben (Berlin , W. 
;;üertz, 1881), an die fast verschwundene varia lectio, vor allem 
m den segen des Deutschen reichs (vrgl. Philol. anzeig. IX, 1, 
o. 2 flgg.); denn wo früher der Deutsche nur um eine kleinig- 
i^eit zu erreichen sich bücken und drücken mußte, da steht er 
üetzt geehrt und wird durch erfüllung seiner wünsche zu ver- 
landen gesucht: .dies alles macht jetzt die arbeit an inschriften 



244 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

um vieles leichter, als sie damals war. Aber was wir, daß es 
jetzt geschehe, verhüten wollen — verkennung — das geschah, 
als das erste lieft erschien: denn die meinungsverschiedenheit, 
welche über die behandlnng der philologie so wie über einzelne 
namentlich metrische fragen zwischen G. Hermann und Böckh 
entstanden und mancherlei polemik hervorgerufen hatte, veranlaßte 
erstem zu einer leidenschaftlichen recension : in dieser griff er das 
erste lieft des Corpus heftig an und verwarf Böckhs behandlungs- 
art der inschriften überhaupt so wie vieles einzelne gänzlich. 
Böckh schmerzte dies verfahren : gern hätte er mit G. Hermann, 
den er „seines wissens wegen" selbstverständlich schätzte, in 
frieden gelebt: jetzt mußte er entgegnen: von natur nicht streit- 
lustig that er es widerwillig, weil er solche zum guten theil 
persönliche polemik als der Wissenschaft schädlich haßte: miß- 
billigte er doch jetzt besonders vor Jüngern, was er derartiges 
einst Pind. I, 2, p. 324 flgg. geschrieben : er setzte daher, nach- 
dem er eine antikritik (Kl. schritt, VII), eben kein meisterstiick, 
geschrieben , im vertrauen auf seine gute sache und die recht- 
fertigende kraft der zeit den streit nicht fort, veranlaßte auch 
M. H. E. Meier, die stärksten stellen in einer Streitschrift ge- 
gen G. Hermann zu streichen (Briefw. zw. Böckh und K. 0. 
Müller p. 189); dagegen bemühte er sich aus dem tadel de3 
gegners nutzen für die Wissenschaft zu gewinnen : daher also 
manche lehrreiche erörternng in den nachtragen zum ersten 
bände des Corpus, daher zum guten theil die gestalt der classi- 
schen vorrede zu demselben ersten bände, daher die ausgezeich- 
nete abhandlung über die logisten und eutbynen (Kl. Schriften 
bd. VII): diese wie die folgenden hefte des Corpus blieben ohne 
anfechtung, doch wohl auch eine Anerkennung des wertlies des 
ersten heftes : ohne kämpf kommt bei uns selten die Wahrheit 
zu ihrem recht. 

Sechszehn jähre sind somit verflossen , seit Böckh sein amt 
in Berlin angetreten: das was in Heidelberg, in Halle auf grund 
von Karlsruhe gedacht und begonnen, steht in seltner Vollen- 
dung vor unsern äugen , in ihrer art einzige , bis jetzt unüber- 
troffene werke, daneben die treue und glänzende erfüllung der 
pflichten des docenten : — es waren an Schöpfungen mannigfacli- 
eter art reiche jähre. Und doch nicht unbeaingt die reichsten ; denn I 
überblicken wir die nächsten zwanzig jähre, 1828 — 1848, so 



Jr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 245 

leiben die äußern bedingungen für Böckh so ziemlich dieselben : 
eden und geschäfte mehren sich zwar durch Übernahme des 
ecretariats der academie der Wissenschaften, 1834, aber arbeiten 
i ermindern sich durch beschränkung der Vorlesungen seit 1826, 
; urch abgäbe der vorreden für die lectionscataloge , 1843 . da- 
egen verlangt was in diesem Zeitraum literarisch geschaffen 
; 'ird, eine wo möglich erhöhte arbeitskraft , da es sich auf ent- 
igene, dunkle gebiete erstreckte, nicht bloß die philologie, son- 
dern auch andre zweige des wissens zu fördern bestimmt war. 
ijnmittelbar nach abschluß des ersten band es des Corpus ward 
; er zweite in angriff genommen ; die behandlung blieb natürlich 
:i ie im ersten: daher hier ebenfalls Untersuchungen größern 
:tnfangs, welche das neu gewonnene material verwerthen und 
ins bis dahin brach gelegenen feldern reiche erndten erzie- 
Lüb 5 doch entstand aufenthalt und Störung durch die unvor- 
hergesehene häufung des materials : Griechenland, das sich mehr 
;"ad mehr ordnete , förderte aus schutt und trümmern nicht ge- 
bnte schätze an das tageslicht, welche schleunige veröffentli- 
;iung erheischten: so sandte 1835 (Briefwechsel zwisch. Böckh 
nd K. 0. Müller p. 347) L. Roß aus Athen äußerst wichtige 
rkunden über die flotte und das arsenal der Athener und trotz 
3r Schwierigkeit ihrer behandlung erschienen sie 1840 als dritter 
jind der in Vorbereitung befindlichen zweiten aufläge der Staats- 
aushaltung der Athener auf das sorgfältigste ergänzt und er- 
;utert. Solche arbeit neben dem zweiten folioband des Corpus 
{ußte, wenn sie auch noch so sehr lohnte, doch ermüden und 
teunde hörten zuweilen die klage „wozu werde ich noch lust ha- 
]in, wenn diese arbeit beendet ist"; aber die bei ihm immer 
i, ge forschungslust kannte das kräftigungsmittel , nämlich eine 
s»dre recht schwierige arbeit. Bei den Vorbereitungen zu der 
/eiten oben erwähnten aufläge der Staatshaushaltung der Athe- 
t\t hatte Böckh wegen abweichender ansichten andrer gelehrter 
je abschnitte des ersten buchs über münze und gewichte ei- 
ir erneuten prüfung unterzogen: der gegenständ, auch seinen 
iithematischen neigungen entsprechend, zog ihn an, ward in 
|j;r stille jähre hindurch mit freunden vielfach erwogen und 
; ötzlich überraschten die gelehrte weit die Metrologischen 
itersuchungen, 1838, ein werk unermüdlichen und penibel 
rgfältigen fleißes ; es gab für die historische zeit von Hellas 
Philol. Anz. XVI. 17 



246 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

und Rom und den von diesen abhängigen ländern überraschende 
aufklärungen über den staat wie das tägliche leben betreffende 
Verhältnisse characteristischster art, wie über die censussätze des 
Servius Tullius, die verschiedenen münzfüße, die geldreductiouen, 
führte dann aber in andere erdtheile und in mythische zeiten, 
nämlich von Hellas nach Phönikien und Karthago , von da zu 
den Babyloniern und Aegyptern und deren seit uralter zeit 
eng verbundenen pristerschaften : indem nun der Zusammenhang 
zwischen allem diesen an der band der gewichte, münzfüße und 
maaße nachgewiesen wird, eröffnet das werk ungeahnte sichere 
blicke in das dunkel der ältesten culturentwicklung de** men- 
sch engeschlechts , verfährt dabei aber im gegensatz zu der bis- 
herigen behandlung dieser alten zeiten überall besonnen und nach 
fester methode : welchen überwältigenden eindruck das buch bei 
seinem erscheinen machte , kann die anzeige K. 0. Müllers in 
den Götting. gel. anzeig. 1839, st. 94 flgg. vergegenwärtigen; 
das buch war und bleibt durch seinen inhalt wie durch die vol- 
lendete form ein gegenständ ungetheilter bewunderung. Obschon 
dies werk auch wegen des vielen wiegens und messens und 
rechnens mehr als andre andauernd beschäftigte, fand sich doch 
1832 zeit für die lange zurückgehaltene abhandlung über die 
Atthis des Philochoros, da der Verfasser immer fürchtete, bruck- 
stücke übersehen zu haben, dann 1834 für die über das ver- 
mögen des Apollotempels auf Delos, ein wie die 1835 über die 
Schatzmeister derAthenäa geschriebene für die Staatshaushaltung 
wichtiger stoff, 1836 die über die merkwürdigen inschriften von 
der insel Thera, 1839 die über die schwere des wassers, welche 
beweise der seltensten belesenheit aufweist, ja es fand sich auch 
zeit zu beitragen für die 1827 in Berlin zur stütze einer partei 
gegründeten Jahrbücher für wissenschaftliche kritik, so 1827 die 
recension über Brönstedt's reisen in Griechenland, welche unter 
anderm zuerst das wesen der priesterschaft auf Keos entwickelte, 
1830 die kritik von Dissens ausgäbe des Pindar, 1835 von G. 
Hermanns schrift de officio interpretis, in der er seine auffassung 
des wesens der philologie der seines gegners entgegenstellte, 
alles Schriftstücke epochemachender art (Kl. schrift. V. VI. VII). 
Doch von 1839 an concentrirt sich Böckhs thätigkeit auf das 
Corpus, so daß 1843 der viel stärkere zweite band plötzlich 
beendet war, jedoch mit einer vorrede, in welcher der heraus- 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 247 

geber den entschluß aussprach, die weitere herausgäbe jungem 
kräften zu überlassen : Böckh hatte nun dreißig jähre hindurch 
die last allein getragen und das werk, welches nach dem plane 
der academie ein förderungsmittel der philologie sein sollte , zu 
einer epochemachenden förderung dieser Wissenschaft erhoben : 
die behandlung der inschriften selbst , die menge der in dem 
riesenwerk niedergelegten paläographischen , sprachlichen beson- 
ders dialektischen , historischen , archäologischen , literarischen 
ausführungen größter bedeutung lassen darüber keine zweifei zu: 
kein zweig der philologie ist , wie schon oben bemerkt , durch 
dies werk ohne förderung geblieben. Nach alle diesem führte 
Böckh auch in diesen jähren gleichzeitig verschiedene Untersu- 
chungen, ein verfahren, welches vor einseitigkeit schützte; denn 
bei der einen Untersuchung waren nun im geiste des forschers 
auch andre theile des alterthums , auch wohl das ganze alter- 
thum lebendig und gegenwärtig und davon die folge, daß die 
ausführungen und resultate dem wesen des alterthums entspra- 
chen und das richtige immer trafen. Dies verfahren hielt Böckh 
auch in der folgenden zeit fest : gab er auch das Corpus nicht 
mehr heraus, so sagte er sich doch keineswegs von der fortse- 
tzung desselben los : im gegentheil, er schrieb, luden dazu stoffe 
ein , auch fernerhin epigraphische abhandlungen (Kl. schrift. 
bd. VI), unterstützte seine nachfolger bereitwillig mit rath und 
that : daneben aber ward die nun freiere zeit auch jetzt von 
dem nun an der schwelle des greisenalters stehenden zur 
förderung schwieriger philologischen aufgaben und probleme ver- 
wandt: so gab er 1845 die Antigone des Sophokles mit deut- 
scher Übersetzung und den oben erwähnten wichtigen , jetzt re- 
vidirten abhandlungen heraus, wovon 1881 eine zweite vermehrte 
aufläge erschienen : veranlaßt war dies buch durch die im an- 
fang der regierung Friedrich Wilhelms IV lebhaft betriebenen 
versuche zur Wiederbelebung der antiken tragödie : der werth der 
künstlerisch nicht bedeutenden Übersetzung liegt darin, daß man 
aus ihr erkennt, wie schwierige stellen von Böckh aufgefaßt sind. 
Aber auf ganz anderm und viel schwierigerm gebiete bewegte 
sich und vertrieb das dunkel das in demselben jähre 1845 er- 
schienene buch „Manetho und die hundsternperiode , ein bei- 
trag zur geschichte der pharaonen", also behandlung der ägyp- 
tischen Chronologie , ein schon im alterthum verwilderter stöff 

17* 



248 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

und durch die seit beginn unsrer Zeitrechnung unter den ge- 
lehrten herrschend gewordenen unhistorischen principien , sowie 
durch arge fälschungen ein tummelplatz haltloser Systeme und 
vager hypothesen : ich brauche nur an Panodoros und das Sothis- 
buch, an die so ungleichen angaben bei Julius Africanus und Eu- 
sebius zu erinnern : an dieser Sachlage hatten die forschungen 
neuerer zeit wenig geändert; denn wenn auch, während früher 
die verschiedenen Systeme nach Jahrtausenden divergirten , die 
divergenz jetzt sich nur auf Jahrhunderte belief, war doch nicht 
anzunehmen , daß die forschung an dem gewünschten ziele an- 
gelangt sei. Böckhs buch erregte nun gleich dadurch zutrauen, 
daß es von Manetho ausging, dem bewährtesten unter den alten, 
und daß es den kyklen oder zeitkreisen die gehörige aufmerk - 
samkeit schenkte : er fand dann auch , daß die von Manetho 
aufgeführten dynastien mit ihren Zahlenreihen nach dem an den 
für die Aegypter bedeutungsvollen frühaufgang des Sirius 
geknüpften zeitkreise (hundsternperiode) geordnet, also jene 
angaben nicht als eine historische Überlieferung, sondern als 
das resultat der forschung eines gelehrten zu betrachten 
seien , ein nachweis , durch den erst methode und Sicherheit in 
die ergründung der ägyptischen Chronologie gekommen ist. Da- 
neben waren stellen der alten zuerst richtig erklärt, die quellen 
geprüft und der werth derselben , wie der der epitome des Ju- 
lius Africanus , zuerst richtig bestimmt , das echte von den fäl- 
schungen geschieden und den letztern das Sothisbuch zugezählt, 
endlich weittragende ideen ausgesprochen, welche spätem for- 
schem als leitsterne gedient haben. Natürlich kann hier, wo 
fortwährend neue quellen massenhaft zuströmen , im einzelnen 
gar manches jetzt berichtigt , auch verworfen werden : aber es 
sind feste anhaltspunkte durch diese Untersuchungen geschaffen 
und damit durch Böckh von neuem für den unbefangenen der 
beweis geliefert, daß die an den alten classikern erlernte me- 
thode überall in gelehrten Untersuchungen sich als die sicherste 
führerin erweist und daß namentlich theologen ihren eignen vor- 
theil völlig verkennen , wenn sie von der classischen philologie 
sich abwenden und sie zurückzudrängen sich bemühen. Aber 
um des Orients willen vernachlässigte Böckh Athen und Hellas 
nicht: rieth doch die zweite aufläge der Staatshaushaltung das 
Staats- und gemeindeleben Athens wohl im äuge zu behalten ; 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 249 

daher dann 1847 die schöne „Ueber zwei attische rechnungs- 
urkunden" überschriebene abhandlung (Kl. schrift. bd. VI) ; die 
inschriften beziehen sich auf die zwei in die schlacht bei Sy- 
bota eingreifenden athenischen flotten und die ausgaben für 
diese; die erläuterung ihres inhaltes führte zu betrachtungen 
über den attischen kalender , zu beitragen zur geschichte des 
attischen mondjahrs, zur erörterung der Zinsenzahlung und ähn- 
lichen verfänglichen fragen. Es wäre ohne zweifei mehr zu ver- 
zeichnen , hätte sich nicht der politische horizont so sehr unizo- 
gen: das wüste jähr 1848, für Berlin so verhängnißvoll, störte 
und lähmte jeden patrioten in seinem tbun : wie Böckh in die- 
sen schweren zeiten dachte, mag folgende stelle aus einer 1849 
gehaltenen rede veranschaulichen : ,, möchte das geschlecht der 
Hohenzollern den deutschen süden , welchem es entstammt, und 
den norden, wo es durch tapferkeit, Weisheit , gerechtigkeit und 
i milde seine macht erworben hat , die herzen gewinnend versöh- 
i nen und mit gleichem rühm und glücklicherm geschick als das 
i begabte haus seiner alten burgnachbarn, der Hohenstaufen, wie 
des preußischen so des germanischen namens glänz verbreiten" 
(Kl. schrift. II, p. 48) 

So schloß diese zwanzigjährige periode in Böckhs leben 
trüb und sorgenvoll ab : doch allmählich gelangten nach man- 
cherlei noth und unbill besonnenheit und Ordnung wieder zur 
herrschaft und mit ihnen auch die für gelehrte arbeiten wün- 
schenswerthe (vrgl. Kl. schrift. VI, p. 152) ruhe: sie benutzte 
in den ihm noch vergönnten neunzehn jähren Böckh um so eifri- 
ger und freudiger, als er sah, wie Preußen und somit Deutsch- 
land sich zusehens consolidierte und festigte. Denn es erschien 
nun 1851 nach fünfzehnjähriger Vorbereitung die zweite auf- 
läge der Staatshaushaltung der Athener, selbstverständlich mit 
vielen durch die masse neuer quellen und die Schriften andrer 
gelehrten veranlaßten Zusätzen und berichtigungen; aber in den 
eigentlichen resultaten , was nicht genug hervorgehoben werden 
kann, so gut wie gar nicht verändert; denn darin liegt ein 
sprechender beweis für die trefflichkeit der angewandten me- 
thode und für die ruhige Überlegung und umsieht, mit der Böckh 
bei seinen produetionen verfuhr : das werk, mit der jetzigen for- 
schung in unserer Wissenschaft auf das engste verbunden, bleibt 
ihr unentbehrlich. Gleich darauf galt es für Piaton thätig zu 



250 44. Bekker und Boeckb. Nr. 3. 

sein: es erschien nämlich 1852 die schrift : ,, Untersuchungen über 
das kosmische system des Piaton, mit bezug auf Gruppes kosmische 
Systeme der Griechen", also ein stoff, an dem Böckh sich schon in ju- 
gendlichem alter versucht hatte ; überhaupt achtete er sehr darauf, 
ob für die von ihm literarisch behandelten materien neue quellen, wie 
inschriften, neue ansichten von bedeutung bei neuern hervortraten: 
geschah dies , so suchte er durch dieselben seine ansichten zu 
erhärten, zu erweitern , wenn nöthig zu verbessern oder zu mo- 
dificiren : daher 1852 die abhandlung über die tributlisten der 
Athener, 1854 die über Catos gedieht de moribus , welche me- 
trisches erörterte, daher in demselben jähre die über das baby- 
lonische längenmaaß , ein stoff , der ihm damals gerade zusagte, 
wo ihn, den greis, astronomische und verwandte Studien fast ganz 
in anspruch nahmen, so daß man sagen darf, je älter Böckh 
wurde, desto schwieriger und grämlicher auch die probleme, de- 
ren lösung er sich vorsetzte ; dies zugleich auch dafür ein be- 
weis , daß er, für den fortschritt und das neue stets empfäng- 
lich, mit seinen forschungen immer auf der höhe der zeit stand, 
kein stillstand also bei ihm wahrzunehmen war : so verfaßte er 
1855. 1856 abhandlungen zur geschichte der mondcyclen der 
Hellenen, Kleine Schriften bd. III, Fleckeis. Jahrb. für philol. 
u. pädagog. Suppl.-bd. I. II. u. f., aufgaben, welche wie da- 
mals so auch heute noch die scharfsinnigsten köpfe der philolo- 
gen nicht ruhen lassen ; denn auch das war ein resultat von 
Böckhs wirken, daß er mit seinen forschungen nicht allein stand, 
während früher für diese kaum ein recensent zu finden war: 
die controversen , welche aus dieser theilnahme entstanden, ver- 
folgte er unermüdlich und daraus erwuchs sein letztes buch 
1863: ,,Ueber die vierjährigen Sonnenkreise der alten, vorzüg- 
lich den Eudoxischen. Ein beitrag zur geschichte der Zeitrech- 
nung und des kalenderwesens der Aegypter, Griechen und Rö- 
mer", woran sich noch in demselben jabre eine abhandlung über 
des Eudoxos bestimmungen des auf- und Unterganges des Orion 
und des Kyon mit einem anhange über die auf- und Untergänge 
des Arktur und der Lyra (Kl. schrift. bd. III) schlössen : schwie- 
rige astronomische fragen und berechnungen , deren glückliche 
lösung der Verbindung von philologie und astronomie verdankt 
wird, einer Verbindung, wie sie seit Scaliger nicht wieder vor- 
gekommen war. Aber diese Verbindung lenkte wieder auf das 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 251 

, gebiet zurück , auf dem Böckh seine ersten schriftstellerischen 
y lorbeeren sich errungen hatte : 1864 schrieb er seine letzten ab- 
, kandlungen : „Piatons Timäus enthält nicht die axendrehung 
\ der erde" und dann: „Vom philolaischen Weltsystem" (Kl. schrift. 
y bd. III): mit dem Schriftsteller, von dem er in seinen Studien 
ausgegangen, schließt er dieselben: Piaton, dem er nach seinem 
, eignen ausspruch ein gutes theil seiner bildung verdankte, hat 
( ihn sein ganzes leben hindurch begleitet. Aber die arbeitskraft 
des in so hohem alter stehenden erweist sich auch dadurch als 
i ungebrochen, daß jetzt noch neben diesen anstrengenden arbei- 
j ten eine zweite nebenhergehen konnte, die Sammlung der kleinen 
: an so verschiedenen orten zerstreuten Schriften. Böckh ging an 
die ausführung dieses seit lange gehegten planes um 1856 und 
erwuchs ihm daraus und aus der revision der Schriften vielerlei 
arbeit: die herausgäbe selbst übertrug er Jüngern kräften: 1858 
erschien der erste band, der siebente und letzte 1872, ein 
Supplement, die ausgäbe der Antigone, 1884. Durch diese samm- 
; lung wurde ein guter theil dieser schriften , wie die reden , die 
vorreden zu den lectionscatalogen, recensionen u. s. w. dem größern 
und besonders dem Jüngern philologischen publicum erst bekannt, 
i und da sie alle mit derselben Sorgfalt und gelehrsamkeit wie 
die größern werke gearbeitet waren , trugen sie auch das ihrige 
dazu bei , die bewunderung und Verehrung , welche man schon 
lange dem großen philologen allgemein zollte , zu steigern und 
zu befestigen ; diese Verehrung brach überall unaufhaltsam aus, 
wo sich gelegenheit dazu bot : so bei den Versammlungen der 
philologen; als diese 1852 in Göttingen tagten und am Vorabend 
der Versammlung Böckh in den saal trat, ward er mit lautem, 
nicht enden wollendem jubel empfangen-, aber allgemeiner und 
nachhaltiger trat diese Stimmung am 15. märz 1857 zu tage, 
dem tage seines doctorjubiläums : alt und jung, hoch und nie- 
drig, philologen und nichtphilologen, alles wetteiferte, dem ver- 
ehrten gelehrten wohlverdiente huldigung darzubringen, s. Pin- 
iol. XI, p. 791 : natürlich, denn an solchem tage vergegenwär- 
tigt man sich die große des gefeierten zugleich mit dem woraus 
sie erwachsen, hier also das bestreben der philologie dadurch, 
daß er sie als die reproduction des lebens der beiden classischen 
Völker nach allen seinen richtungen hin auffaßte und nachwies, 
ihre hohe Stellung in der Wissenschaft zu sichern, dann das emi- 



252 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

nente wissen, das K. 0. Müller 1837 bitten ließ, Böckh möge 
bei dem jetzt bevorstehenden besuch ihn wieder über das viele, 
was er (Böckh) allein in der weit wisse, in die schule nehmen 
(Briefw. zw. A. Böckh und K. 0. Müller p. 399), die seltne 
sprachkenntniß, auf deren erwerb schon in Heidelberg, wie aus 
der abhandlung über die Verwandtschaft der buchstaben (Kl. 
schrift. bd. VI) zu ersehen , bedacht genommen war, die innige 
Vertrautheit mit der geschichte und dem leben aller alten cul- 
turvölker , vor allem mit dem der Hellenen und Römer , dazu 
die nie rastende thätigkeit und schaffungslust, aber dabei keine 
hast und Übereilung, vielmehr überall in den eignen Schöpfun- 
gen die größte ruhe und besonnenheit : siquid scribo, schreibt er, 
soleo omnia curiose pensitare et inter se conferre : quodsi quid ta- 
rnen erratum fuerit, humani aliquid mihi accidisse fateor, Pind. II, 1, 
praef. p. XXXIX, was auch die dem druck übergebenen manu- 
scripte durch die menge der in sie zum schrecken der setzer 
eingetragenen nachtrage und besserungen und sonstigen änderun- 
gen gründlichst bezeugen , Briefwechsel zw. A. Böckh und K. 
O.Müller p. 341; daher denn in allen Schriften, wenn auch die 
erste anregung zu ihnen von außen gekommen war , völlige 
Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von andern forschem, ohne 
jedoch deren Verdienste irgendwie zu verkennen. Allen diesen 
tugenden begegnet man recht sichtlich da , wo , wie so oft in 
unsrer Wissenschaft, die Überlieferung nicht ausreicht und durch 
combination ersetzt werden muß : da grade findet sich die um- 
sichtigste prüfung der quellen, das strengste festhalten der me- 
thode, auf welche Böckh überall das größte gewicht legt und 
deshalb stets weiß, wie weit er gehen darf, so daß er nie den 
boden unter den fußen verliert, ein vorzug , den er zum guten 
theil seinen philosophischen und mathematischen Studien ver- 
dankt. Daraus erklärt sich, weshalb er auf reconstruction alter 
poesien und Schriften aus deren uns erhaltenen überbleibsein nicht 
eingeht, eine Übung, die in neuerer zeit sehr beliebt, zu vielen täu- 
schungen und Übertreibungen anlaß gegeben : nur einmal hat er 
sich an dergleichen versucht, an den neu aufgefundenen frag- 
menten des Hyperides (Kl. schrift. bd. VII) : daraus erklärt 
sich ferner , warum er sich von der mythologie abwendet und 
sich in einem briefe an Welcker einen nnmythologischen men- 
schen nennt (Kekule das leben Welckers p. 430), weil ihn das 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckk. 253 

unmethodiscke und wirre in den Untersuchungen über sie ab- 
schrecke: er weiß wie schwer es hält, das für diese nöthige 
verhältniß des ältesten Hellas zum Orient zu bestimmen, er ahnt 
i wie noch gar viel entdeckt werden müsse, um das denken und 
dichten der ältesten Hellenen einigermaaßen zu ergründen. 
1 Dieses strenge festhalten an der methode empfiehlt das Studium 
von Böckhs Schriften gerade der jetzigen zeit , welche wegen 
mangelnder methode gar zu leicht an die stelle der Überliefe- 
rung und vorsichtigen combination luftige hypothesen setzen zu 
dürfen wähnt. Alle diese hier angedeuteten Vorzüge kommen 
allen Schriften Böckhs in gleicher weise zu, jede ist in sich ab- 
geschlossen und völlig reif, so daß von einer allmähligen aus- 
bildung, von entwicklungsstufen hier keine rede sein kann : die 
I Staatshaushaltung erscheint, ohne daß vorher von staatsalterthü- 
i mern gehandelt, der commentar zu Pindar, ohne daß vorher ein 
i andrer Schriftsteller commentirt worden , in den metrologischen 
i Untersuchungen ersteht zum ersten male eine vergleichende me- 
I trologie , ohne daß vorher vom Orient die rede gewesen wäre : 
■\ wie Athene schön und gerüstet aus dem haupt des Zeus plötz- 
j lieh unter die erstaunten götter tritt, so treten auch Böckhs schrif- 
I ten ohne sichtbare Vorbereitung unter das erstaunte publicum 
i nach inhalt wie foim in schönster Vollendung. Denn auch hin- 
I sichtlich der form verdienen diese Schriften alle anerkennung : 
\ klar und übersichtlich disponiert wird auch hinsichtlich des stils 
sowohl in den lateinischen als auch in den deutschen Schriften 
das richtige gefunden und dadurch ermöglicht , daß neben dem 
I fesselnden Stoff auch die über das ganze sich erstreckende kluge 
ft ruhe und wohlthuende milde ihre Wirkung nicht verfehlen ; 
i der deutsche ist in den wissenschaftlichen werken rein und 
■ schlicht, wie der mann selbst, in den gedankenreichen, über ge- 
■: genstände von allgemein wissenschaftlichem oder zeitgeschichtli- 
i chem und patriotischem interesse sich ansprechend verbreitenden 
■i reden ohne schwulst erhaben : dasselbe gilt vom latein : in den 
i büchern de metris Pindari ist es rein und sorgfältig und trotz des 
oft so spröden Stoffes überall durchsichtig und klar, durchweg aber 
\ elegant; für die reden (Kl. schrift. I. II. III) hat sich Böckh 
einen eignen stil geschaffen , nicht nach Cicero , sondern in er- 
wägung unseres geschmacks mehr nach mustern der silberneu 
\i latinität: beides setzt kenntniß der spräche und somit auch des 



254 44. Bekker und Boeckh. N. 3. 

volks in ihrem ganzen umfange voraus; denn hat Böckh auch 
nichts umfassendes über Eom veröffentlicht, so bot sich doch in 
seinen werken, wie im Corpus inscriptionum , der metrologie , in 
den vorreden zu den lectionscatalogeu, in recensionen häufig ge- 
legenheit, seine Vertrautheit mit den geschicken und dem wesen 
der Kömer zu beweisen : auch stammte er aus einer zeit, welche 
eine Scheidung der philologen in gräcisten und latinisten nicht 
kannte, eine Scheidung, die in der neuerdings öfter laut gewor- 
denen weise durchgeführt, den völligen verfall unserer Wissen- 
schaft herbeiführen müßte. Dies also gedanken, wie sie das Ju- 
biläum hervorrufen konnte ; erschöpfend sind sie nicht : sie sol- 
len nur dazu dienen , das vor ihnen hier gesagte zu vervoll- 
ständigen und klarer zu machen , wie Böckh „ein wissenschaft- 
liches genie von seltener begabung" gewesen ist. 

So viel von Böckh als gelehrten und alterthumsforscher : also 
ganz anders als der ebenfalls große Imanuel Bekker. Und 
ähnlicher Verschiedenheit bei gleicher tüchtigkeit begegnet man, 
betrachtet man Bekker und Böckh als bürger und menschen; 
nur in einem stehen sie sich da ganz gleich , in der das leben 
hindurch in ihnen lebendigen hinneigung und dankbaren Ver- 
ehrung zu Fr. A. Wolf: auch manche in den letzten lebens- 
jahren des letztern eingetretene Verstimmung hat derselben kei- 
nen abbruch thun können : Bekker wird in seiner art wortreich, 
findet sich , wie in der vorrede zu den Homerischen blättern, 
gelegenheit des genialen lehrers zu gedenken : die wenigen 
Avorte Böckhs im anfange der vorrede zum ersten bände des 
Corpus: meus oliin praeceptor (vgl. Kl. schritt. IV, p. 385) 
sprechen unverkennbar die treue anhänglichkeit an den rath- 
kundigen meister aus : so ergiebt sich auch hier ein nicht weg- 
zuleugnendes zeugniß edelster art für die gesinnungstüchtigkeit 
dieses triumvirats großer deutscher gelehrter. Sonst aber gehen 
hier wie gesagt beider wege und weise gar vielfach auseinander: 
im geräusch des bürgerlichen und öffentlichen lebens bleibt 
Bekker still und zurückgezogen , auch bei verkehr wie in ge- 
sellschaft spricht er als biedrer Deutscher nicht viel und auch 
das wenige nur auf aufforderung und gezwungen : theilnamlos 
ist er darum nicht ; konnte er doch auf scherz eingehen und 
über einen guten witz herzlich lachen : immer aber mied er die 
öffentlichkeit, so lange es mit der pflicht vereinbar war. Böckh 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 255 

dagegen liebt die geselligkeit , nimmt regen antheil an allem, 
was die Universität angeht , verfolgt aufmerksam alle bewegun- 
gen des öffentlichen lebens um sich an ihnen zu betheiligen, so- 
bald es die pflicht zu gebieten scheint. Als 1813 der könig zu 
den waffen rief, ließ Bekker als oberlieutenant des landsturms 
vor den thoren Berlins tüchtig exercieren , führte Böckh als 
hauptmann ebendahin eine compagnie , in welcher auch Butt- 
mann und Marheinecke dem ungewohnten Waffendienste oblagen : 
er erzählte noch später gern , welch eine freude entstanden, als 
Buttmann endlich einen tambour aufgetrieben , so daß die com- 
pagnie nun unter trommelschlag ausrücken konnte: als 1848 
wegen des kriegerischen lärms in Berlin ein corps von Studen- 
ten sich gebildet , berieth und leitete Böckh dasselbe , und be- 
mühte sich zugleich unablässig als mitglied eines wahlclubs auf 
gutgesinnte die wähl zu lenken. Und als die wogen sich etwas 
gelegt, neue Verhältnisse aber neue regelung erheischten, um 
welche leidenschaftlich gekämpft ward, strebte er nach maßgabe 
seiner Stellung unbeirrt durch irgendwelche einflüsse von unten 
oder von oben unausgesetzt dem gesetz und der Ordnung ihre 
geltung zu verschaffen , wofür besonders seine in deutscher 
spräche an der Universität gehaltenen reden (1847 — 1862) das 
lauteste zeugniß ablegen. Anhaltender beschäftigten die ange- 
legenheiten der Universität: er leitete das philologische seminar 
und ein pädagogisches, hatte für beide regelmäßig ausführliche 
berichte abzufassen, deshalb viel mit den arbeiten der mitglieder 
zu thun : er saß lange zeit im senat , verwaltete sechsmal das 
decanat der philosophischen facultät, war fünfmal rector, vielfach 
mitglied von commissionen , namentlich solchen , welche die Or- 
ganisation der Universität betrafen: als 1841 die academie die 
herausgäbe der werke Friedrichs des großen beschloß, blieb er 
für die redaction derselben stets thätig : in allen diesen so ver- 
schiedenen Stellungen erwarb er sich durch unparteiische, takt- 
volle beurtheilung der vorlagen wie durch geschäftliche gewandt- 
heit das vertrauen der collegen so wie das wohlwollen der vor- 
gesetzten behörde. Alles dies war nicht in Bekkers sinn , der 
das öffentliche leben mit seiner wirren unruhe unvereinbar glaubte 
mit den aufgaben des gelehrten , dagegen gereichte es ihm zu 
wahrer freude, konnte er in der stille mit rath und that nützen 
und wo möglich jedem der ihn um hülfe anging, diese gewähren. 



256 44. Bekker und Boeckh. Nr. 3. 

So berietk er mit Böckh schwierige inschriften, theilte Seidler 
werthvolle collationeu zu Aristophanes comödien mit, und als 
Lachmaun den text des ueu gefundenen Babrios constituhfce, 
half er wo man es wünschte — immer war er in schlichter, an- 
spruchsloser weise bereit, aus den schätzen seines Wissens mit- 
zutheilen und zu unterstützen, alles dies natürlich — ohne viele 
worte : kurz was der dichter vom biedern deutschen sagt : „ge- 
rad und ehrlich ist sein brauch, so wie er denkt, so spricht er 
auch", das gilt von Immanuel Bekker in vollstem maaße. Aber 
ebenso auch von Böckh : nur daß bei diesem all dies edle und 
schöne in größerer fülle auftritt. Schon die menge seiner Zu- 
hörer läßt dies erwarten : galt es einen fleißigen , talentvollen 
zuhörer zu fördern , so war er als guter professor mit seinem 
wissen, mit seiner geschäftskunde sofort zu helfen bei der band : 
waren es freunde, die seines raths oder aus anderm gründe sei- 
ner bedurften, so fehlte für diese die zeit nicht, sondern sorg- 
lichst und zu beiderseitiger Zufriedenheit wurden die geschäfte 
abgewickelt : das führte oft zu briefwechseln , welche wie der 
mit K. 0. Müller geführte die erhebendsten eiublicke in die gei- 
stige Werkstatt dieser großartig angelegten und großartig sich 
ausbildenden naturen thun lassen : e.'i führte aber auch zu druck- 
schriften, wie für Hirt zu dem büchelcheu über die Hierodulen, 
für Fr. v. Kaumer zu beitragen zu dessen antiquarischen briefen 
(Kl. schrift. VII): denn hoch hielt er, sehr hoch die treue ge- 
gen freunde; aber merkwürdig genug, zeit fehlte auch nicht für 
briefe an befreundete gebildete trauen, ein verkehr, den Böckh 
ähnlich hierin Wilhelm von Humboldt, seit früher Jugend bis 
in sein spätes alter mit Vorliebe pflegte. Bedenkt man dies, 
bedenkt man ferner die geschäftliche und die gewaltige gelehrte 
correspondenz und arbeit , so kann man nicht anders als diese 
unvergleichliche arbeitskraft mit staunen betrachten , welche ne- 
ben den anforderungen einer vielumfassenden Wissenschaft auch 
denen des praktischen lebens inmitten des geräuschvollen trei- 
bens einer hauptstadt gerecht zu werden verstand : sie setzt den 
besitz einer eignen kunst der zeitbenutzung voraus, für den hier 
nur eins angeführt werden mag, nämlich daß Böckh sich so 
gewöhnt hatte, daß wenn ihn beim schreiben mitten in der pe- 
riode, ich will sagen bei „und" ein besuch unterbrach, er nach 
weggang des oft lange dauernden ohne sich zu besinnen und 



Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 257 

ohne das vorhergehende nachzusehen fortfahren und das zu 
„und" gehörige wort setzen konnte; eine gewöhnung, durch 
welche wirklich eine zeitersparniß entsteht. Dies erinnert an 
das enorme gedächtniß, welches Böckh besaß und seine art zu 
arbeiten beeinflußt hat: er pflegte was er zu ediren gedachte 
lange zeit mit sich herum zu tragen und im köpfe zu verarbei- 
ten, dann aber rasch niederzuschreiben; so hat er die abhand- 
lung über die versmaaße des Pindar in zehn tagen schreiben 
können: dieselbe beneidenswerthe anläge hat, was man ohne 
seine ausdrückliche Versicherung kaum glauben würde, bewirkt, 
daß er seine solche massen von details enthaltenden werke ohne 
eigentliche collectaneen aus dem gedächtniß zu papier gebracht 
hat: Briefw. zwisch. A. Böckh und K. 0. Müller p. 352. Und 
dieser begabte, berühmte, mit ehrenbezeugungen aller art aus- 
gezeichnete mann vermochte in allen Verhältnissen des täglichen 
lebens nur schlicht, einfach, anspruchslos aufzutreten und deshalb 
auch nicht zu repräsentiren ; er war sogar mißtrauisch gegen 
sich selbst und ließ vor dem druck seiner arbeiten sie gern von 
andern lesen, las auch wohl selbst partien derselben oder ab- 
handlungen freunden vor (Briefw. zw. A. Böckh und K. 0. 
Müller p. 342), ließ sogar mich, weil er wußte, wie sehr ich 
Dissen verehrte, das manuscript der recension von Dissens Pin- 
dar (Kl. schrift. VII, p. 369) lesen, damit ich prüfe, ob etwas 
darin sei, was den freund verletzen könne. Alle diese schönen 
eigenschaften traten meines erachtens besonders klar und cha- 
rakteristisch in dem verkehr mit seinen zuhörern hervor; denn 
wer von ihnen als strebsam von ihm erkannt und mit seinem 
vertrauen beehrt ward, den behandelte er als einen seines glei- 
chen und ließ sich im verkehr mit ihm ganz gehen, ein beneh- 
men , das ihm immer die herzen der jungen leute für alle zeit 
gewann. Man hatte eine ansieht ihm mitgetheilt: „ach, was Sie 
sagen ist dummes zeug" ; aber der tadel kam so gutmüthig her- 
aus, daß man sich zur vertheidigung angeregt fühlte und dann 
auch angehört und freundlich zurechtgewiesen wurde. Im som- 
mer 1830 hörte ich griechische literaturgeschichte bei ihm: ei- 
nes mittwochs war Menander beinahe beendet und als am don- 
nerstag nach einigen worten eine stelle aus Eusebios angeführt 
werden sollte , stockte Böckh plötzlich : „Eusebios . . . meine 
herren, ich habe meine papiere vergessen : ich will morgen die 



258 44. Bekker und Boeckli. Nr. 3. 

stelle genau angeben" und nun ging es langsam, langsamer als 
sonst weiter zu Philemon : bei diesem beugte er sich zu dem 
hart am katheder rechts sitzenden zuhörer herab und fragte 
leise etwas, was dieser mit einem kopfschütteln beantwortete: 
kaum hatte sich Böckh wieder aufgerichtet, als die thür sich 
Öffnete, sein bediente hereintrat und mit einer Verbeugung sei- 
nem herrn papiere überreichte : ,, danke . . ich habe so eben 
meine papiere bekommen : Eusebius ist Praeparatio evangelica 
X, 4 : sonst bleibt alles, wie ich gesagt habe" , und fuhr dann 
unverkennbar mit erleichtertem herzen fort. Den nächsten Sonn- 
abend abends acht uhr ging ich zu Böckh, Behrenstr. nr. 72, II; 
zu dieser zeit war damals zuhörern gestattet ihn zu besuchen 
und raths sich zu erholen: nach der ersten begrüßung sagte 
ich mit jugendlicher Unbefangenheit: ,,aber herr geheimerath, 
vorgestern war doch der bediente ein wahrer deux ex machina^l 
,,Ja", versetzte er herzlich lachend, „das war er: ich war in 
der größten Verlegenheit: ich hatte soeben den Studenten neben 
mir gefragt, ob er nicht Passows grundriß bei sich habe; ich 
wußte wohl, was ich von den einzelnen komikern zu sagen hatte, 
ich wußte im augenblick nur nicht , wie die verfluchten kerle 
auf einander folgten!": solcher kraftausdrücke bediente sich 
Böckh in heiterer laune gern. Dazu muß ich bemerken , daß 
Böckh die literaturgeschiclite nach Passows grundriß las; ferner 
daß der bediente, ein schlauer Berliner, beachtet hatte, daß sein 
herr vor der Vorlesung papiere auf den tisch zu legen und 
diese dann mitzunehmen pflege: an jenem donnerstag geht er 
zufällig nach des herrn weggang in dessen zimmer und sieht 
die papiere auf dem tische liegen : halt, denkt er, der herr wird 
sie vergessen haben und wahrscheinlich ungern vermissen : steckt 
sie in die tasche und erscheint mit ihnen nun grade zur rechten 
zeit. Böckh stets offen und wahr , verhehlte seine augenblick- 
liche Verlegenheit selbst vor einem Studenten nicht: manch an- 
drer in gleicher läge hätte sich gerühmt, des heftes nicht be- 
durft zu haben. Bald darauf, in der ersten hälfte des august, 
hatte ich an Böckh drucksachen abzugeben : als ich an der thür 
klingele, höre ich, da die stubenthüre offen stand, ihn ärgerlich 
rufen: „wen führt denn der teufel da wieder her!"; gleich 
darauf erscheint der vorhin erwähnte bediente und erwiedert 
auf meine frage, ob der herr geheimerath zu sprechen: ,,ja, herr 



i| Nr. 3. 44. Bekker und Boeckh. 259 

j doctor, aber ist ihr geschalt auch kurzweilig"? „Freilich" ent- 

t gegne ich lachend und als ich in das zimmer trete, sehe ich Böckh 

ij im gallafrack stehen und werde kurz nach meinem begehr ge- 
fragt: ich gebe meine sacken ab und entferne mich schleunigst. 

I» Nach ein paar tagen suche ich ihn wieder auf um mich wegen 

j der eingetretenen ferien zu empfehlen : aber noch ehe ich etwas 

[ sagen kann , sagt er : „ach , lieber Leutsch , nehmen Sie mir 
nicht übel , daß ich Sie neulich so kurz abgefertigt habe ; der 

i wagen stand schon vor der thür und ich wollte grade wegfah- 

i ren, um mich zu verloben". Ich hatte natürlich nichts übel 

j zu nehmen, sprach vielmehr so gut ich es konnte, meinen herz- 

J lichsten glückwunsch aus und durfte dann mit ihm noch über 

: den kurzweiligen bedienten lachen. Böckh war zweimal glücklich 

i verheirathet , das erste mal mit Dorothea Wagemann aus Göt- 

I tingen , welche ihm der tod 1829 entriß, das zweite mal mit 
ii Anna Taube aus Berlin. So Böckh im leben , immer schlicht, 
n wahr, leutselig, eben so I. Bekker, beide bis an das ende ihres 

II lebens geliebt und hochgeehrt : jener entschlief sanft am 3. au- 
s gust 1867, I. Bekker folgte ihm nach schweren leiden aiu 7. 
ij juni 1871 , beide im festen vertrauen auf ihres gottes gnade. 
I Während ich dieses schrieb, mußte ich zweier edlen männer 
Ij gar oft gedenken , denen näher gestanden zu haben zu meinen 

erfreulichsten erinnerungen gehört, Karl Lachmann und Karl Ot- 
3 fried Müller; denn beide sind von den eben besprochenen meistern 
i angeregt und dann mit ihnen in enger freundschaft verbunden, 

beide eifrigst bestrebt gewesen , die Wissenschaft in großartiger 
I weise auf dem von jenen angebahnten wege weiter auszubauen 
; und zu fördern. Denn der erstere wandte Bekkers methode 
; selbstständig und mit glänzendem erfolge auf die lateinischen 
i dichter an und trug von natur nicht schweigsam in musterhaft 
i erörternden commentaren die originellen aus gründlichsten und 
i umfassendsten Studien gewonnenen resultate seiner forschungen 

ausführlich vor, wußte sich daneben auch eine der ersten stellen 
i unter den bearbeitern der altdeutschen literatur zu erkämpfen : 

von Karl Otfried Müllers geltung und bestrebungen liegt in 

den edlen 1827 geschriebenen worten Böckhs (Kl. schrift. VII, 
I p 323) das vollgültigste zeugniß vor: „K. 0. Müller mit den 

schönsten kräften des geistes und gemüthes und noch jung mit 

umfassender gelehrsamkeit ausgestattet , wird mich , den er als 



260 44. Bekker und Boeckb. Nr. 3. 

seinen lehrer anerkennt, weit hinter sich zurücklassen": dieser 
glaube schien sich erfüllen zu sollen, da die nächste zeit in 
rascher folge von Müller abhandlungen, werke (Etrusker, Hand- 
buch der archäologie der kunst) , ausgaben (Varro, Festus) be- 
deutendster art brachte : mußten später auch manche von seinen 
grundansichten über die geschichte und die zustände der alten 
weit aufgegeben werden , so liegt das nicht an der begabung 
ihres Urhebers , sondern in den gewaltigen fortschritten einer 
lebhaft betriebenen Wissenschaft, zu denen jedoch er selbst groß- 
artiges beigetragen , wie das viele zeigt , was von seinen for- 
schungen zum besten unserer Wissenschaft jetzt noch fest und 
unübertroffen dasteht: er selbst freilich dachte und hoffte nach 
seiner rückkehr aus den classischen landen auch dieses zu über- 
treffen und zwar zunächst durch eine auf zwölf bände berech- 
nete geschichte der Hellenen : sah er doch alle seine bisherigen 
Schriften nur als Vorbereitung zu diesem werke an, welches das 
herrlich ausgeführt haben würde, was Böckh mit dem Hellen 
zu thun gedacht hatte; aber die Vorsehung hat es anders be- 
schlossen : ehe er an die Verwirklichung seiner plane gehen 
konnte schied er ein opfer seines forschungseifers im rüstigsten 
mannesalter im fernen lande am 1. august 1840 aus dem leben. 
Gleiches mußten wir an Karl Lachmann erleiden : freilich in 
der heimath aber noch vor dem greisenalter erlag er nach 
schwerer Operation am 13. märz 1851 seinen leiden: viel schön 
geplantes ward auch mit ihm zu grabe getragen. Aber auch 
diese uns so früh entrissenen leben in der classischen philologie als 
unvergeßliche Vorbilder fort : eine Wissenschaft, in welcher solche 
geister wie die hier in kürze besprochenen gewirkt und durch 
ihre meisterwerke fortwährend großes wirken , wirkt und blüht 
in einem volke wie das deutsche nie ohne gerechte Würdigung 
und dankbare anerkennung zu finden: ja noch mehr: sie besitzt 
des volkes achtung und liebe und weiß sich dadurch untrenn- 
bar mit ihm verbunden : daher kann die classische philologie 
in Deutschland der znkunft mit ruhe entgegensehen: sie bleibt 
da, bleibt anders wahre cultur bestehen, auf festester grundlage 
ruhend unerschütterlich das, was sie in Wirklichkeit ist, ein uner- 
setzliches hülfsmittel für die höhere bildung der deutschen Ju- 
gend und damit eine unzerstörbare grundlage für die Veredlung 
der deutschen nation. Ernst von Leutsch. 



1 Nr. 4. Bibliographie. 261 

, Bibliographie. 

Mitteilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in 
Leipzig, 1886, nr. 1: künftig erscheinende werke: Aristotelis 

j qui ferebantur librorum fragmenta collegit Val. Rose] — Ae- 
schylos Perser. Erklärt von W. S. Teuffei. Dritte aufläge, be- 
arbeitet. von N. Wecklein; — Methodologische beitrage zur wie- 

• derherstellung der griechischen tragiker. Von F. J. Schwerdt. 

i Als nachwort: Ein offenes Sendschreiben an alle bearbeiter und 
freunde der griechischen dramatiker ; — M. Minucii Felicis Oc- 
tavius. Emendavit et praefatus est Aem. Baehrens ; — P. Ver- 
gib Maronis Bucolica, Georgica, Aeneis. Recognovit O. Güthling. 
Versandt ist: Verzeichniß ausgewählter werke aus dem ver- 

1 lag der Weidmann' sehen buchhandlung in Berlin, welche zu be- 
deutend ermäßigten preisen durch alle buchhandlungen 

. zu beziehen sind. Januar 1886. 

Ausgegeben ward : Verzeichniß von Schulbüchern aus dem 

verlag der Weidmann' sehen buchhandlung in Berlin. März 1886. 

So eben ist erschienen: Achter bericht über die bei Friedr. 

\ Andr. Perthes in Gotha erschienenen Schulausgaben griechischer 

■ und lateinischer klassiker mit deutschen erklärenden anmerkun- 

, gen , textausgaben , philologischen Schriften und Schulbücher. 
Von michaelis 1885 bis ostern 1886. Dabei liegt „Vorwort zur 
lateinischen elementar - grammatik von H. Weber". Derartige 
Unternehmungen mehren sich jetzt in bedenklicher weise: da 

; sie im ganzen von keiner wissenschaftlichen bedeutung sind, 

l haben wir nur einzelnes bis jetzt besprochen , eben das , was 

j wissenschaftlichen werth hatte : es wird aber doch diese ganze 

richtung besprochen werden müssen , um wo möglich weiterem 

fortschreiten dieser sich hier zeigenden krankheit einhält zu thun. 

Ein prospect ist ausgegeben über: Sprachwissenschaftliche 

' abhandlungen von dr. C. Abel, verlag von W. Friedrich in Leip- 

; zig und Berlin. 

Für die periodischen Schriften des kaiserlich deut- 
schen archäologischen instituts tritt vom j ahre 1886 

i an folgende neugestaltung in kraft: Die Monumenti inediti und An- 
nali, sowie die Archäologische zeitung gehen ein. — In Berlin er- 
scheinen fortan im verlage von Georg Reimer: I. Antike 

', denk mal er herausgegeben vom kaiserlich deutschen archäologischen 
institut. (Preis 40 mk.). Am ende eines jeden Jahres wird ein 
heft in folioformat ausgegeben, in der regel 12 tafeln enthal- 
tend, mit einem ganz knappen texte , welcher nur die thatsäch- 
lichen, zur wissenschaftlichen benutzung der abbildungen noth- 
wendigen angaben bringt. Die antiken denkmäler enmehmen 
ihr material dem ganzen umfange der klassischen archäologie 
einschließlich der architekturforschung, und dem gesammten be- 

, Stande innerhalb der länder klassischer kultur und der samm- 
Philol. Am. XVI. 18 



262 Bibliographie. Nr. 4. 

hingen antiker kunstwerke. Die herausgäbe der ,, antiken 
denkmäler" wird unter mitwirkung der centraldirektion und 
der Sekretariate in Rom und Athen im auftrage des instituts 
durch dr. Max Fränkel erfolgen. — IL Jahrbuch des kai- 
serlich deutschen archäologischen instituts herausgegeben von Max 
Fränhel. (Preis 16 mk.). Vierteljährlich wird eine lieferung 
ausgegeben, in größtem octav, mit text-illustrationen und tafeln 
nach bedarf, der Jahrgang im umfange von etwa 20 bogen. 
Das „Jahrbuch" bringt in deutscher oder lateinischer spräche 
aufsätze aus dem ganzen umfange der klassischen archäologie 
und epigraphik, so weit letztere mit der archäologie in Verbin- 
dung steht, außerdem Übersichten, zunächst wenigstens in biblio- 
graphischer form, über neue erscheinungen auf den bezüglichen 
gebieten. — Für umfangreichere abhandlungen ist die beigäbe 
von Supplementen in aussieht genommen. — III. Ep ke- 
rn er is epigraphica Corporis Inscriptionum Latinarum Supple- 
mentum edita iussu Instituti archaeologici Romani. Die Ephemeris 
erscheint in bisheriger weise weiter. — In Rom erscheinen bei 
Loescher u. comp.: IV. Mittheilungen des kaiserlich deut- 
schen archäologischen instituts. Römische abtheilung. Vierteljähr- 
lich wird ein heft ausgegeben , in groß-oetav , mit text - illustra- 
tionen nach bedarf, der Jahrgang mit etwa 12 tafeln. Die rö- 
mischen „Mittbeilungen" erscheinen in deutscher, italieni- 
scher , lateinischer oder bei autoren aus den ländern französi- 
scher zunge französischer spräche ; sie bringen berichte über die 
Sitzungen der römischen institutsabtheilung und über reisen, so- 
wie andere aufsätze und nachrichten aus dem gebiete der ar- 
chäologie und epigraphik innerhalb Italiens und der übrigen 
westlichen länder des römischen reichs. — In Athen erscheinen 
bei Carl Wilberg: V. Mi ttheilungen des kaiserlich deut- 
schen archäologischen instituts. Athenis che abtheilung. Viertel 
jährlich wird ein heft ausgegeben, in groß-oetav, mit text-illu- 
strationen nach bedarf, der Jahrgang mit etwa 12 tafeln. Die 
athenischen „Mittheilungen" bringen, wie bisher in der 
regel in deutscher oder griechischer spräche, berichte über die 
Sitzungen der athenischen institutsabtheilung und über reisen, 
sowie andere aufsätze und nachrichten aus dem gebiete der ar- 
chäologie und epigraphik innerhalb Griechenlands und der übri- 
gen östlichen länder hellenischer kultur. 

Es laden zur subscription auf die: Revue internationale de 
V Enseignement ein Armand Colin et ce. editeurs ä Paris und ge- 
ben in einem prospect mitarbeiter — darunter auch deutsche — 
und ziele der Revue an. Zugleich kündigen sie auch an : Hi- 
stoire de la civilisation francaise depuis les origines jusqu'a 
nos jours par Alfred Rambaud. 

Die Verlagsbuchhandlung Funcke et Naeter in Berlin ver- 
sendet prospecte und probenummern von dem in ihrem Verlage 



Nr. 4. Bibliographie. 263 

ersch einenden : The H ome Journal, in welchem die interessen der 
i jetzigen englischen spräche besonders berücksichtigt werden sollen. 
Angekündigt wird: Giornale italiano di iilologia e lin- 
; guistica classica diritto dai dottori Luigi Ceci e Giacomo Cortose. 
\ 4. Milano. Via Solferino , 7 : bezieht sich vorzugsweise auf 
i neuere sprachen. 

Cataloge von antiquaren : Gillhofer und Rauschburg antiquari- 
' sehen bücherladens katalog nr. 5 , Wien , klassische philologie 

und arebäologie ; — Antiquaria von W. Gläser in Lübeck , nr. 
.3. 4; — K. F. Köhlers antiquarium in Leipzig, katalog 436 — 
i 437, classische philologie und Sprachwissenschaft; - Bibliotheca 
i philologica classica, bibliothek von F. A. Eckstein und W. Weis- 
i senborn, thl. I , grieebische autoren : katalog I der Lippertschen 
I buchhandlung und antiquariat in Halle a. d. S. ; — Katalog 88 

des bücherverzeiebnisses von Meyer u. Müller in Berlin, W ; reich- 
i baltig: bibliotbeken von pro!'. Kießling und M. Sengebusch, be- 
' sonders Homerica ; — Katalog nr. 60 von L. Schleiermachers 

Verlagshandlung und antiquariat in Berlin, Potsdam, New.- York; 
' — Anzeiger I der antiquariats-bucbhandlung von Emil Soeding 
i in Wien. 

H. Welter ä Paris, rue Bonaparte 59, librairie francaise et 
i Prangere , auch kommissionsbuchhandlung in Paris : Verzeichnis 
i daselbst erschienener werke neuerer zeit. 

Das Phil. anz. XV, 12, p. 639 angekündigte unternehmen 
: von Gustav Foch — Sortiment, verlag und antiquariat — zu 
; Leipzig, eine Zentralstelle für dissertatiouen und programme zu 
i| errichten, wird eifrig weiter geführt: jetzt ist ausgegeben: Ver- 
- zeichniß nr. II: abhandlungen aus den gebieten der classischen 
i philologie und alterthumswissenschaft etc. Anhang: Antiquaria. 
1 Das verzeichniß umfaßt : I. Scriptores Graeci. II. Scriptores 
i Latini. III. Alterthumswissenschaft. IV. Philologische antiquaria. 
'; Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 
i 1 thumswissensebaft. 1886. III. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

252. Abhandlungen des archäologisch-epigraphischen seminars der 
J Universität Wien, hrsg. v. O. Benndorf u. E. Bormann. 6. heft. 1. 

theil: Franz Studniczka, beitrage zur geschichte der altgriechischen 
1 tracht. Mit 46 abbild. Wien, Gerold's söhn 1886. 8. 6 mk. 

253. Adolph , Herrn. , archäologische glossen zur Urgeschichte. 
I Moses, Herodot, mythologisches. Thorn, Lambeck 1886. 8. 45 p. 2 mk. 

254. Aischylos Agamemnon, griech. text und deutsche Übersetzung 
von Ulrich von Wilamowüz- Möllendorif. Berlin, Weidmann 1885. 8. 

' 115 p. 3 mk. 

255. Alt, Theod., die grenzen der kunst und die buntfarbigkeit 
: der antike. Berlin, Grote 1886. 8. VII, 142 p. 4 mk. 

256. Alter thümer von Pergamon. Hrsg. im auftrage des königl. 
preuß. ministers der geistl. Unterrichts- und medicinalangelegenheiten. 
Bd. 2. Das heiligthum der Athena Polias Nikephoros von Rieh. Bohn. 
Mit einem beitrage von Hans Droysen. Mit 49 abbild. im text und 

\ einem atlas v. 50. taff. Berlin, Spemann 1886. fol. 143 p. 180 mk. 

18* 



264 Bibliographie. Nr. 4 



257. Anthes, Ed. G., die antiken der gräflich Erhach-Erbach'schen 
Sammlung zu Erbach i. 0. beschrieben. Darmstadt, Bergsträßer 1885 
8. 45 p. 1 mk. 

258. Aristophanis comoediae. Annotatione critica commentaric 
exegetico et scholiis Graecis instr. Freder. IT, M. Blaydes. Pars XTI 
Fragmenta. Halle, Waisenhaus 1885. 8. XIV, 491 p. 9 mk. 

259. Aristophanis comici quae supersunt omnia. Rec. Fr. S. M 
Blaydes. 2 voll. Halle, Waisenhaus 1886. 8. XC, 528. XIV, 628 p. 16 mk. 

260. Aristotelis metaphysica recogn. W. Christ. Leipzig, Teub- 
ner 1886. 8. XX, 330 p. 2 mk. 40 pf. 

261. Bachofen, J. J., antiquarische briefe vornehmlich zur kennt- 
niß der ältesten verwandtschaftsbegriffe. Bd. 2. XXXI — LXI. Straß- 
burg, Trübner 1886. 8. IV, 244 p. 4 mk. 

262. Baier , Bruno , de Plauti f'abularum recensionibus Ambro- 
siana et Palatina commentatio critica. Breslau, Köbner 1885. 
VI, 191 p. 4 mk. 80 pf. 

263. Bastian, Adolf, die seele indischer und hellenischer philo- 
Sophie in den gespenstern moderner geisterseherei. Berlin, Weidmann 
1886. 8. XLVIII, 223 p. 6 mk. 

264. Bergk, Theod., kleine philolog. Schriften hrsg. v. Rud. Pepp- 
müller. 2. bd. : zur griechischen litteratur. Mit einem abriß vor 
Bergk's leben. Halle, Waisenhaus 1886. 8. XCV, 813 p. 12 mk. 

265. Bernhöft, F., die inschrift von Gortyn übersetzt. Stuttgart, 
Enke 1886. 8. 38 p. 1 mk. 60 pf. 

266. Bibliotheca philologica oder geordnete Übersicht aller aul 
dem gebiete der class. alterthumswissenschaft wie der älteren und 
neueren Sprachwissenschaft in Deutschland und dem ausländ neu er- 
schienenen bücher hrsg. v. Aug. Blau. 38. Jahrg. Jan. — juni 1885. 
Göttingen, Vandenhoeck 1886. '8. 157 p. 1 mk. 60 pf. 

267. Boetticher, Adolf, Olympia, das fest und seine statte. Nach 
den berichten der alten und den ergebnissen der deutschen ausgra- 
bungen. Mit 95 holzschn. und 21. taff. 2. durchges. u. erweit. aufl. 
Berlin, Springer 1886. 8. XII, 420 p. 20 mk. 

268. Bolle, L. , das knöchelspiel der alten. Mit 2 lit-h. taff. 
Wismar, Hinstorff 1886. 8. 42 p. 1 mk. (Aus Festschrift für gymn. 
dir. dr. Nölting). 

269. Bonitz, Herrn., platonische Studien. 3. aufl. Berlin, Vahlen 
1886. 8. X, 323 p. 7 mk. 50 pf. 

270. Brückner, Alfr., Ornament u. form der attischen grabstelen. 
Mit 2 taff. Straßburg, Trübner 1886. 8. 93 p. 3 mk. 60 pf. 

271. Brunn, Heinr. v. , archäologie und anschauung. Rede. 
München, Th. Ackermann 1885. 4. 22 p. 80 pf. 

272. Caesar, C. Iulius, commentarii de bello Gallico erkl. von 
Friedr. Kraner. 14. verb. aufl. von W. Diltenberger. Mit 1 karte v. 
Gallien v. H. Kiepert. Berlin, Weidmann 1886. 8. 399 p. 1 mk. 25 pf. 

273. Caesar, C. Iulius, commentarii de bello Gallico. Zum 
schulgebr. mit anmerk. hrsg. v. Herrn. Rheinhard. Mit einem geo- 
graph. sachl. u. Personenregister , 1 karte von Gallien, 12 tafeln u. 
14 schlachtplänen. 5. verb. u. verm. aufl. Stuttgart, Neff 1886. 8. 
VI, 249 p. 2 mk. 70 pf. 

374. Catulli Veronensis liber ad optimos Codices denuo collatos 
Lud. Schwabe recogn. Indices testimoniorum et verborum Catullia- 
norum adjecti sunt. Berlin, Weidmann 1886. 8. XXIV, 156 p. 
1 mk. 50 pf. 

275. Cicerrfs reden f. M. Marcellus, f. Q. Ligarius u. f. den kö- 
nig Deiotarus. Für den schul- und privatgebrauch hrsg. von Fr. 



Nr. 4. Bibliographie. 265 

Richter und Alfr. Eberhard. 3. aufl. Leipzig, Teubner 1886. 8. 
96 p. 90 pf. 

276. Cicero's ausgewählte reden erkl. von Karl Halm. 3. bd. : 
die reden gegen L. Sergius Catilina u. f. den dichter Archias. 12. 
verb. aufl. besorgt v. G. Laubmann. Berlin, Weidmann 1886. 8. VI, 
128 p. 1 mk. 20 pf. 

277. Cicero, M. Tullius, Brutus de claris oratoribus. Rec. Th. 
Stanyl. Leipzig, Freytag 1886. 8. XXVI, 93 p. 80 pf. 

278. — — , Orator ad. M. Brutum. Rec. Th. Stangl. Leipzig, 
Freytag 1886. 8. XIV, 68 p. 60 pf. 

279. Cornelius Nepos. Mit anmerkgn. u. vollst, wörterb. von F. 
! W. Hinzpeter. 7. aufl. Bielefeld, Velhagen u. Klasing 1886. 8. IV, 

228 p. 1 mk. 25 pf. 
i 280. Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum. Ed. consil. et 

impens. academ. litterar. caes. Vindobon. Vol. XIII : loh. Cassiani 

opera. Pars IL I. Cassiani conlationes XXII1I. Rec. et commentario 
Icritico instr. Mich. Petscheniy. Wien, Gerolds söhn 1885. 8. 711p. 
:15 mk. Vol. XIV: Luciferi Calaritani opuscula. Rec. et comment. critico 

instr. Gull. Hartel. Wien, Gerolds söhn 1886. 8. XLII, 378 p. 9 mk. 
i 281. Crusius, Otto, beitrage zur griechischen mythologie und re- 
■ ligionsgeschichte. Leipzig, Hinrichs 1886. 4. 28 p. 1 mk. 

282. Curschmann, Fritz, Horaz. Entdeckungen und forschungen 
von R. Bobrik. Theil I. Darmstadt, (Jonghaus) 1885. 8. 90 p. 80 pf. 

283. Dahl, Bastian, zur handschriftenkunde und kritik des Cice- 
ronischen Cato maior. 1. Codices Leidenses. (Aus Christianias Viden- 

jskabs Selskabs Forhandlinger). Christiania, Dybwad 1886. 8. 

,25 p. 70 pf. 

• ( 284. Dohlen, A., die theorie des Aristoteles und die tragödie der 
antiken christlichen naturwissenschaftlichen Weltanschauung. Göt- 

: fingen, Vandenhoeck 1885. 8. HI, 124 p. 2 mk. 

285. Diels , Herrn., über die Berliner fragmente der , A&tivaio}v 
nohnia des Aristoteles. Mit 2 lith. taff. (Aus Abb. d. Berl. akad.). 
Berlin, Dümmler 1885. 4. 57 p. 4 mk. 

; 286. Dressel , Heinr. , Untersuchungen über die Chronologie der 

c ziegelstempel der Gens Domitia. Berlin, G. Reimer 1886. 8. VII, 
67 p. 1 mk. 50 pf. 

. 287. Droysen's, G. , allgemeiner histor. handatlas in 96 karten 
mit erläut. text. Ausg. von der geogr. anstalt v. Velhagen u. Kla- 

. sing in Leipzig. Unter leitung v. Rieh. Andree. 10. liefig. Biele- 
feld, Velhagen u. Klasing 1885. fol. a lief. 8. chromolith. karten 

,,u. 16 bl. text 20 mk. 

288. Duncker , Max , geschichte des alterthums. Neue folge. 
,lBd. 2. Des ganzen werke3 9. bd. Leipzig, Duncker u. Humblot 1886. 
: 8. XI, 525 p. 10 mk. 

289. Duruy, Vict. , geschichte des röm. kaiserreichs von der 
rSchlacht bei Actium und der eroberung Aegyptens bis zum einbruche 
,der Barbaren. Aus dem französ. übers, v. Gust. Hertzberg. Mit ca. 
, 2000 illustr. in holzschn. u. einer anz. tafeln in farbendruck. Liefg. 
j 14—24. Leipzig, Schmidt u. Günther 1886. 8. Bd. I. 20 mk. 

290. Eyli , J., beitrage zur erklärung der pseudovergilianischen 
gedichte. Leipzig, Fock 1886. 8. 39 p. 1 mk. 50 pf. 

[ 291. Engelbrecht, Aug., Untersuchungen über die spräche des 
Claudianus Mamertus. (Aus Sitzungsberichte der k. akad. der wiss.). 

J Wien, Gerolds söhn 1885. 8. 121 p. 1 mk. 80 pf. 

. 292. Euripides Herakliden zum schulgebrauch mit erkl. anmerk. 

;vers. v. Wolfy. Bauer erkl. von N. Wccklein. München, Lindauer 
1885. 8. 60 p. 1 mk. 



266 Bibliographie. Nr. 4. 

293. Euripidis Hippolytus schol. in us. ed. Th. Barthold. Metra 
rec. W, Christ. Leipzig, Freytag 1885. 8. 77 p. 50 pf. 

294. Festi breviarium rerum gestamm populi Rornani ed. Carl 
Wagener. Prag und Leipzig, Tempsky und Freytag 1886. 8. XIV 
23 p. 50 pf. 

295. Fich, Aug., die homerische Ilias nach ihrer entstehung be 
trachtet und in der ursprüngl. sprachform wiederhergestellt. 2. hälfte 
Göttingen, Vandenhoeck u. Rupr. 1886. 8. p. 289—593. 10 ink. 

296. Force/lini, Aug., totius Latinitatis lexicon. Pars altera sive 
onomast. totius latinitatis opera et studio Vinc. De- Vit lucubr. disp 
27. Prati. (Leipzig, Brockhaus). 1885. 4. (Bd. III, p. 473—552) 
2 mk. 50 pf. 

297. Forchhammer, P. W. , kunstbestrebungen. Rückgang de 
höheren geistesbildung. Rede. Kiel, universitätsbuchh. 1886. 8 
17 p. 1 mk. 

298. Förster, Bernh., Olympia. Ein blick auf den allgern. kunst 
und kulturhistor. werth der grabungen am Alpheios. Mit 4 abbild 
Halle, Bendel 1886. 8. VI, 25 p. 1 mk. 

299. Förster, Rieh., de Polemonis physiognomicis. Kiel, univ 
buchhdlg. 1886. 4. 27 p. 1 mk. 

300. Freudenthal, J. , über die theologie des Xenophanes. Bres 
lau, Köbner 1886. 8. 48 p. 1 mk. 20 pf. 

301. Friedländer, Jul., repertorium der antiken numismatik 
anschluß an Mionnets description des medailles antiques zusammen 
gestellt aus seinem nachlasse hrsg. v. Rud. Weil. Berlin, G. Reime 

1885. 8. XI, 440 p. 10 mk. 

302. Fröhlich, Franz, beitrage zur geschichte der kriegführuiif 
uud kriegskunst der Römer zur zeit der republik. Berlin, Mittle 

1886. 8. V, 70 p. 1 mk. 50 pf. 

303. Gitlbauer , Mich., philologische streifzüge. 5. liefg. Frei 
burg, Herder 1886. 8. 3 mk._20 pf. 

304. Goetz, Geo., de Placidi glossis prolusio. Jena, (Neuenhahn 
1886. 4. 12 p. 50 pf. 

305. Gutschmid, Alfr. v., Untersuchungen über die syrische 
tome des Eusebischen Canons. Stuttgart, Kohlhammer 1886. 4.43 p. \m\ 

306. Handbücher der alten geschichte. I. serie. 4. abth. Theil 1 
P. Tiele, babylonisch-assyrische geschichte. I. theil : von den älteste 
zeiten bis zum tode Sargon IL Gotha, Perthes 1886. 8. XIII 
282 p. 6 mk. 

307. Harnack, Adolph, lehrbuch der dogruengeschichte. Bd. '. 
die entstehung des kirchlichen dogma's. Freiberg i. Br., Mohr 188 
8. XX, 696 p. 14 mk. 

308. Hartel, Wilh. v., über die griech. papyri erzherzog Raine 
Vortrag. Wien, Gerolds söhn 1886. 8. 82 p. 1 mk. 60 pf. 

309. Hartmann, Otto Ernst, der ordo iudiciorum u. die iudici 
extraordinaria der Römer. Theil I: über die römische gerieb tsverfai 
sung. 2. (schluß-)lief. erg. u. hrsg. von Aur/. JJbhelohde. Göttinge) 
Vandenhoeck u. Ruprecht 1886. 8. XXIII u. p. 179—646. 10 mk 

310. Mergenrüther, Const., primitive christianity and the cathol 
church compiled from G. Ott's arid De Rossi's works of the catacomb 
Regensburg, Pustet 1886. 8. XIV, 280 p. 5 mk. 

311. Hertz, Martin, Opuscula Gelliana lateinisch und deutsc 
Berlin, Hertz 1886. 8. VIII, 220 p. 7 mk. 

312. Hirth , F., China and the roman Orient: researebes hvi 
their ancient and medieval relations as represented in old Chine 
records. Shanghai 1885. 8. XVI, 329 p. 1 kart, 15 mk. (Mii 
chen, Birth). 



: ' 



j Nr. 4. Bibliographie. 267 

313. Hof mann, K. B., das blei bei den Völkern des alterthums. 
Berlin, Habel 1885. 8. 48 p. 1 rnk. (Virchow und Holtzendorffs 

i Sammlung von vortragen no. 472). 

314. Holm, Adf. , griech. geschiente von ihrem Ursprünge bis 
zum untergange der Selbstständigkeit des griech. volkes. Bd. I: ge- 

i schichte Griechenlands bis zum ausgange des 6. Jahrhunderts. Berlin, 
| Calvary 1886. 8. XVI, 516 p. 7 mk. 50 pf. 

315. Homer' 's Odyssee erkl. v. J. U. Faesi. 3. bd. Ges. XIII — 
XVIII. 7. aufl. bes. von G. Hinrichs. Berlin, Weidmann 1886. 8. 

, 258 p. 1 mk. 80 pf. 

316. Homer 's Iliade erkl. von J. U. Faesi. 3. bd. Ges. XIII — 
' XVIII. 6. aufl. bes. von F. R. Franke. Berlin, Weidmann 1886. 8. 
| 264 p. 1 mk. 80 pf. 

317. Homer 's Odyssee für den schulgebr. erkl. von Ferd. Weck. 
j Heft 1. Ges. 1—3. Ausg. A u. B. Gotha, Perthes 1885. 8. VIII, 
,| 79 p. oder VI, 39 u. 40 p. 1 mk. 

318. Horatius Flaccus , Q. , rec. atque interpretatus est Jo. 
Casp. Orelli. Ed. IV maior emendata et aueta quam post Jo. Geo. 

Baiterum cur. Guil. Hirschfelder. Fase. 1. 2. 3. (Bd. I, LVI und 
416 p.). Berlin, Calvary 1885. 8. 9 mk. 

319. Horawitz, Adalb. v., zur geschichte des humanismus in den 
Alpenländern. I. Wien, Gerold's s. 1886. 8. 52 p. 80 pf. (Aus 

i Sitzgsber. d. Wiener akad.). 

320. Inscriptiones antiquae orae septentrionalis Ponti Euxini 
" graecae et latinae. lussu et impensis Societatis archaeologicae imperii 

Russici ed. Basilius Latyschew. Vol. I. Inscriptiones Tyrae, Olbiae, 

- Chersonesi Tauricae aliorum locorum a Danubio usque ad regnum 

Bosporanum continens. Accedunt tabulae II lithogr. St. Petersburg 

1885. 4. VIII, 243 p. 20 mk. (Leipzig, Voß). 

321. Jordan, Heinr. , topographie der stadt Rom im alterthum. 
1. bd. 2. abth. Mit 5 tafeln abbild. u. 1 plan. Berlin, Weidmann 

1 u. Schmidt 1885. 8. V, 487 p. 8 mk. 

322. — — , quaestiones criticae. Königsberg , (Härtung) 1886. 
■ 4. 11 p. 80 pf. 

323. Iosephi, Flavii opera ed. et apparatu critico instr. Benedictus 
ij Niese. Vol. II : Antiquitatum Iudaicarum libri VI— X. Berlin, Weid- 
j mann 1885. 8. VHI, 392 p. 12 mk. 

324. Iustini, M. Iuniani, epitoma historiarum Philippicarum Pom- 
• pei Trogi ex rec. Francisci Bühl. Accedunt prologi in Pompeium 
, Trogum ab Alfr. de Gutschmid recensiti. Leipzig, Teubner 1886. 8. 

LXII, 315 p. 1 mk. 50 pf. 
( 325. Keller, Otto , der saturnische vers. 2. abhandlung. Prag, 

l Dominicus 1886. 8. 42 p. 1 mk. 

326. Kleinpaul, Rud., Florenz in wort und bild. Geschichte, 
ji kulturgeschichte, kunstgeschichte. In 20 — 24. liefg. Leipzig, Günther 
} 1886. fol. ä liefg. 1 mk. 

327. Knaack, Geo., Quaestiones Phaetonteae. Berlin, Weidmann 
i 1886. 8. 81 p. 2 mk. (Philologische Untersuchungen hrsg. von A. 
t Kießling u. U. v. Wilamowitz-Möllendorff. Heft 8). 

328. Kreibig, Joseph, Epikur seine persönlichkeit und seine lehre. 
; Eine monographie in populärer fassung. Wien, Halm u. Goldmann 

1886. 8. 50 p. 1 mk. 

329. Langt, Jos., griechische götter und heldengestalten. Nach 
] antiken bildwerken gezeichnet und erläutert mit kunstgeschichtL 
[ einleitung von Carl von Ijützow. Liefg. 1—6. Wien, Holder 1885. 

fol. a 2 mk. 50 pf. 



268 Bibliographie. Nr. 4. 

330. Lehmann, C. A. , quaestiones Tullianae. Pars I: de Cice- 
ronis epistulis. Prag u. Leipzig, Tempsky u. Freytag 1886. 8. VIII, 
136 p. 3 mk. 

331. Lexicon Bornericuni composuerunt F. Albrecht, C. Capelle, 
A. Eberhard etc. Ed. H. Ebeling, Vol. I, fasc. 19—21. Leipzig 
1885. 8. IV, p. 1025-1148. 6 mk. 

332. Linde, Rieh., de diversisrecensionibus Apollonii Rhodii Ar- 
gonauticon. Commentatio philologica. Hannover , Schulze 1885. 8. 
51 p. 1 mk. 50 pf. 

333. Livius, T., ab urbe condita libri. Erkl. v. W. Wcißenborn. 
1. bd. 1. heft. Buch 1. 8. aufl. v. H. J. Müller. Berlin, Weidmann 

1885. 8. VIII, 271 p. 2 mk. 40 pf. 

334. , — — über IV. Für den schulgebrauch erklärt von 

Franz Luterbacher. Leipzig, Teubner 1886. 8. 116 p. 1 mir. 20 pf. 

335. Löschcke, G., die östliche giebelgruppe am Zeustempel zu 
Olympia. Dorpat, Schnakenburg 1885. 4. 15 p. 1 mk. 

336. Lysias ausgew. reden für den schulgebrauch erklärt v. W. 
Kochs. Ausg. A. u. B. Gotha, Perthes 1885. 8. IV, 104 oder IV, 
50 u. 51 p. 1 mk. 50 pf. 

337. Marquardt. Joach. u. Theod. Mommsen, handbuch der röm. 
alterthümer. Bd. 7. Joach. Marquardt , das privatleben der Römer. 
Theil 1. 2. 2. aufl. besorgt von A. Mau. Leipzig, Hirzel 1886. 8. 
XIV. XII, 887 p. 18 mk. 

338. Martialis , M. Valerii , epigrammaton libri. Recogn. Wal- 
ther Gilbert. Leipzig, Teubner 1886. 8. XXXIV, 407 p. 2mk.40pf. 

339. Maurer, Carl, De aris Graecorum pluribus diis in commune 
positis. Darmstadt, Zernin 1885. 8. VI, 138 p. 2 mk. 

340. Menge, Rud., einführung in die antike kunst. Ein method. 
leitfaden für höhere lehranstalten und für d. Selbstunterricht. 2.verm. 
u. verb. aufl. Mit 34 bildertaff. Leipzig, Seemann 1886. 8. XIII, 
256 p. 5 rak. 

341. Meyer, Gustav, griech. grammatik. 2. aufl. Leipzig 1886. 
8. XXXVI, 552 p. 12 mk. 50 pf. (Bibliothek indogermanischer 
grammatiken, bearb. v. Bücheier, B. Delbrück, K. Foy etc. Bd. 3). 

342. Meyer, Wolfg. , Hypatia von Alexandria. Ein beitrag zur 
geschichte des neuplatonismus. Heidelberg, Weiß 1885. 8. 52 p. 
1 mk. 40 pf. 

343. Michelis, Fr., Aristotelis ntgl tQ/uqvtictg librum pro restituendo 
totius philosophiae fundamento interpretatus est. Heidelberg, Weiß 

1886. 8. 84 p. 2 mk. 40 pf. 

344. Monumenta Germaniae historica inde ab a. D. usque ad a. MD. ed. 
societas aperiendis fontibus rerum Germanicarum medii aevi. Auctorum 
antiquissimorum tom. IV, pars posterior Venanti Honori Clementiani 
Forlunati presbyteri italici opera pedestria rec. et emend. Bruno 
Krusch. Berlin, Weidmann 1885. 4. XXXIII, 144 p. 6 mk. 

345. Mor genthau , Julius C. , der Zusammenhang der bilder auf 
griech. vasen. 1. die schwarz-figurigen vasen. Leipzig, Liebisch 188(». 
8. 88 p. 1 mk. 50 pf. 

346. Nocldeke , Theod., über Mommsen's darstellung der römi- 
schen herrschaft u. röm. politik im Orient. (Aus Zeitschr. d. deutsch, 
morgenländ. gesellsch.). Leipzig, Brockhaus 1886. 8. 21p. 1 mk. 50pf. 

347. Ohlcrt, Conr., räthsel und gesellschaftsspiele der alten Grie- 
chen. Berlin, Mayer u. Müller 1886. 8. VII, 248 p. 5 mk. 

348. (hndii Nasonis, P. , Heroides apparatu critico instruxit et 
ed. Heinr. Steph. Scdhnayer. Wien , Konegen 1886. 8. XVII, 
177 p. 5 mk. 



Nr. 4. Bibliographie. 269 

349. Ovidius Naso , P. , die Metamorphosen. Für den schulge- 
brauch erkl. von Hugo Magnus. 3. bdchn. Buch XI— XV. Ausgabe 
A. u. B. Gotha, Perthes 1886. 8. 1 mk. 80 pf. 

350. Patrum sanctoruni opuscula selecta ad usum praesertim stu- 
diosorum theologiae. Ed. et commentariis auxit H. Hurter. Vol. 48: 
Sulpicii Severi opuscula de S. Martino episcopo Turonensi et S. Eu- 
sebii Hieronymi Stridonensis presbyteri vitae S. Pauli S. Hilarionis 
et Malchi rnonachorurn. Innsbruck, Wagner 1885. 16. 317 p. 
1 mk. 50 pf. 

351. Philodemos über den tod. 4. buch. Nach der Oxforder und 
Neapolitaner abschrift hrsg. von dr. Siegfried Melder. Wien, Gerolds 
söhn 1886. 8. 52 p. 80 pf. (Aus Sitzungsber. d. Wiener akad.). 

352. Plauti, T. Macci, comoediae rec. instrum. critico et prolego- 
menis auxit Fr. Ritschelius sociis operae adsumptis Gust. Loeive, Geo. 
Goetz , Fr. Schoell. Tom. Ell, fasc. 1. Bacchides rec. Frdr. Ritsche- 
lius. Ed. II a Geo. Goetz recognita. Leipzig, Teubner 1886. 8. XI, 
144 p. 4 mk. 

353. Polycarpi Smyrnaei epistola genuina. In usum scholl, acadd. 
ed. Gustav Volkmar. Zürich, Schröter 1885. 4. 12 p. 

354. Reinhardstoettner, Carl von, Plautus. Spätere bearbeitungen 
plautinischer lustspiele. Ein beitrag zur vergleichenden litteraturge- 
schichte. Leipzig, Friedrich 1886. 8. XVI, 793 p. 18 mk. 

355. Richter, Otto, über antike steinmetzzeichen. 45. progr. z. 
Winckelmannsfeste der archäolog. gesellsch. zu Berlin. Berlin, Rei- 
mer 1885. 4. 53 p. 3 mk. 

356. Richter, Franz , de thesauris Olympiae effossis. Berlin, 
Weidmann 1885. 8. 46 p. 2 mk. 

357. Ritterling, Emil, de legione Romanorurn X genuina. Leip- 
zig, Fock 1885. 8. 2 mk. 

358. Roemer, Adolf, über die Homerrecension des Zenodot. Mün- 
chen, Franz 1885. 4. 84 p. 2 mk. 40 pf. 

359. Roßbach, Aug. und Rud. Westphal , theorie der musischen 
künste der Hellenen. Als 3. aufl. der Roßbach-Westpbalschen rnetrik. 
Bd. 2. Rud. Westphal, griech. harmonik u. melopoesie. 3. gänzl. um- 
gearb. aufl. Leipzig, Teubner 1886. 8. LIV, 240 p. 6 mk. 80 pf. 

360. Sallusti Crispi, O, de Catilinae coniuratione de hello Iugur- 
thino libri. Schulausg. von K. Kappes. II : de bello Iugurthino über. 
Paderborn, F. Schöningh 1885. 8. 120 p. 1 mk. 

361. Sammlung Sabouroff, die, kunstdenkmäler aus Griechenland 
hrsg. v. Adolf Furlwängler. 11. u. 12. liefg. Berlin, Asher 1885. fol. 
a 10 taff. ä 25 mk. (Auch u. d. t. : Collection Sabouroff Monuments 
de l'art grec). 

362. Sauppe, Herrn., quaestiones criticae. Göttingen, Dieterich 
1886. 4. 21 p. 80 pf. 

363. Schäfer, Arnold, Demosthenes und seine zeit. 2. rev. ausg. 
1. bd. Leipzig, Teubner 1885. XVI, 528 p. 10 mk. 

364. Schliemanti, Heinr., Tiryns; der prähistor. palast derkönige 
von Tiryns. Ergebnisse der neuesten ausgrabungen. Mit vorrede von 
F. Adler und beitragen von W. Dörpfeld. Mit 188 abbildungen. 
24 taff. 1 karte, 4 planen. Leipzig, Brockhaus 1886. 8. LXVIII, 
487 p. 32 mk. 

365. Schneider, Arthur, der troische Sagenkreis in der ältesten 
griechischen kunst. Leipzig, Engelmann 1886. 8. V, 191 p. 5 mk. 

366. Schuchardt, Hugo, über die lautgesetze. Gegen die Jung- 
grammatiker. Berlin, Oppenheim 1885. 8. VI, 39 p. 

367. Schultheß, Otto, Vormundschaft nach attischem recht. Frei- 
burg im Breisg., Mohr 1886. 8. XII, 255 p. 6 mk. 



270 Bibliographie. Nr. 4. 

368. Sievers, Ed , grundzüge der phonetik zur einführung in das 
studium der lautlehre der indogerinan. sprachen. 3. verb. aufl. Leip- 
zig, Breitkopf u. Härtet 1885. 4. 5 ink. (Bibliothek indogerman. 
grarnmat. bd. I). 

369. Simon , Jacob , zur inschrift von Gortyn. Wien , Gerolds 
söhn 1886. 8. 95 p. 2 mk. 

370. Sittl, Karl, geschichte der griech. litteratur bis auf Alexan- 
der den großen. Theil 2. München, Ackermann 1886. 8. X, 494 p. 
6 mk. 50 pf. 

371. So])hokles. Erkl. v. F. W. Schneidewin. 2. bdch. : Oidipus 
Tyrannos. 9. aufl. besorgt von A. Nauck. Berlin, Weidmann 1886. 
8. 182 p. 

372. Sternbach, S. Leo, meletemata Graeca pars I. Wien, Ge- 
rolds söhn 1886. 8. 226 p. 6 mk. 

373. Steup , Jul. , Thukydideische Studien. 2. heft. Freiburg 
i. Br., Mohr 1886. 8. VII, 100 p. 4 mk. 

374. Taeitus , Cornelius, Annales für den schulgebr. erkl. v. W. 
Pßtzner. 4, bdchn. Buch XIV— XVI. Ausg. A u. B. Gotha, Per- 
thes 1886. 8. 1 mk. 50 pf. 

375. — — , de origine situ moribus ac populis Germanorum li- 
ber für den schulgebr. erkl. von Gottlob Egelhaaf. Ausg. A und B. 
Gotha, Perthes 1886. 8. 60 pf. 

376. Thukydides für den schulgebr. erklärt von Gottfr. Boehme. 
1. bd. Heft 2. Buch III. IV. 4. verb. u. venu. aufl. besorgt v. Sim. 
Widmann. Leipzig, Teubner 1886. 8. VIII, 204 p. 1 mk. 50 pf. 

277. Thukydides de bello Peloponnesiaco libri VIII ad opt. libr. 
fidem editos explan. Ernst. Frdr. Poppo. Ed. III quam auxit et 
emendav. Jo. Matth. Stahl. Vol. I. Sect. 1. Leipzig, Teubner 1886. 
8. IV, 360 p. 4 mk. 50 pf. 

378. Ueberweg, Priedr., grundriß der geschichte der philosophie. 
Th. I: das alterthum. 7. aufl. bearb. u. hrsg. von Max Heime. Ber- 
lin, Mittler u. s. 1886. 8. IX, 360 p. 5 mk. 50 pf. 

379. Varronis, M. Terentii de lingua latina libri emend. appa- 
ratu critico instr. praefatus est Leonardus Spengel. Berlin, Weidmann 
1885. 8. XC, 286 p. 8 mk. 

380. Veith, Carl v. , das römische Köln nebst einem plane der 
röm. stadt mit einzeichnung der bemerkenswerthesten funde. Bonn 
1885. IV, 63 p. 5 mk. 

381. Verqilii Maronis, P., Aeneis für den schulgebr. erklärt von 
Osk. Brosin. '3. bdchn. Buch VII- IX. Ausg. A u. B. Gotha, Per- 
thes 1886. 8. 2 mk. 10 pf. 

382. Vergü's gedichte erkl. von Th. Ladewig. 3. bdchn.: Ae- 
neide. Buch VII— XII. Mit 1 karte v. H. Kiepert. 8. aufl. von C. 
Schaper. Berlin, Weidmann 1886. 8. III, 291 p. 2 mk. 25 pf. 

393. Vogel, Jul., scenen Euripideischer tragödien auf griech. va- 
sengemälden. Arohäologiscbe beitrage zur geschichte des griech. 
dramas. Leipzig, Veit u. co. 1886. 8. VI, 156 p. 4 mk. 

H84. Weißenfels, O., Horaz. Seine bedeutung für das Unterrichts- 
ziel des gymnasiums und die principien seiner schulerklärung. Berlin, 
Weidmann 1885. 8. XVI, 247 p. 3 mk. 

385. Wieseler, Friedr., über einige beachtenswerthe geschnittene 
steine des 4. jahrh. n. Chr. 2. abth. Heft 2. Göttingen, Dieterich 
1885. 4. 58p. 2mk. 40 pf. (Aus Abh. d. Gott, gesellsch. d. wiss.). 

386. Winter, Franz, die jüngeren attischen vasen und ihr ver- 
hältniß zur großen kunst. Berlin, Spemann 1885. 4. VI, 72 p. 4 mk. 

387. Xe7io2>hon's Memorabilien. Für den schulgebr. erkl. v.Edm. 



Nr. 4. Bibliographie. 271 

Weißenborn. Bdch. 1. Buch 1. 2. Ausgabe A u. B. Gotlia, Perthes 
1886. 8. IV, 92 p. 1 mk. 20 pf. 

England. 

388. Aristotles Ethics , au introduction to books I— IV and 
book X. eh. VI— IX with an appendix. By Edtv. Moore. 3. ed. 
London, Rivingtons 1886. 8. 356 p. 10 sh. 6 d. 

389. Aristoteles Politics translated into english with introd. mar- 
ginal analysis essays notes and indices by B. Joivett. 2 vols. London, 
Frowde 1885. 8. 766 p. 21 sh. 

390. Arnold, Ph. , the second punic war being chapters of the 
history of Rome. Edited by Will. T. Arnold. With 8 maps. Lon- 
don, Macmillan 1886. 8. 462 p. 8 sh. 6 d. 

391. Bopj), Franz, a comparative grammar of the Sanskrit Zend 
Greek Latin Lithuanian Gothic German and Slavonic languages. 
Translated from the German by Edward B. Eastwick. 4th ed. 3 
vols. Williams u. Norgate 1885. 8. 1460 p. 31 sh. 6 d. 

392. Cicero de natura deorum libri tres with introduction and 
commentary by Joseph B. Mayor together with a new collation of 
several of the English Mss. by J. H. Sicainson. Vol. 3. Cambridge 
1885. 8. 354 p. 10 sh. 

393. Cicero, M. Tullius ad M. Brutum orator. A revised text 
with introduetory essays and critical and explanatory notes by John 
Edwin Sandys. Cambridge 1885. 8. 350 p. 16 sh. 

394. Cox , G. W. , lives of greek Statesmen. Second Series: 
Ephialtes-Hermokrates. London, Longmans 1886. 12. 266 p. 2sh.6d. 

395. Duruy , P. , History of Rome and the Roman people from 
its origin to the establishment of the Christian empire. Vol. V, two 
parts. London, Paul 1886. 8. 30 sh. 

396. Green, S. A., handbook of the grammar of the greek testa- 
ment. Revis. ed. London, Tract. Soc. 1886. 8. 600 p. 7 sh. 6 d. 

397. Harrison, Jane E., introduetory studies in Greek art. With 
map and illustrations. London, Unwin 1885. 8. 318 p. 7 sh. 6 d. 

398. Plato Phaedo. Edited with introduction and notes by W. 
D. Geddes. 2nd ed. London, Macmillan 1885. 8. 340 p. 8sh.6d. 

399. PlutarcVs lives transl. with notes critical and historical 
and a memoir of the translator by John and Will. Langhome. New 
ed. London, Ward u. Lock 1886. 8. 7 sh. 6 d. 

400. Schliemann , Henry, Tiryns, the prehistoric palace of the 
kings of Tiryns the results of the latest excavations. Preface by prof. 
F. Adler and contributions by W. H. Dörpfeld. With 188woodcuts 
24 plates, 1 chromolith., 1 map., 4 plans. London, Murray 1886. 8. 
440 p. 42 sh. 

401. Schürer , Emil, a history of the Jewish people in the time 
of Jesus Christ. Second div. The internal condition of Palestine and 
the jewish people in the time of Jesus Christ transl. by Sophie Taylor 
and Peter Christie. 2 vols. Edinburgh, Clark 1886. 8. 700 p. 21 sh. 

402. Sophocles Plays and fragments with critical notes commen- 
tary and translation in english prose. Part II: The Oedipus Coloneus. 
Cambridge 1886. 8. 384 p. 12 sh. 6 d. 

403. Torr, C., Rhodes inancient times. With six plates. Cam- 
bridge 1886. 8. 150 p. 10 sh. 6 d. 

404. Waldstein, C. , Essays on the art of Pheidias. Cambridge 
1885. 8. 450 p. 30 sh. 

405. Willems, G., the growth of the Homeric Poems a discussion 
of their origin and authority. Dublin, Hodges 1885. 8. 222 p. 6sh. 



272 Bibliographie. Nr. 4. 

406. Zeller, Ed., outlines of the history of greek philosophy 
transl. by Sarah Frances Alleyne and Evelyn Abbott. London, Long- 
nians 1886. 8. S70 p. 10 sh. 6 d. 

Belgien. 

407. Dewaele, J. , Grieksche en Romeinsche bouwkunst. Gand, 
Vuylsteke 1886. 4. 40 p. 35 pll. 4 frs. 

408. Keersmaecker, Albert de, le sens des couleurs chez Homere. 
Bruxelles, Office de publicite 1886. 8. VIII, 152 p. 5 fr. 

409. Reusens , elements d'archeologie chretienne. 2e ed. revue 
et considerablement augmente'e. Tome II, partie 2. Louvain, Peters 
1886 8. 20 fr. 

410. Serrure, C. A., Etüde sur la numismatique gauloise des 
commentaires de Ce'sar. Ire etude. Louvain, Peters 1886. 8. 37 p. 

Frankreich. 

411. S. Athanasius Alexandrinus archiepiscopus. Tomus I. 
(Migne Patrologiae cursus completus Series Graeca tomus 25). Paris, 
Garnier 1886. 8. CCLXXX, 406 p. 

412. Auffusti, Res gestae divi, d'apres la derniere recension avec 
l'analyse du comnientaire de Th. Mommsen par C. Peltier sous la di- 
rection de R. Cagnat. Paris, Klincksieck 1886. 8. VIII, 92 p. 

413. Blade, Jean Francois, memoire sur l'histoire religieuse de 
la Novempopulanie romaine. Bordeaux 1886. 8. 29 p. 

414 Boissier, Gaston, nouvelles promenades archeologiques: Ho- 
race et Virgile. Paris, Hachette 1886. 18. 318 p. 2 cartes. 3 fr. 50 c. 

415. Bouche-Leclercq, A., Manuel des institutions romaines. Pa- 
ris, Hachette 1886. 8. XVI, 656 p. 15 fr. 

416. Cagnat, R. , cours elementaire d'epigraphie latine. Paris, 
Thorin 1886. 8. X, 235 p. 

417. Cataloyue ge'neral des manuscrits des bibliotheques publi- 
ques de France Departements. Tome 3. (Chalons Soissons Moulins 
Ajaccio Agen Saint- Quentin , Provins Beauvais Meaux Melun Noyon 
Corbeil Gap Bourbourg Vendome. Paris, Plön 1886. 8. VIII, 599 p. 
— Paris: bibliotheque de l'Arsenal par Henry Martin. T. 1. Paris, 
Plön 1886. 8. VII, 502 p. 

418. Chauvet , Emmanuel, la philosophie des medecins grecs. 
Paris, Thorin 1883. 8. LXXXIX, 604 p. 

419. Decharme, P., Mythologie de la Grece antique. 2 ed. revue 
et corrige"e. Paris, Garnier 1886. 8. XXXVII, 697 p. 

420. Delisle, Leop., memoire sur l'ecole calligraphique de Tours 
au IXe siecle. Paris 1885. 4. 32 p. 5 pl. (Aus Me'moires de l'a- 
cademie des inscr. t. XXXII, pl. 1). 

421. Dictionnaire des antiquites grecques et romaines d'apres les 
textes et les monuments. Ouvrage redige sous la direction de Ch. 
Bar einher g et E. Saglio. fasc. 10. Paris, Hachette 1886. 4. 5 frs. 

422. Diehl, Ch., Ravenne etudes d'archeologie byzantine. Paris, 
RoDam 1885. 4. 84 p. 

423. Dionysii Halicarmissensis antiquitatum Romanarum quae 
supersunt graece et latine ex rec. Adolph Kießling et Victoris Frou. 
Accedunt indices scriptorum nominumque. Paris, Firmin-Didot 1886. 
8. 761 p. 15 frcs. 

424. Uroysen, J. G., histoire de l'hellenisme traduite de l'alle- 
mand sous la direction de A. Bouche-Leclercq. T. 3 et dernier: Hi- 
stoires des successeurs d'Alexandre; Epigones. Paris, Leroux 1885. 
8. VI, 786 p. 10 fr. 

425. Droz, E. , de M. Cornelii Frontonis institutione oratoria. 
Besancon, Rambaud 1886. 8. 85 p. 



Nr. 4. Bibliographie. 273 

426. Dumont, Albert et Jules Chaplain , les cerarniques de la 
Grece propre. Vases peints et terres cuites. fasc. 1—3. Paris, Didot 
1886. 4. (Tome I a 20 frcs.). 

427. Ernault, Emile, etudes comparatives sur le grec, le latin, 
et le celtique. I. La voyelle breve: ou. Poitiers 1885. 8. 20 p. 

428. Faucon, Maurice, la librairie des papes d'Avignon sa for- 
mation sa composition ses catalogues (1316-1420) d'apres les regi- 
stres de comptes et d'inventaires des archives vaticanes. T. 1. 2. 
Paris, Thorin 1885. 86. 8. (Bibliotheque des ecoles francaises d'Athe- 
nes et de Rome fasc. 43. 44). 

429. Frary, Raoul , la question du latin. Paris, Cerf 1885. 18. 
327 p. 3 fr. 50 c. 2 ed. ib. 1886. 8. 329 p. 3 fr. 50 c. 

430. Gregory, Casp. Rene, les cahiers des manuscrits grecs. Pa- 
ris 1885. 8. 12 p. (Comptes rendns de l'acad. des inscr. 1885, p. 
261—268). 

431. Guillaume , P. , note sur une inscription inedite d'Embrun 
relative a rm flamine angustal et a sa famille de la province des Al- 
pes-maritimes. Paris 1885. 8 p. 

432. Haussoullier, B., le deme d'Eleusis. Angers 1886. 8. 16 p. 

433. Horace , Oeuvres d'. Traduction nouvelle avec le texte 
en regard precedee et suivie d'etudes biographiques et litteraires 
par M. Patin. T. 1. 2. Paris 1886. 18. LXXXVI, 443 p. 496 p. 7 fr. 

434. Jahn, Otto, Ciceron et ses ermemis litteraires ou le Brutus 
l'Orator et le de Optimo genere oratorum traduit d'une inreface de 
O. J. par Ferd. Gache et J. Sully Picquet. Suivi du texte annote du 
de optimo genere oratorum. Paris, Klincksieck 1886. 8. VII, 103p. 

435. Jail, O., de la decadence des etudes classiques en France; 
Discours. Vienne 1886. 8. 36 p. 

436. Le Blant , Edmund , les sarcopbages chretiens de la Gaule. 
Paris 1886. 4. XXIV, 171 p. 59 pl. (Collection de documents ine- 
dits sur l'histoire de France). 

437. Ledain, Belisaire, de l'origine et de la destination des camps 
romains dits cbätelliers en Gaule principalement dans l'Ouest. Poi- 
tiers 1884. 8. 120 p. (Aus den Memoires de la societe des anti- 
quaires de l'Ouest t. 7). 

438. Legrand, Maxime , les ruines romaines et les mosaiques de 
Souzy la Briche arrondissement d'Etampes (Seine et Oise). Orleans 
1886. 8. 39 p. 

439. Lehanneur , L. , le traite de Tertullien contre les Valenti- 
niens. Caen 1886. 8. 46 p. 

440. Martha, Constant, les moralistes sous l'empire romain, philo- 
sophes et poetes. 5. ed. Paris, Hachette 1885. 18. VIII, 341 p. 
3 fr. 50 c. 

441. Monceanx, Paul, de communi Asiae provinciae (Koivoy'Acias). 
Paris, Thorin 1885. 8. 137 p. 

442. — — , les proxenies grecques. Paris, Thorin 1886. 8. 
VIII, 331 p. 

443. Nageotte , E. , Histoire de la litterature latine depuis ses 
origines jusqu'au VI siecle de notre ere. 2. ed. Paris, Garnier 1885. 
18. 559 p. 

444. Flessis, F., Essai sur Calvus. Caen 1884. 8. 24 p. 

445. Flessis, Fridericus , Italici Ilias latina ed. praefatus est ap- 
paratu critico et indice instruxit. Paris, Hachette 1886. 8. LI, 
108 p. 5 fr. 

446. JRegnaud , Paul, la question des aspirees en sanskrit et en 
grec. Lyon 1886. 4. 20 p. 



274 Bibliographie. Nr. 4. 

447. Rcinuch '. , Salomon, traite d'epigraphie grecque. Prece'de 
d'un essai sur les inscriptions grecques par E. T. Newton. Paris, 
Leroux 1886. 8. XLIV, 560 p. 

448. Reville, Jean , la religion a Rome sous les Severes. Paris, 
Leroux 1886. 8. VII, 302 p. 

449. Rossignol, J. P., les artistes homeriques ou histoire critique 
de tous les artistes qui figurent dans l'Iliade et dans l'Odyssee. 2e 
ed. augiuentee d'un chapitre intitule: Dedale muntre" pour la pre- 
miere Ibis sous son vrai jour suivi de questions artistiques relatives 
ä Homere. Paris, Labitte 1886. 8. 339 p. 

450. Schliemann , Henri, Tirynthe, le palais prehistorique des 
rois de Tirynthe; Resultat des derniers fouilles avec une preface de 
F. Adler et des contributions de W. Dörpfeld. Paris, Reinwald 1885. 
8. LXVI, 409 p. 4 plans. 24 planclies. 188 gravures. 

451. Schliemann, Henri, Ilios, ville et pays des Troyens; resultat 
des fouilles sur l'emplacement de Troie et des explorations faites eu 
Troade en 1871 a 1882 avec une autobiograpbie de l'auteur. Traduit 
de l'anglais par Mme E. Egger. Paris 1885. 4. XII, 1038 p. 2 
cartes. 8 plans. 2000 gravures. 30 fr. 

452. Schoemunn, G. T., antiquites grecques traduit de l'allemand 
par C. Galuski. T. 2. Paris, Picard 1885. 8. 180 p. 

453. Souriau, Maurice, de deoruui ministeriis in Pbarsalia. Pa- 
ris, Hacbette 1886. 8. 93 p. 2 fr. 

454. Tardieu , Ambroise, voyage archeologique en Italie et en 
Tunisie , Rome, Naples, Pompei, Messine, Catane, Syracuse, Palerme, 
Malte, Tunis et Utique. Herment (Puy de Dome) 1886. 4. 27 p. 

455. Tuuxier, H., voies et villes romaines de la Manche: Cosedia, 
Fanum Martis, Legedia. Cosedia (Montcastre) Saint Lö 1886. 8. 16 p. 

456. Vacant, J. M. A., les versions latines de la Morale a Ni- 
comaque anterieures au XVe siecle leur emploi leurs caracteres leur 
parente leur date leurs auteurs. Paris, Taranne 1885. 8. 65 p. 

Italien. 

457. Ascoli, Ferrando , la storia di Brindisi. Rimini, Malvolti 
1886. 8. XXV, 527 p. 6,50 1. 

458. Blanc, Joseph, Bibliographie italico-fraucaise universelle ou 
catalogue methodique de tous les imprimes en langue fran9aise sur 
l'Italie ancienne et moderne depuis l'origine de l'imprimerie 1475 — 
1885. Vol. I: Rome Eglise Italie. Milan, auteur 1886. 8. 1038 
col. 15 lire. 

459. Bonanni, Teodoro, la numismatica antica e mediaevale della 
provincia del 2o Abbruzzo ulteriore e propriamente della citta dell' 
Aquila di Amatrice di Cittaducale di Sulmona di Tagliacozzo: rela- 
zione archivistica 1885 — 1886. Aquila, R. Grossi 1886. 8. 43 p. 

460. Briiio , E. , la provenienza degli Etruscbi. Modena , tip. 
Vincenzi 1885. 8. 116 p. 

461. Bruneri go , Gius., l'impero di Babilonia e di Ninive dalle 
origine fino alla conquista di Giro desciitto secondo i monumenti cu- 
neiformi comparati colla Bibbia. Prato 1885. 8. 2 voll. 599,585 p. 
8,50 lire. 

462. Carraroli, Dario, i primi storici di Alessandro Magno. 
Liceo-Ginnasio „Muratori" Modena 1885. 8. 63 p. 

463. Civinini, Gius., le conversazioni del giovedi ed altri scritti 
politici e letterari con proemio di Ruggero Bonghi. Pistoia 1885. 
16. XI, 414 p. 4 lire. 

464. Codici, i, Pala.tini della r. Biblioteca nazionale centrale di 



. Nr. ^. Bibliographie. 275 

j Firenze. Vol. I, fasc. 1 A. Bartoli, descrizione di 81 codici Palatini. 
\ Roma 1885. 8. 80 p. 1 1. fasc. 2. 88 codici. ib. 1886. 8. 80 p. 1 1. 
465. Collazione fiorentina di facsiinili paleografici greci e latini 
J illustr. da Girolamo Vitelli e Cesare Paoli. fasc. 2. Firenze, Le Mon- 
. uier 1885. fol. 13 — 24 tavole greci et latini. 

i 466. Ferro , Lod. dal , dei principi morali e religiosi nella tra- 

: ; gedia : Sofocle. Bologna, Zanichelli 1886. 8. 114 p. 2,50 1. 

467. Garrucci, Raffaele , le monete dell'ltalia antica: raccolta 
:'; generale. Roma, Loescher 1885. fol. 4, 118 p. csxv tavole. 150 lire. 

468. Gilli, Albino, il niito dei Dioscuri e il mito degli Asvini: 
j studio comparativo. Bologna, Zanicbelli 1885. 8. 30 p. 

469. Horatii Flacci, Q., opera omnia scholar. in usum ad optim. 
I edit. fidem castig. rec. C. Fumagalli. Verona, Drucker u. Tedeschi 

1885. 16. XXVIU, 232 p. 1,20 1. 

470. Isocrate il panegirico commentato da Giov. Setti. Torino, 
l Loescher 1886. 8. XXXV, 106 p. 2 lire. 

471. Majocchi, Rod., la dottrina dei dodici apostoli : documento 
I della chiesa primitiva pubblic. nel suo testo originale con versione e 

commento. Milano 1885. 8. 83 p. 

472. Pietroqrande, Gr., un soldato della legione XIV in Ateste. 
\ Este 1886. 8. "16 p. 

473. Plauto , i Captivi commentati da Enrico Cocchiu. Torino, 
I Loescher 1886. 8. 118 p. 2,50 1. 

474 — , il Trinummus commentato da Enrico Cocchia. Torino, 
1 Loescher 1886. 8. VIII, 138 p. 2 1. 

475. Pamorino, Fd., letteratura romana. Seconda ediz. corretta. 
• Milano, Hoepli 1886. 16. 111,290 p. 

476. Eevelli, G. B. Alb., Mura antiche di Verona e loro vicende: 
ii breve cenno storico militare. Verona, Drezza 1885. 8. 87 p. carta. 

477. Ruggiero , Michele , storia degli scavi di Ercolano riconi- 

I posta sui documenti superstiti. Napoli , Furchheim 1885. 4. LI, 
696 p. 12 tavv. 60 lire. 

478. Subbadini , Remigio, Storia dei Ciceronianismo e di altre 
1 questioni letterarie nell' eta della rinascenza. Torino, Loescher 1885. 
| 8. 136 p. 3 lire. 

\ 479. Siniscalchi , Luigi , esposizione critica della dottrina dello 

'• stato secondo la Reppublica e le Leggi di Piatone. Cosenza 1886. 8. 
1 61 p. 1,50 lire. 

480. Tavemi, Romeo, sopra il nai&aywyog di Tito Flavio Cle- 
:i mente Alessandrino: discorso. Roma 1885. 4. 36 p. 

481. 2'e?itori, Tullio, la poesia pastorale in Teocrito e Virgilio: 
studio critico. Verona, Drucker e Tedeschi 1886. 8. 47 p. 75 c. 

482. Vannucci, Atto, studii storici e morali sulla letteratura la- 
' tina. Torino 1886. 8. 650 p. 5 lire. 

t Beilage A. Programme und schulschriften. 

483. Festschrift zur einweihung des Wilhelm - gymnasiums zu 
' Hamburg am 21. mai 1885, hrsg. vom director und lehrer-collegium 

desselben. Hamburg 1885. 4. (Philolog. inhalt: A. Wilms , über 
( die quellen der geschichte des ersten sclavenkriegs. — O. Pauli, über 

die interpunction bei den Römern — H. Christensen , über den Vi- 

gintisexvirat und den eintritt in den senat. — M. Klußmann , Con- 
i iectanea critica ad Tertulliani libros ad nationes. — J. H. Hansen, 

über die bevölkerungsdichtigkeit Attikas und ihre politische bedeu- 
I tung im alterthume. 



276 Bibliographie. Nr. 4. 



Beilage B. Academica und dissertationen. 

Bern. 484. Dick , Adolph, de Martiano Capeila emendando. 
Bern 1885. 8. 58 p. 

485. Maag , Albert, de Ibidis Ovidianae codicibus. Bern 1885. 
8. 63 p. 

Erlangen. 486. Müller, Iwan, specimen II novae editionis li- 
bri Galeniani bn ralg iov oiv/ncaog xoäcton' cd ttjg yjvyji 1 ; ävväfing tnoyrai. 
Erlangen 1885. 4. 

487. Boehner, Aug., de Arriani dicendi genere. ib. 1885. 8. 57 p. 

488. Gregoras , Demosthenes, kritische betrachtungen über das 
leben und die lehren des Etippokrates. ib. 1885. 8. 27 p. 

489. Holly, Fr. Jacob, Quaestiones Anacreonteae. ib. 1885. 8. 52 p. 

490. Huettner , Georg, Demosthenis pro Phormione oratio adno- 
tatione critica instructa et commentario explanata. ib. 1885. 8. 104 p. 

491. Michael, Athanasius, gebrauch der präposition inl bei Ari- 
stophanes. ib. 1885. 8. 39 p. 

492. llav ki&ov, hoaxiu 1., Jafnou r\ MvnXtjvaia. Leipzig 1885. 
8. 50 p. 

493. Schwanke, Arminius, de M. Tullii Ciceronis quae fertur 
oratione pro M. Marcello quid statuendum esse videatur. Bromberg 
1885. 8. 64 p. 

Jena. 494. Aronis, Christos, Xgvoi-Tinog yga^fjaiixög, Jena 1885. 
38 p. 8. 

495. Heubach, Herrn., Commentarii et indicis grainmatici ad 
Iliadis scholia veneta A spec. I quibus vocabulis artis syntacticae pro- 
priis usi sint Hoiueri scholiastae. ib. 67 p. 

496. Krumblwlz, Franc, de praepositionuni usu Appianeo. Jena 
1885. 8. 58 p. 

497. Meifart, Theoph., de futuri exacti usu Plautino. ib. eod. 
27 p. 8. 

498. Meyer, Paul Erich, quaestiones grammaticae ad Scauri ar- 
tem restituendam spectantes. ib. eod. 70 p. 8. 

499. Müller, Rieh., de interiectionum apud Sophoclem Euripi- 
demque usu significatione rationibus metricis parsl. Jena 1885. 51p. 8. 

500. Neumann, Emil., de compositorum a dis (di) ineipientiuni 
apud priscos scriptores vi et usu. ib. 1885. 8. 36 p. 

501. Scipio, Konr., des Aurelius Augustinus metaphysik im rah- 
men seiner lehre vom übel. I. Leipzig 1886. 8. 47 p. 

502. Stuhfmann, Joh., de vocabulis notionum philosophicarum in 
Epicteti libris. Neustadt 1885. 8. 60 p. 

503. Unrein, Otto, de Aviani aetate. Jena 1885. 8. 64 p. 
Kiel. 504. Blaß, Fried., de Phaetontis Euripideae fragmentis 

Claromontanis. Accedit tabula photolithographica. Kiliae 1885. 4. 

505. Blaß, Friedr. , die socialen zustände Athens vom 4. jahrh. 
v. Chr. Kiel 1885. 8. 20 p. 

506. Amunn, Rud., de Corippo priorum poetarum Latinorum imi- 
tatore. Oldenburgi 1885. 4. 

507. Milchin, Joh., de Choricii Gazaei veterum Graecorum scri- 
ptorum 8tudiis. Kiliae 1884. 8. 63 p. 

Königsberg. 508. Jordan, H., Quaestiones Ernianae. Regi- 
monti 1885. 4. 8 p. 

509. Buzello, Iulius, de oppugnatione Sagunti quaestiones chro- 
nologicae. ib. 1886. 8. 42 p. 

510. Hoffmann , Frid. , de Festi de verborum significatione libris 
quaestiones. ib. 1886. 8. 49 p. 

511. Hutecker, Wilh., über den falschen Smerdis. ib. 1885. 8. 73p. 



( Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 277 

512. Jeschonnek , Priedr. , de nominibus quae Graeci pecudibus 
doinesticis indiderunt. ib. 1885. 8. 65 p. 
)! 513. Konitzer, Theod., de fabulae Prometheae in arte Htterisque 

usu. ib. 1885. 8. 35 p. 

514. Meyer, Georg, die Karier. Eine ethnographisch- linguistische 
; Untersuchung. Göttingen 1885. 8. 26 p. 

515. Neumann, Maxim., de iinperativi apud epicos Graecos tra- 
ij gicos Aristophanem forrnis atque frequentia. ib. 1885. 8. 56 p. 

516. Prellwitz, Gualtharius, de dialecto Thessalica. Göttingen 
1 1885. 8. 63 p. 

a 517. Seliger, Maxiniil., de versibus creticis sive paeonicis poe- 

taruin Graecorum. Regimonti 1885. 8. 52 p. 
j: 518. Stettiner, Paul, ad Solonis aetateui quaestiones criticae. Re- 

: gimonti 1885. 8. 54 p. 

| 519. Ziemann, Franciscus, de anathernatis Graecis. ib. 1885. 

ii 8. 60 p, 

Tübingen siehe oben no. 305 A. v. Gutschmid. 



Kleine philologische zeitung. 

München, 10. decemb. Heute feierte dr. W. von Christ sein 
i 25jähriges Jubiläum als professor der classischen philologie an 
hiesiger Universität. Die Müuch. Allg. ztg. 1885 beil. 2 zu nr. 
343 giebt über die feier nähere auskunft. 

Die höhern lehranstalten in Genua , Catania , Messina sind 
i nach längerm schwanken von der regierung zu Universitäten er- 
sten ranges erhoben worden, eine maaßregel, mit der nach Allg. 
; ztg. 1885 beil. zu nr. 345 manche unzufrieden siud , da es in 
Italien schon genug professoren und Studenten gäbe. 

In der Pfalz ist ein römischer grabstein angeblich aus dem 
ii dritten jahrh. p. Ch. gefunden, den Allg. ztg. 1885 beil. 2 zu nr. 

- 345 ungenau beschreibt: die inschrift beginnt mit den namen : 
c Mero . Vituo . Parienis. 

Bei gelegenheit der Main - canalisation sind mancherlei alt- 
römische geräthe und drgl. zu tage gefördert , worüber Allg. 
i ztg. 1885 nr. 350 kurz berichtet. 

Ueber eine sehr gelungene aufführung von Sophokles Oe- 
dipus Rex in Karlsruhe nach der trefflichen Übersetzung von 
[l Wendt berichtet Allg. ztg. 1885 beil. zu nr. 350. 

Das römische lager zu Campodunum (Kempten) wird aus- 
führlich besprochen in Allg. ztg. 1885 nr. 353, beil. 1 zu nr. 354 
-• von F. Ohlenschlager. Dazu vrgl. Allg. ztg. 1886 beil. 2 zu 

- nr. 6 und oben hft. 1, p. 60. 

Ein kurzes resume" eines über Rhätien und dessen älteste 

bevölkerung, wobei auch die Etrusker auf eigenthümliche art 

berührt werden, am 18. december 1885 in der anthropologischen 

• gesellschaft zu München von Steup gehaltenen Vortrags giebt 

j beil. 2 zu Allg. ztg. 1885 nr. 355. 

Eine anzeige über Schliemanns Tiryns von dr. Mähly ent> 
I hält beil. zu Allg. ztg. 1885 nr. 355. 

Philo!. Anz. XVI. 19 



278 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. { 

Antike funde in neuster zeit im Martinsbüchel in Tirol er- 
wähnt auf unklare weise Allg. ztg. 1885 nr. 356: es sind auch 
kanonenkugeln dabei. 

Notizen über den aufschwung der medicinischen facultät in 
Dorpat und dadurch veranlaßte erweiterungen desinstituts giebt 
Münch. allg. ztg. 1886, nr. 1. Doch vgl. unt. nr. 6 zu 15. märz. 

1886 Allg. ztg nr. 2 bringt von Schöners Capri fortsetzung 
nr. X , in welcher ein römischer Sarkophag beschrieben , dann 
von der läge der alten Stadt, ihren cisternen und quellen ge- 
handelt und schließlich wahrscheinlich gemacht wird , daß an 
einzelnen stellen das land gesunken und daher alte baulichkei- 
ten auf dem meeresgrund sich zeigen. Den Schlußartikel zu 
Schöners berichten über Capri, nr. XI, bringt Münch. allg. ztg. 
beil. zu nr. 41. 42 : er enthält zuerst eine beschreibung einer 
der größten von Tiberius hier erbauten villen, kommt dann auf 
die blaue grotte , die in der jetzigen weise im alterthum wegen 
Veränderung des nordrandes der insel - — er stieg ungefähr sechs 
meter höher als jetzt aus dem meere empor — nicht existirte, 
und daher von den alten nicht erwähnt wird: er beschreibt die 
wunderbare eigenthümlichkeit der grotte , den magischen reiz 
beim baden in derselben und giebt dann notizen zu ihrer ge- 
schichte: zum Schluß wird noch vom Timberino gehandelt, der 
einzigen stelle der insel, die an den kaiser Tiberius durch ih- 
ren namen erinnert. Sonst vrgl. Phil. anz. XV, 12, p. 650. 

Am 5. januar 1886 feierte der conrector des gymnasiums 
zu Friedland in Mecklenburg, professor dr. August Dühr, geb. 
den 10. mai 1806, in voller rüstigkeit den tag seines 50jährigen 
amtsjubiläums. Unter den wissenschaftlichen festgaben ist zu 
nennen die gratulationsschrift des gymnasiums, welche außer ei- 
ner poetischen begrüßnng des directors Ubbelohde abhandlungen 
von Ad. Funk Ueber Hom. Ilias IX, 34, 0. Neckel ' ' Aqyayov- 
irjg, G. Lang Plautina, H. Rieck Die gelehrte bildung des apo- 
stels Paulus, W. Salow die Stellung der parteien bei dem tode 
Heinrichs V, E. Marx Ueber einige trisectionscurven enthält. 
Ein griechisches festgedicht von G. Sellin überbrachte das Schwe- 
riner, ein lateinisches von Tb. Fritzsche das Güstrower gymna- 
sium. Andre schulen hatten ihre theilnahme durch votivtafeln 
bekundet. Der Jubilar hat sich durch schritten grammatischen 
und metrischen Inhalts sowie durch eine biographie J. Haussi's 
und eine reihe von gelungenen lateinischen und besonders grie- 
chischen dichtungen bekannt gemacht. 

„Die frage nach den griindern von Tiryns" ist ein artikel 
in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 15 überschrieben , der mahnt, 
Tiryns als eine vorhellenische , nicht griechische gründung an- 
zusehen. Vrgl. unt. hft. 6. 

Regensburg, 16. januar. (Die porta praetoria). Die vor ei- 
nigen monaten dahier zum Vorschein gelangte porta praetoria 



Nr. 4. Kleine philologische Leitung. 279 

hatte im vorigen sommer sehr bald das interesse des reisenden 
s publicums gewonnen , und selbst der kronprinz des deutschen 
reiches hatte ihr die ehre seines besuches zu theil werden lassen. 
1 Besonders aber widmen die archäologischen fachjournale dem 
höchst merkwürdigen baulichen denkmal römischer machtentfal- 
: tung ihre aufmerksamkeit. So nahm selbst das „Correspondenz- 
(jblatt der Westdeutschen Zeitschrift" „wegen der mannichfachen 
ibelehrung, die auch die westdeutsche fbrschung aus dem Re- 
gensburger funde gewinnt" veranlassung, demselben einen arti- 
kel aus der feder von professor Ohlenschlager in München zu 

■ widmen, dessen Schluß wir an dieser stelle auch wohl weiteren 
I kreisen mittheilen dürfen: „das thor entbehrt ganz eines archi- 
; tektonischen schmuckes ; es sollte nur dem bedürfniß dienen, ist 
i aber gerade dadurch archäologisch um so merkwürdiger, weil 
i es uns ein sonst nirgends erhaltenes bild giebt, wie die meisten 

thore der römischen standlager in der provinz ausgesehen haben, 
ri für welche die porta nigra in Trier als prachtbau durchaus 
i nicht als vorbild angesehen werden kann. Ueber das künftige 
>• Schicksal dieses neu aufgefundenen zeugen kriegerischer macht- 
i entfaltung der Römer an der Donau ist noch keine sichere ent- 
: Scheidung getroffen. Hoffen wir , daß es den vereinten bemü- 
' hungen der alterthums- und geschichtsfreunde in Regensburg 
'■ gelingen möge, das thor und den thurm nicht bloß zu erhalten, 

sondern auch derartig von anbauten zu befreien , daß sie dem 
I blick des beschauers sich unverhüllt bieten als das älteste er- 
haltene baudenkmal in unserem lande, ebenso merkwürdig und 
r ebenso ehrwürdig als die reste der altrömischen mauer beim 

■ tempel des Mars Ultor in Rom, mit deren thor und steinver- 
i band das Regensburger thor die größte ähnlichkeit hat". Die 
f in London erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift : „The Athe- 
näum" bringt in nr. 3024 vom 10. octobcr vorigen Jahres aus 

i der feder des bewährten kenners und erforschers römischer ge- 
- schichte, reverend Joseph Hirst, einen ziemlich ausführlichen be- 
zieht über das römische thor und die badeanlage in hiesiger 
3 Stadt, durch deren aufdeckung in diesem jähre alle freunde der 
'geschichte erfreut wurden. Angesichts des interesses, das man, 
'iwie der erwähnte aufsatz beweist , sogar in England an den 
-hiesigen entdeckungen nimmt, darf man hoffen, daß dasselbe hier 

in noch höherem maße zu tage trete, und daß insbesondere alle 
^schritte gethan werden, damit die ebenso seltene als interessante 

Porta praetoria nicht nur erhalten bleibe, sondern auch zugänglich 

-gemacht und freigestellt werde. — Münch. allg. ztg. beil. 2, nr. 20. 

Einen lesenswerthen nekrolog von dem architekten James 

i Ferguson, der auch als alterthumsforscher bekannt namentlich mit 

Schliemann viel verkehrt hat, findet man in Allg. ztg. beil. zu nr. 19. 
1 Bei Reichenhall hat man reihengräber aufgedeckt und dabei 

ist eine römische ara aus rothem Untersberger marmor mit einer 

19* 



280 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

verwitterten inschrift, auch eine münze von Marcus Aurelianus(?) 
aufgefunden : Münch. allg. ztg beil. 2 zu nr. 22. 

Paris, 20. jau. In Frankreich beschäftigt man sich lebhaft 
auch mit der unterrichtsfrage und bespricht die art, wie auf den 
verschiedenen lehranstalten die lehrstoffe zu behandeln und was 
als solche zu betrachten sei. Aufsehen hat das buch von Raoul 
Frary gemacht, La question du latin : er will griechisch und la- 
tein ganz von der schule verbannen und durch die neuern spra- 
chen ersetzen. Daher hat der unterrichtsminister Goblet am 17. 
jan. in einer zu Bordeaux gehaltenen rede geglaubt über diese 
gegenstände sich aussprechen zu müssen : er will den Unterricht 
in den beiden classischen sprachen auf eine anzahl von gym- 
nasien beschränken, die übrigen Lycies und Colleges in realgym- 
nasien umbilden, in denen nur die modernen sprachen, vornehm- 
lich französisch, gelehrt werde. Ferner müsse das examenwesen 
umgestaltet werden: dagegen will er aber die jetzigen facul- 
täten beibehalten , und diese nicht , wie professor Michel Breal 
will, nach art der deutschen Universitäten umändern , also nicht 
die verschiedeneu facultäten an! einem ort vereinigen. Damit 
hat er viele verletzt: wir theilen hier nach Münch. allg. ztg. 
nr. 23 mit , wie sich über diese ansieht des ministers das Jour- 
nal des dibats äußert: ,, Goblet erinnerte mit leicht begreiflicher 
befriedigung an ein von ihm jüngsthin veranlaßtes decret, wel- 
ches den facultäten eine gewisse Unabhängigkeit gewährt und 
antwortete auf den Vorwurf, er gehe der Schöpfung wirklicher 
Universitäten aus dem wege : „die bezeichnung „Universität" ist 
schließlich nur ein wort. Worauf es ankommt, ist die sache, 
die fruchtbare und freie Vereinigung der verschiedenen zweige 
des menschlichen wissens unter der aufsieht des Staates zur er- 
ziehung der jugend". Hierüber sind wir ganz mit dem unter- 1 
richtsminister einverstanden , und wir klammern uns nicht an 
das wort „Universität". Was uns peinlich berührt, das ist, daß 
die jüngste reform die Schöpfung von mittelpuncten des höhereu 
Unterrichts, welche ein sclbstständiges dasein führen, nicht nur 
nicht begünstigt , sondern hindert. „An den facultäten selbst 
ist es, sagt Goblet, diesen Organismus zu entwickeln, zu beleben, 
daraus wahre Universitäten zu schaffen, welche das gesetz später 
bestätigen wird". Uns will bediinken , wir stehen hier einer 
illusion gegenüber. Wie könnten wirkliche Universitäten sich 
von selbst bilden, wie der gesetzlichen anerkennung zuvorkom- 
men, so lange die beitrage des Staats, der departements und der 
städte, die hülfsmittel aller art, das lehrpersonal und die Zög- 
linge von gesetzeswegen auf sechzehn oder siebzehn städte zer- 
splittert, statt auf fünf oder sechs concentrirt sind? Goblet 
giebt selbst zu, daß „gewisse , in ungünstigen Verhältnissen le- 
bende facultäten einem unrettbaren verfall geweiht scheinen". 
Statt sie so vegetiren zu lassen , statt ihnen auf Staatskosten 



' Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 281 

durch Stipendien und besoldung der lehrstühle ein Scheindasein 
zu sichern , statt auf diese weise die entfaltung anderer anstal- 
/ ten, welche lebensfähig wären und sich zur blüthe erheben könn- 
$ ten, zu hindern, sollte man, meinen wir, einen energischen ent- 
5 Schluß fassen , eine gute hälfte unserer facultäten opfern , die 
s übrigen gruppiren und so unseren höheren Unterricht neu be- 
v leben". — Ob minister Goblet diese ansichten berücksichtigen 
. werde, steht dahin : er scheint sehr energischer natur. Bei der 
1 berathung des Volksschulgesetzes im senat am 5. februar er- 
i| klärte er , ordensgeistliche als lehrer in den schulen nicht an- 
J: stellen zu wollen, da sie nicht den weltlichen behörden, sondern 
i ihren geistlichen obern in conflicten gehorchten : auch sei con- 
j fessioneller Unterricht von der schule auszuschließen , dagegen 
J in der Sittenlehre zu unterweisen : „der glaube an gott werde 
j aufrecht erhalten , der aberglaube verbannt". Auf die entgeg- 
[i nung , wie er die katholischen glaubenslehren als aberglauben 
i bezeichnen könne, erwiderte er: „ein volk kann nicht ohne den 
; glauben an ein ideal leben, unser ideal ist das vaterland": 
f Frankreich will, wie er weiter s^gt, frei in einer selbstgewählten 
i regierungsform leben, nicht unter einem einzelnen oder einer 
j käste stehen: Münch. allg. ztg. nr. 40. Man sieht, man steht 
? in Frankreich den ideen der ersten revolution schon sehr nahe: 
für uns sind nicht allein wegen der Unterrichtsfrage diese vor- 
i gänge von großer bedeutung. — Vgl. unt. hft. 6. 
\ Ueber römische münzen im innern Chinas findet sich ein 

i aus dem North China Herald 1885 vom 9. december entlehnter 
ij artikel Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 24, der diese münzen in 
j China nachweist und sich über die handelswege und Verbindungen 
i der Eömer mit China und angrenzenden ländern verbreitet : zu be- 
i dauern ist, daß dem Verfasser von den alten chinesischen quellen 
| sowohl als auch von neuerer literatur so wenig bekannt gewesen : 
J dies hat v. L. S. veranlaßt, „die beziehungen zwischen den Römern 
:| und den Chinesen" in der Münch. allg. ztg. nr. 39 etwas ge- 
I nauer zu erörtern : er zeigt unter benutzung chinesischer quel- 
ji len, wie von 200 a. Chr. bis 800 p. Chr. in China das bestre- 
v ben der regierung dahin ging , sich in Mittelasien festzusetzen 
$ und dadurch Verbindungen mit dem westen und dessen großen 
t reichen anzuknüpfen : in der zeit der regierung des kaisers M. 
i Aurelius Antoninus scheint man in diesem bestreben am weite- 
: sten gekommen: um 166p.Ch. gingen römische gesandtschaften 
; nach China und die handelsverbindungen der Eömer erstreckten 
< sich sowohl dahin als nach Indien Später, nach dem stürz 
i der Parther und nach entstehung des römisch - byzantinischen 
) reichs ward aber der verkehr immer schwächer und hörte mit 
i dem entstehen und erstarken des Islam ganz auf. Uebrigens 
1 läßt sich nach diesen mittheilungen manche stelle der alten, 
ä auch des Horaz, etwas bestimmter erklären. 



282 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

Berlin 21. jan. In der heutigen sitzung der academie der 
Wissenschaften sprach Th. Mommsen über die Germania des Ta- 
citus : man müsse sie in die engste Verbindung mit den Historiac 
setzen ; da sie als integrierender theil derselben zu groß gewe- 
sen, habe sie Tacitus besonders herausgegeben: Münch. allg. ztg. 
beil zu nr. 24. Es ist eine derartige ansieht unhaltbar, weil 
gegen sie vor allem der stil in der Germania spricht, der von 
dem in den Historien verschieden dem in den Annalen sich nä- 
hert: dann steht ihr auch die kunstgewöhnung des Tacitus ent- 
gegen. Die Germania scheint für eine recitation bestimmt und 
als solche zuerst vorgetragen : die einleitung dazu wie der schluß 
ist bei der herausgäbe weggelassen. 

Rom, 24. jan. Eine beschreibung der feier des auf den 
heutigen tag fallenden 70. geburtstages des professor dr. Henzen 
giebt Münch. allgem. ztg. nr. 27. 

Eine ausführung über die tendenz und die thätigkeit des 
l E)Jrivtxö$ ffi'koloywbc GiÄXoyog in Konstantinopel giebt K. Sittl 
in Münch. allg. ztg. zu nr. 31. 

Unter der Überschrift „Ethnologisches aus Südost- Europa" 
wird von A. v. Schweizer- Lerchenfeld über die entdeckungen 
und reisen seit Schliemann und Humann gehandelt und die 
Wanderungen der ältesten Arier etwas darzustellen versucht in 
Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 35. 

Die zweite aufläge von A. Böttichers buch Olympia wird 
in Münch. Allg. ztg. beil. zu nr. 35 kurz besprochen und em- 
pfohlen. 

Ueber eine nichtige die Ashburnham-bibliothek betreffende 
Interpellation in der deputirtenkammer zu Rom berichtet Münch. 
allg. ztg. nr. 38 : über eine gleiche dieselbe in nr. 90 : wir erwähnen 
derselben wegen der abhandlung im Piniol. XLV 2, p. 201. 

Athen, 5. februar. Bei den jetzigen ausgrabungen auf der 
Akropolis fand man unweit des Erechtheion drei statuen von 
fraueu, ausgezeichnet erhalten, in halber lebensgroße, mit großen 
köpfen und völlig bemalt. Sie gehören dem Zeitabschnitt vor 
Phidias an, und sind fein ausgeführt. Sie lagen in einer tiefe 
von drei metern. Sie sind von äußerster Wichtigkeit für die 
kunstgeschichte. Münch. allg. ztg. 1886, nr. 40. 

Zum Grimmdenlcmal. Nach einer uns freundlich gewordenen 
mittheilung beliefen sich die bis zum 15. juli 1885 eingegange- 
nen gelder für das Grimm-denkmal in Hanau (vgl. PhAnz. XV, 
3, p. 184) genau auf 56048 mk. 21 pf., wovon Hanau 21068 mk. 
1 1 pf. gegeben hatte, während der rest von auswärts eingegangen ist. 
Jetzt werden mit dennoch hinzugekommenen betragen und Zinsen 
mindestens 60,000 mark da sein. Zur Vollendung des doppel- 
denkmals in bronze sind aber mehr als 90000 mark nöthig. Es 
ist aussieht vorhanden daß in dem laufenden jähre noch einige 
tausend mark hinzu kommen, so daß dann mit den vorarbeiten, 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 283 

! ausschreibung und concurrenz u. dgl. wird vorgegangen wer- 
i den können. — Vrgl. Münch. allg. ztg. nr. 43. 

Aus Köln wird ein fund gemeldet. In einem innerhalb der 
? Stadt bloßgelegten römischen grabe fand man unter einem stein mit 
jj inschrift einen aureus des Postumius von vorzüglicher erhaltung, 
und vor allem eine ovalgeformte broche von nahezu 5 centimeter 
ii länge : ein ovaler sardonyx ist mit feingearbeitetem filigran ge- 
ü faßt. Auf dem stein ist vertieft eine nackte männliche figur 
I (Apollo) mit übereinander geschlagenen beinen neben einer säule 
ii stehend und eine lyra haltend dargestellt. Die rückseite des 
i Steines bildet die Vorderseite der broche , die skulpirte seite die 
rückseite; letztere ist mit einer goldplatte unterlegt. Bei der durch- 
i sichtigkeit des Steines erscheint das bild wie ein hochrelief unter glas. 
Den mittheilungen des professors dr. von Hartel in den Si- 
tzungsberichten der kaiserlichen akademie der Wissenschaften zu 
i Wien vom 5. mai 1886 (no. XI) entnehmen wir folgendes: Bei 
; Untersuchung des patristische fragmente enthaltenden codex Au- 
relianensis no 169 in Paris fand dr ■. Gundermann palimpsestische 
j stücke : diese von dr. Haider genau untersucht , ergaben unter 
1 dem Hieronyrnustexte, fragment 5 und 7, auf fünf blättern (fol. 
i 15, 18 bis fol. 20) neue bruchstücke aus Sallust's Historien. 
: Das letztere fragment (fol. 20a) zeigt nicht nur äußerlich hin- 
sichtlich der Verstümmelung, schrift, zeilen- und columnenzahl 
des palimpsestes eine auffallende ähnlichkeit mit dem fragm. 
: Berolinense (Iordan's Sallust-ausgabe 2, p. 124), sondern es 
erweist sich geradezu als ergänzung desselben , indem dessen 
I erste und vierte columne durch die buchstabenreste der spalte 
I IV und I bei Iordan vervollständigt werden. Dadurch ist zu- 
: gleich im Berliner bruchstücke das nach den angaben des Um- 
schlages zu unserem fragmente aus dem Orlöaner codex verlo- 
rene zweite blättchen ausfindig gemacht. Die von diesem in 
der handschrift noch vorhandenen kleinen Überbleibsel scheinen 
j darauf zu deuten, daß dasselbe aus ihr (vielleicht von Libri) 
i in einem unbewachten augenblicke herausgerissen worden ist. 
j Der text des fragmentes erhebt Bergk's und L. Roth's (Rhein, 
mus. VIII, p. 433 ff.) vermuthung, daß dasselbe den anfang 
der rede Cotta's aus Sallust's Historien biete , zur thatsache. 
I Ferner ermöglicht jetzt der Zusammenhang die correctur mehre- 
i rer lesungen Pertz' u. a. in dem durch anwendung von Giober- 
tischer tinctur bald nach dem funde nahezu unlesbar geworde- 
nen Berliner palimpseste. Die worte aber , welche der rede 
Cotta's vorausgehen , helfen uns , die Vermittlung zwischen der 
gefährlichen demonstration der plebs wider die consuln des Jah- 
res 75 v. Chr. (C. Cotta und L. Octavius) und jener uns im 
Vatic. 3864 völlig erhaltenen rede herzustellen. — Die vollstän- 
digere spalte auf fol. 20b, welche die columne I bei Jordan er- 
gänzt und der anderen vorausgeht, handelt über den amtsan- 



284 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

tritt der nämlichen consuln und gibt eine kurze , aber treffende 
Charakteristik der beiden uns wenig bekannten persönlichkeiten. 
— Das zweite weit umfangreichere fragment (fol. 15 — 18) enthält 
theile aus dem briefe des Pompejus an den römischen senat, 
jenem merkwürdigen antiken bulletin , durch welches der histo- 
riker die fähigkeit des Pompejus, die Wahrheit zu seinen gun- 
sten zu modeln , glücklich zeichnet. Eine weitere (allerdings 
schwer lesbare) spalte berichtet über die an dieses schreiben 
sich knüpfende debatte im senate, und mehrere andere enthalten 
interessante scenen aus den kämpfen des Pompejus und Serto- 
rius in Spanien , sowie aus dem erfolgreichen feldzuge des P. 
Servilius Isauricus gegen die piraten. Dieselben sind alle der 
Zeilenzahl (21) nach vollständig, einige auch seitlich unverletzt. 
Damit ist auch die frage über die länge des verstümmelten Sal- 
lustfragmentes im Vaticanus gelöst, welches sich durch seine pro- 
venienz , die völlige Übereinstimmung in schrift (vgl. E. Chate- 
lain, Paldographie des classiq. latins pl. LI) , Orthographie und 
abkürzungen als zu der nämlichen handschrift gehörig darstellt. 
Allerdings ist die lesung des fragmentes 5 theilweise mit noch 
größeren Schwierigkeiten verknüpft als die des kleineren bruch- 
stückes , zumal sich hie und da zwischen die schwach durch- 
schimmernden züge des Sallusttextes eine noch tiefer liegende 
ähnliche capitale störend eindrängt, so daß also diese blätter zu 
einem codex ter scriptus , wie es die handschrift des Britischen 
museums mit des Granius Liciniauus annalistischen bruchstücken 
ist, gehörten. Auch die geringen Charakteristika einer reihe 
von capitalzeichen , welche nicht selten von den in gleicher 
richtung darüberlaufenden neuen zeilen verdeckt werden , end- 
lich einfließende fehlerhafte Schreibungen , welche theils auf die 
flüchtigkeit des alten copisten , theils auf die incorrectheit des 
archetyps zurückgehen , erschweren das dechiffriren besonders 
des letzteren bruchstückes in ungewöhnlicher weise. — Genaue- 
res über diesen fund wird demnächst in der Revue de philologie 
und in dem anzeiger der philosophisch -historischen classe der 
Wiener academie der wissenschaffen veröffentlicht werden. Ei- 
nige mittheilungen hierüber finden sich auch in der Münchener 
allgemeinen zeitung, vom 19. mai 1886, beilage zu no. 138. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Philologische ab Handlungen aus Zeitschriften 18 8 6. 

No. 3. 

Antologia, Nuova 1885, fasc. 24. Oiacomo Zanella, quattro idilli 
di Teocrito. — 1886, fasc. 1 2.— fasc. 3. O. Marucchi, un eroina cri- 
stiaua sotto il regno di Marco Aurelio e la sroperta de! suo sepolcro. 
— fasc. 4. 5. — fasc. 6. Q. Setti, una recente escursione in Grecia. — 
B. Franrlict.fi, dclle Rane di Aristofane; saggio di traduzione. — 
fasc. 7. 0. Marucchi, la guarnigione dell' antica Roma a proposito 
di una recente scoperta. 



jj Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 285 

Archiv für anthropologie. Bd. XVI, heft 1. 2. — heft 3. R. Andree, 
die masken in der Völkerkunde. — E. Bötticher, die cultusmaske und 
. der hochsitz des ohres an ägyptisch-assyrischen und griech. -römischen 
bildwerken. 

Archiv für latein. lexikographie und grammatik hrsg. von E. 
i Wülfflin. Jahrg. IT, heft 4. Fr. Stolz, per und anhang. — F. Bü- 
cheier, Titus. — Ph. Thielmann, habere mit part. perf. pass. I. — K. 
. Sittl, zur beurtheilung des sogenannten mittellateins. Ed. Wülfflin, 
instar, ad instar. — G. Goetz, Afannae. — E. Haider, Thesauri la- 
' tini spec. VI. — A. Zingerle } donicum, donec cum. Episcopium. — 
l Miscellen: Zur Lex metalli Vipascensis. — J. M. Stowasser, Con- 
iectauea. — Fr. Vogel, inscius ignotus. — K. Sittl, zum gastmahl 
c des Trimalchio. — Calandra. — S. Dehner, saraballum. — E. A. 
Gutja kr -Probst, coromagister. — L. Havel, prologus. — E. Wülfflin, 
Varia. - Litteratur. Jahrg. III, 1886, heft 1. W. Hartel , Lucifer 
^ v. Cagliari u. sein latein. — E. Wülfflin, capreolus, cabviolet. — P. f 
I zu den latein. Sprichwörtern. — G. Goetz, zu Placidus p. 49, 10. — 
( .F. Wülfflin, der substantivirte infinitiv. — E. Haider, Thesauri la- 
, tini speeimen VIT. — K. Hofmann, cautuna. — Besta bestea besto- 
lus. — Intimare. — A. Müller, curvus, uneus und composita. — E. 
Wülfflin. paeifico. — Addenda lexicis latinis E. F. 6 — B. Dom- 
>> hart, dimicatura. •— G. Grüber, Vulgärlatein. Substrate romanischer 
[ Wörter. — C. Sittl, cerrum. — Miscellen: F. Bücheier, zu Lucilius 
, und zur altlatein. prosodie. — B. Dombart, storia inormis. — Joh. 
J Haußleiter, a ab abs. — M. Petschenig, transitive verba als reflexiva 
bei Corippus. 

Archives des missions scientifiques et litteraires. III. Serie, t. XI. 
R. Cagnat, rapport sur une raission en Tunisie 1881 — 82. — Ch. 
Tissot, quatrieme rapport sur les missions archeologiques en Afrique. 
\ Archivio giuridico XXXV, 5/6.— XXXVI, 1/2: Brandileone , il di- 

ritto greco-romano nell'Italia meridionale sotto la dominazione nor- 
manna. — Pernice, l'ordo iudiciorum e l'extraordinaria cognitio du- 
1 i - ante l'impero romano tradotto da A. Gaudenzi. 

I Beiträge zur künde der indogerman. sprachen hrsg. v. Ad. Bez- 

i) zenberger. Bd. X, heft 3/4. F. Beehtel, Parerga — F. Frühde, Ety- 
j mologicum. — S. Lehmann, zur etymologie von Leo Löwe. — K. Lu- 
gebil, die ältere form des griechischen namens der Karier. — H. Col- 
litz, uachtrag zu p. 34 ff. — E. Wilhelm, zum Übergang von der un- 
5 thematischen zur thematischen coniugation. — Const. Angermann, 
i Georg Curtius. — XI, heft 1. 2. <S. Bugge, beitrage zur erforschung 
■i der etrusk. spräche II. — R. Meister, fcftyiov u. ad/jfvig. 
■■ ■ Berichte der sächs. gesellsch. d. wissensch zu Leipzig, 1885, IV. 
. M. Voigt, über die Lex Pabia de plagiariis. — Lipsius, J. FL, bemer- 
1 kungen über die dramat. choregie. — G. Curtius, über das lateinische 
| perfect auf -vi und -ui. 

Bibliotheque de l'ecole des chartes. XLVI. 1885. Heft 3—5. — 
heft 6. R. Omont, catalogue des manuscrits grecs de Guillaume 
I Pellicier. 

Blätter f. d. bayer. gymnasialwesen hrsg. von A. Rümer. XXII. 

Heft 1. M. Kiderlin, kritische u. exegetische bemerkungen zu Quin- 

tilianus. — N. Wechlein, zu den Heracliden des Euripides. — An- 

: zeigen. — Heft 2/3. F. Heerdegen, noch einiges über die handschrif- 

] ten von Lodi und Avranches. — D. Kenncrhnecht, zur Argonauten- 

- sage. — A. Eußner, über neuere litteratur zu Tacitus Germania. — 

- Anzeigen. — Heft 4. J. von Menrad, zur Jubiläumsfeier W. v. Christ. 
/ — M. Kiderlin, kritische und exeget. bemerkungen zu Quintiliit,n. — 

H. Loehner, zu Horaz und Vergil. — Anzeigen. 



286 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

Bulletin de correspondauce hellenique 1886, janv. G. Cousin et 
F. Durrbach, bas-reliefs de Leninos avec inscriptions. — Th. Homolle, 
note sur la Chronologie des archontes atheniens de la secoude rnoitie 
du II siecle avant Jesus Christ. — G. Cousin et Ch. Diehl, inscriptions 
de Caryanda en Lycie. — 31. Holleaux, fouilles au temple d'Apollon 
Ptoos. Statue et fragments archaiques. — Fevrier: E. Pottier, fouil- 
les dans la necropole de Myrina faites par A. Veyries. — P. Foucart, 
inscription d'Ephese. — 31. Holleaux, fouilles au temple d'Apollon 
Ptoos. — F. Durrbach , Decrets du Ule et du He siecles trouves a 
Delos. — C. D. Mylonas, inscription de Trezene. — G. Rudet et P. 
Paris, inscriptions d'Attaleia de Perge d'Aspendos. — B. H., inscri- 
ption metrique d'Athenes. — 31. Holleaux, inscriptions funeraires de 
Rhodes. — Mars: G. Cousin, inscriptions d'Acarnanie et d'Etolie. — 
31. Holleaux, fouilles au temple d'Apollon Ptoos. — P. Foucart, in- 
scriptions de Rhodes. — E. Pottier, fouilles dans la necropole de My- 
rina. - 31. Holleaux et P. Paris, Inscriptions d'Oenoania. — R. 
Dareste, inscription de Calymna. 

Bullettino dell'Instituto dicorrispondenza archeologica 1885, no. 12: 
W. Heibig, Scavi di Nemi. — A. 31au, Scavi di Pompei. — Leop. de 
Feis, framtnento di gerama gnostica. 

'Etftj fxtgig ä Q/a tokoy ixri 1885. Ttv/. d'.: 77. K « ßßadi a, im- 
ygarfctl Ix twp Iv Enidccvgicc dvaaxwfüüv. — Em. Loewy, ini,yga(frj ny^vi- 
iwv i^ ATukdvTyg. — 2 t. A. Ko v u av ov dt] g , iniygatfal ix Ttjg iv ijj 
dyooa 'Adtjvwv dvaaxayljs. — Xg. J. Tßovvia, xoctrqq 11; dzgonöktutg. 

— K. J Mvkwva, 6 iv lij avkkoyrj ^luidvvov Jrjutjigiov /akxovg — dxv- 
gog. — n. Kct ßßcdia, Kogiv&iaxbv xiovöxgavov, — K. Purgold, dg- 
^a'ixbv dsno/uce ix rr\g dxgonökaog. — 0. Socpovkq, xiki% ü; Kogiv&ov. 

— Z. J. Taßdkn, dvsxdoTog dvn&efxanxt} Imygnyq 4>okeydvdgou. — 

Gazette archeologique X. 1885. 11/12: E. le Blant, introduction 
a l'etude des sarcophages chretiens de la Gaule. — A. Chaboui/let, 
etudes sur quelques camees du cabinet des uiedailles 1. Camee attri- 
buee a Seleucus I Nicator etc. — Paul 3Ionceaux, fouilles et recher- 
ches archeologiques au sanctuaire des jeux isthmiques. — 1886, no. 1/2. 
A. Sorlin-Dorigny , la mort d'Egisthe, bas-relief du marble du muse'e 
de Constantinople. — A. Chabouillet , etudes sur quelques camees du 
cabinet des me'dailles. 

Hermes, XXI, heft 1. C. de Boor, die chronik des Georgios Mo- 
nachos als quelle des Suidas. — A. Kopp, die quantität der ancipites 
im jambischen trimeter der Spätgriechen. — H. Buermann, Bavaricus 
u. Marcianus (des Demosthenes). ■ — ■ E. Thomas, kritische blätter zum 
rhetor Seneca. — H. Delbrück, die Manipularlegion und die Schlacht 
bei Cannae. — U. v. Wilamowitz-31Ulle,ndorff, Oropus und die Graer. 
F. Rohde, IxCga tnl 2xigt>) itgonoita. — E. Hiller, zur quellenkritik 
des Clemens Alexandrinus. — Ä'. J. Neumann, Strabos gesammturtheil 
über die homerische geographie. — Th. 3Iommse,7i , zur lateinischen 
stichometrie. — E. Wölfßin, die hexadische composition des Tacitus. 

— G. Schulz, Seneca ep. 89 ff 4 ff. 

Jahrbücher für philologie hrsg. von A, Flecheisen 1885. heft 12. 
A. Beck, ein chorlied des Oidipus Tyrannus (1086-1109). - F. Blaß, 
der Paian des Isyllos. — C. Büumker, vermeintl. aristotelische Zeug- 
nisse über Anaximanders anft.gov. — R. Peppmü/ler, zu den fragmen- 
ten der griech. epiker. — H. Rumpf, ein inschriftliches digamma. — 
C. John, das verhör der Catilinarier. — K. P. Schulze, über die va- 
riatio bei den römischen dichtem. — H. Blümner, Catull c. 30. — 
F. Härder, a und ab vor consonanten in dei älteren römischen poe- 
sie. — E. Hoffmann, Acca Laurentia. — 31. Schneidewin, Horat. ep. 
1, 2, 27. - F. Pollc, zu Ovid. - K. Heraeus, Tacitus Hist. II, 28.— 



Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 287 

1886. Heft 2: A. B reusing, nautisches zu Homeros 5. 6. - G. H. 
i Müller, zu Platons Eriton 53c. — H. Kolhe, über das 3. buch der hi- 
i storien des Timaios. — A. Sonny, zur handschriftlichen Überlieferung 
i des Dio Cbrysostoruos. — G. F. Unger, die nachrichten über Thucy- 
n dides I. II. — Erotenmtia. — A. Evßner , ad Plinii Panegyricum 
I c. 69. — Th. Blaß und K. Niemeyer, zur erklärung der Horazischen 
ij öden. — A. Goethe, zu Cicero de natura deorum. — G. Ungermann, 
i zu Sallustius. — Th. Opitz, die handschriften der Caesares des Aure- 
j'i lius Victor. — 

Jahrbücher für protestant. theologie 1886, lieft 2: C. Siegfried, 
i bedeutung und Schicksal des Hellenismus in dem leben des jüdischen 
i volkes. — Ernst Kneldechen , Tertullians verhältniß zu Clemens von 
-I Alexandria. — Bratke, über die einbeitlichkeit der didacbe. — Joh. 
i Dräseke, über die theolog. Schriften des Boethius. — Lipsius, R. A., 
■j Passionis Pauli fragmentum. 

Sj Melunges d'arcbeologie et d'histoire de l'e'cole de Rome 1885, 

no. 1. 2. A. V. Blarette , etudes sur le Pantheon de Rome restaura- 

[ tion de la Palestre des Thermes d'Agrippa. — C. Lecrivain, le par- 

\ tage oncial du Fundus Romain. — E. Langlois, notice du ms. Otto- 

bouien no. 2523. — 31. B. de In Blanehere, Villes disparues: Conca. 

i — Edm. Le Blant, notes sur quelques actes des martyrs. — No. 3. 4. 

il G. Lumbroso, un doute au sujet de Trogue Pompee. — Ch. Lecrivain, 

} note sur le recrutement des avocats dans la periode du Bas -Empire. 

i — Paul Fähe , note sur un manuscrit de la chronique de Jordanus. 

i — Andre Berate, note sur le groupe de Paneas. — Les sarcophages 

• de la Via Salaria. — J. Jullian , Caius Serenus proconsul Galliae 

1 Transalpinae. — Bierre Battifol, Evangeliorum codex Graecus purpu- 

reus Beratinus *. 

Mittheilungen, archäologiscb-epigraphische, aus Oesterreich-Ungarn 
v. O. Bermdorf, O. Hirschfeld, E Bormann. Jg. IX, 1885, heft2. 
W. Klein, Bathykles. — 0. Hirschfeld , das gebiet von Apeslai. — 
Schuchhardt, wälle und chausseen im südlichen und östlichen Palma- 
tien. — C. Torma , das amphitbeater zu Aquincum. Teglas. — 
Domaszewski, inschriften aus Dacien — Gregorulti, inschriftenkunde 
aus dem gebiet von Aquileia. — Frankfurter, epigraphischer bericht 
aus Oesterreich. 

Mittheilungen des deutschen a.rchäolog. instituts zu Athen X, heft 3. 
Fr. Marx, marmorgruppe aus Sparta. — J. H. Mordtmann, zur epi- 
graphik von Kyzikos. III. — Georg Weber, Akdsche-Kaja, eine unbe- 
kannte felsburg bei Smyrna. — N. Novosadsky, de inscriptione Leo- 
badiae nuper inventa. — W. Dörpfeld, das choragische raonument 
des Nikias. — U. Köhler, die choregische inschrift des Nikias. — F. 
•T- Meier, über das archaische giebelrelief von der akropolis. I. II. — 
Fr. Kopp, die attische Hygieia. — E. Fabricius , der tempel des 
Apollon Cbresterios. — W- Dörpfeld, der alte Athenatempel auf der 
akropolis zu Athen. — Ar. Fantrier ^ inscription d'A'idin. — H. G. 
Lolling , rnarathonische inschriften. — E. Fabricius, zur idäischen 
Zeusgrotte. — U. Köhler, bialphabetische inschrift in Athen. — H. 
G. Lolling, inschriften in Chalkis. — H. G. Lolling, inschriften aus 
Syrakus u. Limogardi. — Heft 4. W. Dörpfeld, metrologische bei- 
trage. IV, das italische maaßsystem. — J. H. Mordtmann, inschriften 
aus Varna (Odessos). — B. J. Meier, über das archaische grabrelief 
von der akropolis. — W. M. Bamsay , notes and inscriptions from 
Asia minor. IV— VII. — H. G. Lolling, das Delphinion bei Oropos u. 
der Demos Psapbis. — TJ. Jiöhler , die attischen grabsteine des V. 
Jahrhunderts. I. — Th. Schreiber, alexandrinische Bculptnren in Athen. 
— Miscellen: Aristtdes M. Fonirier, iytamxij Imyoaqij. — J. H. 



288 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

Mordtmann , Dachträge zur epigraphik von Kyzikos. — U. Köhler, 
grab- u. steindenkmäler. 

Mittheilungen des instituts für Österreich, geschichtsforschung 1885. 
Heft 1-4.— 1886. Heft 1 — 2. R. Hotz, beitrage zur erklärung und 
geschichte der Peutingerschen tafel. 

Mnemosyne, XIV, 2. C. G. Cohet, de locis quibusdaui in Ae- 
schyli Prometheo et scholiis antiquis ad hanc tragoediani. — S. A. 
Naber, Thukydidea. — H. van Herwerden, de fragmentis coinicorum 
Graecorurn commentatio altera. - K. G. P. Schwarte, ad Dionysiuin 
Halicarnassensem. — K. G. P. Schwarte, ad Lucianum. — P. J. Scri- 
nerins, ad Sallustium. 

Monatshefte, philosophische XXII, no. 4/6. H. v. Kleist, anzeige 
von Teichmüllers literar. fehden des 4. jahrh. — Kucken, anz. von Gr. 
Schneider, platonische metaphysik. — Anzeige von Bernays ges. ab- 
handlungen — A. Richter, anzeige von Paulsens geschichte des ge- 
lehrten Unterrichts. 

Museum, Rhein., für philologie, bd. XLI , lieft 2. O. Seeck, die 
Haloanderschen subscriptionen und die Chronologie des Jahres 238 
n. Chr. — K. Rohde, die asianische rhetorik und die zweite sophistik. 
W. Deecke, beitrage zur entzifferung der mittelalterlichen inschriften. 

— B. Schicartz, über das erste buch des Thukydides. — K. Schu- 
macher, zu rhodischen und delischen inschriften. — P. Corssen, Ver- 
giliana. — A. Kopp, über positio debilis u. correptio attica im iam- 
bischen trimeter der Griechen. I. — A. Gereke, eine platonische quelle 
des neuplatonismus. — C. Galhtnd, Arcadius im codex Matritensis. — 
Miscellen: N. Wecklein, zu Hesiod. — A. Ludwich, zur periegesis 
des Dionysios. — G. Hey Unit, schoben zur Nikomachischen ethik. — 
K. Fuhr, zu Hyperides. — H. Leivy, zu Themistios. — M. Schanz, 
grammatische bemerkungen. — F. Bücheier, gortynisch-kretisches. — 
F. Buche/er, prosodisches zu Plautus. — F. Blaß, zu dem zweiten 
gesetz von Gortyn. — Th. Kack, das metrum von Horaz Carmen I, 10. 

— A. Zingerle , zu Livius. — G. Goetz, Lactantius und die räthsel 
des Symphosius. — B. Müllenhach, römischer töpferstempel mit bild 
aus Köln. 

Notices et extraits des manuscrits de la bibliotheque nationale 
XXXI, pl. 2. E. Miller, catalogue des manuscrits grecs de la Biblio- 
theque royale de Madrid. (Supplement au catalogue d'Iriarte). — 
L. Delisle , notice sur un manuscrit de l'abbaye de Luxeuil copid en 
625 (Homiliae Augustini). — Paul Tann^ry, notices sur des fragments 
d'onomatomancie arithmetique. 

Revue archeologique, 1^86, janv. L. Courajod, la Diane de bronze 
du chateau de Fontainebleau. — Vercoutrc, la medecine sacerdotale 
dans l'antiquite grecque. — Paul Tannery , la coudee astrouomique 
et les anciennos divisions du cercle. — Fevrier mars. A. Danicourt, 
etudes sur quelques antiquites trouve'es en Picardie. — Vercoulre, la 
medecine sacerdotale dans Pantiquite grecque (suite). — E. Mnntz, 
les monuments antiques de Rome (suite). 

Revue, nouvelle, historique de droit francais et etranger 1885, 
no. 3. 4.— no. 5. C. Appleton, de la Publicienne et de l'utilis Vindi- 
catio (Dig de Publiciana in rem actione 6, 2). — No. 6. E. Glasson, 
le droit de succession dans leR lois barbares. — 1886, no. 1. A. Es- 
mein, les baux de cinq ans du droit romain. — No. 2. A. Esmein, 
un des fragments de Papinien du Musee de Louvres. 

Revue, de Phistoire des religions p. p. Jean Reville, t. XIII, 1. 
Ph. Ploix, mythologie et folklorisme. — Eug. de Faye, de Tinfluence 
du de'mon de Socrate sur sa pensee religieuse. — Paul Regnaud, l'o- 
rigine du mot Saturnus. 



,Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 289 

Revue des deux mondes 1886. 1. u. 15. janv. 1. u. 15 fevr. — 

I. mars. E. Renan , les origines de la ßible histoire et legende. — 
|J?i Bumouf, Tirynthe et les fouilles en pays classique. — 15. mars. 
iW. Renan, les origines etc. suite. — 1. avril. V. Duruy, le develop- 
• peinent de l'idee religieuse en Grece. — 15. avr. — 1. mai. L. Carrau, 
i la sophistique et Socrate d'apres E. Zeller. 

Revue numismatique , III. Serie, t. III, trirn. 4. L. Maxe- Werly, 
IMonnaies des Petrocores. — Rh. Margaritis , medailles grecques et 
'tesseres de plomb de la collection de Margaritis. — J. P. Six, mon- 
1 naies lyciennes. 

Revue de philologie IX, 1885, livr. 4— X, 1886, livr. 1. E. Cha- 
i telain, Leon Renier. — M. Bonnet , A ou AB. — L. Havet , sur le 
I Prologus de l'Heautontimorumenos de l'Hecyre et du Phormio. — A. 
t Martin , notes sur l'heortologie athenienne. — P. Tannery, Aristote 
'meteorol. livr. III, eh. 5. — L. Havet, Italicus Ilias 621 — 627. — A. 
1 3L Desrousseaux , la critique des textes grecques a l'ecole des 
1 hautes-etudes. III. Herodote. — E. Baehrens, ad Ciceronis Brutum et 
' Oratorem. — E. Baehrens, Gellianum. — E. Chatelain, fragment 
' d'Asper d'apres le palimpseste de Corbie. 

Rivista di filologia 1885/1886, heft 5-7: G. Bertolotto, sulla cro- 
nologia e autenticita dei Macrobii attributi a Luciano; Macrobii di 
[ Luciano nei codici fiorentini. — ßibliografia. — V. de Vit e Pietro 
\Me?-lo, un po' di polemica sull' origine del linguaggio. — 8-9. P. 
■\Merlo, appunti critici sulla genesi delle desinenze personali. — A. 
I Cima , de locis quibusdam libri prirni Ciceronis de oratore nuper 
1 emendatis. — Rem. Sabbadini, Guarino Veronese e le opere rettoriche 
" di Cicerone. — ßibliografia. 

Rivista storica italiana 1885, no. 4. — 1886, no. 1. R. Bonghi, la 
v fede degli storici superstiti di Roma antica. 

Romania p. p. P. Meyer et G. Paris 1885, livr. 55—56. N. Zin- 
'gare/li, la fönte classica di un episodio del Pilocolo. 

Sitzungsberichte der akademie zu München. Philolog. - hist. cl. 
'1885, heft 3 — heft 4 W. Meyer, ein antikes werk über thiermedizin. 
— W. v. Christ, kritische beitrage zur meta.pbysik des Aristoteles. 
Studien, Berliner, für class. philologie, bd. III, heft 3. W. Pecz, 
l beitrage zur vergleichenden tropik der poesie. Theill: systemat. dar- 
> Stellung der Tropen des Aeschylus Sophocles und Euripides. Berl. 
? 1886. ßd. IV, heft 1. - 

Studien u. kritiken , theologische. 1886. Heft 1. 2. — heft 3. E. 
i 1 Nöldechen, am Nil und am Bagradas 191 u. 197. 

Studien, Wiener, hrsg. von W. Hartel u. K. Schenkt. VIILjahrg. 
1886, heft 1. E. Szantb, anleihen griechischer Staaten. — J. Kohm, 
{kritisch exeget. studien zu Antiphon. — A. Baar , beobachtungen 
iüber Lucians Sprachgebrauch. — A. Schwarz, zur kritik der Smyrna- 
ireden und der rede 'Anslkä yn>tdfoc<-/.ös des Aelius Aristides. — K. 
\Magirus , griechische papyri im ägyptischen museum zu Berlin. — 
IE. Wessely, bemerkungen zu den griechischen papyri im ägyptischen 
) museum. — K. Wessely, neue griechische ostraka. — W. Kubitschek, 
'I die Persiushandschrift der Peterskirche in Rom. — K. Wolke, über 
'jalte formen bei Vergib — J Stolz, giebt es wirklich gar keine spu- 
ren einer älteren betonung des lateinischen. — F. Stolz, zu den la- 
1 konischen inschriften. — Miscellen: A. Rzach, zu Apollonios Rho- 
dius. — J. Zahlfleisch, zu Aristot. Rhetor. I, 14, 1375a 15. — K. 
' Schenkt, zur anthologia Latina c. 683 R. — H. Schenkt, handschrift- 
liches zu den lateinischen dichtem. — F. Drechsler, zu Cic. divin. 

II, 59, 121, - H Jurenka, zu Cornel. Nepos Milt. V, 3. — C. Burk- 
hard, de perfecta tertiae personae pluralis formis in (e)-runt et-ere 



290 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 4. 

exeuntibus quae in panegyricis latinis inveniuntur. — K. Schenk/, ein 
porupeianisches räthsel. — H. S,chenkl, ein büuherkatalog des Xil. 
Jahrhunderts. 

Zeitschrift für allg. geschichte hrsg. von Zwiedeneck - Siidenhorst 
1886. 2-3. G. Winter, neuere darstellungen der röm. geschichte. 

Zeitschrift, westdeutsche, für geschichte und kunst, 1886, heft 1. 

0. Dahm, die römische Maiubrücke bei tiroßkrotzenburg. 

Zeitschrift für das gyinnasialwesen , 1886 , febr. , märz. Ü. Will- 
mann, das philologische element der bildung. — G. Heß, anz. v. H. 
Nissen, italische landeskunde. — April. H Otte, Jahresbericht über 
Sophocles. 

Zeitschrift für die Österreich, gymnasien, 1885, no. 12. A. Hau- 
senblas, zur erklärung von Piatons Laches. — Anzeigen. — 1886, no. 2. 
M. Manitius, zu spätlateinischen dichtem. — Fr. Drechsler, textkri- 
tisches zu Ciceros büchern de divinatione. — Anzeigen. 

Zeitschrift für bildende kunst, jahrg. 21. Heft 6. H. Heydemutiu, 
Schliemanns ausgrabungen in Tiryns. 

Zeitschrift, Streffleurs Österreich, militär., 18o5- Heft 1 — 10. — 
heft 11/12. Berkovic- Borata , Milos, das Standlager Bregaetium der 
Legio 1 adiutrix pia fidelis. Römertunde u. ausgrabungen beim baue 
der Positionsbatterie nächst O-Szöny bei Komorn. 

Zeitschrift für numismatik. Bd. XIII. Heft 3. 4. W. Drexler, 
bemerkungen zu einigen münzen bei Mionnet Cohen etc. — W. 
Drexler, über eine münze Iulians des apostaten mit der Isis und dem 
Siriushund und einige andere Isis-Sothis betreffende denkmäler. — 
J. Pick , zur titulatur der Flavier. — R. Weil, der Dionysos des 
Praxiteles in Elis. 

Zeitschrift der Savigny-stiftung für rechtsgeschiehte Bd. 7, heft 1. 
Fr. Eisele, zur diagnostik der interpolationen in den digesten und im 
codex. — A. Schneider, noch einmal die Latini Iuniani und Ulpiau 

1, 12 nebst erwideruDg von F. Holder. — Otto Gradenwitz, interpo- 
lationen in den pandecten. — F. C. Ferrini, atilicinus. — A. Feinice, 
amoenitates iuris. — P. Krüger, die vaticanischen scholien zum Co- 
dex Theodosianus. 

Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung. Bd. XXVIII, heft 3. 
Wilh. Schah, das lateinische v-perfectum. — Ders., das suffix des 
nomin. plur. masc. u. fem. — Ders., etymolog. miscellen. — F. Holt- 
hausen, etymologien. — F. Hartmann, wieder einmal das k-perfectum. 
— Joh. Schmidt, Schleichers auffassung der Lautgesetze. — W. Geiger, 
über zwei skythische namen. 

Zeitschrift für kathol. theologie. Bd. IX. heft 4— bd. X, heft 1. 
Jos. Blölzer, der heilige stuhl und die ökumenischen synoden des al- 
terthums. 

Zeitschrift für wissenschaftl. theologie 1886, heft 1. Joh. Dräseke, 
Apollinarios in den anführungen des Nemesios. — A. Hih/cnfeld, kein 
unentdecktes evangelium. — H. Geizer, Kallistos' Enkomium auf Joh. 
Nesteutes. — Heft 2. A. Jacobsen , der lukanische reisebericht. — 
A. Hihjenfeld, der brief des Polykarpos an die Philipper. — F. Nöl- 
dechi-n, Tertuiliaus geburtsjahr. — Joh. Dräseke, der dialog des So- 
terichos Pantengenos. — G. Gundermann , der brief des P. Lentulus 
über Jesum. 

Zeitschrift für Völkerpsychologie u. Sprachwissenschaft. Bd. XVI, 
heft 3 — heft 4. A. Klein, über die bedeutung der etymologie für die 
Jurisprudenz. 

Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft u. kirchl. leben. 1886, no. 2. 
Th. Zahn, apokalyptische studien. III. Ueber Ursprung und religiösen 
Charakter der sibyllinischen bücher IV. V. VIII. XII. Xin. Artikel 2. 



Nr. 4. Literatur. 291 

E. Nöldechen , das Odenm Karthagos und Tertullians Skordiace. - 
No. 3. Th. Zahn, ein neu gefundener bibelkanon vom jähre 359. 

Zeitung, archäologische, 1885, heft 4. K. Mayer, Alkmeons ju- 
xend. — K. Wernicke, beitrage zur kenntniß der vasen mit meister- 
Damen. — F. Wolters, der triton von Tanagra. — F. Marx, Diosku- 
:ren von Süditalieu. — A. Furtwängler , die Hera von Girgenti. — A. 
Michaelis, Theseus oder Iason. — Ders., die verschollene inediceische 
Poseidonstatue. — H. Blümner, noch einmal die griechischen speise- 
;tische. — F. Studniczka, nachtrag. 



Literatur 1886, 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Handbuch der classischen alterthumswissenschaft . . . herausge- 
geben von dr. Iwan Müller. Vierter halbband , enthaltend die fort- 
setzung von bd. I. 8. Nördlingen , Beck. (Schluß der epigraphik 
-ind aut'ang der Zeitrechnung der Griechen und Römer). 
n Lateinische schulgramrnatik. Erweiterte ausgäbe der „kleinen 
ilateinischen Sprachlehre von dr. Ferdinand Schultz . . . unter mitwir- 
jung desselben bearbeitet von dr. M. Wetzet. 8. Paderborn, Schöning. 

F. V. Fritzsche, de numeris dochmiacis: Specimen sextum. (In- 
dex lectt. in acad. Rostochiensi per sem. aestiv. a. MDCCCLXXX VI 
: . . habendarum). 4. Rostock. 

Homeri hyrnni, epigrammata, Batrachomyomachia. Edidit Euge- 
\-.mus Abel. 8. Lipsiae, Freytag. 

De contractionis et synizeseos usu hornerico. Scripsit Jos. Menrad. 
1 8. München, Buchholz. 

■ Kampf und kampfschilderung bei Homer. Ein beitrag zu den 
iiriegsalterthümern von dr. Fr. Albrecht. 4. Programm von Schul- 
-Pforta. 

Die lieder des Anakreon frei übertragen von Ludwig Weissei. 8. 
-Leipzig, Elischer. 

Sophokles tragödien , erklärt von C. Schmelzer. Bd. V: Oedipus 
.in Kolonos. 8. Berlin, Habel. 

i Kritische betrachtungen über das leben und die lehren Hippo- 
-irates. Inaugural-dissertation zur erlangung der medicinischen doc- 
L :orwürde , vorgelegt der medicinischen facultät zu Erlangen von De- 
;nosthenes Gregoras, doctor der medizin, aus Nazianzus in Cappadocien. 
3. Erlangen. 

Hermannn Richard, die Lykinosdialoge des Lukian. 4. Ham- 
-ourg. (Programm des realgymnasium des Iohanneum). 

T. Vergili Maronis Aeneis. Scholarum in usum edidit W.Kloccer. 
,3. Lipsiae, Freytag. 

Th. Oeste.rlen, komik und humor bei Horaz. Ein beitrag zur rö- 
.nischen literaturgeschichte. Erstes heft : die Satiren und epoden. 8. 
■Stuttgart, Metzler. 

Horaz, entdeckungen und forschungen von R. Bobrik. 1. theil. 
angezeigt von Fritz Curschmann. 8. üarmstadt, im october 1885. 

De Propertii carminibus in libros distribuendis. Dissertatio phi- 
ologica critica , quam scripsit loannes de Pruzsinzski. 8. Budapest, 
Glian. 

P. Ovidii Nasonis Heroides. Apparatu critico instruxit et edidit 
ff. St. Sedlmayer. 8. Wien, Konegen. 

P. Ovidi Nasonis Heroides. Edidit H. St. Sedlmeyer. 8min. Lip-- 
iae, Freytag et Tempski 

B. Fsehenburg, wie hat Ovid einzelne Wörter und wortclassen im 



292 Literatur. Nr. 4. 

verse verwandt. Ein beitrag zur echtheitst'rage der Heroiden des 
Ovid. Lübeck. 4. (Programm). 

M. Valerii Martialis, Epigrammaton libri. Recognovit Waller Gil- 
bert. 8min. Lips., Teubner. 

Die historische glaubwürdigkeit der commeatarien Caesars vom 
gallischen kriege nach gegenwärtigem stände der kritik von dr. Poisch. 
4. Glückstadt. (Programm). 

Lexicon Caesarianum confecit H. Mensel. Fase. IV. ßerol. 8. 
Weber. 

C. Sallustii Crispi Bellum Catilinae et Bellum Iugurthinum. Schul- 
ausgabe von 1. Prammer. 8. Wien, Holder. 

Titi Livi ab urbe condita libri I. II. XXI. XXII. Adiunctae sunt 
partes selectae ex libris III. IV. VI. Scholaruni in usum edidit An- 
tonius Zingerle. 8. Pragae et Lipsiae, Tempski et Freitag. 

M. luniani Iustini epitoma historiarum Philippicarum Pompei 
Trogi ex recensione Francisci Buehl. Accedunt prologi in Pompeium 
Trogum ab Alfredo de Gutschmid recensiti. 8min. Lipsiae, Teubner. 

Q. Curtii Ruh historia Alexandri Magni. In breviorem formam 
redegit et scholarum in usum edidit Max C. P. Schmidt. 8. Lipsiae, 
Freitag. 

Lud. Carrionis in A. Gellii Noctt. Atticarum libros commenta- 
rios qui exstant castigationum et notarum speeimen alterum ex edit. 
princ. a M. Hertz depromptum. 4. (Index leett. in im. lit. Vratis- 
laviensi per aestiv. a. MDCCCLXXXVI . . . habendarum). Vratislaviae. 

Beiträge zur syntax des Q. Curtius Rufus. Theil I. Von dr. E. 
Kräh. 4. Insterburg. (Programm). 

De Ciceronis codieibus Vossianis LXXXIV et LXXXVI denuo ex- 
cussis scripsit dr. H. Deiter. 8. Aurich, Tapper. (Programm). 

M. Tulli Ciceronis orationes selectae scholarum in usum edidit 
Hermannus Nohl. Vol. III. 8. Lipsiae, Freytag. 

Beiträge zur erklärung Virgilscher eclogen. Von 31. Sonntag. 4. 
Frankfurt a. d. Oder, Trawitz. 

Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum editum con- 
silio et impensis academiae literarum Caesareae Viudobonensis. Vol. 
XIII: Luciferi Calaritani Opuscula. Recensuit et commentario critico 
instruxit Guilelmus Hartel. 8. Viudobonae, Gerold fils. 

Kritische miscellen zu Horaz. Von R. Loioinski. 4. Deutsch- 
Krone, Garms. 

Geschichte des alterthums. Von Max Duncker. Neue folge 
Zweiter band. 8. Leipzig, Duncker u. Humblot. 

Allgemeine kulturgeschichte von J. J. Honegger. Zweiter band. 
Geschichte des alterthums. 8. Leipzig, Weber. 

Demosthenes und seine zeit, von Arnold Schäfer. Zweite revi- 
dierte aufläge. Erster band. 8. Leipzig, Teubner. 

Theorie der musischen künste der Hellenen von A. Roßbach und 
R. Westphul. Dritte aufläge. Zweiter band. Griechische harmonik 
und melopoiie, von Rudolph, IVestplial. 8. Leipzig, Teubner. 

Vormundschaft nach attischem recht, von Otto Schul theß. 8. Frei- 
burg i. Br., Mohr (P. Siebeck). 

Geschichte des römischen kaiserreichs von der schlacht bei Ac- 
tium und der eroberung Egyptens bis zu dem einbruch der Barbaren 
von Victor Duruy. Aus dem französischen übersetzt von pro f. dr. Gu- 
stav Herizberg. Mit ca. 2000 Illustrationen. Heft 25— 29. Kl. - fol. 
Leipzig, Schmidt u. Günther. 

Questions d'enseignement. secondaire per Charles Bigot. 8 min. ■ 
Paris, Hachette. 



fe. 5. 6, 1886. 

Philologischer Anzeiger. 

i 

herausgegeben als ergänzung des Philologus 



i; 



Ernst von Leutsch. 



o 

1' 

ii 45. Schmalz, lateinische syntax. (Aus Handbuch der 

klassischen alterthums - Wissenschaft herausgegeben von Iwan 
Müller. Nördlingen 1885. 8. II. band, p. 240—364) 

46. Schmalz, lateinische Stilistik. (Ebendas. p. 365— 411). 
Die behandlung, welche die lateinische syntax und Stilistik 
-durch Schmalz erfahren hat , kann als eine den zwecken des 
; handbuchs durchaus entsprechende bezeichnet werden. Die dar- 
i.stellung ist vom philologischen Standpunkt mit berücksichtigung 
(der bedürfnisse eines philologischen publikums entworfen , sie 
'unterscheidet sich darin von der in demselben bände enthalte- 
nen bearbeitung der griechischen grammatik durch Brugmann 
und der lateinischen formenlehre durch Stolz, welche den sprach- 
vergleichenden Standpunkt in schroffer weise zur geltung brin- 
gen, und sie verwerthet ausreichend die resultate der modernen 
; Sprachforschung. Sie ist streng wissenschaftlich mit hinzufü- 
igung der nöthigen litterarischen nachweise, keineswegs nur ein 
referat über die leistungen anderer, sondern eine selbstständige 
i arbeit, die, besonders was das spätere latein betrifft, viel neues 
^bringt. Für den anfänger freilich ist sie nicht gemacht , denn 
tes offenbart sich an ihr hin und wieder die Wahrheit des Ho- 
irazianischen brevis esse laboro, obscurus fio, einige abschnitte ent- 
halten eigentlich keine darstellung des in frage stehenden ge- 
; genstandes, sondern nur bemerkungen dazu. Daraus aber wird 
i man dem Verfasser keinen ernstlichen Vorwurf machen dürfen, 
es ist dies die kaum vermeidliche folge des strebens, viel wich- 
l tiges auf engstem räume zusammen zu drängen. Auch sach- 
liche ausstellungen und einwände lassen sich machen, ohne daß 
Philol. Anz. XVI. 20 



294 45. Grammatik. Nr. 5. 

dadurch irgendwie der gesammtwerth der arbeit in frage ge- 
stellt würde. 

So kann ich mich mit der anordnung insofern nicht ein- 
verstanden erklären, als nach meiner ansieht der größere theil 
dessen, was Schmalz in der Stilistik erörtert, in der syntax am 
richtigeren platze gewesen wäre. Die Stilistik ist eine diseiplin, 
welche rein theoretisch betrachtet in der Wissenschaft keinen 
platz hat. Eine lateinische Stilistik für Deutsche ist ein prak- 
tisches handbuch für die Umwandlung deutscher gedanken in : 
lateinische form. Sie muß daher zunächst eine art vergleichender 
syntax des deutschen und lateinischen enthalten, dann aber muß 
sie übergreifen in das gebiet der bedeutungslehre uud eine art 
vergleichender bedeutungslehre geben. Schmalz nun setzt diese 
specielle aufgäbe der Stilistik bei seite und will die Stilistik hi- 
storisch behandeln, aber was er bringt sind fast lauter dinge, die 
in dieser form entweder in die lateinische syntax gehören (z. b. 
Wortstellung, satz- und periodenbau) oder in die lateinische Wort- 
bedeutungslehre, die in ihrem gesammten umfange bisher über- 
haupt nicht systematisch dargestellt ist. Auch insofern hätte 
ich eine andere anordnung des Stoffes lieber gesehen, als ich es 
nicht für vortheilhaft halte, daß durch die Scheidung von syn- 
tax des einfachen satzes und des zusammengesetzten satzes die 
tempus- und moduslehre in zwei theile zerrissen wird. Dabei 
möchte ich auf einen speciellen punkt eingehen. Eine beson- 
ders harte nuß ist stets für die syntaktiker der konjunktiv in 
den konsekutiven ut - Sätzen gewesen. Schmalz sagt darüber in 
§ 285 : „das konsekutive ut wird immer mit dem konjunktiv ver- 
bunden; dies kommt daher, weil nur durch den konjunktiv im 
nebensatz ausgedrückt werden kann, daß der letztere die haupt- 
handlung nach den sie begleitenden oder ihr folgenden um- 
ständen bestimmt". Nach meiner ansieht aber kann man zu ei- 
ner befriedigenden erkläruug des konjunktivs nur unter der be- 
dingung gelangen, daß die konsekutiven ut-s'&tze als eine abart 
der finalen angesehen werden : in substantivsätzen mußte aus 
einem finalen ut ein konsekutives werden, sobald der persönliche 
hauptsatz durch einen synonymen subjektslosen oder ein säch- 
liches Subjekt enthaltenden, z. b. fit oder mos est, ersetzt wurde. 
Es fand in diesem falle genau dieselbe Übertragung statt, welche 
stets in gleicher weise dann vorliegt, wenn ein verbum , das 



jNr. 5. 46. Grammatik. 295 

-sine thätigkeit oder gar eine willensthätigkeit bezeichnet , ein 
3achlicb.es Subjekt erhält: lex est ut stand ursprünglich auf ei- 
iaer stufe mit einer ausdrucks weise wie lex vult. Bei diesem vor- 
sang entstand erst jene neue specialität des konjunktivs, welche, 
dum Schmalz' worte zu gebrauchen, „ausdrückt, daß der neben- 
isatz die haupthandlung nach den sie begleitenden oder ihr fol- 
genden umständen bestimmt". Diese ansieht über den Ursprung 
(des konsekutiven ut kann durch die beobachtung gestützt wer- 
I den , daß wir auch später , nachdem sich das konsekutive vom 
) finalen ut abgezweigt hatte, noch fälle finden, in denen Mi-sätze 
fcmit finaler form thatsächlich an stelle von konsekutivsätzen ste- 
iihen. In dieser hinsieht sind , neben den seit klassischer zeit 
3 vorkommenden beispielen von finalem ut nach verben des ge- 
iischehens, hervorzuheben die ut-sätze nach usus est, opus est, potin, 
i welche finale form, aber zweifelsohne konsekutive bedeutung haben. 
MBei diesen sätzen hat sich der Vorgang wiederholt, durch wel- 
chen in früherer zeit aus finalem ut das konsekutive wurde, 
tum hiernach noch einmal auf die anordnung des Stoffes zurück- 
zukommen, muß ich bemerken, daß ich es genau genommen 
«nicht für richtig halte , die fragesätze unter die einfachen sätze 
üzu subsummiren. Ein fragesatz ist nämlich eigentlich eine ellip- 
tische periode , denn er ist eine noöranit; , zu welcher die ant- 
swort die nnödoaig bildet, und deshalb theilen die fragesätze mit 
fallen Vordersätzen die eigenthümlichkeit , daß in ihnen der ton 
i gegen ende nicht sinkt , sondern bis zum Schluß gehoben wird. 
li Schließlich muß ich noch die kasuslehre berühren , indem 

•ich mein befremden ausspreche über die art, wie Schmalz den 
t ablativ behandelt hat. Er sondert nicht die drei im ablativ 
^enthaltenen demente, instrumental, lokativ, ablativ, sondern be- 
i trachtet den ablativ als einheitlichen kasus, und zwar ist der 
; ' ablativ nach seiner ansieht „der adverbiale kasus, d.h. er dient 
i zur bestimmung des prädikats , indem er auf die begleitenden 
t umstände, unter denen sich eine handlung vollzieht, hinweist", 
' eine definition , welche , soviel ich sehe dem sinne nach völlig 
) mit der übereinstimmt, die er vom akkusativ giebt: „der akku- 
sativ ist ein rein verbaler kasus und giebt lediglich die modi- 
fikation des prädikates". Darnach hätten also eigentlich ablativ 
und akkusativ gleiche funktion. Im übrigen ist seine darstel- 
lung der kasuslehre sehr anerkennenswerth. Zu billigen ist 

20* 



296 47. Lexikographie. Nr. 5. 

auch , daß er beim dativ nicht von einer lokalen grundbedeu- 
tung ausgeht, nur wäre es richtiger gewesen, wenn er dies prin- ; 
cip konsequent durchgeführt und nicht den zusammenfall eines 
locativus fiualis mit dem dativ angenommen hätte. Denn in 
mittere leto , welches in § 89 aus Accius als beispiel für einen 
im dativ erkennbaren locativus finalis augeführt wird , haben 
wir einen echten dativ zu erkennen (dem tode schicken), wäh- 
rend der wirklich lokale gebrauch des dativs (it clamor caelo), 
der von den augusteischen dichtem , allerdings wohl in anleh- 
nung an den scheinbar lokalen gebrauch der in mittere leto er- 
scheint, eingeführt ist, als graecismus betrachtet werden muß. 

Friedrich Haussen. 



47. G. Autenrieth, griechische lexikographie. (Hand- 
buch der klassischen alterthumswissenschaft in systematischer 
darstellung mit besonderer rücksicht auf geschichte und metho- 
dik der einzelnen disciplinen. 2. Halbband, enthaltend die 2. 
hälfte von band II, p. 415—426). Nördlingen 1885. 8. 

In dem von Iwan Müller herausgegebenen handbuch der 
klassischen alterthumswissenschaft ist auch der lexikographie ein 
platz eingeräumt worden. Die griechische lexikographie ist von 
G. Autenrieth, die lateinische von F. Heerdegen bearbeitet. Die 
art und weise, wie die beiden Verfasser ihren gegenständ behan- 
delt haben , ist eine verschiedene. Während Autenrieth haupt- 
sächlich eine geschichte der griechischen lexikographie beabsich- 
tigt und über die aufgäbe der heutigen lexikographie nur in 
aller kürze einige gesichtspunkte augiebt, legt Heerdegen auf 
den ersten theil , die geschichte und litteratur der lateinischen 
lexikographie, der namentlich über das alterthum rasch hinweg- 
geht , offenbar viel weniger gewicht als auf den zweiten theil, 
die theorie der lateinischen lexikographie, in welchem die neue- 
ren arbeiten und versuche auf diesem felde eingehend beurtheilt 
werden. Der unterschied ist jedoch nicht blos äußerlich , die 
beiden bearbeitungen sind auch ihrem inneren werthe nach sehr 
verschieden. Heerdegen, dessen Sachkenntnis auf diesem gebiet 
bekannt ist, hat, soweit ref. sehen kann, seine aufgäbe in be- 
friedigender weise gelöst. Dagegen muß von Autenrieth's dar- 
stellung der griechischen lexikographie leider gesagt werden, 
daß sie den anforderungen, die man an ein handbuch zu stellen 



Mt. 5. 47. Lexikographie. 297 

I 

berechtigt ist, in keiner weise genügt. Ein handbuch soll in 

"kürze, aber klar und genau über den gegenwärtigen stand ei- 
gnes Wissenschaftszweiges belehren; das vermag doch wohl nur 
/derjenige, der den gegenständ beherrscht und durch selbständige 
rforschung eine genügende Vorstellung von dem entwickelungs- 
igange der Wissenschaft gewonnen hat. Mancher aber glaubt, 
^selbst ohne die nothdürftigsten kenntnisse ein handbuch schrei- 
ben zu können. Autenrieth giebt auf etwa vier seiten eine, ge- 
dind gesagt , schülerhafte und von Verkehrtheiten aller art im 
fl einzelnen strotzende geschichte der griechischen lexikographie 
im alterthum. Das ganze ist nichts als eine kecke und hand- 
werksmäßige compilation aus einem wenig zuverlässigen und 
"heute größtentheils veralteten buche, aus Gräfe nhan's geschichte 
jJder klassischen philologie. Der Verfasser hat die betreffenden 
'-abschnitte im Gräfenhan gelesen und flickt seine darstellung aus 
einzelnen aus dem Zusammenhang gerissenen sätzen Gräfenhan's 
so zusammen , daß er dieselben größtentheils bis zur Unklarheit 
verkürzt, ja gelegentlich durch kleine änderungen verdreht. Die 
iim folgenden angeführten beispiele werden zeigen , wie Auten- 
Erieth gearbeitet und in welch unqualificierbarer weise er Grä- 
zfenhan geplündert hat. 

p Autenrieth. Gräfenhan. 

H Es ist Staunens- 1,190: So dürfen wir also schon in die- 

■werth, welche menge ser periode lexikographen annehmen, und 
■von autoren auf die- als einer derselben wird Philetas (ca. 
tsem gebiet schon 400?) genannt, welcher ein h om er isch es 
H von der zeit des dra- Wörterbuch geschrieben hatte. Der 
imatikers Aristopha- komiker Strattis oder Straton (vgl. Fabric. 
-nes an thätig gewe- Bibl. Gr. II, p. 497) führt nämlich in ei- 
isen sind; denn zu ner komödie einen bürger auf, der die 
^dessen zeit sind veralteten und dichterischen Wörter, mit 
« Wörterbücher denen ein koch seine rede ausputzt, nicht 
^bereits etwas versteht, aber ihre bedeutung in dem wör- 
»gewöhnliches. terbuche des Philetas aufsucht. Da nun 
'Dazu anm. 2: P h i- Strattis (bl. c. 396) gleichzeitig mit Ari- 
ele tas (c. 400 a. stophanes lebte, Aristophanes aber auch 
Chr.), Verfasser ei- schon von homerischen glossen spricht, so 
: nes homerischen wör- folgt hieraus, daß schon zu ihrer zeit 
-terbuches. Fabri- Wörterbücher etwas gewöhnli- 



298 47. Lexikographie. Nr. 5. 






Autenrieth. Gräfenhan. 

cii Biblioth. graec. ches und den bedürfnissen entsprechen- 
II, 497. des gewesen sein müssen. 

Die stelle bei Fabric. Bibl. Gr. II, 497 (anm. von Harles) 
lautet : exstat fragmentum ap. Athen. IX, p. 382, quo poeta bonum 
civem atticum facit narrantem, se coqui magnifice loquentis verbis 
ante sibi inauditis fatigatum lexico Philetae in manus sumto perqui- 
sivisse, quid singula vocabula (fAtoontg, duuvuwv) significarent. ex 
eo Valckenaer illud Strattidi potius quam Stratoni vindicaturus . . . 
monet, constare Strattidis aevo atque adeo vigente lingua glossaria 
iam Aihenis reperta ; lexicon certe liomericum Philetae , in quo voces 
antiquatae redderentur atticis. Die angäbe also , daß zu Aristo- 
pbanes' zeit Wörterbücher bereits etwas gewöhnliches waren, be- 
ruht blos auf einem einfall Valckenaer's : der bei Athen. IX, 
382b citierte komiker ist nicht Strattis , sondern der in alexan- 
drinischer zeit lebende Straton, und der von ihm erwähnte Phi- 
letas ist natürlich der um 300 v. Chr. lebende koische dichter 
und grammatiker , wie man bei Fabricius - Harles selbst lesen 
kann: I, 518. Philetas Cous , Ptolemaei Philadelphi praeceptor, 
scripsit glossas homericas: v. Athen. IX, 3831 Aus dem fragm. 
der Daitales des Aristophanes folgt nur, daß die erklärung ho- 
merischer Wörter und altattischer gesetzesausdrücke gegenständ 
des knabenunterrichts waren , nicht aber , daß es zu jener zeit 
bereits Wörterbücher gab. Daß Gräfenhan so leichtfertig schließt, 
ist schlimm; wie aber soll man es bezeichnen, daß der ihn aus- 
schreibende Autenrieth den fehler wiederholt, ja verstärkt? 
Autenrieth. Gräfenhan. 

An Homer's be- I, 187 f. . . . Die erklärung der glos- 
handlung beim un- sen hatte ihren ausgang schon von der 
terricht entwickelte schulmäßigen erklärung des Homer her- 
sich zunächst die genommen. Man machte die Jugend auf 
glossographie ; j Aojö- die selteneren oder dialektisch vom helle- 
aat nannte man ver- nismos oder attikismos abweichenden wör- 
altete Wörter, inter- ter und formen des dichters aufmerksam 
pretatio linguae secre- und erklärte die derzeitig veralteten oder 
tioris , im gegensatz außer gebrauch gekommenen. Solche wör- 
zum oro/ua kvqiov; ter hießen rXoJaaai. rXmaau stand dem 
solche wurden durch kvqiov ovofia, dem im dialekt eingebürger- 
glossographen ge- ten und als schriftmäßig an erkannten worte 



■ Nr. 5. 47. Lexikographie. 299 

Autenrieth. Gräfenhan. 

j sammelt und waren entgegen. . . . Solche schulmäßige wort- 

lange im gehrauch erklärungen wurden schriftlich aufgezeich- 

f[wer?], aber dilet- net, und die Verfasser solcher Sammlungen 

;itantisch abgefaßt, hießen ylaaaoyQcxqioi, auf welche späterhin 

idaher dann später die Alexandriner sich öfters beriefen. Doch 

4 unterschieden von scheinen die erklärungen nicht weit hergewe- 

jden uxfjifi&ßTtQoi sen zusein, da man [nur Eust. p. 1861, 51] 

d. h. den wissen- den yXtoaanyQu^oig die anQi^iartQoi (seil. 

v schaftlichen 1 ). Dazu youfx^uTinoi s. ngmuoi) entgegenstellte. 

j.anm. 4 und 5. Dazu anm. 24: Quintil. I, 1,35 interpre- 
tatio linguae secretioris, quas Graeci ylcoaaag 
vocant. 

f Spätere glosso- I, 529. Ein mangel der glossographen, 

: graphen nennen sei- besonders der späteren, war , daß sie ihre 

-ten ihre quellen, ci- quellen nur selten nannten , aus denen sie 

-tieren oft ganz zu- die glossen entlehnten . . . Dabei ist das 

^fällige formen, oder wort ohne allen Zusammenhang in einer 

■ erklären etwa nur flektierten form hingestellt, so daß die ge- 
i die eine hälfte eines gebene erklärung sich wunderbar und un- 
-compositums. glaublich [?] ausnimmt, Oft wird eine ganze 
J redensart gesetzt und aus derselben nur 

ein wort durch ein anderes wort erklärt 
« ... oder von zusammengesetzten Wörtern 

s wird nur eine hälfte erklärt u. s. w. 

Dieselbe Übereinstimmung im folgenden : man vergleiche 
Autenrieth p. 415 „ursprünglich — 6vofxaöTtaä u und Gräfenhan 

I, 527 f. „die reihenfolge — bvo(iaaiai führten"; 
^Autenrieth p. 415 f. „frühzeitig — reptxjj l£%ig u und Gräfenhan 
1 I, 512 „was dem — redensarten"; 
\ Autenrieth p. 416 „die titel — redensart" und Gräfenhan I, 530 

„Aristoteles u. s. w." und 531 „der begriff u. s. w.". 
Auf die einleitenden ausführungen folgt das autoren-verzeichnis, 
eine trockene aufzählung von namen , hier und da mit bücher- 
titeln , gleichfalls im engsten anschluß an Gräfenhan und nach 
dessen eintheilung (I. periode bis Alexander d. gr. , II. periode 

1) Schon die stümperhafte Stilisierung dieses satzes zeigt zur ge- 
: nüge, mit weß geistes kind wir es zu thun haben. 



300 47. Lexikographie. Nr. 5. 

bis Augustus, III. periode bis zum ende des 4. jahrb. p. Cbr.). 
Aus der ersten periode werden genannt Demokritos und Philetas: 
„zur zeit des peloponnesischen kriegesp] war des Philetas Ho- 
merisches Wörterbuch viel gebraucht" : s. oben. „Auch die So- 
phisten behandelten die spräche, nsgl li^Ewg , negl ogfloeTruiag, 
nag) diofxütwv OQdö'UjZo^ , besonders aber der sokratiker Anti- 
sthenes". Alles nach Gräfenhan I, 189, der jedoch selbst es 
dahingestellt sein läßt, ob derartige schritten etwas mit der lexiko- 
graphie zu thun haben. Die lexikographen der II. periode 
sind zusammengestellt aus Gräfenhan I, 532—539 und 544 — 
547. Die confusion, die hier bei Gräfenhan herrscht, indem er 
vielfach ungehöriges einmischt, ist natürlich auf Autenrieth über- 
gegangen ; bei seinen kürzungen aber begegnet ihm wiederholt 
das unglück, daß er wichtige namen und titel ausläßt und da- 
für andere, die gar nicht hierhergehören, aufnimmt. Da erscheint 
neben Kleitarchos als lexikograph auch Klearchos von Soloi, 
während an den beiden stellen, wo Kltag^n^ f '' 7u; ^' yXärrmg 
citiert wird, ohne zweifei Kltirugiog gemeint ist. (Auch die 
schrift 7tsq) tmv iv ty nXuTtoroi,- nolntia {.taütj/xaTixcög elgy/Af.- 
v(ov war keine lexikalische). Von Artemidoros gehört die schrift 
ntgt dcogtdog nicht hierher. Von den zahlreichen glossarien zu 
Hippokrates nennt Autenrieth nur drei , die des Glaukias und 
des Epiklaustos [sie] und des Bakchios, nach Gräfenhan I, 536 
(Epikleustos): daß der name Epikleustos bei Erotian längst 
durch eine emendation von Fabricius beseitigt ist , weiß Auten- 
rieth natürlich so wenig wie Gräfenhan. Harpokration von Ar- 
gos, Verfasser von le'^sig FHürcavog , und Parthenios , Verfasser 
von Is'&ig der historiker, waren zur dritten periode zu stellen. 
Unter den Homer - lexikographen wird auch Ptolemaeos Pinda- 
rion aufgeführt (nach Gräfenhan I, 538): er schrieb aber tmqI 
O/AtjQiHOv lagaar^gog , vnodeiyftaTCor 'O/aijqcagh ßtßXCa y u. drgl. 
Die namen der lexikographen der III. periode sind aus Gräfen- 
han 111,177— 189. Da wird zuerst genannt: „zu den dramati- 
kern : Pamphilos Alexander" [sie]. Gemeint ist Pamphilos aus 
Alexandrien. Dann zu Hippokrates: „Erotianos , Claud. Gale- 
nos, Herodotos". Daß das unter letzterem namen veröffent- 
lichte glossar sich nicht auf Hippokrates , sondern auf Herodot 
bezieht, weiß Autenrieth nicht, da Gräfenhan III, 180 schwankt, 



Nr. 5. 47. Lexikographie. 301 

.wie er die frage entscheiden soll. Als Verfasser von glossarien 
isu den attischen rednern werden von Autenrieth genannt : Cae- 
oilius, Harpokration , Iulianus , Iulius Vestinus , Thrasymachos 
vgl. Gräfenhan III, 183 ff.). Interessant sind die angaben über 
Harpokration: „Valer. Harpokration aus Alexandrien (IV. saec.) 
.besonders zu Isokrates , nicht alphabetisch ; auch antiquarisch 
^wichtig, wie für gerichtswesen und historische anspielungen". 
aHier hat Autenrieth zunächst aus den von Gräfenhan III, 184 
'.erwähnten zeitausätzen für Harpokration gerade den am wenig- 
sten begründeten gewählt. (Wozu er da noch M. K. [sie] E. 
eMeier , de Harpocration. aetate comment. , citiert , begreift man 
>:aur, wenn man Gräfenhan ansieht). Der zusatz „besonders zu 
Üsokrates" findet sich nicht bei Gräfenhan, ist also vielleicht ei- 
/^enthum des Verfassers. Leider ist er falsch ; denn Isokrates 
:ist gerade derjenige der zehn redner , der verhältnismäßig am 
Iwenigsten bei Harpokration citiert wird. Wenn der Verfasser 
iaber „nicht alphabetisch" hinzusetzt und somit zeigt, daß er 
den Harpokration nicht ein mal in die band genommen hat, so 
"kann man professor I. Müller nur aufs tiefste bedauern , daß er 
'Autenrieth unter seinen mitarbeitern zählt. Der zusatz erklärt 
.sich aus Gräfenhan. „Was die form betrifft, sagt Gräfenhan, so 
;war es ursprünglich nicht a lp habe ti s ch abgefaßt, son- 
dern es ist die alphabetische Ordnung der Wörter zuerst von 
'iN. Blancard in seiner ausgäbe dieses werkes (1683) vorgenom- 
hmen worden". Diese behauptung beruht jedoch auf einem mis- 
Hverständnis. Das lexikon des Harpokration ist alphabetisch über- 
i liefert , aber nicht durchweg in der streng alphabetischen 
• form unserer Wörterbücher : Blancard änderte die reihenfolge 
"der glossen , um eine vollständige alphabetische Ordnung 
'herzustellen , während die späteren herausgeber wieder zu 
•der handschriftlich überlieferten form zurückkehrten. So ist 
^Gräfenhan's irrthum „ursprünglich nicht alphabetisch" zu dem 
k,nicht alphabetisch" Autenrieth's geworden. „Das ist der 
'fluch der bösen that etc.". — Im nächsten abschnitt werden 
i" die attikisten besprochen und aufgezählt, wörtlich und ge- 
hnau nach Gräfenhan III, 190 ff. Genannt werden Eirenaios, 
^Pamphilos [der nicht hierher gehört], Dorotheos , Ael. Diony- 
^sios [Pausanias und Valer. Polion bleiben unerwähnt] und 
„Orion Alexandr. (c. 150 p. Chr.)". Letztere angäbe ist wie- 



; 



302 47. Lexikographie. Nr. 5 

derum für die abhängigkeit Autenrieth's von Gräfenhan charak 
teristisch. Er erwähnt selbst unmittelbar darauf (anm. 2) Oros 
den gegner des Phrynichos , und citiert dabei Hiller N. jahrb. 
99, 438 und Philol. 28, 86 [vielmehr 93]; aber er kann un- 
möglich Hiller's ausführungen gelesen haben , er hätte sonst 
merken müssen, daß es einen „Orion Alex. c. 150 p. Chr." 
(Gräfenhan III, 195) gar nicht gegeben. Auch Gräfenhan's an- 
gaben über Phrynichos , die von krasser ignoranz zeugen , hat 
Autenrieth gläubig aufgenommen , wobei es ohne Verdrehung 
nicht abgeht. 
Autenrieth (p. 417, Gräfenhan (III, 196 f.). 

anm. 2). 
Sein alphabetisch Photios gibt eine kurze beschreibung 
geordnetes werk Zo- dieses alphabetischen werkes und hebt sein 
(piauxijg naQaoxevijg Verhältnis zu des Helladios' ähnlichem 
[vielmehr Ilgona- werk hervor. Dieser beschreibung nach 
gaß'Asv7j^ Xoyoi haben wir noch ein ganz ähnliches werk, 
ist [sie]*) ähnlich aber in abgekürzter form, in der Zwa- 
der oviaywyij Xi^iav ]'03y>j l^tcau ^qtjoI/xodv ix dtucpÖQWv aocpwv 
%ot]6([imv bei Bach- ze xal gqzoocov nollav etc. 
mann, Anecd. Gr. I, 
1—422; Bekker, 
Anecd. Gr. I, 319 
—476. 

Der folgende abschnitt handelt über allgemeine Wörterbücher 
(vgl. Gräfenhan III, 205 ff.), die es „von den Aristarcheern an" 
gab. Von Diogenian's h?!~tg na.vto8a.nr} heißt es: „dieses gründ- 
liche werk, eine glossensammlung für mittellose gelehrte (negietä 
yon£i>r]TE±) ist mit vielen andern späteren Zusätzen wie in schuft 
vergraben überliefert im sogenannten [warum sogenannten ?] He- 
sychios von Alexandria". Daß die IleQiSQyonivrjrsg und die le£m 
navrobani'j oder epitome des Pamphilos jetzt den meisten ge- 
lehrten als zwei verschiedene werke gelten, weiß Autenrieth nicht. 
Von Hesych wird gesagt : „er selbst hatte aus vielen glossarien 
und kommentaren gesammelt". Vgl. Gräfenhan III, 209 : „er 
sammelte aus älteren glossarien und den kommentaren der gram- 
matiker". — Von den allgemeinen Wörterbüchern geht der Ver- 
fasser zu den otofiaGrixd über, „welche hauptsächlich Synonyma 

2) Glaubt der Verfasser etwa, daß dies werk erhalten ist? 



Jr. 5. 47. Lexikographie. 303 

'behandeln , aber in sachlicher Ordnung". Hier werden neben 
Pollux merkwürdiger weise genannt: Orion Theb. neol iivfio- 
Moyiag, Helladios Alexandr. und Amnionios. Dann werden zu- 
sammen genannt: Philoxenos (der Verfasser des griechisch-latei- 
E inischen glossars) , Photios und das ^Ervfioloyixiv /^sj«, lexika- 
lisch, grammatisch, historisch und mythologisch wichtig, aus vie- 
'len quellen bis auf Herodian schöpfend". Also nach Herodian 
f lebende Schriftsteller sind nicht benutzt? Choeroboskos lebt 
p wohl vor Herodian? von Photios zu schweigen. „Später schrieb 
Suidas, der besonders biographische nachrichten aus Wörterbü- 
chern , scholien (besonders zu Aristophanes) und grammatikern 
I sammelt, zum theil mit excerpten und citaten". Ob sich wohl 
p hiernach jemand, der den Suidas nicht kennt, auch nur annä- 
hernd ein bild vom inhalt desselben machen kann? „Endlich 
^schrieb Joa. Zonaras (in. saec. 12) avvaymyij Xe^ecop", Bekannt- 
-ilich hat man ganz ohne grund Joannes Zonaras zum Verfasser 
p( jenes Wörterbuches gemacht. „Außerdem gab es allmählich [!] 
h viele lexika, z. b. die sogenannten Segueriana, deren manche 
* noch unediert sind". In einer anmerkung hierzu erfahren 
I wir , daß die Segueriana von Bachmann An. Gr. I, 1 — 422 
I ediert seien. Also nicht einmal Bekker's Anekdota kennt der 
; Verfasser. 

Die wenigen belegstellen , welche Autenrieth anführt , sind 
i aus Gräfenhan entlehnt 3 ), ebenso die meisten litteratur-angaben. 
I Die vom Verfasser selbst hinzugefügten angaben sind unvoll- 
; ständig und ungenau. Man erfährt nicht einmal, was erhalten 
j| und was verloren, und was ediert ist. — Auch die geschichte 
| der lexikographie der neueren zeit ist nichts als eine trockene 
\ aufzählung von namen und büchertiteln. 

Wir können nicht anders als unser lebhaftes bedauern dar- 
'i über aussprechen, daß das handbuch der klassischen alterthums- 

' Wissenschaft durch ein solches machwerk verunstaltet ist. 

t 

3) Hier ein beispiel für den ängstlichen anschluß an Gräfenhan 

" auch in dieser beziehung. P. 415, anm. 3 lesen wir folgendes citat: 

i „Aristoph. fragm. ap. Lehrs Aristarchi stud. Hom. p. 43". Eine ei- 
genthümliche art, ein fragment des Aristophanes zu eitleren (es ist 
das bekannte bruchstück aus den Daitales). Autenrieth hat das citat 

■ einfach aus Gräfenhan I, 188 anm. 27 übernommen. 

s Leopold Cohn. 



304 48. Palaeographie. Nr. 5. 

48. Paleographie des classiques latins. Col- 
lection de fac-similes des principaux manuscrits de Ploute, Te- 
rence, Varron, Ciceron, Cesar, Cornelius Nepos, Lucrece, Catulle 
. . . Pline le jeune, Suetone, etc. publiee par Emile Chate- 
lain. Livr. 1—3. Paris, Hachette et Cie, 1884 — 85. 12 p., 
45 taff. fol. 

Diese Sammlung von facsimiles lateinischer classikerkand- 
schriften verspricht in mehr als einer beziehung von hoher be- 
deutung zu werden. Zunächst für den akademisch-philologischen 
Unterricht und zwar nicht nur als mittel zur veranschaulichung 
der textesquellen und zur belebung der kritischen Übungen, son- 
dern auch als Vorschule für selbständige handschriftenforschung. 
Gerade auf diesem gebiete hat sich in neuerer zeit, dank der 
liberaleren praxis der bibliothekverwaltungeu und der erleichte- 
rung des reisens, die zahl der arbeiter erfreulich vermehrt, aber 
der werth der arbeit wird , fürchte ich , häufig durch ungenü- 
gende Vorbereitung beeinträchtigt. Es mag das zum theil daran 
liegen, daß die vorhandenen allgemein zugänglichen schrifttafeln 
zum Studium der lateinischen paläographie , denen es auf cha- 
rakteristische und möglichst genau datirte proben aller schrift- 
gattungen ankommen muß, aus guten gründen wenig bieten, 
was auch inhaltlich für den philologen interesse hat. Dagegen 
ist zu erwarten, daß für ihn Chatelain's tafeln, obgleich zunächst 
nach kritischen , nicht nach graphischen gesichtspunkten ausge- 
wählt , eine vorzügliche anleitung sein werden , indem sie ihm 
nicht nur die meisten entwickelungsstadien der buchstabenfor- 
men und des gesammten Schriftcharakters, sondern auch die vor- 
kommenden fälle von abkürzungen, radirungen, correcturen, glos- 
sen u. s. w. vorführen , und ihm überdies gelegenheit geben, 
die technik des beschreibens und collationirens an bekannten 
texten einzuüben. — Daneben werden sie auch von unmittel- 
barem vortheil für die kritik und handschriftenkunde sein. Nicht 
so sehr durch sicherstellung einzelner lesarten in den facsimi- 
lirten stellen , obgleich auch derartige fälle vorkommen. Aber 
schon das ist ein großer gewinn, daß hinfort auch diejenigen, 
welche nicht gelegenheit haben selbst die handschriften zu se- 
hen, über manche fragen, wie alter, herkunft, abhängigkeit von 
anderen handschriften , Zuverlässigkeit vorhandener collationen, 
selbständiger urtheilen können. Und endlich werden wir durch 



j 



•ßc. 5. 48. Palaeograpbie. 305 

3hatelain ein gesammtbild von der mittelalterlichen Überlieferung 
ier lateinischen autoren erhalten , wie es vor der jüngsten Ver- 
vollkommnung der reproductionstechnik gänzlich unmöglich schien. 
Das werk ist auf 10 lieferungen zu je 15 tafeln (große 
i.iiO :32 cm.) berechnet. Die bisher erschienenen drei lieferungen 1 ) 
mit 45 tafeln enthalten proben aus 69 handschriften, von denen 
jiine mit verschiedenen werken und bänden an zwei gesonderten 
kiteilen vorkommt. Außer dieser sind noch 9 mit zwei seiten, 
3 iine mit drei , alle übrigen mit je einer seite vertreten. Auf 
i Plautus kommen 5 , Terenz 7 , Varro 2 , Catull 2 , Cicero ein- 
,, ichließlich Ad Herennium 54 handschriften und zwar, soweit 
tich hier scheiden läßt, auf die rhetorischen werke 13, die re- 
alen 18, die briefe 4, die philosophischen schriften 19. Dem 
lilter nach vertheilen sie sich zufolge Chatelains ausätzen, welche 
Ur für die majuskelhandschriften natürlich mit reserve gibt, fol- 
gendermaßen: III. Jahrhundert: 1; III— IV : 1; IV: 3; V: 3. 
jOiese sind sämmtlich rescribirt mit ausnähme des Vatic. 3226 
jles Terenz. Ferner VIII, Jahrhundert: 2-, IX: 20-, X: 10; 
M: 16 (15); XII: 8; XIV: 2; XV: 4. Bei weitem die mei- 
.iten zeigen die karolingische minuskel und ihre abkömmlinge, 
7om VIII. oder IX. Jahrhundert bis herab zur renaissanceschrift. 
.n capitalschrift sind 6 (5 davon palimpsest) , uncial 3 (2 pa- 
^impsest), langobardisch 3. Andere Schriftarten sind in den 
übergeschriebenen texten , in glossen und correcturen vertreten. 
Ein erheblicher theil der facsimilirten handschriften gehört 
der Pariser nationalbibliothek (20). Von den übrigen kommen 
.auf Eom 13, Florenz 8, Mailand und St. Gallen je 5, Leiden 4, 
München 3, Turin, Zürich und Bern je 2, Avranches, Brüssel, 
Heidelberg, Einsiedeln, Wien je 1. Die proben sind in natür- 
licher große (nur hier und da, wie es scheint, ein wenig ver- 
größert oder verkleinert) von photographen der betreffenden orte 
aufgenommen. Die darnach in der berühmten anstalt von P. 
iDujardin ausgeführten heliographischen tafeln zeigen auf gelb- 
i ich-grauem gründe, welcher der färbe des pergamentes vielfach 
iahe kommt, die schwarze schrift in vorzüglicher schärfe, soweit 
Us der zustand des Originals überhaupt zugelassen hat. — Jedem 
lieft ist ein text von vier folioseiten beigegeben, welcher zur 
einzelnen handschrift kurz über folgende punkte auskunft gibt : 
1) Inzwischen ist auch lief. 4 (Caes. Sallust. Lucrez) erschienen. 



306 48. Palaeographie. Nr. 5. 

ort, bibliothek und Signatur, Schriftart und alter, anzahl der 
blätter und große in metertheilen , inhalt, provenienz, bisherige 
benutzung und litteratur darüber, stelle des facsimilirten textes, 
transscription etwaiger glossen , verzeichniß bereits veröffentlich- 
ter facsimiles. Das schlußheft , welches für 1887 angekündigt 
ist , vielleicht aber etwas länger auf sich warten lassen wird, 
soll außerdem eine einleitung enthalten. Obgleich diese voraus- 
sichtlich manche fragen und bedenken, welche sich bei der durch- 
sieht der facsimiles aufdrängen, erledigen wird, mögen doch schon 
jetzt einige bemerkungen gestattet sein. 

Bei der großen zahl der vorhandenen handschriften war 
selbstverständlich beschränkung auf die wichtigsten geboten. 
Gegen die auswahl derselben im ersten heft ist kaum etwas ein- 
zuwenden (z. b. von Plautus ABCDE der neuen Eitschl'schen 
ausgäbe , von Terenz Umpfenbachs ABCDFGP). Schwieriger 
war die wähl unter den Codices der verschiedenen Ciceronischen 
Schriften. Hier hat Chatelain, überzeugt von der Unzulänglich- 
keit der zweiten Züricher ausgäbe, aus eigener kenntniß hand- 
schriften hinzugefügt, welche seiner meinung nach verdienen ge- 
nauer bekannt zu werden. Er hat damit in der that einige 
beachtenswerthe fingerzeige gegeben. Mindestens die beiden Co- 
dices des IX. — X. Jahrhunderts von De offieiis, Paris. 6601 und 
Voss. Q. 71 müssen näher untersucht werden , wenn sie auch 
zu der genügend bekannten ersten classe gehören. Der Voss. 
0. 79 des Cato maior ist inzwischen von Gemoll und Dahl be- 
arbeitet worden, anderes war schon früher bekannt und benutzt, 
ohne daß Chatelain davon kenntniß hatte. Daneben hat er aber 
auch manches unbrauchbare aufgenommen, z. b. die Parisini 6602 
von De offieiis, 18420 von Laelius, Cato m., Paradoxa, De offi- 
eiis, den Ehenaugiensis (Zürich, Cantonsbibliothek) 127 der Ca- 
tilinarischen reden und des Cato maior , von Baiter längst als 
renaissancehandschrift erkannt. Zu einer befriedigenderen aus- 
wahl würde Chatelain gelangt sein , wenn er auch die Tauch- 
nitzsche und die neue Teubnersche ausgäbe und etwa Teuffel- 
Schwabe's litteraturgeschichte oder die verschiedenen Jahresbe- 
richte eingesehen hätte. Die dort angeführte litteratur (er selbst 
kennt von der deutschen nur die allerneueste) würde ihm so 
viele wichtige, nach der zweiten Orelli'schen ausgäbe aufgefun- 
dene handschriften nachgewiesen haben, daß er auf die zweifei- 



pr. 5. 48. Palaeographie. 307 

?baften werthes gewiß gern verzichtet haben würde. Ich nenne 
aur den Vossianus F. 12 des Cato maior, Monacensis 15514 des 
'Laelius und den 1882 von Narducci signalisirten excerptencodex 
'Vaticanus Reg. 1762. Weitere fühlbare lücken ergeben sich 
ciaus dem umstände , welcher dem leser schon in der oben gege- 
benen Übersicht aufgefallen sein wird , daß alle englischen und 
e iie meisten deutschen bibliotheken unberücksichtigt geblieben 
feind. So fehlen die wichtigen Harleiani 2682 (Epist. ad fam.) 
J2716 (Off.) 2736 (De orat.) und der in B. Quaritch's besitz 
befindliche Didotsche Laelius, von Würzburg De Inventione, De 
"afficiis und die fragmente der briefe, von Erlangen cod. 848 
i^DeOr.), von B amber g M.V, 1 (Off.), von W olf enb üttel Gud. 
''294 (Tusc.) und 335 (Lael.), von Berlin der große als Erfur- 
';ensis bekannte sammelcodex fol. 252. Vielleicht zieht Chate- 
rlain die frage in erwägung, ob es sich nicht lohnen würde, pro- 
ben dieser und einiger anderen handschriften , z. b. des Voss. 
«'fol. 84, in einem supplementhefte zusammenzustellen. 

Ein zweiter schwieriger punkt ist die auswahl der nachzu- 
bildenden stelle. Hier kreuzen sich freilich so viele rücksichten 
'auf kritik, palaeographie und die technik der reproduction, daß 
jine ganz befriedigende Vereinigung derselben selbst dann nicht 
: mmer möglich sein würde , wenn man die handschriften dersel- 
ben schrift an einem orte vereinigt vor sich haben könnte. — 
Ohatelain hat sich mit recht bemüht, möglichst denselben text 
\n den verschiedenen handschriften vorzuführen, dieser ist aber, 
'urie es scheint, hier und da durch sehr zufällige umstände be- 
istimmt worden , so bei De officiis durch das schöne alte frag- 
-nent des Paris. 6347. Um seinetwillen offenbar sind auch aus 
"den anderen handschriften stücke facsimilirt worden (ende des 
■sweiten und anfang des dritten buches), welche zwar für die 
^srste handschriftenclasse gegenüber der gar nicht vertretenen 
weiten, aber nicht für die einzelnen glieder der ersten charac- 
; ; r,eristisch sind. Hier hätten wir also vom Paris. 6347, welcher 
vegen seines geringen umfanges für die kritik kaum in betracht 
commt , lieber eine verschiedene stelle gesehen. Umgekehrt 
< mißte vom Laurentianus 49, 7 der Epistolae ad fam. unbedingt 
dieselbe stelle wiedergegeben werden wie von Laur. 49, 9, aus dem 
Ha? abgeschrieben ist, und zwar eine solche, in welcher sein kritischer 
verth für die Schätzung der correcturen in 49, 9 zur geltung kommt. 



308 48. Palaeographie. Nr. 5. 

Was Chatelain's text betrifft, so ist die exacte bezeichnung 
der handschriften nach bibliothek und Signatur hervorzuheben 
welche sich vortheilhaft vor der in den neuesten deutschen Ci- 
ceroausgaben beliebten auszeichnet. Dagegen sind bedenken 
gegen seine altersbestimmungen zu erheben. Nicht nur daß er 
niajuskelhandschriften bis in das III. Jahrhundert hinaufrückt, 
auch die minuskelhandschriften dürften mehrfach um ein Jahr- 
hundert zu früh angesetzt sein. Daß Rhenaug. 127 (taf. 28, 1) 
nicht dem XI. Jahrhundert, sondern der renaissance angehört, 
wurde schon bemerkt. Dasselbe ist vielleicht mit Paris. 18420 
der fall, den Chatelain dem XII., das Inventaire dem XIII. Jahr- 
hundert zuweist. Durch äußere Zeugnisse näher bestimmt sind 
von den älteren nur zwei: Paris. 7530 (taf. 13), langobardisch, 
von 791 — 813, und Paris. 6601 (taf. 45, 1) vor 880, falls die 
bitte für Nanno nicht aus der vorläge herübergenommen ist. 
Wenigstens trägt die Nannohandschrift von Troyes nr. 96 (Bi- 
bliotheque de l'^cole des chartes 6. ser. tom. 4, 218) ein weit 
alterthümlicheres gepräge. Bei der Seltenheit datirter classiker- 
handschriften des früheren mittelalters würde es sich empfohlen 
haben auch den Erlangensis 848 von De oratore aufzunehmen, 
welcher von Ayrard , mönch von Aurillac, 982 bis spätestens 
991 geschrieben ist. Zu den näher bestimmbaren gehört in- 
deß wahrscheinlich auch der Leidensis Bibl. publ. 118 (Hein- 
sianus) von De natura deorum , De divinatione und De le- 
gibus , saec. XL, in langobardischer schrift. Den letzteren um- 
stand zu erwähnen haben weder Vahlen noch Jordan noch 
Deiter, welche die haudschrift verglichen haben, für nöthig ge- 
halten, Deiter sucht sogar nach anderen gründen für ita- 
lienischen Ursprung. Jetzt zeigt Chatelain's facsimile (taf. 38, 2), 
verglichen mit den Schriftproben der Bibliotheca Casinensis, daß 
der Heinsianus jedenfalls identisch ist mit der copie der bücher 
De natura deorum , welche nach Leo Ostiensis (Mon. Germ. 
SS. VII, 747) unter abt Desiderius (1056—1085) in Montecas- 
sino angefertigt worden ist. Daß nur die erste schrift genannt 
ist, spricht nicht dagegen; vollständiger ist die angäbe im ka- 
talog von 1532 (Bibl. Casin. I, p. LXXXV): Lib. de natura 
Deorum ine. Cum multe res; Divinationum. Das ende von De 
legibus mit der schlußschrift fehlte wohl schon damals. Für 
die textesgeschichte der genannten Schriften folgt daraus , daß 



((Nr. 5. 48. Palaeographie. 309 

!nan in Italien keine bessere und vollständigere Überlieferung 
kannte als diesseits der Alpen (andere handschriften weisen auf 
'Frankreich und die Niederlande hin) und daß man etwaige hoff- 
'lungen, welche sich an die angeblich verschollene handschrift 
.fon Montecassino knüpfen konnten, aufgeben muß. 

Chatelain hat von den außerhalb Paris aufbewahrten hand- 
■schriften, von denen er proben gibt, gewiß viele nicht selbst 
i gesehen und vielleicht deshalb seine beschreibungen möglichst 
j'knapp, manchmal zu knapp gehalten. Das wenigstens möchte 
pman überall wissen , ob der codex ausschließlich von der band 
■ des facsimiles oder auch von anderen händen geschrieben ist. 
bA.uch ein fehler wie Unterinharius episcopus dedi statt Werinharius 
fepiscopus declit (zum Florentiner Marcianus 257, taf. 37) fällt 
P'Wohl nicht dem herausgeber zur last, doch hatte er ihn aus ge- 
druckten quellen corrigiren können. Falsch ist auch die an- 
-gabe, daß der Vindobon. lat. 189 (taf. 38, 1) „dieselben philo- 
sophischen Schriften enthält wie Marc. 257, nur mit einer lücke 
'zu anfang". Mit dem mangel an durchgängiger autopsie scheint 
DBS ferner zusammenzuhängen, wenn zu den einzelnen facsimiles 
iKerläuterungen fehlen, welche die unvermeidlichen fehler des re- 
s;produktionsverfahrens ausgleichen könnten. Es wird sicherlich 
■iniemand für die wiedergäbe von Codices das autographische ver- 
fahren statt des photographischen befürworten wollen, wie es 
(kürzlich von Pflugk-Harttung für die der Urkunden gethan hat. 
(Aber es kann nicht geleugnet werden, daß mit der Photographie 
[gewisse nachtheile verbunden sind, vor allem, daß sie die färben 
tdes Originals nicht in denselben helligkeitsunterschieden hervor- 
treten läßt, in welchen sie dem äuge erscheinen, und daß mit 
((derselben schwärze , wie die schrift , auch alle zufälligen flecke, 
irisse, falten u. dgl. des pergaments sichtbar werden. Der erste 
Hübelstand, welcher allerdings durch das hier nicht angewandte 
aneue farbenverfahren beseitigt werden kann, ist namentlich hin- 
derlich bei Unterscheidung der verschiedenen hände. Dieselben 
: heben sich im original sehr häufig ohne weiteres durch den ton 
u der tinte von einander ab, während sie im facsimile nur durch 
genaue beobachtung der züge getrennt werden können. So för- 
1 derlich eine solche Übung auch ist, so wünschenswerth ist doch 
i eine anleitung dazu auf grund des Originals, zumal die vorhan- 
I denen collationen dazu selten ausreichen. Ohne solche erläute- 
Philol. Anz. XVI. 21 



310 48. Palaeographie. Nr. 5. 

rung dürfte z. b. das verständniß von taf. 39, 1 (Voss. F 86) 
fast unmöglich sein. Erfährt man aber, daß in zeile 1 der 
m-strich in romä , das s in spartä, das übergeschriebene h in 
rlwdum von zweiter band sind, so wird man dieselben züge in den 
ferneren zeilen leicht herausfinden. Von der gleichen band ist 
zeile 8 um und xi in heroum vlixi. Daß dieser corrector viel 
zu alt ist , um die häufigen i - striche gesetzt zu haben , kann 
sich zwar jeder leicht sagen, aber es wäre doch besser gewesen 
alle zweifei durch die angäbe zu beseitigen , daß sie von der- 
selben grauen tinte herrühren wie die zeichen am rand. Am 
ende ist eine rasur von 3 /4 zeile: im original ist noch zu er- 
kennen, daß dort die anfangsworte des 3. buches De nat. deorum 
standen quae cum balbus dixisset tum adridens cotta. Die schluß- 
schrift ist fast unleserlich und erscheint wie mit tinte überzogen: 
in Wirklichkeit ist es gelbe färbe, welche zur auszeichnung über- 
gestrichen ist und im codex die schrift völlig durchscheinen 
läßt , während sie in der Photographie fast ebenso dunkel aus- 
gefallen ist wie die darunter stehenden bucbstaben. Es wäre 
sehr zu wünschen , daß in den folgenden heften wenigstens zu 
der einen oder anderen handschrift derartige erklärungen gege- 
ben würden. Dagegen scheint mir die transscription sämmtlicher 
glossen, soweit sie nicht in besonders schwieriger Schriftart ge- 
schrieben sind, unnötbig. 

Daß die angaben über die bisherige benutzung der hand- 
schrifteu sehr der ergänzung bedürfen , ist bereits angedeutet. 
Ich unterlasse es einzelnes anzuführen , um nicht den räum des 
Anzeigers ungebührlich in ansprach zu nehmen. Auch beein- 
trächtigt weder diese noch die anderen ausstellungen , welche 
wir zu machen hatten , im wesentlichen den hervorragenden 
wertb der publication , für deren zustandebringen wir Chatelain 
aufrichtigen dank schulden und welcher wir die weiteste Ver- 
breitung wünschen. Zwar haben die Verleger den früheren au- 
ßerordentlich niedrigen subscriptionspreis von 6 fr. für die lie- 
ferung seit dem 1. juni 1885 für die neu eintretenden abonnen- 
ten auf 10 fr. erhöht, aber es gibt hoffentlich auch seminar- 
und gymnasialbibliotheken , deren etat es erlaubt für ein werk 
von dauerndem werth einige jähre hindurch 20 — 30 mk. aufzu- 
wenden. Einzelne lieferungen werden gegenwärtig zu 15 fr. ab- 
gegeben. P. SchivenJce. 



Nr. 5. 49. Deraosthenes. 311 

■ 

49. Demosthenis orationes ex recensione Guilielmi Din- 
dorfii. Vol. I, orationes I — XIX. Editio quarta correctior 
curante Priderico Blaß. Editio maior. Lipsiae in aedibus 
B. G. Teubneri MDCCCLXXXV. 

Obwohl der berausgeber den handschriftlicben apparat zu 
( Demosthenes nur durch einige beitrage aus dem Parisinus S 
tund dem Augustanus A nach eigner vergleichung vermehrt hat, 
,so muß diese ausgäbe der Dindorfschen recension doch als eine 

I, durchgreifende Umgestaltung des textes angesehen werden. Die 
igrundsätze , welche er dabei beobachtet hat , sind der ge- 
kehrten weit durch seine attische beredsamkeit und mehrere im 
Rheinischen museum erschienene abhandlungen bekannt gewor- 
i den und werden in der Praefatio wiederholt und durch beispiele 
erläutert. 

Blaß theilt die auch von anderen ausgesprochene ansieht, 
: ;daß der überlieferte Demosthenestext sich von dem echten sehr weit 
j.ientfernt habe, namentlich durch zahlreiche interpolationen entstellt, 
;idie sich schon frühzeitig mit dem Studium der reden in diesel- 
ben eingeschlichen haben: paene eadem aetas ad legendi explican- 
\ dique et huiusmodi corruptelarum initium fuit. Ganz eigenartig 
L;sind ja die aus einer zweiten recension stammenden interpolationen 
.der 9. rede, die bekanntlich in S und B von erster hand feh- 
len ; aber auch diese niederschriften sind im übrigen nicht frei 
von kleinen Zusätzen , welche' der herausgeber zur Übersicht 
, und zum nutzen künftiger kritik in einem etwa 40 Seiten um- 
jfassenden Verzeichnis alphabetisch zusammengestellt hat. Aus 
i demselben ergiebt sich, daß namentlich pronomina, wie ovTog 
Jjfyg airog vfis^g u. s. w. , die copula shai in den verschieden- 
sten formen, der artikel, partikeln v.ai yäq u. a., verba composita 
4 statt der simplicia , eigennamen , besonders &iXiittiog., Wörter 
( ,von allgemeiner bedeutung wie av&goonog , nag , aXXog u. a. m. 
J fälschlich in den text gekommen sind , deren entfernung am 
; ( rechten platze allerdings die sichersten kriterien erfordert. 

Die handschriften bieten dem herausgeber diese Sicherheit 
nicht. Denn wenn er auch den werth von S und B den übri- 
gen gegenüber nicht leugnet, so stimmt er doch mit Dindorf 
darin überein, daß auch jene zahlreiche fehler aufweisen und 
die geringeren in manchen fällen die bessere lesart aufweisen. 
Wenig nutzen verspricht er sich von einer genealogischen klaa- 

21* 



312 49. Demosthenes. Nr. 5. 

sificirung derselben , wenn sie überhaupt durchgeführt werden 
könnte. So wendet er denn ein eklektisches verfahren an und 
hat dafür um so sorgfältiger ein andres mittel der textkritik zu 
hülfe genommen, die testimonia, nicht nur wörtliche citate, son- 
dern auch freiere nachahmungen bei den rhetoren. Wenn die 
letzteren selbstverständlich nur indirekte benutzung zulassen, so 
verkennt der herausgeber auch von den citaten nicht, daß diese 
einerseits nicht überall genau nach dem Wortlaute gegeben sein 
mögen, anderseits selbst aus einem bereits verdorbenen Demo- 
sthenestext stammen können oder nach einem solchen korrigiert 
worden sind ; doch glaubt er in denselben noch vieles achte 
und manche handhabe zur Wiederherstellung des ursprünglichen 
zu finden und hat sich darum die mühe nicht verdrießen lassen, 
ihren text nach den besten handschriften festzustellen. Das 
gleiche gilt von den scholien, aus denen hier und da eine les- 
art begründet wird. Die gesammte ausbeute ist keine geriuge, 
wenn man sich überall dem herausgeber anschließen kann. Zur 
erläuterung nur wenige beispiele : IX, 31 wird an die stelle 
des herkömmlichen dkV cXedgov MuxsScpog oder ovo' dtdgdno- 
dov cnnvdaiov ovdev ijv Tzgäztgop ngiuadat [ngiaadui fehlt pr. 
S. pr. L.] mit Lucian Paras. 42 gesetzt: v&sp ovo" 1 drd(>dno5ov 
ngiaito Tig dp noie. in der kranzrede wird die ausscheidung von 
av tirj § 2, avögconoig § 3, tovto § 4, sxdato) § 8, oiov ovtoq 
rjttuTo und fj nctQ bfxiv § 10 u. a. durch citate, bezw. nachah- 
mungen bei Aristides und Libanius begründet; II, 23 wird aus 
der vulgata: tovvavtiov ydg av >/p &av/iaat6r } tl (itjdev noioiv- 
reg ij/tsig dir zoig nnXsixnioi TiQnafjUSi rov navta noiovrtog d Sei 
nsgiTJfiSv nicht nur mit pr. S d Ste, sondern auch nach einem 
citat des Tiberius d>i roig aolspovoi ngoofaei gestrichen; die 
zusätze würden dann aus der nachahmung in XI, 19 stammen. 
Besonders ins gewicht fallen bei der entscheiduug über in- 
terpolationen nach des herausgebers meinung gründe der kom- 
position, über deren regeln er sich ausführlich in seinem werke 
ausgesprochen hat. Rhythmik der rede , parallelismus der glie- 
der, Vermeidung des hiatus und von drei auf einander folgen- 
den kurzen silben werden möglichst angestrebt. So liest Blaß 
in IV, 6: 

xui fyft tu (abv dög di' ikarp iig noXi^co 

tu. 8e <Ti>i<iA<i%a xai a[Xa tioiijoapsvog. 



ßr. 5. 49. Demosthenes. 313 

i Dieser strenge parallelismus in den rhythmen dieser glieder 
>^ird erst nach entfernung von ?%ot (om. August. 3) vor nolificp 
j «reicht, welche noch durch eine nachahmung bei Aristides em- 
pfohlen wird. Anders wird die stelle Att. ber. III, 1, 116 be- 
handelt, wo k'xoi beibehalten wird um des anapästischen Systems 
»wällen. Ferner XVIII, 72: 

xai OQiäv y.azudovXoi>[Aeioi> | ndvrag dvdQKmovg iasTiov 

i]vai>ziovfitji> xat ngolsyrnv | xui Öiddoxcov (jitj ngoec&ui. 

Die ersten hälften . zählen je neun silben , die sich rhythmisch 

allerdings nicht genau entsprechen, die zweiten dagegen stellen 

«nen regelrechten trochäischen dimeter dar. Der gleichmäßig- 

seit sind zum opfer gefallen: 8ttitXow am schluß des satzes 

[mit B F T und ravra frilCnncp vor Sttiskovt mit S pr. L; 

J 7Qotadui steht mit AO für nQoieo&ai. 

[I, 23 : ov 8h üavfAaaTÖr^ ei 

novmv extivog | nul nagatv sqp' änuai J x«J jW'/^e XÜIQOV fiijö' 

copav naoaXuineov 
l 

?](j.<ßv (teXXovtcov | aal xpfjCft^o^sroav | aal nw&avofiivcov tisqi- 
• 

yCyvsrai. 

Der parallelismus der glieder wird durch den Wegfall der worte 
viQarfvvfAtio^ nal vor novüi herbeigeführt, welche aus der nach- 
ahmung unsrer stelle in XI, 17 in den text gekommen sein soll-, 
"die citate bei Hermogenes schwanken in der aufnähme und weg- 
lassung der interpolation. 
II, 29: 

nQ07£Q0i> nsv yuo 03 avdQsg Adr t iuloi xuta avfifiogCag eigsqisQSTS, 

vvtr 8s rzolirsvsöOs. 

Qrj7(OQ ifle/Aobt' xai GTQatqyog xai oi ßorjdqaofievoi tqmxxogioi' 

ol 8' äXXot ngoare) sfATjads. 
Diese lesung ist das resultat mehrfacher änderungen. Die Stel- 
lung xard avfjfioQtug vor — statt wie handschriftlich nach — 
slaeqtfQSTs ist zur Vermeidung des hiatus vorgezogen und wird 
idurch die eutlehnung in XIII, 20 gestützt; auch hier findet sich, 
wie in der Überlieferung von II, 29, YAud avfjfxogiag nach no- 
XtTtvta&e wiederholt; es muß beseitigt werden, weil es eine häu- 
fung von drei kürzen veranlaßt. Das nach tjye/xmv überlieferte 
sxaisgcor fehlt XIII, 20, ebenso im citat bei Suid. s. v. Qt'jicog, 
beim scholiasten p. 110,3 Dind. Endlich fällt vno tovioj nach 
otQaztjyog wegen des dreisilbengesetzes , und der schluß ol pev 



314 50. Demosthenes. Nr. 5. 

mg roviovg ol de äg sxsivovg wird mit Rehdantz wegen des ver- 
dächtigen gebrauchs von äg gestrichen. 

Das dreisilbengesetz — rosig ßoaxeiag fitj ndiiai 7iay ttX- 
XqXuig , idv (irj nots äV.cog ddvvarov y drjtwoai. ?/ ötutoi-cjig j 
tig — hat mit dem hiatusgesetz zahlreiche opfer gefordert. 
So IX, 74 tovto [76 yigag'] nach T pr. (Aug. 2 steht ro ye.Q(tg 
nach xTtdvtoov) ; § 76 vir [sti] inavoodoo&tjvai — ebendaselbst 
ei <5' s%ti 7ig 70VT03V ßelrior (S : ii 8a ng F%ei tovtuu A: el- 8t 
iig sxsi ii 70V7C0V vulg. : el de zig fyet tovtgop t«) — I, 15 it. 
[naoa 7täv #£<»}' ] — § 19 vnsg 8s vermuthet für ntol 8s — 
II, 21 äffavtj 7« xäx 1 sgtiv statt 7« xax« rntg noiXoig egtii. 
Mehrere dieser conjekturen sind noch nicht in den text aufge- 
nommen. Vorstehende beispiele dürften genügen zur charakte- 
risirung der von Blaß angewandten methode. Interessant wäre 
freilich noch eine genaue Statistik der zahlreichen abweichungen 
von dem bisherigen text nach art , grund und mittel der ände- 
rung-, doch dazu fehlt dem referenten die nöthige muße. Er 
bescheidet sich daher den eindruck, den die durchsieht der ar- 
beit auf ihn gemacht hat, mit des herausgebers eignen worten 
auszudrücken: Dubitare ubique in promptu est, certi aliquid in- 
venirepaucis locis. K. Seeliger. 



50. Franz Slameczka, Untersuchungen über die rede 
des Demosthenes von der gesandtschaft. Wien 1885. (Sepa- 
ratabdruck aus dem 1 1. Jahresbericht des k. k. Staatsgymnasiums 
in Hernais). 

Der Verfasser hat „sich zur aufgäbe gestellt , einen neuen 
beitrag zu liefern zu einer befriedigenden erklärung der in der 
jetzigen gestalt der rede begründeten Schwierigkeiten". Im all- 
gemeinen lautet sein urtheil über sie dahin, daß sie nach einem 
einheitlichen plan gearbeitet sei, und er bemüht sich dies durch eine 
ausführliche disposition zu beweisen. Wenn diese einmal nach allen 
regeln der rhetorik entworfen werden soll , so müßte trotz der 
Ungleichheit der theile aus der dreitheilung der beweisführung, 
die dem Verfasser beliebt, eine zweitheilung werden, wonach der 
erste haupttheil in zwei untertheile zerfallen würde. Denn bis 
§ 149 beschäftigt sich der redner nur mit den nach der ge- 
sandtschaftsreise fallenden ereignissen, insbesondere mit der pho- 
kischen angelegenheit ; der zweite haupttheil behandelt die ge^ 









5. 50. üemosthenes. 315 

,indtschaft selbst und in Verbindung damit die Verluste in Thra- 
ien. Das fundamentum divisionis des ersten theiles in die un- 
isrtheile 29—97 und 98—149 giebt der redner selbst § 120 an : 

Hl it'g fxov y.aia^aQtVQSi\ <j i'fGsi zä n q u y jx a z' j4la^lvij 

.... 7iQ0£ 8s ?oig nijajfiaön avzog avilxu 8)j G v ösavroT. 
i dem abschnitte 98 — 149 werden nämlich nicht, wie Verfasser 
lj. 22 behauptet, die motive des angeklagten dargelegt — 
s motiv ist die durch die bestechung veranlaßte agitation für 
hilippos, deren nachweis in der ganzen rede versucht wird — •, 
->ndern der redner will den beweis führen, daß Aischines durch 
nn ganzes verhalten nach der gesandtschaftsreise sich selbst des 
;errathes überführt hat. Uebrigens hat Blaß mit recht darauf 
aufmerksam gemacht, — und Verfasser giebt dies zu (p. 40) — , 
*aß gerade die gesandtschaftsrede sich in ein rhetorisches Schema 
icht zwängen läßt. Dies gilt nicht bloß für den sogenannten 
i'ipilog, in welchem die taktik des redners jeglichen zwang ver- 
schmäht und namentlich Wiederholungen nicht scheut , wenn sie 
em gedächtnis der hörer zu hilfe kommen-, auch in der drei- 
ichen draay.£L>i'j der beweisführung wird an der disposition 
icht streng festgehalten. Man vergleiche z. b. den abschnitt 
82 — 186, in welchem von den reden des Aischines, nicht von 
einen Pflichtverletzungen auf der reise gesprochen wird. Da- 
er wird auch der abschnitt 88 — 97 nicht aus dem gründe für 
nachträglich eingefügt erklärt werden können, weil in ihm nicht 
f.ie phokische angelegenheit behandelt wird. Damit kommen 
rir zu der hauptfrage nach der redaktion der rede. Der ver- 
asser entscheidet sich mit recht für die namentlich von Blaß 
rertretene ansieht, daß die rede wie sie vorliegt geraume zeit 
i/or der hauptverhandluug ausgearbeitet sei, genauer vor dem 
itroceß des Philokrates, und nicht mehr die Umgestaltung erfuhr, 
•ivelche sie der wirklich gesprochenen würde gleich gemacht 
iiaben. Einige Veränderungen müssen natürlich nach dem proceß 
vorgenommen worden sein, da an einer stelle, § 116 f., von 
l^ler verurtheilung des Philokrates gesprochen wird. Slameczka 
glaubt den umfang dieser nachträglichen redaktion genauer be- 
timmen zu können; es sind die abschnitte 4 — 8, 88 — 97, 147 
':— 149, 332 — 336, welche später eingefügt sein sollen; über 
:116 — 119 äußert er sich auffallender weise nur unbestimmt. 
-;Mit unrecht hat man die angäbe der fünf punkte, nach welchen 



316 50. Demostheues. Nr. 5. 

ein gesandter zu beurtheilen ist, § 4, für eine disposition ge- 
halten und darnach sich die kühnsten Umstellungen erlaubt. 
Verfasser ist zwar darüber entgegengesetzter meinung, kommt 
jedoch immer wieder zu dieser eintheiluug zurück und erklärt 
schließlich die ganze prothesis für nachträglich eingefügt und 
mit ihr die abschnitte, in denen diese partitio vorzugsweise be- 
rücksichtigt wird. Diese haben aber zugleich das gemeinsame, 
daß in ibnen diejenigen einwände des gegners beantwortet wer- 
den, welche der redner ausdrücklich als s^m tqv nqay^cfto^ be- 
zeichnet : der preis des friedens und die beschuldiguug der feld- 
herrn, einwände, die der redner kaum habe voraussehen k'mnen. 
Abgesehen von dem letzten abschnitt 332 — 336, der am meisten 
den verdacht nachträglicher einfügung erweckt, bieten die übri- 
gen nicht genügenden grund zur ausscheidung aus der ursprüng- 
lichen redaction ; namentlich fragt man vergebens , warum der 
redner nicht auch in dieser die fünf bei beurtheilung eines ge- 
sandten maßgebenden punkte, welche durch die ganze rede wie- 
derklingen und, wie es scheint, begründen sollen, warum auch 
die phokische sache in die anklage hineingezogen wird, angege- 
ben haben soll. Uebrigens hält der Verfasser alle diese ab- 
schnitte für demosthenisches gut; für gefälscht nur 234 — 236 
mit Gilbert u. a. ohne hinreichenden grund. Kein anstoß ist 
§ 234 an dem ausdruck rijg ngwrqg nneaßsinii ynä(pa>v in nQQ- 
ßoi'ilfv/i iym xa) näXiv iv rw 5>'][Aq> zu nehmen-, der vom verf. 
vermißte gegensatz zu er iq> ^//^«p liegt deutlich genug in ngo- 
ßovlevftu vor, und zu iv t« $>'](<& ist natürlich nur yQÜyxav zu 
ergänzen. Demosthenes hat im rath bei der Verhandlung des 
Tzgnßoidevfia , wie vor dem volke in gleicher weise den antrag 
gestellt. Da der text t«?V ixultjaCan,' bietet, müssen wir uns 
dabei beruhigen, daß die angelegenheit in mehreren Versamm- 
lungen zur spräche gekommen ist, vielleicht weil sich eine ab- 
änderung des ursprünglichen antrags nöthig gemacht hat; die 
inschriften lehren uns, wie mannigfach sich in der praxis solche 
dinge gestalteten. 

Referent will am schluß nicht verschweigen , daß der Ver- 
fasser alle seine vermuthungen mit vorsichtiger reserve ausspricht, 
und freut sich mit demselben in dem endurtheil übereinstimmen 
zu können , daß die rede unter die mustergiltigen werke der 
rednerischen stilgattung zu zählen sei. 



Nr. 5. 51. Demosthenes. 317 

I 

51. Gustavus Leue, Quo tempore et quo consilio ora- 
tio quae inscribitur T7e(j"i tojv ngog ',4).t%ard{>or avu&fjxdov compo- 
jäita sit. Dissert. Halis Saxonum 1885. 

Daß die 1 7. rede dem Demosthenes nicht gehört, wird wohl 
on niemand mehr bezweifelt ; über namen und charakter ihres 
Verfassers gehen dagegen die meinungen auseinander, am mei- 
sten aber über die frage, wann dieselbe gehalten oder für welche 
zeit sie geschrieben sein könnte. Der Verfasser vorliegender 
sdissertation hat die äußerungen darüber gesammelt und geprüft 
[fifund seine eigne bestimmung zu begründen gesucht. Es ist 
inicht leicht sich durch die vielverschlungene refutatio hindurch- 
zuarbeiten; mit größerer kürze und präcision auch im einzelnen 
rausdruck — das latein ist mangelhaft — hätte Verfasser seiner 
r sache besser gedient. Was das resultat der ersten Untersuchung 
'betrifft, so glaubt referent die entscheidung derselben für die 
»trelativ annehmbarste erklären zu können, wenn man einmal zu- 
giebt, daß die rede aus der praxis, nicht aus der schule hervor- 

- gegangen ist. 

Im gründe lassen sich die verschiedenen Zeitbestimmungen 
I der rede auf drei zurückführen : ist die rede vor der Zerstörung 
Wvon Theben i. j. 335 gehalten? oder gleichzeitig mit dem auf- 

- stand des Agis 330? oder in der Zwischenzeit, genauer vor der 
'schlacht bei Issus , sommer oder herbst 333? Für die erstere 
" bestimmung läßt sich lediglich ein argumentum ex silentio gel- 
; tend machen : wäre die rede nach 335 geschrieben , so würde 
i man in derselben einen hinweis auf das Schicksal Thebens er- 
;> warten , von 333 an außerdem eine berührung der ungeheuren 
i erfolge des Perserkriegs. Leue hat den einwand , der Theben 
Xl betrifft , richtig beseitigt; im allgemeinen ist noch darauf auf- 
E i merksam zu machen , daß der redner fast ängstlich seine auf- 
| gäbe auf den nachweis beschränkt, daß die Makedonen die ver- 
• träge mehrfach gebrochen haben, und nur mit schüchterner an- 
] 1 deutung des xaioöq jeden weiteren ausblick auf die politische 

Situation vermeidet. Wollte man überhaupt das argumentum ex 
■ silentio gelten lassen, so würde man für die zeit vor der Zerstö- 
rung Thebens erst recht eine Schilderung der politischen Ver- 
hältnisse vermissen. Gegen die bestimmung der rede auf das 
! jähr 330 genügt, abgesehen von anderen gründen, die na- 
mentlich Windel zusammengestellt hat, der eine genügende ein- 



318 51. Demosthenes. Nr. 5. 

wand , daß um diese zeit , wo Alexander über die gesarnmte 
asiatische flotte gebot, von einer Übermacht der Athener zur see, 
wie sie § 25 behauptet wird, nicht mehr die rede sein kann. 
Anders in der zeit vor der schiacht bei Issus, wo der eben erst 
wiederhergestellten makedonisch -hellenischen flotte die persische 
noch gegenüberstand. Unter den für eine erhebuug günstigen 
Zeitpunkten bezeichnet Aischines 3, 164 ausdrücklich auch den, 
wo Alexander in Cilicien krank lag und gegen ihn ein unge- 
heures Perserheer heranzog. Ließe sich übrigens sicher feststel- 
len, daß unsre rede zu dieser zeit gehalten ist, so wäre schon 
dadurch bewiesen, daß sie dem Uemosthenes nicht angehört, da 
ja Aischines an jener stelle ausdrücklich sagt, Demosthenes habe 
in keiner weise die gelegenheit benutzt. 

Man kann nicht sagen , daß die in der rede erwähnten 
thatsachen zwingend auf den herbst 333 führen; aber Leue 
weiß sie wenigstens mit einiger Wahrscheinlichkeit in diesen Zeit- 
raum zu fügen. So vor allem die aufbringung der hellenischen 
fahrzeuge durch die Makedonen § 19 ff., deren zweck damit 
erklärt wird, daß man habe verhüten wollen , daß die getreide- 
schiffe in die bände der vor Mytilene liegenden Perser fielen 
Jedenfalls läßt sich für den sommer 333 , in welchem die ma- 
kedonische flotte wieder der persischen entgegentrat, leicht er- 
klären , daß griechische aus dem Hellespont kommende kauf- 
fahr tei schiffe bei Tenedos von den Makedonen aufgehalten wur- 
den. Die Chronologie der tyrannis von Antissa und Eresos 
§ 7, ist nicht so sicher , daß sie für die bestimmung der rede 
entscheidend sein könnte. Doch dürfte an der stelle am wahr- 
scheinlichsten die Vertreibung der tyrannen im jähre 334 durch 
Alkimachos, Arr. 1, 18, 1, gemeint sein. Noch unsichrer sind 
die vermuthungen über die zurückführung der messenischen ty- 
rannen § 4 , welche A. Schäfer in die zeit nach Thebens fall 
verlegt; ein späterer ansatz würde allerdings verbieten den Mus- 
druck ^ AXi § a vö o oc xuiuyaywv wörtlich zu nehmen. Die zu- 
rückführung des ringmeisters nach Sikyon und die tyrannis des 
Charon in Pellene wird mit Windel in die zeit nach frühjahr 
334 bezw. nach ende 334 gesetzt, endlich die einfahrt des ma- 
kedonischen drciruderers in den Peiraieus § 26 ff., auf ende 
oktober oder anfang november 333 bestimmt, so daß die rede 
auch im anfang november geschrieben wäre, p. 40 mit anrn. 2 und 3. 



Nr. 5. 51. Deniosthenes. 319 

Bei so genauer bestimmung hätte sich Verfasser auch vor ge- 
ringfügigen Widersprüchen hüten sollen; in der letzten anmer- 
kung p. 52 lesen wir: orationem paullo post Sept embr em vel 
Octobrem mensem anni 333 conscriptam esse. Die Schlacht bei 
Issus fällt in den Oktober oder november. 

Wenn referent in der chronologischen frage Leue seine 
bedingte beistimmung nicht versagen kann, so muß er dagegen 
der sonderbaren behauptung widersprechen, daß der Verfasser 
seine rede unter der Aktion, als sei sie von ihm in Athen wirk- 
lich gehalten worden , als flugschrift in Griechenland verbreitet 
habe. Diese fiktion soll sich u. a. dadurch verrathen , daß ab- 
gesehen von der anrede an zwei stellen § 23 und § 28 der 
name Athens , bezw. der Athener geflissentlich hervorgehoben 
werde. Als ob dies nicht auch in anderen reden geschehe, die 
zweifellos wirklich in Athen gehalten worden sind , z. b, Dem. 
8, 20. [Dem.] 7, 28, 13 u. a. m. Uebrigens erfordert an jenen 
stellen der gegensatz geradezu die nennung des namens. Wenn 
Leue weiter hervorhebt, daß der redner mehr von der Verletzung 
andrer Staaten als der der Athener redet, so hat er dies 
mit der geschichte abzumachen. Der redner kann eben nur 
thatsachen anführen und darf keine Verletzung des bundesan- 
trags, auch wenn sie die Athener nichts angeht, verschweigen; 
übrigens ist nicht zu verkennen, daß gerade die Athen betref- 
fenden Fälle trotz ihrer geringfügigkeit gehörig ausgebeutet 
werden und auch sonst der Standpunkt des redners sich als 
der des Atheners verräth. Warum endlich die formellen nach- 
lässigkeiten der rede sich eher bei einer flugschrift als dem 
vertrag in der athenischen Volksversammlung erklären lassen 
sollen, ist schwer zu verstehen. Unbegreiflich aber ist es, warum 
ein Athener, der sich an die gesammten Griechen wenden wollte, 
sich der ihm zugemutheten fiktion bedienen sollte. Glaubt etwa 
der Verfasser, daß ein deutscher politiker die Bayern leichter 
überzeugen werde , wenn er an sie eine an die Berliner gerich- 
tete rede schickt? Die auffällige beschränkung , welche sich 
der redner auferlegt, versteht sich nur, wenn man voraussetzt, 
daß derselbe in der Volksversammlung die erörterung andrer 
punkte anderen überläßt, oder wenn man annimmt, daß ein rhetor 
über ein eng begrenztes thema habe schreiben wollen. 

Konrad Seeliger. - 






320 52. Plautus. Nr. 

52. T. Macci Plauti Mostellaria with notes critical an 
exegetical and an iutroduction by E. A. Sonnenschein, 
A., professor of classics in the Mason College, Birmingham. Cam 
bridge, Deighton Bell and co., London, George Bell et son. 1884 
XXXIV u. 163 p. 

Sonnenscheins ausgäbe der Mostellaria schließt sich in an 
läge und ausführung genau , und wir dürfen wohl sagen , aucl 
ebenbürtig an die bereits von W. Wagner besorgten ausgaber 
der Aulularia Menaechmi wie des Trinummus an. Nach dei 
inhaltsangabe und einigen erörterungen über die charakterzeich- 
nung folgt eine kurze darstellung der in der Mostellaria vom 
kommenden metra, welche, wie Sonnenschein selbst bemerkt, für 
den der plautinischen metrik noch unkundigen leser berechnet 
ist; sie macht daher keine ansprüche auf selbständige forschung 
beweist aber, daß der Verfasser mit den einschlägigen werker 
und verschiedenen ansichten über die genannte disciplin wohl 
vertraut ist. Nur möchten wir bemerken , daß mit unrecht p. 
XVII die form uuu — | u — als Schluß des senars für statthaft 
und p. XXIX behauptet wird, Ritschi habe in den anapästischen 
Versmaßen nicht mehr licenzen zugelassen , als in den trochäi 
sehen oktonaren. Eigenthümlich berührt die gewohnheit des 
verf., in den als beispielen citirten versen im fall der synalöphe 
die erste der coalescirenden silben zu verstümmeln, was ja über 
dies zu einem starken mißverständniß veranlassung geben muß, 
z. b. et r' et filium (ei rem et filium). Die abfassungszeit der ar- 
gumenta acrosticha setzt Sonnenschein p. 3 wenigstens ein Jahr- 
hundert nach dem tode des Plautus an , Lorenz zu Mil. p. 2 
richtiger in der zeit der Antonine, obschon er in der anmer- 
kung auch der vermuthung räum giebt, sie könnten im 7. Jahr- 
hundert der Stadt entstanden sein, bestimmter spricht sich mit 
recht Brix aus im kritischen anhang zu Capt. arg. 1 Bei der 
constituirung des textes hat sich Sonnenscheiu seinen Vorgän- 
gern gegenüber eine gewisse Selbständigkeit gewahrt : alles was 
seit Ritschi für die kritik geleistet ist, wird , so viel wir sehen, 
gewissenhaft benutzt. Eine glänzende Verbesserung ist die con- 
jektur von Ellis zu 595 ne frit quidem statt des handschrift- I 
liehen nee erit, coli. Varr. De re r. I, 48, 3. Bei den eige- 
nen vermutliinigen ist der berausgeber im allgemeinen mehr 
von der rückzieht auf äußere ähnlichkeit mit der Überlieferung 



Itfr. 5. 52. Plautus. 321 

iils auf angemessenheit des gedankens geleitet worden; so steht 
63 dare si potestis (statt der sinnlosen Überlieferung data es in- 
i'h)onestis) mit dem folgenden nicht in wünschenswerthem Zusam- 
menhang; 296 nam quod tibi libet id mihi Übet vermißt man den 
begriff „auch", die handschriften geben idem mihi libet, vielleicht 
^schrieb Plautus et mihi lubet; 509 liest Sonnenschein vivom me 
'accersunt ad Charontem mortui weil CD adcheruntem haben; 
aber wenn man dieser Schreibweise eine bedeutung beilegen will, 
'so scheint sie mir doch eher auf accheruntem hinzuführen, wie 
jßugge und Lor. 2 geschrieben haben ; 557 wäre cape obsecro hercle 
'[aequom] cum eo iudicem eine sehr hübsche ergänzung (man 
i denke sich aequom zwischen hercle-quom), wenn der hiatus hinter 
ihercle geduldet werden könnte. Aber was Ritschi von den ein- 
silbigen interjektionen lehrte, kann auf die zweite silbe von 
<hercle keine anwendung finden und die zulässigkeit des hiatus 
:in der cäsur des senars ist auch höchst problematisch; 999 ist 
nicht ad forum hödie tibi zu skandieren wegen des schlechten 
isenarausganges, sondern ad forum hödie tibi: ad forum wird als 
<ein kretisches wort betrachtet, vgl. ausgänge wie gratiam habeo 
itibi und Luchs in Studemunds Studien I, p. 22; 1040 schreibt 
Sonnenschein qui is hodie exemplo me deludificatus est statt des 
(handschriftlichen quis me exemplis hodie eludificatus: er macht 
s die bemerkung , daß quis statt quibus bei Plautus sonst nicht 
i vorkomme, aber der plural quibus exemplis ist hier bezeichnend, 
vrgl. Langen zur kritik des Plautus p. 112, es wird also wohl 
quibus med exemplis hodie ludificatus est zu schreiben sein. Mit 
diesen ausstellungen soll nicht behauptet werden , daß Sonnen- 
i.schein's thätigkeit für die kritik ohne nutzen gewesen : 284 hat 
er wohl mit recht nisi quod tibi decere censeat statt des sinn- 
' störenden placere geschrieben und dementsprechend auch 282 
* deceat [mihi] Scapha passend ergänzt. Sehr ansprechend ist 
-468 f. tangitin {tangite könnte wohl mit den handschriften bei- 
1 behalten werden) Vos quoque etiam? || obsecro hercle quin [ei tan- 
i gereut]? es läßt sich nicht läugnen, daß die erklärung des über- 
lieferten tangite vos quoque terram bei Lorenz etwas künstlich ist, 
der schluß des verses ist in den codd. total verdorben. 

Bezüglich der erklärung hat Lorenz in seiner trefflichen 

! ausgäbe den nachfolgern das meiste vorweg genommen , und 

die scheu, zu oft das zu wiederholen, was Lorenz bereits gesagt, 



322 53. Griechische geschichte. Nr. 



mag Sonnenschein mehrfach veranlaßt hahen , erklärungen z 
unterdrücken, welche zur belehrung angehender leser des Plan 
tus doch kaum entbehrlich waren. Uebrigens ist Sonnenschei 
nicht ohne erfolg bemüht gewesen, auch über Lorenz hinaus sie 
um das verständniß der komödie verdienstlich zu machen : vgl 
die bemerkungen zu v. 18 über tempestates , 89 über imper, 
coniunetiv in der consecutio , 90 über id exemplum , 532 übe; 
faenore als dativ und redensarten wie faenore dare, surnere; 68'.' 
die coustruktion von decedere u. s. w. 

Den beschluß machen zwei exkurse , der erstere vom hei 
ausgeber selbst über Accheruntem und ad Acheruntem zu 499 um 
509 , der zweite von Ellis über das canticum der ersten scen 
des vierten aktes, 858 ff 1 , bei Ritschi, und das folgende in de 
zweiten scene des nämlichen aktes 885 ff. Wenn referent auch dei 
englischen erklärer nicht mit Lorenz auf eine linie stellen möchte 
so hat sich Sonnenschein doch unter den nachfolgen! Ritsclil 
in der Plautuslitteratur durch die vorliegende ausgäbe einei 
ehrenvollen platz gesichert. 



: 



53. Julius v. Pflugk-Harttung, Perikles als fehl, 
herr. IX, 143 p. 8. Stuttgart 1884. 

Daß der perikleische kriegsplan im peloponnesischen krieg(, 
eine ausgeburf strategischer Weisheit war, lernen wir schon au 
der Schulbank; und unsere „griechischen geschienten" variirei 
das thema immer aufs neue. Natürlich, hat es doch Thukydides ge- 
sagt. Alioq, k'cpa. Und auch die kritiker der Grote'schen schule, die 
doch sonst schonungslos genug mit Thukydides umgehen, haben sein 
urtheil über Perikles respectirt. Der Vollender der attischen 
demokratie war von dieser seite vor angriffen sicher. 

Pflugk - Harttung hat das verdienst , in dieses vorurtheil 
bresche gelegt zu haben. Er beginnt mit der kritik der mili- 
tärischen Unternehmungen des Perikles vor dem peloponnesischen 
kriege. Schon hier ist das ergebniß für Perikles wenig günstig. 
Die kriegführung im jähre der Schlacht bei Tanagra zeigt den 
„militärischen dilettanten" (p. 10); auf dem zuge um den Pe- 
loponnes wurde weniger erreicht , als Tolmides ein jähr früher 
mit nicht größeren mittein errungen hatte; in der leitung des 
samischen krieges hat Perikles eine reihe schwerer fehler ge- 
macht und schließlich doch keinen vollen erfolg errungen. Dan- 



' Nr. 5. 53. Griechische geschichte. 323 

kenswerth ist hier der nachweis (p. 124 — 138), daß wir in 
Trageae die bei Kiepert als Hyettussa bezeichnete insel zu se- 
"' hen haben. 

Der Verfasser wendet sich jetzt zu dem wichtigsten und in- 
i teressantesteu theil seiner Untersuchung , der beurtheilung der 
' Strategie des Perikles in den ersten jähren des peloponnesischen 
' krieges, wobei gelegentliche ausblicke auch auf die politik sich 
1 von selbst ergeben. Das bündniß mit Korkyra war der erste 
schritt auf der bahn jener „abenteuer-politik" , der schließlich 
' zur katastrophe am Asinaros geführt hat. Der tadel gegen 
' Perikles, Korkyra nicht hinreichend energisch unterstützt zu 
haben (p. 54), ist an sich gerechtfertigt, ebenso die bemerkun- 
gen über die zauderpolitik in der potidaeatischen sache (p. 55 ff.). 
1 Aber vielleicht berücksichtigt Pfiugk-Harttung zu wenig die in- 
neren Schwierigkeiten , mit denen Perikles in Athen selbst zu 
: kämpfen hatte; die öffentliche meinung war entschieden gegen 
i den krieg. Der verf. weist dann ausführlich nach, daß der von 
Perikles empfohlene, und so lange er an der spitze des Staates 
stand auch befolgte kriegsplan durchaus verderblich war , und 
: nur zum ruin Athens führen mußte. Ich habe dasselbe fast 
gleichzeitig mit Pflugk - Harttung und unabhängig von ihm in 
1 meiner „attischen politik" ausgesprochen ; und auch Duncker 
' hat in dem inzwischen erschienenen IX. bände seiner geschichte 
1 des alterthums diese auffassung sich zu eigen gemacht. 

In einzelnen punkten wird man freilich von Pflugk - Hart- 
tung abweichen müssen. So ist schon von anderer seite darauf 
aufmerksam gemacht worden, daß der verf. die Wehrkraft Athens 
I zu lande bei weitem überschätzt. Und selbst angenommen, daß 
i Athen im stände gewesen wäre , ein den verbündeten Pelopon- 
1 nesiern und Böotern numerisch gewachsenes heer aufzustellen, 
so würden doch diese truppen , soweit sie nicht aus Athenern 
' gebildet waren , an qualität weit hinter den gegnern zurückge- 
I standen haben (vergl. z. b. Xen. Hell. III, 2, 17), auch ganz 
abgesehen von der politischen uuziiverlässigkeit der bundes- 
genössischen hopliten. Mit solchem materiale eine offene feld- 
schlacht annehmen zu wollen , wäre nichts anderes gewesen, als 
den Staat in eine sichere niederlage zu stürzen. Die probe 
ist ja oft genug gemacht worden, und unter für Athen viel gün- 
stigeren umständen, als sie im jähr 431 vorlagen, bei Tanagrä, 



324 53. Griechische geschichte. Nr. 5 

Delion , Korinth (394), und immer ist Athen unterlegen. Ata 
das ist jedenfalls ein verdienst des Perikles , daß er seine mit 
biirger von einem solchen Wagnisse abhielt. Aber es ist ein ver 
dienst des Staatsmannes, nicht des feldherrn. Eine andere frag» 
ist es , ob es nicht möglich gewesen wäre — zwar nicht dil 
Geraneia zu besetzen , das war seit dem Verluste von Megari 
und gegenüber den Boeotern im rücken , den Peloponnesierij 
in der front nicht mehr ausführbar — aber doch die passe zwi' 
sehen den ebenen von Eleusis und Athen zu vertheidigen. We< 
nigstens zeit zur räumung des attischen landgebiets hätte siel 
so gewinnen lassen, wenn auch ein durchgreifender erfolg kauir 
zu erreichen war. Wenn Perikles statt dessen die Peloponne : 
sier ungehindert vorgehen ließ, so war der entscheidende grunc 
offenbar der , daß er seine truppen — bürgermilizen — nich 
hinreichend in der hand hatte , und fürchten mußte, gegen sei-, 
nen willen zur Schlacht fortgerissen zu werden , wenn er sie ili 
die nähe des feindes brachte. Aber das entschuldigt noch niclü 
das system der reinen defensive, des thatlosen abwartens, daqj 
Perikles bis zu seinem stürze befolgt hat. Die flotte, die ino| 
jähr 431 gegen den Peloponnes ausgesandt wurde, konnte statt 100C 
auch 4 — 6000 hopliten an bord nehmen; Pylos und Kythera 
wären damals ebenso zu erobern gewesen, als 6 — 7 jähre später 
Was Perikles sonst noch hätte thun können, habe ich in meinen 
attischen politik angedeutet , und ist neuerdings von Duncker 
weitläufig ausgeführt werden. Wenn also auch einzelne dei 
ausführungen Pflugk-Harttuug's nach meiner ansieht nicht halt- 
bar sind , so bleibt doch sein gesammturtheil über Perikles als 
feldherrn unstreitig richtig. 

Zum schluß noch ein wort über die principiellen bedenken, 
die kürzlich von einer seite , die ich sehr hochschätze , gegen 
Pflugk Harttung's methode erhoben worden sind. Es ist ja un-i 
bestritten, daß ,,der charakter unserer Überlieferung der alten, 
geschichte für eine psychologische erörterung häufig nicht aus- 
reichend ist' 1 , und daß wir sehr oft zufrieden sein müssen, wenn 
es uns gelingt, auch nur „die hauptmomente der begebenheiten 
mit Sicherheit zu ergreifen". Aber deswegen in unserem falle 
mit Plutarch zu sagen: al /<h ovr atiCut uvrui leyoitai , t« 
d'dXqdeg adqXov scheint mir die resignatiou zu weit getrieben. 
Gehört doch grade die zeit des peloponnesischen krieges zu den 



Afo 5. 54. Griechische geschichte. 325 

lim besten bekannten abschnitten der geschichte des alterthums ; 
i rollten wir hier auf ein eigenes urtheil verzichten, so hieße das 
richts anderes, als der alten geschichte als Wissenschaft das to- 
desurtheil sprechen. 

Thukydides ist ein so enthusiastischer bewunderer des Pe- 
i'ikles, daß wir schon darum berechtigt sind, seiner auffassung 
der perikleischen politik einiges mißtrauen entgegenzubringen. 
iVenn es sich nun aus den von Thukydides selbst berichteten 
Tatsachen ergiebt, daß der ausbruch des krieges sich durch einige 
7erhältnißmäßig unbedeutende concessionen von seiten Athens hätte 
Verhindern lassen, und daß es Perikles war, der sich mit auf- 
;ebot all' seines einflusses jeder concession widersetzte ; wenn 
ijs ferner unzweifelhaft ist, daß dieser augenblick, während 1 /s 
der militärmacht Athens in Thrakien festgehalten und Argos 
durch seinen vertrag mit Sparta gebunden war, der allerun- 
jünstigste für Athen war, in dem der krieg hätte ausbrechen 
können-, wenn endlich Perikles, wie uns Thukydides sagt, und 
die thatsachen bestätigen, ein bedeutender und weitblickender 
taatsmann gewesen ist — was bleibt da übrig als die annähme, 
laß es persönliche motive waren , die ihn bestimmten Athen in 
den krieg zu stürzen? Vom ethischen Standpunkte des Thuky- 
dides aus war übrigens eine solche handlungsweise eine durch- 
aus berechtigte. Ja es scheint fast , als ob Thukydides es gar 
'ücht für möglich gehalten hätte , daß ein Staatsmann von an- 
deren als egoistischen motiven bestimmt werden könnte; wenig- 
stens legt er solche motive ganz ungescheut auch den männern 
Unter , die er am meisten bewundert, einem Nikias, einem Bra- 
idas, einem Phrynichos. J. Beloch. 

54. E. v. Stern, geschichte der spartanischen und the- 
^anischen hegemonie vom königsfrieden bis zur schlacht bei 
«tantinea. Dorpat 1884. (X, 248 p.). Dissertation. 

Der wesentliche fortschritt, den Sterns darstellung gegen- 
über den bisherigen behandlungen dieser epoche bezeichnet, 
'»eruht einerseits auf der ausgiebigen benutzung der in letzter 
eit zu tage geförderten inschriften, andrerseits auf der Quellen- 
kritik. Stern hat zuerst mit der durchaus unzuverlässigen, viel- 
" ach verworrenen und durch parteische oder rhetorische Übertreibun- 
gen arg entstellten Überlieferung Diodors und theilweise auch Plu- 
Philol. Anz. XV. 22 



326 54. Griechische geschichte. Nr. E' 

tarchs grundsätzlich gehrochen und Xenophon zur grundlag 
seiner geschichtserzählung gemacht. Gewiß ist Xenophon il 
spartanischen anschauungen und darstellungen der ereigniss 
befangen und geht über mancherlei für Sparta unangenehm 
dinge stillschweigend hinweg, aber was er als thatsachen berief 
tet, ist nachweislich selbst bei solchen gelegenheiten zuverlässi. 
ger als die von Ephoros und einem thebanerfreundlichen autojj 
herrührenden erzählungen Diodors und Plutarchs, wo Sparta' 
ehre und interesse stark in frage kommt. Das gilt namentlic 
von der befreiung Thebens. Die ausführliche erzählung diese ; 
Vorganges bei Plutarch im Daimonion und in der biographie de| 
Pelopidas ist in der that nichts weiter als ein die verschwörun I 
und im besondern den Pelopidas verherrlichender roman mil 
sehr geringem historischen gehalt. Stern weist (p. 47 ff.) schla 
gend nach, daß Xenophon auch diesen gegen Sparta gerichtete 
streich richtiger erzählt als die übrigen quellen und daß mai 
nur ihm folgen darf. 

Die boioterfreundliche quelle , die Plutarch seiner biogra 
phie des Pelopidas zu gründe legte, ist, wie schon Queck (Quel i 
Plut. im leb."d, Pelop. Stargard 1875, progr., und Jena 187(1 
diss.) gesehen hat, aller Wahrscheinlichkeit nach Kallisthenei 
Was die quelle Diodors für die griechischen geschichten vo 
der befreiung Thebens bis zur schlacht bei Mantineia betriff 
so sucht Stern die gewöhnliche annähme , daß auch in diesei 
abschnitte (XV, 25 — 88) nur Ephoros benutzt sei, als unrichti 
zu erweisen. Nach seiner ansieht ist Diodoros zum große 
theil nicht dem Ephoros, sondern demselben boioterfreundliche 
autor, aus dem Plutarch schöpfte, also dem Kallisthenes, gefolg 
Da die frage nicht nur für die Überlieferung der von Stern bc 
handelten epoche, sondern auch für die beurtheilung des Epho 
ros nnd Diodoros von großer Wichtigkeit ist, so wird ein etwa 
näheres eingehen auf die sache geboten sein. Es wird sich zei 
gen, daß Stern einen quellen Wechsel bei Diodor richtig erkann 
aber auf falsche wege gerathen ist. 

Eine theilweise benutzung des Ephoros in diesem abschnitt 
stellt auch Stern nicht in abrede. Daß Diodoros den Ephoro 
vor sich liegen hatte , zeigt überdies das citat XV, 60. Gehei 
wir nun ins einzelne ein. 

Der bericht (cap. 25 — 27) über die bestürmung der Ka 



■ Nr. 5. 54. Griechische geschichte. 327 

' dmeia und die hülfssendung Athens auf Volksbeschluß — nach 
Xenophon leisten die an der grenze stehenden Strategen eigenmäch- 
! tig beistand — soll nach Stern nicht aus Ephoros stammen, denn 
'„bei einem ereigniß , dem Ephoros zeitlich so nahe stehe, dürfe 
1 man ihm doch nicht eine derartige Verwirrung und solche Wi- 
dersprüche zutrauen", selbst wenn man dem strengen urtheile 
Otfr. Müllers und Endemanns über seine leichtfertigkeit und 
seinen mangel an historischer Wahrheitsliebe bei der darstellung 
der ältesten geschichte beistimme. Den spätem rednern (Dei- 
' narch. z. Demosth. p. 30) sei es sehr darauf angekommen, diese 
1 hülfsleistung hervorzuheben. Möglich, daß Diodor einer solchen 
1 oder ihr nahe stehenden quelle seine nachricht verdanke. 

Dazu ist zu bemerken, daß Ephoros die letzten bücher seines 
' werkes sicherlich nach dem übergange Alexanders des großen nach 
[ Asien (Clem. Strom. I, 21, p. 403 P, vgl. Plut. Eth. 1043 D) und mit- 
hin höchstens einige jähre vor der rede Deinarchs verfaßt hat x ). Na- 
hezu ein halbes Jahrhundert war also seit der befreiung Thebens 
"verflossen, als Ephoros dieses ereigniß beschrieb. Vielerlei mußte 
sich da bereits in der mündlichen Überlieferung arg verschoben 
haben, und schwere irrthümer waren unvermeidlich, wenn ein 
autor ohne Sorgfalt , ohne kritik und ohne sinn für historische 
Wahrheit diese Überlieferung benutzte. Wenn man erwägt, in 
wie überaus leichtfertiger weise Ephoros Herodots erzählung der 
Perserkriege überarbeitete und durch ganz fabelhafte freie er- 
findungen (nächtlicher ausfall des Leonidas u. s. w.) ausschmückte, 
wie er trotz besserer einsieht in das wesen der tradition über 
ältere geschichte diese mit ereignissen nach dem muster von 
Vorgängen aus dem vierten Jahrhundert willkürlich bereicherte, 
iwie er ferner die geschichte zu gunsten Athens und seiner asia- 
tischen landsleute fälschte — wenn man das erwägt, so wird man 
sich nicht darüber wundern dürfen, daß auch seine erzählung der 
1 ereignisse vom königsfrieden bis zur schlacht bei Mantineia stark 
mit irrthümern und absichtlichen Verfälschungen des thatbestan- 
des versetzt war. Ein irrthum, wie der, daß die Athener schon 
zum angriffe auf die Kadmeia den Thebanern förmlich hülfe 
zu senden beschlossen , konnte um so leichter vorkommen , als 
bereits im folgenden jähre thatsächlich eine solche hülfssendung 

1) Nebenbei sei bemerkt, daß in dem sicher ephoreischen stück Diod. 
XV, 88 (vgl. Ephoros fragm. 67) von der zerstöruüg Thebens die rede ist. 

22* 



328 54. Griechische geschichte. Nr. 5 



auf Volksbeschluß erfolgte. Außerdem wurde dann das verdiens 
Athens um die befreiung Thebens wesentlich vergrößert. Nun 
soll aber cap. 29 einen Widerspruch zu dieser nachricht enthal- 
ten, denn dort wird gemeldet, daß bis zum einfall des Spho- 
drias in Attika friede zwischen Athen und Sparta bestand, und 
daß erst nach der freisprechung des Sphodrias die Athener be-i 
schlössen lelva&ai rdc anovöui,' vno slaxedaifjiotioar. Es liegt 
darin aber durchaus kein Widerspruch, denn nach den völker- 
rechtlichen anschauungen der Hellenen wurde erst dann eini 
förmlicher bruch der anovSai bewirkt und der kriegszustand 
herbeigeführt , wenn ein staat unmittelbar das gebiet des 
andern verletzte. Zum beispiel kämpften die Athener als bun- 
desgenossen der Mantineer und Argeier im jähre 418 in der; 
Schlacht bei Mantineia mit, aber die oncrdai mit den Lakedai- 
moniern wurden von ihnen erst dann offen gebrochen , als eine 
attische flotte die lakonische küste verwüstete. (Thuk. VI, 105). 
Gegen Ephoros als quelle für cap. 25 — 27 spricht also 
nichts. Andrerseits ist acht ephorisch erstens die tendenz, dann 
eine reihe offenbar gemachter Zahlenangaben , endlich die art, 
wie aus dem einfachen angriffe auf die Kadmeia, dem die Har- 
mosten nach Xenophon gar keinen ernstlichen widerstand lei- 
steten, eine lange, großartige berennung gemacht wird , bei der 
sich die Sturmkolonnen im Wetteifer tag und nacht ablösen. Im 
29. capitel (einfall des Sphodrias) hält Stern (p. 68) die benu- 
tzung des Ephoros selbst für wahrscheinlich. In der erzählung 
des feldzuges des Agesilaos nach Boiotien (cap. 32 — 33) ist im 
32. capitel Ephoros fragm. 140 nachweisbar. Die den Seekrieg 
behandelnden capitel 34 — 36 sind, wie überhaupt die auf die 
seeverhältnisse bezüglichen abschnitte , sicherlich aus Ephoros 
entnommen (vgl. z. b. den hinweis auf das Schicksal der feld- 
herren nach der schlacht bei den Arginusen cap. 35, 1 und 
Diod. XIII, 102, 5). Daß cap. 37 (treffen bei Tegyra) aus 
Ephoros stammt, ergiebt sich aus folgendem. Plut. Pelop. 17 
sagt in der eingehenden Schilderung dieses gefechtes , Ephoros 
gebe die stärke der more auf 500, Kallisthenes auf 700 mann 
an. Er bemerkt ferner, daß die Thebaner auf zwei moren ge- 
stoßen wären. Bei Diod. XV, 37 heißt es, die Thebaner sieg- 
ten, 500 mann stark tiqoq 8tnXaalovg av(A^aX6vxng, Die quelle 
Diodors nahm also, wie Ephoros, die stärke der more zu 500 



. 



Nr. 5. 54. Griechische geschichte. 329 

1 mann an. Nach dem ansatze der more bei Kallisthenes würden 
1 die Lakedaimonier sogar nahezu dreimal so stark gewesen sein. 
Im 38. capitel werden die friedensverhandlungen vom jähre 
^874 erzählt und dabei Vorgänge vom friedenscongresse des Jahres 
] 5 371 bereits in die damaligen Verhandlungen versetzt. Dieser 
1 verstoß gegen die historischen thatsachen kann nach dem oben 
■ bemerkten nicht gegen Ephoros sprechen. Vielmehr weist die 
' sich daran unmittelbar anschließende, übertriebene Verherrlichung 
des Epameinondas — wie wir bald sehen werden — deutlich 
1 auf diesen autor hin. Auch würde es ganz der art des Epho- 
' ros entsprechen , wenn er in der Verlegenheit , etwas positives 
1 über den anlaß zu den Verhandlungen und die bedingungen des 
1 friedens zu berichten, einfach die ereignisse vom jähre 371 zu 
' hülfe genommen hätte. 

Als quelle der ausführlichen darstellung der ereignisse, 

'welche zum Wiederausbruche des krieges führten (cap. 45 — 47) 

; i betrachtet auch Stern (p. 102 anm. 1), den Ephoros, aber die 

Schilderung der Schlacht bei Leuktra (cap. 51 — 56) soll nicht 

von diesem autor herrühren. Stern bemerkt, daß man dem 

' Ephoros , „der die bedeutung des selbsterlebthabens wohl zu 

I schätzen verstanden habe (Polyb. XII, 27)", nicht eine derartige 

1 Verwirrung zutrauen dürfe, wie wir sie hier in betreff der züge 

des Iason und Archidamos fänden. Das ist also zunächst im- 

! mer dasselbe argument , das wir bereits widerlegt zu haben 

j glauben. Diodor läßt Iason den Thebanern mit 1500 mann 

i fußtruppen und 500 reitern schon zur schlacht selbst zu 

1 hülfe kommen. Hatte Ephoros gehört , daß Iason , wie Xeno- 

i phon berichtet, bundesgenosse der Thebaner war, und sich bald 

i nach dem kämpfe auf dem schlachtfelde befand, wie leicht konnte 

er darauf verfallen , daß Iason schon an der schlacht selbst 

I theilnahm ! Und wenn sich Archidamos schon vor der schlacht 

i mit dem heere des Kleombrotos vereinigte , so wurde dadurch 

I der sieg der Thebaner um so größer , sie schlugen ja dann 

1 beide heere der Lakedaimonier. Ephoros hat sich eine menge 

ähnlicher sünden gegen die geschichtliche Wahrheit zu schulden 

kommen lassen, so daß man ihm auch diese wohl zutrauen darf. 

Stern ist der ansieht, daß Diodoros für die schlacht bei Leuktra 

dieselbe quelle benutzt habe, die bei Paus. IX, 13 vorliege, 

wo — was wohl richtig sein dürfte — Plut. Epameinondas aus- 



330 54. Griechische geschichte. Nr. 5'J 



in 



gezogen sei. Er beruft sich darauf, daß „wir sowohl bei Diodor 
als bei Pausanias die irrthiimliche nachricht finden, daß man 
Theben daran gedacht habe , weiber und kinder beim bevorste- 
henden kriege nach Athen zu senden". Allein Diodor XV, 52 
redet von einem förmlichen beschlusse der Thebaner (ot 
07]ßalot diu rtjv nagovatav zööv noXsfxicov zxprjcflaavTo rtxra ph 
xai ywalxug tlg y^&ijvag vnEx&ea&ai), während bei Pausanias 
IX, 13, 6 nur im kriegsrathe drei boiotarchen einen derartigen- 
Vorschlag machen, aber damit nicht durchdringen. Pausanias; 
berichtet über Vorzeichen, die den Lakedaimoniern ungünstig 
waren , bei Diodor sind die Lakedaimonier vollkommen sieges- 
gewiß, aber das durch ungünstige Vorzeichen erschreckte theba- 
nische heer bedarf der ermuthigung. Xenophon erzählt, daß 
nachrichten über verschiedene wunderzeichen , welche aus der 
Stadt gemeldet wurden, das thebanische heer ermuthigten und 
fügt hinzu, einige aber sagten, es wären nur zspuafAuza der! 
heerführer gewesen. Diod. XV, 53 berichtet einfach als that- 
sache, daß Epameinondas diese nachrichten zur ermuthigung des 
heeres verbreiten ließ. Das entspricht durchaus dem Charakter 
des rationalistischen Ephoros. Man vergleiche beispielsweise 
Diod. XI, 35, 3 (schlacht bei Mykale) und die entsprechende er- 
zählung Herodots. Kallisthenes war dagegen durchaus wunder- 
gläubig und liebte über allerlei zeichen zu berichten , durch 
welche die götter wichtige ereignisse im voraus verkündigten. 
In der quelle Plutarchs (Pelop. 23) spielte Pelopidas in der 
schlacht bei Leuktra eine ganz hervorragende rolle; er gab mit 
der heiligen schaar dem kämpfe die entscheidende Wendung (vgl. 
noch Nep. Pelop. 4, wo dieselbe quelle, wie bei Plutarch vorliegt). 
Bei Diod. XV, 55 — 56 ist in der Schilderung der schlacht bei 
Leuktra von Pelopidas gar nicht die rede. Epameinondas allein 
hat durch seine Strategie und seine tapferkeit den sieg errungen: 
Cap. 55, 2 : oiu Ttjg lotag azQazrjyiug neQienotrjouzo ztjv negißoi}- 
zov vlxrjv, Cap. 56, 2: fxsytazcav ö' inaivwv b azQaztjybg 'Ena- 
(leivmrdag rjfyüüdi], diu rr/g idiag ardgei'ag /xüXiazu xut GTQUiijyi- 
xijg ovt'8G£oog zovg ut ixijrovg Tjysftorag r/J? 'EXXcidog xaji]yK>viß(ihog. 
Damit ist wohl erwiesen , daß der autor Plutarchs nicht die 
quelle Diodors gewesen sein kann. Die Schlachtbeschreibung 
Diodors steht im einklang mit dem urtheile des Polybios (XII, 25) 
über die bezügliche Schilderung des Ephoros. 



,<fr. 5. 54. Griechische geschichte. 331 

J Stern hat aber noch ein argument gegeu die benutzung 
1 Ephoros in Diodors erzählung der schlachten bei Leuktra 
iind Mantineia. Er sagt p. 145: „selbst wenn Ephoros die be- 
Heutung des kampfes bei Leuktra noch so sehr gewürdigt, so 
1 st es kaum wahrscheinlich , daß er in seiner weit geschichte 

ie mit so überraschender detaillirung geschildert hat, wie wir 
«las bei Diodor finden". Ferner p. 233 : „die detaillirte und 
3 loch nicht sachgemäße Schilderung (der schlacht bei Mantineia), 
slas theilweise verschweigen der reiterniederlage (der Thebaner 
bor der schlacht) , die liebevolle und genaue beschreibung der 

etzten augenblicke des Epameinondas und der sich daran knü- 
sjfende panegyrische epilog weisen auch hier, wie bei der schlacht 
EDei Leuktra, auf eine boiotische quelle". 

ä Daß Diodors beschreibung der schlacht bei Leuktra von 
i, überraschender detaillirung" ist, wird wohl niemand außer Stern 
3anden. Wie eine detaillirte beschreibung aussah, zeigt Plut. 
Pelop. 23. Doch davon abgesehen, Ephoros erzählte zwar die 
schlachten schwerlich mit überraschender detaillirung, wohl aber 
E^ab er von ihnen eine beschreibung, die recht eingehend war 
■and von Diodor noch erheblich gekürzt worden sein muß. Po- 



dybios XII, 25 f. sagt nämlich: "nav 8h (Ephoros) 7))v tibqI 
idsvxiou (*ä%i]v i^qy^zui Qt]ßaio3v ts hui yfaxeSatfxovicav Pj ttjv iv 

MuvTiveCa TtuXiv rmv avrmv tovtoov iv >j hui fiBTtjXla^s tci ßCov 
3 fcVßf<£ncü»ö«c, iv TOVTOig iuv int tu hutu (a i o o g iniOTtjoag 
ör t g & e co q ij t u g i h t a £ e i g hui fx e % ar d £e ig zag übt' av- 
\aovg johg nivdvvovg, yiloiog qsaivsxai hui nuvisläg aneigog 
Itoca« uäguTog zaiv toiovicov a>v. Bei dem einfachen verlaufe der 
'schlacht bei Leuktra zeige sich die unerfahrenheit des Ephoros 
^weniger als bei der complicirteren entwicklung der schlacht bei 
iMantineia , die ihm ganz unverständlich geblieben sei. tovto 
+ 8 sarui 8t]Xov , suv Tig tovg TÖnovg vno&ifAsvog äXn&iroag ini- 
?u£TQtj Tag h i v >'] c s t g z u g v n 1 uvtov d jjXov ps v a g. Das 
<:paßt ganz zu Diodors beschreibung der schlacht bei Mantineia. 

„Sie ist ausführlich, aber verworren", wie Stern richtig bemerkt. 

Wir haben aber noch ein zeugniß, daß Ephoros die kriegs- 

ithaten der Thebaner mit besonderer hervorhebung des Epamei- 

i nondas ausführlich geschildert hatte. Plutarch sagt n. ü8olea%. 

f 22 p. 514 c. : reo/' nay tj/aTv ng yaltu tv^ijv uityntOHtaq ovo 

tm 'EcpoQOv ßißkimv i] tqiu nätTuq av&Qwnovg HUTf.TQiße hu) nuv 



332 54. Griechische geschichte. Nr. 

drdazazop inotsi avpitöaiov , asl tijv iv Asvxzgoig fxd^ijv xaj i 
avvsylq 8itjyov(xsvog . oüev 'EnafASiicavSag nagavvfxiov sa^sv. Di 
erzählungen der kriegsziige des Epameinondas zogen sich durc 
das 24. und 25. buch hin. (Fragm. 146 und 146a). Diese 
angäbe entspricht die ganze darstellung Diodors von der schlach 
bei Leuktra und den darauf folgenden ereignissen. Epameinon 
das, „der größte aller Hellenen" (XV, 39 und 88) steht durch 
weg im Vordergründe und ist der eigentliche träger der band i 
lung. Stellenweise begegnet noch im auszuge Diodors sein nam : 
in jedem zweiten oder dritten satze. In der darstellung de. 
Kallisthenes war dagegen Pelopidas stark hervorgehoben um, 
dem Epameinondas an die seite gestellt. Vgl. außer Plutarchs Pe 
lopidas noch Nep. Pelop. 4. 

Es liegen aber, wenn es dessen noch bedürfte, eine reiht, 
weiterer anzeichen für die benutzung des Ephoros vor. In : 
fragm. 67 heißt es, daß Ephoros ausgeführt habe, wie Boiotiei 
seiner läge und beschaffenheit nach ngog fjysuovCav svqtvojg sjeiv 
dymyjj 8s aal natSsCa (Atj XQijaa/xsvovg, inst fit]8s zovg del ngo 
toifxfievovg uvztjg, el aal tiots xazcßQ&aaar, im /xangov ihv %qc 
vov avuiithai' xci&uttsq 'Enaixsivoävdag sSei^e . zsXevztjaavzog yu{ 
txsCvov ti)v qysiAOviav unoßaXslv evdvg zovg ®>jßaCovg , ysvaaps- 
vovg avzlqg (xövov ' aiziov 8s tlvai zo X o y co v xai ofxiXiag ziji 
TtQog ar&QConovg (iXtycogtjGut , fiövtjg d'imfisXrj&jjvai zyg xazd po 
Xsfiov ÜQSTTjg. Nun wird bei Diod. XV, 39 gesagt, daß di< 
Thebaner die hegemonie errangen, weil sie sich durch körper 
liehe eigenschaften auszeichneten und mehrere gute f ü h- 
rer hatten. Epameinondas ragte aber unter allen Hellenei 
hervor dv8gsia rs xa} azQaztjyixy avvsasi . jneTsa%E ydg inl nolx 
ndojjg n a iS e tag, xai fidXiaza zqg IlvOayogucrjg qiiXoaoqiiag .. 
xai zd TtjXlitavta nagaSö^cog Sisngdt-azo 8id t?ji> äy%ivoiav xuizij* 
ix nai8 siag avzw Ttsgiysysvijfiivijv dgszi'jv. Und cap. 88 heißt es 
dann: zoiyagovv i) nazglg avzov £äviog fisv ixztjaazo ztjv yysfioviav 
ztjg'EXXaSog, zsXsvztjGavzog 8s zavz?jg iazsgij&?j xal zi\g inl zo %il- 
qov del /xezaßoXijg inEigd&rj xzX. Epameinondas geö^rj awpiazog 
xai Xoyov deivozqzi . . . noXv 8i7ji>syy.s ndvztuv. Cap. 71: ati 
8s fidXXov 8iu 7cüi' xazoQ&03[idzb)v a'v^cov zijV iSCav evSo^iuv 
xzX. Dennoch wird er in folge der Verleumdungen seiner nei- 
der, welche das volk aufstacheln, abgesetzt. — Man siebt, die 
auffassung der quelle Diodors steht in genauer Übereinstimmung 



Nr. 5. 54. Griechische geschiebte- 333 

mit der des Ephoros. Es kehren sogar bei Diodor einzelne 

worte des fragments wieder. 

r Was noch speciell die ereignisse zur zeit der schlacht bei 

i Mantineia betrifft, so verrieth nach Kallisthenes bei Plut. Ages. 34 
f ein Thespier namens Euthynos den anschlag des Epameinondas 
tauf Sparta. Diod. XV, 82 läßt den spartanischen könig Agis 
ti die sache errathen und durch kretische läufer dem Agesilaos 
I nach Sparta meidung thun. Stern sucht p. 235 beide Versionen 
i zu vereinigen, um Kallisthenes als quelle Diodors zu retten. 

Bei andern gelegenheiten protestirt er selbst mit recht gegen 
i derartige kombinationen. Charakteristisch für die quelle Dio- 
t dors ist es, daß sie die rettung Spartas einer ahnung des Agis 

zuschrieb : Ayie InomevGag rip dy^ivotav zip EnafisiicatÖov xaz- 

■ sotoxuGaro (isv 16 peXlov i^qiQorcog, arl. Bei der Verteidi- 
gung Spartas betheiligen sich namentlich die ältesten knaben 

-und die greise. Ebenso heißt es bei lustin VI, 7, 3: senes et 

■ cetera imlellis aetas, cum adventum Jwstium praesensissent etc. Eine 
i starke benutzung des Ephoros in den griechischen geschichten 

des Trogus hat aber doch Enmann nachgewiesen. Endlich ist 
aus Ephoros fragm. 146a ersichtlich, daß dieser autor das rei- 
l tertreffen , in dem Gryllos fiel , mit in die beschreibung der 
'" schlacht bei Mantineia selbst verarbeitet hatte. Auch das ge- 
schieht bei Diod. XV, 84 ff. 

1 Sterns versuch für Diodoros eine andere quelle als Ephoros 

\ nachzuweisen ist also insoweit gänzlich mißlungen. Im letz- 

f ten drittel des fünfzehnten buches hat sich jedoch in der that 

j Diodoros für bestimmte abschnitte einer andern quelle zuzuwen- 

1 den begonnen. Zuerst giebt er in der erzählung vom tode 

Iasons zu erkennen, daß ihm außer Ephoros noch eine andere 

(schriftliche quelle vorlag. Cap. 60, 5: 'Iuaoov ... idoloqiory&i], 

i coy ftsv ' Eq>OQog y£ygaq)Ei>, vno nvoov sma vsavioxcov avvo[xoaa- 

fxevcav 86%t]g svsxa , äg 3' evioi ygacpovaiv , vnh I1oXv8c6qov 7a- 

Sslcpov. Dann zeigt sich in der erzählung der thessalischen 

Unternehmungen der Thebaner, bei denen Pelopidas die haupt- 

rolle spielte, eine auffallende Übereinstimmung Diodors (XV, 67, 

i 71 u. s. w.) mit Plutarchs Pelopidas und der Vita des Nepos, 

während die übrigen theile der plutarchischen und nepotischen 

biographie keineswegs mit Diodor übereinstimmen. Es ist nun 

höchst unwahrscheinlich, daß sowohl Plutarch als Nepos auf den 



334 54. Griechische geschichte. Nr. 

einfall gekommen sein sollten, an derselben stelle ihre quelle zr 
wechseln. Also muß Diodor zu einem andern autor gegriffei 
haben, bei dem gerade die thessalisch - makedonischen verhält 
nisse eingehender oder nach seinem urtheile anziehender, resp, 
besser, als bei Ephoros geschildert waren. Da sich das werk des 
Ephoros seinem ende näherte , so mußte sich Diodor allmählig 
nach andern quellen umsehen und mit ihnen bekannt macheu. Es 
ist unter den umständen leicht erklärlich , wie er für gewiss« 
partieen bereits aus einer andern quelle schöpfen konnte, wäh 
rend er bei der darstellung der feldzüge des Epameinondas 
noch an seiner alten quelle festhielt. 

Die Übereinstimmung mit Plutarchs und des Nepos Pelopidas 
weist mit größter Wahrscheinlichkeit auf Kallistlienes als den autoi 
hin, den Diodor heranzuziehen begann. Es liegt auf der band 
daß der Olynthier Kallistlienes gerade für die ihm nahe Hegen 
den makedonisch- thessalischen Verhältnisse besonderes interesse 
haben mußte. Er gehörte auch zu den von Diodoros bevor- 
zugten rhetorisir enden historikeru. 

Für Kallistlienes hatte natürlich Pelopidas , der die actioi 
Thebens in Thessalien und Makedonien leitete, ein unmittelbarere: 
interesse als Epameinondas. Er ließ ihn daher neben Epamei 
nondas überhaupt weit mehr in den Vordergrund treten als et 
bei Ephoros geschah, der für Epameinondas schwärmte. Da: 
war offenbar auch der grund, weshalb Plutarcb und Nepos für die le 
bensbeschreibung des Pelopidas Kallistlienes als quelle wählten 
Pelopidas hat in diesen biographien um die große Thebens min- 
destens ebenso große Verdienste wie Epameinondas. Stern (p. 221 
hat richtig bemerkt, daß der nachruf auf Pelopidas bei Diod 
XV, 81 nicht aus Ephoros stammen kann. Nach diesem nach- 
rufe nluGiov avtsßaJezo (Pelopidas) ngng tr t v zwv Oijßufa))' 
av^yaiv und agfflybg iyevero 7/}s' j£x//s' (bei Leuktra) , während 
in der aus Ephoros stammenden Schlachtbeschreibung bei Diod. 
XV, 55 — 56 von Pelopidas gar nicht die rede ist. Ferner 
heißt es cap. 81, 2, wie schon Queck betont hat, daß die The- 
baner, nach dem siege bei Tegyra nQwrov i-'airjaar zn'nuiti> 
xaru s/axEÖaifinvlcai. Nach cap. 34 haben dagegen die The- 
baner schon früher das erste tropaion errichtet. 

Was nun Sterns gesammtauffassung der spartanischen und 
f1 iebanischen politik betrifft, so beruht sie auf einer nüchternen, 



.fr. 5. 54. Griechische geschichte. 335 

ein sachlichen betrachtung der thatsachen selbst. Mit recht 
;eugnet Stern panhellenische gesinnungen und tendenzen des 

igesilaos. „Sein ganzes dichten und trachten wurzelte nur in 
g einem Staate, und diesen staat zur ersten macht zu erheben, 

ie leitung der hellenischen angelegenheiten zu gewinnen, — das 

yar sein ziel , wie das der ganzen damaligen spartanischen po- 
[itik". Agesilaos stand auch, wie Stern zeigt, dem königsfrie- 
,.en ebensowenig fern , wie er ein gegner des Antalkidas war. 

)er königsfriede war für Sparta eine politische nothwendigkeit, 
i 'ersien und Sparta hatten das gleiche interesse, Athens see- 

lacht nicht wieder erstehen zu lassen. Das war die naturge- 
mäße basis der Verhandlungen. Der artikel über die autonomie 
I iller städte sollte überall Spartas herrschaft zu voller geltung 

iringen. Jeder verband, der Sparta gefährlich werden konnte, 
[#ie der in der ersten entwickelung begriffene athenische see- 
inund, der boiotische bund, die Vereinigung von Korinthos und 
; Irgos , sollte auf grund des königsfriedens gesprengt wer- 

en. Bei der beurtheilung des Verfahrens gegen Mantineia und 
iier auflösung der stadt in fünf selbständige gemeinden bringt 
, itern gegenüber den üblichen scharfen , aber etwas einseitigen 
■ erurtheilungen dieses „aktes rohester Vergewaltigung und Will- 
kür" auch die gesichtspunkte der spartanischen politik zur gel- 
jung, welche die demokratien überall nur als feinde ihrer freunde 
und als träger der Opposition auftreten sah. In Mantineia hatte 
r.ber die demokratie so feste wurzeln geschlagen , daß ihr nur 
hihi dioikismos den boden entziehen konnte. Auch Agesipolis 
Itimmte in den grundsätzen der spartanischen politik mit Age- 
lilaos überein, obwohl er dessen gegner und milderer gesinnung 
i'/ar. Es bedurfte bei ihm der vermittelung seines vaters Pau- 
jianias, um über die rebellischen demokraten von Mantineia nicht 
i.ie todesstrafe , sondern nur Verbannung zu verhängen. Stern 

lätte noch hervorheben können, daß seit zwei Jahrhunderten die 
i asis der machtstellung Spartas in Hellas der peloponnesische 
i'Und war, und daß Sparta zur behauptung und entwicklung 
'.erselben vor allem den bund fest in der band halten mußte. 
'Vahrend des krieges hatten aber verschiedene mitglieder des 

aindes theils offen zu den feinden gehalten , theils ihnen unter 
rer hand Vorschub geleistet oder mit ihnen sympathisirt. Wenn 

iparta nach dem abschlusse des friedens vor allem mit diesen 



336 54. Griechische geschiehte. Nr. 



■ 






unzuverlässigen elementen gründlich aufräumte, so handelt es si 
also um die nothwendige Sicherung der grundlage seiner macht un 
seiner ganzen politischen action. Freilich war die von Agesilac 
mehr oder weniger bestimmte politik Spartas nicht bloß gegenübe 
unzuverlässigen bündnern , sondern allerwärts eine politik de 
rücksichtslosen gewalt, der Zerstörung aller aufstrebenden staatf 
wesen und der niederhaltung der freien volkskräfte. Auf d 
dauer ließ sich dieses System nicht halten. Seine höchsten er 1 
folge waren die besetzung der Kadmeia und die auflösung de 
chalkidischen bundes. Die Spartaner geboten damals „gewal 
tiger und unumschränkter als je über Hellas". Aber diese 
„gewaltige bau" (Stern) stand, wie zu bemerken gewesen wäre 
nur äußerlich so imponirend da. Er war morsch und ohn 
starkes fundament. Die spartanische biirgerschaft zählte damal 
noch nicht zweitausend köpfe , und in den abhängigen Städte; 
bildeten die lakonisch gesinnten, die oligarchen, nur eine klein 
minderheit , während die demokratischen volksmassen zu der 
gegnern zählten. Und auch die äußern stützen dieses baues 
Persien und der tyrann Dionysios, sahen kräftiger und gefähr 
licher aus als sie es in Wirklichkeit waren. Kaum ein jahrzehn 
nach dem königsfrieden wurde er bereits durch die befreiunj 
Thebens und die neue attische marine erschüttert , die schlaclr 
bei Leuktra warf ihn vollends über den häufen. Aristotelei 
sagt nicht mit unrecht , daß Sparta in folge der geringen an 
zahl von bürgern zu gründe gegangen sei. Eine einzige ernstf 
niederlage wirkte vernichtend. 

Auffallend ist es , daß Stern die gewichtige heeresordnung 
des peloponnesischen bundes vom frühjahr 383 nur eben mi 
einem worte erwähnt. Der gefügige bundestag beschloß, dal 
jeder bundesstadt fernerhin freistehen sollte, an stelle ihres con- 
tingents an mannschaften eine entsprechende geldsumme zu 
zahlen. Zugleich führte Sparta eine divisionseintheilung ded 
bundesheeres ein. Diese militärreform bewegte sich durchaus 
im geiste der seit 387 von Sparta befolgten politik. Sie ver J 
stärkte die macht des vorortes auf kosten der kraft und Wehr- 
fähigkeit der einzelnen bundesstädte. Viele städte zahlten nun, 
namentlich bei überseeischen, außerpeloponnesischen kriegszügen 
(Xen. Hell. V, 4, 15. VI, 2, 16, VII, 1, 12) geld, womit die; 
Spartaner Söldner mietheten, die sie natürlich willkürlicher ver- 



r..5. 54. Griechische geschichte. 337 

^nden konnten als die contingente der Bundesgenossen. Wenn 
a$ lakedaimonische bundessystem nicht so bald zertrümmert 
worden wäre, so würde dieses institut eine analoge , wenngleich 
; Licht so tiefgehende Wirkung ausgeübt haben, wie im delisch- 
tischen bunde die ablösung der flottenkontingente durch geld- 
.iträge. 

Bei der beurtheilung der thebanischen politik, namentlich 
ir politischen ziele des Epameinondas wendet sich Stern mit 
cht gegen „die idealisirenden auffassungen der thebanischen 
sgemonie - bestrebungen", in denen neuere gelehrte meist das 
etzte wirkliche aufleuchten idealen , nationalgriechischen gei- 
3S, den uneigennützigen versuch einer erhebung Griechenlands 
jis schmach und beginnendem verfall sehen". Epameinondas 
s id Pelopidas sollen in ihren planen und Unternehmungen nicht 
ir boiotische interessen verfolgt , sondern vielmehr das wohl 
;i>n ganz Griechenland erstrebt haben. Stern betont dagegen, 
:kß weder in den berichten der quellen sich anhaltspunkte für 
me Idealität der thebanischen politik fänden, noch daß die hi- 
jorischen thatsachen selbst zu gunsten der vielgerühmten hoch- 
jprzigkeit und panhellenischeu friedensstiftung der Thebaner 
jirächen. „Um die eigene verlorene Selbständigkeit zu gewinnen, 
itte man den schweren krieg mit Sparta begonnen und hierbei 
f;i)n erfolg zu erfolg geführt , erweiterte sich das programm der 
j-iebanischen politik immer mehr, bis das endziel : die herrschaft 
giaiotiens über ganz Griechenland zur geltung zu bringen , klar 
3geben war. Vom ersten heereszuge in den Peloponnes bis zur 
,;hlacht bei Mantinea verfolgten Thebens führer unentwegt die- 
uln plan stetig und mit auf bietung aller mittel, wie denn auch 
ms urtheil der Zeitgenossen ihre bestrebungen als naturgemäß 
mi die beherrschung von Hellas gerichtet aufgefaßt hat". Ee- 
• rent schließt sich dieser auffassung voll und ganz an. Auch 
ann Epameinondas nicht von der schuld freigesprochen werden, 
,xR er die leistungsfähigkeit seines volkes überschätzt und es 
ii aufgaben geführt hat, denen das können und vermögen des- 
idben nicht gewachsen war. Die kriegstüchtigen Thebaner ha- 
: 3n unter der leitung so ausgezeichneter feldherrn, wie es Epamei- 
ondas und Pelopidas waren, das alte Staatensystem zertrümmert, 
ber kein neues auf die dauer zu begründen vermocht. Allge- 
meine auflösung und Verwirrung war das thatsächliche ergebniß 



338 54. Griechische geschichte. Nr. 1 

der action Thebens , und sicherlich nur vorübergehend würd 
es vielleicht ein anderes gewesen sein, wenn Epameinondas nicb 
bei Mantineia gefallen wäre. Jedenfalls waren auch die siegei 
die vor der Schlacht zwei empfindliche schlappen erlitten uiv 
erst nach furchtbarem kämpfe den feind geworfen hatten, star: 
erschöpft, während das athenische beer völlig intakt war. Scho : 
Ephoros hat bemerkt , daß die hegemonische Stellung Theben 
wesentlich von einzelnen persönlichkeiten abhing. Sie hinfl 
auch von günstigen umständen ab , die sich schon zu lebzeitci 
des Epameinondas zu verändern begannen. Wenn Stern unte 
anlehnung an einen gedanken des Ephoros von der „sittlichen 
kraft und reife" spricht, welche dem thebanischen volke gefehl 
hätten, um auf die dauer ein neues Staatensystem zu begründen 
so ist es doch sehr zweifelhaft, ob etwa die Spartaner ein hö 
heres maß von sittlicher kraft und reife besaßen. Die haupt 
sache war, daß die finanziellen und militärischen kräfte Theben 
nicht ausreichten , um die herrschaft über ganz Griechenlani 
länger als vorübergehend zu gewinnen und zu behaupten ; so 
fern sie nicht durch die mittel einer durchaus zuverlässige! 
bundesgenossenschaft verstärkt wurden. Aber so geniale mili 
tärs die leitenden Thebaner waren, neue, große und produktive 1 
staatsmännische ideen sucht man bei ihnen vergebens. Der ge 
danke, Megalopolis zu begründen, ist, wie Stern (p. 157) richtig 
ausgeführt, nicht von Epameinondas ausgegangen, sondern vor 1 
den führern der panarkadischen bewegung. Epameinondas ha 
nur die neugründung durch militärischen schütz gefördert, weil 
er die bedeutung der neuen Stadt als bollwerk gegen Sparta 
von strategischen gesichtspunkten aus wohl zu schätzen wußte 
Auch zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit Messeniens gab 
der allgemeine aufstand der Messenier beim einfalle des Epa 
meinondas in Lakonien den anstoß. Bei der begründung einei 
stark befestigten hauptstadt des befreiten landes treten wiedei 
die militärischen gesichtspunkte hervor. Epameinondas hat Sparta 
mattzusetzen verstanden , aber nirgends begegnen uns versuche, 
eine große conföderation auf gesunderen und festeren grundlagen 
zu begründen als es Sparta vermocht hatte. Die bundespolitik 
Thebens bewegt sich durchaus in den bahnen der spartanischen : 
unterthänigkeit , harmostenwesen , heeresfolge , alles finden wir 
wieder, nur stützt sich Theben auf die demokraten oder einzelne 



ffr. 5. 54. Griechische geschichte. 339 

Machthaber, statt auf die aristokraten. Es fehlt ganz au den 
.nfängen irgend welcher organischer bundesinstitute, die ein en- 
geres, gemeinsames band zwischen den bundesgenossen zu knü- 
pfen vermocht hätten. Die thebanische symmachie fiel darum 
,asch auseinander. Nur in Boiotien selbst hat Theben nach 
.dem vorbilde des chalkidischen bundes alle boiotischen gemein- 
den nicht bloß zu einem städtebunde, sondern zu einem wirk- 
: ichen bundesstaate mit Theben als leitender hauptstadt zu ver- 
einigen versucht. Aber hier gab es schon lange vor Epamei- 
londas organische bundesinstitute, wie die Boiotarchie und die 
,vier rathe der Boioter". Die Vereinigung der boiotischen ge- 
neinden gelang, jedoch nur mittels roher militärischer gewalt. 
. iMataiai, Thespiai, Orchomenos wurden zerstört. Dieses verfah- 
ren war gewiß nicht weniger oder mehr brutal als das vielge- 
cadelte des Agesilaos gegen Mantineia. 

Die günstigen umstände , unter denen Theben emporkam, 
)eruhten auf der starken reaction gegen die spartanische herr- 
Jtchaft. Das änderte sich schon zu lebzeiten des Epameinondas. 
Die städte, welche nichts mehr von Sparta zu befürchten hatten, 
rtber von Theben in ihrer Selbständigkeit bedroht waren, wand- 
ten sich gegen die Thebaner. Immer höher thürmten sich die 
Schwierigkeiten, mit denen Theben zu kämpfen hatte. Ein kur- 
ser überblick über die thatsachen zeigt, wie die Thebaner nicht 
( im stände waren, zugleich Thessalien zu behaupten und die re- 
nitenten elemente in der Peloponnesos niederzuwerfen. Im winter 
370/69 beim ersten zuge des Epameinondas hatte Sparta kaum 
.seine existenz gerettet. In Lakonien selbst war eine anzahl der 
gichtigsten Perioikenstädte in die hände des feindes gefallen 
,und von Sparta losgetrennt worden. Messene, Megalopolis, das 
irkadische Koinon und Argos bildeten eine kette, welche Sparta 
dauernd in die Stellung eines mittelstaates einzwängten. Im 
leldzug von 369 galt es nur noch die zu Sparta haltenden nord- 
peloponnesischen städte zu treffen. Freilich gewann Epameinon- 
.das Sikyon und Pellene, aber Epidauros und Troizen hielt sich, 
.and vor Korinth erlitten die Thebaner eine empfindliche schlappe. 
.Die gegner wurden, wie Xenophon ausdrücklich bezeugt, wieder 
L oauthiger. Athen schloß sich enger an Sparta an , seitdem die 
^Thebaner die euboeischen städte vom seebunde abwendig ge- 
. macht und in ihre symmachie aufgenommen hatten. Diese wich- 



340 54. Griechische geschichte. Nr. 5. 

tige thatsache hat Stern nicht in ihrer tragweite für die bezie- 
hungen Athens und Thebens gehörig gewürdigt. 

Im jähre 368 eroberte Archidamos mit den hülfstruppen 
des Dionysios Karyai, einen platz von größter strategischer be- 
deutung. Die Spartaner begannen im eignen lande wieder 
freiere band zu gewinnen. Dann schlug Archidamos die Ar- 
kader, die sich bereits von Theben zu trennen und ihre eigenenJ 
•wege zu gehen begannen. Theben versuchte es nun, durch die 
autorität des Perserkönigs den wachsenden Schwierigkeiten 
begegnen und wie Sparta als Vorsteher eines königsfriedens 
Hellas zu beherrschen. Stern bemerkt mit recht, daß schon 
an dieser thatsache allein, alle versuche, die thebanische politik 
auf ideale und panhellenische bestrebungen zurückzuführen, schei- 
tern müssen. Pelopidas gewann den großkönig , aber der ver- 
such den neuen königsfrieden zuerst auf einem kongresse zu 
Theben , dann durch Verhandlungen mit den einzelnen Städten 
zur geltung zu bringen , scheiterte vollständig. Theben erlitt 
eine große diplomatische niederlage. Es versuchte nun mit Waf- 
fengewalt seine geschwächte autorität in der Peloponnesos wieder- 
herzustellen. Auf dem dritten zuge gewann Epameinondas die 
achaeischen Städte. Aber die thebanische politik ließ es ihnen 
gegenüber an consequenz fehlen. Bald gingen sie verloren und 
schlössen sich unter der regierung der vertriebenen und wiedei 
zurückgekehrten aristokraten fest an Sparta an. Die ergebnisse 
dieses zuges waren gleich null. Die Arkader , immer unzufrie- 
dener mit Theben, schlössen mit den Athenern ein defensiv- 1 
bündniß ; und zugleich eroberten die Lakedaimonier Sellasia zu- 
rück, den Schlüssel zum Eurotas-thale. (Xen. Hell. VII, 4, 12)., 
Kurz vor der schlacht bei Mantineia vertrieben sie auch die 
thebanische besatzung aus Gytheion. Sie waren damit wieder 
herren im eigenen hause geworden und konnten kräftiger nach 
außen hin auftreten. Diese thatsachen hat Stern in seiner dar- 
stellung nicht zur geltung gebracht. Im jähre 365 brach ein 
conflict zwischen den Arkadern und Eleiern aus, in folge dessen 
sich auch die P^leier, die im jähre 370/69 , als bundesgenossen 
der Thebaner in Lakonien eingefallen waren , sich wieder an 
Sparta anschlössen. Immer weiter zerbröckelte so die große 
coalition, an deren spitze Theben gestanden hatte. 

Bei dieser läge der dinge erweiterte Epameinondas noch 



• .fr. 5. 54. Griechische eeschichte. 341 

as actionsgebiet Thebens. Er ging an die begründung einer 
riegsflotte heran. Es galt die seeherrschaft Athens, welche der 
lebanische königsfriede durch einen bloßen machtspruch besei- 
ten wollte, zu erschüttern. Athen gehörte zu den gefahrlich- 
ten gegnern der thebanischen hegemonie - bestrebungen und 
"lonnte zur see am empfindlichsten dadurch getroffen werden, 
'aß die seebundesstädte zum abfall gebracht wurden. Das 
dlte die nächste aufgäbe der neuen thebanischen marine sein. 
;fs war ein unternehmen zweifelhafter art. Denn zu einer be- 
deutendem marine fehlten die nothwendigsten Voraussetzungen. 
>ie Boioter waren hauptsächlich ein bauernvolk und auch die 
j ! ar Unterhaltung einer größern flotte erforderlichen financiellen 
'littel waren nicht vorhanden. Stern braucht zur charakterisi- 
ang dieses Unternehmens etwas starke, aber nicht ganz unbe- 
rechtigte ausdrücke. (P. 218). „Der schritt erinnert an die 
nternehmungen moderner gründer, die eine gewagte speculation 
urch eine noch gewagtere zu stützen suchen". Entschieden 
nrecht thut aber Stern dem Epameinondas , wenn er ihm den 
Man zuschreibt, „durch überseeischen handel Boeotien zu nicht- 
i'eahntem reich thum zu verhelfen" und „durch schwunghaft be- 
gebenen handel neue hilfsquellen zu eröffnen". Hat etwa Plut. 
hilop. 14 Stern zu dieser annähme veranlaßt? Epameinondas 
nt doch gewiß nicht so thöricht gewesen, zu glauben, es ließe 
\ch eine „handelsmacht" und ein „schwunghaft betriebener han- 
~el" künstlich im laufe weniger jähre schaffen, wie man etwa 
ine kriegsflotte erbauen kann. 

Der flottenbau kostete natürlich bedeutende summen, deren 

uftreibung den bereits durch die fortwährenden kriege financiell 

> J ;ark in anspruch genommenen Boiotern nicht leicht geworden 

IfeSh kann. Im jähre 364/3 ging Epameinondas mit der theba- 

ischen flotte in see. Es gelang ihm Byzantion zum abfall von 

: ithen zu bringen, mit einzelnen andern Seestädten beziehungen 

uzuknüpfen und in Keos einen aufstand der antiathenischen 

artei zu veranlassen. Ephoros (Diod. XV, 79) hat natürlich 

' ie ergebnisse dieser expedition übertrieben. Daß sie lange nicht 

Jen durch die großen rüstungen hoch gespannten erwartungen 

atsprachen, ersieht man aus Plut. Philop 14. Immerhin hat 

e zur erschütterung der see-hegemonie Athens nicht wenig bei- 

; etragen. Auch hier wirkte Theben an der auflösung der lei- 

Philol. Anz. XVI. 23 



342 54. Griechische geschichte. Nr. 5, 

stungsfähigen politischen factoren mit. 

Inzwischen trat eine Spaltung unter den Arkadern ein. Die 
aristokratisch-peloponnesische partei gewann im Koinon die Ober- 
hand, machte mit den Eleiern frieden und schloß sich an Sparta 
an, während die demokratisch-thebanische partei sich an Theben 
wandte. So entstand allmählig eine große coalition gegen The- 
ben , an der die Lakedaimonier , ein großer theil der Arkader 
die Eleier, Achaier, Phliasier und Athener theilnahmen. Hättl 
Epameinondas den tag bei Mantineia überlebt , so würde gewil 
der thebanische sieg ein vollständiger gewesen und die coalitior 
gesprengt worden sein , aber wenn man die entwickelung dei 
dinge vom ersten zuge des Epameinondas verfolgt, so muß mai 
sagen , daß damit noch lange nicht die kämpfe abgeschlosser 
gewesen wären. Die Arkader, Argos, Korinthos, Megara, Äther 
hätten sich die thebanische hegemonie nicht gefallen lassen 
Elemente zu einer neuen coalition waren genug vorhanden, und 
bereits drohte auch der conflict mit den Phokiern , aus den 
Theben total erschöpft hervorging. Je länger die kriege währ 
ten , desto mehr mußte sich der vortheil auf die seite der { 
ner neigen , wenn Theben nicht immer neue , gleichwertig« 
mannschaften ins feld stellen konnte. 

Durch die Vernichtung des lakedaimonischen bundes, di^ 
erschütterung des athenischen und übermäßige anspannung de 
kräfte Boiotiens hat Epameinondas dem makedonischen angril 
den boden geebnet. Vom gesichtspunkte nationaler selbständig 
keit betrachtet, war die thebanische politik zweifellos für Hella 
unheilvoll. Stern (p. 246) bemerkt nicht mit unrecht, daß ohne 
die tage von Leuktra und Mantineia die makedonischen sieges 
züge undenkbar gewesen wären. 

Isokrates (Phil. 53 — 55) meint, daß die Thebaner von ili; 
rem siege keinen guten gebrauch gemacht hätten und um di< 
herrschaft zu lande und zur see zu gewinnen gleich mit alle: 
weit in conflikt gekommen wären. etV tovto be t« ngäyfidt^ 
uvtcxiv TCSQifaTtjxev ooc,' tXntaavieg anaviac ?t>i>c, "EXXyvag i'y' av\ 
roTg iaea&ai viv iv am rag fXnC8ct<,' Ü)[<>vai Tijg avTcov amrt]Q[ag 
Das urtheil des Isokrates ist nicht unrichtig. Epameinondad 
und Pelopidas haben sich nicht zu einer weisen , den kräftei 
ihrer Vaterstadt angemessenen beschränkung verstehen können; 



|tfr. 5. 54. Griechische geschichte. 343 

iie es geboten hätte, nach der endgültigen Schwächung Spartas 

)eim ersten zuge des Epameinondas alle kräfte Thebens auf 
, lie begründung einer festen, Hellas gegen Makedonien schützen- 
den macht in Mittelhellas und Thessalien zu richten, statt nach 
( der herrschaft über ganz Hellas und das meer zu streben. 

Zum Schlüsse noch eine einzelheit. Recht hübsch ist die 

Bemerkung Sterns (p. 140), daß Xenophon in der beschreibung 
,1er schlacht bei Leuktra von spartanischen berichten und dar- 
^tellungen abhängig ist, und Epameinondas wahrscheinlich zu- 
nächst in Sparta nicht viel genannt wurde. Der thebanische 
faeld war im jähre 371 zum ersten mal boiotarch , ein befehls- 
;i haber so gut, wie die übrigen sechs glieder des höchsten mili- 
tärischen collegiums , und da er damals, wenigstens der außen- 
l£ weit gegenüber, erst am anfange seines einflusses und seiner be- 
jäeutung stand , so war man sich wohl in Sparta noch nicht 
r irecht klar darüber geworden , daß man ihm und seinem strate- 
gischen genie vor allem den erfolg der Thebaner zuzuschreiben 
chatte. So erkläre sich vielleicht, warum Xenophon den Epamei- 
jüondas gar nicht nenne. Plutarch. Ages. 27 sagt ausdrücklich, 
«daß bis zur schlacht bei Leuktra Epameinondas noch keine 
I probe seiner Strategie abgelegt habe. Andrerseits wurde von 
]den Spartanern natürlich Kleombrotos als sündenbock hingestellt 
jund alle schuld auf ihn gewälzt. Stern hat ganz recht, wenn 
L er meint , der zug des Kleombrotos von Phokis über Thisbe 
[und Kreusis nach Leuktra beweise , daß er ein fähiger Stratege 
[gewesen sei, allein er geht doch zu weit, wenn er den Kleom- 
,brotos geradezu ein „strategisches genie" nennt. Es war ein 
) handgreiflicher fehler des Kleombrotos , daß er die lakedaimo- 
inische reiterei, über deren große schwäche er sich nicht täuschen 
[konnte, bei Leuktra vor der front aufstellte, so daß sie geworfen 
[/auf das schwere fußvolk zurückfiel und dessen bewegung in ver- 
;;hängnißvoller weise hinderte. Auch ist sich Kleombrotos viel 
izu spät über den schlachtplan des Epameinondas klar geworden, 
f was doch auch nicht von einem genialen feldherrnblick zeugt. 

Noch mancherlei hätte referent an dem buch Sterns im ein- 
; zelnen auszusetzen. Es wird sich vielleicht eine andere gele- 
L genheit dazu bieten. Schon die eingehende besprechung zeigt 
i aber, daß er die schrift der höchsten beachtung für werth hält. 

Durch eine gesunde quellenkritik und eine selbständige , nüch- 

23* 



344 Bibliographie. Nr. ( 

terne betrachtung der sichern historischen thatsachen selbst ha 
Stern unsere kenntniß und auffassung der griechischen geschieht 
vom königsfrieden bis zur schlacht bei Mautineia wesentlich ge 
fördert. G. Busölt. 



Bibliographie. 

Eine lesenswerthe anzeige von 0. Hase's buch : „die Ko: 
berger, eine darstellung des buchhändlerischen geschäftsbetriebe 
in der zeit des Überganges vom mittelalter zur neuzeit". m 
Leipzig, Breitkopf' u. Härtel, 1885, findet sich in Münch. allg 
ztg. 1886, beil. zu nr. 5, welche sich mit Anthoni Koberge ; 
vorzugsweise beschäftigt: zwischen 1440 — 1450 zu Nürnberg 
geboren, starb er noch völlig rüstig 1513, da ihm im Jahn 
vorher von seiner zweiten f'rau sein 25. kind geboren war 
gleiche thätigkeit hat er als buchdrucker und buchhändler — 
beide geschäfte waren damals regelmäßig verbunden — entwi 
ekelt: er hatte 24 pressen im gange und 100 gesellen, druckti 
aber nur für sein geschäft und ließ noch in Basel (bei Amor 
bach), in Straßburg, Hagenau, Lyon drucken; er sorgte seh: 
für gutes papier, gute druckerschwärze und ebenso für correct 
heit, strebte daher nach tüchtigen correctoren : Beatus Rhenanuii 
gehörte zu diesen. So hat er 210 werke, darunter manche vor 
mehreren bänden , verlegt : besonders berühmt war die weit 
chronik von Schedel mit 2250 holzschnitten — illustrirte aus 
gaben liebte damals man auch — dann lateinische wie deutscht 
bibeln, darunter seit 1483 eine berühmte bilderbibel : sonst wai 
lateinische Scholastik sein hauptverlag, auch ab und an ein altei 
lateiner , wie Boethius : griechisch hat er nicht gedruckt : mar 
sieht, welch interessanten Stoff Hase zu verarbeiten gehabt hat 

Nach Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 1 63 wird in nicht lan- 
ger zeit von Gregorovius eine geschichte der Stadt Athen im 
mittelalter erscheinen , ein seitenstück zu dessen geschichte dei 
Stadt Rom, von der jetzt der erste band in vierter aufläge aus- 
gegeben ist , ein erfreulicher beweis dafür , daß in Deutschland: 
alles was mit dem classischen alterthum zusammenhängt, in wei- 
ten kreisen auf theilnahme rechnen darf, wird es nur in pas- 
sender form vorgetragen. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in 
Leipzig 1886, nr. 2 : Fragmenta poetarum latinorum. Edidi 
Aemilius Baehrens. (Bibliotheca Teubneriana). 8. geh. — Auli 
Gellii Noctium Atticarum libri XX ex recensione Martini Hertz. 
Editio minor altera. 2 voll. (Bibliotheca Teubneriana.) 8. 
geh. — Theophylacti Simocattae historiae. Edidit Carolus de 
Boor. (Bibliotheca Teubneriana). 8. gen. — Quaestiones gram- 
maticae ad Thucydidem pertinentes. Auctas et correetas Herum 



Sr. 6. Bibliographie. 345 

didit Ioannes Matthias Stahl, gr. 8. geh. — Die Wolken des 
^.ristophanes. Erklärt von W. S. Teuffei. Zweite aufläge be- 
orgt von Otto Kahler, gr. 8. geh. — 

Ausgegeben ist ein verzeichniß des Verlags von Georg Reimer 

a Berlin, in dem bich auch die auf kosten der academie der 

"rissenschaften in Berlin edirten werke befinden ; ferner ankün- 

igung von Le Monnier in Florenz von : Miscellanea philologica 

linguistica in memoria di Napoleon Caix e Ugo A. Canello, 

^aeist neuere sprachen betreffend. 

li' Kataloge von antiguaren : Ludwig Bamberg in Greifswald, an- 

iquarischer catalog 69 ; — W. Koch u. Reimer in Königsberg 

['. Pr., catalogus XIX, dissertationes philologicae, historicae, ar- 

\ haeologicae magnam partem ex Batavia arcessitae ; — K. Th. 

•Jölcher in Frankfurt a. M., verzeichniß 133, meist auf entomo- 

-ogie bezüglich. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1886. IV. 

' 520. Aeschylos Perser erkl. v. W. S. Teuffei. 3. aufl. bearb. von 

iV r . Wecklein. Leipzig, Teubner 1886. 8. VI, 119 p. 1 mk. 20 pf. 

i 521. Anecdota varia graeca et latina ed. Rud. SchoelL et Guil. 

, ßtudemimd. Vo\. I: Anecdota varia graeca musica metrica grarnma- 

IMca ed. Guil. Studemund. Berlin, Weidmann 1886. 4. VI, 313p. 10 mk. 
D 522. Bemouüli, J. J, römische iconographie. Theil 2: die bild- 
; Jiisse der römischen kaiser und ihrer angehörigen. I. Das Julisch- 
vJJaudische kaiserhaus. Mit 35 lichtrlr. -tafeln u. 59 illustr. Stuttgart, 
i-.Spemann 1886. 4. XIV, 438 p. 30 mk. 

523. Boeckh, Aug. , die staatshaushaltung der Athener. 3. aufl. 
:."'irsg. u. mit anmerkungen begleitet von Max Fränkel. 2 bde. Ber- 
lin, G. Reimer 1886. 8. XXVIII, 711, VII, 517 p. 30 mk. 

524. — , encyclopädie u. methodologie der philologischen Wissen- 
schaften hrsg. von Ernst Bratuschek. 2. aufl. besorgt v. Rud. Kluss- 
'^ann. Leipzig, Teubner 1886. 8. X, 884 p. 14 mk. 

525. Bradley, A. C. , die Staatslehre des Aristoteles. Ein essay. 
"lutoris. Übersetzung von J. Imelmann. 2. titel-ausg. Berlin, Gärtner 
t-884. 8. III, 83 p. 1 mk. 80 pf. 

:i 426. Bugge, Sophus, der Ursprung der Etrusker durch zwei Leni- 
nsche insehriften erläutert. (Aus Christiania Videnskabs - Selskabs 
^orhandlinger). Christiania, Dybwad 1886. 8. 63 p. 1 mk. 70 pf. 
527. Ciceronis , M. Tullii, orationes selectae scholarum in usum 
-:d. Herrn. Nohl. Vol. IL III de imperio Cn. Pompei oratio. In L. 
^atilinam orationes IV. Leipzig, Freytag 1886. 8. XVI, 65 p. 50 pf. 
; 528. Collection Sabouroff, la. Monuments de l'art grec. Publiee 

Dar Adolphe Furtivängler. 13. et 14 livr. Berlin, Asher 1886. fol. 

heliogr. lithogr. et chromolith. 10 bl. text. In mappe ä 25 mk. 

529. Cohausen, A. v. , der römische grenzwall in Deutschland. 
'Militärische und technische beschreibung desselben. Mit 2 taff. ab- 
nildungen. (Aus Aunalen des Vereins für Nass. alterthumskunde). 
riViesbaden, Kreidel 1886. 8. 30 p. 2 mk. 

530. Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum. Ed. consil. 
't impens. caes. acad. litt. Vindobon. Vol. IX pars IL EuyLppii opera 
)ars IL Vita S. Severini rec. et comment. critico instruxit Pius 

tKnoell. Wien, Gerolds söhn 1886. 8. XVI, 102 p. 2 mk. 40 pf. . 
i 531. Corpus iuris civilis. Ed. stereot. IV. Vol. I. Institutiones 






346 Bibliographie. Nr. 6 

rec. Paul Krüger. Digesta recogn. Theod. Mommsen. Berlin, Weid 
mann 1886. 8. XXII, 882 p. 10 mk. 

532. Corpus iuris civilis, fasc. XII. Novellae XLIV— LXXX rec 
Rud. Schoell. (Bd. III, p. 273-392). Berlin, Weidmann 1886. t 
2 mk. 40 pf. 

533. Curtius, Georg, kleine Schriften hrsg. v. E. Windisch. Theil ] 
Ausgewählte reden u. vortrage. Mit einem vorwort von Ernst Cur 
tius. Leipzig, Hirzel 1886. 8. XXIX, 173 p. 3 mk. 

534. Curtius, Ernst, alterthum und gegenwart. Gesammelte rede 
und vortrage. 2. bd. 2. aufl. Berlin, Hertz 1886. 8. VII, 347 pj 

535. Egli, J. J. , geschichte der geograph. namenkunde. Mi 
probe einer toponomastischen karte. Leipzig, Brandstetter 1886. t' 
IV, 430 p. 10 mk. 

536. Foerster , Rieh., die klassische philologie der gegenwari 
Rede. Kiel 1886. 4. 25 p. 1 mk. 

537. Fressl, Joh., die Skythen-Saken die urväter der Germanen 
München, Lindauer 1886. 8. XVI, 340 p. 10 mk. 

538. Gerathewohl, Bernh. , die reiter und die rittercenturien zu» 
zeit der römischen republik. München, N. Ackermann 188b". E' 
103 p. 2 mk. 

539. Handbuch der klass. alterthumswissenschaft. In verbindun; 
mit . . . hrsg. v. Iwan Müller. 3. u. 4. halbband. Nördlingen, Becl 
1886. 8. (Bd. I, p. 1-618). 11 mk. 

540. Heydemann, Heinr. , Dionysos geburt und kindheit. Mit 
doppeltafel u. 1 holzschn. 10. Hallesches Winckelmannsprogr. Hallt 
Niemeyer 1885. 4. 58 p. 4 mk. 

541. Heynacher, Max, was ergiebt sich aus dem sprachgebraucl 
Caesars im bellum Gallicum für die behandlung der lateinischen syr 
tax in der schule? 2. verm. aufl. Berlin, Weidmann 1886. 8. IV 
134 p. 3 mk. 

542. Homeri Iliadis carmina ed. Alois Rzach. Pars I, carm. 
— XII. Leipzig, Freytag 1886. 8. XXII, 296 p. 1 mk. 

543. luvend, C. Vetti, Aquilini libri evangeliorum IV ad fiden 
codd. antiquiss. rec. Carolus Marold. Leipzig, Teubner 1886. 8. XVIII 
119 p. 1 mk. 80 pf. 

544. Kurtz, Ed., thierbeobachtung und thierliebhaberei der Grie 
chen. Vortrag. Leipzig, A. Neumann 1886. 8. 21 p. 50 pf. 

545. Liebenam, W., beitrage zur Verwaltungsgeschichte des röm 
kaiserreichs. I. Die laufbahn der procuratoren bis auf die zeit Dio 
cletians. Jena, Passarge 1886. 8. V, 160 p. 2 mk. 50 pf. 

546. Lucianus rec. Jul. Sommerbrodt. Vol. I, pars 1. Berlin 
Weidmann 1886. 8. VIII, 271 p. 3 mk. 

547. Minucius Felix, M., Octavius. Einend, et praef. Aemüiu 
Baehrens. Leipzig, Teubner 1886. 8. XXXV, 64 p. 1 mk. 35 pf. 

548. Ovidi Nasonis, P. , Heroides. Ed. Henr. Sleph. Sedlmayer 
Prag, Tempsky, Leipzig, Freytag 1886. 8. XXI, 100 p. 80 pf. 

549. Pauli, Carl, eine vorgriechische inschrift von Lemnos. Leip 
zig, Barth 1886. 8. IV, 81 p. 1 tafel. 4 mk. 

350. Pfordten, Herrn, von der, zur geschichte der griechischer 
denominativa. Leipzig, Hinrichs 1886. 8. III, 158 p. 4 mk. 

551. Pruzsinsky , Ioannes de, de Propertii carminibus in libros 
distribuendis. Diss.' Budapest, Kilian 1886. 8. 37 p. 1 mk. 

552. Ranke, Leop. von, Weltgeschichte. 1. u. 2. theil. ä 1. abth 
4. aufl. Leipzig, Duncker 1886. 8. XII, 380. VI, 304. VI, 416. VI 
416 p. 38 mk. 

553. Reisig, K. , Vorlesungen über latein. Sprachwissenschaft 



Nr. 6. Bibliographie. 347 

i Mit den anmerk. von prof. Friedr. Haussen. Neu bearb. von J. H. 
Schmalz u. G. Landgraf. Liefg. 7. = Theil 3, p. 289-384. Berlin, 
: Calvary 1886. 8. 1 mk. 50 pf. 

554. Scala, R. v., Vortrag über die wichtigsten beziehungen des 
Orients zum occidente im alterthum. Geh. im oriental. museum am 
9. dec. 1885. Wien 1886. 8. 80 pf. 

555. Schwerdt, F. J. , methodologische beitrage zur Wiederher- 
stellung der griech. tragiker. Leipzig, Teubner 1886. 8. III, 208 p. 

i 556. Taciti, P. Cornelii, opera quae supersunt ad fidem codicis 
Mediceorum ab Io. Geo. ßaitero denuo excussorum ceterorumque op- 

; tiraorum librorum rec. atque interpretatus est Io. Casp. Orellius. Vol. II. 
Germania etc. Ed. II curav. H. Schweizer-Sidler , G. Andresen, C. Meiser. 
Fase. 5. Historiarum liber II ed. Carol. Meiser. Berlin, Calvary 1886. 

,.. 8. p. 309—390. 4 mk. 50 pf. 

557. Töpffer, Io. , quaestiones Pisistrateae. Diss. Dorpat (Ka- 
row) 1886. 8. 148 p. 2 mk. 50 pf. 

558. Untersuchungen , historische , hrsg. v. J. Jastrow. Heft 3 : 
Wilh. Soltau, prolegomena zu einer römischen Chronologie. Berlin, 
Gaertner 1886. 8. VIII, 188 p. 5 mk. 

559. Untersuchungen , philologische , hrsg. v. A. Kießling u. U. 
v. Wilamowitz- Moellendorff. Heft 9: Isyllos von Epidauros. Berlin, 

-Weidmann 1886. 8. VII, 201 p. 4 mk. 

560. Vogrinz , Gfr. , beitrage zur formenlehre des griechischen 
j verbums. Paderborn, Schöningh 1886. 8. 36 p. 50 pf. 

561. Welzhofer , Heinr. , allgemeine geschichte des alterthums. 
Bd. I. Gotha, Perthes 1886. 8. V, 330 p. 6 mk. 

562. Woenig, Franz, die pflanzen im alten Aegypten. Ihre hei- 
rmath, geschichte, kultur und ihre mannigfache Verwendung im socia- 
: len leben, in kultur, sitten, gebrauchen, medizin, kunst. Nach den ei- 
genen bildlichen darstellungen der alten Aegypter, pflanzenresten aus 
gräberfunden , Zeugnissen der alten Schriftsteller und den ergebnissen 

1 der neuen f'orschungen. Mit zahlreichen original-abbildungen. Leip- 
zig, Friedrich 1886. 8. 425 p. 12 mk. 

563. Zvetaieff, loh. , inscriptiones Italiae inferioris dialecticae in 
usum praeeipue acad. composuit. Mosquae und Leipzig, Brockhaus 
1886. 8. VIII, 186 p. 3 taff. 8 mk. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 

564. Albracht, Franz, kämpf und kampfschilderung bei Homer. 
'Naumburg a. S. 1886. 4. 52 p. (Teubner, progr. no. 227). 

565. Arlt, A., zur erklärung einiger stellen des Horaz. Wohlau. 
14 p. 4. (no. 195). 

566. Arnold, Bruno, de Iride dea quaestionum speeimen I. Nord- 
\ hausen. 20 p. (no. 226). 

567. Beck, Eich. Gust., einleitung und disposition zu Ciceros 
'fragmentarisch erhaltener rede in Clodium et Curionem. Zwickau. 
131 p. (no. 504). 

568. Behrendt, Gust. , über den gebrauch des infinitivs mit arti- 
kel bei Thucydides. Berlin, Sophiengymn. 23 p. (no. 59). 

569. Bohlmann, Adolf, Antiphontis de caede Herodis oratio ex 
fide Crippsiani maxime codicis recognita et in linguam germanicam 
conversa. Pars prior contin. § 1—48. Liegnitz, ritteracademie. 8. 
41 p. (no. 181). 

570. Büchsenschütz, B. , bemerkungen über die römische Volks- 
wirtschaft der königszeit. Berlin, Friedrichs -Werdersches gymn. 
36 p. (no. 53). 

571. Buermann , H. die handschriftliche Überlieferung des Iso- 



348 Bibliographie. Nr. 6i 

krates. II. Der Urbinas und seine Verwandtschaft. Berlin, Friedrichs 
gymn. 22 p. (no. 56). 

572. Buesse, I., de Taciti Agricola. Hildesheini, gymn. Iosephi 
num. 20 p. (no. 288). 

573. Clemm , G. , Quaestiuncula Tacitea in Festschrift d. gymn 
z. Gießen zur 38. philolog.-versammlg. p. 129 — 135. 8. 

574. Cramer, Franz, zu Julius Caesar. Mülheim a. Rhein. 19 p 
(no. 442). 

575. Crusius, Otto, beitrage zur griechischen mythologie und re 
ligionsgeschichte. Leipzig, Thomasschule. 28 p. (no. 498). 

576. Curschmann , Friedr. , die Horazischen öden in der schule 
Darmstadt, Ludw.-Georgsgymn. 32 p. (no. 577.) 

577. Deipser , über die bildung und bedeutung der lateinische 
adjectiva auf -fer und -(/er. Bromberg, realgymn. 30 p. (no. 154 

578. Dcnig , Carl, Quaestiones Hephaestioneae. Adiecit codicifi 
Darmstadiensis no. 2773 collationem cum scholiis praestantioris classic 
(A) ineditis. Darmstadt. (Progr. v. Bensheim). 29 p. (no. 575). 

579. Dettweiler, P , Symbolae ad collocationem verborum in Fest- 
schrift des gymn. zu Gießen zur 38. philolog.-vers. p. 82 — 105. 

580. Deva?itier, Franz, über das lateinische sogenannte relativum 
in der verschränkung oder konkurrenz. Friedeberg Nrn. 18 
(no. 74). 

581. Diebitsch, die Sittenlehre des Lucrez. Ostrowo. 18 p. (no. 145) 

582. Dreinhoefer, Adolf, Plato's schrift über den staat nach dis- 
position und inhalt. Berlin, Joachimthal'sches gymn. 28 p. (no. 52), 

583. Dürre, Herrn., Consuetudines dominarum sub regula B. Au- 
gustini viventium. Wolfenbüttel. 16 p. (no. 636a). 

584. Dunger, Herrn., de Dictye - Septimio Vergilii imitatore 
Dresden, Wettiner gymn. 20 p. (no. 492). 

585. Eberhard, E., metrische beobachtungen zu den homerischen 
hymnen. I. Magdeburg, domgymn. 32 p. 

586. Eschenburg, wie hat Ovid einzelne wörter und wortclassen 
im verse verwandt. Ein beitrag zur einheitsfrage der Heroides des 
Ovid. Lübeck. 39 p. (no. 668). 

587. Faltin, G., Horazstudien. I. Ueber den Zusammenhang des 
briefes an die Pisonen. Neu-Ruppin. 23 p. (no. 81). 

588. Fischer, über die staatsrechtliche Stellung der Strategie in 
Athen und ihr Verhältnis zu andern magistraturen dieses Staates. Kö 
nigsberg, Kneiphöfisches stadtgymn. 26 p. (no. 10). 

589. Frey, Jos., de Alcuini arte grammatica commentatio. Mün 
ster, Paulin. gymn. 14 p. (no. 334). 

590. Friede!, Otto, de philosophorum Graecorum studiis Home 
ricis II. Stendal. 20 p. (no. 234). 

591. Gemoll, A., die Scriptores historiae Augustae. I. Striegau 
14 p. (no. 211). 

592. Großmann, Friedr., über den gebrauch der kasus bei Sal 
lust. Berlin, kgl. realschule. 33 p. (no. 89). 

593. Güthling, Otto, Curae Vergilianae. Additae sunt Gust. Lin- 
ken emendationes Vergilianae. Liegnitz, (evang. gymn.). 12 p. 
(no. 180). 

595. Guhrauer, H., musikgeschichtliches aus Homer. I. Lauban. 
24 p. (no. 178). 

596. Hauche, Anton, de Ciceronis in orationibus facetiis. Burg. 
16 p. (no. 212). 

597. Haebler , Albin, die nord- und Westküste Hispaniens. Ein 
beitrag zur geschichte der antiken geographie. Leipzig, kgl. gyniD. 
1886. 4. 46 p. 1 karte, (no. 497). 



ife. 6. Bibliographie. 349 

: 598. Haube, Oscar, die epen des silbernen Zeitalters der römi- 
;chen litteratur. 1. hälfte. Fraustadt, realgymn. 20 p. (no. 155). 

( 599. Hecht, Max, orthographisch - dialektische forschungen auf 
jrund attischer inschrifteu. Theii II. Gumbinnen. 16 p. (no. 4). 

600. Hecker, Herrn., zur geschieh te des kaiser Iulianus. Eine 
juellenstudie. Kreuznach. 48 p. 8. (no. 408). 

601. Heinsch, Joseph, Comrnentationum Euripidearum speeimen 
Jlatz, kathol. gymn. 24 p. (no. 168). 

602. Holländer, Hermann, die handschriftliche Überlieferung der 
homerischen hymnen. Osnabrück, rathsgymn, 36 p. (no. 295). 

i 603. Hüttig , Clemens , zur Charakteristik homerischer komposi- 
oion. Züllichau. 14 p. (no. 88). 

c 604. Jattkowski, Herrn., de sermone in A. Persii Flacci et D. 
funii Iuvenalis satiris figurato. Alienstein. 24 p. (no. 1). 

605. Kaestner , B. , die haltung des römischen senats während 
^ler belagerung von Mutina. Coburg, gymn. Casimir. 10 p. (no.637). 

606. KanUr , Plato's anschauungen über gymnastik. Graudenz. 
sJ2 p. (no. 32). 

607. Karasiewicz, die kritik der Platonischen politik bei Aristo- 
teles. Neisse. 12 p. (no. 182). 

608. Kariowa, bemerkungen zu der Kritz'schen ausgäbe des Ta- 
:iteischen Agricola. Pleß. 34 p. (no. 188). 

609. Kellerhoff, E. , vollständiger text des Plautinischen Trucu- 
ientus aus der Pariser Plautushandschrift no. 7889 mit abweichungen 
!ron P und den collationen von Geppert. Oldenburg. 17 p. (no. 611). 
j 610. Kltmke, die ältesten quellen zur geschichte der Gracchen. 

iönigsbütte, Ober-Schi. 23 p. (no. 176). 

611. Kneisel, B., Quaestionum Sophoclearum particula I. Naum- 
ourgae. 14 p. (no. 224). 

612. Koch, M., die rede des Sokrates in Piatons Symposion und 
las problem der erotik. Berlin, Luisenst. gymn. (no. 58). 

613. Kohlmann, Rudolf, über die annähme eines perfectum in- 
-ensivum im griechischen. Salzwedel. 14 p. (no. 230). 

614. Kräh, Ed., beitrage zur syntax des Curtius. Theil I. In- 
iterburg. 25 p. (no. 6). 

615. Lange, zum Sprachgebrauch des Velleius Paterculus. Stettin, 
icönig-Wilhelms-gymn. 26 p. (no. 130). 

616. Lange, Adolf, de coniunetivi et optativi usu Thucydideo. 
assel, königl. gymn. 35 p. (no. 355). 

617. Liers, die theorie der geschichtsschreibung des Dionys von 
dalikarnaß. Waidenburg i. Schi. 20 p. (no. 194). 

618. Lilie, W., de coniuratione Catilinaria quaestio chronologica. 
lauer. 17 p. (no. 174). 

(J 619. Lindner, kritische bemerkungen zum text einiger schul- 
i'chriftsteller. Hirschberg. 11 p. (no. 173). 

620. Lorentz, B., die taube im alterthume. Würzen. 43 p. 
cno. 402). 

i 621. Lowihski, A., kritische miscellen zu Horaz. Deutsch-Krone. 
Jl4 p. no. 26. 

622. Marquardt, Hans, zum Pentathlon der Hellenen. Mit zwei 
«Abbildungen des gesammtkampfes. Güstrow. 22 p. (no. 592). 

623. Maue, Herrn. O, die vereine der Fabri centonarii und Den- 
jlrophori im römischen reich. 1: die natur ihres handwerks und ihre 

acralen beziehungen. Mit einem anhang, enthaltend die inschriften. 
Frankfurt a. M., musterschule. 78 p. 

624. Meckbach, Theod., Sophokles' könig Oedipus übers, in den 
'ersmaßen des Originals. Bartenstein. 30 p. (no. 2). 



350 Bibliographie. Nr. 6 

625. Meyer, Edm., über die Passio Sanctorum Quattuor Corona 
torum. Berlin, königl. Luisenstädt. gyinn. 27 p. (no. 64). 

626. Meyer, Rudolf, in ketten und banden. Ein plautinischc 
schönbartspiel übersetzt. Berlin, Leibnizgymn. 31 p. (no. 62). 

627. Mohr, Paul, zu Apollinaris Sidonius. Bremerhaven. 18 v 
(no. 662). 

628. Müller, Carl Friedr., Ignatii Diaconi tetrasticha iambica 5! 
versus in Adamum 143 rec. et brevi adnotatione instruxit. Praemissij 
est de Ignatii inetrica arte vita scriptis disputatio. Kiel, gelehrtenseh 
32 p. (no. 260). 

629. Müller, Adolf, Curvus uncus und coruposita. Flensburg: 
38 p. (no. 256). 

630. — Emil , über den Charakter der hauptperson des köni 
Oedipus des Sophokles. Zittau , festschrift zur 300jähr. jubelfeiei 
p. 61—100. 

631. — , Ernst, einleitung zu Cicero's rede de provinciis consu 
laribus. Kattowitz. 8 p. (no. 175). 

632. — , Joh., Platon's Staatslehre und der moderne socialismu- 
verglichen nach ihren grundzügen. Sondershausen. 20 p. (no. 657" 

633. Mutzbauer, Carl, der homerische gebrauch der partikel fit 
II 1. r, fttv, fit; fjiiv, rj rot [xiv. Köln, Friedr.-Wilh.-gymn. 35 p. (no. 39£ 

634. Neuhaus, die quellen des Trogus Pompeius in der persische 
geschichte. Osterode, Ostpr. 29 p. (no. 5). 

635. Otto, A., de fabulis Propertianis. Partie. II. Groß-Glogau 
kathol. gymn. 21 p. (no. 171). 

636. Perthes, Otto, die Platonische schrift Menexenus im licht 
der erziehungslehre Plato's. Bielefeld. 24 p. (no. 322). 

637. Petsch, die historische glaubwürdigkeit der commentarie 
Caesar's vom gallischen kriege nach gegenwärtigem stände der kritik I 
27 p. (no. 257). 

638. Petzold, Wilh., die bedeutung des griechischen für das ver 
ständniß der pflanzennamen. Braunschweig, städt. realschule. 38 
(no. 632). 

639. Pohl, Jos., Verona u. Caesoriacum die ältesten namen l'ü 
Bonn und Mainz. Theil I: ein beitrag zur kritik und erklärung de: 
Florus. Bonn, (gymn. von Münstereifel). 33 p. (no. 413). 

640. Priebe , Carl, de M. Comelio Frontone imitationem prisc_ 
sermonis Latini adfeetante. Particula II. Stettin, stadtgymn. 13 
(no. 129). 

641. Reimann, H. , disputationis de prosodiorum siniiliumqut; 
apud Graecos carminum natura nuper editae additamentum. Gleiwitz 
10 p. (no. 169). 

642. Reinhold, H. , de Piatonis epistulis. Quedlinburg. 57 
(n. 228). 

643. Reinkens, Jos. Mart. , de Aeschyli Danaidibus. Düsseldorf; 
königl. gymn. 16 p. (no. 400). 

644. Rhode, Albert, die hypothetischen sätze bei Homer. Theil I; 
Wittenberg. 27 p. (no. 238). 

645. Richard, Hermann, über die Lykinosdialoge des Lucian. 
Hamburg, realgymn. d. Jobann. 57 p. (no. 666). 

646. Ritttveger , Karl , die Verbannung Iuvenals und die ablas 
sungszeit seiner siebenten satire. Berlin. 33 p. (no. 323). 

647. Roever, Fr., die Übertragung des adjektivs bei Pindar. Stolp 
24 p. 8. (no. 131). 

648. Sachse, Gotthold, die 30. rede des Lysias. Posen, Friedr. 
Wilh.-gymn. 43 p. (no. 146). 



Ar. 6. Bibliographie. 351 

649. Saltzmann, Friedr., über Cicero's kenntniß der Platonischen 
chriften. (Fortsetzg. u. schluß). Cleve. 32 p. (no. 391). 

650. Schauenburg, Ed., Horatii epistola ad Pisones (Epist. II, 3). 
n deutscher übersetzg. Crefeld. 27 p. (no. 435). 

651. Schenk, Rieh., zum ethischen lehrbegriff des hirten des 
lermas. Aschersleben. 35 p. (no. 240). 

652. Schleusner, Guil., quae ratio inter Taciti Germaniam ac ce- 
eros primi saeculi libros Latinos in quibus Germani tangantur in ler- 

-iedere videatur. Accedunt loci quidam Ammiani Marcellini. Barmen. 
i !6 p. 8. (no. 387). 

,, 653. Schlüter, Jos., de satirae Persianae natura et indole. An- 
lernach. 14 p. (no. 386). 

; 654. Schnee, Rud., de Aristophanis manuscriptis quibus Ranae 
est Aves traduntur. Hamburg, Wilhelmsgymn. 13 p. (no. 665). 

655. Schmidt, Friedr. Wilh. , Verisiniilia. Neustrelitz. 23 p. 
j;no. 605). 

656. Schmidt, Carl, de Herodico Crateteo. Elbing. 13 p. (no. 30). 

657. Scholz, zur einleitimg in die Midiana des Demosthenes. 
/Saiden. 9 p. (no. 280). 

658. Schilfert. Alexanders des großen indischer feldzug. Col- 
perg. 15 p. (no. 117). 

659. Schulte, Karl, bemerkungen zur Senekatragödie. Rheine. 
f p. (no. 337). 

660. Schnitze , Quaestionum Isocratearum speeimen. Buxtehude. 
no. 309). 

661. Schätz, Herrn., de M. Valerii Messalae aetate. Stettin, 
Üarienstiftsgymn. 8 p. (no. 128). 

( 662. Schumacher, Ludwig, de Tacito Germaniae geographo. 

^Berlin, Friedr.-Wilh.-gymn. 28 p. (no. 55). 

663. Sonntag, M. , beitrage zur erklärung Vergilischer Eklogen. 
Frankfurt a. O. Friedrichsgymn. 22 p. (no. 72). 

i 664. Sperling, Arthur, Apion der grammatiker und sein verhält- 
iiß zum Judenthum. Ein beitrag zu einer einleitimg in die schritten 
les Iosephos. Dresden, gymn. z. heiligen kreuz. 22 p. (no. 491). 

665. Stegmann, Carl, kritische beitrage zu den Moralia des Plu- 
oarch. Leipzig, (progr. v. Geestemünde). 38 p. 8. (no. 281). 

666. Steiger, de versuum paeonicorum et dochmiacorum apud 
ooetas Graecos usu ac ratione. Part. I. Wiesbaden, realgymn. 52 p. 
<no. 380). 

667. StrotkUtter, Gerh., über die syntaktische bedeutung des la- 
teinischen infinitivs. Dorsten. 32 p. 8. (no. 317). 

668. Thalheim, Theod., de Dinarchi codieibus commentatio. Bres- 
lau, könig-Wilh.-gymn. 13 p. (no. 164). 

669. Weidner, A., Adversaria Sallustiana. Dortmund. 10 p. no.328. 

670. Weißenfels , Oscar, de Seneca Epicureo. Berlin, College 
•Yancais. 38 p. (no. 54). 

671. Wiegand, Heinr. , Plataeae zur zeit des einfalls der Perser 
'n Böotien. Ratzeburg. 19 p. (no. 263). 

672. Wilhelm, Ottomar, zur motion der adiectiva dreier endun- 
jen im griechischen, insbesondere bei Homer und Hesiod. Coburg, 
lerzogl. Ernestinum. 23 p. (no. 638). 

673. Wille, wie verfährt Homer wenn er nach der rede einer 
>erson seiner gedichte die darstellung des geschehens wiederaufnehmen 
will, wie wenn er auf eine rede eine andre folgen lassen will. Neu- 
itettin. 14 p. (no. 124). 

674. Wille, Georg, de Persarum fabulae Aeschyleae parte extrema. 
•Sangerhausen. 14 p. (no. 231). 



352 Kleine philologische zeituug. Nr. 6 

675. Zimmermann , Aernilius, de epistolarum temporum usu Ci- 
ceroniano quaestiones grammaticae. Rastenburg. 25 p. (no. 15). 

Beilage B. Acadernica und dissertationen. 
Basel. 676. Maehly, J., Satura. Basel 1886. 4. 38 p. 
677. Marty, Adam, de Quintilianeo usu et copia verborum eure 
Ciceronianis potissimura cornparatis. Glaronae 1885. 8. 63 p. 

Berlin. 678. Curtius, Ernst, der zehnte. Berlin 1885. 4. 15 p 
679. , August Böckh. ib. 1885. 4. 27 p. 

680. — — , das königtbum bei den alten, ib. 1S86. 4. 16 p 

681. ( Fahlen, Joh.), lectiones Theocriteae et Sophocleae. Berol 

1885. 4. 14 p. 

682. — — , de versibus nonnullis Horatianis. ib. 1886. 4. 20 p 

683. Below, Erich, de hiatu Plautino quaestiones. Berlin 1885 
8. 41 p. 

684. Brand, Aug., de dialecticis Aeolicis quae dieuntur parti- 
cula I. Berlin 1885. 8. 77 p. 

685. Graef, Botho, de Bacchi expeditione Indica monumentis ex 
pressa. Berl. 1886. 8. 24 p. 

686. Heraeus, Guil. , quaestiones criticae et palaeographicae d^ 
vetustissimis codieibus Livianis. Berolini 1885. 8. 120 p. 

687. Immerwahr, Guil., de Atalanta. Berlin 1885. 8. 72 p. 

688. Keil, Erich, de Thracum auxiliis. Berlin 1885. 8. 86 p! 

689. Przyqode, Alfred., de eclogarum Vergilianarum temporibus 
Berlin 1885. 8. 61 p. 

690. Richter, Franz, de thesauris Oljnipiae effossis. Berlin 1885 
8. 30 p. 

691. JRohden, Paulus de, de Palaestina et Arabia provineiis Ro- 
manis quaestiones selectae. Berlin 1885. 8. 57 p. 

692. Schulz, Guil., quaestionum luvenalianarum capita tria. Lip- 
siae 1885. 8. 24 p. 

693. Winther, Herm., de fastis Verrii Flacci ab Ovidio adhibitis 
Berolini 1885. 8. 57 p. 

Lund. 694. Gyllinq, Joh. A. , de argunienti dispositione in sa- 
tiris I— VIII Iuvenalis. Lund 1886. 8. 111 p. 

695. JEkedahl , Esaias, de usu pronominum personalium et re- 
flexivorurn Herodoteo. Lund 1885. 8. 88 p. 

Zürich. 696. Meisterhans , K. , granimatik der attischen In- 
schriften. Berlin 1885. 8. 48 p. (Vollständiger im bnchhandel). 

697. Schultheß , Otto, Vormundschaft im attischen recht. Bonn 

1886. 8. 255 p. 



Kleine philologische zeituug. 

Oxford, 10. jan. Unter dem titel Siegfried-Arrninius haben 
Vigfusson — ein Schwede — und Y. Powell — ein Englän- 
der — eine broschüre erscheinen lassen , in der bewiesen wer- 
den soll, daß Siegfried in den Nibelungen Arminius sein soll:: 
eine ansieht , die schon Mone und andre , was den Verfassern^ 
unbekannt geblieben, aufgestellt haben. Sonst werden die nach- 
richten über Arminius und Thusnelda ausführlich erörtert, auch" 
über die niederlage des Varus gehandelt, Münch. allg. ztg.i, 
nr. 40, jedoch dabei viel verkehrtes vorgebracht, wie ein arti-ij 
kel in derselben Allg. ztg. beil. zu nr. 80 ausführlich dartbut.: 



fa. 6. Kleine philologische zeitung. 353 

Ueber weitere Vorbereitungen zur errichtung einer katholi- 
schen Universität in Sahburg berichtet Münch. allg. ztg. beil. 
;u nr. 57. 

Hanau, 14. feb. Der 100. geburtstag von Wilhelm Grimm 
st in Hanau festlich begangen: näheres giebt Münch. allg. ztg. 
lr. 59, vgl. beil. zu nr. 49. Sonst s. ob. hft. 4, p. 282. Eben 
■o ist der geburtstag würdig in Marburg gefeiert : Münch. allg. 
, tg. nr. 60. 

Auf anlaß der „Kleinen Schriften und reden Dahlmanns" 
Stuttgart, Cotta 1886) und des zweiten bandes des „briefwech- 
els zwischen Jacob und Wilhelm Grimm , Dahlmann und Ger- 
'inus (Berlin, Dümmler, 1886) findet sich eine lesenswerthe cha- 
acteristik Dahlmanns und schöne worte über Gervinus von H. 
Saumgarten (Straßburg i. E.) in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 59. 
ji London, 24. febr. In England beschäftigen immer noch 
ebhaft die gelehrten Schliemanns ausgrabungen und man sucht 
ius ihnen die geschichte der vorhellenischen bevölkerung von 
lellas zu ergründen. So viel steht in England fest, daß weder 
4ykena noch Tiryns von Griechen erbaut ist , auch nicht von 
Phönikern, sondern von Thrakern, ein stamm, der in der urzeit 
£lein-Asien und den größten theil von Osteuropa inne gehabt hat: 
•>hryger, Dardaner, Lyker u. s. w. gehören zu ihm, den Gothen und 
rjermanen ist es verwandt. Darnach sucht man auch die culturstufe 
lieses volks zu bestimmen: bei ihm gab es Schlösser von fürsten, 
umgeben von den hütten des gefolges, keine tempel, wohl aber rohe 
;ötterbildnisse : von diesen zuständen findet sich ein nachklang 
n den homerischen gedichten ; denn die beschreibung der höfe 
.ind feldlager in ihnen gemahnen mehr an jene Thraker als an 
:ie Hellenen historischer zeit. Vrgl. Münch. allg. ztg. beil. zu 
nr. 63 : dazu beil zu nr. 73, wo versucht wird für diese ansich- 
.en auch die ob. nr. 4, p. 282 erwähnten in Athen ausgegra- 
benen statuen zu verwerthen. Es bedarf nicht bemerkt zu wer- 
ben, mit welcher vorsieht diese mit vieler Sicherheit vorgetragenen 
insichten aufzunehmen sind. 

Ueber den stand der arbeiten an dem schon seit längerm 

q angriff genommenen canal durch die lande nge von 

Corinth giebt nach englischen berichten Münch. allg. ztg. 

ir. 65 einige nachricht : man hofft jetzt in fünf jähren den canal 

Vollendet zu haben. 

f Unter der Überschrift: „Vorgeschichtliche funde in Kärnthen" 
wird in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 66 das buch von B. A. 
■Meyer Gurina im Obergailthal (Dresden, W. Hoffmann, 1885) 
lesprochen : die daselbst gefundenen lateinischen inschriften sind 
1 »ekannt ; aber es scheint als wenn für die geschichte der alten 
Bevölkerung von Nord-Italien, die Ligurer, Veneter , Etrusker, 
r iie dortigen funde und Untersuchungen von Wichtigkeit werden 
1 :önnten. 



354 Kleine philologische zeitung. Nr. 6 



In Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 71. 72 beginnt Th. Tredt 
eine abhandlung über Neapel, in welcher auf die zustand«! 
der Stadt in der zeit des alten Roms sehr hübsch rücksicht ge- 
nommen wird: 

Berlin, 10. märz. Die academie der Wissenschaften hat it 
ihrer letzten sitzung reisestipendien verliehen: davon erwähner 
wir das eine von 3000 mk. an den premier-lieutenant von Dies 
zur bereisung von Klein - Asien , besonders der umgegend voi 
Pergamum, dann das von 250 mk. an museumsdirector Meyer h] 
Dresden zur bereisung des Obergailthals in Kärnthen. Münch 
allg. ztg. beil. zu nr. 71. 

Dr. Joseph Engel, Oberlehrer am realgymnasium in Stral 
sund, hat herausgegeben: „Homers Odysseuslied in Nibelungen^ 
Strophen nachgedichtet" : es wird dieser versuch als gänzlicl; 
verfehlt nachgewiesen von W. Jordan in Münch. allg. ztg. beil 
zu nr. 72. 

„Ein aus acten ausgegrabenes Römercastell" ist ein kleinem 
aufsatz in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 72 überschrieben , dei 
aus acten des 16 Jahrhunderts nachweist, daß ein jetzt gam 
verschwundenes Römercastell zwischen Benningen und Marbacl 
gestanden hat. 

Berlin, 15. märz. Die russificirung in den Ostseeprovinzei, 
wird jetzt nachdrücklicher als sonst betrieben , wie aus mitthei-j 
lungen in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 77, nr. 89. 104. 11( 
zu ersehen. 

Paris, 22. märz. Der oben hft. 4, p. 280 flg. erwähnti 
antrag des ministers Goblet, die ausschließung der schulbrüde; 
und geistlichen orden vom Unterricht in der schule betreffend 
ist trotz scharfen Widerspruchs am 21. märz vom senat mi 
großer majorität angenommen worden. Münch. allg. ztg. nr. 83 

Die Schicksale eines Heidelberger codex , welcher ein« 
deutsche bibel mit schönen miniaturen aus dem XVI. jahrhun 
dert enthält, beschreibt ein aufsatz in Münch. allg. ztg. nr. 86 

Ueber die Zerstörung alter historischer baulichkeiten durcl 
die jetzigen bauten in Rom handelt Münch. allg. ztg. nr. 86 
wo das verfahren der jetzigen bau-commission in schütz genom > 
men wird. Noch nachdrücklicher geschieht dies durch Bmir 
ebendas. beil. zu nr. 107, auf dessen ausführung Gregoroviiw 
ebendas. beil. zu nr. 124 sich rechtfertigend geantwortet hat 
Es ereignet sich eben auch in andern fällen auf dieser erde 
daß die alte zeit der neuen weichen muß. 

Paris, 25. märz. Nach mittheilungen von E. Renan läßl 
Maspero, director des museums zu Bulak, an der freilegung dei; 
colossalen Sphinx von Gizeh arbeiten, zur Vollendung feh- 
len aber noch 20000 francs. Zur beschaffung dieser summ«; 
wendet sich Renan an alle freunde des alterthums und schreib 
deshalb im Journal des dtibats folgendes : „die große Sphinx vor 



6. Kleine philologische zeitung. 355 

•izeh, unmittelbar neben den pyramiden , ist meines erachtens 

iie erstaunlichste arbeit von menschenhand , die uns die jahr- 

underte überliefert haben. Sie ist ein ungeheures ausgehaue- 

es felsenbett, etwa 70 meter lang. Die höhe des monstrums, 

: enn man es freilegte, würde unsere höchsten häuser überragen. 

Jvein bildwerk im übrigen Aegypten , noch sonst in der weit, 

M diesem seltsamen idole vergleichbar , dem Überrest eines zu- 

J ;andes der menschheit, der alle unsere begriffe über den häufen 

irft. Der eindruck , den eine solche erscheinung auf racen 

hervorbringen mußte, die mit starker einbildungskraft begabt 

ind , und von den sinnen beherrscht werden , läßt sich nach 

lemjenigen bemessen, den die heutigen Aegypter vor diesem 

) normen , aus dem sande hervorragenden und seinen düsteren, 

■ techenden blick über die wüste hinwerfenden haupte empfinden. 

0er Araber flieht bei diesem anblick entsetzt, indem er nach 

[; em phantastischen wesen einen stein wirft oder einen flinten- 

ichuß abfeuert. Auch der tempel gegenüber der Sphinx (wenn 

Va ein tempel ist) hat einen höchst eigenartigen character. Die- 

1 'er bizarre bau sieht den übrigen tempeln Aegyptens weniger 

Rhnlich, als das Parthenon der Notre-Dame-Kirche. — Münch. 

;llg. ztg. nr. 87. Dieser aufruf hat den gewünschten erfolg 

: gehabt: reiche Pariser, wie die Rothschild, Eichthal, Pereire 

v.l. s. w. haben die nöthige summe beschafft und geht nun die 

: ' rbeit rüstig weiter , wie des näheren in derselben Allg. ztg. 

I ,r. 1 1 1 berichtet wird, so daß man nach derselben zeitung beil. 

Mu nr. 127 hofft, binnen kurzem werde dei ganze koloß sich 

: on allen seiten ganz frei wie zu zeiten des königs Thutmer IV 

pum 1500 a. Chr.) repräsentiren können. Hinzu fügen wir, 

^.aß R. Buchtet in derselben ztg. beil. zu nr. 160 ausführlich von 

?ier ausgrabung der großen Sphinx auf dem pyramidenfelde von 

Htirizeh handelt. 

I Den inhalt eines Vortrags des professor dr. Rüdinger in 
Bier anthropologischen gesellschaft in München vom 26. märz 
"Hber die Arier berichtet Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 89, 
Her jedoch viel Widerspruch gefunden habe. 

Wien, 30. märz. In der heutigen sitzung des abgeordneten- 
kiauses hat der unterrichtsminister von Gautsch seine ansichten 
''über die humanistischen Studien auf den mittelschulen (realschu- 
<en) und gymnasien sehr bestimmt ausgesprochen : er spricht aus, 
laß die Studienzeit auf den schulen nicht zu verkürzen , eher 
;u verlängern sei, ferner daß man die forderungen von den abi- 
rurienten nicht verringern, mindestens auf der jetzigen höhe er- 
halten müsse : daß überhaupt die humanistischen Studien auf 
'len schulen als die hauptstudien anzusehen seien, daß in ihnen 
Fler anknüpfungspunkt zur eulturarbeit zu suchen, da es eine 
bestimmte erfahrung sei, daß die auf humanistischen lehranstalten 
^ebildeten vielseitig verwendbarere männer würden, als die, 



356 Kleine philologische zeitung. Nr. 6 

welche auf rein realistischen schulen absolvirt hätten: vrgl 
Münch. allg. ztg. nr. 92 und dazu das lob des ministers eben 
das. nr. 122. Es ist gewiß beachtenswerth , daß während n 
Osterreich und Frankreich die unterrichtsminister mit aller kraf 
für die classischen Studien als wichtigsten lehrstoff auf den gym 
nasien und realschulen eintreten , den großen nutzen derselbei 
für das ganze folgende leben als unzweifelhaft hinstellen, be 
uns , die wir uns als so unendlich vorgeschritten und allen an 
dern überlegen erachten, unentschieden hin- und hergeschwauk 
und der Unterricht in den classischen sprachen so viel als mög 
lieh eingeschränkt und beschnitten wird , so daß er sein zie'. 
nicht erreichen kann. 

Eine beschreibung der ruinen der alten römischen Nilfestung 
Primis parva giebt A. v. Warsberg in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 93 

Wien , 27. märz. (Papyrus erzherzog Rainer). Neue 
wichtige mittheilungen werden uns nach den Philol. anz. 
XV, 13, p. 650 verzeichneten wieder gemacht: zuerst über 
rollen, welche alte egyptische geschichte betreffen, dann abei 
auch über griechische rollen und blätter: unter den von dr 
Wessely gelesenen fanden sich zunächst schritten und aufzeich- 
nungen gelehrter Egypter aus der Ptolemäischen zeit. Da viele 
derselben noch zu öffnen und lesbar zu machen sind, konnte 
nur erst ein datum aufgefunden werden, nach welchem diese, 
private aufzeichnungen enthaltenden Schriftstücke noch in die 
erste hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts fallen und 
daher als die ältesten bisher bekannten griechischen schriftdenk- 
male des Faijumer fundes zu bezeichnen sind. Ferner consta- 
stirte derselbe gelehrte eine reihe wichtiger stücke : so die um- 
fangreichen reste eines Aeschinescodex des fünften Jahrhunderts, 
der alle bisher bekannten handschriften dieses autors an alter 
hinter sich zurückläßt , dessen erhaltene 8 columnen die capitel 
178 bis 186 (inclusive) der III. rede umfassen. Dann die aus 
dem ersten vorchristlichen Jahrhundert stammenden bruchstücke 
einer die reden des Isocrates enthaltenden papyrusrolle mit den 
capiteln 48 und 49 der V. rede. Dann interessante metrolo- 
gische und rhetorische aufzeichnungen , darunter stücke eines 
lexicons zu Demosthenes' Midiana; endlich ein ins 1. Jahrhun- 
dert n. Chr. zurückreichendes fragment eines unbekannten gram- 
matikers. Eine ansehnliche zahl neu aufgefundener privatur- 
kunden der römischen epoche tragen die namen der kaiser Ha- 
drian , Antoninus Pins , Marc Aurel , Commodus und des bisher 
noch nicht vertretenen Aurelian und bereichern insgesammt nach 
vielen richtungen unsere kenntnisse von der eultur jener zeiten. 
Aus den Uranfängen der islamitischen epoche sind funde von 
geradezu märchenhafter große zu verzeichnen. Prof. Karabacek 
fand das bisher und vielleicht für immer älteste document des 
Islam, eine prachtvolle Urkunde aus dem 22. jähre der hedschra 



tfr. 6. Kleine philologische zeitung. 357 

, '25. april 643 n. Chr.), die, abgesehen von ihrer umwälzenden 
,jchriftgeschichtlichen bedeutung, zeugniß giebt von dem anbruch 
ies islam in seinem Siegesläufe und die gründung seines Staats- 
wesens. Mit dieser und mehr als einem dutzend anderer vor- 
trefflich erhaltener, zum theil noch mit ihren insiegeln versehe- 
ner eroberungsurkunden feiern plötzlich die größten arabischen 
f jelden, viele gefährten und jünger des propheten Mohammed 
shre auferstehung. An ihrer spitze steht mit einem gesiegelten 
jjefehl der oberfeldherr Amru selbst, den die historische fabel 
i durch die ihm zugeschriebene Verbrennung der Alexandrinischen 
Bibliothek in den äugen der civilisirteu weit gebrandmarkt hat. 
Diese documente lassen die moderne geschichtschreibung über 
:;ene epoche in den wichtigsten daten als verfehlt erscheinen. — 
(Mönch, allg. ztg. no. 95. 

\i Bei Eichstädt ist ein schöner antiker behelmter frauenkopf 
n?on stein ausgegraben , den man zu einer statue der Minerva 
gehörig ansieht. Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 96. 

Ueber neuerdings vorgenommene ausgrabungen in Eining 
: ! Abusina) berichtet ausführlich Ohlenschlager in Münch. allg. 
*,:tg. beil. zu nr. 98 : von besonderer Wichtigkeit ist nichts dabei. 

Ueber die traurigen Schicksale der noch nicht einmal er- 
öffneten Sibirischen Universität berichtet Münch. allg. ztg. nr. 101. 
; Ueber den bedenklichen zustaud der sogenannten „nadel 
der Kleopatra" berichtet aus New-York Münch. allg. ztg. nr. 102. 
i Eine lesenswerthe besprechung der sechsten aufläge von 
iLübke's geschichte der architektur liefert K. Semper in Münch. 
;illg. ztg. beil. zu nr. 107: sie läßt deutlich erkennen, welche 
t ortschritte auf diesem gebiete durch die entdeckungen in neue- 
jfrer und neuster zeit möglich geworden sind. 
) Wien. Dr. Hümer hat ein lateinisches gedieht des im 11. 
> ahrhundert lebenden Warnerius aus Basel auf der hofbibliothek 
jn Wien aufgefunden, es ist betitelt Synodicus und soll in den 
Romanischen Studien (Deichert, Erlangen) erscheinen. Münch. 
allg. ztg. beil. zu nr. 107. 

i ))Ein ritt durch Cilicien" wird von graf Lanckoronski in un- 
jüöthiger breite in Münch. allg. ztg. beschrieben und dabei auch die 
[üten und ältesten Zeiten berührt: so bespricht er in beil. zu nr. 
jl20 die Städte Soloi (Pompejopolis) und das jetzt sehr herunter- 
gekommene Tarsus, welches ihn zu einem sonderbaren vergleich 
zwischen Alexander dem großen und dem apostel Paulus ver- 
führt: in beil. zu nr. 111 wird nach kurzer erwähnung von 
-Mallos, der stadt des Mopsus. Adana = Antiochia ad Sarum be- 
schrieben, dann Mopsuestia, später Seleucia, jetzt Missis genannt, 
(im gewaltigen flusse Pyramus; in beil. zu nr. 112 Ayas , das 
<üte Aigaiae, in der Römerzeit ein bedeutender hafen, von wo Issus 
jtind das Schlachtfeld besucht wird und dann Payas = Bajaei 
endlich in beil. zu nr. 113 wird über Alexandrette, vielleicht 

Philo!. Anz. XVI. 24 



358 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

das alte Myriandrus nach Antiochia , das ziel der reise, gezogen 
und auch über diese stadt bekanntes gesagt. 

Am 19. april hielt im altertlmmsverein zu München dr. H 
von Berlepsch einen Vortrag über die Symbolik in der gefäßbihl- 
nerei, in dem er auch auf das alterthum rücksicht nahm, vorzugs- 
weise aber auf den Orient : einen auszug giebt Münch. allg. ztg 
beil. 2 zu nr. 110. 

In der anthropologischen gesellschaft zu München hiel 
hauptmann Arnold einen Vortrag über die Charakteristik der al 
ten befestigungen mit beispielen aus Münchens Umgebung : einer 
auszug aus ihm giebt Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 111. 

Rom, 17. april. In der gestern abgehaltenen festsitzung 
des deutschen archäologischen instituts sprach zuerst professor 
Gatti über die bei den ausgedehnten neubauten zwischen Aven- 
tin und Monte Testaccio an das licht gezogenen Überreste der 
alten horrea, magazine für getreide, öl u. s. w. , und erläuterte 
besonders den horrea Galbiana genannten theil derselben. Nach 
andern sprach dann professor Henzen über die equites singulare* 
im anschluß an frühere ausführungen (s. ob. hft. 2, p. 173) und 
neu gefundene inschriften: vrgl. Münch. allg. ztg. nr. 112. 

Ueber die gründung eines Seminars für neuere orientalische 
sprachen an der Universität zu Berlin berichtet Münch. allg. ztg. 
nr. 118. 119: über die deshalb dem reichstage zugegangenen 
vorlagen ebendas. nr. 169. 173. 

In der nähe von Stochstadt am Main , wo ein Römerkastell 
existirt hat , ist ein grabsteinähnliches monument an das tages- 
licht gefördert, welches in ungenügender weise in beil. 2 zu 
Münch. allg. ztg. nr. 119 beschrieben wird. 

Daß die frage nach den Nilquellen noch nicht völlig sicher 
entschieden sei, wird in überzeugender weise in einem artikel 
der Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 120 nachgewiesen. 

Unter der Überschrift: „ein neuer essayist" wird in Münch. 
allg. ztg. beil. zu nr. 121 das buch von Gustav Meyer : „Essays 
und Studien zur Sprachgeschichte und Volkskunde" besprochen 
in der ersten abhandlung wird in die anfange des indogerma- 
nischen Stammes einzudringen versucht: die zweite behandelt die 
Etrusker, die dritte untersucht das heutige griechisch auf seine 
abstammung und mischung hin. Daran schließen sich abhand- 
lungen „zur vergleichenden märchenkunde". Vieles von diesem 
war schon früher edirt, ist aber hier vermehrt und verbessert. 

Paris, 16. mai. Aus einer rede, welche Renan bei einem 
studenten-banket gehalten, heben wir wegen des ob. hft. 3, p. 236. 
242 bemerkten folgende stelle hervor: arbeiten aber ermüden 
sie sich nicht . . . erholen sie sich von einer arbeit bei der 
andern , beschäftigen sie sich mit verschiedenen dingen zugleich 
. . . man kann verschiedenes zugleich treiben , wenn man nur 
sorge trägt, die dinge in den Zwischenräumen, welche die an- 



Njr, 6. Kleine philologische zeitung. 359 

/lern lassen, unterzubringen. Vollständiger giebt die rede Münch. 

illg. ztg. nr. 138. 

London, 10. mai. In England erfreut sich dr. Schliemanns werk 
;iber Tiryns fortwährend (s. ob. p. 353) allgemeiner theilnahme und 
,ils an dem genannten tage professor Jebb aus Glasgow in der „hel- 
lenischen gesellschaft" in London einen Vortrag „über das ver- 

aältniß der baufunde in Tiryns zu dem von Homer geschilder- 
ten wohnhause Alt-Griechenlands" angekündigt hatte, fand sich 
fiäine große anzahl von zuhörern ein. Jebb, der schon mehrfach 

*egen Schliemanns „in England besonders von Sayce, professor 

n Oxford, vertheidigte ansichten aufgetreten ist, suchte gegen 
i3chliemann und Dörpf'eld nachzuweisen , das homerische Wohn- 
haus entspreche den in Tiryns gemachten entdeckungen nicht, 
^namentlich wegen des frauengemaches nicht, da dieses bei Homer 
3 init dem männersaale unmittelbar verbunden gewesen, man in 

Tiryns aber aus dem erstem nur auf Umwegen in das andre 
ggelangen könne. Es fand aber Jebb mit seinen ansichten kei- 
nen besonderen beifall, da die professoren Butcher und Gardner 
jdim scharf entgegentraten: vrgl. Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 138. 

Uebrigens ist zu bemerken, daß auch Dörpfeld (s. Tiryns p. 217) 
lauf Verschiedenheiten zwischen Tiryns und Homer aufmerksam 
-macht zugleich aber bemerkt , daß die Schwierigkeiten , welche 
u bis jetzt die Untersuchungen über das homerische haus (vgl. 
1 Philol. XXX, p. 603) zu sichern resultaten nicht hätten gelan- 
gen lassen, zum guten theil durch Tiryns beseitigt würden. 

Ueber Studenten - crawalle in Paris und das verhalten der 

behörden dabei giebt nachrichten Münch. allg. ztg. nr. 139. 

Ueber den angeblich schon seit dem sechsten Jahrhundert 
: a. Chr. existierenden bücherdruck in China so wie über chine- 
sische literatur handelt nach einem aufsatz von Friedrich 

Hirt h: Western appliances in the Chinese printing industry , wel- 
cher in dem Journal of the China branche of the Royal Asiatic 
Society 1886 steht , ein artikel in Allg. ztg. beil. zu nr. 139 : 
Jietzt wird von einer chinesischen firma eine im anfang des vo- 
rigen Jahrhunderts verfaßte encyklopädie gedruckt, welche 3000 
[bände umfaßt: sie soll binnen drei jähren in den händen der 
r iäubscribenten sein : die anstalt beschäftigt 500 chinesische ar- 
jbeiter. Dies zeigt doch, wie weit man in China in der cultur 
.vorgeschritten ist. Vrgl. ob. hft. 3, p. 281. 
I Mainz, 15. mai. Bei dem jetzt unternommenen casernenbau 
; sind merkwürdige reste der römischen befestigung der Stadt zu 
; tage gekommen, über welche freilich nur sehr kurze mittheilun- 
,gen die Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 139 bringt. 

Unter der Überschrift : „ein vierteljahrhundert im preußi- 
schen Unterrichts - ministerium" wird in Münch. allg. ztg. beil. 
, zu nr. 140. 141 eine anzeige gegeben von „Lebenserinnerungen 
;Und amtserfahrungen von L, Wiese, wirkl. geheimen oberregie- 

24* 



3(30 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

rungsrathe a. d.". 2 bde. 8. Berlin , in welcher auch manche 
ßtellen aus dem buche wörtlich mitgetheilt werden: wir können 
es uns nicht versagen, eine derselben hier mitzutheilen , da sie 
die richtung des buchs nicht allein characterisirt, sondern Wahrheiten 
ausspricht, welche von jedem schulmanne und gelehrten nicht 
genug beherzigt werden können : „Von Jugend auf schwebte mir 
als lebensgliick und lebensaufgabe immer klarer das ideal vor,. 
ein ganzes zu seiu, zu einer einheit des geistigen lebens zu ge- 
langen. Darum erschien mir auch für meinen beruf der refor- 
matorische gedanke wahrer geistesbildung als die einzige und 
höchste norm: die Verbindung der Wissenschaft mit dem christ- 
lichen glaubensieben. In ihr hat das deutsche gymnasium sei- 
nen Ursprung gehabt. In der rückkehr dazu sah ich das hei 
der Jugend und unseres Volkes. Daraus ist all mein bestreben und 
widerstreben hervorgegangen. Eine nicht in der tiefe wurzelnde 
rein auf sich selbst gestellte humanitätsbilduug hielt ich für 
werthlos und ohnmächtig-, sie verleiht dem geiste schmuck, aber 
keine innerliche lebenskraft. Das ziel der erziehung ist nicht 
der wissende, sondern der frei thätige mensch. Der auschließ- 
liche intellectualismus ist unfruchtbar. Kraft und fähigkeit recht 
zu handeln , erwächst aus ethischen wurzeln in der tiefe der 
seele. So führt die sittliche Voraussetzung der bildung mit noth- 
wendigkeit auf die religion. Erst durch den hierin angedeuteten 
Zusammenhang erhält die höhere wie die niedere schule die ein- 
heit eines lebendigen Organismus und für die thätigkeit dessel- 
ben hohe und feste ziele". 

Eine beschreibung des feierlichen leichenbegängnisses von 
Leopold von Ranke giebt nach anderen Zeitungen Münch allg. 
ztg. nr. 147. 148. 

Wien, 15. mai. (Carnuntum). Der im jähre 1884 in 
Wien gegründete verein „Carnuntum", der die denkwürdige Rö- 
merstätte vor den thoren Wiens in der nahe Deutsch-Altenburgs, 
das Standquartier mehrerer römischer legionen und die residenz 
mehrerer römischer kaiser, durch systematisch geleitete ausgra- 
bungen zu erforschen beabsichtigt, giebt in seinem recheuschafts- 
berichte aufschluß über die vorgenommenen arbeiten: der bericht 
stammt von Alfred von Domaszewski, Alois Hauser und Robert 
Schneider. Ersterer beschreibt und erklärt 26 inschriften oder 
bruchstücke solcher, grabinschriften, votivtafeln u. s. w. Ueber 
das bauliche berichtet Hauser. Das im jähre 1883 zum größten 
theil aufgedeckte forum wurde gänzlich freigemacht und dadurch 
erwiesen , daß dasselbe ungefähr einen rings ummauerten räum 
von 40 meter im geviert einnahm und mit Steinplatten gepfla- 
stert war. In einer ecke fand sich ein runder ausgemauerter 
brunuen. Die südmauer war mit 12 vorsprüngen versehen, 
welche attische vasen trugen , also auf säulen und gebälk 
oder bogen oberhalb derselben schließen lassen. Außerhalb die- 



STr. 6. Kleine philologische zeitung. 361 

ier vorspränge fanden sich noch auf der süd- und ostseite 6 
:md 16 pfeiler, welche auf eine rings oder doch theilweise um 

las forum laufende Säulenhalle deuten. An der süd- und nord- 
vieite des forum außerhalb derselben wurden noch verschiedene 
Kleinere räume aufgedeckt, welche auch für die nordseite eine 
aallenanlage vermuthen lassen. Eine große anzahl von räum- 
nichkeiten wurde auf der ostseite des forum bloßgelegt; doch 
ist der Zusammenhang derselben unter einander nicht genau zu 
erkennen. Die ganze anläge zeigt aber große regelmäßigkeit, 
; ind die mauerzüge haben die richtung der lang- und querachsen 
iles lagers (forum). Ueber die bestimmung dieser räume läßt 
)ich kein urtheil abgeben, selbst nicht über eine kleine sieben- 
n'iäulige , südwärts gekehrte halle. Die fortsetzung der grabun- 
;ijen wird erst aufschluß geben. Wahrscheinlich ist nur, daß 
zwischen dem forum und diesen östlich gelegenen bauten eine 
1 traße lief, da die grabungen da überall auf Steinplatten führten. 
i)ie gemacher im osten sind der einrichtung nach theilweise 
Heizbar gewesen. Dennoch läßt sich schon wenigstens für die 
fiinbildungskraft eine Wiederherstellung des aufgedeckten ver- 
buchen. Von norden nach süden schauend , dürfte man in der 
bitte der bauten die etwa 15 meter breite gepflasterte straße 
gerade vor sich haben. Links fiel das äuge auf die breiten 
;>äulenhallen, welche die südseite und die Straßenseite des forum 
umgaben : rechts von der mittelstraße fiel das äuge auf die heuer 
aufgedeckten bauten, welche einen fast doppelt so großen räum 

annehmen , wie das forum , und sich deutlich in zwei größere 
^nippen scheiden. Das bloßliegende nimmt von osten nach 
Jvesten ungefähr 130 meter ein, hat also eine ganz ansehnliche 

lusdehnung 600 meter vom lager wurde auch der viereckige 

unterbau eines thurmes ausgegraben, mit einer mauerstärke von 
it meter in gußwerk. Genau dieselbe bauweise für grundmauern 
findet sich in Rom selbst; der thurm in Carnuntum ist also ein 
iieweis, daß die Römer ihre bauweise bis an die äußersten gren- 
zen des reiches übertrugen. 350 meter vom lager entfernt 
Trarde ein ausgedehntes gräberfeld aufgedeckt , in welchem sich 
1 !4 steinsärge und zwei ziegelgräber fanden. Zwei davon waren 
c eicher ausgestattet, auch mit bemalten reliefs, deren färben je- 

ioch an der luft verblaßten. In einem sarge wurden neben 
Knochen ein zinngefäß und ein glasfläschchen gefunden. Alle 
drei grabungssteilen ergaben 400 lose liegende fundstücke, dar- 
unter münzen, würfel, waffen, brettspielsteine u. s. w. Von letz- 
teren sind ein grabstein mit brustbildern und ein reliefblock, 
;'len todten Ikarus darstellend , die auffälligsten. Aus bronze 

and sich neben griffein, spateln , löffeln, glöckchen, fibeln, das 
Bruchstück eines dreifußes mit löwenköpfen, aus gold das bruch- 

tück einer gewandspange. — Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 147. 
i In Baden bei Wien wurde bei arbeiten an einer straße 



362 Kleine philologische zeitung. Nr. 6 

der rest eines römischen militairbades ausgegraben, von dem ir 
anfange dieses Jahrhunderts schon mehrfach die rede gewesen 
damals war noch viel mehr als jetzt von ihm erhalten: Münct 
allg. ztg. nr. 151. 

Am 30. 31. mai und 1. juni feierte das gymnasium i 
Tilsit das fest seines 300jährigen bestehens, worüber einiges we 
nige die Münch. allg. ztg. nr. 153 bemerkt, ausführlicher abe 
darüber berichtet in nr. 156. Das zu dieser feier vom lehrer 
collegium edirte programm s. unt. p. 372. 

Kairo , 1 7. mai. Professor Maspero hat das glück gehab 
bei Abd el Ournuh in der nekropole Thebens ein bis dahin un 
bekanntes grab zu entdecken, es zuerst zu öffnen und zuerst z 
betreten , etwas was in Aegypten wegen der gewinnsucht de 
einwohner selten einem fremden gelingt. So hat man nun gau 
sicher die sitten und gebrauche der alten Aegypter beim begra 
ben kennen gelernt : das grab fällt nämlich in die zeit der XX 
dynastie, 1288 — 1110 v.Chr.: es gehörte der familie eines klei 
nen bürgers, der ein tempeldiener, eine art küster gewesen ist 
die sarge wie das ganze inventar ist trefflich erhalten. Nähere 
giebt zugleich mit bemerkungen über den todtenkult der Aegypte 
Richard Buchta in Münch. allg. ztg. beil. zu nr. 155. 

Es ist uns folgender aufruf zugegangen: Am 26. april star 
dr. Gustav Hinrichs, Oberlehrer am Königstädtischen gymnasiun 
zu Berlin. Ein unerwarteter tod brach die lebenskraft des in volle 
gesundheit blühenden mannes und schnitt eine lauf bahn ab, welche 
ruhiger Sicherheit hohen zielen sich näherte. Unermüdlich in der ar 
beit an sich selbst, für seine familie, seine schaler und die wissenschaf 
schritt der verstorbene vorwärts, ein gründlicher und kenntnißreiche 
gelehrter, ein williger, pflichtgetreuer schulmann, ein rückhaltlose 
und ehrenfester mensch, vor allem ein warmherziger , sorgsame 
gatte und vater. Und doch sollte gerade diesem der schmerz nich 
erspart bleiben, am Vorabend seines todes das älteste töchterchei 
in dem schon leerer gewordenen hause der furchtbaren krank 
heit erliegen zu sehen, welche am nächsten tage auch ihn da 
hinraffte. — Den beiden mit einander hingegangenen ein wiir 
diges grabmal zu errichten als ausdruck der achtung und zu 
neigung für den freund und mitstrebenden genossen möchter 
die unterzeichneten alle die bitten, welche dr. Gustav Hin 
richs schätzen gelernt haben. — Zuschriften und beitrage er 
suchen wir an die Weidmannsche buchhandlung, Berlir 
sw. 12, Zimmerstr. 94, zu richten. Berlin, im mai 1886. — 
Dr. Beiger, ordentl. lehrer am Friedrichs-gymnasium. Dr. Bel- 
lermann, director des Königstädtischen gymnasiums. Dr. A 
Kirchhof, professor an der Universität. Dr. C. Th. Michaelis 
oberlehrer an der Charlottensclmle. Hans Reimer, Weidmannsche 
buchhandlung. Dr. Roediger, professor an der Universität. Dr 
Schroeder, oberlehrer am Joachimsthalschen gymnasium. 



.tfr. 6. Kleine philologische Leitung. 363 

Rom, 2 juni. Ein merkwürdiger fund wird aus Bari in 
Apulien gemeldet: in der dortigen kathedrale hat man in einer 
,aische 2000 byzantinische diplome auf blauem pergament 
jingemauert gefunden: Münch. allg. ztg. nr. 156. Ueber den 
Inhalt derselben verlautet noch nichts näheres. Diese nachricht 
wird aber in derselben zeitung nr. 160 in folge von in Bari 
..angestellten nachforschungen für gänzlich unwahr erklärt. 

Kairo, 2. juni. Die in Bulaq gefundene mumie ist in ge- 
äjenwart des Khedive und seiner minister von ihren hüllen be- 
freit worden und erwies sich als die von Ramses III. von 
ler 20. dynastie. Sie ist vollkommen gut erhalten. Münch. 
illg. ztg. nr. 156. 

Ueber die auffindung von Petrarca's eigenhändigem manu- 
jcript des Canzoniere berichtet Münch. allg. ztg. nr. 157. 181. 

Würzburg. Der im PhAnz. XV, 8, p. 471 (= N. Würzb. 
/stg. 1885, nr. 224. 227) erwähnte münzfund bei Thüngersheim 
; ist noch vervollständigt worden : zu den dort erwähnten fünf 
Goldmünzen kommt noch eine sechste, welche gleichfalls durch- 
, bohrt ist, gehört dem kaiser Antoninus Pius und zwar dem 
^ahre 151 n. Chr. zu: avers : IUP CAES TAEL HADR AN- 
TONINVS AVG PIVS P P köpf nach rechts gewandt: revers: 
TR POT XIII1 COS IUI: stehende nach links gewandte weib- 
liche figur mit kränz, in der linken scepter, in der rechten oel- 
zweig haltend; darunter steht: PAX = Cohen, Descript. hist. 
ides monnaies frappees sous l'empire romain, t. II, p. 304, nr. 204. 
Die sechs münzen und die fibula waren also wohl theile eines brust- 
oder haisschmuckes, vermuthlich eines Deutschen, der denselben 
.als auszeichnung von den Römern verliehen erhielt oder auch 
<<aus beutestücken sich denselben zusammensetzte. Bei dem gro- 
ßen werthe und interesse der vorliegenden stücke war es sehr 
wünschenswerth, daß weitere grabungen die noch fehlenden theile 
Jizu tage förderten. Dies ist dann auch im juni dieses jahrs 
\ geschehen : denn es sind bei Thüngersheim noch 2 goldmünzen 
vdes kaisers Gallienus (253 — 268 n. Chr.) gefunden. Wie 
iuns der an einer derselben vorbandene henkel zeigt, gehören 
i dieselben jedenfalls zu dem gleichen hals- oder brustgehänge, 
•iwie die früher entdeckten. I. Avers: IMP GALLIENVS AVG: 
[ bärtiges brustbild des kaisers im hämisch und heim, nach links 
gewandt; mit der rechten hält er einen über die rechte Schulter 
] gelegten speer ; an der linken seite hängt der schild (nicht mehr 
deutlich erkennbar , da die münze etwas abgerieben ist). Re- 
vers : VIRTVS AVG. Herkules stehend, nach rechts gewandt, 
mit der rechten auf die keule sich stützend , in der erhobenen 
s linken den bogen ; vom linken arm herab hängt die löwenhaut. 
i — Etwas abgerieben (auf dem revers haben die buchstaben TV 
; dadurch gelitten), sonst gut erhalten, vor allem der rand intakt; 
gehenkelt; — gewicht: 15 gramm. = Cohen, Descri- 



364 Kleine philologische zeitung. Nr. 6 : 

ption histor. des monnaies frappees sous l'empire romain, t. IV 
p. 353, nr. 23, wo im avers angegeben ist: 1MP. C. , wie es 
scheint, mit unrecht: denn auf der abbildung (pl. XVIII) fehl 
das C. — Das gewicht (ohne henkel natürlich) wird vor 
Cohen zu 13 gr. 25 x /2, der münzwerth zu 600 fr. angegeben. — 
II. Avers: GALLIEN AE AVGVSTAE. Bärtiger köpf des kai 
sers nach links gewandt, bekränzt mit schilf. Revers: VBIQVL 
PAX. Zweigespann nach rechts gewandt , gelenkt von der ge- 
flügelten friedensgöttin. — Der rand ist beschädigt (von dem 
ersten G des avers ist nur mehr eine spur vorbauden) , sous« 
sehr schön erhalten; — gewicht: 5 gramm. = Cohen t 
IV, p. 416 f., nr. 545, abgebildet pl. XVII. Das gewicht wird] 
hier (p. 349) zu 6 gr. 70, der münzwerth zu 300 fr. angegeben, 
— Diese letztere müuze hat wegen der — noch einmal vorkom- 
menden (vgl. Cohen nr. 616) — aufschrift: Gallienae Augustai 
bereits vielfach die münzforscher beschäftigt; Cohen nimmt 
nach dem vorgange anderer an, daß wir eine art spottmünz« 
vor uns haben, indem durch den weiblichen namen di< 
Weichlichkeit des kaisers und durch die inschrift : Vbiquc 
Pax der auf allen Seiten von auflösung bedrohte und in Verwir- 
rung befindliche zustand des reiches spöttisch angedeutet werden 
sollte ; vgl. auch : Schiller ., Geschiebte der römischen kaiser- 
zeit I, 2, p. 812. — So wäre jetzt das ursprüngliche hals- odei 
brustgehänge wohl zum größeren theile, wenn nicht ganz wieder 
zum Vorschein gekommen. Bedauerlich ist es , daß ein fund, 
der jedenfalls von der höchsten lokalen bedeutung, aber auch 
sonst als ganzes höchst werthvoll und wichtig ist, voraussicht- 
lich zersplittert und nach verschiedenen seiten zerstreut wird 
da dem vernehmen nach von seite des Staates , der das eigen- 
thumsrecht an dem fuude besitzt, die doubletten des früheren 
fundes zum verkaufe ausgeschrieben wurden. So nach N. Würzb. 
ztg. 1886, nr. 105. Münch. allg. ztg. beil. 2 zu nr. 167. 

Ein sehr beachteuswerther artikel über den an der Donau 
und umgegend sich hinziehenden limes = teufelsmauer, der na- 
mentlich Cohausens werk über denselben zu ergänzen sucht, 
auch auf actenstücke aufmerksam macht, steht in Münch. allg. 
ztg. beil. 2 zu nr. 168. 172: eine reihe druckfehler in diesen; 
aufsätzen sind in beil. 2 zu nr. 174 verbessert. 

„Eine stimme über das moderne Griechenland" ist ein auf- 
satz von dr. Vierordt in Münch. allg. ztg. nr. 170, beil. zu nr. ' 
171. 172 überschrieben, in welchem der jetzige zustand dieses 
landes als in jeder hinsieht heruntergekommen und verdorben 
geschildert wird. Trotz einer bemerkung der redaction glauben wir, 
daß der artikel sehr viel wahres enthält und daß man bis jetzt 
verführt durch das classische alterthum den jetzigen Griechen 
viel zu viel nachgesehen hat. Doch versucht hiegegen die Griechen 
zu rechtfertigen dr. L. Oberhammer ebendas. beil. zu nr. 197. 



.Nr. 6> Kleine philologische zeitung. 365 

In einem aufsatz „Attila und die Hunnen" sucht J. v. 
TPflugk-Harttung die historische geltung der Hunnen zu entwickeln, 
3 Münch. allg. ztg beil. zu nr. 171. 

In Belgrad soll die academie erweitert und die dortige hoch- 
i^chule in eine Universität mit allen facultäten verwandelt werden. 
Münch. allg. ztg. nr. 173. 

Das gymnasium zu Bamberg würde am 23. juni sein 300- 
ijähriges Jubiläum gefeiert haben, hätte dies nicht das schwere 
fefiSßhick, welches plötzlich über Bayern hereingebrochen, ver- 
hindert. Eine kurze geschichte des gymnasiums giebt Münch. 
[allg. ztg. beil. 2 zu nr. 174. 

N Göttingen. Unter dem namen : „Deutscher einheitsschulverein" 
nat sich ein verein gebildet, der zur begründung seiner tendenzen 
folgenden aufruf erlassen bat : Bei der vielfältigen und tiefen Zer- 
splitterung unseres volkes durch die leidenschaftlichen interessen- 
:and prinzipienkämpfe der gegenwart erscheint es für eine ge- 
deihliche fortentwickelung der nation nothwendig, daß jeder an 
deiner stelle und mit den ihm gegebenen kräften daran mitar- 
beitet, die innere einheit des volksgeistes zu stärken oder her- 
austeilen. Nun liegt aber eine der Ursachen, durch welche die 
iyolle einigung der nation so sehr erschwert wird, in der gegen- 
wärtig bestehenden zweitheilung des höheren Schulunterrichts. 
;Denn die einheit des volksgeistes beruht wesentlich mit auf der 
Einheit der höheren allgemeinen bildung. Deshalb muß an stelle 
wäes gymnasiums und realgyrnnasiums wieder eine höhere un- 
i:errichtsanstalt treten, die einheitsschule , welche sich den 
lern der alten humanistisch- gymnasialen bildung, 
: l a s Studium der klassischen sprachen, besonders 
ja u c h des griechischen , und der historischen Wissen- 
schaften, bewahrt, dieselbe aber durch zeitgemäße 
yreform der methode (namentlich des fremd sprachli- 
shen Unterrichts), sowieauch durch eine maßvolle 
äfv e r s tärku n g der neueren sprachen, vornehmlich 
ti e s französischen , und der mathematisc h -naturwisse n- 
Hchaf t lieh en lehrfächer neu kräftigt und verjüngt. 
[Diese reform unseres höheren Schulunterrichts fordert auch der 
•■■gegenwärtige stand der nationalen kultur, vor deren fortsch ritten 
die schule sich niemals verschließen darf, sowie endlich ein be- 
deutender grund wirthschaftlicher natur. Denn gegenwärtig wird 
:;3in großer theil unserer jugend viel zu früh vor die frage, ob 
Gymnasium oder realgymnasium, d. h. vor die frage der berufs- 
iwahl gestellt, und infolge der dabei unvermeidlichen irrthümer 
?eht eine fülle geistiger und materieller kräfte nutzlos verloren. 
I — Um nun diese neugestaltung unseres höheren Schulunterrichts 
isu fördern, haben sich die unterzeichneten zur begründung eines 
\, Deutschen ein heitsschulver eins" vereinigt und er- 
. auben sich, zur theilnahme an der konstituierenden ver- 



366 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6.c 

Sammlung desselben auf den 5. october l. j. nach Hannover ein- 
zuladen. — Der zweck des Vereins wird sein: 1) Die littera- 
rische diskussion über die frage der einheitsscbule in lebendige- 
ren fluß zu bringen. — 2) Dadurch, sowie durch die debatten 
in den Vereinsversammlungen die aufstellung eines allseitig bei 
friedigenden organisationsplanes und fester methodischer grund- 
satze für die einheitsscbule zu erstreben. — 3) Das Verhältnis 
der das jetzige gymnasium und realgymnasium ersetzenden ein- 
heitsscbule zu den übrigen arten allgemeiner bildungsschuleu 
(mittelschulen mit zwei fremden sprachen , Volksschulen ohue 
fremde sprachen), sowie zu den fachschulen , besonders der Uni- 
versität, zu erörtern ; insbesondere auch die frage der berechti- 
gungen zu besprechen. — 4) Die öffentliche meinung und wo 
möglich die faktoren der gesetzgebung für die idee der einheits- 
schule zu gewinnen. — Alle diejenigen , welche geneigt sind, 
event. dem „Deutschen einheitsschulvereine" beizutreten , bezw, 
die konstituierende Versammlung desselben zu besuchen, werden 
gebeten, dieses dem mitunterzeichneten gymnasiallehrer F. 
Hornemann i n Hannover, Marschnerstraße 51 , bis zum 15, augusl 
l. j. schriftlich erklären zu wollen. Das programm der versamm- 
lung, theilnehmerkarte u. s. w. wird denjenigen, die ihr erschei 
nen zugesagt haben, rechtzeitig übersandt werden." (Folgen die 
Unterschriften). — Unsere ansieht über dies projeet werden wii 
unt. nr. 8 mittheilen. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Philologische abhandlungen aus Zeitschriften 1886. 

No. 4. 

Archiv für latein. lexicographie und grammatik hrsg. von E. 
Wülfßin. Jahrg. III. Heft 2. IL Suchier , der Untergang der ge- 
schlechtslosen substantivform. — ./. 31. Stmoasser, zu den Hisperica 
famina. - Kot>r. Hofmann, Ullageris. — Ph. Thielmann, facere cum 
Infin. — A. Otto, die götter uud halbgötter im Sprichworte. — B. 
Dombart, historia. -- L. Havet, Pius. — A. Müller, curvus uneus u 
composita. — Addenda lexicis latinis. — G. Groeber, Vulgärlatein 
Substrate romanischer Wörter. — Job. Schmidt, impaestator. — Mii 
cellen: Konr. Ho f mann , geograph. eigennamen als appellativa. — ( 
Emil Bachrens, vermischte bemerkungen. — L. Havel, masio iniurus 
iniurius. — J. 31. Stowasser , zu Nonius. Zu Eunius. Offendo. — 
B. Dombart, Speculator. — M. Pelschenig, zu Corippus. — G. Baut, 
ploum plaumorati. ~ K. Sittl, crumelum. Litteiatur. 

Blätter für das bayerische gymnasialschulwesen hrsg. v. A. Römer. 
Heft 5. A. Steinberger, die Oedipussage ein drama. — K. Metzger^ 
Aeschylea. — Rosenhauer , ein Wortspiel des Horaz. — Hans Kern, 
zu Ciris v. 5. — Ad. Römer, zu Thukydides. — Anzeigen. — Heft 6. 
31. Kiderlin, kritische und exegetische bemerkungen zu Quintilhtn. 
III. (Schluß). - ./. Zehetmayr , Deutsch Germani Preußen etymolo- 
gisch gedeutet. — A. Wittaver , Lucrez einleitung zu dem zweiten 
buche. — A. Römer, zur rhetorik des Aristoteles II, 2. Anzeigen. 

Bulletin de correspond;mce hellenique 1886. Avril: F. Durbach 
et G. Radet, inscriptions de la Pe'ree rhodienne. — 31. I/olteavx, 
fouilles au temple d'Apollon Ptoos. — 31. Clerc, les ruines d'Aegae, 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 367 

'en Eolie. — >S'. Reinach, manche de strigile grave'e. — Ch. Diehl et 
i6r. Cousin, inscriptions d'Alabanda en Carie. — E. Pottier, fouilles 
dans Ja necropole de Myrina. — Varietes: Michael Pap. Constantmu, 
.inscriptions de Tralles. — S. Reinach, synagogue juive a Phocee. — 
~ AI. Kontoleov, inscription de Smyrne. — C. Mylonas , noog8tjy.cn xal 
MoodiijOiis. — 31. Holleaux, inscriptions funeraires de Rhodes. 

Centralblatt für das bibliothekwesen hrsg. v. O. Hartwig 1886. 
j Heft 3. — Heft 4.— Heft 5. H. Omont, l'edition princeps de Denys 
/d'Halicarnasse. — G. Knod, zur bibliographie des Beatus Rhenanus. 

Comptes- rendus de l'academie des inscriptions et belies lettres. 
IV. serie, t. XIII, 1885. Communications: janv.-mars. no. 1. 4. 5. 
■6. 7. E. Le Blant, lettres sur les fouilles au Forum. — 2 E. Desjar- 
idins, statue romaine mise au jour ä la suite de travaux executes dans 
}la riviere de l'Ornain. — 3. Ch. Robert, une bague gauloise. 8. A. 
Heran de ViUefosse , lettre sur le praefectus urbi Ducenius Geminus 
en 69. — 10. Deloche, description d'un poids de l'epoque carolin- 
gienne, ses rapports avec l'ancien livre romaine. — Avril— juin. no. 1. 
H. 7. 9. 11. 14. E. le Blaut, fouilles a Rome. — 2. A. Castan , le 
.Capitole a Carthage. — 3. L. Havel, les manuscrits de Nonius Mar- 
cellus grammairien latin de la fin du troisieme siecle. — 6. F Robiou, 
uote sur une double date (egypto macedonienne) contenue dans une 
stele recemment acquise par le musee de Boulaq. — 8. Casati, epi- 
;grapbie de la numismatique etrusque. — 12. G. Lagneau, des anesthe- 
Itiques chirurgicaux dans l'antiquite et la moyen äge. — 15. H.d'Ar- 
bois de JubainviUe , rapport sur la decouverte faite a Bourges par M. 
ßoyer de deux inscriptions oü le nom du dieu Mars est accompagne 
.d'epithetes gauloises dans l'une de ces inscriptions l'epithete est Mo- 
getius, dans l'autre Rigisamus. — Juillet — sept. no. 1. A. Bertrand, 
sur des objets provenant de fouilles executees ä Marson (Marne) par 
Auguste Nicaise . — 3. Dieulafoy, expedition en Susiane. — 4. Heuzeg, 
une pretresse grecque a Antipolis. — 5. E. Le Blant, le christianisme 
;aux yeux des palens. — 6. R. Cagnut et S. Reinach , decouvertes de 
villes nouvelles en Tunisie. — 7. G. R. Gregory, les cahiers des ma- 
nuscrits grecs. — Octobre — decembre. 1. H. d 'Arbois- JubainviUe, l'u- 
nite primitive des Italo-Celtes; relations de l'empire celtique avec les 
:Germains anterieurement au secondisiecle avant notre ere, etude gram- 
maticale. — L. Blancard, theorie de la monnaie romaine au III siecle 
d'apres Jesus-Christ. — S. Reinach, sur un temoignage de Suidas re- 
;, latif ä Musonius Rufus. — 6. 8. E. Le Blant, inscriptions de Rome. 
9 — H. Wallon, notice sur la vie et les travaux de Henri Adrien Pre- 
vost de Longpe'rier. — E. Le Blant, le christianisme au yeux des 
ipaiens (suite). 

Gazette archeologique 1886. no. 3. 4. A. Seron de ViUefosse, 

le repos d'Hercule, disque en bronze du musee de Constantinople. — 

E, Babelon, Selene et Bacchant, bronze de la collection de Janze. 

Hermes. 1886. Heft 2. C. Robert, beitrage zum griechischen 

rfestkalender. 1. Die festzeit der Delien. II. Zu den griechischen ka- 

ilendarien. — G. Schulz, quaestiones Juvenalianae. — H. Nohl , der 

e codex Tegernseensis von Cicero's rede de imperio Cn. Pompei. — E. 

- Curtius, die quellen der akropolis. — H. Schrader, zur beurtheilung 

j der Iliasscbolien des codex Lipsiensis. — A. Schaube, object u. com- 

; Position der rechtsaufzeichnung von Gortyn. — D Detlef sen, vermu- 

thungen über Varro's schrift de ora maritima. — Th. Mommsen, die 

gladiatorentesseren. — H. Wilcken, nochmals die indictionsrechnung. 

i — A. Otto , die Überlieferung der briefe des jüngeren Plinius. — 

Mise eilen: P. Stengel, ar/ctyia. — A Brand, zu der elischen itf- 

s8chrift Roehl J. G. A. add. no. 113c. — J. Balte, eine humanistische 

1 



368 Auszüge aus Zeitschriften Nr. 6.i 

komödie. — A. Kopp, zu Theodoros Prodromos. — G. Knaack, 6 rw 
xvoov 7(jio9ilg. — Th. Hommsen, zusatz. 

Jahrbucher für classische philologie hrsg. von A. Fleckeisen: suppl.- 
bd. XV, beft 1: E. Marcks, de alis quales in exercitu Romano tem- 
pore liberae reipublicae fuerint. — R. Hiiderli, die hellenischen astro- 
noinen u. agronomen vornehmlich im alten Athen. — Fr. Cutter, die 
römische Acueassage von Naevius bis Vergilius. — E. Kuhnert, Dai- 
dalos. Ein beitrag zur griechischen künstlergeschichte. — E. Bruhn, 
Lucubrationum Euripidearum capita Selecta. — Berichtigung von L. 
Jeep. — Bd. 135. Heft 3: O. F. Imger, die nachrichten über Thu- 
kydides III. IV. — K. Schäfer, zum eleusinischen steuerdekret. — 
H. Pomtow , zum hymnus auf den delischen Apollo. — H. Menge, 
anzeige von F. Hultsch's ausgäbe des Autolycus. — E. Hoffmann, zu 
Euripides Bakchai 372. — K. Lang, anz. von A. Nauck's Jamblichus. 

— L. Triepel, noch einmal das Catonische gründungsdatum Enm's. — 
H. Haupt, anz von M. Zöller's römischen Staats- und rechtsalterthü- 
niern. — Th. Mauer, Vergib Aen. IX, 330. — M. Kiderlin, zu Quin- 
tilianus. — H. Blümner, za Lukianos — IV. Gilbert, die einheitlich- 
keit des Taeiteischen dialogus. — E. Baehrens, nova adversaria cri- 
tica in scriptores historiae Augnstae. — 4. W. H. Röscher, die sogen. 
schlangentoptVerferin des altarfrieses von Pergamon. — A. Ludwich, 
Musaios u. Proklos. — E. Hitler, zu den fragmenten des kynikers 
Krates. — C. Baeumker, zu Proklos. — A. Kopp, Herodianfragmente. 

— P. Keller, zur latein. u. griech. Sprachgeschichte. ■ — Th. Hasper, 
ad Poenulum Plautinam. — O. Harnecker, des Oatullus Iuventiuslie- 
der. — W. Soltau, die Idus als Dies fasti. — A. Otto, zu Hyginus 
fabeln. — Heft 5. J. K. Fleischmann, der ideenzusammenhang im er- 
sten chorliede der Orestie des Aeschyios. — E. Hoffmann , zu Euri- 
pides Medeia. — Ch. Clasen , kritische bemerkungen zur geschichte 
Timoleons. — Cl. Baeumker, zu Aristoteles ntgl aiafttjeews- — A. Lud- 
wich., zur griechischen anthologie. — P. Stengel, die färbe und das 
geschlecht der griech. opferthiere. — A. Schmidt, die Zeitbestimmung 
des Thukydides über den anfang des peloponnes. krieges. — J. Lieb- 
hold, zu Deniosthenes dritter rede gegen Philippos. — Th. Plüß, zur 
erklärung der Horazischen öden; desgl. H. Probst, Th. Breiter, E. 
Rosettberg, J. Richter. — W. H. Koester, zur Interpretation von Ver- 
gils Georgica. — G. Heidtmann, zu Vergils Aeneis III, 147 — 179. — 
A. Funck u. W. Gebhardi, zu Caesars bellum Gallicum. — H. Peter, 
zu den Scriptores Historiae Augnstae. — F. Walter , zu Tacitus. - 
F. Riihl, ein capitel des Iustinus. 

Jahrbücher des Vereins von alterthumsfreunden im Rheinlande. 
LXXX1. 1886. ./. Schneider, neue forschungen über die Römerstraßen 
auf der linken Rhein- u. Moselseite. — H. Düntzer, Köln und seine 
Römerbrücke. — J. Asbuch, die kriege der Flavischen kaiser an der 
nordgrenze des reichs. — C. Borte , römische gläser der Sammlung 
Franz Merkens in Köln. — Zangemeister, römische inschriften. — J- 
Klein, kleinere mittheilungen aus dem provinzial-museuru zu Bonn. 

— J. Asbueh, mittheilungen aus Th. Bergk's nachlasse. — H. Schaaff- 
hausen, eine römische Statuette aus eisen. — C. Koenen , römische 
fuude beim schloß Dyk. Anzeigen. — Mise eilen: römische gräber 
in Biwer. — Schauffhauseti, römische funde in Bonn. — Ders., eine 
alte grabstätte unter dem gebäude des generalcommandos zu Coblenz. 

— L. Schwörbel, inschriftt'ragmente. Steilen außerhalb des castrunis 
wo in römisch - fränkischer zeit leichenverbrennungen stattgefunden 
haben. - Au*'m Werth, römische villa in Priesdorf. — A. v. Cohau- 
sen, alte baure«te bei dum rathhause in Cöln. — Ad. Gurlt, der guß- 
eiserne hohlriug aus der Byciskalai höhle in Mähren. — Ein römi- 



Jr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 369 

shes siegesdenkmal in Merten. — Neue archäologische funde in Rom. 
- J. Klein, kölner inschrift. 

Jahrbücher für protestant. thoologie. 1886. Heft 3. H. Geher, 
,iur Zeitbestimmung der griechischen notitiae episcopatuum I. — Ph. 
ifoyer, nachrichten über einige bisher unbenutzte, theilweis auch un- 
ekannte griechische handschriften zur biblisch-apokryphischen litte- 
atur. — W. C. van Manen , zur litteraturgeschichte der kritik und 
hxegese des neuen testaments. — Jolt. Drae.seke , zu Hippolytos De- 
iiioustratio adversns ludaeos. 

Journal of the anthropological institute of Great Britain and Ire- 
;,'ind. XIV, no. 4. — XV, 1. 2. 3. — no. 4. J. Th. Bent, on insular 
reek customs. 

Melanges d'archeologie et d'histoire (de l'ecole de Rome). 1886. 
cio. 1. 2. L. Duchesne , notes sur la topographie de Rome au nioyen 
. ge. — H. Marti?i, les cavaliers et les processions dans les fetes athe- 
iljiennes. — Ch. Lecrivain, la Jurisdiction fiscale d' Auguste a Diocle- 
;iien. — E. Caq, de la nature des crimes imputes aux Chretiens. — 
\\\ de Nolhac, recherche sur un compagnon de Pomponius Laetus. 
j) Mütheüunyen des deutschen archäolog. instituts. Athenische ab- 
'iaeilg. Bd. XI, 1. E. Fabricius , eine pergamenische landstadt. — 
; .''"'. Dümmler, mittheilungen von den griechischen inseln. I. Reste 
I orgriechischer bevölkevung auf den Cycladen. — H. G. Lotling, mit- 
':heilung aus Thessalien. IL Grabschriften. — Fr. titudniczka, attische 
>orosgiebel. — Fed. Halbherr, sopra un' iscrizione di Amorgos. — 
\b)ers,, nuove nionete di Axos. — Fr. Studniczka, thonrelief aus Tenos. 
B Monatshejte , philosophische. 1886. Heft 6/7. Ad. Seelisch, die 
! thischen parthien im platonischen Phaedo. 

Museum, Rheinisches, für philologie. Bd. 41. Heft 3. P. Krumb- 
':olz, Diodor's assyrische geschichte. — P. Wolters, zu griechischen 
vpigrammen. — P. Nutorp, Diogenes von Apollonia. — A. Otto, zu 
f.en briefen Cicero's ad Atticum. — A. Kopp, über positio debilis 
läfid correptio attica im jambischen trimeter der Griechen. — F. 
^auer, zu Lycophron. — E. Hiller, beitrage zur griechischen littera- 
ijrgeschichte. IV. Die fragmente des Glaukos von Rhegion. — A. 
imdwich, die formel tj cT' og. — F. Bücheier, der text des Persius. — 
3 V. Deecke, die thyrrenischen inschriften von Lemnos. — E. Lübbert, 
u Pindar's hyporchema an Hieron. — N. Wecklein, /udc&ly. — A. 
fiercke , de Galeno et Plutarcho. — E. Wölfßin, zu Tibull. — A. 
menny, Vergil und Trogus. 

Quartalschrift, theologische. 1886. no. 2. Funk, die zeit des 
I ahren wortes von Celsus. 

|" Review, The English historical. 1886. Januaiy. D. B. Monro, 
ii'omer and the early history of Greece. — E. A. Freeman, the ty- 
liünts of Britain Gaul and Spain. — April. ./. Z. Sirachan-Davidson, 
-ie growth of Plebeian privilege at Rome. 

Revue archeologique. 1886. Avril-mai: E. Ztiü?itz, les monuments 
r'ntiques de Rome (suite). — Lebegue , recherches sur Delos. — C. 
%ulliun, inscriptions grecques d'Egypte. — H.Bazin, la citadelle d'An- 
i'lbes etude d'archeologie romaine. — P. Decharme, notes sur les can- 
' ophores. 

f Revue, nouvelle, historique de droit fran9ais et etranger. 1886. 
o. 3. R. Dureste, la loi de Gortyne. 

Revue des deux mondes. 1886. 15. mai. 1. Juni. 15. juni — 1. juli: 
fr. Boissier, etudes d'histoire religieuse. II. la conversion de Constantin. 

Revue de l'histoire des religions publ. par Jean Reville. XIII. no. 2. 
. Reville, de la complexite des mythes et des legendes a propos des 
acentes controverses sur la methode en mythologie comparee. 



370 Literatur. Nr. 6. 

Revue numisinatique. Tome IV, trim. 2. J. P. Six , revue nu- 
mismatique, inonnaies lyciennes II. 

Sitzungsberichte der königl. preuß. acadeuiie der Wissenschaften. 
1886. St. 1 — 3. — st. 4. Th. Mommsen, festrede (über Tacitus Ger- 
mania). — St. 5— 14. -st. 15. A. Kirchhoff, über das bruchstück ei- 
nes attischen psephisma. — St. 16. 17. A. Kirchhoff, bericht über die 
Sammlung der griechischen inschriften. — Th. Mommsen, bericht über 
die samtnlung der latein. inschriften. - Th. Mommsen, bericht über 
die paläographie der lateinischen inschriften. — Bericht über die 
römische prosopographie. — H. Diels , bericht über die herausgäbe 
der Aristoteles-commeutatoren. — G. Waitz, bericht über die Mouu- 
ruenta Germaniae historica. — A. Conze, Jahresbericht des archäolo- 
gischen instituts. — St. 18 — 22. M. Duncker, über die Strategie und 
taktik des Miltiades. 

Zeitschrift der deutschen morgenländischen gesellschaft. Bd XXXIX. 
no. 4. — Bd. XL. Heft 1. J. Gildemeister, Pseudocallisthenes bei Moses 
von Chorene. 

Zeitschrift für das gj'mnasialwesen. 1886. Mai— juni. H. Ott«, 
Jahresbericht über Sophokles. — G. Knaack, Cic. ad Att. IX, IS, 3, 

— Juui, juli, aug. H. Magnus, Jahresbericht über Ovid. — R. Schnei- 
der, jahresber. über Caesar. 

Zeitschrift für die Österreich, gyrnnasien. 1886. no. 3. Ig. Pram- 
mer, zu Tacitus, anzeigen. — Heft 4. M. Manitius, zu spätlateinischen 
dichtem I. — A. Zmgerle, Livius u. Claudius. — J. Huemer, der 
grammatiker Augustinus. — Anzeigen. — Heft 5. K. Weymann, zu 
Tacitus. — Anzeigen. 

Zeilschrift für mathematik u. physik. 31. 1886. Heft 2. — heft 3. 
M. Steinschneider , Euklid bei den Arabern. Eine bibliographische 
studie. 

Zeitschrift für numismatik. Bd. XIV. Heft 1. A. v. Sallet, die 
erwerbungen des königl. münzcabinets 1885/86. — Th. Mommsen, zu 
den münzen des Titus. — Th. Mommsen, römische münzpächterin- 
schriften. — Th. Mommsen, provincialcourant der römischen provinz 
Asia im verhältniß zur reichsmünze. — M. Bahrfeld, contremarken 
Vespasians auf römischen denaren. 

Zeitschrift für wissenschaftl. theologie. 1886. Heft 3. A Hü- 
genfeld, Papias von Hierapolis und die neuste evangelienforschung. — 
Joh. Draeseke, Berou u. Pseudo-Hippolytus. — ./". K. Edwards, the 
word Lmoiiciog in the fourth petition of the Lords prayer. 

Zeilschrift aus der Schweiz, theologische. Jahrg. III. 1886. Heft 2. 
G. Volkmar, neueres über den Polycarpusbrief uud die lgnatiusfrage. 

— G. Volkmar, kritische miscellen. 

Zeitschrift des histor. Vereins für Schwaben u. Neuburg. XII. 18^5. 
Lochner v. Hüttenbach, auffindung von Römerstraßen nördlich vom 
Bodensee und römische anlagen in Aischach bei Lindau. — Fr. Oh- 
lenschlagcr, das römische forum zu Kempten. 

Zeitschrift für kirchl. Wissenschaft u. kirchl. leben. 1886. Heft 5. 
J. Ilaußleiter, die commentare des Victoriuus Tichonius u. Hieronymus 
zur Apocalypse. — Heft 6. E. Noeldechen, Tertullians erdkunde. 



Literatur I88ti. 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Inscriptiones Italiae inferioris dialecticae. In usum praecipuo 
academicum composuit Johannes Zuetaief. 8. Moskav. Hefeke. (Lip- 
eiae, Brockhaus). 



r. 6. Literatur. 371 

Dizionario epigrafieo di antichita Romane di Ettore de Buggihro. 
t ivr. 1. Roma, Lincei. 

1 Homeri Odyssea Scholarurn in usuni edidit Paulus Cauer. P. I. 
carai. I— XII. 8 min. Lipsiae, Frey tag. 

Musikgeschichtliches aus Homer. I. Von Heinrich Guhrauer. 
?rograinm des gymnasiums zu Lauban). 

i Die Überlieferung der griechischen heldensage bei Stesichoros. 
ion K. Seeliger. 4. Meißen. (Programm). 

i Carmina figurata Graeca. Ad fidem potissimum codicis Palatini 
didit, prolegomenis instruxit , apparatum criticnm , scholia adiecit 
Zar. Haeberlin. 8. Hannover. 

bj Methodologische beitrage zur Wiederherstellung der griechischen 
ragiker von F. J. Schwerdt. 8. Leipzig, Teubner. 

Die tragödien des Sophokles. Zum schulgebrauch mit erkläreu- 
|2P! anmerkungen versehen von N. Wecklein. Bd. II.: Oedipus Ty- 
mnos. 8. München, Lindner. 

Sophoclis Trachiniae. Scholarum in usum edidit Fr id. Schubert. 
f Lips., Freitag. 

,1 Herodoti Historiae. Recensuit A. Holder. Vol. I. 8. Lipsiae, 
rreitag. (Bibl. Scr. Gr. et Romanorum). 

Strecker, über den rückzug der zehntausend. Mit einer farbigen 
»arte in Steindruck. 8. Berlin, Mittler. 

;i S. Lederer, eine neue handschrift von Arrians Anabasis. 8. Wien, 
Hehler wwe. 

Kritische betrachtungen über das leben und die lehren des Hip- 
okrates, von Demosthenes Gregorus, doctor der medizin. 8. Erlangen. 
Ooctordissertation). 

!< Anecdota varia Graeca et Latina ediderunt Rad. Schoell et Gull. 
' tudemund. Vol. I. Anecdota varia graeca, musica, metrica, gram- 
uatica edidit G. Studemund. 8. Berol., Weidmann. 

Horazstudien. I. Ueber den Zusammenhang des briefes an die 
'isonen. Von dr. G. Fallin. 4. Neu-Ruppin. (Programm). 

C. Vettii Aquilini Iuvenii libri Evangeliorum IUI. Ad fidem codd. 
ietustissimorum recognovit C. Marold. 8 min. Lips., Teubner. 

Lexicon Caesarianum. Composuerunt R. Menge et S. Preuß. 
^-asc. IL 8. Lips., Teubner. 

Lexicon zu den Schriften Caesars und seiner fortsetzer. Mit an- 
labe sämmtlicher stellen von PL. Merguet.. 4. Lief. 4. 5. 6. Jena, 
bischer. 

M. Fabii Quintiliani Institutionis oratoriae libri duodecim. Edi- 
yit F. Meister. 8 min. Vol. I. Lipsiae et Pragae, Freytag et Tempsky. 

M. Minucii Felicis Octavius. Emendavit et praefatus est Aemi- 
••us Paehrens. 8 min. Lips., Teubner. 

' Priscillian, ein neu aufgefundener lateinischer Schriftsteller des 4. 
S,hrhunderts. Vortrag . . . von dr. Georg Schejts. 8. Würzburg, 
.tuber. 

* Quaestiones Pisistrateae. Dissertatio inauguralis, quam ad ma- 
r^listri honores ab amplissimo ordine historicorum et philologorum Dor- 
; atensi rite impetrandos scripsit . . . Joannes Toepffer. 8. Dorpat. 

Die geschichtsschreibung der Griechen , dargestellt von prof. dr. 
' '-dolph Wahrmund. 3. aufl. 8. Langenscheidt, Berlin. 

Encyklopädie und methodologie der philologischen Wissenschaften 
on August Boeckh. Herausgegeben von E. Bratuschek. Zweite auf- 
ige besorgt von R. Klußmunn. 8. Leipzig, Teubner. 

Die reiter und die rittercenturien zur zeit der römischen repu- 
l lik von B. Gerathewohl. 8. München, Ackermann. 

Beiträge zur geschichte der kriegslührung und kriegskunst der 



372 Literatur. Nr. 6.J 

Römer zur zeit der republik, von dr. Franz Fröhlich. 8. Berlin 
Mittler. 

Beiträge zur Verwaltungsgeschichte des römischen kaiserreichs, 
von W. Liebenam. I. Die laufbahn der procuratoren bis' auf die zeit 
Diocletiaus. 8. Jena, Passarge. 

Die vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen 
reich. I. Die natur ihres handwerks und ihre sacraleu beziehungen. 
Mit einem anbange enthaltend die inschriften. Von dr. Hermann C. 
Mane. 4. Frankfurt a. M., Mahlau et Waldschmidt. 

Denkmäler des classischen alterthums. Herausgegeben von E, 
Saumeister. 28. lieferung. 4. München, Oldenburg. 

G. Lüschcke, die östliche giebelgruppe am Zeustempel in Olympia. 
4. Dorpat. (Programm). 

Das wissen der gegenwart. Deutsche universal-bibliothek für ge- 
bildete. Bd. XXX. Das kunstgewerbe im alterthum, von prof. dr. 
A. Blümner. 1. abtheilung : das antike kunstgewerbe nach seinen 
verschiedenen zweigen. Mit 133 in den text gedruckten abbildungeu. 
8 min. Leipzig u. Prag, Freytag u. Tempski. 

Adolph Kießliny , Conjectaneorum spicilegium I. II. III. (Index 
lection. Gryphiswaldensis . . . per sem. aestivum 1883, hibernuin 
1885, aestivum 1886. 4. Gryphisw., Kunike. 

M. Gitlbuuer , philologische streifzüge. Liefer. 3 — 5 (schluß). 8. 
Freiburg i. Er., Herder. 

Satura, von prof. J. Mähly. 4. Basel. (Wissenschaftliche bei- 
lage zum programm des gymnasiums in Basel). 

Festschrift zur feier des fünfzig -jährigen dienst - Jubiläums des 
gymnasialdirectors dr. Nölting , herausgegeben vom lehrercollegium 
der großen Stadtschule zu Wismar. 8. Wismar: enthält an philolo- 
gischem 1. L. Bolle, das knöchelspiel der alten; 2. J. Lemme , des 
Odysseus kämpf mit den freiem, p. 43; 3. W. Kuthe, die römische 
manipulartaktik, p. 71; 6. K. Kirchner, bemerkungen über die beere 
Iustinians, p. 115; 7. P. Stoffel, specimen lexici Euripidei, p. 139. 

Wiener Studien , Zeitschrift für klassische philologie, Supplement 
der Zeitschrift für österr. gymnasien. Verantwortliche herausgeber 
W. v. Harfel , K. Schenkl. 8. Achter Jahrgang, erstes heft. Wien, 
Gerolds söhn. 

Festschrift zu dem am 31. mai d. j. stattfindenden 300jährigen 
Jubiläum des königl. gymnasiums zu Tilsit: enthält: 1. Carmen 
saeculare. Composuit Th. Preuns ; 3. De orationum operi Liviauo in- 
sertarum origine et natura. Scr. F. Friedersdorff; Ueber namen und 
herkunft der Salier. Von Th. Preuns. Es folgen abhandlungen nicht 
philologischen inhalts. 

Biographisches Jahrbuch für alterthumskunde. Gegründet von 
von Iwan Müller, Achter Jahrgang. 8. Berlin, Calvary. 

Mittheilungen aus der stadtbibliothek Hamburgs. III. 8 min. 
Hamburg. 

Die medaillen und gedächtnißzeichen der deutschen hochschulen. 
Ein beitiag zur geschichte aller im XIV. Jahrhundert in Deutschland 
errichteten Universitäten von C. Laverrenz. Erster theil. 8. Berlin, 
Mittler u. söhn. 

Y Gameryd, das ist grammatik des Kymraeg oder der Kelto-Wil- 
lischen spräche, von E. Sattler. 8. Zürich u. Leipzig, A. Müller. 

Die Inschrift von Killoen Cormar und der Ursprung der spräche. 
Von dr. E. llethwiseh. 8. Norden, Fischer nachfolger. 

Der relative biklungswerth der philologischen und der mathema- 
tischen naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer der höhern schulen 
. . . von dr. E. Masch. 8. Leipzig, Prag; Freytag, Tempsky. 



r. 7. 8. 1886. 

Philologischer Anzeiger. 

ierausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutscli. 



55. Das praesens historicura in Caesars bellum Gallicum 
'm Franz Wania. Wien 1885. 114 p. 

Den grund für den Wechsel zwischen praeteritaler und prae- 

ntischer consecutio nach vorausgehendem praesens historicum 

idet Wania in der verschiedenen beziehung des betreffenden 

l'ebensatzes einerseits auf den Standpunkt des erzählenden schrift- 

- ellers, andererseits auf den gedankengang des im übergeord- 

wton satze sprechend beziehungsweise erwägend vorgeführten 

tjubjektes. — Hierdurch will Wania den faktor der Willkür aus 

km? frage verbannen, während doch gerade die entscheidung für 

nie eine oder andere beziehung der nebenhandlung vielfach nicht 

iwohl in der Sachlage gegeben, als vielmehr im belieben des 

' '.hriftstellers gelegen ist. Wir kämen somit auch bei dieser 

aeorie auf die psychologische seite der frage zurück , welche 

i!ir ref. schon in seiner dissertation Quaestiones syntact. de elo- 

yttione Tacitea comparato Caesaris Sallusti Vellei usu loquendi. 

dssae 1882 und in seinem referat über E. Hoffmanns Studien 

if dem gebiet der lateinischen syntax (s. Philol. anzeiger 1884, 

'.VI, p. 260 — 266) betont hat. — Außerdem ist offenbar das beob- 

^bhtungsgebiet des Verfassers in folge der beschränkung auf 

aesars Bellum gallicum zu klein, um eine richtige beurth eilung 

er frage zu ermöglichen. — Auch der umstand, daß die neuere 

■ tteratur nicht herbeigezogen wurde , war sicherlich der sonst 

seht scharfsinnigen Untersuchung nicht förderlich, wenn er auch 

em verf. die gewinnung einer einheitlichen theorie erleichtert 

iben mag. — Es sollen nun einige einzelheiten besprochen 

erden. 

Philol. Anz. XVI. 25 



374 55. Grammatik. Nr. fl 

1) Wenn nach einem praesens historicum im finalen neben- 
satz ein coniunctiv. praesentis steht, dann wird nach Wania die 
zeitdistanz zwischen den beiden haudlungen nur sehr klein ge- 
dacht, die nebenhandlung wird nur in verschwindend geringem 
grade als relativ zukünftig empfunden und daher mit der haupt- 
handlung als coincidierend betrachtet ; ein merkliches zeitinter- 
vall zwischen den beiden handlungen würde dagegen eine relative 
zukunft bedingen, welche durch den conditionalis (coni. imperfecti) 
ausgedrückt wird. Wenn dem coni. imperfecti mit recht seine be- 
deutung als tempus der Vergangenheit abgesprochen worden wäre, 
dann müßte die bedingte zukunft auch nach einem wirklichem 
praesens durch ihn ausgedrückt werden können. Man müßte 
sagen können postulo a te ut post septem dies mihi hunc librum 
mitteres. Den coniunctiv. praesentis und imperfecti zur bezeich- 
nung zukünftiger handlungen finaler nebensätze kann man viel- 
mehr als eine art ersatz des fehlenden coniunctivs futuri an- 
sehen und , ähnlich wie bei den verbis des f ürchtens , darauf 
zurückführen , daß der Lateiner aus der finalen beziehung 
zweier handlungen an und für sich schon einen Zukunftsbegriff 
herausempfand und daher auf eine besondere ausprägung des- 
selben im nebensatz verzichtete. 

2) Abgesehen von dieser auffassung des coni. imperfecti 
stimmen die resultate Wanias in dem punkte mit meiner an den! 
oben angeführten orten ausgesprochenen ansieht überein , d 
diejenigen finalsätze, welche von einem verbum dicendi abhängen, 
zu präsentischer construetion neigen. — In der motivierung der 
einen oder anderen consecutio scheint jedoch Wania öfter sich 
zu gesuchter und gezwungener erklärungen bedient zu haben. 
So haben VII, 9, 4. 86, 2 die eingeschobenen Sätze mit si und 
I, 5, 2 — 3 der abl. abs. schon eine retardierende Wirkung auf 
den ton der erzählung. Wie VI, 9, 5 subito den gedanken an 
eine „vorausgehende pause" nahelegt, ist nicht recht verständ- 
lich, der inhalt des nebensatzes, der das „vorschwebende ziel" 
der haupthandlung ist, genügt nach dem p. 7 aufgestellten grund- 
satz völlig zur erklärung des coniunet. imperf. — P. 30 macht 
die, nachdem VII, 71,3 besprochen ist, aufgestellte behatiptung, 
daß der in obsecrare und obtestari gelegene begriff der dringlich- 
keit den coniunctiv praesentis motiviere, alles, was zur erklärung 
der einzelnen stellen gesagt war, überflüssig. Wenn p. 29 zu 



yJr. 7. 55. Grammatik. 375 

, 20, 5 bemerkt wird finem faceret wäre ganz widersinnig, weil 
Mvitiacus doch auch von selbst einmal zu bitten aufhören würde", 
o ist dies offenbar verkehrt , es dürfte nämlich sonst nie ein 
• utor dieser form sich bedienen ohne gegen die logik zu ver- 
stoßen. — Zu Cic. Verr.II, 1, 26, 66 (p. 32) s. Philol. anz. XIV, 
(•884: p. 265. — P. 18. VII, 45,7 gezwungene erklärung; man 
ann sagen animadverterentur hängt enger mit raros zusammen, 
)m mit traducit, übrigens genügt auch hier der gesichtspunkt 
es vorschwebenden zieles. — P. 14. III, 5, 3 paulisper nicht 
iusschlaggebend. Der befehl des Galba soll bei der höchst kri- 
tischen läge beruhigend wirken, daher das imperfectum Wania 
itätte sich übrigens auch auf das post beziehen können. 
■ 3) Bei den consecutivsätzen (p. 44 — 51) bespricht Wania 
ip. 45) VI, 36, 2 nulluni eiusmodi casum exspectans , quo offendi 
■osset, . . mittit. Der coni. imperfecti bedarf gar keiner erklärung, der 
uebensatz schließt sich an eiusmodi casum an, dessen Zusammen- 
hang mit mittit selbst wieder durch expectans vermittelt ist. Der 
.ngere oder weniger enge Zusammenhang mit dem verbum re- 
, ens muß gerade bei einer der psychologischen seite der spräche 
Ingehörenden erscheinung besonders beachtet werden. 

4) P. 51 — 58 werden die indirekten fragesätze behandelt. 
i— P. 53. VII, 15, 3 schon der begriff des deliberare., des 
: runde und gegengründe abwägens rechtfertigt hinreichend 
He wähl des ein ruhigeres tempo andeutenden coniunct. imperf., 
obgleich damit nicht ausgeschlossen sein soll, daß gelegentlich, 
j/o es sich um die hervorhebung des bewegten Charakters 
iiner solchen debatte handelt, auch der coniunct. praes. zur an- 
ä 'endung kommen kann. 

jii 5) P. 58 — 68 sind die indirekten relativsätze behandelt. 
Bilanche der hier besprochenen erscheinungen beruhen offenbar 
uf der naturgemäß größeren freiheit der relativsätze überhaupt, 
sie meist sehr indirekt mit dem hauptverbum in Verbindung 
i'ltehen. Ein anderer gesichtspunkt, den der Verfasser hätte be- 
f men müssen , ist die rücksicht auf den stilistischen Charakter 
!i.er betreffenden partie, in welcher sich die einzelnen beispiele 
Lüden. Wenn z. b. (p. 59 — 60) bei I, 17, 2. 18. IV, 7. 8. 
/, 38. 41. VII, 14. 37. 64. 66. 85 und an anderen stellen die 
jjmgebung des relativsatzes ganz oder vorwiegeud präsentische 

Ionstruction aufweist, so wird man alle übrige motivierung des 
25* 



376 55. Grammatik. Nr. 7. 

coni. praesentis entbehren können. Einige beispiele bieten 
ein besonderes interesse. I, 31 so lange die rede ereignisse der 
Vergangenheit behandelte, war sie präterital, mit § 9 wendet sie 
sich den gegenwärtigen Verhältnissen zu , wird eindringlich und 
nimmt präsentische construction an. — II, 3, 4. 5 ; 4, 8. IV, 7. 
IV, 8 haben wir ganz oder vorwiegend präsentisch construierte 
indirekte reden , die dazu noch gar nicht von einem praesens 
historicum abhängen. Auch V, 27, 9. 36, 2 handelt es sich 
offenbar nicht um praesens historicum. — IV, 21, 8 befindet 
sich der relativsatz in ganz präsentischer Umgebung ; ähn- 
lich VII, 8, 3. 

6) P. 68 — 75 werden die indirekten causalsätze behandelt. 
P. 69 heißt es „klarer ist das Zeitverhältnis in den fällen , wo 
die im conditional auftretende handlung unmittelbar von einem 
praesens historicum abhängig ist". Auf das nun folgende bei- 
spiel VI, 1, 2 kann dies jedoch keine anwendung finden, da 
quoniam — remaneret von iuberet abhängt. — Zu p. 73. 1,16,6 
hängt der causalsatz direkt von accusat, einem verbum dicendi ab. 
— I, 18, 3 ganz präsentisch construierte Umgebung. 

7) Bei den temporalsätzen wäre vieles durch die größere 
temporale Selbständigkeit dieser satzart zu erklären gewesen. — 
Man kann z. b. die beobachtung machen , daß das sogenannte 
cum historicum immer, selbst in durchaus präsentischer Umge- 
bung, seine präteritale construction bewahrt, s. I, 18, 3. — Die 
anwendung dieser der natur der sache nach vielfach subjektiven 
resultate bei gestaltung des textes muß für unsicher und gewagt 
gehalten werden. Ich glaube in diesen zeilen gezeigt zu haben, 
daß der Verfasser umstände , die für die richtige beurtheilung 
dieser frage wichtig sind , außer acht gelassen hat. Gegen die 
zurückführung der syntax des praesens historicum auf feste 
logisch zwingende gesetze, auf eine bestimmte 
zeitliche läge der einzelnen handlungen zueinan- 
der, möchte ich zum schluß die frage aufwerfen : wie wäre 
unter diesen umständen die verschiedene behandlung des prae- 
sens historicum bei den verschiedenen Schriftstellern zu erklären? 
wie z. b. die eine thatsache , daß im BGall. VIII. BAlex. Afr. 
Hisp. das praesens des nebensatzes fast gänzlich zurücktritt gegen 
die präteritale consecutio, obwohl sich diese Schriften auf dem- 
selben gebiet bewegen, wie die bücher Caesars? G. Ihm. 



jjfc 7. 56. Homeros. 377 

* 56. E. Buch holz, die homerischen realien. III. band: 
lie religiöse und sittliche Weltanschauung der homerischen Grie- 
;hen. 2. (schluß-)abtheilung : die homerische psychologie und 
itbik. Leipzig, Engelmann 1885. 

Mit diesem theile ist das umfängliche werk endlich abge- 
schlossen. Die arbeitsmethode des Verfassers dürfte aus den 
früheren bänden hinlänglich bekannt sein, denn alle kritiken 
lind spurlos an ihm vorüber gegangen •, sie bewogen ihn nicht 
jinmal, der bibliographie mehr Sorgfalt zuzuwenden. Von der 
(•eichen literatur, welche über die ethik der homerischen zeit 
,-orliegt, finden wir nur einiges wenige angeführt , wahrhaft be- 
ji remdend ist es aber, daß ihm Leopold Schmidts bekanntes werk 
vjrst nach der Vollendung „zugänglich wurde". 
| Unter dem titel „psychologie und ethik" faßt Buchholz recht 
verschiedenartige dinge zusammen. Die „homerische psychologie" 
» p. 3 — 114) bringt eine breite erörterung der ausdrücke &vfA.6g, 
■ievoi', ijroQ , xIjq , y.(juöii] , Wv%i'j , cpotisg und voog; die „ethik" 
iltaßt außer dem, was man sonst mit diesem worte zu bezeichnen 
pflegt, auch die sogenannten sakralalterthümer (p. 246 — 326) 
i.and eine besprechung der Sklaverei (p. 372 ff.) in sich. 

Sehen wir von jenen ungehörigen einschiebsein ab, so müs- 
sen wir vor allem die freilich nicht Buchholz allein eigene to- 
tale verkennung der homerischen zeit rügen. Es ist nicht blos 
(eine sünde wider die deutsche spräche und den guten geschmack, 
jwenn man die sittlichen anschauungen Homers in die kategorien 
moderner philosophen einschachtelt-, der „recurs auf die höhere 
Intelligenz der gottheit bei schwierigen sittlichen problemen", 
:„der obligatorische charakter des officium commercii", die „ach- 
,tung vor der somatischen daseinssphäre des mitmenschen" und 
\ ähnliche ausdrücke der studierstube verfälschen geradezu das 
ibild des Zeitalters. Der erste grundsatz des philologen muß je- 
denfalls suum cuique sein. Ist es schon bedenklich, dem griechi- 
schen volke in der klassischen periode ohne weiteres die ideen 
»seiner denker beizulegen, so muß der homerischen zeit alles, 
was nach wissenschaftlicher philosophie schmeckt, ferne bleiben, 
weil kein einziger Grieche damals irgend eine spur davon kannte. 
j Außer den gelehrten weiß niemand etwas von psychologie ; fra- 
i gen wir doch lieber: welche organe betrachtete der homerische 
mensch als sitz seines fühlens und denkens und wie stellte er 



378 56. Homerot. Nr. 7 



sich selbst seine seele vor? Lessing hatte recht, eine akademi 
zu verspotten, weil sie die philosophie des dichters Pope dar 
zustellen aufforderte; was würde er erst gesagt haben, hätte sie 
die bearbeitung von Homers theorie der ethik gewünscht? Homer 
ist weder selbst philosoph noch , wie etwa die tragiker , Zeitge- 
nosse von philosophen ; betrachten wir ihn denn auch wirklich 
als ungelehrten dichter, dann wird die homerische „ethik" wenig 
papier und wenig fremdwörter in anspruch nehmen. Wir finden 
die musterbilder sowohl eines fürsten in den verschiedenen le- 
bensaltern (den jüngling Achilleus, den mann Odysseus und den 
greisen Nestor) als auch einer fürstin , des treuen dieners und 
der sorgsamen dienerin, wie sie Homers Zeitgenossen sich dachten, 
auch die gegenstücke fehlen dazu nicht. Dazu findet man an- 
gedeutet, was nach homerischer anschauung die gottheit belohnt 
oder bestraft. Mehr ethik sollte man aus keinem dichter her- 
auslesen, geschweige denn aus Homer. 

Und will man denn einen maßstab der vergleich ung für Homer 
haben, dann suche man ihn nicht in der modernen philosophie, 
sondern in Hellas. Leopold Schmidts werk hätte Buchholz dar- 
über aufklären können , daß der homerische mensch und seine 
naivität nicht, wie die von Eousseau irregeführte aufklärungszeit 
meinte, eine nachmals in Griechenland ausgestorbene species sei. 
Vielleicht hätte es auch nicht geschadet, wenn „naivitäten" an- 
derer in einfachen Verhältnissen lebender völker zum vergleich 
beigezogen worden wären. 

Im detail berichtigungen beizubringen , fällt dem kritiker 
bei diesem buche nicht schwer*, aber wir wollen nur einige 
punkte herausgreifen , welche richtiger zu fassen sein dürften 
als bisher geschehen ist. Das p. 122 ff. weitläufig besprochene 
wort « q s 7 i'j ist am einfachsten als abstraktum zum adjektiv 
aya&os zu bezeichnen (vgl. Solon fr. 15, 1. 3; den gegensatz 
gibt unaoTTj^- ab Hesiod. E. 287 ff.). Je nach der person be- 
deutet es also etwas verschiedenes: beim homerischen beiden 
tüchtigkeit im kämpf (0 641) und Schnelligkeit der fuße (T411), 
bei den bauern Hesiods arbeitsamkeit (Erga 289), an den frauen 
die Vorzüge welche Penelope besitzt (ß 205), endlich bei pferden 
die Schnelligkeit (V 276); aus Solon (fr. 27, 16) dürfen wir 
für den greis, den die körperkräfte verlassen haben, hinzusetzen : 
redegewandtheit (ylwaaa) und klugheit {cmafirj). Weiter be- 



1 



7. 56. Homeros. 379 

jichnet aber vqsti,, wie es scheint, auch das ansehen, 

* elches dem ayu&og zukommt; darum sagt Hesiod Erga 

13 Tlloinm <5' ugett] na'i xvdog omj8al und ein homeriker (Hymn. 

j5, 9 = Callim. h. in Iov. 96) fleht zu den göttern dCdov <5' äge- 

h'jp 7? xa) olßor, während Solon (13, 3) von ihnen nAßnv und 

azu 8 6%ar u y « & f t v erbittet. So vindicirt denn auch Homer 

iit üns7tj den göttern nicht ,,den inbegriff aller Vorzüge, die 

höchste herrlichkeit und erhabenheit" , sondern I, 497 rmvneQ 

x) fjisiXcov uqett] Tiutj Tu ßit] is handelt es sich wiederum zu- 

fachst um die <5o£a (ayu&ij), wie in der berühmten interpolation 

'[atth. 6,13 ozi anv fotiv tj ßaailsta aat r\ Övrafiig xal tjSo^a 

f'g Tovg almrag. 

( S. 125 ff. „Körperliche Vorzüge als normen für die werth- 
Jtessung des menschen" ist recht schief und verworren gefaßt. 
!s ist ja eigentlich eine allgemeinmenschliche anschauung, daß 
ichtigkeit und Schönheit, häßlichkeit der seele und des körpers 
ßusammengehören. Jeder volksthümliche dichter wird diesem 
;uge rechnung tragen und, wenn er aus irgendwelchen gründen 
ausnahmen zuläßt, diese gewissermaßen entschuldigen. Alle ho- 
-lerischen helden sind also groß und schön (etwa der lokrische 
»;üas ausgenommen) , während Thersites natürlich ein ausbund 
'er häßlichkeit ist. Dagegen hebt der dichter bei Nireus (Z? 
J71 ff.) und Antinoos (o 454) das mißverhältnis zwischen kör- 
irer und charakter gebührend hervor. Was soll da nun z. b. 
ie bemerkung (p. 125 f.): „von Nireus . . . wird emphatisch 
esagt, er sei nach Achilleus der schönste mann im ganzen 
\ rriechenheere , was ungefähr so klingt, als biete seine schön- 
pieit für den mangel sonstiger Vorzüge ersatz" u. s. w.? 
1 P. 152 f.: vrjnifTj ist doch eine recht auffallende bildung, 
Welche durch die berühmte form vr\niäag noch verdächtiger wird. 
' Sl iS sieht so aus, als ob die grammatiker dreisilbige formen vor- 
gefunden und durch eine „zerdehnung" gestreckt hätten. Nun 
'ollte rrf/Tiog selbst eigentlich *rtj-{s)nqg (in-fa-ns) lauten (die 
Ableitung von IJT ist ja nicht glaublich) wie vt]-(a)Xeyrjg , vrj- 
^s^stjg u.s. w. •, wie? wenn ursprünglich vjjTrsCtj, vrjnslag im texte 
gestanden hätte? Was die bedeutung anlangt, so gibt uns die 
breitspurige erörterung p. 153 ff. die Überzeugung, daß die 
'ander zur homerischen zeit gerade so waren wie jetzt; in bezug 
luf die erwachsenen nimmt Buchholz das wort zu tragisch. Für 



380 57. Diodoros. Nr. 7 






Homer ist es einfach „Unverstand, Unüberlegtheit", ob nun einer 
in einer kalten nacht seinen mantel vergißt (§ 487) oder ob ei 
sein leben verwirkt. 

P. 304 : „ein höchst fruchtbares der Demeter geweihtet 
grundstück, Jijiu'jtoiov genannt, lag in der nähe von Pyrasos. 
einer Stadt der thessalischen Phthiotis" ist unbesehen aus Bur, 
sians Geographie I, 80 entnommen. Wer B 695 liest, hat ge- 
wiß den ejndruck , Ji'jutjTQog ts/ispog sei apposition zu Tlvoaüoi 
av&sfiösvta , und dies ist auch die ansieht der alten (Strabo 9, 
435. Skylax per. 63. Steph. Byz. v. J)jn>']TQtov) f wozu der name 
des ortes „Waizenstadt" vortrefflich stimmt ; übrigens kommt 
Pyrasos überhaupt nur bei Homer vor. Der irrthum entstand 
aus Strabo a. o. : to 8s /Irmrjioiov (sc. "OfiqQog) dfifiqzgog tiQijx, 
zifisvog, x a i ixiiksoe TIvquöov- r/v de nnlig evltfitvog t] Ilv 
gaaog , iv 8vai araSlotg e^ovna /jfj(xi]rQog äXoog xal Isqov aywv. 
Offenbar ist /; TlvQuaog zu streichen; die in historischer zeit al- 
lein existierende Stadt Demetrion war also nach dem heiligthume 
benannt, das zwei Stadien entfernt lag. Die interpolation wird 
durch das später folgende ö nüguaog xarsaxccfifiivog, demzufolge 
Strabo den namen für ein maskulin nahm, erwiesen ; für die er 
klärung von ii> 8va), otadioig vgl. 8, 363 agoxeirat 8s xarn jov 
tov Kv&tjoa iv TerzaoaxoiTa ata8Coig , vijoog evXCperog und f«;- 
&tiov io rijg 27zuQTt]g inivmov iv dtaxoaioig xai tstxaqäxofta. 
araSiotg i8qv[a€vov u. ä. 

Karl Sittl 

57. Johannes Pohler, Diodoros als quelle zur ge- 
schichte von Hellas in der zeit von Thebens aufschwung und 
große (379 - 362). Cassel, Ferd. Keßler in kommission 1885. 84 p. 

„Trotz mancher nicht immer gewissenhaften nachrichten und 
mancher auslassungen und Verschiebungen ist doch der bericht 
des Diodoros der vollständigste und zusammenhängendste, wel- 
chen wir besitzen, und bietet uns eine menge guter nachrichten, 
die wir anderswo vergebens suchen". Ein sehr wahres, aber 
nichts weniger als neues ergebniß. Doch ist nur der titel vom 
verf. unglücklich gewählt: er hat noch zwei andere zwecke ver- 
folgt. Zunächst den , die provenienz der diodorischen berichte i 
zu ergründen. Er hofft, für die weitaus meisten, für viel mehr 
als es Volquardsen gelungen ist, Ephoros als quelle derselben 



m 7. 57. Diodoros. 381 

lacbgewiesen zu haben , indem er sich hauptsächlich auf das 
Philol. XL, 48 ff. ermittelte kennzeichen, die jahrform des Epho- 
•os (anfang im herbst) und nach Volquardsens sonstigem Vorgang 
luf die Verbindung mehrerer jähre in einer Jahrbeschreibung 
(stützt •, nicht zu billigen ist, daß er auch die chronologische Ver- 
wirrtheit mancher Jahresgeschichten zu diesem zweck verwendet. 
| Etwa für die hälfte der fälle , nämlich für diejenigen , welche 
meine tiefergehen den Studien erfordern , darf man den nachweis 
kener kriterien anerkennen. Das dritte verdienst, „in die höchst 
fehlerhaft und verworren erscheinende Chronologie dieser ab- 
i.chnitte wenigstens einigermaßen Ordnung gebracht zu haben" 
iällt, wo es vorhanden ist, in der regel mit dem zweiten zusam- 
men ; das maß seiner leistungen in dieser beziehung zu bestim- 
men, war der verf. schon deßwegen nicht im stände, weil er 
Sich mit der einschlagenden literatur nur unvollkommen bekannt 
I gemacht hat. So weiß er z. b. nichts von den folgerungen, 
[Welche Köhler und in anderer weise Beloch aus Inscr. att. II, 57 b 
.betreffs der Mantineiaschlacht gezogen haben ; den nachweis, 
laß das lob des Pelopidas XV, 81 nicht auf Ephoros ruht, hat 
vor ihm schon Queck, Progr. Stargard 1875 geliefert und die 
)eiden unbekannte quelle ist, wie Philol. XL, 86 wenigstens 
Im gedeutet wurde, Kallisthenes. 

i Bedenklich steht es mit den allgemeinen , besonders (ob- 
gleich verf. oft bis zur fixirung von tagdaten geht) den chro- 
nologischen kenntnissen. Für die datirung der sonnwenden und 
Diachtgleichen wendet er den gregorianischen stil an und conta- 
a : ininirt mit ihr die von den Chronologen auf den julianischen re- 
pilucirten alten tagdata ; wenn Diodor von sommers anfang (ge- 
ilen mitte mai) redet, glaubt er den 21. juni vor sich zu haben. 
Oie attischen lenaien setzte 1816 Boeckh in den 7. monat ga- 
raelion, 1830 Clinton-Krüger in den 8. monat anthesterion ; dem 
pwrf. ist noch 1885 unbekannt, auf welcher seite das recht liegt, 
*!r hilft sich aber in origineller weise: auf 368/7 — es handelt 
«ich um den tod des tyrannen Dionysios bald nach jenem feste 
F — fällt nach Boeckhs entwurf (einen späteren , nach welchem 
vielmehr das gegentheil der fall ist, kennt er nicht) ein schalt- 
^nonat, dadurch wird gamelion der 8. monat und so trifft denn 
')ei ihm wenigstens die monatsnummer ein. Hienach würden 
'ilso im Schaltjahr die anthesterien in den gamelion, die tharge- 



382 58. Piaton. Nr. 7. 

lien in den munychion , die skirophorien in den thargelion, da- 
gegen in den skirophorion gar kein fest gefallen sein ! Daß 
Diodor XV, 36 den tod des Chabrias anachronistisch in das 
jähr 375 setzt, kann verf. nicht glauben, zumal auch XV, 47 
[richtig] der tod des Euagoras gemeldet, XVI, 42 aber derselbe 
[in folge einer Verwechslung] als noch lebend behandelt wird; 
er vermuthet daher, das an beiden stellen gebrauchte ftoloyo- 
vsip heiße nicht bloß meuchlings ermorden sondern auch im 
meuchlerischen Überfall schwer oder tödlich verwunden. Was 
bedeutet dann halfvzrjne XI, 48. XVI, 72, wo ebenfalls der 
tod vor der zeit angegeben wird? Den ausdruck FnClsxroi in 
Toiig xalovfjhovg imli^tovg XV, 62 , Tovg iniXfxtovg ovo^a^n- 
fievovg XV, 67 nimmt verf. als ein appellativ und ertheilt mir 
eine rüge , weil ich Ephoros als quelle voraussetzend das für 
diesen bezeugte nomen proprium des stehenden heeres der ar- 
kadischen landesgemeinde (ent/.QCiovg) verlangt habe! 

U. 



58. Piatons Symposion, erklärt von Arnold Hug. 
Zweite aufläge. Leipzig 1884. Verlag von B. G. Teubner. 

Diese gediegene ausgäbe, die, nicht bloß für philologen be- 
stimmt, doch vorzugsweise in philologischen kreisen ihr publi- 
kum gefunden haben dürfte , erscheint nach wenigen jähren in 
neuer aufläge und zwar, wie zu erwarten, mit zahlreichen nach- 
tragen, änderungen und besserungen, die ebenso sehr von der 
Sorgfalt wie von der umsieht des herausgebers zeugniß ablegen. 
Die allseitige berücksichtigung der verschiedenen Seiten der er- 
klärung , der sprachlichen und sachlichen , die neben dem ein- 
zelnen nie das ganze aus den äugen verliert, die eingehende, 
erwägung der textkritischen fragen , die heranziehung der übri- 
gen litteratur sowie der inschiiften machen den commentar zu 
einem reichen quell der belehrung, der man um so williger 
folgt, als sie nicht in bloßer gelehrsamkeit beschlossen liegt, son- 
dern vielfach den erwärmenden hauch der begeisterung für den 
gegenständ spüren läßt. 

Es würde wenig fruchtbar sein, den ganzen commentar mit 
meist zustimmenden bemerkungen zu begleiten. Ich ziehe es 
vor, einige einwände zu einem abschnitt, nämlich der rede 
des Socrates zu machen. In dieser hat Hug einem grundsatz 



fr. 7. 58. Piaton. 383 

mfolge, über den er sich in der einleitung ausspricht, in ziem- 
• ch reichlichem maße worte und kleine stücke , die er als ein- 
fchiebsel erkannt zu haben glaubt, ausgemerzt. In einigen fäl- 
jn sind die gründe für dies verfahren überzeugend , in andern 
i in ich mir wenigstens nicht so sicher über die nothwendigkeit 
rer Streichung. 

So tilgt 202 C Hug mit Badham das y.a) xalave, weil der 
eweis dadurch gestört werde. Es soll bewiesen werden , daß 
Iros kein gott sei , und dieser beweis muß nach Hug folgende 
i estalt haben. Alle götter sind glücklich. Glücklich sein heißt 
ber das gute und schöne besitzen (= gut und schön sein), 
iilso besitzen die götter das schöne und gute (= sind schön 
md gut). Eros dagegen besitzt es nicht, ist also kein gott. 
Uiemand wird, die prämissen zugestanden, gegen die richtigkeit 
-es beweises etwas einwenden. Nun aber nehme man folgenden 
beweis: alle götter sind glücklich und schön. Glücklich und 
ühön sein, heißt das gute und schöne besitzen. Eros besitzt 
ies nicht, also ist er kein gott. Ich wüßte nicht, was von sei- 
IJn der formalen richtigkeit an diesem beweise auszusetzen wäre. 
Ind bei Plato lautet er thatsächlich so bis auf eine abwei- 
Miung, die darin besteht, daß Plato nicht sagt, glücklich und 
fchön sein heißt das gute und schöne besitzen, sondern bloß: 
j lücklich sein heißt das gute und schöne besitzen. Daran aber 
ann eine bloße lässigkeit des ausdrucks, oder richtiger gesagt, 
ie scheu vor der lästigen Wiederholung des xtxl xaXovg, nach- 
dem es eben schon zweimal neben sidaifimv genannt ist, die 
3 chuld tragen. Nimmt man aber dies an, so entspricht dem 
^Sutfjiwv das Tuynda y.eyt7?jfjhog, dem xulog das xahx nsxrrifisrog. 
'i)as erstere ist eine von jedem Griechen leicht zugestandene 
find für den begriff des nvöaifioiv auch ohne tu naXd vollkom- 
men ausreichende bestimmung, wie gleich nachher 205 A zeigt, 
Ms letztere ist die im vorhergehenden 201 B (wo, was bemer- 
ienswerth ist, wenigstens nicht ausgesprochen ist, daß zd- 
x&a y.v/.zrjfx(vog = ayudös, welche gleichung Hug ansetzt, so 
; aß wir es auch in dieser hinsieht für svdaC/jicov allein in an- 
! pruch nehmen können) gegebene , an sich wegen der zweideu- 
gkeit des yexTt]/j,evog recht schillernde bestimmung. 

Für sich betrachtet und auf seine formale richtigkeit ge- 
f ruft, scheint mir also der beweis zu leisten, was er leisten soll. 



384 59. Aristoteles. Nr. 7. 

Daß er natürlicher verlaufen würde ohne ma xa).ov*' , ist ohne 
weiteres zuzugeben. Daß er durch hinzufügung dieser worte 
verkehrt wird, vermag ich nicht einzusehen. 

Zu der stelle 202 A vergleicht Hug mit recht Rpl. 477 A. 
Doch ist es ganz wider den geist der platonischen lehre mit 
Hug zu sagen, die äyi'oiu sei die erkenntniß des nicht-seienden. 
Das nicht-seiende im modalen sinne läßt nach Plato überhaupt 
keine erkenntniß zu. fläg yug at> ni t ov yi ri yrwaöeiq- die 
äyioia ist, ähnlich wie die u/iudia, entweder die geistige leer- 
heit (•AtioTtji; ?/yc 77££>f V Ji 'lh v *b*°H' Rpl- 585 B), die blindheit, 
die überhaupt nichts sieht, oder auch die irrige auffassung 
der dinge, wie gleich nachher 204 A die u/ahOiu beschrieben 
wird; aller irrthum aber gehört eben in das gebiet des nicht- 
seienden. Nur in gewissem sinne gibt es eine erkenntniß des 
nicht-seienden , nämlich in bezug auf die negation im urtheih 
gemäß den erörterungen im Sophistes. Aber diese ist nichts 
weniger als uyvota. 

Otto Apelt. 



59. Ernestus Richter, Anhaltinus, De Aristotelis ; 
Problematis. Diss. inaug. Bonn. 1885. Bonn, Georgi. 
4. 49 p. 

K. Prantl war vor dreißig jähren der erste, welcher in ei- 
ner durch Schlichtheit der darstellung und tiefe der erörterung 
bewundernswerthen abhandlung der bayrischen akademie an die 
sogenannten aristotelischen probleme als historischer kritiker her- 
antrat; seine ergebnißreichen f'orschungen wurden fortgeführt von 
Val. Rose und Ed. Heitz. Ueber den nichtaristotelischen, wohl 
aber peripatetischen Ursprung sowohl der alten größe- 
ren Sammlung von 890 problemen in 38 (39) büchern als der 
neueren, 192 aporien umfassenden, die Georgius Valla ins la- 
teinische übersetzte, Bussemaker 1857 in Paris, Usener 1859 
in Berlin veröffentlichte , ist man seitdem einig. Nicht minder 
ist bewiesen, daß die große Sammlung der einheit ent- 
behrt, indem dieselben oder fast dieselben probleme häufig 
zweimal , bisweilen sogar vier bis fünfmal begegnen ; daß die 
probleme mehrfach aus erhaltenen werken des Theophrast 
entnommen sind; daß uns erhaltene, aber auch nicht erhaltene 
probleme unter Aristoteles namen von lateinischen und griechi-/ 



r. 7. 59. Aristoteles. 385 

,hen Schriftstellern des 2. Jahrhunderts n. Chr. und 
,iäterer zeiten unter Aristoteles namen citiert werden. Unter 
>r sachkundigsten anleitung von H. Diels und H. Usener nimmt 
. Eichter die Untersuchung nach den letztgenannten drei ge- 
chtspunkten wieder auf und führt sie besonders in den beiden 
sten kapiteln jenem abschluß zu, der bei den lücken und man- 
gln der in betracht kommenden litteratur überhaupt möglich ist. 
Cap. I (p. 5 — 26) ist den Wiederholungen gewidmet, 
aß man bei zwei- und fünfmaliger Wiederholung eines problems 
. dinem buche nicht mehr von einem Verfasser der 38 bücher 
, den könne , von denen nicht eines frei von Wiederholungen 
t, wird als selbstverständlich betrachtet. Wenn, was nicht 
i lten zutrifft , zwei unter einander sehr ähnliche probleme mit 
ner stelle des Theophrast gleichheit des gedankens zeigen , so 
ird nicht eine imaginäre dritte quelle als gemeinsame vorläge 
;ider probleme angenommen , sondern die ungekürzte urform 
js jetzt in all seinen kleinen Schriften verstümmelten Eresiers. 
assen sich doch auch nicht wiederholte Pseudoaristotelische 
-robleme als nahezu wörtliche abschriften erhaltener theophra- 
ischer stellen nachweisen (Pr. 20, 12 aus Theophr. de caus. plant. 
p, 6, 2). Dem ursprünglichen Theophrast oder seinen zeit- und 
hulgenossen wird , in weniger sicherer Verfolgung des vorher- 
ihenden sicheren Schlusses , auch die Urheberschaft jener apo- 
] en zugewiesen, die, in je mindestens zwei pseudoaristotelischen 
•oblemen wiederkehrend, in unserm epitomierten Theophrast 
J irgeblich gesucht werden. 

' Der gesammte bestand der größeren problemensammlung 
'' heidet sich nach Richter in vier schichten , die er mit A, B, 
', D bezeichnet. A ist in der regel durch den größten (durch- 
schnittlichen) umfang gekennzeichnet, D durch den kleinsten, 
giebt insgemein die vorläge wörtlich wieder 5 ß mit geringen 
-bderungen; C, knapp im Vortrag, wählt einzelne gründe der 
aelle aus oder fügt eigene hinzu; D, der jüngste, reiht an die 
age eine selten einer selbständigen vorläge , öfter den selbst 
öhängigen älteren problemen A und B entnommene und auf &n 
otiv beschränkte antwort. E begreift alle übrigen probleme in 
-ch, vornehmlich diejenigen, deren umfang selbst über den höch- 
1 en der genannten vier Massen hinausgeht und räum und rah- 
en einer gesonderten abhandlung ausfüllt (wie 30, 1 über die 






386 59. Aristoteles. Nr. 7. 

melancholie), dann jene, welche, aus verschiedenartigen Proble- 
men zusammengeschrieben , in eutstehuug und zweck gleich un- 
klar sind. 

Es bedarf kaum eines hinweises , wie schwierig die abson- 
derung der vier hauptbestandtheile der großen Sammlung ist. 
Denn mögen auch A und B zusammengehalten oder zusammen 
an die erhaltene vorläge hingehalten charakteristisch gegen ein- 
ander abstehen und mag auch C noch, wenn A und B zugleich 
erhalten sind, seine eigenart der willkür erkennen lassen : A und 
B aus einander zu halten, fehlt oft jedes überzeugende kriterium 
(XI, 13 theilt Richter dem B zu, XI, 15 dem A; ich ziehe das 
gegentheil vor). 

In cap. II (p. 26 — 31) wird ein tabellarischer nachweis der 
von den excerptoren beider problemensammlungen benutzten 
quellen, soweit sie erhalten, versucht und zwar für Theo- 
phrast, der 4 /ö des Stoffes lieferte, die thätigkeit der drei ex- 
cerptoren A, B, C vornehmlich statuiert, für die sechs probleme 
aus Hippokrates und für die achtzehn aus Aristoteles 
ausschließlich jene des B in anspruch genommen. Dem B wird 
u. a. zugetheilt von der größeren Sammlung Pr. XX, 8. 9. 13, 
14. 18 = Theophr. de caus. plant. V, 6, 3. 4. 2/3. 5/6. 10, 
und I, 8. 9. 10. 11. 12. 20 == Hippocr. de aere p. 42 ed. 
Littr. ; von der kleineren II, 42. 43. 49 = Theophr. de vertig. 
§ 9. 11. 13 und 2, und demgemäß eine gewisse Stetigkeit in 
der quellenbenutzung und die Schöpfung innerlich verwandter 
aporien vornehmlich dem B zugeschrieben. 

Recht bunten inhaltes , wenn auch , größtentheils ohne des 
verfs. schuld , mager an kernigem neuen gehalt ist cap. III (p. 
31 — 47), Zunächst werden Prantls betrachtungen über die 
composition der hauptsammlung resümiert: der umfang der 
38 (39) mit separattiteln versehenen bücher ist ein grundver- 
schiedener (B. XI hat über 60 probleme, B. 36 blos drei win- 
zige); einzelne der 890 probleme sind zu wahren traktaten an- 
geschwollen (XXIX, 13 ist umfangreicher als B. VI oder XVII 
oder XXXV oder XXXVI) , andere sind auf dreizehn Wörter 
eingetrocknet (p. V, 42); der Stoff verbindet mehrmals mehrere 
bücher zu einem innerlich ganzen (B. 27 — 33 ethisches, 31 — 38 
somatologisches), wenn auch die in einigen manuscripten sich 
findenden gemeinsamen titel (wegen der Wiederholung gleicher 



ir. 7. 59. Aristoteles. 387 

'•obleme unter ungleichen titeln) nicht vom generalredaktor (Z) 
jr Sammlung herrühren können; in den einzelnen büchern selbst 
iederum, besonders in b. I. III. X. XX. XXIII, ergänzen sich 
kcht selten mehrere, sei es auf einander folgende sei es in der 
jutigen Verfassung der kollektion von einander getrennte, pro- 
jueme zu einer höheren sachlichen einheit (z. b. I, 20. 19. 11. 
2. 25. 27. 29. 21. 22 handeln von den morbi tempestivi). 

Wie die große Sammlung in vier, so scheidet sich die 
[leine in zwei hauptschichten: problem 1 — 38 wird 
).!}m compilator D , 39 — 126 (ksqi avfin?cQpäTcoi>) dem B zuge- 
heilt; demselben B oder einem dritten problem 127 — 192 
isqi itroanodmv), die meist aus Aristoteles geschöpft sind. 
w Welches ist das Verhältnis der erhaltenen zwei Sammlungen 
k den eigentlich Aristotelischen problemen, ferner zu jenen, 
-:e nach Diogenes Laertius den Alexandrinern vorlagen, 
»iidlich zu den von G e 1 1 i u s und späteren Schriftstellern unter 
Aristoteles namen citierten problemen ? Von den sieben cita- 
j'n, die unser Aristoteles aus seinen n^oßli'^uja (dies der citattitel) 
f. andern werken anführt, findet sich in den zwei erhaltenen 
'"oblemensammlungen kein einziges. Von den in der alexandri- 
' sehen periode unter Aristoteles namen umlaufenden problemen- 
5 ,mmlungen, worunter nach Diogenes auch qsvaitttöv (ngoplruiä- 
hov) xaza <no<xuov lt] und syxvxXicor üß waren, führt blos Gel- 
Uis ency Mische probleme an (N. att. XX, 4 = Probl. XXX, 10), 
Hutarchus, derselbe Gellius, Galenus, Athenäus und Apollonius 
! d den Mirab.) sprechen von physischen problemen des Aristo- 
;4es oder von problemen des Aristoteles (oder von Aristoteles) 
■hlechthin , wobei sie unter physischen problemen und probie- 
ren desselben &n werk verstehen. Es ist nunmehr etwa die 
' ilfte der citate, welche diese späteren Schriftsteller (den physi- 
chen) problemen des Aristoteles zu entnehmen erklären, in un- 
trer hauptsammlung in gleichem oder ähnlichem Wortlaut er- 
eilten, die andere hälfte nicht erhalten: daraus schloß Heitz, 
iß überhaupt von allen aristotelischen problemen unge- 
* hr die hälfte auf uns gekommen sei. Ferner: die ungleich- 
st des umfanges der einzelnen bücher und probleme, die wie- 
irholungen und Widersprüche (XI, 17 (61) gegen XI, 56), der 
f meraltitel qivGixd (nQ<>ßlrjpu7u), welcher auch als spezialtitel 
äs buches X wiederkehrt und dazu für buch XVIII. XV. XIX 



388 59. Aristoteles. Nr. 7. 

gilt, die ausschließlich auf philologie , mathematik und musik 
bezug nehmen, all dies thut dar, daß das nach einer alexan- 
drinischen quelle vom Laertier genannte aristotelische werk 
yvßixoöv xutu aroi^slov Xt] wenn auch nach titel und bücher- 
zahl, doch nicht nach dem inhalt mit unserer hauptsammlung 
sich deckt. Wenn diese argumentation als wahrscheinlich er- 
achtet werden kann, so dürfte von der folgenden Richter's das 
gegentheil gelten. Es sagt nämlich Gellius XIX, 4: Aristotelis 
libri sunt qui problemata physica inscribuntur . . . In Ms quaerit 
quam ob rem eveniat ut, quibus invasit repentinus rei magnae timor, 
plerumque alvo statim cita fiant? item quaerit cur accidat ut eum, 
qui propter ignem diutius stetit , Libido urinae lacessat. III , 
spricht er vom gegendruck, den palmenholz einem auf dasselbe 
ausgeübten drucke leiste, mit bezugnahme auf buch VII der ari- 
stotelischen probleme als quelle. Das problem de urina findet 
sich in b. VII unserer hauptsammlung, welches den titel una 
tu auunadtiuii führt-, das problem de palma fand sich in b. VII 
von Gellius' problemenexemplar, in b. VII oder sonst einem un 
serer beiden Sammlungen fehlt es. Richter nimmt an , die bei 
den ersten aporien [de alvo und de urina) seie